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Donnerstag, 3. Dezember 1914. fibCltö'flUSQClbC# Nr. 364. 62. Jahrgang.

Der Krieg.

_ Eine Zusammenkunft des Raifers mit dem österreichischen Gberkommandierenden Erzherzog Friedrich und dem österreichischen Thronfolger.

^V. T.-B. Großes Hauptquartier, 3. Dez. Der Kaiser hatte gestern in Breslau eine Be- IPrechuug mit dem Oberkvmmandierenden des öster- kcichjsch-ungarischen Heeres Sr. K. K. Hoheit dem Erz­herzog Friedrich, der von Sr. K. K. Hoheit dem Erz­herzog -Thronfolger Karl Franz Joseph und dem Chef des Generalstabs General der Infan­terie Freiherrn Konrad v. Hohendorfs begleitet war. Später besuchte der Kaiser die Verwundeten in den Lazaretten der Stadt.

Ober st e Heeresleitung.

Kämpfe cruf der ganzen Front im Osten.

Br. Kopenhagen, 3. Dez. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Aus Petersburg wird gemeldet, das; die Kämpfe beinah ans der ganzen Front andauern. Die Kämpfe nordöstlich und südlich von Lodz seien die blutig- st e n und furchtbarsten seit Beginn des Krieges. An dieser Stelle werde die Hauptschlacht zwischen den Russen und den Deutschen ausgekämpft.

Alle verfügbaren rustischen Truppen beteiligt.

h<l. Rotterdam, 3. Dez. Aus Petersburg wird ge­drahtet: Man macht hier Andeutungen, daß der Kamps nordöstlich und südöstlich von Lodz der h e f t i g st e ist, der bisher geliefert wurde. Alle verfügbaren Teile der russischen Armee seien daran beteiligt. Die Deutschen verteidigten jeden Zoll an Boden und die V e r l u st e sind beiderseits riesig.

Die Verluste an russischen Gefangenen.

über 30 00V russische Kriegsgefangene sind nach einer ge­naueren Feststellung in den Kämpfen in Polen den Truppen des verbündeten Österreich-Ungarn in die Hände gefallen. Nach einem Bericht derKreuzzeitung" beläuft sich die Ge­samtzahl auf 35 000. Mit den über 80 000 Gefangenen, die unserer Ostarmee in die Hände fielen, ergibt sich jedenfalls ein russischer Gesamtverlust an Gefangenen in den letzten Wochen, und zwar ohne die russischen Verluste in den Karpathen und an der ostpreußischen Grenze, von über 110 000 .

Eine schweizerische Prcsfftimme über die Schlacht in Polen.

IV. T.-B. Basel, 2. Dez. (Nichtamtlich) Die hiesige Nationalzeitung" schreibt, anknüpfend an die Besprechung des Artikels desTemps" vom 20. NovemberÜber den Bank­rott der deutschen Strategie" über die letzten deutschen Gene- ralstabsmeldungen und die Reise des Kaisers nach dem öst­lichen Kriegsschauplatz: Alle diese Tatsachen sind gewichtige Anzeichen dafür, >daß die Schlacht im Osten noch keineswegs entschieden ist. Die Entscheidung ist aber nähe und die Deut­schen setzen alles daran, den Sieg zu erringen. Die Berichts desTemps" und desNew Uork Herald" sind somit minde­stens als v e r f r ü h t zu bezeichnen. Daß auch die Russen die letzte Karte ausspielen, geht aus der Meldung aus Rom her­vor, daß die acht Klassen des Landsturms, die sogenannte Reichswehr, aufgeboten wurden. In dem großen Reser­voir an Mannschaften sieht man jetzt den Bode n.

In Erwartung weiterer deutscher Angriffe.

. Rotterdam, 3. Dez. DieTimes" melden aus Petersburg, daß die Lage in Polen nach dem Urteil russischer militärischer Kreise eine außerordentliche und neue Bedeu­tung bekommen habe. Große Interessen ständen auf dem Spiele und große Gefahren seien damit verbunden. Man verfolge den Gang der Ereignisse mit der größten Spannung, weil die Deutschen ungeachtet der Witte­rungsverhältnisse ihre Stellungen vor Lodz und Lowicz be­haupteten ruft) augenscheinlich große Verstärkungen erwarten. Vermutlich würden die Deutschen von neuem in Richtung des linken Wcichselufers vorrücken und zu gleicher Zeit eine Umfassuugsbeweguug ver. suchen. Sämtliche militärischen Sachverständigen sind der Meinung, daß die deutsche Offensive fortgesetzt werde.

Generalfeldmarschall v. Hindenburgs Dank.

\V. T.-B. Berlin, 3. Dez. (Nichtamtlich.) Generalfeld- marschall v. Hindenburg Littet das Wolffsche Bureau um Veröffentlichung folgenden Dankes:Gelegentlich meiner

durch die Gnade des Kaisers und Königs erfolgten Ernennung zum Generalftldmarschall sind mir zahlreiche Glückwünsche zu­gegangen. Dieselben erfreuten mich unendlich, doch bin 'ich leider außerstande, sie einzeln zu beantworten. Ich bitte daher, meinen herzlichsten Dank allerseits ledig­lich auf diesem Wege aussprechen zu dürfen."

Die Zuversicht des Gencralfcldmarschalls v. Hindenburg.

Aus Anlaß der Ernennung des Generalobersten v. Hindeu- burg zum Generalfeldmarschall ist ihm im Rcnneu der städti­schen Behörde Königsberg folgendes Glückwunschtele­gramm übersandt worden:

Dem Herrn Generalfeldmarschall v. Hindenburg gratu­liert mit innigsten Segenswünschen für den weiteren Erfolg Magistrat und Städtverordnetenkollegium königlicher Haupt- und Residenzstadt Königsberg." (Unterschriften.)

Darauf ist folgendes Telegramm am 1. Dezember ein­gegangen:

Dem Magistrat und den Stadtverordneten herzlichen Dank für freundliche Glückwünsche. Den weiteren Er­folg verbürgt die hervorragende Tapferkeit und Aus baue: der mit anvertrauten Truppen, v. Hindenburg."

Auszeichnung Hindenburgs und LudcndorffS durch den König von Bayern.

. W- T.-B. München, 2. Dez. (Nichtamtlich) Der König geruhte in besonderer Anerkennung der hohen Verdienste, Welche sich Generalfeldmarschall v. Hindenburg sowie Gene­ralleutnant v. Ludendorff um die Führung der im Osten kämpfenden Armeen erworben haben, ersteren nrit dem Groß­kreuz, letzteren mit dem Kommandeurkreuz des, Militär- Max-Joseph-Ordens auSzuzeichneu.

Ein türkischer Glückwunsch sür den Feldmarschall v. Hindenburg.

W. T.-B. Kvnstantinopcl, 2. Dez. (Nichtamtlich) Die ZeitungTauin" hat an den Generalfeldmarschall v. Hinden­burg aus Anlaß seiner Beförderung ein Glückwunsch­telegramm gesandt. r

Zum deutschen Durchbruch durch den russischen Ktnq.

Österreichische Genugtuung.

W. T.-B. Wien, 2. Dez. (Nichtamtlich) Zu dem glän­zenden Durchbruch der deutschen Armeeteile schreibt die Nene Freie Presse": In dreitägigen Kämpfen durchbrächen die-Deutschen den von den Russen gebildeten Ring. Wie ein Heldengedicht Wngt die Meldung, daß diese Teile der deutschen Armee naEiiberwindung der Gefahr noch 12000 Gefangene und 25 Geschütze als Beute mitnehmeu konnten, ohne selbst a u ch n u t ein Geschütz zu verlieren.

Ein englischer Bericht.

sich. Amsterdam, 8. Dez. DieDaily Mail", meldet aus Petersburg: Nur eine deutsche Armee war in der Lage, diesen Ausgang der Kärupfe in Südpolen. herbeizuführen. Die Art, wie die Deutschen sich gegen die Menschen- welle der Russen warfen, war unbeschreiblich. Was den deutschen Soldaten noch besonders angefeuert haben soll, war eine Rede des Kaisers, in der er versicherte, daß mit her Einnahme Warschaus der Krieg vorüber sein würde. (Die Angaben erscheinen im höchsten Grade zweifel­haft. Schristl.) Auf diese Weise entging die deutsche Armee einem Sedan. Die Russen kämpften hervorragend, aber da sie nicht genügend waren, um eine Sprengung des Ringer durch die Deutschen zu vermeiden, so gelang der Durchbruch. Auch die Russen haben sehr unter der Kälte zu leiden.

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Günstige Entwicklung der Kämpfe bei Lodz und Nowarodomsk.

W. T.-B. Wien, 2. Dez. (Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 2. Dezember mittags: Die Ruhe in unserer Front in Westgalizien und in Russisch-Polen hielt im allgemeinen mich gestern an. In der vergangenen Nacht wurde ein russischer Angriff nordwestlich von Wolbrom abgewiesen.

Die Kämpfe im Raume westlich Nowarodomsk und bei Lodz sind in günstiger Entwicklung begriffen.

Vor Przemysl blieben die Russen unter dem Eindruck des letzten Ausfalles passiv. Mehrere feind­liche Flieger 'warfen erfolglos Bomben ab. Die Opera­tionen in, den Karpathen sind noch zu keinem Abschluß gekommen.

Die Nachricht von dem Einrücken unserer Trup­pen in Belgrad löste auf dem nördlichen Kriegs­schauplatz unaussprechlichen Jubel aus.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs.

vom südlichen österreichischen Ilriegsschauplatz

W. T.-B. Wien, 2. Dez. Vom südlichen Kriegsschauplatz wird amtlich gemeldet: 2. Dezember. Da der Feind im R ü ck- z u g ist, fanden gestern keine größeren Kämpfe statt. Die vorgctriebenen Nachrichtenabteilungen stießen aus feind­liche Nachhuten und machten mehrere hundert Ge­fangene.

Zur Einnahme Belgrads.

Der Einzug der österreichischen Truppen.

Br. Budapest, 3. Dez. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) -Die österreichisch ungarischen Truppen habe» nach einer ausführlichen Meldung desMadia Hirlap" am Dienstagabend in cineur unwidersteh­lichen B a j o n c t t st u r m die Westseite Belgrads genommen. Mittwoch früh wurde ganz Belgrad in Besitz genommen. Die Truppen hielten unter stürmi­scher Begeisterung ihren Einzug.

Deutschlands freudige Genugtuung.

IV. T.-B. Berlin, 3. Dez. (Nichtamtlich) DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Mit der Einnahme der Hauptstadt Ser- bietls hat das österreichisch-ungarische Heer seinem ehrwürdi­gen Kaiser und König eine herrliche Ga Le zum Jah­restage seines Regierungsantritts . dqrgeboten. Unter ü b c ir aai S schwierigen Berh ä l t Ui ff ein, die das zer­

klüftete Gelände in sich birgt, drängten die Truppen öfter» veich-Ungarns den Feind in sein Land zurück. Jetzt sind sie im Besitz eines erheblichen Teiles von Altserbien. Alle Hemmnisse, die sich der Kriegsführung in dem fremden Gebiet entgegenstellten, vermochten nur den Geist echter Soldaten- lugenden zu steiger n und die österreichisch-ungarischen; Truppen zu bewunderungswürdigen Leistun- g e n anzuspornen. Die Führer haben in ihren Untergebener» opferffeudige Helfer, die durch ihren Mut, ihre Ausdauer und Manneszucht die Lösung der kriegerischen Aufgabe ermöglicht haben, die sich die Heeresleitung setzte. So reich die Geschichte dipser Kämpfe au erhebenden, Beweisen unbedingter Hingabe einzelner und ganzer Truppenteile ist, so bedeutsam ist das Ergebnis, das bisher in der Eroberung Belgrads gipfelt. Mit freudiger Genugtuung begrüßt unser Volk die neueste Kunde vom serbischen Kriegsschauplatz, wie es seit Kriegsbeginn den Taten des österreichisch-ungarischen Heeres mit wärmster Anteilnahme folgt.

Berlin, 3. Dez. Unter der ÜberschriftDer Doppel­adler über Belgrad" heißt es in derVoss. Ztg.": Ein doppel­ter Jubeltag für Österreich. Opfer hat es genug gekostet, bis dieses Ziel erreicht ist.Doch ist es nicht zu schade, sag' ich, nur unsere Fahnen wehen über Belgerad." Nach 120 Jah­ren ziehen zum erstenmal wieder die Österreicher in Belgrad ern, Rußland hat Serbien für seine Zwecke benutzt und wird es jetzt zur Seite schleudern wie eine ansgepretzle Zitrone. ImBerl. Tagbl." sagt Major Morath: Serbien steht vor dem Zusammenbruch.

Die Siegesfeier in Budapest.

W. T.-B. Budapest, 2. Dez. (Nichtamtlich) Die Nach­richt von dem Falle Belgrads löste in der Stadt ungemeine Freude aus. Die Nachricht, die gegen 4 Uhr nachmittags hier bekannt wurde, verbreitete sich mit Blitzesschnelle in der gan­zen Stadt. Binnen kurzer Zeit prangte ganz Budapest im Flaggenschmuck. «owohl die öffentlichen wie die privaten Ge­bäude hißten ungarische, österreichische, deutsche und auch türkische F a h n e n. Gegen Abend begannen sämtliche Glocken zu läuten, die meisten Häuser sind illumi- n i e r t. Tue Menschenmengen besprechen bewegt das Ereig­nis. Auch aus zahlreichen Orten der Provinz treffen Mel­dungen über Beflaggungen aus Anlaß der Einnahme Bel­grads ein.

IV. T.-B. Budapest, 2. Dez. (Nichtamtlich) Der Bürger­meister hat folgeirde Bekanntmachung anschlagen lassen: Der Bürgermeister der Haupt- und Residenzstadt meldet dem Publikum, daß Belgrad gefallen ist. Man hat sich gegen uns verschworen, hat uns hochmütig in unserem Leben und unse­rem Recht gekränkt. Man hat den Erben unseres Thrones ermordet. Unsere tapferen Soldaten zeigen jetzt, daß man uns n i ch t u n g e ft r a f t beleidigen kann. Mit Gottes Hilfe haben sie ihre ruhmreichen Fahnen in dem Hauptnesi der gegen uns gesponnenen Zer­störung aufgepslanzt. Mögen nun auch unsere Fahnen Iveheu und unsere Fenster sich erhellen. Mögen Glocken er­tönen und unsere überströmende Freude, unseren unbegrenz­ten Stolz und unser unerschütterliches Vertrauen verkünden. Es lebe das Vaterland!

Die Zrage eines serbisch-österreichischen Einzelfriedens.

Die eiuznholendeErlaubnis" des Zaren.

Sr. Wien, 8. Dez. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die Gerüchte über einen Separatfrieden mit Serbien werden durch eine Erzählung gefangener serbischer Offiziere ge­stützt, wonach der frühere Gesandte in Wien S i m i t s ch nach Petersburg entsandt worden sei, um für den wahrschein­lichen Fall des Zusammenbruches der zweiten ser­bischen Verteidigungslinie die Erlaubnis des Zaren zum Abschluß des Separatfriedens zu erwirken.

Der Gedenktag der Thronbesteigung Kaiser Franz Josephs.

Eine deutsch-offiziöse Begrüßung.

W. T.-B. Berlin, 2. Dez. (Nichtamtlich) DieNordd. Allg. Zig." schreibt: Die heutige 66. Wiederkehr des Tages, an dem der Kaiser und König Franz Joseph den Thron be­stieg, lenkt die Gedanken, nicht allein der Völker Österreich- Ungarns, sondern auch der weitesten Kreise in Deutschland auf den ehrwürdigen Herrscher, der sich als treuer Bundesge­nosse von drei Hohenzollernkaisern bewährt hat. Der Tag fällt diesmal in eine Zeit gewaltiger weltgeschichtlicher Ereignisse. Das Bündnis Deutschlands mit Österreich-Ungarn, das in langen Friedensjahren als eines der bedeutsamsten Faktoren im politischen Dasein unseres Weltteils sorgsam gepflegt und entfaltet worden ist, zeigt sich jetzt der Welt in der ganzen Kraft seiner Nnevschütterlichkeit. Mit besonderer Genugtuung vermag der Kaiser und König auf die verflossenen Kriegs- monate auch deshalb zurückzublicken, weil sie einen weithin leuchtenden Beweis erbracht haben, wie berechtigt das Ver­trauen des Herrschers zur Treue seiner Völker war. In die­sen Monaten schwerer,.aber notwendiger Opfer für des Reiches Sicherheit, und seine künftige Blüte hat die hingebende Anhänglichkeit der Volks stamme Österreich-Un- garus an die Krone alle gegenteiligen Vorhersagungen seiner Widersacher zuschanden gemacht und die denkbar ernsteste Probe glänzend bestanden. In fester Hand hält der 84jährige Monarch das Ruder des Staates. Die neuen schweren Pflich­ten, die ihm der Krieg auferlegt hat, haben den greifen Herr­scher nicht gebeugt. Mit bewundernswerter F r i s ch« des Körpers und des, Geistes lenkt der Kaiser und König di«