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Dianstag, 8 . vez-mb-r 1914. Morgen - Kusgabe. _ tlt. 571 . ♦ 62. Tahrgang.
mit allen Hilfsmitteln in die Kasernen der alten Mannschaften zu systematischem Unterricht einberuft, ist der Mrlstar- dienst in England ein Er w e r b s z w e i g mit hohen Löhnen und bedeutenden Pensionen für die Hinterbliebenen der Gefallenen und die Verwundeten. Die Kasernen aber find nur für eine geringe Anzahl berechnet. Neue Rekruten treten täglich ein und -erschweren so den Unterricht. Offiziere und Unteroffiziere fehlen. Es ist schwierig, den Soldaten militärische.Disziplin beizubringen, da sie darin keine Vorschule haben.
Der Hosenbandorden für König Albert.
Amsterdam, 7. Dez. Die „Times" meldet, daß König Georg dem König Albert von Belgien bei seinem Besuch in Flandern den Orden des Hosenbandes verliehen habe.
Entlassung von Engländern ans Holland.
W- T.-B. Amsterdam, 7. Dez. (Nichtamtlich.) „Nieuwes van dem Dag" berichtet aus Grooningen: Am Samstag sind 18 internierte Engländer, die zur A m b u l a n z und der Musik gehören, nach England zurückgekehrt.
Der Fliegerangeriff auf Freiburg.
W. T.-B. Paris, 7. Dez. (Nichtamtlich.) Einer amtlichen Nachricht zufolge waren die Flieger, welche über Freiburg Bomben abwarfen, Franzosen.
Die türkisch- italienischen Beziehungen.
Br. Konstantinopel, 7. Dez. (©iß. Drahtbericht. Ktr Bln.) In der türkischen öffentlichen Meinung zeigt sich das Bestreben, die erfreulichen Besserungen der turttsch-ttaue. nischen Beziehungen zu einer dauernden zu gestatten. Auch die von S a l a n d r a betonte Notwendigkeit, _ Italien Müsse künftigen Veränderungen in Europa gegenüber aus Erhaltung seiner Machtstellung bedacht sein, findet hier volles Verständnis. Die Blätter erkennen das Recht -eikalt ens an, auf event. Vergrößerung seines Gebietes bei der Liquidation nach den kriegerischen Ereignissen in Europa bedacht zu sein. „Wenn Italien dem. Dreibund treu bleibt, so sagt „Terdschüman", wird ihm niemand das Recht bestreiten, Tunis zu besetzen, wo sich seinerzeit die Frau- zosen zum Schaden Italiens festgesetzt haben, da Tunis Italien unmittelbar gegenüber liegt."
Der russische Generalstsüsbericht aus dem Kaukasus.
hd. Cbrisliania, 7. Dez. Der russische Generalstabsbericht aus dem Kaukasus meldet: Am 2. Dezember nahmen unsere Truppen nach Kämpfen auf dem Wege von Dilman und Chaot die Orte S a l l und B a s ch k a l. Die Türken, die ihre Stellunaen hartnäckig verteidigten, flüchteten (?) in der Rich- nutz von Van, wobei sie eine große Anzahl von Verwundeten lud Gefangenen zurückließen. In Baschkal erbeuteten wir eine irotze (?) Menge von Proviant und Vorräten.
Ncugcupvierung der österreichischen Kräfte in Serbien.
W- T.-B. Wien, 7. Dez. (Nichtamtlich.) Vom südlichen Kriegsschauplatz wird amtlich gemeldet: Die mit der Einnah m e B e l g r a d s bedingten Operationen erfordern nunmehr eine Umgruppierung unserer Kräfte, deren Einzelheiten sich naturgemäß der allgemeinen Verlautbarung entziehen.
Kürst BSIotos Ankunft in Rom.
hd- Rom, 7. Dez. Fürst Bülow wird vermutlich am Donnerstag in Rom eintreffen. Nach seiner Ankunft reist Botschafter v. F l o t o w nach Neapel ab. — Fürst Bülow dürfte in der Billa Malta Wohnung nehmen.
Zur römischen §enk>ung Vüloms.
Eine weitere italienische Prcssestimme.
W. T.-B. Rom, 7. Dez. (Nichtamtlich) Unter der ^Überschrift „Flotow-Bülow" schreibt „Vita" u. a.: Der Personenwechsel bedeutet nicht einen R r ch t u n g s w e ch s e I in der
Politik. In Berlin und Rom hofft man, daß £err v. Uotow nach Wiederherstellung seiner Gesundheit nach drei Monaten zurückkehren und die vorzüglichen Beziehungen, die er ebenso wie zu dem verstorbenen Marquis di San Giuliano auch zu dem jetzigen Minister des Äußern hat, wieder ausnehmen wird. Die Tatsache, daß er Neapel zum Ausruhen aussucht und dort, wie „Mattino" mitteilt, bereits eine Wohnung gemietet hat, beweist, daß er sich nicht vollständig von dem italienischen Milieu fernhalten wird. Bülows Sendung bedeutet selbstverständlich nicht eine Pression auf Italien, sie darf nur als Ausdruck der Achtung für Italien bet rachtet werden, die man in Deutschland für diese große Macht trotz ihrer Neutralitätspolitik hegt.
■)
Oie Verteidigung Mariisch aus.
Während die Schlachten in Flandern und Polen die Aufmerksamkeit der gesamten . Welt gefangen halten, deuten me Nachrichten aus dem fernen Osten auf das kommende Ende einer der glänzendsten militärischen Taten, der Verteidigung von Kiautschau. Keine Seite in dem Buch, das spateren Geschlechtern von dem Heldentum und der Aufopferung deutscher Soldaten oder irgend welcher anderen Soldaten in diesem großen Kriege erzählen soll, wird gewisser die Zelt überdauern, denn jene, die. von dieser lang h,ngezogenen -Verteidigung einer Festung, nicht gegen eine Armee oder Flotte, sondern gegen eine ganze Nation nieldet.
Als ein Beispiel deutschen Geistes ist Kiautschau weit überzeugender denri irgendeine europäische Schlacht. Der glänzende Mut des jüngsten Vordringens jugendlicher Fre,- williger entlang dem User im Angesicht von Maschinen- und Magazingewehren unter feindlichem Feuer hat bereits da» gebührende Lob aus dem Munde des britischen Ehroniqueurs der täglichen Kampagneereignissc erfahren. Aber hlntei. diesen jungen Leuten stand die ganze Wucht deutscher rmli- tärischer Stärke, der Ansporn kürzlicher Siege und die Erwartung zukünftigen, entscheidenden Erfolges. .
Für die Verteidiger Kiautschaus gab es keine solche vorwärts treibende Macht. In dem Augenblick, da Japan mit seinen großen Hilfsquellen, mit einer Armee, die Rußland besiegt, und einer Flotte, die .ihm die Oberherrschaft ün fernen Osten gegeben, sich auf die Seite der Mnerten schkng. war das Schicksal Kiautschaus besiegelt. Seine Verteidigung wurde danach eine eiiifache rein mathematisch zu losende Frage, wie lange ein paar tausend Deutsche ohne Hoffnuug auf Ablösung und mit der Gewißheit, daß weder Proviant iioch Verstärkungen sie erreichen könnten, im Angesicht erner Nation, größer als Frankreich und kürzlich Siegerin' m einem riesigen Kriege, ihre Flagge hochzuhaltenvermochtcm
Unii doch kam den Deutschen m Osten kern derart^r Gedanke in den Silin. Zuerst, bevor die spanische Erschließung begann, brachten vereinzelte Briefe uns Kunde, wie aus allen Winkeln und entfernten Distritten Aftem, Deutsche nach Kia,ttschau strömteli. Nicht ^da en, sondern Zivilisten. Nicht junge Männer, für die die Aufsicht auf Kampf, wie hoffnungslos auch immer, emen genügenden Ansporn bietet. Sondern Junge und Alte, Starke und Schwache, kam diese Flut von Männern still, aber rasch dem bedrohten deutschen Hasen zugeströmt, der einzigen deutschen Statte unter asiatischer Sonne.
Die meisten dieser Männer wardn alt und erfahre«»
' *) Wir bringen unter dieser Überschrift einen Aufsatz
der deutsch-feindlichen Neiv Yorker „Eveuing Sun" vom 5 November, und zwar nach der übersetzun« der „New Yorker Staats-Zeitung". Ist Kiautschau auch inzwischen dem Am sku^'m der gelben Furt ehrenvoll unterlegen, so zeigt uns d«h der Aussatz, wie wir uns sogar bei uns übelgesinnten Leuten
orrittii.-TiprT Tvrfapn
Der Krieg.
Die Kämpfe in Flandern.
Br. Amsterdam, 7. Dez. (Eig. Dralstbericht. Ktr. Bln.) Der „Telegraaf" melde: aus Sluis: Der Kanonendonner,
ter am Donnerstag hier deutlich hörbar war, kam aus südwestlicher Richtung von dem Artillerieduell in einem Dorfe w der Umgebung von S e n n e b e ck, dos ungefähr 8 Kilometer nordöstlich von Dpern liegt. Dort hatten die Verbüu- foten unlängst einige Höhen genommen. Nach einer lebhaften Kanonade versuchte die deutsche Infanterie, das Ter- rain wiederzugewinnen. Die Kämpfe spielten sich in dem waldreichen Gebiete auf der Eisenbahnlinie Rousselaer- Npern ab. In Flandern hat es leicht gefroren. — Ein englischer Spion ist gestern in Brügge erschossen worden.
Die deutschen artilleristischen Leistungen in Flandern und in der Champagne.
Br. Genf, 7. Dez. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Auch heut« bestreitet bei Erwähnung der jüngsten artilleristischen Leistungen in Flandern und der Champagne das französische Hauptquartier die Überlegenheit der deutschen schweren Geschütze, vermag aber die Vorzüglichkeit der deutschen Stellungen in der Champagne sowie die ununterbrochen andauernde empfindlich schädigende Tätigkeit nicht zu l e u g - N e n. Den französischen Gewinn der Ortschaft Vermelkes im Bethune-Bezirk hakten die Pariser Kritiker gerühmt. Sie warnen jedoch, eine unverhältnismäßig starke Truppenzahl zu binden, weil die benachbarten .deutschen Stellungen sehr gut gewählt seien.
Der Optimismus im französischen Generalstab.
Br. Christiania, 7. Dez. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Aus Paris wird gedrahtet: In dem vvn dem französischen Generalstab- veröffentlichten Bericht über die verflossenen vier Kriegsmonake heißt es, was die Truppenzahl der französischen Armee angeht, so steht sie genau auf der Stufe wie bei Kriegsanfang, während die Qualität der Truppen sich im höchsten Grade verbessert (?) hat. In der Heeresleitung sind verschiedene Änderungen vorgemom- ,men worden, damit die Fehler (!),. die bei Kriegsanfang begangen wurden, sich nicht wiederholen können. Die Armee ist reichlich mit Proviant versehen, die Munitionsvorräte ftir die Artillerie find bedeutend vergrößert worden. Was jetzt noch an schwerer Artillerie fehlt, wird durch das englische Heer ausgesüllt, das bedeutend verstärkt worden ist. Es ist dem belgischen Heer gelungen, 6 Divisionen zu rekonstruieren.
Ein englisches Gerücht über Ostende, hd London, 7. Dez. „Daily Chronicle" meldet aus Dünkirchen, daß Ostende, das sich in den Händen der Deutschen befinde, in Flammen stehe. ' (Diese englische Nachricht ist unbestätigt unk) mit der größten Vorsicht aufzunehmen. Schrift!.)
Neue englische Kriegsschiffe.
W- T.-B. London, 7. Dez. (Nichtamtlich.) In der Flottenliste ftir Dezember befinden sich unter neuen Schiffen die leichten Kveuzer „Cambrian", „Walloroc", der Panzerkreuzer ‘ „Jmperrus" und verschiedene Torpedoboote. Das Flaggenschiff einer Flotttlle erhielt den Namen „Botha". Der Panzer für das neue Panzerschiff „Royal Oak" ist fertig und soll ballo in Dienst gestellt werden.
Kitcheners Rekrutierungssorgen.
W. T.-B. Kopenhagen, 7. Dez. (Nichtamtlich) Der militärische Mitarbeiter der „Berlinske Tidende" schreibt: Kitchener hat ungeheure Schwierigkeiten mit der Ausbildung des neuen Heeres für die Verbündeten. Während Deutschland die jungen Mannschaften zu einem bestimmten Zeitpunkt
Bas Völkergemisch im Reich des Zaren.
Zur Ethnographie und Charakteristik der Russen.
Von H. Singer.
Unter der Bewohnerschaft des russischen Reiches stellt wan sich häufig eine ziemlich einheitliche Völkermasse vor, das ist sie aber in Wirklichkeit nicht. Nicht ernmal alle Untertanen des Zaren innerhalb des europäischen Rußlands sind Slawen, d. h. indogermanischen und arischen Stammes. Natton und Volk decken sich hier ebenso wenig wie anderwärts. Besonders die weiten Ebenen im Sude» des Landes sind der Schauplatz großer Überflutungen durch verschiedene Völker gewesen, von ben halb sagenhaften Kimmeriern an, und die Spuren davon sind noch nicht verwischt. Wenig wissen wir über die Urzeit. An sie erinnern die weit verbreiteten, Kurgane genannten Grabhügel, deren menschliche Reste auf eine alte schmalköpfige, von den heutigen Slawen verschiedene Bevölkerung Hinweisen; über deren Art aber, ob sie „urslawisch" oder „urfinnisch" war, gehen die Vermutungen auseinander. AuS dem Altertum hören wir mit Sicherheit nur von den Skythen, die^als noruadische Hirten. teilweise auch als Ackerbauer die «steppen des Südens belebt haben; man hat sie früher für Mongolen gehalten, sie dürften aber Arier gewesen sein. Dasselbe gilt von den ihnen östlich benachbarten sarmaten, durch die später die Skythen vernichtet oder verdrängt worden sind. Obwohl Arier, waren aber diese Völker dennoch nicht die Voreltern
der heutigen Russen. Weiterhin folgten einander in den füb- russischen Steppen die germanischen Goten, die dann von den Hunnen, also echten Mongolen, nach Westen geschoben wurden; ferner die Avaren, Bulgaren, Maggaren, Chasaren.. Petschenegen und andere teils mongolische, teils turtt,ch- aliaische Stämme, schließlich die Mongolen Timurs. Sie alle gründeten mehr oder weniger kurzlebige Staaten.
Nicht so bunt scheint es im nördlichen Teil des heutigen europäischen Rußlands zugegangen zu sein, im Waldlande, das naturgemäß nicht in dem Maße der Tummelplatz leicht- beweglicher Reiterschareu sein konnte wie die Steppenhälfte. Im westlichen Teil der Nordhälfte stoßen wir auf Jndoger.. maneu, nämlich auf Litauer und Letten, südlich von ihnen aus die westslawischen Polen und auf die Ostslaweu, d. h. die Russen. Diese indogermanischen Völker waren Ackerbauer. Sie und die östlichen Sieppenvülker wurden im Norden in breiter Front ursprünglich von finnischeu, also ural-altaischen Völkern begrenzt, die zum Teil Jäger und Fischer, zum Test aber ebenfalls Ackerbauer waren. Wie Slawen und Finnen dahin gelangt sein mögen, wissen wir nicht.
Von all diesen Völkern waren zu wirksamer geschichtlicher Mission nur die Russen berufen; sie hatten überdies von jeher die Fähigkeit, sich fremde, namentlich asiatische Völker zu assimilieren, und so entstand das russische Volk. Manche Völker aber haben sich trotzdem bis heute neben und unter ihnen erhalten, und dazu gehören: Die West-Finnen
(in Finnland) mit den Esten und Liveu (3,5 Millionen); die Reste der östlichen Finnen, stark russifiziert, mit den Syr- jänen, Permierrr, Wotjaken und Wolgafinnen (Tscheremrssen, , Mordwinen und Tschuwaschen) mit zusammen über 2 Mil
lionen Seelen; die iürkisch-altaischen Tataren, besonders um
Kasan und auch in der Krim, mit 3,6 Millionen. Die nichtrussischen slawischen Völker sind die Polen (5,0 Millionen) unb die Litauer mit den Letten (2,6 Millionen). D<^u kom- men 3,7 Millionen Juden, 1,2 Millionen Deutsche (in den Kolonien in Südrußland und in den baltischen Provinzen), 1,1 Millionen Rumänen in Bessarabien und andere, kleiner« Völker. Demnach waren von den 105 Millionen Bewohnern des europäischen Rußlands im Jahre 1807 etwa 28 Millionen Nichtrussen. Nur die Volkszählung von 1897 läßt sich übrigens vorläufig zugrunde legen. 1910 zählte das europäische Rußland 134 Millionen Einwohner. Daß aber auch die Russen selbst ■— hiernach gegen 80 Millionen — nicht als einheitliches Volk angesehen werden können, erhellt schon auS der üblichen Gliederung in Groß-, Weiß- und Kleinrussen. Es erhellt auch aus manchem anderen.
Die Hauptgruppe, über Nord-, Mittet- und Ostrußland, westlich bis Smolensk, südlich bis Woronesch hin verbrettet, sind die Großrussen mit 52 Millionen. Sie iind entstanden aus einer weitgehenden Vermischung der Ostslawen mit den Tataren und Finnen, sind meist blorid, körperlich plump und werden als geistig schwerfällig und schwermütig bezeichnet. „Sie sind", sagt Philoppson, „mit ihrem zäh konservativen Sinn, ihrer astatischen Unterwürfigkeit, ihrer opfcrmuttgen Hingabe an den Zaren und die Kirche, aber auch st,rem Mangel an Initiative und geistigem Leben überhaupt die eigentlichen Träger des absolutistischen russischen Staatsge-. dankens und seiner militärischen Macht, aber auch ferner sozialen uird wirtschaftlichen Rückständigkest ' und inneren Schwäche." Ihnen nahe verwandt und ähnlich geartet find
