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Dienstcic? t. Dezember 1914. 0bgU& s flU$QClbC. Nr. 560. . 62. Jahrgang.

wieder 9

Oer Tagesbericht vom 1. Dezember.

vom Westen nichts Neues. Steigerung der Siegesbeute am gestrigen Nampfplatz in Nord­polen. wieder 9300 russische Gefangene und 18 Ges ftütze sowie 26 Maschinengewehre und zahlreiche Mun tionswagen erobert.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 1. Dez., vormittags. (Amtlich.) Auf dem westlichen Kriegs­schauplatz nichts Neues.

Auch in O st- und Süd-Polen herrschte im all- gmeinen Ruhe.

In Nord-Pole n, südlich der Weichsel, steigerte sich die Kriegsbeute in A u s n ü tz u n g der gestern gemeldeten Erfolge: Die Zahl der Gefange­nen vermehrte sich um etwa 9 5 0 0, die Zahl der g e- n o m in e n e n Geschütze um 18; außerdem fielen 2 6 M a s ch i n e n g c w e h r e und zahlreiche Munitionswagen in unsere Hände.

Oberste Heeresleitung.

Der Kaiser im Osten.

Der Jubel der vstpreußischen Truppen.

h<l. Berlin. 1. Dez. Der Kriegsberichterstatter der Boss Ztg.", v. Koschützki, meldet aus Insterburg: Gestern lief der kaiserliche Sonderzng im Bahnhof Insterburg ein. Nach kurzer Begrüßung setzte der Kaiser im Kraftwagen tue Jahrt an die Front der in Ostpreußen kampfenden Truppen fort, die in der verflossenen Nacht mehrere Angrrffe erfolgreich abgewiesen hatten und die Überraschrmg durch ihren obersten Kriegsherrn mrt Jubel begrüßten. Um 7 Uhr setzte der Kaiser die Weiterrekse fort.

Kaiser Franz Joseph an Hindenburg und Ludendorff.

Ernennung Hindeuburgs zum Oberstinhaber eines öster- reilbischen Jnfaiktcrie-Regiments.

W- T-B. Posen, 30. Nov. (Nichtamtlich.) Kaiser Franz Joseph hat an Generalfeldmarschall v. Hinden- bürg und dessen Generalstabschef v. Ludendorff ans Anlaß ihrer Beförderung Glückwunschtelegramme gesandt: Das

Telegramm an v. Hindenüurg lautet: Lieber Generalfeld­

marschall v. Hindenüurg! Jnnigst erfreut. Sie zu Ihrer Be­förderung in die höchste militärische Würde, die Sie der huld­vollen Anerkennung Ihrer ruhmvollen Führung des unver­gleichlich tapferen Ostheercs seitens Seiner Majestät, Ihres erhabenen Kriegsherrn, verdanken, wärmstens beglück­wünschen zu können, ist es mir Bedürfnis, Ihnen zu bekun­den, welche viel begründete Hochschätzung ich und mein Heer Ihnen zollen. Klar, fest und treu wirkten Sie in schwersten Kämpfen, in steter Übereinstimmung mit meinem Heere und dieses wird stolz sein, sich je enger mit Ihnen verbunden zu wissen. Ihren glänzenden Feldherrnnamen meiner Wehr- macht zum leuchtenden Sinnbild kriegerischer Höchst­leistungen zu erhalten, ernenne ich Sie zum Oberst­inhaber meines Infanterie - Regiments Nr. 0 0. Möge es der unerschütterlichen Waffenbrüderschaft meiner und der deutschen Wehrmacht beschieden sein, der ge­meinsamen gerechten Sache in beharrlichem Kampfe den Sieg zu erringen. Franz Joseph. Das Telegramm an von Ludendorff lautet: Lieber Generalleutnant v. Luden­

dorff! Zu Ihrer Beförderung, durch welche die höchste Aner­kennung Ihrer glänzenden Leistungen seitens Seiner Majestät, meinem treuen Freunde und Verbündeten, zu weit­hin sichtbarem Ausdruck kommt, beglückwünsche ich Sie auf das herzlichste. Es sei Jhnei: vom Allmächtigen vergönnt, auch weiterhin in der gleichen vorbildlichen Weise in bewähr­tem Einklang mit meinem Generalstab an der Seite Ihres ruhmreichen Feldherrn zu wirken. Franz Joseph.

Die starke Enttäuschung nach dem Siegesrausch in London und Paris.

IV. T.-B. Basel, 30. Nov. (Nichtamtlich.) Nach einer Meldung derBaseler Nachrichten" haben die Angaben des russischen Generalstabs, die den Aufbauschungen der Pariser und Londoner Presse entgegentreten, dort beispiel­losen Eindruck hervorgerufen.Thalia" sagt, cs sei an der Zeit, einem solchen N a ch r i ch t e n s ch w i n d e l einen Riegel oorzuschieben.Perseveranza" äußert sich in ähn­lichem Sinne.Corriere della Sera" sucht sich damit zu decken, daß er versichert, er habe die gerügten Meldungen nur unter Vorbehalt ausgenommen.

Ein schweizerisches Urteil: Die Entscheidung noch bei HindenburgS Offensivflügel.

W- T--B- Bern, 30. Nov. (Nichtamtlich.) Zu der Kriegs­lage bemerkt derBerner Bund": Die Entscheidung liegt noch immer bei dem Offensiv flügel Hindeuburgs, dessen wuchtiger Stotz noch viel weiter südlich ge­

drungen ist, als die deutschen Meldungen erkennen ließen. Die Russen erwähnen selbst Tuszyn, das 20 Kilometer s ü d - östlich von Lodz liegt. Das Zurücknehmen dieser Vor- trirppen hatte anscheinend die Unterlage zu den letzten russi­schen Siegesmeldungen abgegeben. Doch sind dieses Teil­erfolge, welche nur dann von Bedeutung sind, wenn den Russen eine Umfassung oder Eindrückung glückt. Die russische Leitung scheint im Vertrauen auf die Massen überall die Truppen vorzutreiben, nach altem russischen Brauch keine Verluste scheuend.

Ein englisches Blatt über das masurische Gebiet.

Amsterdam, 28. Rov.Daily Mail" schreibt über das masurische Gebiet:Im Gebiet von Masuren trägt der Kampf einen eigentümlichen Charakter. Jede deutsche Position ist dort durch sehr klug angelegte Drahtsperren geschützt; jedem Angriff muß erst eine Vernichtung dieser Drahtsperren vor­angehen. Unter dem Schutze der Dunkelheit kriechen dann einige sorgfältig ausgewählte Leute nach vorn, die mit starken Zangen versehen sind, uni das Hindernis aus dem Wege zu räumen. Bei diesem Wagnis werden sie nun oft durch die deutschen Scheinwerfer überrascht und sie werden dann eine bequeme Beute der deutschen Scharfschützen. Es ist ganz unmöglich, sich diesem Licht der Scheinwerfer zu entziehen; manchmal glückt es nur, indem der Soldat sich tot stellt und ruhig liegen bleibt. Die Durchgänge zwischen den Seen sind oft so schmal, daß man die Verteidiger kaum angreften kann, und diese Angriffe geschehen dann in der Nacht.

Erfolgreiche Mitwirkung des Freiwilligen Motorbootkorps im Osten.

Berlin, 1. Dez. DaS Freiwillige Motorbootkorps hat sich, wie de» Voss. Ztg." aus dem Osten gemeldet wird, auf den ostpreußischen Missen lebhaft am Kampfe beteilrgt. Auf der Memel, auf dem Kurischen Haft und vor allem aus der Weichsel sind Motorbootflottillen unterwegs gewesen- -Ins der Weichsel hatten sie regen Anteil an der großen sch.ach bei Wloclawek. Sechs Boote waren hier auf vorgeschobenem Posten, bestimmt, den linken deutschen Flügel zu decken. Sre haben mit M a s ch i n e n g e w e h r e n sich tapfer am Kampfe beteiligt und auch Landungskorps entsandt. Ern Boot erhielt einmal in kurzer Zeit 16 Treffer. Das schwierige Fahrwasser der Weichsel mit ihren Sandbanken machte den Booten besonders zu schaffen. Obgleich die Boote auf der Wasserfläche dem Feinde immer ein gutes Ziel boten, ist kein Boot verloren gegangen. Leider ist fetzt durch den tf r oft und die Eis Verhältnisse die Tätigkeit oer Motorboote im Osten gehemmt.

Der österreichische Tagesbericht.

W. T-B. Wien, 30. Nov. (Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 80. November. Im Norden hat sich gestern an unserer Front nichts Wesentliches ereignet.

Der österreichische Erfolg in den Karpathen.

1500 Gefangene. Tausende von russischen Tote» und Ber- wnudeten.

W T -B Budapest, 30. Nov. (Nichtamtlich.) Nach Be­richten,' die hier an amtlichen Stellen eingetrofsen sind, war die Niederlage der Russen in dem Gefecht bei tzomonna noch viel größer, als anfänglich angenommen wurde. Unsere Truppen hatten die russische Stellung an beiden Flügeln umfaßt und einen doppelten Flankenangriff gegen sie gerichtet. Das Feuer unserer Artillerie brachte den Russen schreckliche Verluste bei. Der bravouröse Sturm­angriff der Futztruppen war so unwiderstehlich, daß der Feind eiligst den Rückzug antreten mutzte. Während des Rückzuges wurden die Russen von unseren Geschützen mit einem Hagel von Schravncllschüssen verfolgt. Neben 15 00 Gefangenen verloren die Russen in diesem Kampfe T a u s e n d e T o t e und Verwundete. In dem'Komitat Ung drangen die Russen nur wenig über die Grenze, da sich ihnen sofort eine überlegene Gruppe unserer Kräfte entgegenstellte, der es sofort beim ersten Zusammenstoß gelang, den Feind zurückzuwerfen. Die Verfolgung des Feindes jenseits der Grenze ist im Zuge. Von der Front langen unausgesetzt russische Gefangenentransporte an.

Oie zweite Kriegstayung des Reichstags.

Berlin. 1. Dez. Die heute stattfindende Sitzung der freien Kom m if.fi on des Reichstags dürste sich I an g e hinziehen und wahrscheinlich a,n nächsten Tage fortgesetzt

lrerden. , , ,

Die sozialdemokratische Rerchstagssrak- t i o n beschloß lautVorwärts" nach eingehenden Beratun­gen, den geforderten Krediten zuzustimmen und ihren Beschluß mit einer motivierten Erklärung zu be gründen.

Die Tagung der freien Kommission.

Eine Erklärung des Reichskanzlers. .

Br. Berlin, 1. Dez. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Die > freie Kommission des Reichstags, die zur Vorbereitung

der Milliardenkredttvorlage heute vormittag gusammentrat., wurde vom Reichskanzler v. B e t h m a n n - H o l l - w e g, der in der F e l d n n i f o r m eines Generalmajors er­schienen war, in einer kurzen Ansprache begrüßt. Der Reichs­kanzler bezerchnete die Kriegslage auf beiden Fronten als durchaus n st > g. Er wolle heute nur diese kurze Er­klärung abgeben, d.a er morgen im Plenum a n s f ü hr - l i ch e r e Mitteilungen machen wolle. Natürlich bleibe noch vieles zu tun n b r i g. Er hoffe, daß der Reichs­tag wieder volle Einmütigkeit zeigen werde, da ge­rade diese Einmütigkeit am geeignetesten sei, die Truppen zu weiteren h ü ch st e n K r a f t a n st r e n g u n g e n anzufeuern. Tie Rede des Reichskanzlers wurde sehr beifällig ausgenommen.

Der Präsident des Reichstags Dr. Kaemps dankte dem Reichskanzler für diese Einleitung der Kommissionsverhand­lungen und versicherte, der Reichstag werde gewiß diesmal ebenso wie am 4. August das Vertrauen der Reichs- regiernng nicht c n t t ä u sich e n.

Darauf erklärte der Vorsitzende der Kommission Abge­ordnete Spahn, daß die eigentlichen Verhandlungen der Kommission streng vertraulich geführt werden müß­ten, sie bewegten sich fast ausschließlich ans wirtschaft­lichem Gebiete.

Die Verhandlung der freien Kommission wurde zuerst im Saale der Budgetkomniission abgehalten. Da aber eine sehr große Anzahl von Abgeordneten und Regiernngsvcr- tretern den Verhandlungen als Zuhörer beiwohnen wollte, so erwies sich bald der für die Budgetkommissioi, im allgemeinen ausreichende Saal als viel zu klein und die Verhandlungen wurden um 11 Uhr nach dem Plenar­sitzungssaale verlegt.

Eine Kriegssitzmig der Fortschrittlichen NcichstagSfraktion.

Br. Berlin, 1. Dez. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) In der Sitzung der Fraktion der Fortschrittlichen Volkspartei, die gestern abend stattfand, waren auch alle Mitglieder der Fraktion, die bisher im Felde standen, anwesend. Sie waren naturgemäß Gegenstand lebhafter Begrüßung. Zwei Mitglieder der Fraktion, nämlich die Abgeordneten Dr. H a a s und Dr. Hähnle, sind, mit dem Eisernen Kreuz ge­schmückt, aus dem Felde zurückgekehrt. In derfreien Kom­mission" wird die Fraktion der Fortschrittlichen Volksparte, durch die Abgeordneten Fischbeck, Gothein, Liesching . und Dr. Dove vertreten sein. Bei den Spezialfragen wird jedoch eine Auswechslung der Mitglieder erfolgen.

W . T.-B. München, 30. Nov. (Nichtamtlich.) Staats­minister Graf Herkling hat sich in dienstlichen Angelegen­heiten nach Berlin begeben.

W. T.-B. Karlsruhe, 30. Nov. (Nichtamtlich.) Der Prä­sident des großherzoglichen Staatsministeriums, Staats­minister-Dr. Frhr. v. Dusch, hat sich heute für einige Tage nach Berlin begeben.

Abreise des Generalstabschefs v. Moltke.

Br. Frankfurt a. M., 1. Dez. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der Generalstabschef von Moltke hat seine Kur in Bad Homburg beendet und wird morgen wieder abreisen.

Ein ganz nichtssagender französischerEagesbericht

T.-B. Paris, 30. Nov. (Nichtamtlich) Der amtliche Tagesbericht von 3 Uhr nachmittags lautet: In Belgien hielt sich der Feind in der Defensiv e, ivir rückten aneinig c n Punkten vor und behaupteten sicher den von uns am 28. November bei Fah besetzten Boden. Die Beschießung der Stadt S o i s s o n s wird zeitweilig ausgesetzt. Im A r g o n n e r w a l d e wurden mehrere Angriffe aus Baga­telle zurückgeworfen. Dichter Nebel liegt auf den Maas­höhen. In: W o e v r e beschoß der Feind ergebnislos Apre- mont. In den Vogesen nichts Neues.

W. T.-B. Paris, 30. Nov. (Nichtamtlich) Amtlich wird von heute abend gemeldet: Außer einigen ergebnislose n Angriffen des Feindes nördlich von Arra.s ist nichts zu melden.

Die französischen Vorbereitungen im Nordwesten

Die Einschätzung der Stärke der Deutschen.

TU. Paris, 30. Nov. Nach hier vorliegenden Berichten hat in Erwartung des neuen deutschen Angriffs in Nord­flandern auch der französische Genernlstab Vorbereitungen geirofsen. Der Oberbefehl über die gesamten Truppen ist von Joffre dem General Foch übertragen worden. Die diesem zur Verfügung stehenden Streitkräfte sind folgender­maßen aruppicrt:

Die englische und Teile der belgischen Armee halten die Strecke von der Küste bis nach Lille besetzt. Von L:lle bi« A r r a?, steht eine französische Armee unter dem Ober­befehl des Generals Castelnau. Südlich Ar ras bis zur belgischen Grenze stebt eine weitere Armee unter dem Be- sehl des Generals Maudhny. An diese Truppen schließt sich in Südflandern eine sehr starke, aus den verschiedenste»

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