Wiesbadener Tagblstt.
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„Tagblatt-Hau»" Nr. S6SO-SS.
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Montage 50. November, morgens.
Sonder-Ausgabe.
Der Krieg.
Der Tagesbericht vom 29. November.
Gescheiterte französische Ltngriffsversuche bei I)pern und Lens. Erfolgreiche Dperationen im Gsten.
W.T.-B. Großes Hauptquartier, 29. Nov., vormittags. (Amtlich.) Vom Westheer ist über den gestrigen Tag nur zu melden, daß Angriffsver- suche des Gegners in der Gegend s ü d ö st l i ch D p e r n und westlich Lens scheiterten.
Im Osten ist die Lage rechts der Weichsel un. verändert.
Vorstöße der Russen in der Gegend von Lodz wurden abgewiescn. Daraus eingeleitete Gegenangriffe waren erfolgreich.
Aus Südpolen ist nichts Wesentliches zu er- wähnen. O b e r st c Heeresleitung.
von der Front im Nordwesten.
Br. Amsterdam, 29. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Der „Telegraaf" meldet aus Sluis: An der
Front wird wieder heftig gekämpft. Sert heute früh drei Uhr donnern die Kanonen. Gestern eLplädier t e n eine Anzahl Minen an der Küste. Mehrere andere dürsten folgen, da die See sehr stürmisch ist. Deutsche Flieger haben Vom- ben auf P o p er i n g e geworfen, etwa 19 Kilometer westlich von Ypern. Englische Flieger überfliegen die nördliche Küstenstrecke. Dünkirchen hat namentlich durch Fliegerbomben sehr gelitten. Der Hasen ist für alle Zivilisten abgeschlossen.
Frankreich braucht größere Hilfe von England. Der englische Botschafter in Frankreich in London.
Br. Gens, 29. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Aus Bordeaux wird gemeldet: Ter englische Botschafter ist in einer Sonder Mission auf acht Tage nach London gereist. In den öffentlichen Kreisen in Bordeaux wird angedeutet, daß die plötzliche Abreise des Diplomaten nach London Frankreichs Forderung nach einer vermehrten Entsendung englischer Hilsstruppen an die südöstlichen Teste der französischen Front betreffe.
Die letzten amtlichen französische,r Berichte.
W- T.-B- Paris, 28., Nov. (Nichtamtlich.) Amtlicher Kriegsbericht von 3 Uhr nachmittags: In Belgien dauerten die Ärtilleriekämpfe am 27. November ohne besondere Zwi. schenfälle cm. Die deutsche schwere Artillerie war weniger tätig. Ein Arstllerieangriff südlich von Dpern wurde abgeschlagen. Am Abend holte unsere Artillerie einen deutschen Zweidecker herunter, in welchem sich drei Meger befanden; einer war tot, die beiden anderen wurden gefangen. In der Gegend von A r r a L und südlich hat sich weiten: nichts geändert. An der A i s n c verlief der Tag sehr ruhig. In der Champagne brachte unsere schwere Artillerie der feindlichen Artillerie ziemlich beträchtliche Verluste bei. Zwischen Argonnen und Vogesen nichts Neues.
Amtlicher Kriegsbericht von 11 Uhr abends: Der Tag verlief genau wie der vorhergehende. Es ist n i ch t s zu melden.
Lin Schweizer Militärstritister über die Lage im Westen.
W. T--B. Bern, 29. Nov. (Nichtamtlich.) Der „Berner Bund" schreibt zur Kriegslage: Es ist schon nicht mehr Siel- lungskampf, was sich im Westen herausbildet, sondern bereits Festungskrieg, und zwar ein Krieg um Festungen, die schwerer einnehmbar sind, als bastionierte Städte mit Panzerforts usw., wo schweres Geschütz gegen begrenzte, der Sprengwirkung unterliegende tote Ziele eingesetzt ist. Gelingt an einer Stelle der Front von vitaler Bedeutung ein breit vorgetragener Durchbruch, so bricht voraussichtlich die ganze Front zusammen. Auch die Möglichkeit eines Generalangriffes oder, besser gesagt, eines General sturm S besteht noch. So betrachtet, gewännen die scheinbar zusammenhanglosen deutschen Frontangriffe eine Bedeutung. Es wäre ein Verlegen des Angriffes von Ort zu Ort nötig, um gleichzeitig heranzukommen und dann zu einer bestimmten Zeit für den Generalsturm anzusetzen, also zu einer Wiederholung des Düppelcrsturms in gewaltiger Waffe. Wäre ein solches Unternehmen nicht beinahe phantastisch in seine,! Ansprüchen an die Leitung eines taktisch kombinierten Massenheeres, so könnte dies wirklich für die fülle Absicht der deutschen Heeresleitung gehalten werden.
Der russische Generalstabsbericht.
W. T.-B. Petersburg, 29. Nov. (Nichtamtlich. Petersburger Telegraphen-Agentur) Die verschiedenen Gerüchte, die über den Umfang des russischen Sieges zwischen Weichsel und Warthe umlaufen, erklärt der russische General stab damit, daß diese Gerüchte zum Teil von Privat korrespondenten genährt sind, die einige Zeitungen von den Kriegsschauplätzen zugingen. Der Große Generalstab
warnt vor diesen Gerüchten, die durch die Tatsache nicht begründet sind und mit Vorbehalt ausgenommen iveWen muffen. Wie zu Anfang des Krieges, weist der Generalftab auf die Notwendigkeit hin, alle Nachrichten, die nicht aus am.- licher Quelle stammen, mit Vorbehalt aufzunehmen. ^
Zweifellos ist der deutsche Plan, die russische s^ont auf dem linken Weichselufer zu umspannen und einen -reu der russischen Armee einzukrei sen, vollständig gescheitert. Dies geht aus den Mitteilungen des Generm- stabs und des Generalissimus hervor, daß die Deutschen gezwungen sind, sich von Azgow und Tuszin über Bezrezinh aus Strykow unter für sic äußerst ungünstigen (?) Bedingungen zurückzuziehen. Bei dem Rückzüge erlitten die Deutschen ungeheuere (?) Verluste, indessen sind die Kämpfe noch nicht vollendet. Die Schlacht entwickelt sich auf der ganzen Front sehr günstig (?) für uns, aber der Feind setzte hartnäckig seinen Widerstand fort. Es ist unmöglich, den Kamvf als beendet zu betrachten. Es ist nötig, das endgültige Ergebnis abzuwarten mit der festen Zuversicht, daß die russischen Truppen von dem Bewußtsein der Notwendigkeit durchdrungen sind, ihre heldenhaften Anstrengungen zu Ende zu führen, um den Widerstand des Feindes nun zu brechen.
Anmerkung des W. T.-B.': Der löbliche Versuch des russischen Generalstabes, die Wahrheit zu sagen, hält, wie der zweite Teil der amtlichen Auslassung beweist, nicht eben lange vor, aber cs ist immerhin bezeichnend, daß man cs sogar in Rußland für notwendig hält, von dor englischen Lügenberichterstattung abzurücken, um me unausbleibliche Enttäuschung nicht allzu groß iverden zu lassen.
Die Kgence Havas schweigt sich über die Kriegslage im Gsten aus.
Br. Genf, 29. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Während die nach englischen und i t a li en i sche n Quellen in der französischen Presse verössentlichten Nachrichten vom östlichen Kriegsschauplatz gestern seststgllten, daß die Schlacht ., bei Lodz zu einem großen entscheidenden Sie g e der Russen geführt habe, bei dem gegen 59 000 Deutsche außer Kampf gesetzt wurden, erwähnt die heutige Havasme.- d u n g von alledem nicht s. Sie begnügt sich mrt folgender Nachricht: Nach einem offiziellen Bericht bestätigt es sich, daß die russische Gegenoffensive zwischen Weichsel und Warthe d:e deutschen Korps, die aus Brzeziny, östlich von Lodz, vorgerückt ind, in eine äußerst schwierige Lage gebracht hat.
Ei« Depeschenwechsel des Erzherzogs Friedrich mit Generalfcldmarschall v. Hindenburg.
W. T.-B. Wien, 28. Nov. (Nichtamtlich.) Aus dem KriegSpresseyuartier wird gemeldet: Dem Armeeoberkorn
Mandanten Erzherzog Friedrich ist folgendes Tele gramm zugegangen: „Euer K. und K. Hoheit melde ich
untertänigst, daß ich durch die Gnade Seiner Ma,estat des Kaisers und Königs, meines allergnädigsten Herrn, zum Generalseidmarschall befördert worden bm. Indem ich meiner Freude Ausdruck gebe, diesen höchsten militärischen Dienstgrad im Kampfe Schulter an Schulter mit dem verbündeten Lsterreichisch-ungari sch e n Heere erworben zu haben, verharre ich in größter Ehrer. bietung: Euer K. und K. Hoheit Untertänigster v. Hinden-
^Auf dieses Telegramm und die weitere Meldung, daß der Generalstabsches Hindeiiburgs, General v. Ludendorff, zum Generalleutnant befördert worden ist, richtete'Erzherzog Friedrich nachstehende Depesche an den Generalfeldmarschall v. Hindenburg: „Mit auftichtiger
Freude beglückwünsche ich Eure Exzellenz namens der mit Stolz auf den Sieg der ruhmgekrönten Führer des mit ihr Schulter an Schulter kämpfenden Teiles der deutschen Wehrmacht blickenden österreichisch-ungarischen Armee an- läßlich Ihrer Beförderung zum Generalfeldmarschall. Ich gedenke gleichzeitig mit den herzlichsten Gefühlen Ihres für seine hervorragenden Verdienste in West und Ost von seinem Kriegsherrn ebenfalls beförderteii und ausgezeichneten Chefs deL Stabes. Die Führer und die Armeen der in seltener Eintracht kämpfenden Verbün- d c t c n sind sich eins in den Gefühlen der gegenseitigen Achtung und der festen Zuversicht: Der
endgültige Sieg muß kommen!
G. d. I. Erzherzog Friedrich, K. und K. Armeeoberkommandant."
Oer österreichischeTagesbericht vom Samstag.
W. T.-B. Wien, 28. Nov. (Nichtamtlich) Amtlich wird verlautbart: 28. Novelnber, mittags: Die Lage ist unverändert. In Russisch-Polen verlief der gestrige Tag im all gemeinen ruhig. Einzelne schwächliche Angriffe der Russen wurden abgewiesen. Die Kämpfe in den Karpathen dauern fort.
Eine holländische Stimme zur Lage im Osten, bä. Amsterdam, 29. Nov. Die „Tjid" führt in einem Artikel aus: Der Kamps im Osten wird immer rätselhafter. In Berlin werden die Fahnen herausgehängt und die deutsche Presse triuinphiert, während der englischen Presse infolge des russischen Sieges der Himmel voller Geigen hängt. Gelingt cs der vortrefflichen Strategie der Deutschen, der russischen Umklammerung zu entgehen, dann wird die Wahrheit mit der Wucht eines deutschen Brummers in Paris, London und Peters-
1914.
bürg einschlagen. Auf jeden Fall haben die Siegesüe, richte eines der beiden Teile einen Haken.
weitere Erfolge in Serbien.
999 Gefangene und 3 Geschütze.
W- T.-B. Wien, 28. Nov. (Nichtamtlich.) Vom südlichen Kriegsschauplatz wird amtlich verlautbart: 28. Novem
ber. Auch gestern wurde auf dem südlichen Kriegsschaup atz fast aus allen Fronten gekämpft. Mehrere wichtige verschanzte Positionen wurden hierbei e r st u r m t, vor allem die dominierende Stellung von S i l j a k. Insgesamt wurden ca. 9 99 Gefangene gemacht und drei Ge, chutzn erbeutet. Der von dem serbischen Pressebureau verlautbarte Sieg über eine österreichisch-ungarische Kolonne bei Rogacrca verwandelte sich gestern in einen Einmarsch unserer Kolonne in U z i c e. «Mit dem erbeuteten Tram wurde der 16 Jahre alte Enkel des Woiwodeu Putnik gefangen, jn Anbetracht seines jugendlichen Alters und seiner verwandtschaftlichen Beziehungen zum serbischen Heerführer wurde die Verfügung getroffen, ihn nrit Rücksicht zu behänder .
Die russischen Rriegsmaterialtransporte nach Serbien.
bä. Konstantinopel, 29. Rov. Wie der Berichtmstatiev der „B. Z." erfährt, wurde in der vergangenen Woche «ne große Menge Kriegsmaterial für Serbien ub er Sa to nt it beordert. Rußland sucht nach wie vor d,e Zustimmung Bulgariens für die Beförderung von Geschützen und Maschinengewehren über Dedeagatsch nach Serbien $u erhalten. Bulgarien setzt dem russischen Ansuchen eure entschiedene Weigerung entgegen.
Oer Gouverneurwechsel in Belgien.
W.T.-B. Berlin, 29. Nov. (Nichtamtlich^ Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, lst Generalfeldmarschall Freiherr von der Goltz von semer Stellung als Generalgouverneur von Bclgrcn euthoveu und für die Dauer des mobilen Verhältnisses der Per- um des Sultans und dessen Hauptquartier zugeteUt. Zu seinem Nachfolger als Generalgouvernmir von
Belgien wurde der General der Kavallerie Freiherr v. Bissrng ernannt. ^
Der treue General,gouvernsur v. B i s st n g ist zu Bellmannsdorf in Schlesien gKoven. Smt Ausbruch des Krieges war Freiherr v. Brssmg, der bisher fast sieben Jahre im Ruhestand gelebt hatte, stellvertretender General des 7. Armeekops in Münster, dessenigen Korps, das er als aktE Offizier lange hindurch geführt hatte Bemerkenswert sind die zahlreichen Erlasse, dre Freiherr von Bissrng in diesen Tagen gegen Auswüchse gerichtet hat, die der Krieg mr sich brachte. Ge zeigen ihn als Mann von stark sozialem Emp- finden. Bissing gehört ön ^den bekanntesten Er- scheinungen unter den preußischen Generalen. Smt langen Jahren verbindet ihn ein enges Freund- schaftsband rnit dem Kaiser, dessen Flügel- adiutani er beim Regierungsantritt gewesen ist. Zum Nachfolger v. Bissings „ -As stellvertretend^ kommandierender General m Munster ist General der Infanterie v. Gayl ausersehen. (Schrrstl.) Feldmarschal! v. b. Goltz' Mission. t.-B. Berlin, 29. Nov. Die „Dass. Zeitung" schreibt: Durch die Berufung des FeLmarschalls von
der Goltz zum militärischen Vertrauens- mann des Kaisers im Hauptquartier des Sultans erfährt das gegenwärtige Bündnisverhälviis zwischen dem Deutschen Reich und der Türkei mne be sond g re Unterstreichung. Die hervorragend Rolle die Freiherr von der Goltz vor Jahren m Konstantinopel gespielt hat. läßt ihn als geeigneten Mann er-
scheinen. __ ,, _ .
Die Briegsschatzuny für Belgien.
\V T-B Brüssel, 29. Nov. Der „Berliner Lokals aiueiaer" meldet: Die Kriegskontribution der Belgier ist
auf 375 Millionen Franken festgesetzt worden. Die Bank „Socicte generale" wird . für 429 , Millionen Franken Noten emittieren und 375 Millionen hiervon der deutschen Verwaltung übergeben.
Line Reichsbanb-Filiale in Antwerpen.^
W. T.-B. Brüssel, 29. Nov. Der „Lokal-Anzeiger" berichtet aus Antwerpen, daß dort eine Filiale der Deutschen Reichsbank eröffnet wurde.
Verbot eines sozialistischen Blattes in Gent. „
Br. Berlin, 29. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Wie der „Vorwärts" aus Amsterdam meldet, hat der deutsche Kommandant tn Gent das Erscheinen der sozialistische« Tageszeitung „Voornit" bis aus weiteres verboten. Das Verbot wurde mit der aufreizenden Sprache begründet, die das Blatt den Behörden gegenüber führe.
Der Bericht aus dem türstischen Hauptquartiere
Die Türken 19 Kilometer südöstlich Batums.
W- T.-B. Konstantinopel, 29. Nov. Das teilt mit: Unsere Truppen ,m Tschoroktale warfea
e,nen Ausfallsversuch der Russen in der Gegend der Flußmündung zurück. Die Geschütze der Landbefestigungeq
