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Seite 2. Abend-Ausgabe. Erstes Blatt.

s u l t a t wird, wenn es auch gegenüber einer überwältigen­den Mehrheit zu erzielen ist, nach meiner festen Überzeugung äußerst günstig sein.

Auch Österreich-Ungar» wird durchhalten bis zu einem siegreichen Ende.

W. T.-B. Wien, 23. Nov. (Nichtamtlich.) Das „Frem- venblatt" tritt den Auslastungen der französischen und rus­sischen Blätrer über eine angebliche Kriegs Müdigkeit Österreich-Ungarns und den neuerdings im „Temps" enthal­tenen Gerüchten entgegen, daß besonders Ungarn den Frieden wünsche, und daß der jüngste Besuch des Grafen Tisza im deutschen Hauptquartier mit diesen Friedens» wünschen in Verbindung stehe, indem das Blatt darauf hin­weist, daß die ganze Bevölkerung und alle Nationali­täten und Stände der Monarchie mit tatfreudigem Opfermut entschlossen feien, den ihnen aufge­zwungenen Kampf mit dem Einsatz aller Kräfte durchzuführen. Das „Fremdenblatt" erinnert an die Begeisterung, mit der die Kriegsanleihe in beiden Staaten der Monarchie zu einer großen und eindrucksvollen Kundgebung des Patriotismus wurde, an die Kundgebungen zahlreicher Körperschaften und Vertretungen und an die Be­geisterung, mit der im ungarischen Reichstage Majorität und Opposition sich in Huldigungen für Herrscher und Armee so­wie in Bekundungen des Vertrauens auf den endgültigen Steg vereinten. Das „Fremdenblatt" erklärt: Gewiß

wünscht die ganze Monarchie den Frieden, aber nur darum, weil wir überhaupt immer Frieden wünschten und weil wir diesen Krieg führen, um endlich nach langen Jahren unauf­hörlicher Bedrohung unserer ruhigen Entwicklung den dauernden Frieden zu haben. Man geht nicht fehl, so betont das Blatt, in der Annahme, daß diese Auslastungen franzö­sischer und russischer Blätter von der Friedenssehnsucht der Monarchie und besonders Ungarns keinen anderen Zweck haben, als die Friedenssehnsucht im eigenen Lande durch den Hinweis zu beschwichtigen, der Gegner sei ohnehin bereits mürbe und werde nicht mehr lange im Kampfe aushalten. Das ist aber eine schwere Selbsttäuschung, ähnlich jener, als unsere Feinde vor einigen Monaten sich und anderen ein- reden wollten, wir könnten keinen Krieg führen, wir wären von vornherein schon geschlagen, denn wir hätten keine Armer mehr. Wie sich unsere Gegner von den Gefahren des Selbst­betruges sehr bald überzeugen mutzten, so wird auch der jetzigen Friedensphantasie die schwere Enttäuschung auf dem Fuß folgen. Die Bevölkerung der Monarchie ist ent­schlossen, den Kampf mit aller Energie bis zu einem siegreichen Ende durchzukämpfen, denn sie ist sich bewußt, daß der Krieg ein notwendiger und gerechter ist, wie nur je ein Krieg sein konnte.

Eine „Kaiscr-Wilhelm-Gasse" in Jglau.

W. T.-B. Jglau (Mähren), 28. Nov. (Nichtamtlich) Die Stadtvertreter haben beschlossen, eine Hauptverkehrsader „K a i s e r - W i l h e l m - G a s s e" zu benennen.

Der österreichische Konsul Schwimmer wieder in Freiheit gesetzt.

W. T.-B. Messina, 29. Nov. (Nichtamtlich.) Der an Bord eines Dampfers der Soeieta Maritima Jtaliana am 22. November auf der Fahrt von Port Said nach Neapel zwischen Calabrien und Sizilien von dem französischen Kriegsschiff „La Province" mit seiner Familie angehaltene österreichisch-ungarische Konsul in Addis-Abeba Schwim­mer ist auf Reklamation der italienischen Regierung heute in Messina wieder in Freiheit gesetzt worden.

Der österreichische Vormarsch in Serbien.

Verzweifelter Widerstand der Serben.

W. T.-B- Wien, 29. Nov. (Nichtamtlich.) Vom süd­lichen Kriegsschauplatz wird amtlich gemeldet: 29. November: Der Gegner leistet in der fetzigen Gefechtsfrout verzwei­felten Widerstand und versucht, durch heftige Gegen­angriffe, die bis zu B a j o n e t t k ä m p s e n gedeihen, unsere Vorrückung aufzuhalten.

Die am östlichen Kolubara-Ufer stehenden eigenen Truppen haben stellenweise wieder Raum gewonnen. Die über Valjevo und südlich vorgerückten Kolonnen haben im allgemeinen die Höhe des Ljig-Jlusses und die Linie Suvobor sowie das Straßendreieck östlich Uziel erreicht. Gestern wur-

Unterhaltnngsinl.

Kelwen;-Theaier.

Samstag, den 23. November: Ein Jahrhundert deut­schen Humors. (Ein Ring voü acht Abenden.) Zweiter Abend: „Die deutschen Kleinstädter". Lustspiel in vier

Akten von August von Kohebue.

Kotzebues Lustspiel wurde bei der Neueinstudierung am Samstag mit ebenso viel Vergnügen ausgenommen wie vor zehn Jahren, als es bereits schon einmal in einem Zyklus deutschen Humors auf dem Spielplan des Residenz-TheaterS erschien. Auch die Aufmachung erregte viel Freude, der an die Wand gemalte Ofen, desgleichen die Kommode, der Die­ner, der die Lampen anzündet, der sic später mit der Licht» schere putzt, der ein Schild „Pause" herausstellt und die ' Spielweise der Mitwirkenden, die ganz in das Publikum hineinsprechen. Das Tempo hätte wohl flotter sein dürfen, die Darstellung war im ganzen befriedigend. Frl. Erl er sah allersiebst aus, als schalkhaftes Bienchen, und spielte auch recht nett. Mit ihren Fehlern wird man sich wohl abfinden müssen — sich daran gewöhnen ist schwer, wenn nicht unmög­lich — denn weder ihr Dialekt noch die Behandlung des Organs haben. sich gebessert. Eine sehr gelungene Maske hatte Rosel v a n B o r n als Unter-Steuereinnehmerin ge­wählt. Sie glich dem Wolf aus dem Rotkäppchen und, war's Zufall oder Absicht, Herr Hager als Gewürzkrämer batte als Sohn der Frau Unter-Steuereinnehmerin eine gewisse Ähnlichkeit mit der „Frau Mutter". Auch Herr Ziegler hatte viel Schminke und Mühe auf seine Maske verwandt, im ersten Akt gar zu viel, und erinnerte an einen der Richter in Büschs „Jobsiade", die sich mit einem „Schütteln des .Kopses" hervortun. Allerdings kam feine Maske nicht voll zur Geltung, da sie mit dein^ Erdbeerrot der Tapete sanft ineinander überfloß und die dünne spitze Nase im Profil die beabsichtigte komische Wirkung verfehlte. Frau A g t e war etwas zu übertrieben und Frl. Delosea hatte ebenfalls zu tief in den Schminktopf gegriffen, Frau Lüder- F r e i w a l d wirkte wieder recht komisch. Herr Beug war ein sehr hübscher Liebhaber — nicht weniger und nicht mehr, — während Herr Bartak als einfältig umherhüpfender Liebhaber Sperling recht Gutes leistete.

Das Haus war gut besucht, die Stimmung ebenfalls gut und der Beifall lehr stark. B. v. -3ST.

__Wiesbadener Tagbiall.__

den insgesamt 2 Regimentskommandanten, 19 Offiziere und 1245 Mann gefangen genommen.

Dis revolutionäre Strömung in Kutzland.

Br. Wien, 30. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Die „Korrespondenz Rundschau" meldet aus Kopenhagen: Trotz der Versuche der russischen Regierung, die um sich greifende revolutionäre Strömung, die sich zugleich nachdrück­lich gegen den Krieg wendet, zu unterdrücken, greift diese Bewegung in zahlreichen Städten immer mehr um sich. In M i t a u wurde eine revolutionäre Druckerei ent­deckt, in der ein revolutionäres Blait hergestellt wurde. In Wilna wurden bei der Durchsuchung eines Eisenmagazins Bomben gefunden. Einige Kisten mit Sprengstoffen waren bereits zur Versendung nach Petersburg bestimmt.

Was der Zar alles verspricht.

Gens, 29. Nov. Aus Warschau wird französischen Blättern gemeldet, daß die dortigen Zeitungen eine Proklamation ver­öffentlichten, die von hervorragenden Politikern unterzeichnet sei und die Bildung eines polnischen Nationalrates anzeige. Dieser habe die Aufgabe, das Volk auf eine „Ände­rung des nationalen Lebens" vorzubereiten, die die Folge des von Rußland abgegebenen Versprechens der Wiederher­stellung des alten Polen sein werde. (Fr. Zig.)

Die Lage im westen.

Flucht der französischen Bevölkerung aus dem Nordwesten.

Berlin, 30. Nov. In Paris werden durch Mauer­anschläge verschärfte Maßregeln gegen Panikmacher be­kanntgegeben. In den letzten Tagen widerhallte Paris von Gerüchten über ein angebliches Weite-rvordringen der Deut­schen. U. a. wurde erzählt, die Zivilbevölkerung müsse Com- piegne, Bcthune, Hazebrouck und Boulogne räumen. Tie Nachricht ist zwar übertrieben, dach verläßt die ängstlich ge­machte Bevölkerung scharenweise die nordwestlichen Departe­ments.

Die Erwartung eines furchtbaren Angriffs auf Calais.

Was die Engländer alles „wissen".

sich. London, 30. Nov. Die angesehensten Fachleute der großen englischen Presse sind sämtlich in der Annahme ernig, daß ern furchtbarer Angriff der Deutschen gegen dre Stel­lungen der Verbündeten bei Calais unmittelbar bevorsteht. Die Militärkritiker schließen das aus den umfassenden Vorbereitungen, die die Deutschen in den letzten Tagen dort getroffen haben. „T r m e s" und „E v e n i n g News" veröffentlichen dort folgende Informationen: „Täg­lich kommen riesige Militärzüge aus allen Städten Belgiens mit ungeheuren TruppenmaffeN in der vordersten Reihe der Schützengräben an, 60 solche Züge haben Gent, 28 Brügge, 30 Mons, 40 Manbeuge und 50 Brüssel verlassen, alle in der Richtung nach dem nordöstlichen Belgien. Ganz frische Truppen sind in Dixmuiden, Apern und Ostende an- gelangt, darunter große Mengen Kavallerie aus Braun­schweig. Die Deutschen haben mit der Beschießung von Ramscapelle begonnen. Ein deutscher Flieger ver­suchte zu wiederholten Malen das englische Haupt- auartier in Popperinghe zu zerstören. Seine Absicht ge­lang ihm nicht, jedoch töteten seine Bomben eine große Anzahl von Personen.

200 neue Geschütze von 32,6-Kaliber sind ebenfalls nach Nordflandern gebracht worden, außerdem 60 Panzer- automobrle, alle geleitet von Kruppschen Ingenieuren In Zeebrügge sind eine Reihe neuartig konstruierter Unterseeboote aus Kiel eingetroffen sowie eine An­zahl sehr schneller gepanzerter und mit Schnell­feuerkanonen versehene Motorboote. Die Presse begleitet diese ihre Telegramme mit äußerst gedrück­ten Kommentaren. Es ist sehr bezeichnend, daß kein Blatt sich zu der Annahme aufschwingt, die Verbündeten könnten etwa eine Gegenoffensive wagen. Ihre ein­zige Hoffnung besteht darin, daß, wie die „Times" sagt, die Verbündeten stark genug sein werden, um auch noch diesen furchtbaren Ansturm der deutschen Kräfte aufzuhalten. Können wir nur dies eine Mal noch standhalten, so wird wohl der Winter auf längere Zeit ein Ziel setzen. Inzwischen

Nus Kunst und Leben.

* Die Blütezeiten der deutschen Kunst. Über dieses Thema sprach am Samstagabend in der „Wiesbadener Gesellschaft für bildende Kunst" Herr Dr. Franz Bock (Posen). Er war originell, oppositionell und gründlich. Schon seine erste Frage­stellung kündete den oppositionellen Charakter seiner Aus­führungen an. Hatten wir im vergangenen Jahr ein Recht zu geräuschvollen Jahrhundertfeiern? fragte er. Nein: denn wir hatten 1913 nicht Kultur genug, um die deutsche Kultur von 1813 würdig zu feiern. So etwa beantwortete er selbst die gestellte Frage. Der Weg gegen Napoleon, sagte er, geht auch gegen Winkelmann und Goethe. Schiller und Goethe sind da am größten, wo sie nicht klassizistisch, sondern national sind. Werke wie „Die Braut von Messina", „Iphigenie" und der zweite Teil des „Faust" lassen das deutsche Volk kühl bis ans Herz hinan, weil sie nicht deutsche Kunst sind. Der Klassizis­mus war eine Zeit des Tiefstandes deutsch-nationaler Kunst. Klassisch darf nicht als antiker Form sich nähernd, als etwas Absolutes verstanden werden, klassisch ist in Wirklichkeit nichts anderes als das jeweils Größte innerhalb der nationalen Kunst. Es klingt merkwürdig, aber es ist Tatsache, daß zwi­schen der deutschen uni» der spanischen Kunst mehr innere ver­wandtschaftliche Beziehungen bestehen als zwischen der deut­schen und der griechischen Kunst. Jede Kunstperiode hat ihren eigenen künstlerischen Wert, weil ein Wechsel im künstlerischen Ausdruck auf einen Wechsel des künstlerischen Ideals zurück­zuführen ist. Von einer Blütezeit der Kunst läßt sich nur da sprechen, wo ein ganzes Volk durch seine Künstler etwas zu sagen hat, was ein anderes Voll nicht oder üoch nicht in der­selben Form sagen kann, tvo die Kultur neue charakteristische Werte erhält. Die erste Blütezeit deutscher Kunst fällt bereits in die Bronzezeit, die zweite in das hohe Mittelalter und die dritte in den Anfang der neuen Zeit, die Zeit der Spätgotik An einer Reihe von Lichtbildern — Grundrissen, Außen- und Innenansichten kirchlicher Bauten — zeigte der Redner die besonderen Merkmale deutscher Kunst: die Darstellung der Be­wegung, die Flächendeckung und das Malerische. Als Denk­mal deutscher Kunst ist, meinte der Redner bei der Vorführung einer kleinen aus dem 11. Jahrhundert stammenden westfäli­schen Kirche, diese Kirche weit bedeutender als der Kölner Dom, der überhaupt ein Denkmal des Niedergangs deutscher Kunst ist. S-e löst schöpferisch, aus dem eigenen Volkstum heraus — nur in dieser Weise gedeiht notio-

Montag, »0. November 1914. Nr. 558.

müssen wir denn immer mehr und mehr neue Männer ins Feld schicken, denn davon allein hängt schließlich der End- erfolg all

Oie Lücken in der französischen Infanterie.

W. T.-B. Lyon, 30. Nov, (Nichtamtlich.) Zur Be­ruhigung des in Frankreich herrschenden Unwillens, daß eine große Anzahl Mobilisierter nicht eingestellt sei, schreibt der „Lyon RePublicain", es habe sich da­bei um Überzählig e gehandelt, welche in weitaus größerer Zahl eintrafen als vorherzusehen war. Es fehlte an Offizieren und es schien daher un­nütz, die Staatskosten zu erhöhen und größere Mann­schaftsbestände als für die ersten Kriegsbedürfnisse not­wendig war, untätig in ihren Garnisonen liegen^ zu lassen. Die größten V e r l u st e habe von allen Waffen­gattungen zweifellos die Infanterie erlitten. Man sei augenblicklich dabei, die überzähligen Infanteristen ein­zuberufen und angesichts der großen Jnfanterieverluste die überzähligen Soldaten anderer Waffengattungen der Infanterie einzuverleiben, um deren Lücken ausfüllen zu können.

Frankreich will durchhallen.— poincars an Iosfre.

Be. Rotterdam, 30. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Aus Paris wird gemeldet, baß Präsident Poincars gestern bei der Verleihung der Militär- inedaille an General Joffre sagte, -daß ein hal­ber Sieg und ein fauler Friede Frankreich und die Freiheit in Europa der Gefahr eines neuen deutschen Einbruches (!) aussetzen würde. Man müsse daruni bis zum Ende durchhalten.

Tin amtlicher französischer Bericht über die Fliegerkämpfe vom 18. November.

W. T.-B Paris, 29. Nov. (Nichtamtlich.) Eine amtliche Note bespricht die Fliegerkämpfe vom 18. November. Ein Militärflieger bemerkte des Morgens ein in der Richtung Amiens fliegendes Aviatikflugzeug, verfolgte und erreichte das Flugzeug bei Amiens, gab ungefähr 100 Maschinenge- wehrschüffe ab und beschädigte das Flugzeug leicht, das aber entkam. Der Militärflieger griff darauf ein Albatrotzflug­zeug an, das umwendete, sich auf den französischen Flieger stürzte und seinen Apparat zum Schwanken brachte, so daß das Maschinengewehr in das Innere des Flugzeuges fiel. Der französische Flieger stellte das Gleichgewicht wieder her, aber das Albatrotzflugzeug war inzwischen verschwunden. Ein anderer Flieger bemerkte ein deutsches Flugzeug über Amiens, verfolgte es, holte es ein und hinderte es, zu den deutschen Linien zurückzukehren. Bei der Verfolgung bis Moutdidier wurde das französische Flugzeug von drei Schüssen getroffen, von denen einer den Benzinbehälter durchschlug. Es musste dann die Verfolgung wegen Munitionsmangels aufgehen. Ein weiteres französisches Flugzeug griff einen Doppeldecker an. Die deutschen Schüsse durchschlugen jedoch die Flügelverstrebungen, so daß der französische Flieger eiligst landen mußte.

Die Verletzung des Königs Albert von Belgien.

Br. Brüssel, 30. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Wie hier verlautet, ist König Albert in den Kämpfen an der Äser am Arme verwundet worden.

Holländische Bcmutungcn über englische Landungs- Versuche.

tut. Kopenhagen, 30. Nov. Der Sonderbericht­erstatter der „Berlinske Tidende, meldet: Vorgestern wurde die belgische Küste wieder von englischen Schiffen beschossen. Da über die Beschießung nur wenig Genaues bekannt ist, sind die Absichten der Engländer schwer zu erkennen. In Holland wird die Überzeugung immer inehr bestärkt, daß Lan-dungsversuche bevorstehen. Diese Auffassung wird u. a. dadurch unterstützt, daß die englische Admiralität alle Damp­fer requiriert, die überhaupt zu haben sind. Aus diesem Grunde Wunde auch die Verbindung von Har- vicfi nach Hoek van Holland unterbrochen. Ob­gleich strengstes Stillschweigen geübt wird, ist doch be-

nale Kunst. Auch mit der deutschen Kunstgeschichte ging der Redner wenig glimpflich um. Die erste „Geschichte deutscher Kunst" — „so steht auf dem Titel" — erschien 1854, eine zweite 1890 und eine dritte 1905, sämtlich geschrieben von dem Stand­punkt von Ausländern, die deutschem Wesen verständnislos gegenüberstehen. Es ist nicht möglich, in einem kurzen Referat auch nur annähernd die scharfe, oft durch eine wirkungsvolle Geste merklich unterstrichene, aber immer gut begründete Kritik wiederzugeben, die der Redner an der sogenannten deutschen Kunst und ganz besonders an den Kunsthistorikern übte, die nicht beachten, daß es für die Kunstgeschichte ebenso­wenig wie für andere Wissenschaften Dogmen geben darf. So erquicklich deutsch auch der Redner war, so temperamentvoll und schön er auch seine oft recht kühnen Gedanken vortrug —, auf die Dauer ermüdete er doch, denn er tat entschieden des Guten zu viel. Er sprach rund 2i/ a Stunden ohne Pause! Einer derartigen Dauerrede waren wir — wir gestehen es offen — nach des Tages Müh' und Plage nicht ganz ge­wachsen. c.

Klksine Chronik.

Theater und Literatur. Die vorzügliche Zeitschrift „Licht urbd Schatten", Berlin, erscheint von jetzt ab in Form von künstlerisch gezeichneten Kriegsflugblättern unter dem Titel „Die Front".

Die Uraufführung des Einakters „Die Wächter auf den Bergen" von Karl Hauptmann im Kgl, Schau­spielhaus zu Dresden fand ffeundliche Aufnahme. Der anwesende Verfasser konnte einigen Hervorrufen Folge leisten.

Bildende Kunst und Musik. Die Opernsaison in N e w Aork hat mit einer Galavorstellung im Metro­politan-Theater in der gewöhnlichen prunkvollen Weise begonnen und man erwartet mit Bestimmtheit, daß sie sich diesmal noch glänzender gestalten wird als sonst. Die» Amerikaner sind stolz darauf, daß die Metropolitan-Oper diesmal unter allen großen Opernhäusern der Welt das ein­zige ist, das allen Gesangstalenten der verschiedenen Natio­nen in gleicher Weise offen steht. Italienische, deutsche, fran­zösische und belgische Sänger und Sängerinnen bereinigen sich hier allein zum friedlichen Wettbewerb. Auch das Repertoire wird eine sonst unbekannte Harmonie zeigen und neben Wagner auch die großen französischen Komponisten i» reichem Maße berücksichtigen.