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Verlag Langgaffe 21

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Nr. 570. - 52. Jahrgang.

Montag, 7. Dezember 1914.

klbend-Ausgabe.

Lodz eingenommen!

Die Russen nach schweren Verlusten bei Lodz im Rückzuge!

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 6. Dez., nachmittags. (Amtlich.) Lodz wurde heute nach­mittag von unseren Truppen genommen. Die Russen befinden sich nach schweren Verlusten dort im Rückzüge. Oberste H e e r e s l e i t u n g.

Der Tagesbericht vom 7. Dezember.

Vom westlichen Rriegsschauplatz und aus Ostpreußen nichts Neues.

Der durchgreifende Erfolg von Lodz.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 7. Dez., vormittags. (Amtlich.) Vom westlichen Kriegsschau­platz und dem östlich der m a s u r i s ch e n Seenplatte liegen keine besonderen Nachrichten vor.

In N o r d p o I e n haben wir im lange n R i n- gen um Lodz durch das Zurnckwerfen der nördlich, westlich und südwestlich dieser Stadt stehenden starken ruffischen Kräfte einen durchgreifenden Erfolg errungen. Lodz ist in unserem Bcsib. Die Ergebnisse der Schlacht lassen sich bei der A u s- dchnung des Kampfseldes noch nicht übersehen. Die rnffischcn Verluste sind zweifellos sehr groß. Versuche der Russen, aus Südpolen ihren be­drängten Armeen in Nordpolen zu Hilfe zu kommen, wurde durch das Eingreifen österreichisch-ungarischer und deutscher Kräfte in der Gegend südwestlich Petrikan vereitelt.

Oberste Heeresleitung.

*

Das ist eine erfreuliche Einleitung der 19. Kriegswoche, die uns für den weiteren Verlauf des polnischen Feldzuges während der nächsten Tage die hoffnungsvollsten Ausblicke eröffnet. Lodz, die wich­tige große Fabrikstadt, strategisch als Eisenbahnknoten­punkt von großer Bedeutung, befindet sich znm zweiten Male in unserer Hand, der Feind ist dort im Rückzüge-! Die Bedeutung dieses Erfolges geht schon rein äußer­lich daraus hervor, daß unsere oberste Heeresleitung ihn außerhalb des üblichen Tagesberichts als Extra­blatt des „Welfsschen Tslegvaphenbureaus" verbreiten läßt. Der Verkauf der Kämpfe um Lodz „entspricht nach wie vor unseren Erwartnngen". So hieß es im gestrigen Tagesbericht; zwölf Stunden später'kann, schon die Einnahme von Lodz selber ge­weidet werden. Das ist ein neuer glänzender Be­weis für die Zuverlässigkeit unserer amt­lichen Berichterstattung, die weder dem Ein­geständnis eines etwaigen Teilmißerfolges ans dom Wege geht — als der übrigens die gestern gemeldete Räumung des Ortes V e r m e l l e s südöstlich Bethune nicht anzuschen ist, da ja vorher aus-gebaute, also noch bessere Stellungen östlich desselben Ortes einge­nommen worden sind —, noch etwa z u viel verspricht Wenn unser Hindenburg aus Polen uns kurz und knapp meldet, wie das in den letzten Tagen der Fall war, die Operationen nehmen dm „normalen" oder -.regelrechten" Verlauf, sie verlaufen „nach unseren Er­wartungen", so wissen auch w i r alle dieser Bericht­erstattung der Heeresleitung gegenüber, was wir von Unserem Hindenburg „zu erwarten" haben. Das beweist die Einnahme von L o d z, die zugleich bezeugt, wie sehr die Russen mit ihren amtlichen Meldungen, die erst in den allerletzten Tagen etwas kleinlauter wurden, der Wahrheit ins Gesicht schlugen. Es ist der russischen Heeresleitung nicht mehr möglich gewesen, Nachdem der bekannte russische Umzingelungsversuch unter so glänzenden Taten der Unsrigen gescheitert war und unsere von ihm bedroht gewesenen Streit­lüste sich mit dem Haupthoete wieder vereinigt haben, ben von unseren Truppen schon länger bedrohten, so bedeutenden Platz von der hoffentlich endgültigen Er­oberung zu bewahren. Welche nächsten Folgen bie Einnahme von Lodz haben wird, werden die Tages­berichte dieser Woche erweisen. Nach dein h eutige n Wontagsbericht ist die Sachlage bei der Ausdehnung bes Schlachtfeldes, abgesehen von den zweifellos „s e h r 'großen Verluste n" der R u s s e n und dem "durchgreifenden Erfolg" auf unserer «eite noch nicht zu übersehen. Wir sehen den

weiteren Berichten mit der freudigen Gewiß­heit eines weiteren „regelrechten Verlaufs" ent­gegen. Schon beginnt man in Frankreich mit den ärgsten Beklemmungen nach demselben Osten zu schauen, von dein, man vor kurzem noch die e r l ö s e n d e Entlastung von deiii deutschen Offensivdruck er­wartete. Wir aber blicken mit dem aus den Augen der Kämpfer dort im Osten wie aus jedem Auge int Lande leuchtenden, bei Lyck und Tannenberg, bei Wloclawek iind Kutno, bei Lowicz iind bei Lodz be- ivährten Vertrauen ans unsere Helden draußen und ihre Führer. „Hintenburg wird es schon machen.".

Russische Rriegsberichte. lick. Mailand, 7. Dez. Ails Petersburg wird anst- lich gemeldet: Die heftigen Kämpfe dauern an der

Front bei Lowicz iit Richtung nach Petrikow fort. Wie dem „Corriere della Sera" aus Petersburg gemeldet

wird, gibt ntan dort zu, daß die Deutschen hauptsächlich in der Gegend im Norden ii.nd Nordosten von Lodz «ine unanfechtbare Artillerie besitzen. Hindenburgs Stellungen sind stark befestigt. Die Deutschen haltert diese Stellungen als S t ü tz p u n k t, von denen aus sie die Russen fortwährend angreifen. Dieses be­deutet, daß die Deutschen ihre weite Linie als eine Festung betrachten, der das Kriterium der aktiven Verteidigung innewahnt. ^ , ri

Br. Christian!«, 7. Dez. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln) Der russische Generalstabsbericht vom Sonn­tag lautet, .daß besonders um Lodz und auf der Landstraße von Westen nach Petrikan zu fortgesetzt erbittert gekämpft werde. Russische Panzer- a il t o m o b i l e sind am 4. Dezember unter dem Schutze der Dunkelheit tief in eine beträchtliche starke feindliche Stellung hineingefahren und ver­sprengten diese durch Beschießung mit Maschinen­gewehren imd Kanonen und brachte ihnen große Ver­luste bei. (?)

Niedergeschlagene Stimmung in Petersburg.

Die Mißerfolge in Polen bekannt.

Br. Kopenhagen, 7. Dez. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Privatnachrichten zufolge, die aus Petersburg eingetroffen sind, herrscht dort seit ^den letzten Tagen eine überaus niedergeschlagene Stimmung. Man weiß, daß die Operationen in Polen, auf die man so viele Hoffnungen setzte, als fehlgeschlagen be­trachtet "werden müssen uird die Einberufung der Reichswehr gibt zu pessimistischen Vermutungen Anlaß. Auch dadurch, daß a I l e Z e i t n n g s k o r r e- spondenten, jawohl die russischen wie die aus­ländischen, ans höheren Befehl nach Petersburg zurück­gekehrt sind, wächst noch die. Beunruhigung, da man anminnrt, es gingen Dinge an der Front vor, die v ,e r- i) c imlicht werden müßten. Der Fall Belg r n d s ist bisher amtlich nicht bekanntgegeben, worden, aber trotzdeiii weiß jedermann von dem Ereignis und es heißt, daß der serbische Sondergesandte,, der nach Petersburg kam, um russische Hilfe zu erbitten, fern

Ziel nicht erreichen könne, weil die russische Regierung eine Hilfeleistung im gegenwärtigen Zeitpunkt abzu­lehnen gezwungen sei.

Oer österreichische Bericht über die Rümpfe in Russisch-Polen.

Teiltämpfe in den Karpathen. Zusammen 276» Ge­fangene.

W. T.-B. Wien, 6. Dez. (Nichtamtlich.) Amtlich wird vcrlanrbart: 6. Dezember mittags.. Die Schlacht in Polen nimmt einen für die Waffen der Verbündeten günstigen Fortgang. Tic nach Westgalizien vorgerückten russische» Truppen wurden gestern von unseren und deutschen Truppen von Süden her a n g e- grisfen. Die Verbündeten nahmen 226 6 Russen gefangen und erbenteten einige feindliche T r a i u s.

In den Karpathen fanden Teikkämpsc statt. Ter in die Beskid-Stellung cingebrochene Gegner wurde zurückgeworfeu- und verlor 566 Gefangene.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Generalmajor.

Bei przemqsl lockert sich der Angriff schon! Wien, 7. Dez. Das „Fr-omdenblatt" meldet: Ber Przemysl lockert sich die russische Angriffslinie, -da die dortigen Truppen nach dem. Kriegsschauplatz in Russisch-Pole n geleitet werden.

Die letzten Reserven Rutzlands.

Berlin, 7. Dez. Das „Wiener Fcembaitblatt" weiß Sil melden: , Jen« russischen Truppen, die in dem offi­ziellen Bericht als große feindliche Kolonnen bezeich­net werden, bestehen größtenteils aus asiatischen Mongolen, Kalmücken, Tschungusen tmd Tataren. Auch dieses deutet darauf hin,.daß Ruß­land seine letzten Reserven herangezogen hat.

Oie französische Meinung über die Lage in polen.

bä. Kopenhagen, 6. Dez. Das ..Pariser Journal" meldet: Nachdem cs den Deutschen gelungen ist, das russische Zentrum zu durchbrechen, befestigen sie ihre Stellungen und ver­suchen gleichzeitig, die Flanken des russischen Heeres zu umgehen. Bon K a l i s ch sind neue Verstärkungen nach Nord polen gebracht worden. Schon jetzt sei zu erkennen, so sagt das Blatt weiter, daß die Deutschen beabsichtigen, in der Festungske,tte der Weichsel zu üb erwintern.

Unflätige russische Angriffe auf den Raffer.

Br. Stockholm, 7. Dez. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Di« russischen Kommentare zur Reich s- kanzlerrede strotzen voll unflätigen Angriffen ans den deutschen Kaiser. Hierzu gehört auch eine Auße- rung des a m tlich en „Petersburger Nachrichten- bureans". Nirgends findet sich auch nur ein Versuch sachlicher Darstellung. Als charakteristisch kann nach­stehende Auslassung der „Nowoje Wremja" gelten: „Deutschland hat alle Rechtssätze verletzt und die Gren­zen des Erlaubten überall überschritten. Auf Gnade darf es jetzt nicht mehr rechnen."

Das russische Volk darf die wahre Lage auf cn Kriegsschan- vläucn nicht erfahren.

TU. Petersburg, 6. Dez. Die Prcssezensur wird im ganzen Reiche mit drakonischer Strenge aus- geübt, um zu verhüten, daß das Volk die wahre Lage auf den polnischen Kriegsschauplätzen erfährt. Da von fo zial - demokratisch«» Seite geheime Flugblätter mit wahren Kriegsberichten verbreitet werden, so befürchtet die Regierung, irenn auch die Presse noch unerwünschte Nachrichten veröffent­licht, einen Volksaufstand. Die deutsche Presse ist unterdrückt. Die „Petersburger Zeitung" darf nur noch bis zum 1. Januar erscheinen. — In Riga ist von vier deutschen Blättern nur eins übriggeblieben, das aber auch zu Neujahr sein Dasein beschließen muß.

Die Lage im westen.

Ein offizieller belgischer Bericht über die Rümpf« an der pser.

Br. Amsterdam, 7. Dez. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Über die Kämpfe -an der Äser ist ein offizieller belgischer Bericht erschienen. Aus diesem -geht hervor, daß vom 17. bis 23. Oktober das belgische -Heer h es- tige deutsche Angriffe bestehen mußte, nur unterstützt von einer Brigade französischer Marinesoldaten und den englischen Seeschützen. Vom 23. bis 36. Oktober wurden die Belgier durch die 42. französische Division unterstützt. -Seit -dem Rückzug von Antwerpen bis Eirde Oktober hat das belgische Heer keinen freien Tag gehabt, um sich zu t£.