Nr. 564.
Donnerstag, 3. Dezember 1914.
Wiesbadener Tagblatt.
Abend-Ausgabe. Erstes Blatt
Seite 8»
nnd Paris natürlich zu melden vergessen haben. Wir finden jetzt die Meldung im »Berliner Tageblatt".
Die beiden Fahnen, die die Franzosen den Deutschen ab- tzenommen haben wollen, werden wohl auch zu der Kriegsbeute gehören, nach der man nach dem Friedensschlutz in Frankreich vergebens Umschau halten wird. Auch die Russen feierten vor einiger Zeit die Eroberung einer deutschen „Fahne" — es war * >,e Flagge vom Postgebäude in Drckkehnen.
Die Franzosen beschweren sich darüber, daß die Deutschen schon um 4 Uhr morgens zu schießen anfangen. Das ist natürlich brutal. Da wird ihnen nichts anderes übrig bleiben, als
Beispiel der Belgier zu folgen und eine Delegation nach Washington zu schicken und wegen Bruches des Völkerrechts auf ungestörte Morgenruhe Beschwerde erheben zu lassen.
Der Professor Haie von der Universität Chicago hat einen ^lphell an den Präsidenten Wilson, den Senat und das aineri-: Manische Volk erlassen, Deutschland sofort den Krieg zu erklären. Wegen Verletzung der Haager Konvention. Weil cs Heeminen gelegt und in Belgien seine Soldaten gegen die Wut des PöbelS geschützt hat. Falls der Präsident Vorhaben sollte, in der Angelegenheit etwas zu tun, sollte er den Kongreß um einen Maulkorb für Professor Hale angehen, er ge-; braucht ihn sehr notwendig. (V/.)
k!us der 90. Verlustliste.
(Abkürzungen: verw. — verwundet. lciKtv. — leicht verwundet. schwerv. — schwer verwundet, verm. — vermißt, get. — gefangen.!
1. Garde-Ersatz-Rcgiment. Berlin.
(St. Baussant am 4.. 27.. 30, und 31. 10. uNd vom 1. bis 15.,\ Lahatwille am 4., Essel, am 6. rnrd Thierey am 7. u. 9. 11 . 1 4.)
, Res. Tamb. Ungeheuer (Kloppenheim) leichtv.; Res. Hahn (Holleri leichtv.
Füsilier-Regiment Nr. 80.
Gestorben infolge Krankheit.
Füs. Werkner gestorben im Lazarett Eharleror 9. 11. 14.
Berichtigung früherer Angaben.
Füs. Knapp 'Langendernbach) bisher verw., gcstorvcn cm Lazarett St. Quentin 6. 11, 14.
Reserve-Regiment Nr. 80. Obcriabnstci», Wiesbaden, Höchst.
(Gemeldet vom Infanterie-Regiment Nr. 168h
Res. Zeuzex (ohne Angabe der Kompagme) geyallen rm Westen. Ort und Tag nicht angegeben.
Berichtigung früherer Angaben.
Res. Schauer lAltenhain) bisher verm., ivar m Lazarett, jetzt bei Ersatztruppe: Wehrm. Sturm .bisher verm.. verw.
Jnfantcric-Oiogimciit Nr. 87, Mainz.
Berichtigung früherer Angabe».
MuSk. Friedrich Reum (Wiesbaden) bisher verw.. gestorben im Lazarett Ochamps 28. 8. 14.: HA >xhrhar-t (Eronberg) bisher verm., gefallen 28. 8. 14; Mnsk. 'Vogl (Biebrich) bisher verw.. gestorben 8. 9. 14: Res. Müller (Bad Ems) bisher verm., gefallen 6. 9. 14: Gefr. Karl H e il-
mann (Wiesbaden) bisher verw.. gefallen Neuschateau 18. 9. 14: Unteroff. Emil Müller (Wiesbaden) bisher verw.. gestorben im Lazarett Erchen: Res. Franz Schorpp (Wiesbaden) bisher verm-, zur Truppe zurück: Res. Hans Schaffer 1 (Wiesbaden) bisher verm.. zur Truppe zurück: Musk. Friedrich Ahn er (Wiesbaden) lnshcr verm.. zur Truppe zurück.
Rcscrve-Jnfanteric-Regimcnt Nr. 87. ^
(NeufchLteau am 22. 8.. Mouzon am 28. . 8 .. .Sermarze le» Bains am 7.. Mognevillc am 8. und 9. und Vllle-sur-Tourdc am 13. und 26. 9. und 1. und 3. 11. 14.) .
Res Lauer (Kestert) leichtv.: Wehrm. Knapp (Kirberg) tot: Wehrm Lob (Limburg) tot; Wehrm. Schauer (Komastem) tot: Wehrm Ludwig (Miehlen) leichtv.: Gefr. Meister (yada- mar) schwerv.;. Wehrm. Sehr (Limburg) schwerv.
Infanterie-Regiment Nr. 88
@rf -Res Glaßinann (Ems) verm.; Musk. Leitzbach (Münster) verm.; Musk. Karl Wolfs (Wiesbaden) verm.
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Rtzein-Viari'c-Kanal bei SermÄrc. Btl-an» vom
6. bi« 12., Orainville vom 1«. vis 19. 9-, Frevnov E 4U. imo 25 Fransart am 29. 10.. Hattencourt am 2. und^4.. rioguc^- wurt am 3. und 5., Parvillew an 6. und Damery am
Met Vemer (Riedelbach) verm'.; Gefr. d. R. Frenkenbach (Neubo ) verm; Res W (Ober-Liederbach) vernr.: Res.
Koch (Kirberg) verm.; Res. Möbus (Hahnstatten) vevm.pUntcr- off. K R. Wevel (Nastätten, vernr.; Re,. Schnabel (Unterliederbach) leichtv,: Unteooft Braselmanir (-sockst) schwerv. Unteroff d R Ferdinand R e u t c r (W r os bad en) leichtv..
Dorn Blum 2'(Neuweiilnan) leichtv : Res Füller. stSossenherm)
leichtv.: Res Nets (Kirberg) leichtv.; Unteroff d, R. Laue (Limburg) schwerv.: Res Nicker (Villmar) tot; Musk. Geiger (Geisenheim) verin: Gefr. d. R. Horn Schmidt (Weyer) tarn; $ef. Gabb (Villmar) verm4 Res. Crezelius (Heringen) schwerv: Vizefeldw Fischer (Lorch) leichtv.; Res. GheOmmer (Ältenhain) verm.: Res. Kitz (Seulberg) verm; Res Kramer (Brmrbach) vernr: Minsk. Ried (Konkgstem) leichtv: Res.
Wolf (Grävenwiesbach) verm.; Res. Wicth (Hundstadt) verm.
Feld-Artillcrtc-Rcgiment Nr. 27.
5. Batterie, Wiesbaden.
(Ändechv ain 4. 11. 14.) ..
Hauptm. Schleicher (Biebrich) tot; Untcroft. Revcrdy (Höchst) tot: Unteroff. Johannes Wesen er (Wies
baden) leichtv.: Unteroff. Weimer (Ahlbach) schwerv: Gefr. Schmelzeisen (Lorch) schwerv.; Kan. Gerbershagen (Burg) tot.
1 Pionier-Bataillon Nr. 21. Mainz.
(Le Quesnoy am 2. und 4 und Roye am 4. 11. 14-)
Pion. Ows (Biebrich) leichtv.: Pion Netzet, (Lorch)
leichtv: Gefr. Westenberger (Marxhelm) ^ tot; Gefr. Meyer (Lo ch) tot: Pion Helm. Schäfer (W r e * b a d c ») durch Unfall tödlich verletzt; Pion. Feger (Falkenstein) leichtv.
»
Uriegslileratur.
Houston Stewart Chambcrlain: „KricgSaufsätzc".
(Verlag F. Bruckmann, A.-G.,-München) Echoii zu Anfang des Krieges haben Angehörige der englischen Nation vereinzelt ihre Stimme erhoben gegen die verblendete und verbrecherische Politik der leitenden Staatsmänner Englands, vier nun erklingt ein solcher Protest voll bcsoriderer Kraft urrd eingehender geschichtlicher Begründung von einem seit langen Jahren in unserer Mitte lebenden Engländer. In großen Zügen saßt der Verfasser zusammen, was die Welt deMchem. Wesen, deutscher Arbeit, Gesittung, Sprache verdankt: die Kräfte, aus taten ein Luther, ein Friedrich der Große,. cm Kant, ein Goethe erwuchsen, und die auch heute noch, fuug und unge- sckwächt cm, Werke sind... Demgegenüber zeichnet er in einem glänzend geschriebenen Essay Englands Aufstieg zur Weltmacht durch eine Politik unerhörter «Skrupellosigkeit und England-.- inneren und äußeren Niedergang als Folge des alles, ausschließlich beherrschenden und daher im letzten Sinne-uniruchr- barcii Materialismus seiner Interessen . ...
Die „Nationale Rundschau , Zeitschrift für deutsches Geistesleben (Verlag Georg Garnitzka, Berlin-Wilmersdorf) bringt in dem vorliegenden 1. Heft eine Auswahl, beachtenswerter Beiträge aus der Feder bestbekaimter Persönlichkeiten. So finden wir in dem Heft eine Abhandlung des Geh Reg.- Rat Pres. Dr. B. Haencke (Königsberg) über die „Belgischen Franktireurs und die Kunst Belgiens, m der .dieser hervorragende Kunstforscher die Kumt der Belgier m,t dem Wesen dieses Volkes in Einklang zu setzen versucht.. Der Hauptauf- sab des vorliegenden Heftes ist aber zweifellos eine Skizze des Oberstleutnants z. D. Pwf. Dr. h. c. Pmrl Pochhammer
über Generaloberst von Hindcnburg. den Sieger von Tannenberg. lieber die sehr wichtigen „Nahrungsmittelsragcn des Krieges" äußert sich der bekannte Berliner Physiologe und Universitätsprofessor Dr. Bergell, wahrend ein Aufsatz über „Ktiegsmusik" aus der Feder des Musikschriftstellers Dr. Paul Bruns den Beschluß dieses ersten Heftes bildet. .
Kriegsbroschüren: „Set Weltkrieg, seine Ur
sa ch e n u n d seine Gründe,, sowie Deutschlands Sieges- aussichten in demselben an Hand , eingehender kritischer Studien über Heer und Flotte der einzelnen Mächte. Von Paul H ein sick. — „Waun w ird der K rieg b eendet sein?" Bon Diplomatikus. (Berthold. Sturms Vertag, Dresden.)
„Bonner vaterländische Rcdvn und Vorträge während des Krieges." 1. Recht und Würde des Krieges van Prof. Dr. Karl Soll., 2. Deutsch-türkische Interessengemeinschaft von Prof. Dr. C. H. Becker. 3. Der englische Handelskrieg von Prof. Dr..W. Wygodzinsky. Der Verkauf geschieht zum Besten des Roten Kreuzes.
Ku§ Stabt mb Land.
lvissbadener Nachrichten.
Vas Eiserne Kreuz.
Mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse wurden ausgezeichnet: Rittmeister und Ordonnanzoffizier Rolf Marschall v o n Bieberstein, dessen in Wiesbaden wohnender Vater, der Geheime Regicrungsrat Marschall von Bieberstein, das Eiserne Kreuz im Kriege 1870 erworben hat; der Schauspieler Paul Weg euer, früher am Hoftheater in Wiesbaden; der Leutnant der Reserve Regierungsbaumeister Heinrich Tecklenburg, Erbauer der neueu Rheinbrücke bei Rüdesheim; der Leutnant der Reserve Dr. H a w i ck h o r st, Direktor der Kaiser-Friedrich-Schule in Bad Ems; der Leutnant der Reserve Lehrer Pracht aus Homberg; der Wehrmai-n August Rühl aus Camberg; der Unteroffizier Otto Müller ans Oranienstern; der Gefreite der Reserve Friedrich Kloos, der Leutnant der Reserve Karl R c u s ch und der Sergeant Karl Käh, sämtlich aus Diez; der Leutnant Fritz Hermann aus Selters bei Limburg.
Krieg und Angestellten-Versicherung.
Sehr wenig dürfte bekannt sein, daß beirn Tode des Versicherten der hintcrlaffenen Witwe, oder, wenn eine solche nicht vorhanden ist, den unter 18 Jahre alten Kindern des Verstorbenen ein Anspruch auf die Erstattung der Hälft e der für den Versicherten eingezahlten Beiträge zur Angestellten- versicheruug zustcht. War der Verstorbene freiwillig versichert, so steht den Hinterbliebenen (Berechtigten) sogar drei Viertel der eingezahlten Beitrage im Wege des Erstattnngs- anspruchs zu. Da die Beiträge zu der ani 1. Januar 1918 in Kraft getretenen Angestelltenversicherung fast alle sehr hoch sind, so ist die zu beanspruchende Summe nicht ganz unerheblich. Es kann also allen Beteiligten: den Hinterbliebenen von kaufmännischen oder technischen Angestellten, von Privatbeamten, Werkmeistern usw., dringend empfohlen werden, alsbald ihre Ansprüche beini Rentenansschuß der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte in Berlin geltend zu mache»,, falls das 'noch nicht geschehen ist. Deut Antrag sind beizufügen : Sterbeurkunde des Versicherten, Heiratsurkunde und, die Ver- sicherungskartc. Der Antrag ntuß spätestens innerhalb eines Jahres nach dem Tode des Versicherten gestellt werden.
von dev Feldpost.
Der Staatssekretär des Reichspostamts Kr a etke weilte dieser Tage in Frankfurt und unterzog die S a m m e l st e l l e Frankfurt der Feldpost, bei der auch die Wiesbadener Feldpostsendungen einlaufen, einer eingehenden Besichtigung. Verschiedene Neuerungen und Verbesserungen sind in Aussicht genommen. Das ganze Postamt 9 nebst den zahlreichen unterirdischen Räumen, die cs mit -dem- Hauptbahnhof verbinden, sowie das Postamt am Hohenzollernplatz dienen jetzt fast ganz den Zwecken der Feldpost, bei der über 1000 Zivilpersonen neben zahlreichen Beantten Beschäftigung haben.
Gegen die vrieffallen.
Das Verschieben von Briefen und Postkarten in Drucksachensendungen bildet fortgesetzt die Ursache unliebsamer Briesverschleppungen und Briesverlnste. Ungeachtet wiederholter Anmahnungen durch die Presse und trotz unmittelbWer Einwirkung der Postanstalten auf die Absender werden viele Drucksachensbndungen leider immer noch in so mangelhafter Verpackung zur Post, eingeliefert, daß sie leicht zu Fallen für kleine Sendungen werden. Als besonders gefährlich in dieser Beziehung erweisen sich, wie neue Feststelluugen bestätigen, die häufig zur Versendung von Drucksachen benutzten offenen Briefumschläge, bet denen der Absender die am oberen Rand oder an der Seite vorhandene Klappe nach innen einschlagei,. In den dadurch entstehenden Spalt verschieben sich unbemerkt Briefe, Postkarten usw., die dann in der Drucksache oft weite Irrfahrten machen. Im eigensten Interesse des Publikums muh eindringlich davor gewarnt werden, die Klappe solcher Umschläge nach innen einzuschlagen; viel besser ist es, die Klappe über die Rückseite des Umschlags lose Überhängen zu lassen. Als recht zweckmäßig Haben sich die Umschläge bewährt, die an der Verschlutzklappe einen zungenartigen Änsatz haben, der in einen äußeren Schlitz des Umschlags gesteckt ivtrd. Sie sichern den Inhalt vor dem Herausfallen und verhindern das Einschieben anderer Sendungen; ihre möglichst ausgedehnte Verwendung ist im allgemeinen Interesse zu wünschen. Verhältnismäßig häufig verschieben sich auch Briefe usw. in Zeitungen, die unter Streifband verschickt werden. Es ist dringend zu raten, die Streifbänder so fest wie möglich mit die Zeitungen zu legen, nachdem diese umschnürt worden sind.
— Märchen und Lieder versprach gestern nachmittag „Die Kunst für die Kunst" den Kindern, die sich um 6 Uhr tu der Galerie Banger einfinden wollten. Es kamen verhältnismäßig viele. Frair Thea, R a a b e ° S t aa d t las vier oder fünf Märcheit vor, keine alten, sondern neue, und es gefiel den LAeinen offenbar,, was da von einem blauen Vogel, von der Nachtigall, von dein Jesuskind und von Engeln erzählt wurde. Auch. die gut ausgewählte,i Lieder, die Frau Margarete Die tzer - H ü t t e l vortrug, fanden den Beifall der jugendlichen Zuhörer.
— Die Russen in Wiesbaden. Etwa 120 in Wiesbaden wohnhafte russische Staatsangehörige haben durch Vermittlung des spanischen Konsuls. an die Kaiserlich russische Regierung nachstehende Erklärung gesandt: „Die uyterzeich- neten in Wiesbaden wohnenden russischen Staatsangehörigen erklären, daß sie trotz des zwischen DeutMand und Rußland bestehenden Krieges von der deutschen Regierung in durchaus
ritterlicher Weise behandelt worden sind. Indem sie
dtese Tatsache mit datckbarer Anerkennung feststellen, wenden ie sich hiermit an die Kaiserlich russische Negierung mit der ganz untertänigsten Bitte, sie ntöge gegen die in Rußland wohnenden Deutschen die gleiche Rücksicht walten lassen, wie sie den in Deutschland lebenden Russen zuteil wird." Die Unterzeichneten drücken gleichzeitig den Wunsch aus, es möchten sich auch die Russen anderer Deutschen Städte dieser Kundgebung anschließen. Es handelt sich bei den 120 Wiesbadener Russen durchweg um Leute, die seit vielen Jah- rcit in Wiesbaden ansässig und zum Teil durch die in Rußland herrschende Unsicherheit (Pogrom) aus ihrer Heimat vertrieben worden sind. Viele davon sind mit Deutschen verheiratet.
— Wiesbadener Lazarette. Nach der Verwundetenliste der Auskunftsstelle über im Felde stehende nassauische Soldaten in der Loge Plato sind an den letzten beiden Tagen die folgenden Verwundeten in Wiesbadener Lazarette übergeführt worden: Vom Infanterie-Regiment 80: Meckel (Stephanshansen) tut Kinderheim. — Vom Reserve-Jnsanterie-Regiment 116: Prescher (Vilbel) im Viktöriahotel. — Vom Jäger-Bataillon 10: Reuter (Wetzlar). — Vom Dragoner-Regiment 23: Leutnant v. Storch (Darmstadt) im Palasthotel. — Vom Infanterie-Regiment 116: Unteroffizier Wille (Lebenstadt) im Viktoriahotel. — In der Auskunftsstelle liegen weiter auf die Vcrivundetenlistcn ans Frankfurt, Mainz, Homburg, Biebrich, dem Ossizier-Gcnesnngsheim in Falkenstein, Bingen, Eltville, Rüdesheim, Ostrich, Winkel-Vollvads, Geisenheim, Schlangcn- bad, Langenschwalüach, Idstein, Kloster Eberbach und Trier.
— Vergiftete Kastanicnbämne gaben den Anlaß zu einem Zivilprozcß, welchen die Gemeinde Biebrich wider die S ü d d e u t s ch e Eisenbahn-Gesellschaft angestrengt hat und der zurzeit vor dem hiesigen Landgericht schwebt. In der Biebricher Gemarkung sind vier große Kastanicnbäume eingegangcn, wie wohl als feststeheitd angesehen werden kann, infolge des Ausströmens von Gas ans der unter dem Bahnkörper belegenen Leitung. Biebrich behauptet, die Straßenbahn trage die Schuld daran, daß die Gasleitung defekt geworden und das Gas ausgeströntt sei. Sie verlangt daher Schadensersatz, den die Klägerin, wenn wir nicht irren, auf 600 M. bemißt.
— Warnung. Das stellvertretende Generalkommaitdo des 1. bayerischen Armeekorps gwt bekannt: Gewarnt wird vor dem Ankauf von „Dr. Oppenheims echte Grogwürfel, Marke Südpol". Sie sind in Feldpostbriefe verpackt und für unsere Soldaten im Felde bestimmt. Nach dem Ausdruck auf den Etiketten bestehen diese Würfel angeblich aus feinstem Rum und Zucker und sollen, in heißem Wasser aufgelöst, ein Weinglas voll Grog ergeben. Tatsächlich beträgt der Alkoholgehalt der Würfel nur 6,8 Prozent; dem Zucker ist Gelatine beigemengt, es läßt sich selbst mit Beigabe von nur geringen Mengen heißen Wassers kein grogähnliches Getränke erzielen. Das Rohmaterial für 6 Würfel kostet ungefähr 10 Pf., der Verkaufspreis beträgt 1 Mark!
— Ein blutiger Vorfall ereignete sich heute- vormittag gegen 9 Uhr vor einem Geschäftslokal in der mittleren Lang- gassc. DaS Pferd einer hiesigen Speditionsfirma scheute dort vor der „Elektrischen" und sprang in das >schaufenster eines -leerstehenden Ladens. Die Spiegelscheibe ging vollständig in Trümmer. Das schwer verletzte und Ströme Blutes vergießende Pferd konnte nur mit Mühe und Not in seinen Stall gebracht werden.
—. Kleine Notizen. Die VolksleseHalle in bev Hellmnndstoaße 45. 1, ist im November von 2651 Lesern und 430 Leserinnen besucht worden.
vorberichte über Kunst, Vorträge und verwandtes.
* Königliche Schauspiele. Am^ Freitagabend geht zum erstenmal „Kollege Eramvton", Komödie in o Akten von Ger'hart Hanptmann. in Szene. p Die Hauptrollen werden von den Damen Gauby und Re mers und von tat Herren Andriano EbrenS. Everth. Herrmann. Lehrmamt, Schwab und Zollin gespielt. Die Regie führt Herr Legal (Abonnements).
^'^^Residenz-Theater. Am ^Samstag wird in vollständig neuer Einstirdieruna das benebte Lustsprel „Hofgiunst , bo-n ‘SiivTrs hnn STrothd naä) langer Paule luieder rn d-en ^Lplel^lan SieÄ a« Sonntagabend wiederholt. Diese Vor- svllnno bcaimü NM VS Uhr. Sonntagnachmtttag gelangt zu SS rsieamüsante. Komödie „In BelMrdbung" von
^^»^Kurhaus"' MuMrektö'r Schuricht wird in dem nmrgcn Freitag als Beethoven-Abend stattfindenden i ZyUu^Konzerie die Ouvertüre zu Collins Tratterspwta.Eortolan QMtitoe M „Egmont" und zum Schlüsse me «mfome Nr. 3, W-Dw, Eroica. zur Auffübrnng brrngen. — Wegen lv8 ^ 2. .-.Kr findenden Zyklus-Konzertes fällt das movgrge RachrmttagS- Abonnements-Konzert aus.
«- Bortrag. Die „Lttcrartsche Gesellschaft Wiesbaden" wird am nächsten Sonntag mit einer größeren Veranstaltung an die Öffentlichkeit treten, deren Reinerlös dem Roten Kreuz Wiesbaden znflteßen soll. . Als Redner des Abends ist Rudolf Presber gewonnen, der ferne neuesten Ge- Lnditc, die sich mit Ereignissen aus dem großen Krieg beschäftigen Vorträgen wird. Die „Literarische Gesellschaft Wres- batat" bittet darauf aufmerksam zu machen, daß mit Rücksicht auf den guten Zweck auch die Btitglteder zu der Veranstaltung Karten lösen müssen, die für sie zu halbem Preis abgegeben werden. ^ . . ,
aus dem vereinslhben.
Vereinsvorträge.
(Ohne Gewähr.) Im „N a f ;a u iss ch e n Verein für Naturkunde" vielt am vergangenen Donnerstag Santtats- rai Dr G. Böttlber einen Vortrag über das Thema „Nalur- winenschastliches aus dem toskanischen Apennin". Der Redner schilderte in lehendiger Weise seine Reise nach Valombrosa und seinen Aufenthalt daseMt. Er gab ein anschauliches Bub ta- dort-oen klimatischen Verhältnisse sowie der Flora und der Fauna dieses interessanten Gebiets. An den beifällig anf- aenonmuncn Vortrag knüvfte sich eine lebhafte Besprechung, nametitlich gab Herr A. Vmener ergänzende Erläuterungen über mancherlei Pflanzen und führte aus seiner reichen Sammlung schone, eingelegte Exemplare, insbesondere von Or chideen, Vor. _
Provinz Hessen-Nassau.
Regierungsbezirk Wiesbaden.
FC. Limburg, 2. Dez. In das hiesige Kriegsgefangenenlager wurden heute 300 Englam>er und Belgier, die während der Kämnsc nahe der belgischen Küste in Gejängcnschaft gerieten. etngÄiefcrt. Das Lager zahlt nunmehr 620 Gefangene. . . CJ . . ™ ,,
— Weilburg. 2. Dez. Am diesiahvigen Bu«- und Betrag veranstaltete der Organist der hiesigen Schlotzltrche. Herr «ehrer Mankel. unter sreundltcher Mitwirkung von Fräulein de Niem von Linwurg («opran), Herrn Ober- vtarrer Günder. Wetzlar «Bariton) und den gemischten Chören der Vereine „Liederkranz" und „Musikverem" ein Orgelkonzert zum Besten des R oten Kreuz -s das ein großer künstlerischer wie finanzieller Erfolg war Die Auswahl der einzelnen Konzertstücke war tan Ernst des Tages und der Zeit vorzüglich angepaßr und bekundete ein überaus feines Empfinden für die Stimmung des Tages.
