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«t. M. s»wtq. 29. MM« 1914 . , MiesdÄtUtr ®agblatt

Mnien-Msgabt. KM Statt.

Dl« belgische Presse.

®crVoss. Atg. wird aus Brüssel geschrieben:

Die belgische Presse, eine der ältesten Eurovas, hat im Kriege eine wichtige Rolle gespielt, eine Rolle allerdings, die chr nicht zur Ehre gereicht. Aber das ist begreiflich, weil die gischen Zeitungen schon in Friedenszeiten auf einem tiefen lveau standen. Ihre Parteikämpfe wurden von den matz- gebenden Organen mit einer Heftigkeit geführt, die wir in Deutschland nicht kennen. Als der Krieg begann, hörte die Parteipolitik natürlich auf, und eine nationalistische Hesse . etzte ein. dre rn gleichem Maße von katholischen, liberalen und lozialistischen Blättern betrieben wurde. Nur wenige Blätter haben sich nicht beteiligt, wenn sie sich auch in ihren Berichten aber die ersten Kämpfe auf belgischem Boden der lügnerischen und hetzerischen Berichte bedienten, die von dem belgischen Rriegsministerium herausgegeben wurden.

Als die deutschen Truppen in Brüssel einzogen, stellten sämtliche Blätter ihr Erscheinen ein. Einige siedelten nach ®ent über, andere nach Ostende und Antwerpen, fmiden aber nicht genügend Abnehmer, so daß zum Schluß nur noch die »Jndependancr.Berge" und derPeuple" übrig blieben, loelcher, seinen Parteistandpunkt verleugnend, eine geradezu Mfamc Teutfchenhetze betrieb. Je weiter sich die deutschen Truppen in das Innere begaben, desto weniger Zeitungen erschienen, so daß Anfang September nur noch drei belgische Zeitungen erschienen.Le Matin",La Metropole" in Ant­werpen und dieFlandre Liberale" in Gent. Diese Zeitun­gen wurden zu 0,50 Franken bis zu 1 Franken, ja sogar zu ) 1,50 Franken pro Nummer verkauft. Selbstverständlich i waren diese Blätter von der deutschen Militärbehörde ver­baten, sic wurden aber auf eine bis heute noch nicht ausge- . klärte Weise nach Brüssel eingeschmuggelt und fanden reißen­den Absatz. Mit der Einnahme von Anttoerpen und der Be­setzung von Gent war natürlich die Herrlichkeit dieser Blätter zu Ende, und es mußte die Aufgabe der deutschen Vertoal- tung sein, Lesestoff zu schaffen, damit die Bevölkerung über ; den Stand auf dem Kriegsschauplatz und die Ursachen des j Krieges aufgeklärt würde. In Brüssel wurden vom Tage des Einzuges des deutschen General-Gouvernements, vom 1. Sept. ab, die Zeitungen durch Maueranschläge ersetzt. Die Wolff- ! sch'cn Depeschen wurden und werden noch heute in drei > Sprachen ldeutsch, französisch und flämisch) verbreitet. So- : dann erscheinen von Mitte September ab drei französische j Blätter,Le Bruxellois",Dernieres Nouvelles" undL'Echo ! de Bruxelles". Später kam dann ein flämisches BlattHet l Lautste Nur" hinzu, und seit einigen Tagen erscheinen noch zwei weitere Blätter in französischer Sprache,La Belgique"

undLe Belge". Alle diese Blätter hatten es recht schwer, denn sie wurden im Anfang beim Publikum angeschwärzt, ja ihre Herausgeber als in deutschem Solde stehend bezeichnet und ihre Verkäufer zum Teil mißhandelt. Allmählich aber muhte man sich überzeugen, daß die Nachrichten, die die deut­schen Behörden verbreiten ließen, nicht berichtigt werden konnten, und so begann man sich allmählich wieder an irgend ein Blatt zu getvöhnen.

In Antwerpen war die Aufgabe leichter, dafür hatten hie Engländer gesorgt, auf die in Antwerpen niemand gut zu sprechen ist. Dort erscheinen jetzt in flämischer Sprache Thdingen",Handelsblad",Gazeta van Antwerpen" und dieBoltsgazet" sowie in französischer SpracheLa Presse.". Die beiden anderen BlätterLe Matin" undLa Metropole'" erscheinen in London, letztere als Beilage desStandard". Auch in Gent erscheinen bereits wieder Zeitungen, so das Organ von - SSßoefte,Le bien Publique", die Zeitung des sozialdemokratischen Führers Anseele,Le Vosruit", und, Het Volk". In Lüttich, das vqn Anfang August ohne Zei­tungen geblieben ist, bereitet sich das Wiedererscheinen von drei Zeitungen vor, nämlichLa Meuse",Le Journal de Liege" (das Organ der Schtver-Jndustrie) und dieGazÄte de Liege" (das Organ der katholischen Partei). Nur ein ein­ziges Blatt Belgiens hat nie sein Erscheinen eingestellt,L'Ami de l'Ordre" in Namur. Es hat sich sofort beim Einzug der deutschen Truppen in Namur der Zensur unterworfen.. Be­harrlich ablehnend verhält sich die Brüsseler alte Presse. Sie will aus nationalen Gründen nicht, erscheinen. Ob sich die aus Anlaß des Krieges begründeten Blätter, die bereits, in größeren Auflagen erscheinen, später beseitigen lassen werden, ist mehr als fraglich.

Für die allgemeinen Verhältnisse in Belgien ist es von größter Wichtigkeit, daß die öffentliche Meinung durch die Presse aufgeklärt wird. Die deutsche Verwaltung wendet des­halb der Presse ihr ganz besonderes Wohlwollen zu und sie zeigt volles Verständnis für diese ihre Aufgabe.

Kriegsltteratur.

Der Weltkrieg 1914. Bon Dr. Otto Brand st aedter. sBerlng Levv u, Müller. Stuttgart.) Das Lieferunflswerk, von dem bis jetzt das erste und zweite Heft vorlieat, will nach amtlichen Quellen und Berichten, Beiträgen fachmännischer Mitarbeiter und Augenzeugen eine ausführliche Darstellung sämtlicher Vorgänge im Kriege Deutschlands und Oesterrerch- Ungarns gegen seine Feinde geben. Bon de» mancherlei ähn­lichen Erscheinungen der Krieäsliteratur unterscheidet sich das Werk dadurch/daß es sich in seiner allgemein verständlichen, volkstümlichen Art vor allem an die breiten Massen wendet, denen eine zusaminenfaffende, durch cingestreute Kriegslieder, Berichte von Llugenzsugeii, Feldpostbriefe ufw. abwechslungs­

reich und anschaulich gestaltete Übersicht und Verarbeitung der sich überstürzenden Nachrichten van den verschiedenen Krt«gS* schauvlätzen gewiß willkommen sein wird.

Der Krieg 1914 in Wort rurd Bild.

haus Bong u. Co., Berlin.) reich ausgestattete W

auch ihre besonderen __

Der erste Teil bietet in seinen Kriegsgeschichte. Der zweite Teil

_enthalten.

Fortsetzungen die eigentliche

... ..___ zweite Teil gibt die Ereignisse auf den

Kriegsschauplätzen in Einzeldarstellungen wieder.

Das 7. Heft der ZeitschriftDer Bölkerkrreg" (Verlag voü Julius Hoffmann in Stuttgart) gibt ein abgerundetes Bus von der Eroberung Belgiens durch die deutschen Truppen und der Einsetzung der deutschen BerwaUung. In den Heften 8 und 9 spielt sich der erste Akt des gewaltigen westlichen Schlachtend rmnas vor unserem geistigen Auge ab; die Ereignisse von der Riesenschlacht bei Metz und in den Bagesen bis zu dem ersten Erscheine!: deutscher Truppen vor Paris. Vorcmgvstellt ist eine übersichtliche Skizze des Aufmarsches der deutschen Westheere, dann folgen dieklassischen" Depeschen des Generalquartiermersters v. Stein. Das.10. Heft zeigt die Wirkungen dieser Er­eignisse aus die innere LaM Frankreichs und Englands. Die Stimmung in Paris und London wird nach authentischen Be­richten der ausländischen Presse lebendig vergegenwärtigt; man erhält einen Einblick in die inneren t Schwierigrenen imserer Feinde, die bei Frankreich mehr auf finanzpolitischem, bei England mehr aus militärischem Gebiet liegen.

Der europäische Krieg." Historische Darstellung der Kriesscreignisse von 1914. Von A. Heinberger. Mit vielen Illustrationen, Portraits, Karten und Plänen. (A. Hartlebens Verlag,. Wien und Leipzig.) Hembergers Werk ist keine KriegIchvonik aus Zeitungsberichten zusammengestellt, sondern ein historisches Werk in fortlaufender Reihenfolge der großen Ereignisse, die sich jetzt vor uns abspielen. Vor uns liegen die drei .ersten Lieferungen, welche zeigen, daß das Werk im Gegensatz zu anderen besonders eingehend die Vor­geschichte der Krieges, das fluchwürdige Attentatvon Serajewo behandelt, wie es überhaupt mehr den öster­reichischen Standpunkti vertritt und so eine wertvolle Er­gänzung zu anderen ähnlichen Büchern bildet.

Weihnachtsgruß , für Deutschlands Krieger. Unter diesem Titel gibt der. Evangelische Bund eine Bolksschrist heraus, di« bestimmt r ist, UnsereKämpfer mit rechter Weibna'chts- sreude und -Hoffnung, zu erfüllen. Die Weihnachtsbilder von Ludwig Richter und die allvertrauten Weihnachtslieder bilden den Rahmen, in dem sich u. a. Geheimrat D. Scholz, Hoi- prediger D. Rogge, Direktor Otto Everling mit warmherzige Ansprachen und Erinnerungen an unsere Tapferen wenden.

Fürst Bismarck und die Nachwelt. Drei geschichts- politische Gedenkreden von August Eigenbrodt. (Verlag, Gebr. Memminger in Würzbuvg.) Der bekannte Bismarck- Biograph Eigenbrodt hat in diesen Vortragen, die im Frich- sahr heurigen Jahres gehalten wurden, das staatsmanmsche Wirken des eisernen Kanzlers in packender Art dargestellt und die unerfreuliche Periode, welche im Reiche nach dem Aus­scheiden des Fürsten Bismarck aus seinen Ämtern eingesetzt hat, zum Gegenstand kritischer Betrachtungen gemacht.

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