«eite 2. Abend-Ausgabe. Erstes Blatt.
beizuführen. So sind auch an den letzten Tagen wieder frische Truppen im Osten und im Süden gegen die deutschen Truppen vorgegangen, die in der Gegend von Lowicz und von Lodz bisher so erfolgreich gekämpft hatten. Es ist dies ein Zeichen, daß die Russen sich der großen Bedeutung der sich hier abspielenden Kämpfe voll bewußt sind und daß sie alle ihre irgendwie verfügbaren Kräfte herangezogen haben, um einen Erfolg zu erzielen. Auffallenderweise ist es aber der russischen Heeresleitung nicht geglückt, ihre Verstärkungen gleichzeitig heranzuführen und einzusetzen. Sie sind nacheinander eingetroffen. Es mag dies mit durch die überraschende und so erfolgreiche Offensive der deutscher! Truppen an den ersten Tagen des Kampfes gelegen haben, wodurch die Russen an einer vorherigen Versammlung ihrer Verstärkungen und an dem gleichzeitigen Einsetzen und Vorgehen verhindert wurden. Es hat sich also dabei wieder einmal der hohe Wert einer rücksichtslos d u r ch g e f ü h r t e n Offensive gezeigt. Die ersten Verstärkungen, welche die Russen über Warschau herangeführt hatten, waren in den Kämpfen bei Lowicz und Lodz zuriickgeschlagen. Dasselbe Schicksal ist seht den neuen Verstärkungen zuteil geworden. Auch ihr Vorgehen ist überall ohne Erfolg geblieben. Sie haben wohl vermocht, die Entscheidung der Schlacht aufzuhalten und hinanszuschieben, aber keinen Umschwung der Lage herbeigeführt. Auch dieser letzte Versuch, durch einen Gegenangriff die Deutschen zurückzuwerfen, ist gänzlich gescheitert. Man kann nunmehr annehmen, daß nach der Abweisung aller dieser russischen Angriffe die Deutschen in der Lage sind, die Offensive wieder zu ergreifen und den ursprünglichen Operationsplan zur Durchführung zu bringen. Daß diese Kämpfe mit einem vollen Erfolg der Verbündeten endigen werden, muß nach ‘ dem jetzigen Verlauf der kriegerischen Ereignisse auf diesem Kriegsschauplätze als sicher angenommen werden.
Vön besonderer Bedeutung ist auch die Feststellung, daß auch die jungen deutschen Truppen, die, direkt aus der Heimat herangeführt, in das Gefecht geworfen wurden, sich glänzend bewährt haben, trotz der großen Verluste, die während der Schlacht bei ihnen eintraten. Dies ist namentlich im H'nblick auf die Angaben ausländischer Blätter wichtig, festzustellen, weil diese vielfach behauptet hatten, daß die deutschen Neuformationen minderwertig und in ihren Leistungen geringer zu bewerten seien. Die Russen werden sich nun wohl selbst überzeugt haben, kvas sie von den deutschen Neuformationen zu erwarten haben.
. Auch vom westliche n Kriegsschauplatz lauten dst Nachrichten durchaus g H n st i g. Die ftan-ösischen Angriffe sind überall abgeschlagen worden, zum Teil unter schweren Verlusten für die Franzosen. An an- deren Stellen haben d'e deutschen Truppen wiederum Fortschritts gemacht. Wenn diese auch nur klein ge- wesen sind, so sind sie doch ein erneuter Beweis, daß der Angriff ununterbrochen günstig vorwärt s sch r e i t e t. So entlvirft das letzte Telegramm des Großen Hanvtguart'ers ein sehr günftiaes B'ld von der allgemeinen Kriegslage auf beiden Krieasschaupläben und läßt namentlich im Osten einen baldigen entscheidenden Erfolg von großer Tragweite erwarten.
Die neue fter Muffen in Dosen.
Berliner Blätterst? n,men über die große Bedeutung des Erfolges Mackensens.
Berlin. 27. Nov. Dg? Ringen in Russisch-Polen ist. wie die „Boflische Zeitung" schreibt, auf seinem Höhepunkt gngel.ingt. Laut russischen Armreboten suchen die Deutschen, wie das Matt aus Genf erfährt, in den Kämpfen nördlich von Lodz immer wieder die Russen durch die heftigsten Angriffe in ihrem Widerstand zu erlahmen. Die östorreichisch-ungari- schen und deutschen Armeen setzen ihre ganze Kraft in dieser Schlacht ein, deren Gewinn oder Verlust für den weiteren Verlauf des Feldzuges von größter Bedeutung fei.
Im „Berliner Tageblatt" sagt Major Moräth: Betrachtet man die Lage der Russen insgesamt, so ergibt sich mathematisch, daß ein jedes tägliches Zurückweichen vor den Angriffen der verbündeten Armeen ein immer engeres Zusammenballen der russischen Hauptarmee zur Folge haben muß.
Im ..Berliner Lokal-Anzeiger" heißt es zu den gestrigen Kämpfen in Ruffisch-Polen: In den Berichten über die großen Kämpfe, die wir nach der Kriegsbeute, die General von
Der afrikanische Islam.
Vom Heiligen Krieg im schwarzen Erdteil.
Von H. Singer.
Bon den etwa 275 Millionen Bekennern des Jslain, die die Erde beherbergen mag, leben gegen 70 Millionen in Afrika , sie umfassen hier ziemlich die Hälfte der Gesamitbevölkerung Aftika ist auch nahezu das einzige Erdgebiet, wo allein infolge der Propaganda die Lehre Mohammeds noch fortwährend an Boden gewinnt. Andererseits begreift sie dort nirgends mehr selbständige Staaten wie in Asten; es gehört vielmehr das islamitische Aftika politisch heute den christlichen Kolonialmächten. Aber mich an diese afrikanischen Mohammedaner, mft Ausnahme derer in den Besitzungen neutraler Staaten und des mit der Türkei verbündeten Deutschlands wendet sich der Ruf des Stambuler Kalifen zum Heiligen Kriege, d. h. zur Erhebung gegen die Feinde des Islams, di« in diesem Falle die Engländer und Franzosen sind, und so entsteht für uns die Frage nach der voraussichtlichen Wirkung dieses Rufes.
Uw sie beantworten zu können, bedarf es einer Betrachtung des aftikanifchen Islams, der wesentlich anders aussiehl wie der in den meisten Teilen Asiens und Europas. Unter allen Religionen und Bekenntnissen ist der Islam für den Kampf um die Seele des Afrikaners am besten vorbereitet. Zunächst, weil er in seinen Anforderungen am genügsamsten ist. Er bedarf nur einiger Formeln und Riten, die wenig Nachdenken und Zeit verlangen, und ist im übrigen gegen primitiv veranlagte Anhänger — und das sind die Afrikaner — sehr nachsichtig. Das Bekenntnis „Es gibt keinen
Wiesbadener T a gblatt. _
Mackensen machte, mit vollsten! Recht als einen großen Sieg betrachten, zeigt sich dessen Bescheidenheit und Offenheit. Denn nur ein Mann, der sich auch der noch aus- stchenden tzaupteittscheidung sicher fühlt, kann mit einer derartigen Ruhe darauf Hinweisen, daß er noch weitere Kümpfe mit anrückenden Verstärkungen zu bestehen haben wird, ehe der Sieg als endgültig zu betrachten ist. Im Norden L st Preußens mutz unsere Lage durch die Schläge bei Lodz und Lowicz beeinflußt werderl. Die dortige Offensive der Russen war nur denkbar, so lange sich ihr linker Flügel durch eine von Warschau ausgehende Offensive gedeckt fühlte. Mit deren Zusammenbruch war auch sie gescheitert.
Die „Post" sagt über unsere jungen Truppen, die sich in den letzten Kämpfen ausgezeichnet haben: Wir begrüßen dieses um so mehr, als die Anforderungen des Kriegsdienstes und die Unbilden der Witterung harte sind. Ein wie wertvoller Bestandteil sie draußen im Felde sind, geht aus der besonderen Erivähnung in der Meldung des Großen Generalstabes hervor.
Ein österreichisches Urteil.
W- T--B- Wien, 2(3. Nov. (Nichtamtlich.) In Würdigung der Ereignisse auf dem östlichen Kriegsschauplatz schreibt der militärische Mitarbeiter des „Neuen Wiener Tagblattes", Was die Öffentlichkeit da erfährt, ist wohl bedeutungsvoller, als die sehr kurzen Meldungen auf den ersten Blick besagen. Es scheinen sämtliche russischen Angriffe auf Ostpreußen abgewiesen, die Gegenoffeusive aus der Richtung Warschau gescheitert und alle gegnerischen Vorstöße östlich Ezenstochau zusammengebrochen zu sein. Man muh sich vor Augen halten, aus welchen ungeheuren Schwierigkeiten die Tapferkeit und die Ausdauer der deutschen und österreichisch-ungarischen Heere solche großartigen Erfolge heraus zu kristallisieren vermochten. Als sich die
Gott außer Allah, und Mohammed ist der Gesandte Allahs", stricht sich leicht aus, das Wort allein tut es, der Geist wird nicht behelligt. Dazu kommen als wirksame Werbemittel die Verheißungen für das islamitische Jenseits, die geradezu für den Afrikaner zugeschnitten erscheinen; denn sie sind für ihn angenehm und greifbar, während ihm sein Heidentum für künftig kaum etwas Tröstliches verheißt. Daher des Islams Siegeslauf in Afrika, dem das Christentum nicht wirksam zu begegnen vermag. Aber dieser erfolgreichen Werbekraft der Lehre Mohammeds gerade in Afrika entspricht naturgemäß auch die geringe Tiefe, die sie dort erreicht. Sie hastet in den breiten Bevölkerungsschichten Nordafrikas und des Sudans fast überall nur als dünner Firnis an der Oberfläche, so daß an allen Ecken und Enden das Heidentum herausschaut, und deshalb ist der religiöse Fanatismus des Aftikaners gering, die Neigung zum reinen Glaubenskampf fehlt ihm im allgemeinen. ^
Manche Vorgänge scheinen dem zu widersprechen. So die Mahdibewegung im östlichen Sudan und der heftige Widerstand, dem die Franzosen in Algerien, unter ded> Tuareg der Sahara und in Marokko begegnet sind oder noch begegnen. Mit dem Senusjiordcn, der sich jetzt gegen die Engländer in Ägypren wendet, haben die Franzosen und neuerdings die Italiener in Libyen harte Kämpfe gehabt. Diese Erscheinungen sind zumeist für Ausflüsse des religiösen Fanatismus, des Christenhasses, gehalten worden. Aber nicht mit Recht; cs sind da ganz erhebliche Vorbehalte zu machen. Der Mahdismus war ursprünglich gewiß eine religiöse Bewegung, ober er hätte wenig um sich greifen können, wenn ihm nicht in der verzweifelnden Bevölkerung des oberen Nilgebietes durch die ägyptische Mißverwaltung ein empfäng-
Freitag, 37. November 1914. _ Nr. 554.
Verbündeten von dem Raume Jwangorod-Warschau freiwillig zurückzogen, war es die gesamte militärische Kraft des Hundertsechzig - Millionen reichs. die folgte, um endlich zum kriegsöntscheidenden Schlage auszuholen. ' Das Zarenreich wurde ni ch t darüber im Zweifel gelassen, daß ein solcher Sieg die letzte krampfhafteste Hoffnung an der Seine und der Themse sei. Trotzdem das Deutsche Reich ja mir dem Hanptteil seiner militärischen Kraft gegen ganz Frankreich, Großbritannien, Belgien und ihre diversen exotischen Bundesbrüder im Westen kämpft und auch Österreich-Ungarn ansehnliche Kräfte zur Niederwerfung des hartnäckigen Gegners auf dem südlichen Kriegsschauplatz gebunden hat, vermag der m o s k o w i t i s ch e Koloß mit seiner konzentrierten Hauptmacht nicht durchzudringen. Noch ist »io definitive Entscheidung in dieser, vielleicht wichtigsten Schlacht des Weltkrieges nicht gefallen, noch mutz tagelang mit ungeheurer Erbitterung gerungen werden, eines aber beweisen die jüngsten amtlichen Meldungen
von neuem: Die moskowitischen Heere sind nur in der Defensive ein außerordentlich zäher Gegner, im Angriff besitzen die zarischen Armeen doch nicht so sehr die ihrer Größe entsprechende Stoßkraft und nicht den rücksichtslosen Elan, der Österreich-Ungarns und des Deutschen Reiches tapfere Heere in so glänzender Weise beseelt.
was der russische Generalstab „berichtet".
Br. Christian la, 27. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.)
Der russische Generalstab hat gestern folgendes bekannt gegeben : Die Schlacht bei Lodz ist noch im Gange. Große deutsche Truppeumassen machen jetzt die größten Anstrengungen, um sich einen Weg nach Nor- de n zu bahnen. Im Distrikt südlich von der Eisenbahnstation
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licher Boden bereitet worden wäre. Später verlor er seinen religiösen Charakter fast ganz. Am wenigsten sind oder waren die ftanzösischen Schwierigkeiten in Marokko, Algerien und der westlichen Sahara aus Christenhatz zurückzuführen; sie erklären sich aus der Liebe zur Freiheit oder vielmehr Un- gebundenheit der Berberbevölkerung, mit deren Islam es recht mangelhaft bestellt ist. Bekanntlich erwehrten sich div Berber des marokkanischen Bled-es-Siba des mohammedanischen Marokkosnltans nicht minder hartnäckig als der christlichen Franzosen.
Ein besonders fanatischer Christenhatz ist der bekannten Senussisekte zugeschrieben worden, deren Verbreitungsgebiet vornehmlich die Osthälfte der nocdafrikanischen Gestade- länder, die östliche Sahara und die Sudansultanate Wadat und Darfor umfaßt. Das Senusfitum ist indessen lange Zeit durchaus nicht christenfeindlicher gewesen, als es der heutige Islam überhaupt ist; es war eine Reformsekte, die den Mohammedanismus von seinen Schlacken reinigen wollte und sich im übrigen auf kulturellem Gebiet recht segensreich betätigte. Erst als die Franzosen seit etwa 25 Jahren mit ihrer rücksichtslosen kolonialen Gloire- und Ausdehnungs- Politik in Nordafrika der Leituilg der Sekte die begründete Befürchtung aufdrängten, daß es um deren Macht und Einfluß gehe, wurde sie zu einer Art von Ecclesia militane, die alle franzosenfeindlichen Bestrebungen in Aftika geheim oder offen durch Vermittlung der Wafsenzufuhr und Hergabe militärischer Führer unterstützte. Man kann also nur von einem Franzosenhaß der Senussi reden, nicht von einem allgemeinen Christenhatz. Jener Hatz hat sich dann allerdings auch auf die Italiener übertragen, als diese im Einverständnis mit Frankreich den Feldzug gegen Libyen unternahmen '
