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Mittwoch. 2. Dezember 1914. - flUSQdÖC. Nr. 562. ♦ 62. Jahrgang.
Der Krieg.
Der Tagesbericht vom 2. Dezember.
Ein Erfolg im Krgonnerwald.
Russische Angriffe in Südpolen zurückgeschlagen.
YWT.-B. Großes Hauptquartier, 2. Dez., vormittags. (Amtlich.) Im Westen wurden kleinere Vorstöße des Feindes abgewicsen. Im A r . gonnerwalde wurde vom württembcrgischcn Infanterieregiment Nr. 120, dem Regiment Sr. Majestät des Kaisers, ein starker Stützpunkt genommen. Dabei wurden 2 Offiziere und annähernd 300 Mann zu Gefangenen gemacht.
Ans O st p r e u ß r n nichts Neues.
In Nord-Polen nehmen die Kämpfe ihren normalen Verlauf.
In Süd-Polen wurden feindliche Angriffe zurückgeschlagen.
Oberste Heeresleitung.
Ueber 89 000 Russen in den letzten Rümpfen gefangen!
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 2. Dez., vormittags. (Amtlich.) Die in der ausländischen Presse verbreitete Nachricht, daß in der von uns gemeldeten Zahl von 40 000 russischen Gefangenen die bei K u t n o gemachten 23 000 mitenthalten seien, ist unrichtig. Die Ostarmce hat in den Kämpfen bei Wloclawcc-Kutno-Lodz-Lo- wicz bom 11. November bis 1. Dezember über 80 000 unverwundctc Russe» gefangen genommen.
Oberste Heeresleitung.
wie sich die Deutschen bei Lodz erfolgreich durchschlugen.
Eine Richtigstellung des russischen Gcneralstabsberichts vom Sonntag.
W- T.-B,. Großes Hauptquartier, 1. Dez. (Amtlich.) Anknüpfend an den russischen Generalstabsbericht vom 29. November wird über eine Episode aus den für die deutschen Wasserl so erfolgreichen Kämpfen der Lodz festgestellt: Die Teile der deutschen Kräfte, welche in der Gegend östlich Lodz gegen rechte Flanke und Rücken der Russen im Kampf waren, wurden ihrerseits wieder durch starke, von Osten und Süden her vorgehende russische Kräfte im Rücken ernstlich bedroht. Die deutschen Truppen machten angesichts des vor ihrer Frönt stehenden Feindes Kehrt und schlugen sich in dreitägigen erbitterten Kämpfen durch den von den Russen bereits gebildeten Ring. Hierbei brachten sie noch 1 2 0 00 ge f angene Rüssen und 2 5er- oberte Geschütze mit, ohne selbst auch nur ein Geschütz einzubützen. Auch fast alle eigenen Verwundeten wurden mit zurückgeführt. Die Verluste waren nach Lage der Sache natürlich nicht leicht, aber durchaus keine ungeheuren. Gewiß eine der schönsten Waffentaten des Feldzuges.
Oberste Heeresleitung.
Berliner Prcssestimmen.
Berlin, 2. Dez. Unter der Überschrift „Eine militärische Leistung ersten Ranges'' wird dem „Berliner Lokal-Anzeiger" von seinem militärischen Mitarbeiter geschrieben: Der rechte Flügel der Russen südlich der Weichsel war bereits durch den ersten Flankenangriff der Deutschen bedroht. Die ihm drohende Umfassung schien durch den russischen Gegen st otz von Osten und Süden aügewendet und ins Gegenteil umgswendet. Fetzt ist das alte Verhältnis so weit w i e d e r h er g e st e l l t, daß dem russischen rechten Flügel die Möglichkeit der Umfassung oder wenigstens der Abt r e n n u n g an Warschau vorbei bis nach Süden hin droht, während der linke russische Flügel bei P i l i g a von den vereinigten Kräften der Verbündeten fest geh alten wird. Unter diesen. Umständen kann man wohl sagen, daß dieser strategische Meisterstreich aus der mißlichsten die günstigste Lage zu machen wußte.
In der „Post" heißt es: Wir erfahren aus der Mitteilung unserer Obersten Heeresleitung, daß Teile unserer östlichen Streitkräfte in der Tat durch starke russische Kräfte, die östlich Lodz von S ü d e n und Osten her vorginpen, e r n st l i ch bedroht waren. Ihre Lage wurde durch die Übermacht des Feindes aufs äußerste gefährdet. In heldenmütiger Weise ist es nun unseren Truppen gelungen, sich in dreitägigen erbitterten Kämpfen der drohenden Umklammerung zu entziehen, den Ring zu sprengen und dem Gegner obendrein bei diesem todesmutigen Ringen eine geradezu v e rnichts n d e Niederlage zu bereiten.
Der Kaiser im ostpreuffischen Beerlager.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 1. Dez. (Amtlich.) S. M. der Kaiser besuchte gestern bei Gumbinnen und Dar- kehmen unsere Truppen in Ostpreußen und deren Stellungen.
Oberste Heeresleitung.
Ein Urteil auS der Schweiz.
IV. T.-B. Zürich, 1. Dez. (Nichtamtlich). Zn der Anwesenheit des deutschen Kaisers auf dem Kriegsschauplatz im
Osten schreibt die „Neue Zürcher Ztg.": Die Meldung war kurz, aber inhaltsschwer genug. Wo der oberste Kriegsherr äst, da fliegen Späne, da wird es bitterer Ern st. Wenn in den Freiheitskriegen das „Vivc l’empereur" erschallte, dann wußte man, daß der Schlachtenkaiser seine Truppen in Person führte. Den Gegner beschlich in der Regel eine gewisse Befangenheit, die Pläne wurden weniger kühn und die Ausführung zögernder und vorsichtiger. Wer weiß, ob das Erscheinen des Kaisers im Osten nicht ähnliche Wirkungen auslüst. Moralische Einflüsse bedeuten im Krieg oft mehr als die Zahl, und der Erfolg ist nicht immer mit den großen Bataillonen.
Line dänische Darstellung der Rümpfe in polen.
Die Kopenhagener „Politiken" bringt über die Kämpfe in Russisch-Polen folgende Mitteilungen von ihrem Bericht, erstatter im Osten:
Endlich beginnt einige Klarheit in die Kämpfe zwischen Weichsel und Warthe zu komnien. Der deutsche Flankenstoß, der von Thorn ausging, bestand aus mehreren Kolonnen. Sein Ziel war wahrscheinlich, den russischen rechten Flügel und dessen Flankendeckung in südlicher Richtung nach dem russischen Zentrum zu, dessen Gros auf der Linie Czenstochau- Krakau stand, z u r ü ck z u w e r f e n. Gleichzeitig beabsichtigten die Deutschen, die Bahnlinie Warschau-Lodz- K a l i s ch und Warschau - Pctrikan - Czenstochan zu besetzen, um so die Verbindungslinie der russischen Armeen zu vernichten.
Die linken Kolonnen der Deutschen, die südlich der Weichsel gegen die Bahnlinie Warschau-Skierniewioe vorgingen, schienen die stärksten zu sein; sie schlugen unterwegs die russische Flankendeckung bei Wloclawek. Die mittleren Kolonnen sind siegreich über Kutno vorgegangen, wo die Russen in Grund und Boden geschlagen worden sind. Diese mittleren Kolonnen scheinen als Ziel die Bahnlinie Loella-Lo wi tsch-L o dz und nach hinten die Bahnstrecke zwischen Ski erniewice und P e t r i k a u gehabt zu haben. Endlich ist auch die rechte deutsche Kolonne von der Warthe aus auf die Linie Lodz-Zdunskavola vorgerückt. Spater ist als Stütze für diesen kleinen Flankenangriff eine deutsche Kolonne aus Wielun südlich von K ali sch vorgeschickt worden. Der deutsche Flankenstotz wurde mit grotzer Heftigkeit geführt.
-Die Kolonne, die-südlich der Weichsel operierte, reichte bis zum Bzuraflutz und bis Lowitsch heran. Das deutsche Zentrum rückte über Lentschikow-Zgierz-Strhkow-Brzeziny und Lodz vor. Diese Kolonnen drangen am weitesten vor, nämlich bis zur Station Koljuschki an der Bahnlinie Warschau- Czenstochau. Die rechte deutsche Kolonne scheint sich auf der Linie Zgierz-Zdunskavola vorwärts bewegt zu haben. Im Osten von Lodz kam der Kampf zum Stillstand, indem die Deutschen zwischen Zgierz und Skierniswice Schützengräben aufwarfen und sich in diesen gegen die Russen zu behaupten wußten. Die Kolonnen, die zum,Entsatz von Wielun aus geführt wurden, wurden von den Russen südlich bei Lodz angegriffen und in ihrem Vorgehen aufgehalten. Infolge der russischen Übermacht war ihnen hier ein Ziel bereitet; sie mutzten sich ebenfalls in Schützengräben verschanzen und konnten den anderen Kolonnen nicht zum Entsatz zu Hilfe eilen. Sie scheinen aber ihr Ziel erreicht und sich bei Lodz behauptet zu haben.
Eine endgültige Entscheidung in diesen Kämpfen ist bisher noch nicht gefallen. Ein eventueller russischer Sieg soll nach Angabe der englischen Blätter für den ganzen Feldzug, ja vielleicht für den ganzen Weltkrieg entscheidend sein. Dies ist aber eine m a tz l o s e Übertreibung, Von deutscher Seite ist ja hier bloß ein Flankenstotz unternommen worden, um den russischen Vormarsch zu verhindern, und die, Deutschen scheinen hierin ihr Ziel vollkommen erreicht zu haben.
Deutsche verschanzungen in polen.
Br. Kopenhagen, 2. Dez. (Erg. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Ein Petersburger Telegramm meldet, datz die Deutschen mit bewunderungswürdiger Tüchtigkeit Laufgräben und Verschanzungen längs der ganzen R ü ck z u g s l i n i e angelegt haben. Sie nehmen im Augenblick eine Stellung ein, die au die Lage in Frankreich erinnert. Die nächsten Tage würden zeigen, ob es den Deutschen gelingt, die Linien hinter Strhkow - Lodz zu halten.
Die Wirkung deutscher Bomben in Warschau.
M. Amsterdam, 2. Dez. Aus Petersburg wird berichtet: Personen, die aus Lodz in Warschau aukamen, erzählen, die deutschen Flieger hätten am Montag 18 Bomben geworfen, die alle m den Hauptstraßen explodierten und furchtbaren S ch ad e n,anrichteten. Die Golricher Fabrik sei vollkommen zerstört. Viele Menschen seien tot oder verwundet. Ein grotzer Teil der Stadt sei durch das Feuer zerstört worden. ?our le merke für den Kommandeur der 3. Gardedivision.
Berlin, 2. Dez. Die „Tägl. Rundsch." schreibt: Unser
militärischer Mitarbeiter, Generalleutnant Litzmann, Kommandeur der 3., Gardedivision, hat vom Kaiser den Orden Pom- le merke für die Lodzer Schlacht erhalten.
„Grabesstille" in Paris.
Berlin, 2. Dez. Der Genfer Berichterstatter der „Deutschen Tagesztg." meldet unter dem 1, Dez.: Als, in Baris der russische Schlachtbericht meldete, datz die Kämpfe bei Lowicz fortdauerten und die Deutschen die Offensive bei Szcrzow fortsetzten, bemächtigte sich der Pariser tiefe
Niedergeschlagenheit; Der „Eclair" schreibt: Paris jubelte drei Tage, als Petersburg die Vernichtung der Hindenburgscheu Armee berichtete. Jetzt ist es, aber grabes- st j l I. Es ist lächerlich, wenn a in t l i ch ans Rußland gemeldet wurde, datz seit Mitte November 7 0 0 0 0 0 Deuts ch c und Ö st erreich er gefangen worden seien und das; seit August die Zahl der Gefangenen 3(4' Millionen betrage. Es sei unbegreiflich, sagt das Blatt, datz die Petersburger Zensur derartige Lügcnmeldungen der russischen Blätter zulätzt.
Die ungeheuren russischen Gffiziersverluste.
Ein Gesamtausfall von bereits 32 892 Offizieren!
W. T--B. Berlin, 1. Dez. (Nichtamtlich.) Die „Deutsche Kriegszeitung" meldet aus Zürich: Nach amtlichen Nachrichten des „Ruski Invalid" betragen die russischen Offiziers- v c r l u st e bis zum 29. November 9702 tot, 19 511 verwundete und 3679 vermißte Offiziere.
Der Zar nur dem Kricgsschauplab,
W. T.-B. Petersburg, 2. Dez. (Nichtamtlich.) Der Zar. ist heute früh auf den Kriegsschauplatz abgercist.
Umtriebe sozialdemokratischer Duma- Ubgeordneter.
Die Niederlage des Zarentums das geringere von zwei Übeln.
Br. Amsterdam, 2. Dez. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die „Times", meldet aus Petersburg: Es ist erwiesen, datz Mitglieder der sozialdemokratischen Dumafräktion unmittelbar vor ihrer Verhaftung eine Resolution angenommen hatten, worin gesagt wird, datz die Niederlage des Zarentums und seiner Truppen das geringere von zwei Übeln sei, und eine Propaganda beim Heere und auf den Kriegsschauplätzen eingcleitet und dort die Revolution gc<> predigt werden solle.
wie die Buffen unter der Rälte leiden.
W. T.-B. Wien, 1. Dez. (Nichtamtlich) Das „Nein Wiener Tagbl." veröffentlicht ein Gespräch mit Hofrat Bielka, der als Chefarzt des Sanitätszugs des Maltescr- rilterordens Verwundete vom nördlichen Kriegsschauplatz nach Wien führte. Der Chefarzt gibt die Äußerungen eines verwundeten russischen Unteroffiziers wieder. Dieser klagte vor allem über die große K ä l t e, gegen die die Russen sich nicht so schützen könnten wie zu Hause, so datz in den aüsgeschwärmten Linien ganze Reihen russischer Soldaten liegen, deren Beine bis übers Knie a b g e f r o r e n sind. Die Annahme, daß der Winter den Russen erwünscht sei, sei daher ein grotzer Irrtum. Die Russen hätten n u r d e n W u n s ch, daß der Krieg bald zu Ende sei, denn die Mannschaften führten ihn nur widerwillig und seien überglücklich, wenn die Österreicher auf die russischen Stellungen losstürmten, weil sie dann ohne Gefahr, vyn den rückwärts ausgestellten Leuten erschossen zu werden, die Gewehre wegwerfen und sich in Gefangenschaft begeben könnten, in der ihnen winke, sich satt essen zu können, denn die Verpflegung bei den russischen Truppen sei unerhört schlecht. Dieser Umstand sowie die Kälte würden den verbündeten Truppen i m m e r nre h r Gefangene in die Hände treiben. Der Chefarzt fügte hinzu, daß dank der tu der letzten Zeit eingetroff-encn ausgiebigen Kälteschutz- mittel bei den österreichischen Soldaten nur verhättnismätzlg wenig Frostschäden festzuftellen seien.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
Ein Angriff auf Przemysl zurückgeschlagcn.
W- T.-B. Wien, 1. Dez. (Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 1. Dezember, mittags. An unserer Front in
Westgalizien und Russisch-Polen im allgemeinen auch gestern ruhiger. Vor Przemysl wurde der Feind bei einem Versuch, sich der nördlichen Vorfeldstellungen der Festung zu nähern, durch einen Gegenangriff der Besatzung zurückgeschlagen. Der Kampf, in den Karpathen dauert fort.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Generalmajor.
Die Übereinstimmung der deutschen und österreichischen Heeresleitungen.
\V. T.-B. Wien, 1. Dez. (Nichtamtlich) Die Glückwunfch- telegramme des Kaisers Franz Joseph an den Generalfeld- marschall v. Hindenburg und den Generalleutnant v. L u d e n d o r f f finden in der Bevölkerung Österreich-Ungarns - die freudigste Zustimmung, die in den Besprechungen der Blätter zum Ausdruck kommt. Die Wiener „Neue Freie Presse",schreibt:,Es dürfte üb erhaupt noch nicht vorgekommen sein, datz der Kaiser zu einem Feldherrn einer Armee außerhalb der Monarchie so gesprochen hat. Besonders hervorzuheben ist, datz der Kaiser in beiden Depeschen von einer Übereinstimmung zwischen den beiden Armeeleitungen und von dem Einklang der beiden Generalstäbe spricht und dadurch nicht nur die Feststellung einer Tatsache, sondern auch ihren Schutz gegen jede Entstellung will. Die Anerkennung für diese beiden Feldherrn ist gerade in dem jetzigen Augenblick, da der Schwerpunkt des Krieges in den Kämpfen gegen Rutzlaird liegt, von höchster Wichtigkeit. In dieser Tatsache ist die Zuversicht zu erkennen. Wir.erfahren daraus auch die Stimmung Kaiser. Franz Josephs in den Tagen, da so große Entscheidungen sich vorbereiten.
" W. T.-B. Wien, 1. Dez. (Nichtamtlich) In Besprechung der Glückwunschtelegramme dfs Kaisers Franz Joseph an den Generalseldmarschail v. Hindenburg und den Generalleutnant v. Ludendorsf heben die Abendblätter hervor, daß diese Kund-
