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Mittwoch, 9. Dezember 1914.

Abend -Ausgabe.

Nr. 574, » 62. Jahrgang.

Verlag Langgasse 21

„T-gblatr-Haus".

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Der Krieg.

Der Tagesbericht vom 9. Dezember.

Weiter vorwärts im Krgonnerwald. Starke Verluste der Franzosen bei Nancy.

Die Rümpfe in Nordpolen. Erfolgreiche Angriffe in Südpolen.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 9. Dez., vormittags. (Amtlich.) Westlich Reims mußte Pccheric-Fcrme, obgleich auch hier die Genfer Flagge wehte, von unseren Truppen in Brand geschossen werden, weil dort durch Flieger-Photo- Sraphie einwandsfrci fcstgestcllt war, daß sich hinter der Ferme eine französische schwere Batterie verbarg.

Französische Angriffe in der Gegend S o u a i n und in der Gegend der Orte Barennes und B a u q u o i s am östlichen Argonncnrandc wurden unter Verluste» für den Gegner zurückgcworfcn. Im Argonnerwaldc selbst wurde an verschiedenen Stellen Boden gewonnen; dabei machten wir eine Anzahl Gefangene.

Bei den gestern gemeldeten Kämpfen nördlich Ranch hatten die Franzosen starke Verluste. Unsere Verluste sind verhältnismäßig gering.

Aus Ostpreußen liegen keine neueren Nachrichtcp vor.

In Rordpolen stehen unsere Truppen in enger Fühlung mit den Russen, die in stark befestigten Stellungen westlich der Miczga Halt gemacht haben. Um Lowicz wird weiter gekämpft.

In Südpolen haben österreichisch-ungarische und un­sere Truppen Schulter an Schulter erneut erfolgreich angegriffen.

Oberste Heeresleitung.

Auch auf österreichischer Seite 3000 Gefangene!

Erfolge in Westgalizien.

* w T.-B. Wien, 9. Dez. (Nichtamtlich.) Amtlich wird vcrlautbart: 8. Dezember, mittags. Die Kampfe in Westgalizien nehmen an Heft i g r c t t zu. -nun­mehr mich von Westen her angremud, versagten unsere Truppen den Feind aus ferner Stellung Dobczyce-Wieliczka. Der eigene Angriff Dauert an. Die Zahl der Gefangenen laßt sich n o ch nicht übersehen. Bisher wurden über 5000, darunter 27 Offiziere, abgeschoben.

In Polen wurden erneuerte Angriffe der Russen im 'Raume südwestlich P c t r i k a u von unseren und deutschen Truppen überall abgewiesen.

In den Karpathen hat sich nichts von Bedeu­tung ereignet.

Der stellvertretende Chef des Generalstabs: v. H ö f e r, Generalmajor.

Ein erfreuliches Kesseltreiben.

Berlin, 9. Dez. Wie der „Berliner Lokalanzeiger" schreibt, ergänzt der österreichisch-ungarische Gene­ralstob sbericht in erfreulicherweise die guten Nachrich­test unserer eigenen Heeresleitung. Als besonders be­merkenswert erscheint in dem Bericht die Mitteilung, daß die östereichisch-ungarische Armee nunmehr auch von W e st e n her angreift. Alle Anzeichen versprechen unter diesen Umständen ein erfolgreiches K e s s e l t t r e i b e n, t wenn die Verbündeten dem ge­schlagenen Feind keine Ruhe gönnen.

Der Sieg von Lodz.

Österreichische Beurteilung der grossen Bedeutung des Sieges.

W. T.-B. Wien, 8. Dez. (Nichtamtlich.) Die Blät­ter heben die militärische und moralische Bedeutung der Besetzung von Lodz sowie der von den Verbündeten auf dem östlichen Kriegsschauplätze erzielten Erfolge hervor. Die „Neue Freie Presse" glaubt, in Frankreich müßte die beklemmende Frage aufgeworfen 'werden, ob die Politik der Rache noch nicht zusammen- gebrochen und die Menschen, welche ihr Leben für sie hingeben, nicht ohne Stutzen für ihr Land geopfert würden? Diese Erkenntnis müsse nach den durch­greifenden Erfolgen in Polen zu reifen beginnen. Auch auf dem Balkan habe niemand * mehr Glauben au Nußland, dessen. inneres Wesen alle dortigen Völker kennen würden auch jene, in deren Städten zuweilen Kundgebungen für die moskowitische Despotie statt- iänden und denen der Rubel nicht immer ganz fremd sei. — Der militärische Bericht er st atter des „Neuen Wiener T a g b I a t t e s" erklärt: Dian kann nicht umhin, den Berichten der Entente diesmal das Zeugnis auszustellen, daß sie nun schon Mehr als zwei Wochen die volle Wahrheit spreche,:,

indem sie betonten, der jetzige Riesenkamps in West- Polen werde von a u s s ch I a g g e b e n d e r Bedeu­tung für den ganzen Feldzug sein. Der einzige Grund ihrer Aufrichtigkeit ist, daß inan absolut von dem S:cg der moskowitischen Waffen überzeugt war. Da die russi­schen Fronten nun gerade an der stärksten Stelle, :n dem Brennpunkt des Ringens. der Millionenarmeen, geworfen wurden, muß sich ihre schwere Niederlage bald auch in den übrigen feindlichen Stellen fühlbar machen. Deshalb sind die rnilitärischen und inoralr- schen Folgen des Sieges der Verbündeten, deren be­wunderungswürdiges Zusammenarbeiten der Artikel besonders hervorhckbt, um so höher zu werten. D:e „Zeit" sagt: Gewiß ist der Feldzug aus den: östlichen Kriegsschauplatz mit den, Siege bei Lodz wohl nicht entschieden; aber eine vorsichtige Beurteilung wird zu­güben, daß die iiberlegene Führung und die Truppen­qualität der Verbündeten Armee hier gegen die russi­sche Übermacht bereits Großes erreicht hat und noch Größeres erwarten läßt.

wie die Russen die Niederlage von Lodz bemänteln.

hd. Genf, 9. Dez. Der gestrige Bericht des russischen Generalstabs meldet, datz deutsche und österreichische Kräfte nördlich und südlich von Krakau signalisiert werden. Was die Kämpfe um Loktz betrifft, so führten diese nach dem^russi­schen Bericht zu einem Mißerfolg der deutschen Offensive auf der Front von Lowicz. Da die Verteidi­gung von Lodz vom militärischen nnd strategischen Standpunkt aus Unbequ emlichkeiten (!) bereitete, so mutz _man mit. Ruhe verschiedenen Änderungen in der Linie in der Gegend von Lodz entgegensehcn.

Russische Eingeständnisse.

Überwiegend wird in allen Petersburger Communiques die geniale Führung Hindenburgs zugegeben. Aus den amt­lichen russischen Mitteilungen ist zu entnehmen, daß auf der Strecke Zgierc-Stryglow-Glowno, nördlich und nordwestlich von Lodz, den russischen Truppen ein schwrer Schaden zugefügt wurde, worüber Einzelheiten natürlich nicht ver­öffentlicht werden. Es wiro nur im allgemeinen mitgeteilt, daß dort eine geschickt vorbereitete Aktion der Deutschen von diesen mit weitaus überlegenen Kräften gelungen durchge­führt worden ist. Aus dem russischen Militärblatte sowie aus einer Veröffentlichung der obersten russischen Heeres­leitung geht hervor, daß auch bei Lodz eine russische^ Opera­tion von weittragender Bedeutung vollkommen gescheitert ist.

vie Lage in Warschau.

Iid. Rom, 9. Dez. Der „Messaggero" meldet aus Warschau, daß unaufhörlich neue sibirische und Kosakenregimenter die Stadt durchziehen und zahllose Verwundete ankommen. Viele Fälle von Wundstarrkrampf, kämen vor. Die 27 Lazarette des Roten Kreuzes seien überfüllt. Warschau wimmele von Flüchtlingen, und die Bevölkerung sei in ä utzer st er Not.

Berlin, 9. Dez. In: „Secolo" schreibt laut „Ber- liner Lokalcmzeiqer" Magrini: In Warschau verkehren ständig Militärzüge, die neue Truppen, nament­lich Kosaken, an die Front bringen. Die Weichsel beginnt zu frieren. Unausgesetzt kommen Züge mit Verwundeten von den Schlachtfeldlern. Viele Fälle von Tetanus liegen vor. Einem Soldaten sind Hände und Füße erfroren, ein anderer ist irr­sinnig geworden.

Die Riesenverluste des russischen Heeres.

21/2 Millionen? 60 000 Offiziere.

hd. Wien, 9. Dez. Der Kriegsberichterstatter der „Neuen Freien Presse" rechnet bei der Überprüfung der Angaben der Offiziersverluste, wie sie im „Rußki In­valid" enthalten sind, aus, daß die Russen bis zum 4. Dezember ettva 60 000 Offiziere verloren haben. In: Gesamtverhältnis dazu müßten die gesamten Verluste, niedrig gerechnet, 2i/ 2 Drillionen Mann betragen. Die Verhältniszahl der verwundeten Offiziere zu den Mannschaften enttvricht in dieser Rechnung den Kriegen von 1866 und 1870.

England jubelt über den „russischen Sieg" bei Lodz.

War die englische Presse am Montag unverhältnis­mäßig ruhig, so daß sich diese Ruhe in der holländischen Presse widerspiegelte, da durchaus kein Sieg der Ver­bündeten zu verkünden war und alles andere natur­gemäß kein Interesse hat, so geht am Dienstag ein Jubelruf-durch den Blätterwald. Alle in London er­scheinenden Zeitungen vom 7. Dezember verkünden laut den russischen Lieg bei Lodz. Manche von ihnen scheinen den russischen Bericht ehrlich zu glauben nnd sich ehrlich zu freuen, andere scheinen daran zu zweifeln, was sie aber nicht aussprechen. Zu diesen gehören z. B. die „Times", die über einen lan­gen Artikel die Überschrift setzt: „Die Russen in Lodz siegreich". Hat man aber den spaltenlangen Artikel durchgelesen, so erkennt man nichts, was die Überschrift unterstützt.

Roch keine amtliche Bestätigung zum Falle von Lodz in London.

Bi-. Kopenhagen, 9. Dez. (Eig. Drahtbcricht. Ktr. Mn.) London ist, wie der „Politiken" gemeldet wird, noch immer ohne amtliche Bestätigung der Mel­dung von der Einnahme von Lodz durch die Deutschen, ebensowenig ist bisher auch nur ein einziges Wort dar- über eingelgufen, daß die russischen Heere sich in Nord- aolen in gefährlicher Stellung befinden. Über das deutsch-österreichische Vorrücken bei Petri kau weiß :nan in London gleichfalls noch nichts.

Neutrale Urteile.

Zürich, 8. Dcz. Das Mailänder Blatt „Corriere della Sera" führt aus, die Besetzung von Lodz sei deshalb wichtig, weil es als Verkehrsknotenpunkt und strategischer Stützpunkt den Deutschen sehr nützen könne. Der Verlust sei zwar für die Russen nicht unersetzlich, bedeute aber für sic eine große Schädigung. Der „Secolo" gesteht zu, daß die deutsche Offensive im Osten von vollem Erfolg gekrönt gewesen sei. Der Sieg der verbündeten Armeen sei offenbar: 'ehr bedeutsam, namentlich auch vom moralischen Standpunkt aus. In der „Times" werde die Schlacht in Russisch-Polen als die größte Schlacht der Weltgeschichte bezeichnet. Die Deutschen seien dort so stark, daß ein Vcr- üch der Russen, sie wieder über die Grenze zurückzuwcrfeii, ungeheuere Opfer erfordern würde. Der Krieg habe in .Polen Verwüstungen angerichtet, die unbeschreiblich seien. Tausende von Häusern lägen im Trümmern; das Land sei 'ürchterlich ausgesogen, die Bevölkerung leide unter schreck­lichem Elend.

Die Rümpfe in den Rarpathen.

Katastrophe einer russischen Truppcnabteilung.

hd. Budapest, 9. Dez. Wie verschiedene Blätter melden, erlitt eine größere russische Fährenabtettung bei der Überschreitung des Rubaflusses schwere Ver­luste. Sie wollte die dortigen österreichisch-ungar ischen Stellungen angreifen und kam nicht nur unter das vernichtende Feuer dtzr schweren österreichischen Ar- tilleris, sondern beiin Überschreiten des Flusses brach auch noch die Eisdecke ein, wobei viele, Russen zu­grunde gingen. ; .

Von der ukrainischen Bewegung.

Laut einer Meldung der Konstantinopeler Zeitung „Turan" veröffentlicht ber Vertreter des Komitees im ukrainischen Rußland, Mclnewsky, einen Artikel über die, national-freiheitliche Bewegung ber Ukrainer. Der Aufsatz schließt mit der Erklärung, daß die erste Niederlage Rußlands auf ukrainischem Boden für die Ukrainer das S: g:: a l sein werde, sich zur Erlangung ihrer Rechte zu erhoben. ■

Die Unterdrückung der finnischen Presse.

Aus Stockholm wird berichtet: Im Anschluß an die Dieldung von der Unterdrückung zweier finnischer Zei­tungen durch den russischen Generalgouverneur von Finnland wegen ihrer Anerkennung für den Komman­danten der „Emden" ist neuerdings zu berichten, daß der russische Generalgouverneur das Erscheinen von 14 weiteren finnischen Zeitungen verboten hat, weil sie die Heldentaten der „Emben" gepriesen hatten.

Die Lage im Westen.

Die Überreste der belgischen Armee. —vie deutsche schwere Artillerie an der Seeküste.

Br. Brüssel, 9. Dez. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.)

Die Überreste der belgischen Armee, im ganzen etwa 50 000 Wehrfähige, sind nunmehr endgültig von der Kricgsfront zurückgezogen und nach dem Pariser Festungsgebiet befördert worden. Das Offizierkorps'ist zur Hälfte aufgeriebcn. In ein­zelnen Regimentern fehlen sämtliche Offiziere. — Die mit großen Schwierigkeiten verbundene Auf­stellung der deutschen schweren Artillerie an der belgi­schen Seeküste ist nunmehr nach wochenlangcn Anstren­gungen glücklich beendet.

Oie Rümpfe in Flandern.

bä.-Amsterdam, 9. Dez. Ans Belgien wird der „Daily Mail" gemeldet: Hier wird wiederum heftig gekämpft. Die Verbündeten haben an verschiedenen Stellungen ihre Front geändert, während die Engländer den Abstand zwischen ihren und den feindlichen Laufgräben verkürzten. Verstärkun­gen sind nach der Front ävgegangen nnd die Linien durch Aus­stellung von Artillerie sehr kräftig gemacht, so daß ein deutscher Vorstoß sehr schwierig sein wird. Der „Daily Mail" wird fer­ner aus Nordfrankreich telegraphiert, daß die Franzosen süd­lich von D i x m u i d e n bedeutende Vorteile (?) gewonnen hätten.

Anstrenguirgc» zur angeblichen cnglisch-französisch-belgischen „Offensive".

hd. Haag, 8. Dez. Der „Nieuwe Courant" crfähvt aus zuverlässiger Quelle, datz die Verbündeten aus ihrer mit taktischer Offensive verbundenen strategischen Defensive zu einer allgemeinen Offensipbewrgung übergehen wollen, zu welchem Zweck sic ihre ganze Kraft angestrengt haben, um ihr Heer zu verstärken. Die Belgier bringen ihren jüngsten