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Nr. 557 .Sonntag, 29. November 1914. Mkrsva-enrr CllJOimi*

ninunk. legt der Sultan großen Wert darauf, ähillich wie es Durch viele Jahrzehnte zwrschen Berlin uns Petersburg der Fall war, durch einen zu akkreditierenden <Aeueraladju-- tanten beim deutschen Kaiser oder in ähnlicher Form die Innigkeit der zwischen den beiden Reichen bestehen­den Beziehungen auch weithin erkennen zu lassen. General­leutnant Zekki -Pascha sM für diesen besonderen Ver. trauensposten in Frage stehen. Gegenwärtig kommandiert der General das 8. Armeekorps in Damaskus. Von deutscher Sette würde vermutlich Jcldmarschall Freiherr v. d. Goltz für die analoge Stellung beim Sultan der Osmanen aus- ersehen. _ Ebenso gedenkt man am ö st erreicht sch-- ungarischen Hofe die gleichen Stellungen ins Leben zu rufen.

Die Rümpfe im Rcrukasus.

M. Christrania, 28. Rov. Der Generalstab der Kau» ilasnsarmee berichtet unter dem 27. November nach Peters» bürg: Unsere Truppen haben am 27. November einen

Zusammenstoß mit einer bedeutenden türkischen Trup­penabteilung westlich von Kuzveran gehabt. Auf dem anderen Teile des Kriegsschauplatzes haben nur unbedeutende Jn- fanteriekämpfe stattgefunden.

Die Entrüstung in Wien über Frankreichs Rechtsbeugung.

W. T.-B. Wien, 28. Nov. (Nichtamtlich.) DieNeue Freie Presse" drückt ihre Entrüstung über die Verurteilung deutscher Militärärzte durch das Pariser Kriegsgericht aus, dic^ sogar in Frankreich Einvörnng hervorgerufen habe, und spricht die Hoffnung aus, daß diese Riederträchtigkeii und schwere Verfehlung an der Gerechtigkeit und dem Völkerrecht bald wieder ausgemerzt werde. Wenn dies nicht geschehe, müßte sich ein Groll in Deutschlaird erheben, dessen Folgen nicht «bzusehen sind.

Das Befinden des Kaisers Franz Joseph.

W- T--B. Wien, 27. Nov. (Nichtamtlich.) (Meldung de» Wiener K. K. . Telegr.-Korr.-Bur.) Gegenüber einer angeb­lich aus Venedig stammenden Meldung von einer Erkrankung des Kaisers Franz Joseph genügt die Feststellung, datz der Kaiser, welcher sich eines ausgezeichneten Befindens erfreut, gestern allgemeine Audienzen erteilte und fortgesetzt mit unermüdlichem Eifer die schwierigen Regierungsgeschäfte er­ledigt. Das Aussehen des Monarchen ist ungewöhnlich gut, seine Arbeitskraft erstaunlich. -

Die Verdienste des österreichischen Generalstabschefs.

Über den österreichischen Generalstabschef, Baron Conrad *>. Hohendorfs, äußert sich der Wiener Schriftsteller Charmatz in derBreslauer Ztg." in sehr anerkennenden Worten. Er schreibt u. a.:Seine eisernen Nerven halten in den schwierigsten Situationen stand; alle staunen über die Ruhe, mit der er das Riesenheer leitet. Er mußte gegen die Hochflut der russischen Millionen einen Damm auf­richten u.nd war wochenlang gezwungen, den Feind in Atem zu halten, ohne etwas anderes als den Zeitgewinn ins Auge fassen zu können. Unerschöpflich in der ErsiNnung über­raschender Züge auf dem großen Schachbrett des Krieges zer­störte er die Hoffnungen des Gegners, vernichtete er dessen Glauben an die ausschlaggebend« Überlegenheit der Zahl."

Der Einbruch in dir Karpathen.

stch, Budapest, 28. Nov. Der Berichterstatter des ..Ar Eit" hatte eine Unterredung mit einem gefangenen russischen Hauptmann. Dieser erklärte, die Russen hätten mit ihrem Einbruch in die Karpathen nur beunruhigend wirken wollen. Sie hätten dort keine weitergehenden Ziele gehabt, über Nviregyhaza und Ungvar wurden gestern über 80 0 0 in den letzten Tagen gefangene Russen und über 100 er­beutete Proviantwagen abgesühct.

Die Einigkeit der Ungarn.

W. T--B. Wir«, 27. Nov. (Nichtamtlich.) Gegenüber den lächerlichen Meldungen von einem angeblichen Zwiespalt innerhalb der ungarlschen Parteien über die Fortsetzung des Krieges, der insbesondere in einer Versammlung zutage ge­treten sein soll, in der die Opposition sobald als möglich Arie- den verlangt hätte, verweist das Wiener K. K. Telegr.-Korr.- Bureau auf den erhebenden Verlauf der am Mitt­woch abgehaltenen ersten Sitzung der K r i e g s t a g u n g des ungarischen Parlaments, in der bekanntlich die beiden Häuser einmütig Huldigungstelcgramme an den Armce- Oberkommandanten gesandt haben. Darnach und nach der heute gemeldeten Antwort des Armee-Oberkommandanten en die Präsidien beider Häuser und nach den anderen Dementis sind derartige tendenziöse Nachrichten überflüssig.

Boden siel, und langsam erfüllte ihn eine dumpfe Ent­schlossenheit. Er ivußtc. daß er durch Zufall Mitwisser eines Planes von ungeheurer Bedenkuirg geworden war; wußte, daß er den Endkops der Bahn getroffen hatte, die Rußland weit von der nächsten Strecke von Uleaborg her, gegen die schwedische Grenze gebaut hatte, sind wieder fiel ihm die Warnung seiner Kameraden ein. Wußte er. was ihm be­vorstand? Monatelange Haft oder jahrelange Verurteilung, ÜiS man sich des unbequemen Mitwissers entledigt hatte. Wer erfuhr denn daheim, wo Leutnant Hvop verschollen war?

Sein Blick fiel über den lichten Spalt; er klomm schwer zum Fenster hinauf und prägte sich ohne bestimmten Willen die Umgegend ein, so weit et sie sehen konnte. Eine Klippe lief dicht bis zum Wärterhaus und warf einen weite» dunklen Schatten. Drüben, begannen die Fichtenwälder erst in kleinen Gruppen, die wie frierende Tiere zusammen standen, dann in breiten Streifen, bis sie die Halden dicht und endlos bedeckten. Leutnant Hoop horchte auf.

Fern durch die Ätacht kamen Schritte, fünf, sechs Mann, die schwer über die Steine kletterten, dann eine befehlende Stimme, barsch und laut, die den andern fragte, und langsam zun: Eingang kan:. Der Verwundete duckte sich und kroch eng an dir Tür. DaS das war wohl der Offizier, den sie ge­holt hatten, der ihn jetzt vernehmen würde, der befehlen würde, daß sie ihn zurnckbrächten. tief nach Rußland hin­ein. irgendwo hin, wo kein Mensch jemals von ihm hören würde. Eine unsinnige Erregung durchfiebevte ihn. Er fühlte sein Herz, das saut bis zum Hals schlug; aber in seinen Augen lag eine Klarheit, eine äußerste Ent­schlossenheit. Krächzend schob sich der Riegel zurück.

Ein paar Stimmen kainen von draußen, die Tür öffnete sich langsam. Da schnellte der Gefangene plötzlich aus wie eine Katze, warf den nächsten nieder und schleuderte einen

Weitere militärische Maßnahmen Italiens.

. Zürich, 28. Rov. Einer italienischen Meldung zu­folge werden die italienischen Rekruten des Jahrgangs 3 915 im Januar einberuseu. Ein Erlaß verfügt die Ein­berufung einer Anzahl höherer Offiziere, die bisher zur Verfügung gestellt wurden. DerAvanti" erhebt entschie­denen Einspruch gegen die unwürdige Art,. mit der russische Zeitungen seit einigen Tagen Italien zu beein­flussen suchen.

Die Deutschen in Amerika.

Aus einer nordamerikanischen Stadt wird demNeckar- Echo" ein Schreiben zur Verfügung gestellt, dem daS Matt folgendes entnimmt:Wir Deutschen hier haben keineswegs nur zugeschaut, lote sich unsere Brüder drüben schlagen. Wir haben uns Zusammengeschart zur Abwehr der schon am ersten Tage einlretenden Hochflut von Lügen und Verleumdungen. Mehr als in irgend einem anderen Lande ist die Presse hier eine Macht, deren Einfluß bei der oberflächlichen Bildung der Amerikaner sehr weit reicht. Wir sahen uns einer analo- franko-russophilen Phalanx gegenüber, deren Wut. Gehässig­keit und Geifer nur noch von ihrer Unwissenheit übertroffen wurde. Kein Deutscher im Reich kann sich einen Begriff da­von machen, wie maßlos alles Deutsche geschmäht und be­schmutzt wurde. Gegen unsBarbaren" waren sogar die K o s a k e n K u l t u r t r ä g e r. deren Erfolge bejubelt wur­den im freien Land Amerika i Getragen von der Begeiste­rung für unsere gerechte Sache griff man zur Selbsthilf e. Alles, was eine englische Feder führen konnte, wurde mobil gernacht. Zu Tausenden flogen den Redaktionen die Briefe aus den Tisch. Hunderte wurden auch abgedruckt, eindrucks­volle Massenversammlungen wurden abgehalicn kürz, es wurde den Amerikanern gezeigt, daß wir 14 Millionen im Lande auch noch da sind urrd daß wir uns nicht alle blöden Schimpfereien gefallen lassen. Aufsätze- angesehener Ameri- kaner wurden als Flugblätter verteilt, eine Wockenschrist F a t h e r I a n d" devoted to Fair-Play, wurde ins Leben gerufen (heute schon 9V voll Auflage!) und die ganze Vev- teidigimgSarbeit organisiert. Die beiden unabhängigen deutschen Blätter.New Korker StaatSzeitung" undNew Korker Herald", haben der deutschen Sache durch ihr mannhaftes Auftreten unschätzbare Dienste geleistet. DaS Deutschtum hier, Jahrzehnte hindurch zersplittert durch Vereinsmeierei, hat sich in der Streiche der Rot wieder einig gezeigt und es ist zu hoffen, daß es dadurch die Achtung, die es selbstverschuldet eingebüßt hatte, wieder er­langen wird! Die Verstimmung im Volke gegen Eng­land ist jetzt im Wachsen; denn auch der Dümmste sieht die Übergriffe dieser gerissenen Krämerseelen gegen den neutralen Handel, durch den Amerika schwer geschädigt wird."

Brasilianische Selbsterkenntnis.

Das brasilianische BlattO Municipio" in San Francisco schreibt:Wir sind im allgemeinen deutschfeindlich und be­gnügen uns nicht damit, diese kostenlose Antipathie zu hegen - »ein, wir haben die häßliche Angewohnheit, sie auf der Straße und in öffentlichen Lokalen in scharfer und unge­ziemender Sprache kundzugcben. Das paßt wenig zu der glänzenden Reklame, die wir vor aller Welt für unsere Zivili­sation machen. Daß man jetzt Deutschland, den Kaiser und seine Untertanen her ab seht, ist weder gerecht noch lobens­wert. Denn mit den: Fortschritt, den wir anfwerseu, ist die Arbeit der Deutschbrasilianer verbunden, die ket:« Mühe für das Wohl Brasiliens gescheut haben. Wir schreien diel und wissen nicht dankbar zu sein." --- Leider ist diese gerechte und anständige Denkungsweise durchaus nicht in allen Schrift, leitungen der südamerikanischen Zeitungen vorhanden.

Japanische Anmaßung!

DerMünchener Medizinischen Wochenschrift" tvird fol­gendes mitgeteilt: Im Jahre 1009 wurde der japanische Arzt Kitasato in Bergen (2. Internationale Leprakonferenz) vom König Haakon empfangen. AlS dieser ihm sagte:Sie waren ja der Mitarbeiter von Koch und Behring", ant­wortete Kitasato würdevoll;Sw. Majestät entschuldigen, Koch und Behring tvaren meine Mitarbeiter."

Eine erfolgreiche deutsche Rriegslist.

London, 27. Nov. Über die Kämpfe bei Bixschoote (zwischen Kpern und Dixmuiden) meldet eilt Telegramm des Standard": Am 2t. und 22. November erschien eine große Menge deutscher Flugzeuge über unseren Stellungen, du jedoch keine Bomben abwarfen. Sie flogen so hoch, daß ein Beschießen unsererseits sich als unmöglich herausstellte. Die Tauben" hatten wahrscheinlich nur den Auftrag, unsere Stellungen nach Möglichkeit auszukundschaften, um den Sturmangriff vorzubercitem Obgleich wir auf diese Weise gewarnt waren, gelang den Deutschen eine sehr merkwürdige

andern, der sich ihm entgegenwarf, mit ungeheuren Kräften gegen die Klippen. Ein paar verzweifelte Satze, zwei, drei Schüsse, die krachend ins Gestein fuhren, dann hatte er den Schatten erreicht, stolperte und klomm zum Bach hinab, und glitt wie ein Marder durch die Felsspalte aufwärts. Mit­unter horte er ein wildes Geschrei, hörte er die Schüsse, die irgendtvo fern aufschlugen. Dann erreichte er atemlos die Kiefern. Einen Augenblick wartete er erschöpft. Er war frei. Dann begann er langsam und vorsichtig bergauf zu Kimmen.

Der Nebel wallte unter den Wipfeln wie grauer, kalter Rauch, der alles erfüllte. Der Mond war hinter die Berge gesunken, ein paar letzte Sterne standen im dämmernden kalten Blau. Vom Bach kam ein dumpfes, verschlafenes Nieseln; dann kam ihm der Morgenwind frei von den schwe­dischen Höhen entgegen, rauschte leise in den Büschen und zerriß die wallenden Nebel zu dünKeu Schächten und hohen tanzenden Türmen.

Nus Kunst und Leben.

* Weingartner gegen Saint-Saens. Die Wiener Zeit­schriftDer Merker" veröffentlicht einen bemerkenswertest Briefwechsel Felix von Wemgartnerö mit Saint-Saöns, welchen hinwiederum dieDeutsche Musiker-Zeitung" zuut Abdruck bringt. Weingartner schreibt am 17. Oktober an den französischen Komponisten:Meister! Ich schreibe Ihnen

nicht als Feind. Trotz dieses iraurigen Krieges hege ich kei­nen Haß gegen die Franzosen und noch weniger gegen ihre Musik. Ich laS- in einer Übersetzung , Ihren Artikel im Echo de Paris". Ich las ihn ruhig und mit der Hochachtung, die ich dem großen Künstler schulde. Aber am Schluß halte ich den einzigen Wunsch, daß diese Übersetzung falsch, grund­falsch sein möge, und daß ein schlechter Schriftsteller Ihren berühmten Namen mißbraucht hat. Sie protestieren gegen Wagner-Aufführungen in Frankreich. Das ist Ihre Sache,

Morgen-AirSgabe. Erstes Blatt. _ Seite 3.

Kriegslist. Im Morgengrauen de? nächsten Tages sahen die englischen Regimenter in: Schützengraben hinten Bixschoote eine enorm große Anzahl feldgrauer Krie­ger auf sich zustürmen, von denen trotz des großen Gewehr-. feuers fast gar keiner fiel. Als die Deutschen ganz nahe an unseren Graben hcrangekomnien waren, entdeckten wir die Kriegslist. Die Denifchen halten an ihre Gewehre Ouerstangen gebunden, über welche sie ihre Mäntel gehängt hatten, auf der Bajoncttspitze war der Helm ge­steckt. An: frühen Morgen eriveckten diese Figuren absolut den Eindruck feindlicher Gardcmänner. unsere Kugeln schlugen natürlich viel zu hoch ein und durchlöcherten nur den Mantel. Erst im letzten Augenblick warfen die Deutschen die Verkleidung von sich und es entspann sich ein Handge­menge. Um unnützes Blutvergießen (?) zu vermeiden, tra­ten unsere Regimenter den Rückzug nach der zweiten Ver­teidigungslinie am so daß sich die Truppen nur auf 4M Meter entfernt gegenüberstehcn.

Kabelzerstörung zwischen Deutschland und Norwegen.

kl. Ehrijtiania, 28. Rov. Das letzte direkte norwegisch- deutsche Kabel nach Hamburg ist unterbrochen. Der Teie- graphenverkehr ivirb jedoch unbehindert nur mit einem Zeit­verlust von wenigen Minuten über Schweden und Friedericiana in Dänemark geleitet, von wo aus unter Umgehung von Hamburg als Umlegestation eine direkte Linie nach Berlin geht. Höchstwahrscheinlich hat der Sturm der letzten Nacht aus der Ostsee das Kabel zerstört.

Zranzösische verwundete an ihren Rriegsminifter

Ganz besonderer Beachtung wert dürfte ein Schreiben sein, das von den 17 8 mit Namen und Regimentsnummer Unterzeichneten französischen Verwundeter: des Kriegslazaretts zu Münster 1. W. an den französischen Kriegsminister gerichtet worden ist. Der Brief lautet: Münster i. W.. den 26 Oktover 1914. An den Herrn Kriegs- Minister zu Paris. Herr Minister! Wir, die Unterzeich- netel:, französische Verwundete und Kriegsgefangene. die wir im Rescrvelazarett Bergkasernen zu Münster in Westfalen liegen, sind sehr peinlich durch einen von de«: Dr. Birrenbach gezeichneten, in der deutschen ZeitungMünsterischer An­zeiger" veröffentlichten Bericht überrascht worden. Dieser Militärarzt, der soeben nach Münster zurückgekehrt ist, nach­dem er in Roish le Sec. Melur und Lyon als Kriegsge­fangener zurückgehalten worden war, erklärt» gesehen zu Haben» wie die deutschen Kriegsgefangenen durch die Unseren ge mißhandelt werden, und er versichert glaub­würdig. datz auch er selbli in Lyon Gegenstand der ge­meinsten Schmähungen geworden ist. Diese Tat­sachen haben tiefe Erregungen bei dem ärztlichen Personal hervorgerufen, das mit einer Aufopferung und einem Eifer in verschwenderischer Weise für uns sorgt, der des höchsten Lobes würdig ist. Auch die Bevölkerung hat sich bis zum gegenwärtigen Augenblick äußerst sympathisch uns gegenüber gezeigt. Wir wollen hoffen, Herr Minister, datz die Vorkommnisse nur vereinzelt vorgekommen sind und wir sind überzeugt, daß es Ihnen leicht fallen wird, dafür zu sorgen, daß die verwundeten und gefangenen Deutschen mit Menschlichkeit behandelt werden. Wenn eS sich nicht so verhielte, würden wir nicht so sehr darum gebeten haben, jenen daS Wohlwollen der Vergünstigung der vorzüg­lichen Behandlung zu gewähren, deren w i r uns hier erfreue». In der Hoffnung, daß Sie sich unserer Bitte in günstigem Sinne annehmen werden, empfangen Sie. Herr Minister, mit unserem Dank im voraus der Versicherung unserer größten Achtung." Vielleicht gibt Herr Mille- rand.dreseS Schreiben an die französische Presse weiter, die sich noch immer in einem Delirium des Hasses gegen Deutschland bewegt. Der Brief ist auch ein eindrucks­volles Dokument anläßlich > der verbrecherischenVerurtei­lung" deutscher Ärzte in Paris.

Böswillige Verdrehungen.

IV. T.-B. Brüssel, 28. Nov. (Nichtamtlich.) Ameri­kanische und englische Blätter bringen Berichte über eine an­gebliche Unterredung mit dem Gouverneur von Antwerpen, nach welchen dieser die amerikanische Hilfs­aktion zue Ernährung Belgiens als überflüssig bezeichnet haben soll. Demgegenüber wird ststgestellt, daß eine der­artige Unterredung mit dem Gouverneur überhaupt nicht stattgefunden hat. Den Berichten scheint eine offenbar mißverstandene Äußerung des Adjutanten des Gouverneurs zugrunde zu liegen. Der Achutant^hat auf Anfrage eines amerikanischen Journalisten tu durchaus zu­treffender Weise ausgeführt, daß, tvas die Versorgung Deutschlands selbst betreffe, diese ganz unabhäng:g von jeglicher auswärtiger Hilfe durchaus sichergestellt sei. Er habe aber zugleich keinen Zweifel darüber gelassen.

die mich nichts angcht. Sie sagen, daß d:e Musik emes Volkes seinem Charakter entspreche. Das ist b:s zu einem gewissen Grade wahr. Sie ziehen aber daraus die unge­heuerliche Folgerung, daß man in Wagners Musik die Greueltatei: gegen Frauen und Kinder und die Beschießungen von Kathedralen höre. Meister! Ich hoffe von ganzem Her­zen, daß diese Übersetzung ein schlechter Witz ist. Und daß Sie nichts zu tun haben mit jetten unglaublichen Worten. Ich versichere Sie, daß diese Hcssnuug der einzige Grund ist, daß ich Ihnen und mir selbst die Ehre gab, Ihnen zu schreiben und Ihnen Gelegenheit gebe, sich zu rechtfertigen. Sollten Sie wirklich der Verfasser dieses Artikels sein, so bliebe füv die musikalische Welt nichts als das Bedauern, daß ein Genie, dessen Aufgabe es wäre, mit edler Gesinnung voran- zugehen, den Verstand verloren hat. Gestatten Sie. Meister, den Ausdruck meiner vollkommenen Hochachtung." Die Ant­wort Camille Saint-Sahns lautete:Ich hatte Ihnen ant­worten können, wenn Sie nicht das Manifest unterzeichnet hätten, das alle Welt kennt." Dieser Schriftwechsel spricht für sich, es wäre nur zu sagen, daß Saint-SaSns sich zu schämen scheint, denn seine teere Ausflucht kommt dem stillen Eingeständnis gleich: die Beschimpfung deutscher Kultur sei nicht recht gewesen. Weingartners temperamentvoller, die Begabung Saint-Saens >vohl absichtlich überschätzender Brief hatte eine sachliche Entgegnung verlangt. Der französische Komponist konnte sie nicht geben, darum gebrauchte er die faule Ausrede, er würde das liebenswürdige Schreiben des» deutschen Künstlers beantwortet haben, hätte Weingartner nicht senes Manifest mitunterfertigt, das die hervor­ragendsten deutschen Gelehrten, Schriftsteller, Musiker und Maler an die Zeitungen aller neutralen Staaten mit der Bitte um Veröffentlichung geschickt hatte». Dieses Abwehr- manifest. das von Haus ans in die verschiedensten Sprachen übersetzt wurde, ist den« auch in der Tat im neutralen Aus­lande überall bekannt geworden.