’kS' Fernruf:
„Tagblatt-HauS" Nr. 6650-53.
Bon 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, autzer Sonntags.
Verlag Langgasse 21
edmltfffcolfc geöftnet von 6 Ubr morgen» bi» 8 Uhr afccnM.
12 Ausgaben.
wöchentlich
«rerS für beide Ausgaben: 70 Pfg monatlich. M vierteljährlich durch den Verlag ? 21 . ohne Bringer lohn M 3.- vierteljährlich durch alle deutschen Poslanstalten. ausschließlich ld - Bezugs-Bestellungen nehmen außerdem entgegen, in Wiesbaden die Zweigstelle Bis- , 19 . >owie die Ausgabestellen in allen Teilen der Ltadt: in Biebrich: die dortigen Aus- Ti und in den benachbarten Landorten und im Rüeingau die betreffenden Tagblatt-Träger
Für die Aufnahme von Anzeigers au vorgeschriebenea
S nnatime: Für me Abend-AuSg. bis 12 Uhr Mnraen Ansc, i n*i r „ i
Brrliurr Sckristleitnng des Wiesbadener Taqblatts: Bcrli«-Wi!mersdors Güntz-lstr. 66. Fenilvr.: Amt Nbland 450 n. 451. Tabl'lnd wüd iei-7Äcw»bc
ftntcigcn;
Samstag 28. November lM4. KbENö-KU§gttbE. Nr. 556. » 62. Jahrgang.
Oer Nrieg.
Oer Tagesbericht vom 28. November.
Uno.ränderte Lage im westen- — Ein neuer deutscher Angriff bei Lowiez. — Russische Angriffe abgeschlagen.
W. T.-B. Großes Hauptquartier. 28. Nov., vormittags. (Amtlich.) Auf dem westlichen Kriegsschauplatz ist die Lage nicht verändert. Franzö- stsche Borstöße im Argonnerwalde wurden abge- «iesen. Im Walde nordwestlich A p r e m o n t und in den Vogesen wurden den Franzosen trotz heftiger Gegenwehr einige Schützengräben entrissen.
In Ostpreußen fanden nur unbedeutende Kämpfe statt.
Bei L o w i c z griffen unsere Truppen erneut an. Der Kampf ist noch im Gange. Starke An- griffe der Russen in der Gegend westlich Sfolootft" domsk wurden abgeschlagen.
In Südpolen ist im übrigen alles unverändert.
Oberste Heeresleitung.
Line Riesenschlacht auf der Linie t)pern-La Rassee ?
W. T.-B. Berlin, 2&. No». Einer Kopenhagens- Dqiesche der „Kül.i Ztg.' zufolge drahte! der Mitarbeiter der „Daily Chronicle" aus Nordfrankreich, auf der Linie Npern-La-Bcissee emwickcle sich eine R i e s e n s ch l a ch t. Die deutschen Truppen seien von dem vereinigten englisch-französischen Heere angegriffen worden. Der Kamps dauere bereits 4» Stunden.
IV-T.-B Berlin. 28. Nov. In Oostburg wurde gestern, wie der „Tageszeitung" aus Rotterdam berichtet wird, wieder schwerer Kanonendonner aus Südwesten gehört, wonach zu urteilen sei. dag die englische F. o t t e erneut an dem Kampfe teilnebme.
Die Vorbereitung der öffentliche» französischen Meinung aus die Bedrohung von Paris.
IV T--B. Mailand. 27 Nov. (Nichtamtlich.) . Nach einer Meldung des „Secolo" aus Paris beschäftigen sich dm eng- njche und französische Presse mit neuerlichen Kr-eg-- r ü st u n g e n, die dre Deutsch e n vorbereiten. Dre Wl - dcraufnahme der Offensive durch den deutsche Generalstab lasse noch nicht bestimr.it erkennen, wo er die i 5 ront ein- zudrücken gedenke. Einige Zeitungen vermuten, aus dein äußersten linken Flügel; Hervö meint, tm Zentrum. Herve bespricht das Schicksal, das Paris dann bevorstände. Sie befürchten nichts für die Stadt wegen der glänzenden Verschanzung usw.; aber das Publikum bespricht viel mit Besorgnis ' die bevorstehenden Ereignisse. Die Schlacht an der Marne habe zwar das Dogma von der Unbesiegbarkeit der Deutschen etwas erschüttert, nicht aber den Glauben an dm riesige Organisation des Deutschen Heeres. Alle Blätter verkünden, das deutsche Heer bedrohe Pari s. Die Bekämpfung werde noch enorme Opfer an Geld und Blut kosten. So wird die öffentliche Meinung auf die unvermeidlichen Opfer vorbereitet. Die Besorgnis vor der Stärke des Feindes ist so groß, daß man daran denkt, die Japaner zu Hilfe zu holen.
§ran„ösische Blätter über die Rriegslage.
Br. Genf, 28. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Französische Blätter berichten über die Kriegslage, daß der große Schlag, den die Deutschen sich an- ichicken gegen die französische Linie zwischen Nienport und Ipern zu wiederholen, den Gegenstand einer planmäßigen Vorbereitung bilde, auf der man das „w is s e n s ch a f t 1 i ch e" Verfahren der Deutschen erkennen könne. Auf allen Punkten der Küste seien schwere Artillerieposten aufgestellt. Auf den Iserufern habe der Feind seine Stellungen vorzüglich befestigt und sich dadurch wichtige Stützpunkte geschaffen, unter deren Schutz neue wuchtige, mit großen Massen ausgeführte Jnfanterie- angriffe folgen sollen. Endlich _ sei es auch nicht unmöglich, daß Deutschland in seinem Kampsbewnßtsein gleichfalls einen Schlag in der Nordsee und im Kanal versuche.
Eine englische Falschmeldung über Dixmuiden.
W. T-B. Berlin, 27. Nov. (Amtlich.) Die Meldung der -.Daily Mail", daß Dixmuiden von den Verbündeten z u - rückerobert sei, entbehrt jeder Grundlage. Dixmuiden befindet sich nach wie vor in deutschem Besitz.
Ein mißlungener Sturmangriff schottischer Regimenter.
T. U. Paris, 27. Nov. (Indirekt) über einen Sturmcr griff schottischer Regimenier auf eine deutsche Stellung b bazebrouck meldet das „Journal": Man kann sich keil Darstellung machen, mit welcher Sorgfalt die Deutschen ih Schützengräben z» decken verstehen. Zirka 10 Meter vor d, ^(steten befindet sich an fcsteingerammien Pfählen ein küw sich verworrenes Netz von Stacheldrähten-mit elektrische Hochspannung. Die Berührung einer dieser Stacheln sofort tödlich. Man kann sich denken, welcher Massen« Rifs notwendig ist, um dieses Hirrterrüs zu beseitigen, de
dann bietet sich den deutschen Sehnellfenergeschützen, den „Kaffeemühlen", ein so deutliches Ziel, daß die Kugeln auf die Angreifer wie den Strahl aus einem Spreu g- ch tauch senden können. Die schottischen Regimenter, die versuchten, diese furchtbaren Schützengräben zu nehmen, wurden bei den vergeblichen Bemühungen, diese Stacheldrähte zu zerreißen, unter dem furchtbaren Feuer der Feinde fast gänzlich aufgeriebcn. Die Leute stürzten reihenweise, ohne daß jedoch der Eifer der Truppen nachließ. Es ist sicher, daß die Schotten sich bis zum letzten Mann hätten niedermetzeln lassen, wenn sie nicht von ihren Offizieren buchstäblich zum Rückzug gezwungen worden wären.
Ein neuer englischer Truppentransport an die belgische Rüste?
Nr. Haag, 28. Rov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Es bestätigt sich, daß die Frachtschiffe der Dampferlinie Hoek van Holland-Harwich von der englischen Admiralität requiriert sind. Die Schiffe sind, ebenso wie noch weitere von England requirierten Schiffe, zur Beförderung von Truppen noch Belgien bestimmt. — In den letzten Tagen wurden die Handelsschiffe öfters als gewöhnlich angehalten. Da auch der Postverkehr mit England noch unregelmäßig ist, folgert man, daß ein größerer Transport englischer, nament- lich kanadischer Truppen bevorstehe.
Eine neue Tat eines deutschen Unterseebootes mitten im Ranal.
Eiu englischer Dampfer vernichtet.
W. T.-B. Paris, 27. Rov. (Nichtamtlich) Das „Echo d- Paris" meldet aus Le Havre: Der englische Dampfer
„Malachite" (2000 Tonnen) wurde aus der Fahrt von Liverpool nach Le Havre, einige Meilen nordwestlich Le Havres, durch ein deutsches Unterseeboot versenkt. Der Kapitän des Unterseeboots gab der Mannschaft der „Malachite' l0 Minuten Zeit, von Bord zu gehen, und ein wenig später fing der Dampfer Feuer. Das Unterseeboot verschwand. Dre Mannschaft der „Malachite" konnte sich nach Le, Havre retten. Große Bestürzung in de« französischen Höfen. — Korrekte Haltung des deutschen Kapitäns.
Br. Genf, 28. Rov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) In allen französischen Häsen ruft der durch ein denffches ^Unterseeboot berbeigesnhrte Untergang des Liverpooler Fracht- dampfers ' „Malachite" große Bestürzung hervor. Die Gefährdung der Sicherhert der Kanalschisfahrt müsse den gesamten Verkehr zur See notwendig ungünstig, beein- slussen. — Die gerettete Mannschaft des „Malachite' erkennt vollkommen die Korrektheit des deutschen Kommandanten an, der mit der Sprengung des Schiffes wartete, bis ein... Rettungsboot nicht mehr getroffen werden konnte.
Das Unbehagen der Feinde.
sich Genf, 28. Nov. In englischen und französischen Kreisen ruft die neue Unterseebootstat große Bestürzung hervor. Man konstatiert mit deutlichem Unbehagen, daß die deutschen Unterseeboote sich soweit vorwagen konnten.
Die Augst vor einem deutschen Luftangriff.
llü. Kopenhagen, 28. Stob. „National Tidende" meldet aus London: Der Genfer Korrespondent des „Daily
Expreß" berichtet aus zuverlässiger Quelle: Deutschland
bereitet beständig einen Angriff auf London und die englischen Ostküstenorte mit Zeppelinen vor. , ,
Jur Explosion des „Bulwark".
Nur 14 Überlebende.
W. T.-B. London, 27. Nov. (Nichtamtlich) Die ?ldmi- ralität veröffentlicht die N a m e n von 14 überlebenden von dem .in die Luft geflogenen Linienschiff „Bulwark". —- Das Rentersche Bureau meldet, es sei sicher, daß der Untergang der „Bulwark" nicht durch einen Torpedoangrifs erfolgte. Gerade beim Frühstück!
W. T.-B. Amsterdam, 27. Nov. (Nichtamtlich) „Nieuws van den Dag" meldet aus London: Als die Explosion auf dem „Bulwark" stattsand, war der größte Teil der Mannschaft beim F r ü h st ü ck. Die anderen Schiffe im Hafen setzten sofort die Boote aus. Ein kleiner Teil der Besatzung war über Nacht an Land gewesen und kehrte gerade an Bord zurück, als die Explosion erfolgte. Diese Mannschaften entgingen so dem Tod, wenn sic auch verwundet wurden. Die Explosion war so stark, daß auf den anderen «schiffen die Menschen ein paar Meter in die Höhe geschleudert wurden und alles Porzellan und Glas zerbrach. Die Ursache der Explosion ist noch unbekannt.
Der niederschmetternde Eindruck.
Berlin,' 28. Nov. Wie dem „Berl. Lvk.-Anz." aus Kopenhagen gemeldet wird, ist der Eindruck von dem Untergang des „Bulwark" überall in England ein furchtbar niederschmetternder. Die Mißstimmung gegen die Admiralität und Churchill wachse. Mau betrachte die offiziellen Mitteilungen mit dem größten Mißtrauen.
ück. Kopenhagen, 28. Nov. Die Erregung der Bevölkerung von Chatam Midway, wo infolge der furchtbaren Luftcr- schütterung die Häuser erzitterten, ist aufs höchste gestiegen. Die Mitteilung der Admiralität behauptet, daß die Explosion in der vordersten Munitionskammer erfolgte. Die amtliche Untersuchung hat gestern begonnen. Die Explosion war meilenweit zu hören. Schon.z w e i M Knuten nach der Katastrophe, nachdem die Rauchwolken sich etwas verzogen -hatten, war von dem Schiff nichts mehr zu erblicken als einige wenige Matrosen, die zum Teil schwer verletzt auf
der Oberfläche schwammen und von den herbeigeeilten Schiffen geborgen wurden.
Zur Vernichtung des englischen Über- dreadnoughts „Rudacious".
Eine englische Lesart. — Phantastereien über Luft- drcadnoughts und russische Erfolge.
Br. Stockholm, 28. Nov. (Erg. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Nach dem „Stockholmer Dagblad" wird in englischen Marinc- kreisen unter der Hand die Lesart verbreitet, daß es dem Kapitän des Ende Oktober an der irischen Nordküste auf eine Mine gelaufenen Dreadnoughts „Audacious" nach der Explosion glückte, das Schiff auflaufen zu lassen. Die Bergung des Kolosses, der für den gegenwärtigen .Krieg jedenfalls keinen Gefechtswert mehr habe, sei aber mehr als zweifelhaft. Das „Stockholmer Dagblad" schreibt hierzu: „Das amtliche englische Schweigen bestätigt die Katastrophe. Der englische Marineminister sagte in seiner großen Bcmkettrede in der Guildhall am 9. November: Unsere Flotte ist hundert Tage nach dem Kriegsausbruch stärker als zu Beginn. Alles Vertrauen in die persönliche Aufrichtigkeit Churchills sowie in die Zuverlässigkeit der Admiralität muß schwinden — so fährt das schwedische Blatt fort —, wenn es sich erweist, daß Churchills Worte nach der Katastrophe des „Audacious" fielen."
Das Durchsickern der beiden großen englischen ^ Schiffskatastrophen verursacht in den Londoner Blättern wieder jene Flut wunderbarer Phantastereien, mit der die englische Presse ihr Publikum gegen Unglücksschläge morphinieren. „Daily Expreß" weiß zu melden, daß sieben Luftschiffe mit nie gesehenen Dimensionen inr August in Genua für englische Rechnung auf Stapel gelegt wurden. Diese Lnftdrcadnoughts, die je 69 Lufttorpedos führten, hatten auch Pontons für Wassermanöver und befänden sich augenblicklich auf dem Wege nach England. — „Morningpost" schreibt: Die Russen haben zwischen der Weichsel und der Warthe zwei deutsche Arnieekorps gefangen. (!?)
Der Bareitaufffanö.
Eine Niederlage der Engländer.
Berlin, 27. Nov. Die „B. Z. a. M." meldet aus dem Haag- Nach einer Meldung ans Pretoria umringten am Samstagnachmittag die aufständischen Buren den Polizei. Posten von H a in m a n s k r.a L Bei Klipdrift kam es zwischen ihnen und englischen Truppen zu einem mehrstündigen erbitterten Kamps. Die englischen Truppen mußten sich unter bedeutenden Verlusten an Offizieren und Mannschaften zurückziehen. Die Aufftändischen hatten zwep Tote und fünf Verwundete.
Angebliche englische Erfolge.
W-T.-B. Pretoria, 27. Nov. (Nichtamtlich. Meldung >es Reuterschen Bureaus.) Kapitän Wallis hat am Dienstag nit dem Pauzerzug „Trafalgar" eine Fahrt ans d?r Lime lleitz-Frankfort unternommen. Ein lebhafte» Gefecht .wsir.de )»i Reitz geliefert, wo die Buren versuchten, dem Panzerzug m der tiefen Schlucht Widerstand zu leisten und ihn schm Entgleisen zu bringen. Der Zug war dem Feuer vom Berg- abhang ausgescht Vorgestern waren der „Trasalgar nnd -in anderer Panzerzng namens „Erwin" wieder im Gefecht mit den Buren, bis sie die Linie wiederhergestellt hatten, ine am Tage vorher ernstlich beschädigt worden war. Dir Buren wurden zurückgeschlagen. Ein dritter Panzerzng ist ebenfalls eingetrofsen, um an den Operattonen teizunehnren.
W T.-B. London, 27. Nov. (Nichtamtlich. Meldung des Reuterschen Bureaus.) Oberst Dirk van Deventer, der tm Nordosten des Freistaates operiert, meldet die Gefangennahme von Buren unter Feldkornet Smit. Andere entkamen wah- -nd eines heftigen Gewitters. Sie werden von -Kapitän
§rieden§bedürfni§ ?
Von General d. Inf. z. D. v. Blume.
Zeitungen des feindlichen und auch einige des neu- traten Auslandes beschäftigen sich bereits mit den Bedingungen, unter denen uns der Friede geüvahrt werden könnte, um den zu bitten wir bald genötigt sem würden. Man ist über die Bedingungen noch nicht einig aber die, die genannt werben, sind hart. Auflösung des Reichsverbandes, mehr oder wenige» grosie Landabtretnngen in Ost und West, Preisgabe unseres Kolonialbesitzes, Kriegskostenentschädigung bis zur Höhe von 25 Milliarden, Auslieferung unserer Flotte und, vor allem, Verzichtleistung auf den teuf- ff scheu Militarismus, — das ist der Rahmen, m dem sich die Ansprüche bewegen. So können nur Leute reden und schreiben, die, irregeleitet durch das L u g e n- g e w e b e unserer Gegner, k e i n e ,A h n u n g von der wahren Kriegslage haben. Vielleicht ist folgende Skizze geeignet, sie darüber zu belehren.
' Kein Feind siebt, autzer an einigen Punkten des Vogesenkammes, auf deutschem Boden. Kleine Teile der entfernten Provinz Ostprcutzen haben wrr vorübergehend dem Feinde überlassen müssen, gegenwärtig sind auch sie von ihm frei und werden es nach menschlichem Erniesseii blechen. Einige unserer kleinen, entlegenen Kolonien sind eine leichte Beute der Feinde
