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österreichisches Silber in tuffifdjeä @eli> ummedjfeln Knuten. Sie waren alle im beste» Einvernehmen und fast wie Brüder, und es war schivcr zu glauben, daß dieselben Männer, die hier so freundschaftlich miteinander verkehrten, sich noch vor kurzem mit der tödlichen Waffe in der Hand gegenüber gestanden hatten. Je länger der Krieg dauert, desto freundlicher werden die Gesinnungen gegeneinander, ausgenommen auf dem Schlachtfeld selbst. Es waren zwei sehr intelligente Deutsche in dem Trupp, der eine ein Kauf­mann aus Berlin, der andere in Friedenszeiten Zimmer­mann, und ich fragte sie, wie das Heer über den Krieg dachte.O, wir werden bald gewonnen haben", sagte der Kaufmann.Sie wissen ja wohl auch, datz Frankreich nicht mehr lange standhalten kann, und wir wissen, daß wir mit den Russen auch in einiger Zeit fertig werden werden." Dieselbe Ansicht äußerte ein Dritter, der mir anvertraute, er sei in Friedenszeiten Kutscher, aber wenn er so alles zusammennähme, dann zöge er den Krieg seiner früheren Beschäftigung unendlich vor."

Die beiden Linien der Schützengräben. Ein merkwürdiger Widerspruch tn den Schilderungen, die wir aus den Schützen­gräben in Mandern erhalten, liegt darin, daß die einen von der Härte und den Entbehrungen, die sie im Schützengraben erdulden müssen, sprechen, während die andern die Behaglich­keit und den Kmnsort, den sie sich mit den einfachsten Mitteln gt-scbaffen, mit Stolz schildern. Der Widerspruch erklärt sich, wie demNreuwe Rotterdamfche Courant" geschrieben wind, sehr einfach: beide haben recht, denn sie schreiben über ver­schiedene Arsten von Schützengräben. Längs der ganzen Front ziehen sich zwei Linien von Erdbefestigungen hin. Die erste dient den Truppen, die sich ialsächlich im Feuer befinden, zum Aufenthalt, der zweite bildet das Versteck der Ablösungslruppen, Jeden Abend, sobald die Dunkelheit eingebrochen ist. werden die in der ersten Reihe befindlichen Truppen a »gelöst und ziehen sich selbst in die zweite Schützengrabrnreihe zurück, tn der tatsächlich ein 'gewisser Komfort herrscht. Denn diese sind innen größtenteils mit Matten und Decken ausgelegt, voll­ständig überdacht und gegen die feindliche Sene geMossen, Die Truppen genießen darin ziemliche Sicherheit und melden geschützt gegen das Feuer der feindlichen Infanterie und Maschinengewehre. In ihrer -guten Geborgenheit werden ste daher von der feindlichen Artillerie nicht beschossen, und nur .fetten schlägt einmal ein verirrtes Geschoß bei ihnen ein. Die Soldaten plaudern und singen darin. Viele, die Petroleum­kocher besitzen, bereiten ein besonderes Mahl, und mancher Skat wird geklappt". Unter Regen und Schnee leidet ^nie­mand. Ganz anders jedoch lebt sich's in den Schützengraben der ersten Linie, dir je nach den Umständen und der Boden­beschaffenheit 800 bis 1000 Meter weiter vor liegen und Tag und Nacht unter Feuer genommen werden. Sie sind natürlny an der feindlichen Seite nicht geschloffen, von einer Dach­bedeckung ist meistens keine Rede, so daß sie besonders auf der Windseite sehr dem Regen und Schnee ausgesetzt sind. Die Mannschaft darin übt Tag und Nacht die größte Wachsamkeit, da sie jederzeit auf ein überraschendes Auftreten des Femde» vorbereitet sein muß. Nicht immer jedoch Iäfet sich die 24- stündige Ablösung ermöglichen, da die Entwickelung des Kampfes es oft erfordert, die Truppen der zweiten Lmie zur Abwehr eines heftigen feindlichen Angriffes ebenfalls ins Feuer zu bringen. Dann bleiben die Soldaren des ersten Schützengrabens lagelang dort, geschwächt durch ungenügende Nahrung und beinahe ohne Schlaf. Bon Nahrungsvesörderung ir- die erste Reihe der Schützengräben kann natürllch nicht die Rede iein. Die des Abends hier einziehenden Truppen ver­sehen sich selbst damit aus 24 Stunden, und für alle Falle findet fick dort noch ein Reserve-Proviant vor. Die Abholung von Toten und Verwundeten geschieht aus dieser ersten Reche ebenfalls nur abends und nachts.

Der Klub der Troglodyten im Schützengraben. Der Humor, der bei uns so reichlich in den Schützengräben blüht, fehlt auch in denen der Feinde nicht g<mz. So tveitz z. B. ein englischer Berichterstatter von einer lustigen Kompagnie in der fran- zösrschen Feuerlinie zu berichten, die einen richtigen Klub ge­gründet bat. Die Mitglieder dieser seltsamen Geuossenschaft, dieder Klub der Troglodyten" getauft ist, sind nicht nur alle Pariser Kinder, sondern stammen zürn größten Teil vom Montmartre, und sind von dem Treiben in dieser VergnügungS- stadt her ein ausgelassenes Leben gewohnt. Der Klub hat seine bestimmten Regeln, denen sich iedes Mitglied unterwerfen muß. So ist es gestattet, die Füße auf die Stühle oder SophaS wenn welche vorhanden sind zu legen, aber es ist streng verboten, die Stiefel aussugiehen. Den Hut oder das Käppi muß man während der Versammlungen aufbehalten.

basDamespiel" ist verboten, loeii leine Damen Zutritt haben. Fremden ist der (Eintritt bei schweren Strafen unter­sagt, und für fremd wird alles angesehen, was nicht zum Heer der Verbündeten gehört. Besonders streng ist der Zu­tritt verboten den deutschen Granaten. So werden eine ganze Reihe harmlos lustigerKlubgesetze" angeführt, und dev ausgehängte Zettel macht jeden Schützengraben, jedes Loch und jeden Unterstand zum Versammlungslokal, in dem derKlub der Troglodyten" seine Sitzungen hält.

Soldatcnhumor. Dieser Feldpostbrief in Versen wurde uns zur Verfügung gestellt. Der gesunde Humor ist herz­erfrischend und legt beredtes Zeugnis von dem Geist unserer Truppen ab.

Liebe Eltern und Geschwister,

Daß hier Krieg ist, denk ich, wißt Ihr,

Donnern hier auch die Kanonen,

Sausen sehr die blauen Bohnen,

Machen wir uns gar nichts drauS.

Lieb Vaterland, wir halten aus.

Schießt der Franzmann mit Granaten,

Schanzen wir uns ein mit Spaten.

Abends denn, das ist famos, - Gehen wir zum Stürmen los.

Dann gibt's eine Keilerei,

Doch das ist sehr schnell vorbei.

Denn das Großmaul von Franzos Ist ein arger Trauerkloß.

Kommen an wir mit Hurra,

Steht er blaß und zitternd da.

Streckt die Hände in die Höh',

Ruft uns zu:Pardon, Mossiö".

Dann wird geschanzt die ganze Nacht,

Daß, wenn taas drauf wieder kracht.

Wir uns unsichtbar gemacht.

Am Tage geht es wieder vor

Und hau'n dem Franzmann auf das Ohr,

Bis das ganze welsche Pack Daliegt wie ein nasser Sack.

Jetzt liegen wir im Schützengraben,

Verzehren Eure Liebesgaben,

Die Ihr uns geschickt sehr nett.

Dafür kriegt Frankreich auf sein Fett,

England, Rußland noch dazu.

Dann hat der deutsche Michel Ruh.

Sonst weiß ich nichts mehr zu berichten,

Und darum hör ich auf zu dichten.

* « *

Schlachtbericht. An jedem Abend bringen uns die Zei­tungen den täglichen -schlachtbericht der Obersten Heeres­leitung. Wir sind immer sicher, daß das, was uns da mit- geteilt wird, genau den Tatsachen entspricht, und so geben wir ihm mit Recht ganz abgesehen von dem berechtigen Kampf gegen die Ausländerei in der Sprache nicht den Namen einesBullettns". Denn dieses vom lateinischen bulla" abgeleitete Wort, das ursprünglich einfach Tages­bericht bedeutete, wurde wie Ladeudorf in seinem "Schlag­wörterbuch" bemerkt, seit Anfang des vorigen Jahrhunderts ein Schlagwort für einen künstlich aufgebauschten oder ver­lorenen Heeres-, besonders Schlachtbericht. Zu dieser zweifelhaften Ehre hatten dem harmlosen Worte die Heeres­berichte Napoleons I. verholfen. Friedrich Ludwig Jahn hat imdeutschen Volkstum" für das französische Wort dm Ver­deutschungHeerzettel" gegeben, und er weist daraus hm, daß Napoleon mit diesem die Kunst verband, sich und me Seinen zu vergrößern und die Feinde zu verkleinern, .g>n Deutschland hat es ein Sprichwort gegeben:Er lugt und schneidet auf wie ein französischer Heerzettel. Und me Macht der Lüge kennzeichnet sein Wort:Dm Heerzettel

haben uns viel Schaden getan." In seiner Lebensbeschre.- bung von Napoleons gefährlichstem und volkstümlichstem Gegner Blücher bietet Johannes Scherr dm folgende ergen- arttge Entwicklungsskizze des Bulletins als dessen Tauftag er den 29. Mai 1800 und als dessen Geburtsort er Gorea nennt:In der unscheinbaren Gestalt eines simplen Tages­befehls an die Reserve-Armee zur Welt gekommen, wuchs das Kleine, mit Glorie aufgepäppelt, binnen kurzem zu einem ungeheuerlichen Ding heran, zu einem Riesenschlaiick, sozusagen, außen gleißend von den blendendsten Pl,ra,en- sarben, aber innen voll Luge, Hochmut und Falschheit.

Berantttmtlldj für die Schristl-iwn,- ». v. N-u-ndors ln M-idaden

- ®n,4 und Bering bet S. Schellenbergsch-n H,s.BuchdM(ker°i in M°,b-de«.