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Geile S. Abend-Ausgabe. Erstes Blatt.

geworden, die größten, Ostafrika und Sü-dwestafrika, befinden sich nach wie vor in unserem sicheren Besitz. Unser Bundesgenosse, Österreich-Ungarn, hat _ einen Teil von Galizien zeitweise den Russen überlassen, ist aber .Herr seines ganzen übrigen Gebietes urtf> des größten Teiles von Serbien, dessen Macht er völlig ge­brochen hat.

Im Westen beherrschen wir Belgien mit Aus- nähme weniger Quadratkilometer sowie ein reiches Grenzgebiet Frankreichs von ungefähr der­selben Größe wie Belgien. Bergsblich bemüht sich seit zwei Monaten die tapfere französische Armee, unterstützt durch die eigenen Kolonialtruppen sowie durch die gesamte Landmacht, über die England samt seinen Kolonien verfügt, uns von dort zu verdrängen. Es sind erbitterte Kämpfe, die dort beiderseits mit großer Tapferkeit geführt werden, die Verluste auf bei­den Seiten schwer. Aber die Deutschen halten nicht nur unerschütterlich allen Angriffen stand, son­dern lähmen auch die Kräfte des Feindes durch uner­müdliche Angriffe, die ihn mit Durchbrechung seiner Linien bedrohen. Daß w i r in diesem blutigen Ringen zuerst erlahmen könnten, ist ausgeschlossen. Unsere Truppen Weichen nicht zurück, und die Verluste, die sie erleiden, können wir langer ersetzen als die Gegner die ihrigen. Deutschland verfügt noch über Millionen kräftiger Männer und über alle Mittel, die erforderlich sind, um aus ihnen kriegstüchtige Trup- Pen zu bilden. Und wie es sie für den Zweck benutzt, wie die Bevölkerung alle Opfer dafür freudig bringt, das bezeugen alle Fremden, die. ins Land kommen mit Bewunderung. In Frankreich ist da­gegen der Heeresersatz bereits erschöpft. Und was England betrifft, so haben sich zwar die nach Frank­reich geschickten Truppen seines stehenden Heeres ebenso 'wie ihre französischen Kampfgenossen als acht­bare Gegner erwiesen. Aber nur aus geworbenen Mannschaften mit siebenjähriger aktiver Dienstzeit und fünfjähriger Reservepflicht gebildet, waren sie von Hause aus nicht zahlreich und werden . infolge der schweren Verluste, die sie erlitten haben, ihre geschul­ten Reserven bereits verbraucht haben. Nun macht 'England, seine Flotte trotz herausfordernder glän­zender Einzelerfolge deutscher Schiffs noch immer z u- rückhaltend, zwar gewaltige Anstrengungen, ein zahlreiches neues Heer zu bilden. Anfänglich war dessen Stärke auf eine Million Köpfe festgesetzt, neuer­dings ist, bei sich steigernder Besorgnis vor einer In­vasion, beschlossen worden, daß sie zwei Millionen erreichen soll. Aber mit dem beibehaltenen Werbe­system hat man trotz aller Mühe die erste Million Re­kruten noch nicht zusammenbringen können. Und wenn dies auch vielleicht gelingt, so fehlen doch in Eng­land nahezu alle Vorbedingungen, um aus einer Million von kriegerisch ungeschulten Söldlingen kriegstüchtige Truppen in absehbarer Zeit zn bilden. Mft Zahlen lassen wir uns nicht blenden!

Daher hat auch die Nachricht vom Vorrücken einer russischen Heeresmacht von mehr als einer Million Streitbaren, auf das wohl unsere westlichen Gegner jetzt große Hoffnungen bauen, im deutschen Volle, ge­schweige denn im deutschen Heere, nicht die geringste Beunruhigung zu erzeugen vermocht. Man weist. daß bewährte deutsche Streitkräfte in treuer Waffenbrüder­schaft mft der Hauptmacht unserer österreichisch-ungari- scheu Verbündeten dem Feinde entschlossen über die Grenze entgegengegangen sind und wartet ver­trauensvoll das Ergebnis der Kämpfe ab, die sich dort i fest einigen Tagen entspannen haben. Die Natton wird sich in diesem Vertrauen nicht täuschen.

! Schließlich ist es doch die einmütige, opfer- freudige in Heer und Flotte wie in unserem ganzen Volke herrschende Hingebung an die Sache des Vaterlandes, die uns den Sieg in dem uns aufgenötigten Kriege verbürgt. Ist es nicht ! in erster Linie auch dieser Geist, an dem die Hoff- nungen unserer Feinde, uns wirtschaftlich knebeln zu können, kläglich scheitern? _

Verluste und Wundbehandlung.

Bon Dr. W. Hagen (München).

Bei jedem unserer glorreichen Siege, bei jedem auch noch so erfteulichen Erfolg klingt stets als ein dunkler Unterton in der Harmonie der Freude der Gedanke an unsere Verluste mit. Und es ist wohl jetzt nach einem geraumen Abschnitt des großen Weltkrieges an der Zeit, sich auch darüber all­mählich klar zu werden, ohne irgend welche Beschönigung, aber auch ohne die gern geübte große Angst und Sorge um das Schicksal unserer VerlvinidLten. Da^ der Weltkrieg mir kolossalen Menschenopfern verbunden sein würde, hat bereits vor Ansbruch desselben jedermann gewußt. Hohe Offiziere haben ganz offen erklärt, daß bei einer großen Feldschlacht gut mit 30- bis 40 000 Toten gerechnet werden müßte. Das hat sich nun Gott sei Dank nicht erfüllt. Aber iminerhin sagen uns die ständig ' fortlaufenden und immer mehr an­schwellenden Verlustlisten, daß der Opfer gar viele sind, und sidatz von unseren Millionenheeren immer ein recht ansehn­licher Prozentsatz kampfunfähig wird, teils für immer, teils .wenigstens für lange Zeit.

Wenn wir von dem Krieg vori 1870 ausgehen, wo die? \ Verluste 18 Prozent der Kämpfenden betrugen, so machen wir die Wahrnehmung, daß dieser Prozentsatz in allen spä­teren Kriegen mächtig gestiegen ist. Durch die stets fort­schreitende Technik haben unsere Mordgeschütze eine Vollen­dung erhalten, wie man sie sich damals noch nicht träumen ließ und wenn wir auch nach alleri vorliegenden Berichten ^ annehmen muffen, daß die Verluste unserer Gegner infolge -unserer artilleristischen Überlegenheit noch ungleich gewal­tiger sind als die unsrigen, so drückt sich doch auch bei unseren s Verlustztffern die fortschreitende Technik recht deutlich ans t und es ist anznnehmen, daß der Prozentsatz an Verwundeten ’beS russisch-japanischen Krieges, wo er 29 Prozent bei den Muffen und fast 41 Prozent bei den Jopanern betrug, min­destens erreicht, wenn nicht überschritten wird. Es wird also in dem gegenwärtigen Kriege nicht nur die absolute, sondern auch die relative Zahl der Toten und Verwundeten eine außerordentlich hohe sein.

Wissbadruer Tagblalt. _

Nein, ihr falschen Friedenspropheten, zerbrecht euch .licht eure Köpfe über die Bedingungen, die uns beim Friedensschluß auferlegt werden sollen. Treu aus- darrend an der Seite seines bisher alleinigen Bundes- genossen, zu dem sich neuerdings, freudig begrüßt, die Türkei gesellt hat, wird das Deutsche, Reich gemern- sam mit ihnen zu geeigneter Zeit bestimmen, unter welchen Bedingungen der Friede ge­währt werden kann.

Frankreich- Hilfesuche im Ausland.

Japans Kaufpreis.

Di-. Genf, 28. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die längst erwarteten Truppen auf Franzöfif ch-J n d o ch i n a find, nach einer Marseiile! Meldung, gestern im dortigen Hafen gelandet worden. Es sind elwa 3000 Mann. Man er­wartet jetzt noch 25 000 Hindus und Australier, deren Transport seit der Vernichtung der „Emden" gesichert ist. Letztere sollten durch ein japanisches Geschwader eskortiert werden, jedoch wollte Australien auf die hierfür von Japan gestellten Bedingungen (Einwanderung japani­scher Arbeiter) nicht eingehen. Dieselbe Meldung besagt, daß man tatsächlich an Japan herangetreten sei. japanr- sche Truppen nach Europa zu entsenden. Japans Forderungen an Landen! schäd.igung im Osten seien aber derartige, daß man vorläufig davon Abstand genommen habe.

Portugal, der Vasall Enalands!

w. T-B. London, 27. Nov. (Nichtamtlich.) Die „Times" melden aus Lissabon: In der ausserordentlichen Sitzung des Kongresses führte der Premierminister ans, er habe stets ver­sucht, in der auswärtigen Politik die Eintracht mit den aus­wärtigen Staaten mit der Würde Portugals zu vereinigen. Aber gegenwärtig fühle jeder, daß der wnbre Pntrio- t i s m u s i n G e f a h r (!) wäre, wenn das Bündnis mit England nicht, wenn nötig, auch mit Blut gekittet würde. Er besprach darauf das Abkommen mit der britischen Regie­rung, nach welchem Portugal neben anderen Diensten anch militärische Hilfe zu leisten hat. Der Antrag des Ministeriums wurde einstimmig angenommen. Danach wird die Regierung ermächtigt, durch militärische Maßregeln in den internationalen Konflikt einzugreifen zu einer Zeit und in einer Weise, wie sie die Negierung für Portugals hohe Interessen und Pflichten als freie Nation und Verbündeter Großbritanniens für notwendig erachten würde.

Der englisch-portugiesische Vertrag im Unterhaus.

W- T.-B. London, 27. Nov. (Nichtamtlich.) Das Unter­haus hat das englisch-portugiesische Vertragsgesetz ange­nommen.

Die unerhörten französischen Uriegsurteile gegen deutick e Militärärzte.

Die deutschen amtlichen Schritte.

W. T.-B. Köln, 27. Nov. (Nichtamtlich) Der „Köln. Ztg." wird von ihrem Berliner Korrespondenten gemeldet: Nach, meinen Erkundigungen hat sofort nach Bekanntwerdcn der unerhörten französischen Kriegsurieile gegen deutsche Militär­ärzte die deutsche Regierung durch Vermittlung des ameri­kanischen Botschafters die den Umständen nach ange- zeigten Schritte getan.

Der erste Transport gefangener Deutscher in Tunis.

Dr. Zürich, 28. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der „Matin" meldet aus Tu nis vom 24. Nov.: Der erste Trans­port von 178 gefangenen Deutschen kam heute morgen an. Bon Zuaven eskortiert, passierten die Gefangenen barhäuptig die Stadt. Sie wurden nach der Kaserne geführt, wo sie ztvci Tage im Felde kampieren mutzten. Am Donnerstag wurden sie nach Kairuan verbracht und dort interniert. Ein zweiter größerer Transport wird nächste Woche erwartet.

Ein Spezialgesetz für den Mietsvcrtrag in Belgien, s W. T.-B. Brüssel, 27. Nov. (Nichtamtlich) Ms in Frank­reich infolge der Ereignisse de§ Jahres 1870 die Frage brennend wurde, welchen Einfluß die kriegerischen Ereignisse ans die bestehenden Mietsverträge hätten, haben die ftanzösi- schen Richter mit dem juristischen Anpassungsvermögen, das sie charakterisiert, den Artikel des Code civile, der dem Mieter das Recht gibt, nach seiner Wahl Auflösuirg des Mietsvertrags oder Herabsetzung der Miete dann zu verlangen, wenn die ge­mietete Sache ganz oder teiliveise zerstört worden ist, auch bei den Fällen angewandt, daß der Mieter durch die Kriegs-

Samstag ,

ereignisse verhindert worden ist, die M i e t s w o h -

uung zu benutzen. Solche Fälle treten in Belgien jetzt sehr häufig aus, namentlich da, wo Deutsche ausgewiesen oder durch begründete Furcht vor Verfolgungen _ genötigt waren, Belgien in Eile zu verlassen. So viel sich übersehen läßt, hat trotzdem die belgische Judikatur bisher noch mcht daxan gedacht, dem Beispiel der französischen Richter zu folgen, so daß ein Spezialgesetz hierüber notwendig war. Das Gesetz, das sich in seinem Inhalt des Code eivile anschließt, ist durch Verordnung des Generalgouverneurs vom 20. November nunmehr erlassen worden. Wenn in dem Gesetz die Friedensrichter ohne Rücksicht auf den Wert des Streit­gegenstandes für zuständig erklärt worden sind, so geschah es, um den vielfach mittellosen Mietern das langsamere und kost­spieligere Verfahren vor dem Gericht erster Instanz (Laudgs- richt) zu ersparen.

Keine Beschädigung der wallonischen Provinzen.

M. Zürich, 27. Nov. Der offizielle belgische Bericht über die wallonischen Provinzen stellt fest, daß 7 Ortschaften aus­genommen, die Provinzen wenig oder überhaupt nicht ge­litten haben. Der Bericht über die Provinz Charleroi steht noch aus.

Au dem Fliegerangriff auf die Feppelinwerke.

W- T.-B. Basel, 27. Nov. (Nichtamtlich.) Nach der „Thurgauer Zeitung" geht in der Gegend von Ossingen das Gerücht, daß auf einer abgelegenen Wiese in der Nähe von Nußbaumen ein englischer Flieger auf der Hin­fahrt nach Friedrichshasen eine Notlandung vor­genommen habe. Dies würde erklären, warum der dritte Flieger bei dem Überfall auf die Luftschiffwerft in Friedrichs- Hafen fehlte.

W. T.-B. Bafel, 27. Nov. (Nichtamtlich.) Nach einer Meldung der „Baseler Nachrichten" aus Mailand sind die eng­lischen Flieger Vobington und Sippe in Paris eingetroffen. Beide waren auch an der Fahrt nach Friedrichshafen beteiligt. Sie haben von der Admiralität unbeschränkte Handlungsfrei­heit erhalten. Alle zwei gehören dem Fliegerkorps der briti­schen Atari ne an. Sie können als solche eigene Flüge unter­nehmen mit der einzigen Verpflichtung, vor der jewelligen Abfahrt die Heeresleitung zu benachrichtigen. Sie wollen die schweizerische Neutralität nicht verletzt haben, erklären ober cix\bttzx\tiia, sie seien immer dem Lause des Rheins ennang geflogen. Sie haben elf Bomben in Friedrichshafen geworfen.

Frankreich bedauert.

hd. München, 28. Nov. Die französische Regierung wird, wie die „Bayerische Staatszeitung" erfährt, ihr Bedauern über die Neutralitätsverletzung der Schweiz durch dre Flieger der Schweizer Regierung in Bern aussprechen. Aber Frankreich und England werden keineswegs über den Rahmen der Neutralitätsanerkennung hinausgehende Garantieerklärungen für die Schweiz abgeben, da, kein wissentliches überfliegen der Schweizer Grenze vorliegt.

Generalfeldmarschall v. ksindenburg.

Br. Hannover, 28. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Wie der „Hannoversche Courier" erfährt, wurde Generaloberst v. Hiudenburg für seine Verdienste in der Ostarmcc vom Kaiser zum Generalseldmarschall ernannt.

Ein Telegramm beS Kaisers.

Berlin, 27. Nov. Der Kaiser sandte an den General­obersten v. Hindenburg folgendes Telegramm: „Für den schon gestern und heute erreichten vielversprechenden Erfolg der von Ihnen geleiteten Operationen sende ich Ihnen in hoher Freude meinen kaiserlichen Dank. Auch Ihres Generalstabschefs und Jhver anderen Helfer im Stabe gedenke ich in höchster Anerkennung. Ihren braven, nie ver­sagenden Trupvcn entbieten Sie ebenfalls meine Grüße und Dank für die unübertrefflichen Leistungen im Marsch und Gefecht. Meine besten Wünsche begleiten Sie für die kommenden Tage. Wilhelm, I. R."

Französische pressestimmen zur russischen Niederlage.

Der Trost der „ungeheuren Masse".

T. U. Paris, 27. Nov. (Indirekt) Die Pariser Bevölke­rung ist äußerst beunruhigt über das völlige Ausbleiben von Siegesnachrichten der Verbündeten im Osten. Dre ftan- zösijche Presse spart nicht mit beruhigenden Worten, dre jedoch trotz allem die große Enttäuschung nicht vor­der gen können, die man au der Seine empfindet. So

Aber wie die Technik in stetigem Fortschreiten bestrebt war, die Mordwerkzeuge zu verbessern, so hat auch anderer­seits die medizinische Wissenschaft unablässig gearbeitet, dem Tod seine Opfer zu entreißen und die tiefbetrübenden Ein­drücke, welche uns das Durchblättern der Verlustlisten er» wecken, werden ganz wesentlich geschwächt, wenn wir Ge­legenheit haben, in einem großen Militärlazarett uns nach dem Schicksal unserer Verwundeten umzusehen. Wir sehen ja bereits aus den Verlustlisten, daß von den Schwerverwun­deten immer nur ein sehr geringer Prozentsatz nachträglich noch als verstorben gemeldet wird. Das sind zumeist gänzlich aussichtslose Fälle, in denen jede ärztliche Kunst versagen muß; sodann die gefürchteten Erkrankungen an Wundbrand und Wundstarrkrampf und endlich Einzelfälle, wo der menschliche Organismus durch andere Krankheiten, z. B. Ruhr usw. bereits derartig zerrüttet ist, daß er die Verwun­dung nicht mehr zu überstehen vermag. Aber das alles sind, im Verhältnis zum Ganzen genommen, verschwindende Ein- zelfälle, und das Vorkommen selbst des Wundstarrkrampfes ist insbesondere gegen 1870 sehr zurückgegangen. Häufiger ereignen sich auch noch Todesfälle in den Etappenlazaretten, die sich auf dem Weg vom Schlachffeld zum Vaterland befin­den, weil dort nicht immer ein vollständig ausgebildetes Lazarett zusammengestellt werden konnte und man oft mit teilweise recht beschränkten Mitteln arbeiten muß'. Von den Leuten sedocki, die, meist schon sehr früh, in die heimatlichen Lazarette mit ihrer vorzüglichen Verpflegung befördert wer­den können, l)oR sich der Tod fast gar kein Opfer mehr, so daß die Soldaten allgemein das Gefühl haben: Wer im heimat­lichen Lazarett angekommen ist, darf trotz der schwersten Ver­wundung als gerettet gelten.

Und in der Tat haben sich, da gegen 1870 die Verhältnisse völlig geändert. Sehen wir von den schwersten Verletzungen, die unmittelbar oder wenigstens in kurzer Zeit den Tod her­beiführen, ab, so bleibt eine ungeheuer große Zahl von solchen Verletzungen übrig, tvo die moderne Wissenschaft und Technik Tod, Siichtum und insbesondere Verstümmelung in wirk­samster Weise zu verhindern vermag. Wo uor 40 Jahren die Wunden nur in seltensten Fällen vor Verunreinigung ge­schützt werden konnten, da greift heute der Verletzte selbst oder

irgendein Helfer zum aseptischen Verbandpäckchen. Wre ftüher elende Karren, so bringen'jetzt gut federnde Kraft­wagen die Verletzten mit ihrer schon zweckmäßig versorgten Verletzung schnell und behutsam ins Lazarett und damit tit die Verhältnisse, wo alles, was nötig ist, in Fülle vorhanden ist und getan werden kann, um den guten Transport tn btc Etappen- und Heimätlazarette zu ermöglichen. Einen eigent­lichen Hospitalbrand kennen wir nicht mehr. Wo früher nur die Opferung des infizierten Körperteils durch Amputation das Leben retten konnte, da wissen wir heute, im Zeitalter der aseptischen Wundbehandlung, daß wir bei entsprechender Ruhigstellung der Wunde in kunstvoll angelegten Verbände« nur in ganz verschwindend seltenen Fällen zu verstümmeln­den Eingriffen unsere Zuflucht nehmen müssen. In einer großen Münchener Lazarettabteilung wurde bei rund 500 behandelten Verwundeten nur zweimal zur Amputation ge» schritten. Wenn sich ja ein Wundfieber einstellt, so sieht man dasselbe bald unter der immobilisierenden Behandlung weichen. Während früher unter der langwierigen Eiterung Verkrüm­mungen der Glieder und Versteifung derselben eintraten, dre die Gebrauchsfähigkeit oft zeitlebens beeinträchtigte, haben wir auch hier wieder in hochausgebildeter Verbandstechnrk und in den mediko-mecharrischeu Behandlungsarten (Gym- nastik, Massage) die Mittel, frühzeitig für eine richtige Be» weglichkeit der Glieder Sorge zu tragen, und so kann mar- ruhig behaupten, daß von denen, die heute als Schwerver­wundete vom Kaurpfplatz zurückkehrerr, nur ein ganz ver­schwindender Teil als dauernd verstümmelt gelten mutz.

Einige Augenblicksbilder bei dem Rundgange durch daß große Lazarett geben anschauliche Erläuterungen zu obigen Behauptungen. Die Hauisarbc der Kranken ist durchweg frisch und gesund, teilweise blühend. Da steht ein Mann, dern eine Kugel durch die Rase in den Kopf eindrang und links unten am Ohr wieder austrat, somit durch den ganzen Ober­kiefer ging. Die Wunde ist so glatt verheilt, daß mast den Einschuß kaum mehr sieht, nur der Ausschuß ist leicht übtt» wachsen, läßt aber auch nicht im entferntesten den Schuft' kanal ahnen. Der Verwundete sieht aus wie das Leben urw erzählt mit viel Humor von der „sakrischen Kugel, die ihm b® ins Gesicht gefahren ist". Auf dem Vorplatze begegnet XB&