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Verlag Langgasse 21

„Tckgdlati-HauS".

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„Tagblatt-Haus" Nr. 6650-53.

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S iihr*n e J* *Berliner Schriftleitung des Wiesbadeuer Taflbkatts: Berlm-Milmersdsrf Güntzelstr.66,Fernspr.: AmtNhland 450 u. 451. Taa"v'nndMützen^wird Gewäb^?bfrnommen.

Donnerstag. 10. Dezember 1914.

Der Krieg.

Der Tagesbericht vom 10. Dezember.

französische Angriffe verlustreich zurückgeschlagen — Feindliche Flieger über der offenen Stadt freiburg. — Krtilleriekämpfe in Gstpreutzen. — Lin Sturmangriff in Nordpolen.

W. T.-B. Großes Hauptquartier. 10. Dez., vor­mittags. (Amtlich) In der Gegend von Souaine beschränkten sich die Franzosen gestern auf heftiges Artillcriescucr. Ein um östlichen Argon ne nrande aus Bauquois und Bonreuillc» erneuerter Angriff der Franzosen kam nicht vor­wärts und erstarb im Feuer unserer Artillerie. Der Gegner erlitt' offenbar erhebliche Bcrluste.

Zwei feindliche Flieger warfen gestern auf die offen e, Nicht im Operationsgebiet liegende Stadt F r c i - bürg i. Br. 10 Bomben ab. Schaden wurde nicht angcrich- tet. Die Angelegenheit wird nur hier erwähnt, um die Tat­sache festzuftellen. daß wieder einmal, wie schon so häufig seit Beginn des Krieges, eine offene, nicht im Operations- tzcbict liegende Stadt von unseren Gegnern mit Bomben Geworfen wird.

Östlich der masurischen Seen nur Artillerie- k a m p f.

In N o r d p o l c n. auf dem rechten Wcichselufcr. nahm dine unserer dort vorgchendcn Kolonnen Przasnysz im Sturm. Es wurden 60 0 Gefangene und einige Maschinen­gewehre erbeutet. Links der Weichsel wird der An­griff fortgesetzt.

In S ii d p o l e n wurden russische Angriffe a b ge­wiesen.

Oberste Heeresleitung.

Oer österreichische Eayesbericht.

Wieder 2800 Ruffen gefangen. yj x -B Wien, J. Dcz. (Nichtamtlich.) Amtlich wird rlautbart: 0. Dcz,. mittags: I» W-stgalizicn ist »nserNn- iff im Gange. In Polen dauert die Ruhe tu dem südlichen eontabschnitt an. Die unausgesetzten Angrrm des Feindes ; der Gegend von Piotrkow scheitern nach wie vor an der, ähiqkcit der Verbündeten. Unsere Truppen allem nahmen er in der lebten Woche 2800 Russen gefangen. Weiter irdlich setzen die Deutschen ihre Operationen erfolg- eich fort.

Ein schweizerischer MilitLrkritiker über Sie Lage in polen.

Tic Entwicklung „zuungunsten der Russen".

W. T.-B. Genf. 10. Dez. (Nichtamtlich.) Der Mlitärkritiker des „Journal de Genöve" erklärt, die Kämpfe in Polen^hätten sich zuungunsten der Russen entwickelt. Die Schlacht sei interessant durch den Wechsel au überraschenden Situationen. Bei dem deutschen Oberkommando herrsche eine e r­staunliche Beweglichkeit, durch das ausge­zeichnete strategische Eisenbahnnetz begünstigt. Man habe den Eindruck, daß sich auf diesem Schauplatz die Führung der Truppen freier von Schirlformen halte und von hohem st r a t e g i s ch c m Geiste er- Mt sei.

Die Beurteilung der Lage in Österreich.

IV. T.-B. Wien, 9. Dez. (Nichtamtlich) In Besprechung der Kriegslage sagt die „Neue Freie Presse": Die durch den deutschen Sieg bei Lodz geschaffene Lage bedarf noch der Klärung. Es dürfte sich bald zeigen, ob die russische Füh­rung noch die Kraft zu einer die schweren Mißerfolge der letz­ten Zeit ausgleichenden Initiative besitzt. Sie, die gestützt auf ihre ungeheure Streiterzahl, gewaltige Räume souverän beherrschte, die selbst nach wochenlangen Kämpfen stets noch bedeutende in Reserve gehaltene Massen zum ent­scheidenden Einsatz bringen konnte, scheint ihre Kraft über­schätzt und überspannt zu haben. Die geistige Über­legenheit der österreichisch-ungarischen und der deutschen Füh­rung setzt sich allgemein durch. In W e st g a l i z i e n drangen die Russen bis in die Gegend südöstlich von Krakau vor. Sie gerieten mehrfach in den Bereich des Fortgürtels und er­litten hierbei schwere Verluste. Es war ein P r z « m y s l im kleinen. Ob sich die Russen ernstlich mit dem Gedanken trugen, Kralau zu belagern, wissen wir allerdings wicht. Nach den letzten Darstellungen des Generalstabs wur­den die Russen in Galizien aus zwei Fronten angegriffen. Das Ergebnis stellte sich auch sofort ein. Wie weit ihr Rück­zug geht, ist noch unbekannt. Manche Anzeichen deuten auf die Wahrscheinlichkeit weiterer beträchtlicher Verluste der Bussen hin. Die Anlage dieser Operation scheint mehr zu versprechen, als bisher mitgeteilt werden konnte.

Die deutschen Absichten auf die Bahnlinie warschau-Czenstochau.

Br. Ehristiania, 10. Dez. (Eiq. Drahdbericht. Ktr. Bin.) Aus London wird telegraphiert: Der deutsche

Feldzugsplan bezwecke anscheinend, die quer durch

Kbend-klusgabe.

Polen gehende Haupteisenbahnlinie von Czenstochau nach Warschau zu erreichen. Die Eisenbahn sei für die Heranschasfung von Proviant für das russische Heer äußerst wichtig. Die Deutschen rückten auf drei parallelen Straßen gegen die Eilenbahn vor. Nämlich von Th o r,n-Low itsch, Kali sch-Lodz und von der schlesischen Grenze nach P e t r i k a u. Falls die deutschen Truppen in Lodz kämpften, wären sie nur noch 15 englische Meilen von dieser wichtigen Etappenlinie entfernt.

Unklare Berichte in und aus Petersburg.

lid. Kopenhagen. 10. Dez. „Berlinske Tidende" meldet aus London: Die Petersburger Korrespondenten der englischen Blätter müssen sich darauf beschränken, lange Beschreibungen der Verheerungen zu geben, welche die deutschen Granaten in Lodz angerichtet haben. Ein Privattelegramm von gestern abend be­richtet noch, daß die Kämpfe um Lodz ununterbrochen fortdauern und gibt nur zu, daß die Russen bei Scher- zaw zu rück gehen. Im ganzen herrscht in Peters­burg, was die wirkliche Lage aus dem Kriegsschauplatz in Polen betrifft, allgenieine Verwirrung.

Die englische presse zum Fall von Lodz.

W. T.-B. Kopenhagen, 10. Dez. Aus London wird gemeldet: Die Presse hält für unzweifelhaft, daß Lodz von den Deutschen genommen ist. Man ver­steht jedoch nicht, warum der russische Generalstab den Verlust nicht offen zug^bt. Dies wird in mili- torischen Kreisen geradezu für kindisch gehalten, da solche Verluste in jedem großen Kriege Vorkommen können und durch das Verschweigen der Tatsache der Anschein erweckt werde, als wenn der Verlust viel be­deutender sei, als er tatsächlich ist.

Zur Ansprache Nasser Wilhelms auf dem östlichen Nriegsschauplatz.

Ein österreichischer Widerhall.

W- T.-B- Wien, !). Dez. (Nichtamtlich.) Die „Neue Freie Presse" schreibt: Die Ansprache des Kaisers

an die österreichisch-ungarischen und die deutschen Truppen wird in Österreich-Ungarn einen günstigen Eindruck hervor- rufen, wie alles, was in diesem Weltkriege die innere Ge­meinschaft der Herrscher, der Völker, der Armeen und der verbündeten Reiche stärkt. An diesem Bündnis ist alles Sonnenlicht. Ein Wort ist ein Wort und ein „Ja" ist in den Stunden der Erprobung und des Ernstes ein „Ja" geblieben. Der Kaiser sagte, es könne noch lange dauern. Das Wort des Kaisers, daß die Entscheidung des Krieges auch eine Nerven frage sei, ist ein Ausdruck dessen, was schon ein jeder instinktiv spürte. Siegen wird nicht, wer die letzte Milliarde hat, wie Lloyd George meinte; denn die wirtschaft­lichen Kräfte der Völker sind eher unterschätzt, als überschätzt worden, aber die Nerve n müssen die Stöße anShalten, die von den Verlusten an Leben, Gesundheit und Wohlstand aus­gehen. Wir sprachen erst vor einigen Tagen davon, welche Nervenkcaft sich in Wien und in der Monarchie zeige und wie standhaft die Folgen des Krieges bisher ertragen worden sind. Die Nervenkraft des deutschen Volkes ruft allgemeine Be­wunderung hervor. Im Kriege der Nerven werden die Ver­bündeten ebenfalls siegen.

Eine Kriegslist Hindcnburgs.

Dem „Düsseldorfer Generalanzeiger" wird folgende Kriegslist Hindenburgs aus der Schlacht bei Tannen­berg mitgeteilt: „Über den Sieg Hindenburgs bei Tan n e n- b e r g kommen erst jetzt nach und nach nähere Angaben zur allgemeinen K'enntms. Diese sind nur geeignet, den Eindruck der außerordentlichen Waffen tat zu verstär- k e n. Während Hindenburg gegen die Narew-Armee unter General Samsono-w in den masurischen Seen operierte, stand die andere russische Armee, die Njcmen-Armee, unter General v. Rennenkampf in seinem Rücken. Wenn Generäl von Rennenkampf diese Situation erkannt hätte, wäre -es ihm möglich gewesen, durch deu gleichzeitigen Angriff auf Hinden­burg dessen Armee in eine außerordentlich gefährliche Lage zu bringen. Daß dies nicht geschehen ist, ist nicht Zufall, sondern ein Verdienst Hindenburgs. Der deutsche Armee- führer war sich der im Rücken drohenden Gefahr wohl bewußt. Er hatte aber alle Vorkehrungen getroffen, um diese Gefahr von sich fernguhalten, so lange seine Operationen gegen hie Narew-Armee nicht vollendet waren. Dabei hat er auch eine Kriegslist angewendet, die von geradezu genialer Einfachheit war. Hindenburg ließ in der kritischen Zeit ein Lau d w e h r- k o r p s Tag für Tag gegen di« Armee Rennenkampfs an­marschieren, jede Nacht aber wieder zurückmar-schieren. Und zwar immer dasselbe Armeekorps, das mehrere Tage auf derselben Straße sich in der Richtung gegen die Njemen-Armee bewegte. Die Flieger der Njcmen-Armee haben zweifellos jeden Tag dasselbe Landwchrkorps gesehen, ohne selbstverständlich zu bemerken, daß es immer dasselbe war. Ihre täglichen Berichte über den Anmarsch immer wieder eines neuen Armeekorps erzeugten in Rcnnenkampf den Ein­druck, daß eine gewaltige deutsche Armee sich gegen ihn versammle. So wurde er über die wahre Situation voll­ständig g e t ä u s ch t und hielt stille, während Hindenburg die Narew-Armee in die Sümpfe jagte. Als dieser Erfolg errun­gen war, zögerte Hindenburg nicht, auch gegen die Niemeu-

Nr. 876- ♦ 62. Jahrgang.

Armee vorzngeheu, der er gewaltige Verluste beibrachte. Gene­ral v. Rennenkampf dürfte vielleicht heute noch nicht wiffen, welcher Kriegslist Hindenburgs er zum Opfer gefallen ist.

Wie Grotzfürst HiftcJci seine Generale behandelt.

Berlin, 10. Dez. Zur Absetzung russischer Generale heißt cs in einer Stockholmer Meldung der „Voss. Ztg.": Wie der aus Rußland zurückgekehrte Professor Sjergreen im „Degensnyheter" berichtet, behandelt Großfürst Nikolai Nickola- jewitsch die ihm unterstellten Generale auf das brutalste. Nach der Schlacht bei den masurischen Seen berief er den General Safimoff zu sich, ritz ihm mit eigener Hand die Epauletten herunter und schlug ihn zu Boden. Dann ließ er ihn abführen und vor ein Kriegsgericht stellen. Außer Rennenkampf noch sechs russische Generale abgesetzt!

W. T.-B. Kopenhagen, 9. Dez. (Nichtamtlich) Die hiesige Presse meldet aus Petersburg, daß außer General Renn-en- kampf noch sechs Generale der russischen Westarmee der leiten­den Kommandostellen enthoben worden sind. Wie verlautet, wurden sie zur Verantwortung vor das Kriegsminifterintp be­ordert.

'Rußland lehnt die Weihnachtswaffenruhc ab.

W. T.-B. Rom, 9. Dez. (Nichtamtlich) „Giorn-ale d'Jtalia" schreibt: WaZ die amtlich nicht bestätigte Nachricht betrifft, wonach der Vatikan die Initiative ergriffen habe, um die Regierungen der kriegführenden Staaten zur Bewilligung einer Waffenruhe während des Weihnachtsfestes zu veran­lassen, so hat es den Anschein, als ob der Vatikan sich mit einem einfachen Sondieren der Meinungen begnügt habe. Andererseits steht fest, daß die russische Regierung auf eine offiziöse Anfrage hin auf Grund eines Gutachtens des Heiligen S h n o d eine ablehnende Antwort erteilt hat.

Oer Vormarsch der Russen in Rngarn vereitelt.

W . T-B. Budapest, 9. Dcz. (Nichtamtlich.) Laut Meldun­gen, die au hiesigen amtlichen Stellen eingelaufen sind, ist der abermalige Vorstoß der Russen im Komitat Zemplin miß­glückt. Sie sind auf ihrem Marsche nach dem Süden von unseren Truppen aüfgehalten und zurückgeworsen worden. Verfolg! von unseren Kräften, bewerkstelligen sie ihren Rück­zug und sind bereits bis hart an die galizische Grenze zurück- gedrängt. Auch im Komitat Saros ist ihrem Vordringen Ein- halt getan. Am Grenzsaum des Komitats Bercg zeigten sich gestern unbedeutende russische Kräfte, denen unsere Truppen sofort mit vollem Erfolg cntgegentraten, so daß sie sich nach dem ersten Treffen unverzüglich über die Grenze zurück­zogen. Der amtlich bereits mitgeteilte Einbruchsversuch in da? Komitat Maramaros wurde bei Tornha abgewiesen.

Die Mordbrennereien der Ruffen in der Bukowina

W. T.-B. Bukarest, 10. Dez. (Nichtamtlich) Der „Adeve- rul" meldet, daß die Flüchtlinge aus der Bukowina erzählten, daß die russischen Truppen neun Ortschaften geplün­dert und deren Bewohner n i e d er gemetzelt hätten.

Schluß des ungarischen Parlaments.

W. T.-B. Budapest, 9. Dez. (Nichtamtlich) Abgeordneten- und Magnatenhaus erledigten die zur Verhandlung stehenden Entwürfe, worauf beide Häuser durch königlichen Erlaß ver­tagt wurden. Der Vizepräsident des Abgeordnetenhauses, Szoß, führte in seiner Schlußrede aus, er blicke mit patrioti­schem Stolz auf die verflossene Tagung zurück, welche durch eine t i e f e pa tr i ot isch e Einsicht und eine e inhert­lich e A u f f a s s u n g charakterisiert sei und einen Triumph des nationalen Gemeingefühls bedeute. Der Vizepräsident drückte ferner die Hoffnung aus, daß durch die Siege der öster­reichisch-ungarischen und der ruhmreichen verbündeten tapfe­ren Armee der König und die Station baldmöglichst die reichen Segnungen eines gesunden Friedens genießen möchten. Sr schloß mit Eljenrufen auf den König, die Armee und die Nation, in welche das Haus einstimmte.

Die serbischen Riesenverluste.

Berlin, 10. Dez. Das „Berl. Tagebl." schreibt: Das „Daily Chranicle" meldet, der serbische Ministerpräsident habe in einer Unterredung zugegeben, daß die serbische Armee in dem Kampf« gegen die österreichisch-ungarische Armee bisher 100 000 Mann verloren habe, woraus man schließen kann, sagt das „Berl. Tagebl.", daß die Verluste vermutlich noch viel größer sind.

wie die Serben ihr eigenes Land beim Rirckzug behandeln.

W. T.-B. Wien, 9. Dez (Nichtamtlich.) Die „Politische Korrespondenz" schreibt: Wie bereits, bekannt, verfolgt die serbische Armee seit dem Beginn ihres Rückzuges die. Methode, ihre eigenen Ortssien vor der Räumung zu plündern und zu zerstören, Nunmehr liegen detaillierte Meldungen vor, die dieses neuerdings überein­stimmend bestätigen) So wurden von unseren Truppen die Ortschaften Krupanje, Zavlake, Kamanica und Beljewo teils ganz verödet, teils geplündert, zerstört oder abgebrannt vor­gefunden. Mit einzelnen zurückgebliebenen Ortsbewohnern wurden von unseren Militärbehörden Protokolle ausge­nommen. die bestätigten, daß das serbische Militär vor dem Verlassen des Ortes Geschäfte und Wohnungen geplün- dert und Häuser in Brand gesteckt habe, während unsere Soldaten sich keinerlei Ausschreitungen zuschulden kommen liehen. Die" von dem serbischen Militär verübten. Plünde­rungen und Brandstiftungen wurden auch von einigen unserer