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Unterhaltende Blätter. iSDlSDtSDlSDlSDlSOlSDlSOlSDl&VOlSDl&lSDlZ)

gängliche Saracinesco überzu führen. I]ier lebten die mutigen Frauen mit den Rindern meist allein, nur für kurze eilige Besuche ihre Männer und ihre den Hohenstaufen an­hänglich gebliebenen verwandten empfangend, die mittler­weile von Gefahr zu Gefahren kämpfend einherzogen. Groß muß daher die Freude in Saracinesco gewesen sein, als im August f268 der junge Gonradin mit seinem Heer herbeizog. Der Ruf von Sieg und Ruhm war ihm voran­geeilt. Rom hatte ihm jauchzend die Tore geöffnet. Die Sarazenen von Cuccrna vernichteten die Guelfen mit Feuer und Schwert. Die Städte der Abruzzen und Sabina riefen einstimmig: „Lonradin war, ist und wird unser Herr sein!" Überall wurde das Banner mit dem Adler Tonradins auf- gepflanzt, alles eilte herbei, um den schönen Jüngling, den selbst französische Zeitgenossen den schönsten Rnaben, den es gibt, nannten, zu sehen. Großer Jubel mag unter den treuen Bewohnern geherrscht haben, als sie hörten, der junge Kaiser käme mit seinem Vetter und Waffengenossen, ihrem Herrn Tonrad von Antiochien, in ihr ödes Lastell Saracinesco, bevor er sich zur Entscheidungsschlacht gegen den von allen Ghibellinen und besonders den heidnischen Sarazenen verhaßten Franzosen Larl von Anjou begab. Damals lebten in der Burg Beatrice Lancia, die Frau Tonrads, des Burgherrn, ihre Mutter Margherita und ihre kleinen Söhne, deren ältester Friedrich hieß und später Bischof von Palermo wurde. Ferner war seit dem 21!ai Constanze, die Schwester Beatrices, zurückgekehrt, an deren Stelle bis dahin Gnbitofa, die Frau ihres Bruders Galeotto, gewesen war. Diese beiden Mädchen wurden nämlich als Rinder verheiratet und lebten nach damaliger Sitte bei den Müttern der Männer. Der Vater Gnbitosas jedoch erhielt von Carl von Anjou die Erlaubnis, die Beirat seiner Tochter mit dein Sohn des Ghibellinen Galvano Lancia und andererseits die seines Sohnes mit dessen Tochter Tonstanze rückgängig zu machen, so daß Gubitosa im Mai aus Sara­cinesco fortgeschafft und Constanze dorthin zu ihrer Familie zurückgebracht wurde. Ein kleines Töchterchen Tonrads und Beatrices hielt der grausame Tarl von Anjou als Geisel und die Mutter mochte nicht mit Unrecht um deren Schicksal bangen. Ihrerseits hielten die tapferen Frauen zwei Angehörige der allgewaltigen römischen Guelfen- familie Grsini, Napoleons und Mattio, in Kerkerhaft in Saracinesco, deren Rückgabe später tatsächlich Tonrad von Antiochien das Leben retten sollte! Kaiser Tonradin wird etwas befremdet gewesen sein, als er, der nordische blondhaarige Jüngling, sich seinen dunkeln süd­ländischen Verwandten gegenüber sah, die ihn sicher mehr herzlich als zeremoniell begrüßten. Da waren die warmen einfachen Frauen, die den: halberwachsenen Rnaben die frühverlorene mütterliche Fürsorge angedeihen ließen, die junge dunkelgebräunte Constanze, die Rinder: zum erstenmal vielleicht empfing Tonradin hier den anheimeln­den Eindruck des gewissermaßen bürgerlichen Familien­lebens. Eine leise Neugierde mag ihn getrieben haben, von Vicovaro abzubiegen und die einsamen Pfade zu der fernher winkenden romantischen Burg zurückzulegen. Ich dachte in Saracinesco manchmal, welche Speisen man wohl dem kaiserlichen Gast zum Empfangsmahl aufgetischt haben wird: Polenta, eine gebratene Schafskeule, Eier und pecovinokäse, das sind die größten Delikatessen, die es dort gab und gibt. Zweifellos jedoch ist niemand je von herz­licheren Glückwünschen und Hoffnungen begleitet worden als Kaiser Tonradin, da er von Saracinesco in die Schlacht nach Tagliacozzo zog.

Sie sahen nicht den Unstern, der Über dem Haupte Tonradins schwebte. Sie dachten nicht daran, daß der Papst geschworen hatte, das Geschlecht der Hohenstaufen wie Schlangen vom Erdboden zu vertilgen, sie glaubten nicht an seine Prophezeiung: „Dieser Jüngling wird von nichtswürdigen Menschen wie ein Lamm zum Schlachtbock geführt." Diese Prophezeiung sollte sich seltsamerweise gerade erfüllen, als das Glück Tonradins gesichert schien. Nach glänzendem Entscheidungssiege Über die Truppen Carls von Anjou begingen die Kaiserlichen die beklagens­

werte Unvorsichtigkeit, sich in der Verfolgung des Feindes zu zerstreuen. Das benutzte der schlaue schlachtgewandte Larl, um sein Heer im Rücken der Verfolger zu ver­sammeln und so seine Niederlage in Sieg zu verwandeln. Die Truppen Tonradins wurden gänzlich geschlagen, seine Ritter gefangen, verstümmelt oder getötet. Auch Rudolf von Habsburg soll hier gefangen worden sein, sich jedoch durch die Flucht gerettet haben. Mit genauer Mühe entkam Lonradin selbst. In seinem Gefolge waren nur 500 Ritter. Längs der via Valeria zogen sie nach Rom zurück, das sie am 28. August erreichten. Hier hatten jedoch die Guelfen die Überhand gewonnen. Statthalter Guido von Montefeltre verweigerte dem geschlagenen Lonradin das Capitol. Die Ghibellinen konnten ihm keine Sicherheit mehr gewähren. So verließ er Roin am Zf. August mit seinen getreuen Maffengenossen Friedrich von Österreich, Galvano Lancia, dessen Sohn Maleotto u. a. Conrad von Antiochien wurde in der Schlacht gefangen. Wieder sehen wir Tonradin von Vicovaro her die steilen Bergpfade zum Castell Saracinesco hinanreiten. Diesmal nachts, schweig­sam, mit verkapptem Antlitz. Hatte doch Tarl von Anjou nicht allzuweit entfernt bei palestrina sein Lager aufge­schlagen. vergeblich fragt sich der Historiker heute, weshalb Lonradin gerade nach Saracinesco ging. Noch wäre ihm der Rückzug nach dem nördlichen Italien leicht und ge­fahrlos gewesen. Scheute sich der stolze Jüngling als Besiegter und Enterbter den deutschen Boden zu betreten? Hoffte er noch auf den Sieg der Ghibellinen im Süden Italiens? In jedem Falle gab es für ihn keine unsichere Zuflucht als Saracinesco, die Burg des gefangenen Tonrad, neben dem Heere Carls, vielleicht sann sein vom Ver­hängnis enttäuschtes jugendliches Gemüt überhaupt in­mitten aller Verwirrungen nur auf ein wenig Gastlichkeit und warmen Trost. Bei den Burgfrauen von Saracinesco war er wenigstens herzlicher Aufnahme sicher. In der stillen Feste würde er seine Gedanken sammeln, erfrischt neue Pläne fassen können. Die Jugend stellt sich ja Zu­künftiges so leicht vor, wenn ihr ein angenehmer Augen­blick vor Augen schwebt.

Beinahe eine Woche blieb Lonradin in Castell Sara­cinesco. Noch sah er dieselbe goldige Sommersonne des Südens auf den Bergesspitzen unter sich leuchten, die vor wenigen Tagen den siegesfroh Hinziehenden frohe Ver­heißungen gestrahlt hatte. Aber über den Gesichtern der Menschen, die ihn jetzt empfingen, lagerten finstere Schatten. Frau Beatrice weinte, als sie von der Gefangennahme ihres Mannes hörte. Die Mutter Margherita mochte für die Gäste Böses ahnen. Der alte Galvano ging finster schweigsam zwischen den Burgmauern einher. Ihn drückte die Verantwortung für den letzten Hohenstaufen, auch sorgte er wohl um sich und seinen jungen Sohn Galeotto, die beide bald darauf dem Henker Carls in die Hände fallen sollten. Constanze blickte befremdet auf den schönen blonden Jüngling, von dem die Ihren kurz vorher alles Glück er­wartet hatten. Wer vermag abends am Brunnen des Burghofes zu weilen, ohne sich hier Lonradin und seinen Waffengefährten Friedrich von Österreich vorzustellen, wie sie bedrückt von der stummen Verzweiflung ihrer Umgebung, vielleickst in Vorahnung des nahen Todes von der Heimat plauderten, wo Lonradin von fernem Erbe nichts mehr befaß als schöne Erinnerungen und eine vierzehnjährige Frau Sophie, die er noch nicht kannte. Während rings­herum die Welt an allen Enden brannte, mochte wohl den hohen Gästen in Saracinesco die verlassene Felseneinsam­keit, die tatlose Verzweiflung von Tag zu Tag unerträg- licher werden, und am 8, September finden wir Lonradin mit seinem kleinen Gefolge wiederum auf nächtlicher Flucht durch die öde Tampagna Domäne gen Astura. Das weite Meer, von dem sie Rettung erhofften, trieb sie geradezu in die Arme des fränkischen Erzfeindes Carl von Anjou, der den letzten Hohenstaufen und seine Getreuen dem schmach­vollen Tod auf dem Schafott zu Neapel überlieferte. Die ganze Welt aber wandte sich schaudernd ab von dieser frechen Freveltat.

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