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Nr. 556.Samstag, 28. November 1914. WirsiradeKe^ Tsgdlatl»

schreibt General Berlhaut im „Petit Journal": Der Angriff unserer Verbündeten schreitet nicht sehr schnell vor­wärts. man darf sich jedoch darüber nicht zu sehr verwun­dern, der Feind leistet überall den hartnäckigsten Widerstand. Man darf sich auch nicht verhehlen, daß die Russen an der Weichsel in Sch ach gehalten sind, und daß ihre Vor­truppen infolge Hi ndenburgs kräftiger Offen­sive zurückgeworfen wurden. Den endgültigen Aus­gang wird aber sicherlich die enorme Überzahl der Russen ent­scheiden.

Der „Figaro" schreibt: Den Deutschen ist es durch kühne Märsche und kluge Offensive gelungen, den Vormarsch der Russen aufzuhalten. _ General v. Hindenburg, sicherlich der bedeutend st e Stratege der deutschen Arme e, kann ;edoch auf der Riesenfront nicht allgegen­wärtig sein, und an den Punkten, wo er nicht ist, werden sich sicherlich bald wieder Mißerfolge der Deutschen einstellen.

„Echo de Paris" bemerkt: Die Erfolge der Deutschen sind dem Umstand zu verdanken, daß die Armee des Generals Rutzky mit solcher Schnelligkeit vordrang, daß sie mit dem Gros etwas aus der Fühlung gekommen war. Man mutz zu­geben, daß die Deutschen sehr geschickte Gegenmanöver aus­führten. Ohne riesige Reserven wäre die russische Regierung vielleicht gezwungen, ihren ganzen Kriegsplan zu ändern. Glücklicherweise gestattet jedoch das enorme Menschen­material dem russischen Generalstab, auch einer kriti­schen Situation ohne Besorgnis die Stirn zu bieten.

Der „Matin" sagt: Es wäre ein Fehler, die Geschick­lichkeit der deutschen Gegenoffensive gegen die Ru s s e n nicht eingestehen zu wollen. Im Verhältnis zu der ungeheuren Masie des russischen Heeres sind jedoch der­artige Teilerfolge so unbedeutend, datz man sich nicht darüber zu beunruhigen braucht oder glauben mutz, das Ende der Dinge könnte durch sie beeinflutzt werden.

Das „Journal" bemerkt über die Lage in Polen und Flandern: Die interessanteste Frage ist es jetzt, zu erraten, was der deutsche Generalstab im Schilde führt. Er hat durch seine Offensive in Polen unstreitig Erfolge errungen; wird er dieselben auch in Flandern wiederholen? Die deut­sche Armee ist ein äutzer st ernsthafter Gegner, der sich den Streitkräften der Verbündeten gewach­sen gezeigt hat. Man darf von nun an beim Studium der Pläne des deutschen Generalstabs keine Möglichkeit vernach­lässigen, um so mehr, als die Deutschen bewiesen haben, datz sie selbst vor den k ü h n st e n Lösungen eines Problems nicht zurückschrecken. Man erwäge, welche Kraft darin liegt, gleich­zeitig eine so ungeheure Offensive auf zwei Fron­ten zu unternehmen. Neue stürmische Angriffe stehen uns bevor, wir werden sie auszuhalten wissen.

Fürst Ernst zu Hohenlohe-Langenburg Gencraldelegiertcr der freiwilligen Krankenpflege im Osten.

W T--B. Stuttgart. 28. Nov. (Nichtamtlich.) Der ..Staatsanzeiger" meldet: Fürst Ernst zu Hohenlohe-

Langenburg, der seit Beginn des Krieges Etappendelegierte! der freiwilligen Krankenpflege bei der 4. Armee (Herzog Albrecht von Württemberg) war. ist nunmehr zum Gene­ra l d e le g i e r t e n der ft eiwilligen Krankenpflege auf dem ö st l i ch e n Kriegsschauplatz ernannt worden. Der Fürst ist jetzt oberster Leiter der freiwilligen Krankenpflege im Osten und ist im "Hauptquartier des Oberbefehlshabers. Er hat sich auf den östlichen Kriegsschauplatz begeben.

xin hervorragender badischer Divisionskommandeur gefallen.

W. T.-B. Karlsruhe, 27. Nov. (Nichtamtlich) Jn^ 64. Lebensjahre ist am 25. November auf dem östlichen Kriegs­chauplatz nach den heutigen Abendblättern der Präsident des badischen Militärvereinsverbandes. Generalleutnant und Divisionskommandeur Exzellenz Ferdinand Waenkcr von Oankenschweil. gefallen. Er hatte für seine hervorragende Tapferkeit in diesem Kriege das Eiserne Kreuz 1. und 2. Klaffe whalten.

Die Säuberung des Elsaß von den Französlingen.

hd. Straßburg, 28. Nov. Eine größere Anzahl ange- ehener einheimischer Bürger des Jndustrieortes ^rotz- Noyeuvre wurden wegen Spionageverdachts und Be- ätigung dentschfeindlicher GesInnnng auf An­legung der Kommandantur in Dredenhofen verhaftet mb in das Militärarresthaus nach Diedenhofen gebracht. Oie Militärbehörden säubern allmählich das Reichsland von >en Anftihrern unter den national-unzuverlässigen Ele­nenten.

Verurteilung einer Zaberner Franzosensrcnndin.

W. T.-B. Straßburg, 27. Nov. In Zabern ist, wie die „Straßburger Post" mttteilt, die 71 Jahre alte Rentnerin Marie Seyer zu 3 Monaten Gefängnis, 100 M. Geldstrafe und Tragung der Kosten' verurteilt worden. Die Angeklagte hatte am 16. August die einrückenden Franzosen mit dem Ruf „Viveut les fran^ais!" begrüßt und eine französische Fahne ausgehängt. Sie gab an, datz sie damit ihr Haus habe schützen wollen. Im übrigen habe sie mit ihrer Sympathie für Frank­reich nie ein Hehl gemacht. Zudem habe sie auch mehrere Verwandte als Offiziere in der französischen Armee.

Fürsorge und Liebesgaben.

W. T.-B. Karlsruhe, 27. Nov. (Nichtamtlich) Der Stadt­rat der Residenz beschloß, für Anschaffung von Liebesgaben, insbesondere Etz- und R a u ch w a r e n, für die im Felde stehenden Truppen aus Weihnachten 5000 M. aus Mitteln der Stadtkasse zu bewilligen.

Die Vergeltungsmaßnahmen gegen England.

W. T.-B. Berlin, 28. Nov. 200 Engländer wurden gestern nachmittag wieder aus Berlin nach Ruhleben verbracht. Aus Groß-Berlin befinden sich jetzt über 700 Engländer in dem Lager.

Der österreichische Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 27. Nov. (Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 27. November, mittags. An der p o l n i s ch e n Front verlief der gestrige Tag verhältnismäßig ruhig. In W e st g a l i z i e n und in den Karpathen hielten die Kämpfe an. Eine Entscheidung ist nirgends gefallen. C z e r n o w i tz ist von unseren Truppen wieder geräumt worden. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes:

v. H ö f e r, Generalmaor.

Bildung eines österreichischen Komitees des Roten Halbmondes.

W. T.-B. Wien, 27. Nov (Nichtamtlich) Das Präsidium des neugebildeten ö st erreicht schen Komitees für den türkischen Roten Halbmond wurde von dem türkischen Botschafter Hilmi-Pascha empfangen. Der Vorsitzende Prinz' Liechtenstein hielt eine Ansprache, in der er die Ziele des Komitees klarlegte. Hilmi-Pascha, welcher selbst Präsident des türkischen Roten Halbmondes ist, erwiderte mit Worten tief­ster Dankbarkeit und wärmster Anerkennung. Der Botschaf­ter schloß mit der Bemerkung, datz die Türkei nicht nur die Hoffnung, sondern die Gelvihheit habe, niit Gottes Hilfe einen endgültigen Sieg über die Feinde gemeinsam mit den Zen- iralmächten zu erringen.

W. T -B. Wien, 27. Nov. (Nichtamtlich.) Bürgermeister Dr. Weißkirchner überreichte heute dem türkischen Botschafter Hussein Hilmi-Pascha eine Spende der Stadt Wien für den türkischen Roten Halbmond im Betrage von 2 0 0 0 0 Kronen, wobei er der wärmsten Sympathie für das osmaniscki-' Reich und der Erwartung siegreicher Kämpfe der ruhmreichen türkischen Armee Ausdruck gab. Der Botschafter dankte in wärmsten Worten für die Spende, feierte die ruhm­reiche österreichisch-ungarischc Armee, gedachte ehrfurchtsvoll des erhabenen Monarchen und sprach die Überzeugung aus,, die Spende werde im ganzen osmcmischen Reiche freudigen Widerhall sinden.

Russische Hilfe für Serbien?

Sr. Rotterdam, 28. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.1 Der „Times"-Korrespondent in Sofia teilt mit, daß 15 russische Regimenter und 70 Wagenladungen Munition in der serbischen Stadt Radujewatz an der Donau eingetroffen seien.

Vas Rabinett pasitsch gestürzt.

Br. Sofia, 28. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Aus Nisch wird gemeldet, datz das Kabinett Pasitsch gestürzt sei und durch ein aus allen Parteien gebildetes Kabinett er­setzt werden soll.

Die Cholera im russischen Heer.

Absonderung der russischen Kriegsgefangenen bei uns.

W. T-B. Berlin, 27. Nov. (Nichtamtlich.) Wie die Kriegszeitung des „B. L.-A." meldet, teilte der Minister des Innern in einem Erlaß den Behörden mit, datz unter den russischen Truppen die Cholera herrsche und daß infolge­dessen eine Absonderung aller russischen Kriegsge­fangenen vorzunehmen ist. Jede Erkrankung und jeder Todesfall an asiatischer Cholera, ferner der den Verdacht dieser Krankheit erweckt, ist sofort der Ovtsbchörbe zu melden. MS choleraverdächtige Erkrankungen sind insbesondere Brech­

em Sergeant, bei Lagarde hat er einen Schutz in den Ober­schenkel bekommen. Das Röntgenbild zeigt eine vollkommene Zerschmetterung de§ Oberschenkels. Das Geschoß hat sich ge­dreht und so bei kleinem Einschuß einen großen Ausschuß mit zerfetzten Weichteilen erzeugt. Dabei lag der Mann mir dieser furchtbaren Verwundung vom 27. August bis 4. September unverbunden am Schlachtfeld, kam erst dann in richtige ärztliche Behandlung und trotzdem geht er heute am Stock ganz gewandt daher und sieht so frisch und blühend aus, daß man staunen mutz. Die Wunde ist längst geheilt, ein Extensionsverband und später ein mächtiger Gipsverband baden die Wiedervereinigung der gleichen Stücke gesichert und die Verkürzung verhindert; mit kaum merklichem Nach- geben des verletzten Fußes geht er, ohne zu hinken, an zwei Stöcken mühelos dahin, und bald wird er auch ohne Krücken gehen. Sieben ihm steht ein Landwehrmann, dem man heute, 8 Wochen nach der Verletzung, nicht mehr ansieht, was er alles durchgemacht hat. Ein Jnfanteriegeschotz hat ihm den linken Oberarm durchbohrt, die Weichteile glatt durchge­schossen, den Knochen zersplittert und ist dann nach Verletzung zweier Rippen in den Brustraum eingedrungen; hier liegt es noch. Bluthusten und Blutergüsse in dern Brustfellrauin zeigten, datz auch die Lunge durchschossen war. Bewegungs­los hing der gelähmte Arm am Körper herab. Auch hier hat die Natur Rippen- und Lungenverletzung so zur Heilung ge­bracht. daß er weder verkürzt noch versteift ist und schon jetzt als beschränkt gebrauchsfähig bezeichnet werden darf.

Wie gewiffenhaft und geschickt unsere Ärzte arbeiten, das ersieht man aus vorliegendem Falle. Ein Verivundeter hat einen Gewehrschuß im Arm, und zwar in der Nähe des Ge­lenkes. Der Arzt macht einen Eingriff, um die Kugel zu ent­fernen, merkt jedoch während der Operation, datz die Kugel >m Gelenk steckt. Um zu ihr zu gelangen, mußte er nun die Gelenkkapsel öffnen, was den Arm dauernd steif machen würde. Da das Geschoß nicht notivendig entfernt werden Wutz, macht der Arzt den Arm ganz einfach wieder zu und erreicht durch geeignete Behandlung, datz sich die Kugel ein­kapselt und so der Arm, der anfangs vollständig gebrauchst unfähig war, jetzt bereits wieder gute Dienste verrichten

kann. Und wie diese Schwerverletzten gehen selbstverständlich

schon nach einigen Wochen unzählige Leichtverletzte mit Schüssen durch Weichteile, durch Knochen, sogar durch Gelenke herum, denen man zwar noch eine gewisse Unbeholfenhett beim Gehen anmerkt, bei denen man aber jetzt schon sicher sagen kann, datz ihnen ein erheblicher gesundheitlicher oder wirtschaftlicher Schaden für die Zukunft nicht erwachsen kann.

Aus all dem geht Herbor, datz unsere Wundbehandlung eifrig bemüht ist, auch für die Zukunft zu sorgen. Wo früher rasch amputiert wurde, wird das verletzte Glied jetzt sorgsam gepflegt, damit es womöglich erhalten bleiben und wenigstens beschränkte Dienste tun kann. Man ist mit allen Mitteln be­strebt, dahin zu wirken, datz unsere Braven, die im Kampfe fürs Vaterland geblutet haben, beiin dereinst erfochtenen Sieg nicht mit bitteren Gedanken abseits stehen müssen. Auch sie können mit allen Kräften teilnehnien an den Errungen­schaften des Sieges und mithelfen, die grotze Blütezeit her­aufzuführen, die nach dem Frieden kommen mutz und kom­men wird.

Krmrert.

Der „Verein der Kümstler und Kunst­freunde" hatte gestern seine Mitglieder und Gäste — der Kasinosaal war bis auf den letzten Platz gefüllt — zu einem „Lieder - Abend" entboten, der dem ausgezeichneten Münchener Kammersänger, Herrn Paul 'Bender, einge­räumt war. Sein Pracht-Batz, im ganzen Umfang muster­haft ausgeglichen, weich und geschmeidig, kraftvoll und glän­zend zugleich, feierte da wieder berechtigte Triumphe. Reben der sorgfältigen Tonbildung — man denke nur an die wun­dervolle Mezzavoce —, neben der klug durchdachten Phrasie- rnng, der vorbildlichen Textbehandlung und all solchen Er­rungenschaften feinkünstlerischer Gesangskultur, ist es die von wählerischem Geschmack und warmherziger, nicht selten wahr­haft poetischer Empfindung getragene Ausdruckskunst, welche die Vorträge des Herrn Bender ungewöhnlich fesselnd macht und auch gewisse Bedenken gegen die so ausgedehnte Betä­tigung eines einzelnen Sängers — den ganzen Abend über — schweigen macht.

Mend-Ausgabe. Erstes Blatt.Seite 3.

dnrchfälle aus unbekannter Ursache cmzusehen. Es ist dringend erforderlich, daß die Behörden bei der Dnrchfiihrurrg aller Vorsichtsmaßnahmen von der Bevölkerung wirksam unterstützt werden.

Aufgebot von acht Massen des russischen Landsturms.

W- T.-B. Mailand, 27. Nov. (Nichtamtlich.) Einer Meldung des „Corriere della Sera" zufolge sind in Rußland acht Klassen Landsturm aufgeboten tvorden.

Berlin, 28. Nov. Zu der erneut auftretenden Mitteilung, daß Rußland acht Klassen des ersten Aufgebots des Land­sturms einberufe, sagt Major Morath im „B. T.": Es mutz angenommen werden, datz in der großen Stärke der jetzt in Polen und Galizien austretenden ruffischen Heere sich bereits ein, Teil der Reichswehr zum Dienst in der Front befindet. Die Kopfstärke von acht Klassen der Reichswehr lasse sich schwer berechnen, weil der Prozentsatz der Abgänge infolge Dienstuntanglichkeit hier nicht bekannt war. Es dürste sich jedoch um fast eine M i l l i o n Mann handeln.

Oer amtliche türkische Bericht.

w. T.-B. Konstantinopel, 27. Nov. Bericht des Haupt- guartiers: Unbedeutende Zusammenstöße

fanden an der kaukasischen Grenze zwischen Erkun­dungskolonnen beider Parteien statt.

Die ersten englischen Gefangenen in Jaffa.

W- T.-B. Konstantinopel, 27. Nov. Die „Agence Otto­mane" meldet aus Jaffa: Ein Offizier, ein Unteroffizier

und 27 englische Soldaten, die einen Teil der bei den Zu­sammenstößen an der ägyptischen Grenze gemachten Ge­fangenen bilden, wurden nach Jaffa gebracht. Ihr Eintreffen erregte grotze Freude unter der Eingeborenenbevölkerung.

Ein Protest der Muselmanen aus Cypern.

W- T.-B. Konstantinopel, 28. Nov. (Nichtamtlich.) Die aus Cypern gebürtigen, aus Smyrna ausgewiesenen Musel­manen richteten an die Blärter in Smyrna einen Protest gegen die ungesetzliche Besetzung ihres Vaterlandes durch England.

Der erste Schritt gegen Batmn.

W. T.-B. Konstantinopel, 27. Nov. (Nichtamtlich) Der militärische Mitarbeiter des „Tanin" mißt den von den türki­schen Truppen in der "Richtung gegen Batum errungenen, in dem gestrigen Bericht des Hauptquartiers bekanntgegebenen Forffchritten ' eine grotze strategische Bedeutung bei. Die Ortschaft M o r g h u l, deren Besetzung gemeldet wurde, liegt in einem engen Tal cm der Straße von Artwin nach Batum an der Mündung des Flusses Morghul in den Tschorok und ist eine ziemlich bedeutende Stadt. Die türkischen Truppen haben mithin gewissermaßen den c r st e ii Schritt gegen Batum gemacht. Die den Türken in die Hände gefallene Beute deutet darauf hin, daß die Russen ihr Heil in einer regellosen Flucht suchten.

Die Türkei und Italien.

W. T.-B. Konstantinopel, 27. Nov. (Nichtamtlich) Dar Blatt „Fkdam" würdigt in vollem Matze die Italien von der Türkei gegebene Versicherung, daß der Suezkanal geöffnet bleiben werde. - Italien brauche in dieser Hinsicht keinen Arg­wohn zu hegen, denn -eine Behinderung der freien Schiffahrt im Kanal würde den Interessen der Türkei zuiwiderlaufen. Die Gliederung der Küste der Türkei biete genügend Garantie dafür, datz es den Interessen der Türkei entspreche, die Öff­nung des Kanals aufrechtzuerhalten. — „Jkdam" wiederholt nochmals, datz Italien keinen Anlaß habe, wegen des Heiligen Krieges irgend welche Befürchtungen zu hegen. Dies gehe klar aus dem Text der den Heiligen Krieg verkündenden Proklamation des Scheich ül Islam hervor. Die Blätter be­tonen, daß infolge der Verbreitung der Nachricht von der Ver­kündigung des Heiligen Krieges, die trotz aller von den Eng­ländern und Franzosen getroffenen Maßnahmen nach Nord­afrika gedrungen sei, die Kolonialreiche Englands und Frank­reichs in ihren Grundfesten erschüttert sind.

Bulgarien und die Grotzmächte.

Ein offener Brief an England.

W- T.-B. Sofia, 27. Nov. (Nichtamtlich.) Der Engländer Peter A m a h o n i veröffentlicht den ersten offenen Brief an England, in dem cs u. a. heißt: Serbien habe den serbisch­bulgarischen Vertrag von: ersten Tage an durch das Ein­rücken serbischer Truppen in Mazedonien verletzt, aus dem

Der Künstler hatte sein Programm nicht ohne deutliche

Beziehungen auf die gegenwärtigen Zeitumstände zuscrmmen- gestellt: um so sicherer mutzte cS interessieren. Nächst den älteren Meistern Joh. BrahmS und Hugo Wolf wurden auch einige hier noch weniger bekannte, jüngere Komponisten zu Ehren gebracht.

Von Brahms übte besonders tiefe Wirkung: das zart­schwärmende „Wie Melodien zieht es"; dann natürlich das „Ständchen", das der Sänger zu einem reizvollen tcmmale- rischen Genrebildchen formte; und ebenso jenes humoristisch angehauchte „Tambourliedchen" mit dem pfiffigen, wie unter Trommelwirbel gesungenen Refrain „Blaugrau blau" . . .

Nicht minder bekundete sich die vielseitige Gestaltungs­kraft des Herrn Bender in den Liedern Hugo Wolfs, deren oft geheimnisreich verborgene, poetische Feinheiten er liebe­voll zu enthüllen wußte. Hier waren es namentlich die Eichendorf-Lieder, deren elegischer oder humoristischer Stim» mungszauber sich im Vortrag getreulich widerspiegelte.

Unter den modernen Koniponisten war dem Münchener Richard Trunk breitester Raum aus dem Programm ver­gönnt. Sichere Ausmalung der jeweiligen Stimmung, wo­bei aber das gesangsmelodische Element nicht außer acht bleibt, ist den Liedern nachznrühmen: sie berührten durch-

gehends sympathisch. Will man wählen, so wird man viel­leicht zu dem Lied „Vor Akkon" oder „In meiner Heimat" greifen — wenn man damit auch den übrigen Unrecht tut. Einige Lieder mit patriotischem Einschlag folgten: „Ritt in den Tod" vom M. Kowalski — gespenstiger Natur, von fast überreizter Phantasie diktiert — und Hermann Zilchers „Vom Feld zu Feld" — dramatisch angelegt, mit äußerst ge­schickter Einflechtung der „Deutschlands-Hymne" — hinter- lietzen wohl am meisten Eindruck. Den Schluß machte dann Löwes altbekannte Ballade „Fridericus Rex", in deren Text der Sänger eine kleine, politisch-aktuelle Veränderung vorgc- nommen hatte, die unmittelbar zündete.

Am Klavier: Herr Professor Franz Manustaedt —: damit war der vollkommene Sieg des Herrn Paul Bender gewährleistet. O- IX