Einzelbild herunterladen
 

Seite 2. _ Morgen-Ausgabe. Erstes Blatt.

zu intim, als daß die Engländer ihren ostasiatischen Verbündeten Übergriffe erlauben könnten.

Selbstverständlich ist damit nicht das ganze weite Gebiet der Probleme des Großen Ozeans um­schrieben, der japanisch-amerikanische Gegensatz besteht vielmehr in der Tat, aber bis zu einem Umschwung der amerikanischen Politik, die wir als Gewinn zu buchen hätten, ist der Weg so endlos lang, daß nur Träumer meinen könnten, es ließe sich auf ihm etwas für Deutschland erreichen. Nein, wir haben die u n - freundlichen Gefühle der Amerikaner als eine R ealität zu würdigen, aus der wir ja die Folge­rungen ziehen werden, aber ändern können wir für jetzt und wohl noch für geraume Zeit nichts an dem Tatbestände. _

Die deutschen Vergeltungsmaßnahmen gegen Frankreich.

W.T.-B. Berlin, 30. Nov. (Amtlich.) DieNordd. Allg. Ztg." teilt u. a. mit: Französische Erlasse haben ganz allgemein die Beschlagnahme und Sequestration des gesamten Vermögens deutscher Unternehmungen in Frankreich ange­ordnet. Bon dieser Anordnung wird in der rücksichts­losesten Weise Gebrauch gemacht, ja, vielfach wird das deutsche Vermögen liquidiert und verschleudert. Neuer­dings tritt die französische Regierung in gewissem Sinne einen Rückzug an, indem vor den willkürlichen Verschleude­rungen des sequestrierten Vermögens gewarnt wurde. Trotz­dem stellt sich dieser Schritt als ein so schwerer völker­rechtswidriger Eingriff in das deutsche Privat­recht dar, daß eine empfindliche Vergeltungs­maßnahme notwendig erscheint.

Eine vom Bundesrat am 26. November erlassene Ver­ordnung erklärt nunmehr für alle ganz oder Überwiegend sranziisisibe Unternehmen, für Niederlassungen von Unter­nehmungen und insbesondere für den gesamten in Deutschland befindlichen Grundbesitz französischer Staatsangehörigen die Einsetzung einer zwangsweisen staatlichen Verwaltung für zulässig.

Mit der Einsetzung von staatlichen Verlvaltern verliert der französische Inhaber und Unternehmer Besitz - und Ver­fügungsrecht über das gesamte Vermögen und die Unternehmungen. Die Durchführung der Verwaltung be­stimmt die Landeszentralbehörde. Der Verwalter kann sich, wenn nicht die Aufrechterhaltung des Betriebes z. B. mit Rücksicht auf die deutschen Arbeiter und Unternehmer im deutschen Interesse liegt, auf die Abwicklung der laufen­den. Geschäfte beschränken und dann den Betrieb einstweilen stillegen. Er braucht auch nicht die gesamte Bewirtschaf­tung selbst auszuüben, sondern kann den Betrieb ver­pachten. Was jeweils als das Richtige erscheint, wird sich nur nach den Verhältnissen im einzelnen Falle entscheiden lasten. Die Auflösung im ganzen lediglich zum Zweck der Beseitigung ist ausgeschlossen. Nur dem Reichs­kanzler bleibt es Vorbehalten, - im Wege der Vergel­tung, d. h. falls die französisch? Regierung ihrerseits die Liquidation der deutschen Vermögen gutheißt oder aüordnen sollte, auch die Auflösung der hiesigen französischen Unter­nehmungen für zulässig zu erklären. Es kann abgewartet werden, ob. Frankreich uns zwingen will, auch solche Maß­nahmen gegen die hiesigen französischen Unternehmungen, Grundstücke und Warenlager anzuwenden. Aber auch in diesen äußersten Fällen würde es sich wie bei den übrigen Vor­schriften der Verordnung nicht um eine VermögenS- konfiskation handeln, da das Ergebnis der Liquidation wie das der Verwaltung für Rechnung der Unternehmer bis auf weiteres zu hinterlegen sind.

Eine dänische RritiK an der Verurteilung der deutschen Kerzte in Paris.

w. T.-B. Kopenhagen, 29. Nov. (Nichtamtlich.)Politiken" bemerke zu der Verurteilung der deutschen Ärzte in Paris: Selbst bei größter Vorsicht und Beobachtung strengster Neu­tralität ist mau geneigt, sich gegenüber dem Urteil des fran­zösischen Kriegsgerichts skeptisch zu verhalten. Es ist äußerst wahrscheinlich, daß das Urteil in höherem Maße diktiert ist von der L e i d e n s ch a f t des Augenblicks und dem Wunsche, einen moralischen Flecken auf den verhaßten Feind zu sehen, als von der Liebe zur Wahrhaftigkeit mrd Gerecht,gkert. Aus den Briefen von Dr. AhrenS geht hervor, daß unter den schwierigsten sanitären Verhältnissen alles getan worden ist, was getan werden konnte. Daß er eine Anzahl ftanzösi- scher Verwundeter ohne Pflege gelassen hat. ist möglich, aber auch erklärlich, da er als einziger Arzt der betreffenden Feld­lazarette unmöglich alle vorliegende Arbeit erledigen konnte. Die Beschuldigung, die sich auf die Beteiligung an Plünderun­gen bezieht, betrifft völlig gleichgültige Dunge. Einige

Krieg gegen Serbien.

Aus den Papieren eines Verwundeten, ,nitgeteilt von Dr. Hans Wantoch.

DaS Bett in Serbien.

Fünf Tage war der Leutnant mit seiner Kompagnie im Schützengraben gelegen. Fünf Tage hatten sie nicht gewußt, wie ein Dach über dem Kopf und ein Bett unter dem Leib tut. Aber am sechsten hatten sie die Serben mit dem Bajo­nett aus den Berschanzungen geschmissen, hatten sie nach Südosten vom Dorf abgedrängt, das die Serben auf der Flucht sicher gern ein bißchen demoliert hätten, und die an­befohlene Linie, das Dorf war erreicht. Der Abend dunkelte, als die Österreicher in die engen menschenleeren Gäßchen zogen. Langsam, Schritt für Schritt, auf der Hut und mir erstaunten Blicken, die neugierig und ungewohnt auf all diese herrlichen Dinge, Hütte, Stube, Dach und Fach sahen. Wie luxuriös doch eigentlich solch ein serbisches Dorf ausgestattet ist! Der Leutnant, vor dem Krieg Disponent einer Wiener Großbank, geriet in Entzücken. Und seine Begeisterung über den serbischen Komfort steigerte sich schier ins Unbegrenzte, als er die große Eintrittsstube mit Schlafstellen, Herd und ^isch durchschritten hatte und die kleine Kammer aufschloß. Da stand ein Bett. Ja, wahrhaftig, ein richtiges Bett au) vier Beinen mit Kopfpolster und Federkissen. Blühweiß, reinüberzogen, und so köstlich, daß es offenbar kein Gc- brauchsgegenstand, sondern nur ein Zierstuck war, das man bloß zu festlichen Anlässen benutzte. Der Leutnant sab ei mit melancholisch lächelnden Augen an, so wie man einen guten, sehr lieben Freund aus früheren Tagen ansieht, dessen man schon halb und halb vergessen hatte:Ah, den gibt'»

auch noch. Gut, daß es den noch gibt." Dann ritz er Säbel,

Wiesbadener Tagblatt.__

Flaschen Wein und Likör, die die Deutschen vorfanden, requirierten sie in Übereinstimmung mit dem Kriegsgesetz. Die Angeklagten leugnen nicht, selbst etwa von dem Wein ge­nossen zu haben. Wenn man aber hört, wie sie selbst gelitten und sich in gleichem Maße für Franzosen und Deutsche auf­geopfert haben wie selbst französische Zeugen anerkennen und unter welch verzweifelten Umständen sie arbeiteten, so ist kein vernünftiger Grund vorhanden, eine hochnotpein­liche Rechtssache einzuleiten wegen einiger Gläser Wein. Auch in Frankreich ist die Presse keineswegs erfreut über das Urteil.Politiken" schließt: Wir bedauern den Haß, der unzweifelhaft zu Repressalien führen muß gegenüber solch angreifbarem Urteil. Wenn die kriegführenden Mächte erst mit solchen Mitteln beginnen, unschuldige Ärzte, die mühevoll ihre Pflicht tun, und Krankenpfleger, die gefangen genommen werden, mit Strafen und Gefängnis zu bedrohen, was dann?

Der Kufruhr im Gefangenenlager der Insel Man.

bst. London, 30. Nov. Aus Douglas wird gemeldet: Die von den deutschen und österreichischen Staatsangehörigen ver­anstalteten Unruhen im Gefangenenlager auf der Insel Man bilden noch immer das Tagesgespräch. Die Bevölke­rung erhofft von der das Konzentrationslager verwaltenden Behörde den Erlaß energischer Maßnahmen, um der Wieder­holung ähnlicher Auftritte vorzubeugen. In Anbetracht der jetzt im Lager herrschenden Strenge ist die Stimmung unter den Gefangenen sehr gedrückt. Die Heiterkeit und der Ge­sang patriotischer Lieder, mit denen man sich die Zeit ver­trieb, sind vorbei und tiefe Niedergeschlagenheit hat Platz gegriffen. Viele Deutsche, die im Verdacht stehen, die Unruhen angestiftet zu haben, sind in Arrest verbracht worden und eine Untersuchung ist im Gange. Die Militärbehörden verbreiten das Gerücht, daß unter den Gepäckstücken von zwei Personen automatische Pistolen nebst Munition vorgefunden wurden. Es wird hier ferner bekannt, daß am Mittwoch, am Vortage der Unruhen, eine Anzahl Gefangener «inen Hungerstreik inszenierte. Die Beerdigung der fünf Getöteten hat inzwischen auf dem Gemeindesriedhof von Douglas stattgefunden. 43 der Gefangenen erhielten die Erlaubnis, der Beisetzung ihrer Landsleute beizuwohnen. Eine Abteilung der Nationalreservetruppen eskortierte den Leichenzug. Ein Deutscher namens K o h l a h, selbst ein Ge­fangener, hielt nach Beendigung der Trauerformalitäten eine kurze Trauerrede in deutscher Sprache.

Eine beherzigenswerte Anregung zum Gefangenenaustausch.

hd. Genf, 29. Nov. Gustav Ador, der Präsident der in­ternationalen Gefangenenagentur des Roten Kreuzes in Genf, regt an, es möchten bei den kriegführenden Mächten Schritte unternommen werden zum Austausch derjenigen schwer­verletzten Gefangenen, die gesundheitlich unfähig sind, nach ihrer Heilung den Militärdienst wieder aufzu­nehmen.

Eine Rechtfertigung der Kesdpost.

W- T.-B. Berlin,, 29. Rov. (Nichtamtlich.) Zu der Ein­gabe des Kriegsausschuffes für das deutsche Papierfach hat sich, wie wir hören, die Reichspostverwaltung im Einver­ständnis mit der Heeresverwaltung wie folgt geäußert: Die Reichs- und Postverwaltung kann in Übereinstimmung mit der Heeresverwaltung nicht anerkennen, daß eine andere Organisation der Feldpost erforderlich ist. Insbesondere halten es beide Verwaltungen nicht für angängig, Feldpost­anstalten bei kleineren Truppenverbänden als den Divisionen einzurichten. Der Fuhrpark der Feldpost, namentlich der Be­stand an Kraftfahrzeugen, ist stets dem Bedürfnis ent­sprechend verstärkt worden. Zurzeit sind, abgesehen von den bei eintreiendem Bedarf von militärischer Seite hilssweise hergegebenen Fahrzeugen, rund 5 5 0 Postkraftwagen den Feldpostdienststellen überwiesen.

Der Glückwunsch des Königs von Bayern an den Reichskanzler.

. München, 30. Nov. König Ludwig von Bayern ho! an den deutschen Reichskanzler zu dessen Geburtstag folgendes Glückwunschtelegramm gesandt: In dieser ernsten Zeit gedenke Ich des Geburtstagsfest.es Ew. Exzellenz mit besonders herzlichen Glückwünschen. Gott erhalte Ihnen die Krait, die "schweren Aufgaben Ihres verantwortungsvollen Amtes zum Heile des deutschen Volkes zu erfüllen. Felsenfest ist unser Vertrauen auf den Sieg der deutschen Waffen, auf Deutschlands glückliche Zukunft.

Gerüchte über ein Attentat auf den Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch.

Sr. Kopenhagen, 30. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Wie aus russischen Zeitungsmeldungen sich ergibt, sind in Petersburg Gerüchte von einem Attentat auf den Groß­fürsten Nikolai Nikolajewitsch, des Oberstkomman.

Dienstag, kl. Dezember 1914. _Nr. 559.

dierenden der russischen Armee, in Umlauf gewesen. Der

Großfürst hat diese Gerüchte durch seinen Adjutanten dementieren lassen.

Der italienische Botschafter für England in Rom. . Rom, 80. Nov. Marquis I m p e r i a l i, der ttaltem» sche Botschafter in London, ist in Rom eingetroffen, um mit seiner Regierung zu konferieren.

Englische Berichte über Gefechte in Ostafrika.

W. T.-B. London, 29. Nov. (Nichtamtlich.) Der Kolo­nialstaatssekretär veröffentlicht eine Mitteilung über einige kleine Gefechte in O st a f r i k a. Am 8. Oktober griff der Feind mit ungefähr 500 Eingeborenen, 30 Europäern und 6 Maximgeschützen unsere Stellung bei Gazi an. Der Feind wurde zurückgeschlagen. . .. .

Am 2. November kam es zu einem kleinen Gefecht ober­halb Meima am Teavo-Flusse. Ferner fand ein Schar­mützel mit einer seindlicheir Patrouille loestlich von Naurmar

Mißerfolg einer englischen Abteilung in Südafrika, . Rotterdam, 29. Nov. Aus Pretoria wird gemeldet, daß eine etwa 150 Mann starke Burenabteilung nördlich von Rhenosterkop ein englisches Streifkommando von etwa 100 Mann, daS von Johannesburg mittels Bahn nach Wolyehok geschickt worden war, wo es auswaggomert wurde, gleich darauf angriff und nach kurzem Feuergefecht in die Flucht schlug. Die Engländer verloren 10 Tote und 15 Pertssundeie. Die Buren zerstörten darauf die Eisen­bahnlinie nach Kroonstad.

UnsereEmden."

Ei« schwedisches Lob.

Das StockholmerSveuska Dagblad" bringt eine Unter­redung, die sein Kopenhagener Korrespondent mit dem schwedischen Forschungsreisenden Dr. Wulff hatte, der im Aufträge des Reichsmusrums in Stockholm in Ostasien war In P e d a n g, wo dieEmden" zwei Kriegsschiffe in Grund gebohrt hatte, traf der Forscher einen norwegischen Kapitan, dessen Schiss von derEmden" auf offener See angehalten wurde. Kapitän v. Müller kam selbst an Bord des Nor­wegers, um Proviant zu kaufen. Müller fragte den Kapitän, ob er einige Engländer an Bord nehmen wolle.Ja. ant­wortete der Kapitän,wenn sie die gewöhnlichen Passagier- preise bezahlen wollen." ' Darauf bezahlte Müller diu Platzkarten für die Engländer. Als dann die Engländer in etwas angeheitertem Zustande an Bord des Nor­wegers kamen, erklärte Müller lachend:Sie lieben alle

das deutsche Bier." Als dieEmden" abdampfte, stell­ten sich die ehemaligen Kriegsgefangenen an Bord des Nor­wegers auf und gaben derEmden" drei herzliche Ho ch s mit auf ihren abenteuerlichen Weg.Kapitän Müller", er­zählt Wulff weiter,war der Held des Tages überall, wo man hinkam." Auf der Rückreise von Singapore nach Kopen- Hagen wurde der DampferNippon", auf dem der Forscher, fuhr, mehr als zehnmal von japanischen, französischen und englischen Kriegsschiffen angehalten.Als wir Suez pas­sierten, hatte die Türkei noch nicht den Krieg erklärt, aber der Kanal wurde streng bewacht, und ans dem arabischen Ufer gruben schottische Truppen Laufgräben. Die Straße vo» Gibraltar war vollständig von Kriegsfahrzeugen gesperrt." über die Reise in der Nordsee erzählte der Forscher:Wir mußten uns dicht an der englischen Küste halten; nur drei Seemeilen vom Lande entfernt lagen Minenfelder, die durch Zeichen markiert waren. Das Schiff durste nur bei Tag fahren und mußte bei N a ch t v o r A n k e r gehen. Wir schliefen alle in unseren Kleidern und hatten Rettungsgürtel umgebunden; die Rettungsboote hingen klar. Hunderte von graugestrichenen Fischdampfern suchten, je zu zwei und zwei, ein Seil hinter sich herschleppend, nach treibenden Minen das Fahrwasser ab." Zum Schluffe der Unter­redung sagte Wulff:Ein paar Worte möchte ich gern noch

von Tsingtau sagen; ich habe die Stadt im März besucht. Die jetzt zerstörte Kolonie gab ein beredtes Zeugnis von deut­scher Arbeit und deutscher Gründlichkeit. Durch ihre außer« ordentlich tüchtigen Geschäftsmethoden und ihre erstklassigen Waren waren die Deutschen dort eine gefährliche Kon­kurrenz für die Engländer."

Der Nachlaß des Rönigs Rarol von Rumänien

Bi-. Bukarest, 30. Nov. . (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Nach nunmehr vorliegender Schakung beträgt der Nachlast des Königs Carol 50 Millionen Kronen. Davon sind 12 Millionen Kronen Wohl- tätigkc'tsinstituten vermacht. Die Kunstschähe in der Bibliothek haben einen Wert von 20 Millionen Kronen. Diese fallen dem Staate zu. Der jetzige König erbt 15 bis 17 Millionen Kronen. Wir aus dem Testament hervorgeht, hatte der König das Erträgnis

Wasfenrock und Schuhe vom Leibe und warf sich auf das Bett. Er hatte das gute Bewußtsein, das festliche Gerät des Hauses nicht zu entweihen: es diente dem Sieger.

Das wird eine Nacht", dachte der Leutnant noch im Halbschlaf. Aber knappe zwei Stunden darnach trommelte man ihn aus dem Schlummer. Zwei Sanitäter trugen einen Verwundeten herein. Es war ein Hirt von hoch oben aus den Dolomiten, zwischen Canazei und Vigo di Fassa. Er war ein Gemeiner, aber nach dem ungeschriebenen Reglement unseres Offizierkorps stand er nun höher als ihr Portepee; denn er hatte fürs Vaterland geblutet. . . . Mit einem raschen Ruck sprang der Leutnant von seinem Lager.Schade", dachte er, denn schließlich war auch er nur ein Mensch. Aber er räumte dem verwundeten Tonio mit freundlicher Gebärde sein Bett und ließ sich neben ihm auf dem Boden ein Strohlager schütten.

Buona Rotte", sagte er noch, aber sein friedlicher Wunsch erfüllte sich nicht für den Hirten. Unruhig warf er sich auf der Bettstatt hin und her. Dann begann er zu stöh­nen, leise zu wimmern und schließlich weinte er laut. Der Leutnant trat besorgt neben ihn, er sprach den Hirten erst französisch an, dann scharrte er mühsam seine italienischen Brocken aus der Erinnerung. Aber der Hirt war ein Ladiner, und der Leutnant verstand von seinem Wortschwall, mit dem er offenbar seine ganze Biographie erzählte, nur die vier Worte:Non posso. Io non posso, Signor."Uner­

trägliche Schmerzeil", dachte der Leutnant und schickte eine Ordonnanz zu seinem Fähnrich, der, ehe der das Geschäft seines Vaters übernommen, drei Semester Medizin studiert hatte.Mehr als nichts", dachte der Leutnant. Aber es war alles, der Fähnrich konnte dein Hirten zwar nicht mit seinen höchst überflüssigen medizinischen, wohl aber mit seinen famosen italienischen Kenntnissen helfen. Den Hirten ge­

nierte gar nicht die Wunde, sonderii das Bett. Nie in seinem Leben hatte er auf einem Bett, einem so umständlichen Unge­tüm, gelegen, stets auf dem Boden zwischen seinen Kühen und Stieren. Dort könne man schlafen. Ein rechtschaffenes, festes, hartes Stück Boden unter sich. Nicht solch ein unruhig springendes Ding, welches den Menschen hin- und herwirft, daß ihm schier schwindle. Wenn der Herr die große Güte hätte, ihn dort auf das Stroh des Herrn Leutnants legen zu lassen, falls die Bitte nicht zu unbescheiden wäre. . . .

Grazie", sagte der Hirt.Tausend Dank!" Aber dann kam ihm eine Idee. Oh, wenn auch das ginge! Die Er­füllung seines ersten Wunsches hatte ihm Mut gemacht. Die Herren seien so gut. Touio ist frank. Fürs Vaterland ver­wundet. Tonio liebt sein Vaterland. Nicht wahr, und wen« sie ihii nun gar iit den Hausflur tragen wollten, es röche dort so gut nach Dünger.

Und man trug den Hirten aus der Hütte, denn die Nacht war seltsam liiid. Südlich funkelten, wie in den Dolomiten, viel tausend Sterne herab. Und weit und schwarzblau wölbte sich der Himmel. Und jeder Windhauch wehte den Duft vorn Stall. Tonio lächelte. Tonio blickte mit sanft entzückten Augen zum Firmament.II cielo", murmelte er,le stelle! Der Himmel die Sterne!" Und dann schlief er ein.

Ausgeräuchert!

Vor drei Tagen, als die Österreicher vor dem bosnische/ Dorf inr feindlichen Feuer gelegen waren, da war alles wie verhext erschienen, da hatte man den serbischen Truppen nich' beikommen können, bis dem Hauptmann endlich ausgefallen war, daß die Zeiger au der Kirchturmuhr alle Bewegungen der Unseren mitmachten. Wie gut solche Uhrzeiger doch ein' exerziert sein können! Und eS ist bloß gut, daß sich in jeder" Kirchturm auch gleich ein ordentlicher Strick befindet. Abel der Hauptmann war seinen Leuten in den rächenden Ä0*