'Seite 4L Morgen-Ausgabe. Erstes Blatt. Wiesbadener Tagblatt.
daß die Hilfe des amerikanischen Volkes zur Ernährung Belgiens sehr crwünscht und besonders den deutschen Behörden in Antwerpen in jeder Beziehung willkommen'sei.
Gemeine Lügen eines Renegaten.
W- T--B- Brüssel, 28. Nov. (Nichtamtlich.) Im „Journal de Geneve" vom 30. Oktober verbreitet der von deutschen Eltern stammende Direktor der Brüsseler Oper, Kufferath, allerlei Lügen über die deutschen Besatzungstruppen in B r ü s fe l, denen energisch entgegengetreten werden muß. Vor allem muß seine Erzählung über eine im Schloß zu Lacken von. deutschen Offizieren in Anwesenheit von Damen der Halbwelt veranstaltete Maskerade unter Benutzung der königlichen Garderobe als. V e r l eu m d u n g bezeichnet 'werden. . Das. Unrecht des Verbreiters dieser Lügen ergibt sich aus - der. angeführten Bemerkung des kommandierenden Generals,, der, die.-Maskerade damit, habe entschuldigen wollen, daß er erklärte, die Veranstalter könnten nicht zu den Elitetruppen gerechnet werden. Der Deutsche ^Kufferath weiß ganz genau, daß ein derartiger Unterschied im deutschen Heere n i ch t. gemacht wird, wie es dem ehemaligen Schüler deutscher Konservatorien und eingeschworenen Verehrer von Bayreuth auch nicht. austeht, über die deutsche Kultur zu witzeln, die er in Büchern und Artikeln gepriesen hat. -
Der entlarvte Votha.
Wer bisher noch an Bothas deutschfeindlicher Haltung gezweifelt haben sollte, dem werden die Augen geöffnet durch die hatzsprühende Rede, dieses Buren, dessen Name, einst mit dem c:nes Christian de Wet, eines de la Sieh, eines Beyers in einem Atem genannt worden,' dem Millionen Deutsche ihr volles.Vertrauen geschenkt, als er Svmpathie und Hilfe für die zertretenen Mutbrüder gesucht. Es war in Bank, am 2 8. September, als er vor ungefähr 5000 verengländerten Buren in geradezu zynischer Weise seine politischen Anschauungen zum besten gab. „Neutralität ist Unsinn", erklärte er in kategorischem Ton.' „Falls ein deutsches Schiff in Durban erschiene und der Bevölkerung eine Kontribution von 5 Millionen Pfund auferlegte, so würde ihr der Hinweis auf ihre. Neutralität durchaus nichts nützen. Wer über Neutralität redet, der betrügt absichtlich die Bevölkerung Südafrikas. Wenn südafrikanische Ausfuhrprodukte über See versandt und das damit befrachtete Schiff von den Deutschen genommen würde, dann glaube ich kaum, daß diese sagen würden: „Ach ja, Südafrika ist ja neutral!' Und was die Handhabung der Neutralität' angeht — hat Deutschland nicht die Belgiens verletzt, die es mit hei- ligem Eid beschworen hatte?
Die Sache verhält sich kürz und gut so: Der Kaiser
wollte den späteren Geschlechtern als ein zweiter Napoleon in der Erinnerung bleiben und außerdem suchte Deutschland nach erstem Land, wo es ferne' überschüssige Bevölkerung ansiedeln konnte. Dazu eignete sich. Südafrika wie ein fettes Lamm für den Metzger. Deutsche Handlanger stifteten mit ihrer aufrührerischer: Sprache in Südafrika schon gar viel Unheil. Aber die deutsche Schildkröte hatte diesmal ihren Kopf zu weit aus ihrem Rückcnpauzer gesteckt und geriet in die Gefahr>. zertreten zu werdet: . . .
Die englische Regierung gab uns zu erkennen,- daß in - D e u t s ch s u d w e st'a f r i-k a verschiedene Stellungen von hohem strätegischeist -Wert seien, deren Besetzung durch die Un io n - Re g icru n g von- großer Bedeutung für das britische Reich wäre. Was blieb uns anderes- zu tun übrig? ..Wenn schließlich die Entschei
dung fällt, derzufolge, .Deutschsüdwestafrika britisch wird, dann werden wir natürlich unsere. Stimme dafür. erheben, daß ein Teil davon der Union zugewiesen werde."
Bisher hatte Botha, so. bcnwrkt die „Deutsche Wochenbett für die Niederst und. Belgien" dckzu, gegenüber seinen Landsleuten, unter Anrufung Gottes als Zeugen, stets erklärt,- die Union würde zum Angriffe gegen die . Deutschen in Südchest erst dann übergehen, wenn diese in das. Gebiet der Union- ein sie len. In dieser seiner Rede hat er nun aber unumwunden eingestanden, daß die- britische. Regierung, aus strategischen- Gründen, -einen Einfall' in Südafrika. durch die Truppen der Union wünsche, wofür dieser bei-der Verteilung der Bärenhaut ein Fetzen, zugeworfen werden würde... .Nun-wird auch deutlich,.- warum de Wet, Beyers, Maritz und andere ehrliche Buren-von einem Angriff auf Deutschsüdwestafrika nichts wissen wollt«:. Ihnen, als ehrlichen. Leuten, kam - ein- solcher Kuhhandel schimpflich vor; sie wäre:: zu stolz, den Briten Handlangerdienste zu leisten. Votha dagegen ist für- solche, britischen Vorschläge empfänglich und auch Gewissensbisse wird er. darüber nie. empfinden. Das Serum.der englischen Diplomatie hat ihn immun gemacht.
Eine Warnung Bothas vor S Zähren.
Der evangelische Pfarrer 'Schowalter, bekanntlich einer der eifrigsten Bürenfreunde, fühlt sich in einem - Artikel der „Christlichen Welt" verpflichtet, öffentlich bekannt zu geben, was er vor einem Jahre einmal in dem engeren Krerse erneS Pfarrervereins, der für deutsch-englische Verständigung gewonnen werden sollte, berichtet hat; Botha, der gerade aus den Verhandlungen der kolonialen Premierminister kam, habe ihm schon vor fünf Jahren vertraulich mitgeteilt, Schowalter möge die deutschen Staatsmänner warnen: Eng
lands ganze Politik sei'auf die Vernichtung Deutschlands gerichtet, und keinerlei Freundlichkeit Deutschlands erspare ihm den Entschei dungskam pf mit England. Vor zwei Jahren habe Botha in London mit Kennern des internatwnalen Rechtes über die Frage beraten, ob die südafrikanische Union im Falle des Krieges zwischen' Deutschland und England neutral bleiben könne oder gezwungen sei, Seite an Seite mit England handelnd aufzutreten. - Das beweise, daß Botha nicht leichten Herzens in den Kampf zog — aber auch, daß England den Krieg von langer Hand vorbereitet hat.
Dies klingt nun freilich für Botha günstiger als seine obige „Entlarvung". Man wird also gut tun abzuwarten, wie er sich später stellen wird, wenn die Buren das englische Joch abgeschüitelt haben. Zurzeit muß er wohl in das englische. Horn tuten, wenn er es auch in milderer Form hätte tun können, als er es in Banks tat. Seiner Beruhigung des Mutterlandes ist es jedenfalls zu verdanken, daß England Truppen aus der Union zurückzog und so die Erhebung der Buren erst ermöglichte.
Ein französischer Feuge für Englands Machtgier.
In dem Leitartikel „Weltkrieg und Weltherrschaft" des uns vorliegenden August-Oktober-Heftes der „Kolonialen N u n d s ch a u" wird mit dem Hinweis darauf, daß der Deutschland aufgezwungene Krieg für England den Endzweck
der absolute:! Weltherrschaft habe, als klassisches..Zeugnisa. der Ausspruch des Prof. Artur Girault der Universität Poitiers in seinem 1904 erschienenen Werk „Principes de Colonisation" zitiert, worin er das Verhältnis Englands zu Frankreich historisch beleuchtet. „In der- Zeit von 1688 bis 1818", fagt Girault, „sind die Kriegsjahre zwischen den beiden. Ländern beinahe ebenso zahlreich gewesen wie die Frredens- jahre. Letztere waren in Wirklichkeit nur Ruhepunkte und häufig wurden die Feindseligkeiten, die in Europa unterbrochen waren, in den Kolonien auch während der Friedens- zeiien fortgesetzt. Alle diese Kriege sind für England „G e- s ch ä ft s k r i e g e" gewestm deren Zweck war, die See- und Kolonialmacht Frankreichs zu zerstören. England stachelte alle Bündnisse an, die in Europa gegeu- uns geschlossen wurden, -und während unsere Truppen auf dem Festland beschäftigt waren, vernichtete es unsere Marine u:ü> bemächtigte sich unserer Kolonien." Der Artikel klingt darin aus, daß wir reine Hegemonie Deutschlcn:ds anstreben, wohl aber die Sicherstellung unserer wichtigen weltwirtschaftlichen Beziehungen, die für-das'neutrale Ausland ebenso notwendig sind wie für uns selbst.
warum Enaland Krieg führt.
Ein französisches Geständnis.
Die Frage, warum England diesen' Krieg führt, ist schon häufig erörtert worden. Niemand aber' hat - die englischen Motive mit so erschütternder Offenherzigkeit gekennzeichnet, wie cs ganz-naiv-der Londoner Berichterstatter-des „P et i t - Pari sie::" tut. Er schreibt in einem Londoner Briefe an sein Blatt: „England ist voller Vertrauen in den Ausgang
des Krieges. Es hat weder sein-Phlegma noch seinen Humor verloren. Es lacht'üb er Deutschland, dessen Vernichtung es erwartet. Und wie gefährlich auch die Aufgabe sei, unsere Nachbarn-bewahren ihr Lächeln. Weiß man, warum? Zunächst, weil' fic für das Recht und für die Zivilisation kämpfen — und darauf sind sie stolz. Und sodann, weil der gegenwärtige Krieg mit Deutschland und Österreich' ihnen -trotz allem Risiko als ein a u s g e z e i ch :: e t e s G e. sich ä f t erscheint — eines der b e st e n, die England jemals-unternommen hat. -Und ich- will das auch erklären. Deutschland wurde für das vereinigte Königreich ein mit-jedem Tage un- angenehmer Konkurrent. Seine Industrie und sein Handel schlugen- der englischen Industrie-und dem englischen Handel schwere Wunden auf den Märkten Italiens, Belgiens, Hollands, in ganz Skandinavien, in der Schweiz, in Rußland, in -Österreich, in Brasilien, in Argentinien und bedrohte die Stellung Englands in den anderen Ländern sehr stark." -Nun weiß man also, wann England für das Recht und für die Zivilisation kämpft, nämlich, - wenn es glaubt, dabei-ein g u t e s Geschäft zu machen. Wenn das Geschäft sich nun aber als Traum herausstellt, wo bleiben dann Recht und Zivilisation? Und den Berichterstatter des „Petit Parisien" könnte man noch weiter fragen, welches Interesse denn Frankreich an — Englands guten Geschäften hat.
Die Bedeutung der Beschießung von Harmouth.
Die Beschießung des englischen Hafens. Uarmouth am 4. November liegt der „T: n: c s" noch immer - schwer im Magen. In ihrer Nr. 40 703 (vom 21. November) wehrt sie sich ärgerlich'gegen die vielen Zuschriften, die den A:r» griff der deutschen Kreuzer auf die englische Küste als c:nen Vorgang ohne gleichen seit Jahrhunderten bezerch- nen. Sie führt dagegen'die folgende lendenlahme Verteidigung: Viele'Zuschriften haben von dem Husarenstück-,
chen gegen Darmouth gesprochen, als wenn es ein Ereignis ohne gleichen in unserer Geschichte wäre, trotz all den Vorkommnissen die vielen. Jahrhunderte hindurch. „Der Donner von feindlrchem Geschütz", sagt eine Zuschrift, „ist ein Klang, den man an unseren Küsten seit den Tagen nicht mehr gehört hat, wo die Holländer im Jahre 1667 in den Medway (die südliche Themsemündung) einsegelten, um themseaufwärts bis Upnor Castle.hinauszufahren." .Das ist ein vollständiges Mißverständnis, da es bis. zu dem. eigentlichen Aufhören des Krieges/der 1815. zu einem gewissen Abschluß kam, für private Kaperschiffe gar nichts. Ungewöhnliches - war,, unsere: Südküste entlang auf unsere Handelsschiffe Jagd zu machen, was die Zuschauer ans der Küste mitansehen und mitanhöreu konnten. Und zwar , geschah das zu einer Zeit, wo unsere Vorherrschaft zur See noch unangetastet- war. Der Unterschied zwischen den geschilderten Vorfällen und dem, was neu- lich bei Farmouth. vorgekommen ist, ist der, daß der Feind iiv der früheren. Zeit die Beschießung, unbefesttigter Städte nicht als eine Großtat betrachtet, und daß kein Gegner daran gedacht hat, einen Schuß gegen die Küste abzugeben, wenn er nicht zugleich eine Landung.::: England hätte decken wollen.
Ein französisch-liberianischer Zwischenfall.
1^. T.-B. Paris, 27. Nov. (Nichtamtlich) Der i „Eclair" meldet, daß bewaffnete Bauden in Liberia in Frauzösisch- Guinea einfielen, die Einwohner verfolgten und. die Dörfer plünderten. Die Regierung von Liberia erwiderte auf eine diesbezügliche Protestnote der franzöfifcheu Regierung, daß sie für die Vorkommnisse nicht verantwortlich sei, da der Einfall von wilden Stämmen ausgeführt worden sei, über welche die Regierung keine Gewalt habe. Der französische Gouverneur sandte sofort 200 Schützen.:« das Kampfgebiet, um die Bauden zu vertreiben, und beschwichtigte die Regierung-von Liberia, daß die französische Regierung. entschlossen sei,, die Eindringlinge in dem Territorium van Liberia zu verfolgen, falls sich der Einfall wiederholt. . .
vom Krieasklat^.
In feinen mächtigen Briefen aus Kriegszeiten schreibt Pfarrer Gottlieb Traub die folgende sehr nötige Epfftel: Lieber Freund! - Heute bin ich einmal wirklich empört. Ich habe da wieder Klatschgeschichten gehört, die von ganz ernsthaften Menschen verbreitet werden, und an denen kein wahres Wort :st. Das :st wirklich .zum Verzweifeln! Ich muß sagen, das ist eigentlich das einzig Beschämende, was ich jetzt innerhalb der Kriegszeit erleben muß: daß sich so viele Männer an dem Herumtragen unkontrollierbarer Gerüchte beteiligen. Wir wessen sa beide, wie solche Dinge zu erklären sind, und wie wenig widerstandsfähig der einzelne in dieser erregten Zeit gegen alles ist, was von außen an ihn heran- tritt." Man horcht heute mit zehn Ohren, mm: lebt so sehr m:t den anderen, daß man alles teilen und nichts zurückweisen möchte; aber es ist unrecht. 'Wir müßten mit aller Entschied denheit einen Bund von Menschen schließen, nicht im Sinne eines neuen Vereins mit unendlicher Statutenberatung, desto mehr voll starken Willens, daß w:r uns verpflichten, möglichst wenig über Dinge zu reden, in die man doch kein e.n E i n b l i ck h a t. Es herrscht jetzt bei Berufenen und Unberufenen eine Jagd nach Fremdwörtern in
«rnrurag, w77. November 1814. Nr. 827.
der deutschen Sprache. Viel davon ist berechtigt, manches ist verkehrt und zeigt wenig Kenntnis .von der Geschichte deutscher Sprache und den Bedürfnissen eines Kulturvolkes. Wichtiger-erscheint mir ein . geschlossener Kampf gegen diese Klatschsucht. Sie- ist fremdes Unkraut auf unserem Feld. Mit allen Mitteln sollen wir sie bekämpfen. Sie ist unserer unwürdig. Manche Menschen hat man durch solche Gerüchte bis ins innerste'Herz getroffen. Unter dem Deckmantel des Patriotismus kann man auch giftige Pfeile abschießcn. Reden wir, um zu begeistern! Sprechen wir,, um das Lrcht deutscher Begeisterung rein zu blasen! Aber seien wir rücksichtslos gegenüber dem vielen Getratsch, das jetzt mit .Wohlgefälligkeit hin- und hergstragen wird! Auch Nervosität ist hier kein Entschuldigungsgrund. Ich weiß, wie einig Sie mit mir sind, und wie lebhaft auch gerade einer Ihrer Söhne, der bei den. Kriegsfreiwilligen dient, gelitten hat unter rasch weitergegcbenen und wenig begründeten Urteilen. Aber es werden noch ganz andere Dinge geglaubt, die. einfach unglaublich sind. Gegen .eine solche Ma sse n ei nb ild un g seinen Mann zu stellen, das heißt jetzt auch Kriegsdienst tun. Es grüßt Sie Ihr Traub.
Noch einmal ein Wort an die Christen im Nusland.
W. T.-B. Berlin. 27. Rov. - Fm August veröffentlichten Vertreter der deu:sch--evMrgelischei: Mission in Gemeinschaft mit führenden Persönlichkeiten, d:e sich um die Knüpfung tul» turellee Bande und freundlicher Beziebüngen-zwischen Deutich- land und anderen christlichen Völkern bemüht haben, eine vielbeachtete Kundgebung „An die evangelischen Christen in: Auslände". Auf dieselbe haben u. a.-4z' angesehene en gliiche Theologen, an der Spetze der Erzbischof von Canteebury, eine öffentliche, auch.im neutralen Auslande weit verbreitete Antwort Unter-dem 23. September abgegeben, die leider bestätigt, daß die überwiegende Mehrzahl der englischen Christen der Politik, ihrer leitenden Staatsmänner, .fetzt v o-r - beha.lt.los zu stimmt. - In-dieser Antwort werden-die wichtigsten Punkte der deutschen Kundgebung übergangen, und cs wird die Stellungnahme der deutschen Christen mit der Annahme erklärt, daß ihnen die Tatsachen, die dem Kriege voran- gingcn. nicht genügend bekannt.gewesen seien. Daran an- knüpfcud haben englische Blätter sogar die Erwartung ausgesprochen, jene deutschen Ehristen würden nunmehr - entweder ausdrücklich. oder durch .Schweige:: ihr Bedauern auSdmcken, die eigene Regierung in 'einem frevelhaften Krieg durch :hre Zustimmung bestärkt zu haben. So haben sich jene Persönlichkeiten gezwungen gesehen, unter dem 20. d. M. „noch einmal ein WoA an die Christen im Auslande" zu . richten.
Auf Grund des. englischen Blaubpchs. auf das sich die 42 beriefen, und des Berichts des belgischen Geschäftsträgers in Petersburg wird zunächst nachgewiesen, wie irrig die Be- hauptung der 42 ist. Latz die englische „Regierung sich bis zum äußer st en bemühte, den Frieden Europas aufrecht zu e rha l t en . und daß sie nicht die Mitwirkung der deutschen Regierung bei ihren BemüLungen erhielt". Gegenüber der zcheiten Behauptung. datz durch den Elnmarsch Deutschlands in Belgien sich „direkt, die eigentliche Beteiligung Englands am Kriege ergeben" habe, da es „ein Akt niedrigster Perfidie". gewesen sein würde, wenn England nicht für die „absolut bindende Trouverpflichtung für gegebenes Wort und die Pflicht der Verteidigung schwächerer Nationen" . eingeneten wäre, wird dies alles als Vorwand aufgezeigt und als die wahre Ursache des Krieges die Tatsache herausgestellt, „daß die englische. Regierung seit Jahren, wahrend sie vor ihrem Parlament und der Welt ihre politische.und' militärische ' Ungebundenheit behauptete, tatsächlich, um einen ihr unbeauemen Konkurrenten unschädlich, zu machen, die Politik zweier Großmächte Unterstützte, die ihre letzten Ziele nicht ohne einen europäischen Krieg erreichen konnten, und mit . ihnen in intimen KriegSvorbersitungen stand". Der auf die Schriften von BernhaM und Treitsckke gestützte Vorwurf, das.-: deutsch? Volk neige „zu Gcivalttat und Unrecht", wird energisch abgewiesen. Tatsächlich herrschte im deutschen Volk, weit mehr als im englischen, ein bewußtes Bedürfnis'nach Fried en ; die allgemeine Wehrpflicht eines freien Volkes ist der sicherte Schutz gegen lei-chtferngeu Krieg. Gegen die' Anschuldigung der englische:: Presse., die deutschen Truppen . seien >.Sunnen. und Barbaren", wird das Urteil ausländischer A:menzeugen herangezogen und den Christen in den kämpf.em den Ländern die Pflicht zugeschoben, dafür einzntreten. daß die .Kriegführung nicht weiter durch Lüge Ünd BerleumLung' vergiftet werde. Die ausführliche, sehr ruhige, aber doch deutliche Erklärung schließt mit der. Hoffnung. - „daß ein Tag kommen werde an dem die englischen Christen sich ernstlich dafür einsetzen werden, daß ihre Regierung, f ü rd.e r n i ch.t die Wege geht., die zu diesem Kriege führen mußten", und mit. dem Wünsche, „daß einer geläuterten. Christenheit. der Tag geschenkt werde, an dem sie wieder in: Frieden leben und die Schäden-überwinden darf, die-der uns allen von. Gott aüf- getraaenen Aufgabe an der nichtchristlichen Menschheit fetzt zu- gefügt sind".
Auch diese zweite Erklärung wird von der Deutsch- .Evangelischen M i s s i ons h'i» f e , ' Berlin-Stegfltz, Humboldtstraße 14. 1. jedermann auf Wunsch in beliebiger Zähl, für das Ausland auch in fremder Sprache, frei zugesteLr.
Deutsches Reich.
W. T.-B. Der Reichskanzler in Berlin. Berlin, 28.Nos.
(Amtlich) Der Reichskanzler ist heule morgen hier eingetroffen.
II. p. C. Vom Johanniterorden Für das Etappengebiet sind 422 Brüder vom Orden gestellt. worden. Der Lazarettzug der Dalley hat seine erste Fahrt am 27. Oktober angetreten, und zwar nach dem Osten. Zwei Wagen konnten ihm, bollge- packt mit Liebesgaben aller Art, angehängt werden. Er ist inzwischen^m-it Verwundeten zurück und steht zur zweiten Ausfahrt bereit. ^ Der Lazarettzug der Brandenburgischen .Genossenschaft wird dieser Tage fertiggestellt sein und nach dem Westen gehen, über 700 Johanniterschwestern sind zur Auf- lurhme, des Dienstes, ernberufen, 185 von ihnen versehen .ihren Dienst in den Feld- u:ü> Etappenlazaretten. In den Mütter- Häusern und in deren Außenstationen arbeiten 472 Johanniter, schwestörn und 100 m Reserve- und Vereinslazaretten,, die zum Teil vom Orden eingerichtet sind.
* Ein Aufruf an die deutschen Frauen. Der Berliner Bund für fteiwilligen Vaterlandsdienst erläßt einen Auf.uf an die „Deutschen Schwestern" — es den pvaven Männern gleich zu tun und bestimmte von ihnen bisher unberührt gebliebene Aufgaben als einen freiwilligen Dienst fürs Vaterland mit Emst und Eifer, aber..auch mit dem. unverrückbaren Gefühl einer übernommenen Pflicht in die yand zu nehmen. Der Bund bittet um Spenden als sichtbaren Weihnachtsgruß für unsere unvergleichlichen Kämpfer zu Lanve und zu Wasser, über die Art der Gabe ob Geld zur Beschaffung des Notwendigen oder Raturalieu, sollen die Geber selbst entscheiden Der Bund für freiwilligen Vaterlanüsdienst, Berru: W. 9. Potsdamer Platz. Bollevuestraße 21/22, Postscheckkvnlo Berlin 20 879, hat sich bereit erklärt, die Gaben unter dem Vermerk „Weib- uachtsgrutz deutscher Frauen an unsere Helden" und auch schrlftliche Zuftimmungsäußerungen entgegenzunehmen.
* Die Not der Berliner Goldschmiede uud die Herstellung des Eisernen Kreuzes. Die. schlechte wirtschaftliche Lage der Goldschmiede kam in einer von etiva 300 Goldschmiedenwisteru Berlins besuchten Versammlung zum Ausdruck. Besonders die kleineren Meister haben sehr zu leiden, aber auch viele größere Betriebe liegen brach. Es kam in der Versammlung zum .Ausdruck, daß man vor allem den bedrängten kleinen Nieistern helfen müsse. Lebhaft beklagt wurde, daß die Her-
