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5r«itag. 4. O-z-mb-r 1914. KbSNd -KUSgabe. Nr. 566. - 62. Jahrgang.

Der Krieg.

Der Tagesbericht vom 4. Dezember.

§ranzösi,ae Angriffe in Flandern und im Elsaß verlustreich zurückgesctz lagen. — Große Ver­luste der Russen in Ostpreußen. Normaler Verlauf der Offensive in polen.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 4. Dez., vormittags. (Amtlich.) Auf dem westliche» Kriegs­schauplatz wurde» französische Angriffe gegen unsere Truppen in Flandern wiederholt abgewiesen, eben­so in der Gegend nordwestlich Altkirch, wo die Franzosen bedeutende Verluste hatten.

Auf dem östliche n Kriegsschauplatz sind feindliche Angriffe östlich der masurischen Seen-Platte unter kl r o ß c n Verlusten für die Russen abgeschlagen worden.

Unsere Offensive in Polen nimmt normalen

Verlaus. Oberste Heeresleitung.

Der Kaiser in Berlin.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 4. Dez., vormittags. (Amtlich.) Seine Majestät der Kaiser ist llcftrrn zu kurzem Aufenthalt in Berlin eingctroffcn.

Oberste Heeresleitung.

Die Lage im westen.

Die Rümpfe in Flandern.

hd. Christiania, 4. Dez. Aus Paris wird von gestern telegraphiert: Arras ist aufs neue das Ziel der deutschen Offensive. Bedeutende Truppenmassen sind um die Stadt zusammengezogen, die lvieder der Gegenstand einer lebhaften Beschießung ist. Sämtliche Stadtteile haben sehr zu leiden gehabt. Einzelne Teile sind so gut wie völlig zer- st ö r t. Der französische Bericht behauptet, daß die Verbün­deten Fortschritte machten. Sie besetzten 4 Kilometer von Arras mehrere Dörfer. In den letzten Kämpfen haben sich die Deutschen der französischen K, anonen bedient, die sie be: M a u b c u g e erobert haben.

Der Vormarsch der Deutschen jenseits des pferkanals.

Br. Amsterdam, 4. Dez. -(Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Den holländischen Zeitungen zufolge rucken die Deutschen jenseits des Aserkanals vor. Dre seit acht Tagen fortdauernden Verftrchc der Verbündeten, die Deutschen über den Iserkanal zurückzutyerfen, seien aus der ganzen Kanalfront gescheitert.

Lin neuer deutscher ksauptangriff auf die Stellungen an der pser.

Berlin, 4. Dez. Nach rincr Kopenhagener Depesche der „Köln. Ztg." meldet „Daily Chronicle" aus Amsterdam: Die Deutschen haben einen erneuten Hanptangriff auf die Stellungen der Verbündeten an der User begonnen. Wahr­scheinlich wird der Angriff von größeren Truppen- frü ft e n mit schwereren Geschützen ausgeführt werden als jemals zuvor.

Holländische Berichte. — Maßnahmen gegen die Spione.

hd- Amsterdam, 4. Dez Hiesige Blätter berichten: Einzel­nachrichten über die Kämpfe an der User fehlen noch. Zahl­reiche Verwundete sind in Brüssel angekommen. Seit Dienstagfrüh 6 Uhr hört man fast ununter­brochen Kanonendonner. Ganze Züge. von Auotomobilen, Dkunitionskolonnen, Wagen mit Material und Proviant er­strecken sich bis M a r i a k e r k e, wo die Grenze des Ope­rationsgebietes ist. Die Küste ist in vollkommenem Ver­teidigungszustand. Die strengsten Maßregeln sind gegen Spionage getroffen worden. Mehrere hundert Flüchtlinge, die vorgestern aus dem Kampfgebiet kamen und nach Holland wollten, sind zurückgewiesen worden. 30 Einwohner auS O st e n d e, darunter zahlreiche Franzosen und Engländer, wurden unter dem Verdacht verhaftet, zum Feinde Beziehun­gen unterhalten zu haben. Sie wurden nach Deutschland transportiert. In Gent wurde eine Anzahl angesehener Bürger festgenommen wegen des letzten Bombenanschlags gegen das B e n z i n d e p o t. Es heißt, daß die Lage des­selben durch Spione verraten worden war.

Br. Amsterdam, 4. Dez. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der „Vorwärts" berichtet: Unter den Geiseln in Gent be­finden sich Genosse A n s e e l e und der Bürgermeister Br a u n.

Der französische Rriegsbericht.

W. T.-B. Paris, 3. Dez. (Nichtamtlich.) Der amtliche Bericht von 3 Uhr nachmittags besagt: In Belgien ziemlich heftige Kanonade gegen Nieupurt und südlich Ypern. Die Überschwemmung erstreckt sich südlich von Dirmniden zwischen dem Sys und der Somme. Heftige Beschießung von Aixroulcttc. Ruhe aus der Front an der S o m m e, A i s n e und in der E h a m P a g n e. In den Argonnen wurden mehrere Angriffe des Feindes zurückgeworfen. Wir rückten ein wenig vor. Im W o e v r e zeigte die deutsche Artillerie eine gewisse Tätigkeit; doch sind die Ergebnisse un­

Lothringen und in den Vogesen nichts

von

bedeutend: In Lcdeutung.

Die „kommende Offensive" der Verbündeten im Westen. ^ hd. Haag, 4. Dez. Der „Haager Nieuwsche Courant' 'rfährt aus angeblich guter Ouelle, daß die strategische Offen­sive seitens der Verbündeten in Belgien, die mit einer takti- lchen Offensive zusammenhinge, bald einer allgemeinen Offensive Platz machen werde. Die reorganisierte belgische Armee wird mit den in Frankreich ausgebil- 2 eten Rekruten auf eine Stärke von 400 000 Mann geschätzt. Die schweren englischen Verluste.

W. T.-B. London, 3. Dez. (Nichtamtlich.) Der militärische Korrespondent der „Times" gibt (wie bereits kurz in der Morgen-Ausgabe mitgeteilt) die Verluste der britischen Armee auf 84 000 Mann an, was ungefähr der ursprünglichen Stärke des britischen Heeres entspreche, als es :ns Feld rückte. Die Verluste in der Schlacht bei Ypern und Armentieres be­trugen etwa 50 000 Mann, toovon etwa 5500 aus das indische Korps entfielen. Der Korrespondent fährt fort: Wir müssen zugeben, daß die deutschen Truppen trotz schrecklicher Ver­luste noch zahlreicher sind als wir, und daß sie st a r k e Stellungen einnehmen. Sie besitzen eine furchtbare Artillerie, die zerstreut aufgestellt und wohl verborgen ist. Ihr schweres Geschütz hat noch die Oberhand und begräbt be­ständig unsere Leute, indem ganze Abteilungen der Laufgräben zerstört werden. Ihre Scharfschützen sino kühn und hartnäckig. Ihre Grabenmörser und Granaten ver­ursachen uns beständige Verluste und obwohl ihre i'lufklarung in der Luft seltener geworden ist, erscheinen doch noch Tauben und Albatros-Flugzeuge über uns und beobachten, was wir tun. Die englischen Offiziere und Unteroffiziere sind in schrecklichem Maße geschwächt. Wir haben fast d,c ganze eguläre Reserve und den besten Teil, der Spezialrescrve ieler Korps an die Front gebracht. Wenn die Depots nicht inger imstande sind, guten und regelmäßigen Ersah zu hicken, würde die Armee an der Front gern einen ^.eil der euen Armeen als Ersatz begrüßen. Wir brauchen jeden liann, den wir finden können, und werden bald erwägen lüssen, wie wir die neuen Aushebungen am besten n der Front verwenden können, ob als Armeen, Divisionen nd Brigaden in Einheiten oder zur Aufsiillung.

Englische Bes-rgnisse wegen des Überschwemmungsgebiets.^ hd London, 3. Dez. Der deutsche Angriff aus Calais itzt immer noch auf sich warten, und die Stimmung in Low on wird täglich nervöser. Den Grund zu ^ dieser »achsenden Beunruhigung bildet in der Hauptsache (achricht, die die englischen Kriegskorrespondenten ihre ilättern gedrahtet haben und die die abwartende Hmtung er deutschen Heeresleitung erklären soll. Der neue Schreck- us lautet: Die Überschwemmung in Nordflandern geht

u r ü ck. Nach den hier vorliegenden Berichten erscheint es, ls ob den deutschen Pionieren in aller Stille eine norme Tat geglückt ist, nämlich die-wenigstens teilweise Lied er Herstellung der durchstochenen Damme Nit dem größten Erstaunen haben die in der vordersten front sich befindenden englischen Truppen feststellen muffen aß das S u m p f l a n d. das sich schützend zwischen sie und de Deutschen gelegt hatte, täglich an Ausdehnung a b. lim m t. Stellenweise ist es sogar bereits möglich, den Norast trockenen Fußes zu durchschreiten. Die englischen Wachleute sind sich der großen Gefahr wohl bewußt, die n dieser neuen Tatsache liegt. Falls die seit einiger Zeit üngetretene trockene Kälte anhält, so kann nicht daran ge­nestelt werden, daß in wenigen Tagen große Teile des heu­igen Überschwemmungsgebiets von der Infanterie ohne be >eutende Schwierigkeiten werden durchquert werden können, fii den Erörterungen der Presse wird offen zugegeben, >aß ohne die wertvolle Hilfe des S u m p f l a n d e s die Stel­lingen der Verbündeten äußerst gefährdet seien.

Die Einberufung der französischen Kammer

W- T.-B- Bordeaux, 3. Dez. (Nichtamtlich.) Der Minister­rat unter dem Vorsitz des Präsidenten Poincare beschloß, die Kammer zu einer außerordentlichen Session auf den 2 2. Dezember in Paris einzuberufen. Die Minister reisen Ende nächster Woche nach Paris, um dem Finanzaus- >'chutz des Senats und dem Büdgetausschuß der Kammer zur Verfügung zu stehen. Präsident P o i n c a r e wird ebenfalls dann in P a r i s sein.

Neue französische Iustizverbrechen.

Br. Paris, 4. Dez. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Da, französische Kriegsgericht in Casablanca, das, wie gemeldet, den österreichischen Konsularagenten Brandt und dessen Geschäftsteiihaber zum Tode verurteilt hat, hat ein neues Justizverbrechen begangen, indem es auch die beiden anderen Houptangeklagten im Berschwörungsprozeß, den deutschen Großkaufmann C. Ficke und den deutsche,i Landwirt G. Krake, zum Tode verurteilte.

von den östlichen Kriegsschauplätzen.

Raiser Wilhelm auf dem Rrieasschaupsatz in Süd-Polen.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 3. Dez (Amtlich.) Seine Majestät der Kaiser besuchte heute Teile der in der Gegend von C z e n st o ch a n kämpfen­den österreichisch-ungarischen und deutschen Truppen.

O b e r st c Heeresleitung.

Des Raisers Grütze an Schlesien.

W. T.-B. Breslau, 3. Dez. (Nichtamtlich.) Die „Schief. Volksztg." veröffentlicht folgende Bekanntmachung des Ober- Präsidenten v. Günther: „Der Kaiser hat mich mündlich aller- gnädigst beauftragt, seine Schlesier zu grüßen. Sein Besuch in Schlesien gelte der Provinz und ihren tapferen Söhnen. Seine Majestät beglückwünsche die Provinz zu»ihrer mannhaften Haltung in schwerer Zeit und zu dem glänzenden Taten der Schlesier, insbesondere auch der schlesi­schen L a n d w e h r m ä n n e r im Felde, und habe das ' e st e st e Vertrauen, daß sie weiter alle ihre Aufgaben erfüllen werden."

Line Stadt „Hindenburg."

l>,-. Zabrze (Oberschlosien), 4. Dez. (Eig. Draht- Lericht. Ktr. Bin.) Die Gemeinderatzsitzung von Zabrze hat gestern einstimmig beschlossen, die Umwandlung ihres Namens in Hindenburg zu beantragen und den Generalfeldmarschall v. Hinden- ,bürg telegraphisch um seine Zustimmung gebeten.

Absetzung des Generals v. Rennenkampf.

W-T.-B. London, 3. Dez. (Nichtamtlich.) Die „Mor- ningpoit" meldet aus Petersburg: General Rennenkampf wurde vom Oberbefehl enthoben, weil er in der Konzen­trationsbewegung zur Einschließung der Deutschen seine Stellung zwei Tage zu spät eingenommen hat.

Berlin, 4. Dez. Zur Absetzung des Generals Rennen­kampf schreibt der militärische Sachverständige des „Berliner Tageblattes": Auf General Rennenkampf setzte.

Rußland große Hoffnungen. Im Kriege gegen Japan wurde sein Name bekannt. Vor dem Ausbruch des jetzigen Krieges trat er cm die Spitze des Militärbezirks Wilna, und auf seine besondere Kenntnisse der deutschen Grenze vertraute man. als man ihm das Oberkommando der Niemen-Armee übertrug. Aber ihn ereilte das gleiche Geschick wie General S a m s o n o w. Letzterer wurde von Hindenburg bei Tannenberg, Rennenkampf südlich von Insterburg völlig geschlagen. Nur mit knapper Not entging Rennenkampf der Gefangenschaft. Nun ist er offenbar Hindenburg noch einmal in die Arme gelaufen. Dem verspäteten Eintreffen des russischen Generals schreibt man die Schuld an dem ver­unglückten russischen Angriff zu. Ob das zutrifft, kann erst eins spätere Zeit lehren. — Im „B. L.-A." heißt es: Man hat Rennenkampf zum Sündenbock für die verun­glückte Umzingelung in Polen gemacht, ob mit Recht, das zu beurteilen kann nicht unsere Sache sein; Rennenkampf habe kein Glück gehabt und unglückliche Generale werden „ge. gangen".

Spannung in Petersburg.

W. T.-B. Kopenhagen, 3. Dez. (Nichtamtlich.) Politiken" gibt folgende Meldung der Londoner ",Times" aus Petersburg wieder: Die Hauptstadt war­tet ungeduldig auf Nachrichten aus Polen. . Die vor­liegenden Meldungen tragen dazu bei, die Span- n u n g zu erhoh-LN. Trotz der klimatischen ^chwi>e- rigkeiten halten die Deutschen ihre S t e l l u n g e n bei Lodz und Lowicz und haben den Russen sehr schwere Verluste zugesügt. Jetzt erwarten sie Verstärkungen, aber woher solle Deutschland Verstär­kungen nehmen?

Der österreichische Tagesbericht.

W- T--B. Wien, 3. Dez. (Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 8. Dezember, mittags: Unsere Situation aus dem nordöstlichen Kriegsschauplatz hat sich gestern nicht geändert.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: v. Hofer, Generalmajor.

Gewalttaten der Rusien in der Bukowina.

\y. T.-B. Wien, 4. Dez. (Nichtamtlich.)' Aus dem Kriegspressequartier ivtrd gemeldet: Aus der Bukowina wird über fortgesetzte Gewalttaten der Russen, insbesondere gegen R u m ä n e n, berichtet. So haben in Zadowa am Seret Kosaken den 85jährtgen Gutsbesitzer, Rittmeister a. D. Demeter Ritter v. Gojan, dessen rumänische Nationalität ihnen bekannt war, nin Mitternacht aus dem Bette gezerrt, tm Garten angebunden und blutig geschlagen. Inzwischen demolierten sie die Wohnung Gojans und raubten sie bis ans die letzte Decke aus. Auch wurde beobachtet, daß die Kosaken verwundete Gendarmen an Pferde banden und sort- schafften.

Serbien vor dem Zusammenbruch.

W. T.-B. London, 3. Dez. (Nichtamtlich.) Die „Times" melden ans Petersburg: Die Lage in Serbien ist ernst, ^ie Österreicher haben jebt dort eine halbe Million Soldaten cinschliehlich 3» 000 Bayern. Serbien hat sehr große Verluste erlitten. Mehrere Regimenter haben nur noch 8 Offiziere statt 75. Die e i n z i g c H o f s n u n g ist die Hilfe R ntzlandS.

Belgrad kampflos preisgegeben.

4V. T.-B. Wien, 3. Dez. (Nichtamtlich.) Vom südlicher Kriegsschauplatz wird amtlich gemeldet: Das siegreiche Vor­dringen unserer Truppen über die Kolubara hat den Gegner gezwungen, Belgrad, dessen Verteidigungsanlage gegen Norden gerichtet ist, kampflos preiszugeben, um nicht di- dortige Besatzung der Gefangennahme auszuliesern. Unsere Truppen drangen über die Save und.aus. .südwestlicher