Deffeve. Wad} biefem (Sffen, bas jebem fStann in einem Ouatu tum von etwa zwei Eßtellern verabreicht wirb, bekommt der Mann auch noch einen Becher Kaffee (Inhalt y 4 Liter). Ist auch daZ Kaffeetrinken beendet, dann beginnt die Brotausgabe. Jedermann bekommt y 3 ober % (kleines) Komrmtz- tuot. Das mutz nun alles bis zum andern Abend reichen.
Es ist ja wenig. Um nun diesen Proviant zu vergrößern,
sind wir Soldaten immer darauf scharf, Äpfel, Birnen und Nüsse oder sonstiges Obst, das hier in Frankreich m sehr reicher Auswahl und in ganz vorzüglichen Marken gezogen
wird, zu erwischen. Und so essen wir dann zu unserm
Kommißbrot Obst, eine nicht zu verachtende Soft.. Das viele Obstessen hat aber nun als eigentlich selbstverstandlrche unausbleibliche Folge einen Darmkatarrh bei fast sämtlichen Mannschaften des Regiments hcrvorgerufen, der einen großen Umfang angenommen hat. Dieser Umstand veranlatzte nun auch das Bataillon, Befehl zu erlassen, daß derzemge uut drei Tagen strengen Arrest bestraft wird, der beim L.bste)sen er- wischt wird. Ich esse ja furchtbar viel Obst, aber erwchhen lasse ich mich nicht. Man mutz nur vorsichtig sein. Rüge Labe ich in den letzten zwei Wochen so viele gegessen, wre m de;i ganzen Jahren meines Lebens nicht zuzammen. Und gut und dick sind hier die Nüsse. Von alle dem Egen L'ehe >ch aber ein selbstgestelltes Essen nach Kr-egsart vor. Herrlich schmeckt so ein Hühnchen, das lebendfrisch gekocht 'st. Da gibt es zunächst die herrliche Suppe, dann dazu Kartoffchtucke und dms Hühnchen und als Nachspeise Äpfel- oder Birnenkompott, ^as; man bei einem solchen Essen die Engel im Himmel Pfeilen hört, ist vielleicht erklärlich. Es kostet natürlich auch viel Arbeit, um dieses Gericht herzustellen. Wir haben uns auch schon zusanimengetan, einen Hammel ge,chlnchtet u d ein ordentliches Stück in einer Franzo,en,uppe gekocht. Alle-, was ich zur französischen Suppe brauchte, fand ich \a rn den Oiärteu in der Rabe der Ortschaft: Wirstng Blumenkohl, Grünes, Sellerie, Bohnen (frische). Bohnen Rüben, Kohlrabi. Da kann man .ochen. Es fehlt uns nur an Gewürzen; Salz haben wir genug, Pfeffer fehlt
c ?. aus Den tverden wir uns aber nebst Mustatnutz m irgend einer Küche im nächsten Dorf holen Natürlich können wir nur kochen, wciiir wir in Ortsunterkunst sind. ^ ^egen wir auf freiem Felde, dann dürfen wir überhaupt kein «euer anzünden, denn dann würden wir ;a uniece Stellung verraten uiid hätten im Nu Artilleriefeuer zu erwarten. Das wäre das Essen. Nun will ich Euch einmal einen Sonntag beschreiben. und zwar den schönsten, den ich bis heute rm Felde erlebte, der mir, wenn er nicht durch einen anderen Sonntag in den Schatten gestellt wird, ewig in Erinnerung bleiben wird Es war der letzte Sonntag im September. Wrr kamen nachts um 1 Uhr von N., von wo wir um 8 Uhr am SamStag- nbi-pd abmarschiert waren, in L., einer franzost,chen Festung, an Zum erstenmal, seitdem wir uns im Kriegszustand be- fntbeu, hatten wir das Vergnügen, in einer Kaserne zu uber- nach'en Diesmal war es aber nicht eine deutsche Kaserne, dw uns Unterkunft bot, es war eine französische, und zwar eine Jnfanteriekaserne. Schön war die Kaserne von nutzen. Aber al« wir in das Innere kamen, konnte inan staunen.
viel Sckmutz und Unrat in den Fluren inar, ist schließlich --u verzeihen. Aber wenn auch dieser Schmutz alle beseitigt gewesen wäre, dann hätte die Kaserne immer noch einen ganz erbärmlichen Eindruck gemacht. Gott sei Dank blieben wir nicht lange in diesem Quartier, denn schon um b Uhr vormittags mußten tvir diese ungastliche Statte verlassen. Und wir verliehen sie gerne, denn es hietz, datz wir mit der Bahn nach H. abtransportiert werden sollten. Wir marschierten nun nach der Verladerampe und lagen dort bis nachmittags 4 Uhr auf einer Wiese neben der Rampe. Etwa um 19 Uhr vormittags kamen auch die 80er mit iljrer :Kep= mentsmusik. Die Musik (unter Leitung des Herrn Gott,chatk) unterhielt nun den ganzen Nachmittag die auf der Wie,e liegenden Truppen. Es wechselten Konzertstücke und patriotische Lieder. Besonders schön wirkten „König Wilhelm sah ganz heiter", „Lützows wilde Jagd", „Deutschland über alles" und als Glanznummer „Die Wacht mn Rhein". Welch eine Begeisterung beseligte uns Soldaten beim Vernehmen dieser echt deutscheii Lieder im falschen Feindesland. Es war eine Stimmung in der Mannschaft, die einem das Herz höher schlagen ließ. Da hörte alles Seimweh, das sich gewöhnlich an Sonntagen einstellte, auf, und nur Begeisterung und neuer Mut erfüllte jedes Soldatenherz. Um 4 Uhr nachmittags
Würben tvir betTaben unb um 5 11t)v feilte fidj nufer Qug in Bewegung. Wir kamen um 1 Uhr nachts in H. an unb maxfäietlen direkt weiter, bis wir um 8 Uhr vornrittags in E. Ruhe fmiden. Der Grotzherzog von Hessen ist dauernd bei uns. Er spricht viel Soldaten an. Die Franzosen behandeln wir gut; aber die Russen muffen behandelt werden, dass sie jahrhundertelang an Deutschland denken. Die Söhne Albions. die sich bei uns so tapfer Magen, sollen aber auch ihre Haue bekommen, und sie kriegen sie. Die wagen sich wohl kaum mehr über den Kanal herüber. Alles in allem. „Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, In keiner Rot uns trennen und Gefahr." Und wenn wir dann drern- schlagen, datz die Fetzen fliegen, und das tun wir getreu dem Ausspruch unseres eisernen Kanzlers, der sagte: «Wrr
Deutsche fürchten Gott, aber sonst nichts auf der Welt , dann muffen wir siegen. Bis hierher hat uns Gott geholfen, und er wird auch weiter helfen. Ich will nun scylrehen, hoffend, datz Euch der Inhalt dieses langen Briefes gefallt, verbleibe ich mit vielen Grützen Euer Willy rm Barte.
Weibnachtswiinsche. (Original-Feldbrief.) Der 26jährige Inhaber des Eisernen Kreuzes W. V. aus einem -eorort Wiesbadens beweist in seinen Briefen, wie unsere b-aven Kämpfer trotz des Kriegsgetümmels vor allem ihre heit und ihr kindliches Gemüt beuxchren. Wir ^ndmBnef im Wortlaut folgen: M ..... . »«»kr«ch .. 20 ._ U. U-
Meine Lieben! Eure Karte nnt herzlichem ^ erhalte,. Ich hätte Euch schon taugst geschrieben, aber wir lagen me «nrze Zeit im Freien und da kamen wrr gar nicht zum Schreiben. Wir sind heute in ein FranzoseirBackhou- cin- aerogen Da hättet Ihr einnml sehen muffen, { 0551 . hatte sein Bettzeug bei sich, es sah aus. als wenn so cm- Zlseuneroande ankäme. Aber trotzdem fühlt man sich wohlg-mni. - 6 afeen wir uns hier Bänke und Tische gemacht. W 2 «r^ an die Fenster habe ick Vorhänge hingemacht. Und zum «chlug haben wir noch Bier empfangen. Es konnte nur Weiter sein, denn hier hat es gestern schon ZeM-c't. Da ^ve ich an Weihnachten gedacht, denn Weihnachten --Lieben wir hier ganz sicher, denn hier liegen wir ichon 10 Wochen aut einem Fleck. Zu essen haben wir hwr « «
wünschten die Kameraden tu meinem Drupp. datz A k»r ste kochen sollte denn ick hatte es so gut gelernt. Ich habe schon das feinste Essen gemacht: das Gemüse habe ich -enau so fertig gebracht !vie zu Hause. ^ ES ist doch gut, daß mich Mama so gut angelernt hat. denn wir haben Leute -aber du. wurden verhungern, die können sich gar nicht helfen, -rck sollte von meinem Trupp weg zum Leutnant, denn dersuchte etn.n
zuverlässigen Mann. Da saow meni ^ ^ ~ a 7eben wocrtun würde, wurde er üch auch fort naiven . seye
die ^ schnell herum, hoffentlich führt die Sach« zu einem guten Ende. Unser Vater mutzte nur noch leben, lvas er sich freuen, wenn seine zwei lungsten Sohne »nt dem Eisernen Kreuze geschmückt im Feindesland stehen. -- er hat doch immer für d-e Sache so gestrebt. Aber unsere liebe Mutter wird sich auch wohl recht gefrmit haben uoer • W wundert mich nur, daß bei Euch so dre Post an,
kommt Liebe Schwester. Du schreibst mrr, ivas ich gerne für Melbnächten haben wollte. Wenn Ihr Mir etwas Butter, Käse Wurst und Konfekt schicken könnt, auch 2 Taschenlampen, Batterien und kleine Birnen dazu, denn das kann man hier nötig gebrauchen. Auch so ein kleines Ta,chenfeuerz.ug mn so Zunder, denn die glühen, wenn auch der stärkste Wind ist^ <Ls ift hier ein wichtiger Artikel. Auch wenn Ihr etwa, Christ^umschmuck übrig habt, könnte ich «'^ «evrauchen dcnn ieder von «uns läßt sich etwas schicken und dann können wt. uns doch einen schönen B-um EckemWrr sEmem schon andauernd SWerpav-er für an den Baum. , -ovr wur o^r micy, wenn Ihr mich sehen würdet, gar nicht wieder kennen denn ich Libe so rote dicke Backen bekommen, und o,n auch kolossal dkck^worden Mein Unteroffizier freut sich immer lvenn er siebt weil ich so gesund crüsseHe, denn von unserem mo wir au 10 crusgerückt sind, leben nur noch 6 . Ich bin jetztfedm L m Hanse und koche für meine Kameraden, nlni, viele kommen alle 24 Stunden heim. Das sind 10 M<mn, L briLn" großen Hunger mit. aber wir haben hier Fleisch und Kartoffeln genug, da kann man schon. kochen. Morgen mache ich gebackene Leber, da ttfuen sich Mn alle h?rm die nnnbe ich s^br soin Anrechi. Ä 07 sein bnbe ^ch cmch schon gebacken, denn wir haben ^er.eni Wafsel-üsenge- ^en Für den kleinen R. habe rch e.n Franzosen-Kappt.
viele Sachen verloren durch das viele Herum- mchen Ich S nur noch den emen Wunsch, datz ich zu Weihnachten in Eurem Kreise weilen konnte. Für heute seid nun 1000 X gegrüßt und geküßt von Eurem W. __
L-raiitwortlich für die Schriftleivmg: iS- t>. Nanendors In Wiesbaden — »ruS «nd Verlag der L. Schcllenbergichen Hef-Duch-^ik-.-i ,n W. . ^
