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Nr. 560. Dienstag, 1. Dezember 1814.

Inzwischen sind^ die Österreicher in dein Hügel­gelände zwischen Save und D r i n a erfolgreich vor- oedrungen. Sie haben V a I j e v o besetzt und die Ser­ben nach Osten über den Kalubara -Fluß zurück- gedrängt. Die Serben' hatten alsdann die Höhenzüge aus den: Ostufer dieses Flusses besetzt. Auch aus Lie­sen Stellungen sind sie in den letzten Tagen Vertrieben und in östlicher Richtung zurückgeworfen. Bei diesen Kämpfen haben die Österreicher fast nach jedem Tagesbericht jedesmal zahlreiche Gefangene nach dem heutigen Bericht wieder über 1200 Mann ge­macht und Kriegsmaterial erbeutet. Die Österreicher werden ihren Bormarsch in östlicher Richtung bald fort­setzen und alle Verbindungen abschneiden, die von Belgrad in südlicher Richtung laufen. Sie gelangen vor allem an die Hauptbahn, die von Belgrad nach N i s ch führt, und weiter in das wichtige M o r a w a - T a l.

Gleichzeitig sind die Österreicher aber auch noch südlich von V a l j e v o siegreich vorgedrungen, wo sie die Höhenzüge des M o l j e n o- und S u b o- morberges besetzt haben, die sich bis beinahe 1000 Meter erheben. Wenn sie von Liesen Höhen nach Süden heruntersteigen, kommen sie in eines der wich­tigsten Seitentäler, die von Westen nach Osten Jum Morawatale führen, in dem bedeutende Straßen und eine Eisenbahnlinie führen. In ihm liegen die Orte K r a l j e w o und K r u s ch e w a tz. Mit der Er­reichung diesetz Abschnittes ist dann ein bedeutungs­voller Schritt zur Behauptung von Mittelserbien getan, und die Serben sind gezwungen, sich immer mehr,nach dem Süden des Landes zurückzuziehen. Die Österreicher haben bisher trotz schwerer und ver­lustreicher Kämpfe eine Reihe bedeutender Er­folge zu verzeichnen gehabt und werden bald im Be­sitz des größten Teiles von Serbien sein. Es liegt auf der Hand, daß dies einen großen politischen Einfluß auf die ganze Haltung der übrigen Balkan­staaten haben muß.

Die Kriegssitzung des ungarischen Abgeordneten­hauses.

Ministerpräsident Graf Tisza über die Lage. Die Ver­wendung der Honvcds und des Landsturms.

W. T.-B Budapest, 30. Nov. (Nichtamtlich) Im Mge- ordnetenhause wurde bei Beginn der heutigen Sitzung das Ant­worttelegramm de? Kaisers Franz Joseph auf das Huldigungstelegramiu des Abgeordnetenhauses verlesen. Das Antworttelegramm lautet. Die durch Sie unterbreitete Huldigung des Abgeordnetenhauses nehme ich m,t herzlichem Dank an. Mit bei anderer Genugtuung erfüllt mich die Ver­sicherung der Anteilnahme und Opferwilligkeit des Abgeorv- netenha-uses in der gegenwärtigen Zeit, in welcher die ganze ungarische Nation im heldenmütigen Kampfe gegen die Feinde des Vaterlandes einen glänzenden Beweis ihrer von Ihnen er­erbten Tugenden liefert. Franz Joseph. Lebhafter Beifall folgte der Verlesung. Unter Beifallskundgebungen wurde ' darauf die Antwortdepesche des Erzherzogs Friedrich verlesen, in welcher der Dank für das Verl.anen zri der Armee awsgesprochen wird. Sodann ivurde die Ant­wort des Reichstagspräsidenten Kaempf verlesen. Hierin wird im Namen des deutschen Reichstages dem Dank für die zum Ausdruck gebrachten Gefühle der Bundestrcue und der Überzeugung Ausdruck, gegeben, daß die in fester Waffen­brüderschaft vereinigten Heere einen solchen Sieg erringen, daß den Staaten ein gerechter, dauernder Friede gesichert sein wird. Verlesen wurde darauf noch ein Telegramm d-eS Präsidenten der tückischen Kammer, Halil Bey, der erklärt, er habe mit großer Freude das Begrüßungstcle- gramm erhalten. Er hege den unerschütterlichen Glauben, daß die Türkei und die Zentralmächte in deni gerechten Kampf gegen Rußland und feine Verbündeten siegrerch hervorgehen werden,

W. T.-B. Budapest, 30. Nov. (Nichtamtlich) Abgeord­netenhaus. Bei der Beratung des Berichts, betreffend die Ver­wendung der Honveds und des Landsturms außerhalb des Staatsgebiets, erg iff Ministerpräsident Graf Tisza das Wort und führte aus: Man kann jetzt ans Grund der Erfahrungen der letzten Monate sagen, daß der Krieg absolut unvermeidlich war-, . Einzelne Staaten neideten Deutschland seine große wirtschaftliche Entwickelung, andererseits wur.de unsere Friedensliebe als Schwäche gedeutet und darauf zurückgeführt, daß die Monarchie unfähig und schwach sei, währerrd tatsäch­lich unsere Politik von der Friedensliebe aller leitenden Faktoren der Mona chie und namentlich von dem fried­liebendsten Monarckren der Welt diktiert war. (Zustimmung) Der Krieg ist heute mehr als ;cnmls nicht nur ein Ringen der Armeen sondern der Völker und Nationen. In diesem Ringen haben die ungarischen Truppen und die ungarische Nation Auße ordentliches geleistet, wie dieses auch derHöchst- kommandierende Erzherzog Friedrich ausdrücklich bezeugt hat. Der Ministerpräsident sagte darauf, er sei glücklich, aus Grund. unmittelbarer Eindrücke sagen zu können, daß auch die leitenden Faktoren der großen deutschen Nation von Anerkennung und Vertrauen für die ungarische Armee erfüllt seien. (Lebhafte Zu­stimmung ) Der jetzige Krieg sei auch der erste unter dem dualistischen Regime. Der Dualismus hat nunmehr die Feuerprobebe st anden. und es sei durch die Wahr­heit erhärtet daß nur eine solche Gestaltung der Monarchie imstande sei. die höchste Leistungsfähigkeit zu bewahren, welche Ungarns be cchtigtcu Selbständigkeitsbestrehungen Rechnung trage, und dennoch die Einheit der Gefühle und Bestrebungen verbürge. G as Tisza erklärte schließlich, er glaube den Ge­fühlen aller Ausdruck zu geben, wenn er sage, das in Strömen vergossene Blut werde für die ungarische Station Früchte tragen. Der Kampf werde ohne Ermatten und ohne Kleinmütigkeit fortgesetzt we den wüsten, bis die Bedingungen der künftigen Sicherheit für die ungarische Nation geschaffen sind. Daraus ergriff der Abgeordnete Graf Michael Corolhi das Wort zu dem Besicht über die Verwendung von H o u v e d - truppen und dos Landsturms jenseits der Landcs- grenze und füh'te aus: Die, Unabhängigkeitspartei, in deren Namen er spräche, setze für die Dauer des Krieges die inner- politischen Kämpfe aus. Doch bedeute die Haltung der Partei nicht, daß sie ihreii Standpunkt geändert habe, sondern nur, daß sie in dieser geschichtlichen Zeit alles vermeiden wolle, was die Kraftauspannung der Nation stören könnte. Die Partei stimme dem vorliegenden Bericht zu mit dem stolzen Gefühl der Freude, daß der .Honved und der Landsturm nicht nur den Er­wartungen entspreche sondern diese noch übertreffe. Seine Partei entbiete den für das Vaterland heldenhaft kämpfenden Soldaten bewundernden, liebevollen Gruß Graf Julius Andraffh erklärte im Namen oer Verfaffungspartei, daß er sich der Feststellung des Grasen Tisza an sch ließe, daß

_Mtesdadener CagvlaN.

dieser Krieg unausweichlich gewesen sei. Kein Ungar dürfe heute au etwas anderes denken als an das ge­fährdete Vaterland. Die Verfassungspartei setze alle oppo­sitionellen Gesichtspunkte bei Seite, wenn es die Unterstützung des heldenmütigen Heeres gelte. Ohne die Leistungen irgend eines Volkes beeinträchtigen zu wollen, wolle er besonders darauf Hinweisen, wie daö ungarische Volk sich tu diesem Kampfe hervorgetan habe. Graf Andrassy ruft: Ich bin stolz, daß ich ein Ungar bin, weil ich sehe, was die Ungarn jetzt auf dem Schtachtfelde leisten. Schließlich sprach noch Abgeordneter Graf Simonthi Semodan im Namen der Volkspartei und erklärte ebenfalls, von Bericht der Negierung anzunehmen.

Verlängerung des Moratoriums in Ungarn.

IV. T.-B. Budapest, 30. Nov. (Nichtamtlich.) Das Amts­blatt veröffentlicht eine Verordnung, durch die das Moratorium mit einigen Abänderungen bis zum 31. Januar aus­gedehnt wird.

Eine Einkommen-Kricgssteucr in Ungarn.

IV. T.-B. Budapest, 80. Nov. (Nichtamtlich) Das Abge­ordnetenhaus hat die Vorlage, betreffend eine vor Kriegs Hilfe zugute kommende Sonder st euer auf E i n I o m m e n über 20 000 Kronen, angenommen.

Die rechtliche Behandlung der deutschen Militärpersonen in Lsterrcich-Ungarn.

W. T.-B. Wien, 1. Dez. (Nichtamtlich) DieWiener Zeitung" und dasReichsgesetzblatt" veröffentlichen eiire Ver­ordnung des Gesamtministeriums, die bestimmt, daß Militär­personen des verbündeten kriegführenden Staates unseren Militärpersonen gleich zu halten sind. Diese Gleichstellung gilt unter der Bedingung der Gegenseitigkeit. Die Verordnung wählt die Grundlage dafür, den Angehörigen der deutschen Wehrmacht Begünstigungen des Schutzes gegen Rechtsnachteile einzuräumen, die ihnen auf dem Gebiet des Verfahrens in bürgerlichen Rechtsangelegenheiten, des Ver­fahrens in Angelegenheiten des öffentlichen Rechts usw. dar­aus erwachsen könne, daß sie infolge ihrer militärischen Dienst­leistung an der Wahrnehmung ihrer Rechte gehindert werden. Unseren Militärpersonen sollen dafür durch die im Deutschen Reiche für Militärpersonen bestehenden entsprechenden Be­günstigungen gesichert werden.

Liebesgaben für die Truppen im Felde.

W. T.-B- Berlin, 30. Nov. (Nichtamtlich.) Auf die sehr erwünschte Zufuhr von Liebesgaben ohne die Be­stimmung einzelner Truppenteile für das im Felde liegende Heer sei hierdurch neuerlich hingewiesen. An­nahmestellen für solche freiwilligen Gaben befinden sich an dem Sitze eines jeden stellvertretenden Generalkommandos. Freiwillige Gaben werden in jedem Umfang, von dem ein­zelnen Paket bis zum ganzen Waggon und Eisenbahnzug, entgegengenommen. Cs wird erwartet, daß in erster Linie Spenden zur allgemeinen Verteilung eingeliesert werden, die von den Vorgesetzten Stellen je nach dem vorhandenen Bedarf und nach freiem Ernreffen mrd zum Ausgleich den Kämpfern übergeben werden können. Jedem Sack mit bestimmter Adresse kür die aktiven Truppenteile sollten ein bis zwei Säcke de? gleichen Inhalts für die Reserve-, Ersatz-, Landsturm- usw. Formationen beigegeben werden, die aus dem Bezirk desselben Armeekorps hervorgegangen und im Sinne der angestammten aktiven Truppen keine heimatliche Garnison besitzen. Die Verpackung geschieht am besten in Paketen in Packleinen. Eine beigepackte Feldpost- karie mit der Adresse des Spenders wird von den noch unbe­kannten Empfängern im Felde sicherlich mit Dankesgrützen zurückgesandt werden. Jede Adresse mutz enthalten: Armee­korps,'Division, Regiment usw., je nach der Bestimmung der Gaben.

Zur Ausreiseerlaubnis für gewisse englische Staatsangehörige.

W. T.-B- Berlin, 30. Nov. (Amtlich.) Den englischen Staatsangehörigen, denen die Ausreise erlaubt ist, wird die Einzelabreise mit freier Wahl des Zuges nur noch bis zum 6. Dezember gestattet. Vom 7. Dezember an ist die Ausreise nur noch monatlich einmal mit bestimmten Zügen er­laubt. Der erste Abreisetag nach dem 6. Dezember ist der 6 Januar. Änderungen behält sich die Militärbehörde vor.

Das pariser Schandurteil gegen die deutschen Arzte.

Der deutsche Einspruch.

°W. T-B. Köln, 30. Nov. DieKölnische Zeitung" mel­det aus Berlin vom 30. November: Die wegen der Verurtei­lung der deutschen Militärärzte durch die Vermittelung der amerikanischen Botschaft in Berlin in Paris bei der franzö­sischen Regierung unternommenen Schritte beziehen sich auf die Aufhebung des unglaublichen Urteils. Das Wort hat jetzt dre französische Negierung. Sie muh wissen oder wird amtlich erfahren, daß der Spruch des französischen Kriegsgerichtes auf einem Irrtum beruht. Die französische Regierung hat die Gelegenheit, von Amts wegen einzugreifen, um das irrtümlich ergangene Urteil aus der Welt zu schaffen. Verneinenden Falls würde man auf deutscher Seite die Folgerungen zu ziehen wissen.

Die Aussage des Oberstabsarztes Dr. Pust.

TV- T--B- Berlin, 30, Nov. (Amtlich.) Das Auswärtige Amt hat, nachdem es von dem in Paris gegen deutsche Mili­tärärzte cingeleiteten Strafverfahren Kenntnis erhalten hat, die zeUgeneidliche Vernehmung des Oberstabsarztes Dr. Pust veranlatzt. Dieser hat unter Eid ausgesagt:Ich war vom 7. bis 9. September nachmittags 2 Uhr 15 Minuten Chefarzt des Feldlazarettes 7 des zweiten Armeekorps in Lizh. Als ich um 2 Uhr 15 das Lazarett verließ, befanden sich dortselbst 405 Verwundete. Da unser weniger mitge­brachter beigetriebener Wein bei den vielen Verwundeten bald verbraucht war, befahl ich meinem ersten Lazarett­inspektor Gast am 9. September, vormittags, für unsere Kranken, die aus Deutschen, Engländern und Franzosen be­standen, Wein gegen Bons zu requirieren. Er brachte kurz vor unserem Abrücken, welches durch das rasche Heranrücken der Franzosen beschleunigt wurde, zwei Faß Wein von je etwa 100 Liter heran, die er, wie ich durch Be­fragen feststellte, ans den Kellern des Gartenhauses des Schlosses in Lizy genommen hatte. Er sagte mir, daß er einen Bon, wie ich ihm befohlen hatte, nicht habe abgeben können, weil weder der Bürgermeister von Lizy noch der Eigentümer des Schlosses noch irgendein Bediensteter des­selben zu finden gewesen sei. Einen Bon in den Keller des Gartenhauses niederzmegen, sei ihm zwecklos erschienen. Ich konnte mich nicht weiter um die Sache kümmern, weil ich zu wichtigeren Sachen abberufen wurde. Ich hatte möglichst schnell Anordnungen wegen, unseres beschleunigten Rückzuges und wegen der Übergabe des Lazaretts an den ebenfalls in französische Gefangenschaft geratenen Stabsarzt der Reserve

Abcnd-Ausgabc. Erstes Blatt Seite 3.

Dr. Schulz zu treffen. Weder Stabsarzt Dr. Schulz noch Oberarzt Dr. Davidsohu trifft irgendeine Verantwortung für den Wein, ich allein habe die Herbeischaffung des Weines in der oben angegebenen Weise veranlaßt.. Es ist mir uner­klärlich, wie man auf die Idee kommen kann, daß dieser von mit. für die Verwundeten, und zwar nicht allein für Freund, sondern auch für Feind, requirierte Wein auf unrechtmäßige Weise erworben sein sollte."

Eine beglaubigte Abschrift der Aussage ist der amert- k a n i s ch e n Botschaft in Berlin behufs Übermittelung an die französische Regierung zugestellt worden. Wegen recht», zeitiger Einlegung der zulässigen Rechtsmittel durch einen vertrauenswürdigen Verteidiger ist Vorsorge getroffen worden.

Die Mitzstände im englischen Gefangenenlager in Newbury.

W- T.-B. Berlin, 30. Nov. (Nichtamtlich.) DieNordd. Mg. Zig." schreibt unter der ÜberschriftDas englische Ge­fangenenlager in Newbury": Nach einer Meldung des Reuten- schen Bureaus haben kürzlich zwei Beamte der amerikanischen Regierung das englische Gefangenenlager in Newbury besucht und fanden dabei keine Spur einer schlechten Behandlung der dort untergebrachten Deutschen; vielmehr stehe der Kom­mandant des Lagers mit den Gefangenen auf dem besten Fuße. Wenn durch diese Meldung der Anschein erweckt wer­den soll, daß die in der deutschen Presse lautgewordeneir Klagen über die Zustände in dem Gefangenenlager von New­bury unbegründet seien, so wäre das eine Verdrehung der Wahrheit. Die zahlreichen, eidlich bestätigten Klagen richteten sich nicht gegen die Persönlichkeit des Kommandanten und seine Beziehungen zu den Gefangenen, sondern in erster Linie gegen die gänzlich unzureichenden Einrich­tungen des Lagers und die dadurch vercmlaßten Miß­stände, denen die Gefangenen jedenfalls früher schutzlos aus­gesetzt waren. Sollte sich aus dem hier noch nicht vorliegen­den Bericht der beiden amerikanischen Beamten ergeben, daß dagegen nunmehr entsprechend den nachdrücklichen Vorstellun­gen der deutschen Regierung Abhilfe geschaffen ist, so kann dieses natürlich nur begrüßt werden.

Das angebliche Minenlegen von Schiffen unter neutraler

Flagge.

W- T.-B. Christiania, 30. Nov. (Nichtamtlich.) Der von einem englischen Kriegsschiff bei Fleewood aufgebrachte nor­wegische FischdampferNestor", der beschuldigt wird, unter neutraler Flagge nördlich von Irland deutsche Minen aus­gelegt zu haben, ist Eigentum einer norwegischen Reederei, deren Kapital aber zum großen Teil in englischen Hän­den ist. Der Dampfer war von der Firma Frank Barret in Grimsby gechartert worden. Infolgedessen kann nicht die Rede davon sein, daß der Dampfer Minen für Deutschland ausgelegt habe.

Der Krieg in den afrikanischen Kolonien.

Die Verschleppung der Deutschen von Duala durch die Engländer.

Berlin, 80. Nov. Die bei der Einnahme von Duala ge- sangengenommenen Deutschen, darunter Frauen und Kinder, sind, wie derBerl. Lot.-Anz." meldet, am 21. d. M in Southampton eingetroffen. Drei Geistliche und eine Anzahl Frauen wurden dort freigelassen, sie konnten über Holland nach Deutschland zurückkehren, wo sie Ende voriger Woche ein­getroffen sind. Alle übrigen wurden nach dem englischen Ge­fangenenlager für Deutsche übergeführt. Das Vorgehen der Engländer und Franzosen, die deutsche Zivilbevölkerung von Kamerun zwangsweise aus der Kolonie fortzuführen, wider­spricht dem fundamentalen Völkerrechts- g r u n d s a tz, daß der Krieg nur gegen die bewaffnete Macht des Feindes sich richtet. Offenbar ist das Bestreben der Eng­länder daraus gerichtet, das Deutschtum au Afrikas Küste möglichst vollständig auszurotten, um dadurch schon während des Krieges den reichen Handel der Kolonien, ins­besondere Kameruns, an sich zu reißen. Der Grundsatz der gewaltsamen Ausweisung der Zivilbevölkerung aus eroberten Kolonien muß zu Folgerungen von unabsehbarer Tragweite führen. Man denke nur daran, Deutschland wollte etwa im Falle des endgültigen Sieges dazu übergehen, in den eng­lischen Siedlungskolonien Vergeltungsmaßnahmen zu ergrei­fen. Das schwierige südafrikanische Rassenproblem fände dar­nach gleichfalls eine sehr einfache Lösung, wenn die siegreichen Buren die kaum eine halbe Million zählenden Engländer ein­fach des Landes verweisen wollten.

Die russische Gewaltpolitik in Finnland.

W. T.-B. Berlin, 1. Dez. Zur russischen Entrechtung Finnlands wird derVossischen Zeitung" aus Stockholm gedrahtet: Der frühere Sprecher des finnischen Landtages

Svinhufvud, der seines Amtes entsetzt wurde, weigerte sich, seinen Posten zu verlassen Der russische Generalgouverneur hat ihn daraus ohne gerichtliche Untersuchung nach Sibirien verbannt. Nach einem Petersburger Telegramm derNeuen Zürcher Zeitung" sistierte der rus­sische Generalgouverneur zwei Zeitungen in Libau und Hangö, weil sie sich lobend über den Kommandanten der Emde n" ausgesprochen hatten. Wie dieVossische Zei­tung" berichtet, wurde vor einigen Tagen nördlich der Stadt Tammerfors nachts die Brücke über den See P y h a e Jaervi in die Luft gesprengt. Die Sprengstellen befan­den sich an beiden Landseiten. Die etwa 500 Meter lange Brücke ist vollständig zerstört worden. Aus einem nahege­legenen Magazin fehlen 300 Kilogramm Dynamit.

Der Krieg im Grient.

Der Bericht aus dem türkischen Hauptquartier.

Russische Verstärkungen.

W. T.-B. Konstantinopel, 30. Nov. (Nichtamtlich) Der amtliche Bericht aus dem Hauptquartier vom 29. November besagt: Die Russen, die wir am 22. November in der Um­gebung von-Toutak geschlagen und in nördlicher Richtung zuriickgeworfen haben, halten, nachdem Verstärkungen bei ihnen eingetroffen sind, gegenwärtig eine Stellung in der Nähe von Kilitsch-Geudeg. Unsere Truppen nehmen eine Stellung vor den feindlichen Linien ein.

30 090 kriegslustige Muselmanen ans Medina.

W. T.-B. Konstantinopel, 30.' Nov. (Nichtamtlich) Die Agenee Ottomane" erfährt aus Medina, daß sich 30 000 Muselmanen, darunter Sajids, Ulemas^ Scherifs und Bedui­nen, um die heilige Fahne, Sandschak-i-Scherif, geschart haben, die unter der Entfaltung großen Pompes von der heiligen Stätte her eingeholt wurde. Die Begeisterung der Bevölke­rung ist groß. Tausend Mann, darunter der 65jährige Mufti der Schafiiten, ließen sich als Freiwillige einschreiben und