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Verlag Langgasse 21

„Tagblatt.Haus".

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„Tagblatt-Hau." Nr. 6850-53.

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Reklamen. Gan^c, ^ halbe,' drittel und vicrtel"Seiten, dnrchlausend. nach bejonderer Berechnnng. — Bei wiederhoitcr Ausnahme unveränderter Anzeigen in kurzen L»t!chenr«umen entsprechender Nachlaß.

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Für die Aufnahme von Anzeigen an vorgeschriebenen ^ und Blitze» wird ffiwe tfumftbr

§reitag. 27. November 1914. IHOtQCltsflUSgafeC* Ur - 553 * * 62. Jahrgang.

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Der Krieg.

Zu den deutsch-österreichischen Erfolgen in polen.

W. T.-B. Wien, 26. Nov. In Besprechung der gestrigen Mitteilungen der obersten Heeresleitung der verbündeten deutschen und österreichisch-ungarischen Armeen beben die Blätter übereinstimmend hervor, das,, obwohl eine endgül­tige Entscheidung in der Ricsenschlacht in Russtsch-Pvlen bisher nicht erzielt sei, aus den Berichten doch mit un­zweifelhafter Sicherheit hervorgehc, das; die Ver­bündeten trotz der von russischer Seite neuerlich herangezoge­nen Verstärkungen und trotz der aus,erocdcittlichcn Zähigkeit des Gegners fortgesetzt Erfolge aufzuweisen haben, welche für den Enderfolg von entscheidender Bedeu­tung sein dürsten. Wenn sich dieser Erfolg auch angesichts der lakonischen Kürze der offiziellen Mitteilungen noch nicht übersehen lasse, so gestatten sie doch die Annahme, daß der Höhepunkt des gewaltigen Ringens überschritten sein dürfte. Die außerordentlich hohe Ziffer der von den verbündeten Truppen gemachten G e f a u gen e n bedeute nicht nur bcu Beweis der taktischen Überlegenheit der Verbün­deten, sondern auch ein nicht h-ch genug anzuschlagcnder Er­folg hinsichtlich der fortschreitenden Ausgleichung der Überlegenheit des Gegners.

Neue Erfolgs in Serbien.

1500 Gefangene, 3 Geschütze, 4 Munitiouswagen und ° 3 Maschinengewehre erbeutet.

W T-B Wien, 26. Nov. (Nichtamtlich.) Vom südlichen' Kriegsschauplatz wird amtlich unter dem 26. November 'gemeldet: In den Kämpfen an der

K o l u ü a r a ist seit gestern ein w e s e n t l l ch c r Fortschritt zu verzeichnen. Das Zentrum der feindlichen Front wurde in einer starken Stellung bei Lazarevätsch von den durch ihren Elan rühmlich bekannten Regimentern Nr. ü,. 73 und 102 er­st ü r m t. Hierbei wurden 8 Offiziere und 1200 Mann gefangen genommen sowie 3 Geschütze, 4 Munitions- Wagen und 3 Maschinengewehre erbeutet. Auch süd- sch bei L i i k gelang cs, die östlich des gleichnamigen Flusses gelegenen Höhen zu nehmen und 300 Gefangene zu machen. Die von Valjevo vorgerückte Kolonne steht vor Koßserici.

Meuterei in der serbischen Vrinndivision.

V? T-B Sofia, 26. Nov. (Nichtamtlich.) Nach einer Meldung aus Nisch soll in der Drinadiviston ein Aufruhr ausgebrochen sein.

Auszeichnung des österreichischen Thronfolgers durch Baiser Zran; Joseph.

w. T.-B- Wien, 26. Nov. Kaiser Franz Joseph har dem Erzherzog Karl Franz Joseph in Anerkennung seiner bei der Armee im Felde betätigten hervorragenden Dienst-. freudigkeit das Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit der Kriegsdekoration verliehen.

Zur Lage in §lanüern und vor Verdun.

M. Berlin, 26. Nov. Der „Berliner Lokalanzeiger" schreibt: Die gestern fortgesetzten Versuche, welche zwi­schen der Küste und Vpcrn von den französischen Trup­pen unter General Fache unternommen wurden zu dem Zwecke, die deutschen Genietrilppen an der Vor­bereitung einer größeren Aktion zu stören, blieben wie­der erfolglos. Der im französischen Tagesbericht erwähnte angebliche Geländegewinn zwischen Langemark und Zonnebekc komme für eine« etwaigen Durchbruch dort nicht ln Betracht.

Dre bedeutenden deutschen Fortschritte in der Umgebung von B e r d u n zwingen jetzt die fran­zösische Heeresleitung, neue Maßnahmen zu treffen, um die von nordwestlich sich nähernden Deutschen mög­lichst fernzuhalten. Dem gestrigen Gefecht bei B e t h i n- conrt dürften, wie die französische M'litärprcsse an­nimmt, in diesen Tagen weitere Zusammenstöße folgen. Um die Wirksamkeit der schweren Geschütze zu erproben, beschossen die Franzosen A r n a v i l l c bei Pont-st- Monsion. Der Mil'tärkritiker Oberst Rousset betont den Gest der deutschen Offensive im gesamte n Kamvsaebiet. So sehen Deutsche nicht ans, die heute den Frieden ersehnen.

Zur Beschießung von Zeebrngg«.

W. T.-B. Amsterdam, 26. Nov. „Telegraaf" mel- det aus Sluis vom 25.: Über die Beschießung von Zee- brrigge sind übertriebene Gerüchte im Umlauf, nur e i n G e b ä n d e im Hafenviertel geriet in Brand. Das eigentliche Zeebrugge ist nicht ge­troffen worden.

Zur §rage der Rückkehr der französischen Regierung nach Paris.

W- T.-B. Paris, 26. Nov. (Nichtamtlich.) Anläßlich der für Mitte Dezember bevorstehenden Einberufung des Par­laments erörtert der „Temps" die Anfrage, ob die Einbe­rufung ein Zeichen für die Rückkehr der Regierung nach Paris bilde und erklärt: Der Feind halte Wch 10 D cp,ar-.

t e m e n t s ganz oder teilweise besetzt. Rach der Rückkehr der Regierung nach Paris würde die H a u p t st a d t nicht wieder ein Ziel für eine noch allzu nahe feindliche Armee sein. Der Tag werde kommen, wo der Feind genügend zurückge- drängt und damit Paris wieder Hauptstadt werden könne. Inzwischen könnte die Kammer in Paris tagen. Die M i n i st e r, deren Anwesenheit während der Tagung not­wendig sei, sollten den Sitzungen beiwohnen und daraus un­verzüglich nach Bordeaux zurückkchren. Die in Paris zu erledigenden Aufgaben würden nur kurze Zeit, in An­spruch nehmen. Man werde das Parlanient um die Ge­nehmigung ersuchen, die Steuern zu erheben und die Ausgaben des nächsten Jahres machen zu dürfen. Falls die Regierung Erklärungen abgeben müsse, werde dies nicht in öffentlicher Sitzung geschehen können und sie würden wegen ihres vertraulichen Charakters vor dem Ge­schäftsausschuß abgegeben werden müssen. Die Kammer würde voraussichtlich nur a b z u ft i m m e n haben. Wir können nicht annehmen — sagt das Blatt —, daß sie über die vorliegenden Gesetzentwürfe oder Interpellationen in eine öffentliche Debatte eintreten wolle. Paris wird geduldig die Stunde abwarten, in der die Negierung in voller Überein­stimmung mit dem Generalissimus und den verantwortlichen Generalen die Rückkehr für nötig halten wird.

poincarv ln Paris.

W. T.-B. Paris, 26. Nov. (Nichtamtlich.) Poincarö ist, begleitet von Viviani und Dubost, hier eingetroffen.

Die französischen Rothosen abgeschaffk.

Br. Christiania, 26. Nov. (Erg. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Aus Paris wird vom 25. November gedrahtet: Bei den französischen Truppen ist nunmehr die neue Uniform eingeführt. Die roten Beinkleider sind abgeschafst worden. Die ganze Uniform ist bla u- g r a u und weiß. Die Mütze hat dieselbe Farbe und ist mtt einem Schirm zum Schutze des Nackens und der Ohren versehen. Die Uniform ist fast unsichtbar. „Englische" Berichte aus dem persischen Golf.

66. Christiania, 26. Nov. Verspätet wird aus London tele­graphiert, daß am 23. November in B a s r a die britische Flagge gehißt wurde. Die Reste der türkischen Armee seien aus Basra verschwunden. L o b e i r, das von den Türken be­setzt war, habe sich übergeben. Alle Europäer seien in Sicher­heit, ebenso in Bagdad.

Englische Rmstrmmungsversuche Bulgariens.

Lr. Rom, 26. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Aus diplomatischen Kreisen des Dreiverbandes ver­lautet, daß England durch den nach dem Balkan ent­sandten russischen. Gesandten Fürsten Trubetzkoi Bulgarien zu bestimmen ^uche, ohne weiteres maze­donische Gebietsteile Serbiens zu besehen und an der Seite des Dreiverbandes mit ganzer Macht die Türkei zu bekriegen. Bulgarien soll auch Rumänien die Freiheit geben, gegen Ostungarn zu Felde zu ziehen.

Die Türkei und die Befreiung der Ukrainer.

W- T.-B. Konstantinopel, 26. Nov. (Nichtamtlich.) Der Minister des Innern empfing den hiesigen Vertreter der Ver­einigung zur Befreiung der Ukraine, Menelevsky. Der Minister erkannte die Notwendigkeit der Befreiung der Ukraine von der russischen Herrschaft an. Nach der Besiegung Rußlands werde die türkische Regierung dem ukrainischen Volke zur Gründung eines unabhängigen Staates Hilfe leisten.

Die Proklamation öes Scheichs ul Islam.

W. T.-B. Konstantinopcl, 26. Nov. (Nichtamtlich) . Die Proklaniation des Scheichs ül Islam ist ein längeres Schrift­stück, in dem es heißt: Rußland, welches sich bemüht, die Unabhängigkeit zu vernichten, welche ein Geschenk der Vor­sehung für die Nationen und Völker ist, und das, indem es die ganze Menschheit zu unterjochen sucht, seit Jahrhunderten der grausame Feind der menschlichen Wohlfahrt ist, war bis jetzt die Ursache des Unglücks im nahen und fernen Osten. Es vereinigte sich im gegenwärtigen europäischen Kriege mit England und Frankreich, um die Millionen von Äkuselmanen unter ihrem Joche zu halten und die, um ihre ehrgeizigen Ziele zu erreichen, es darauf abgesehen haben, so viel wie möglich das Kalifat, den Stützpunkt des Islam, und das einzige Zentrum der Beständigkeit des Jslamismus zu erschüttern und zu schwächen. Diese Gruppe von Ursupatoren, die sich Tripel-Entente nennt, hat während des letzten Jahrhunderts alle islamitischen Völker Indiens, Zen­tralasiens und eines großen Teils von Afrika ihrer Unab­hängigkeit und Freiheit beraubt. Diese Länder waren seit einem Jahrhundert die Ursache des Verlustes sehr wertvoller Teile der Türkei, und s i e haben, indem sie unsere Nachbarn auftoiegelten, den Balkan krieg hervorgerufen. Sie ver­schuldeten so den Verlust von Hunderttausenden unschuldiger Muselmanen, die Vergewaltigung von Frauen und die Schän­dung islamitischer Tempel. Sie haben den gegenwärtigen Krieg hervorgerufen, dessen glühende Funken sie gegen das Herz der mohammedanischen Welt schleuderten, in dem sie sich bemühen, in ihren verruchten Planen das erhabene Gotteslicht zu verlöschen.

Die Proklamation legt sodann dar, daß diejenigen, welche eine Feindschaft gegen die Religion des Islam bekunden, früher -Her fpö|erjgn gorn Gottes erfahMMMp,

der Kalif, der Diener der heiligen Stätten von Mekka und Medina, mit Hilfe des Allmächtigen die heiligen Stätten des Islam sowie die heiligen Orte Jerusalem, Nedschcf uiid Kerdcla, das Zentrum des Kalifen, kurz alle Orte, wo die Propheten und die heiligen Märtyrer begraben liegen, vor jedem Angriff zu schützen fiir seine Pflicht erachtet, gemäß des bekannten F etwas die Muselmanen znm H eiligen Krieg aufgefordert hat. Das Kalifat rief alle ottomanrschen Untertanen von 20 bis 40 Jahren zu den Waffen, Heer und Flotte, die aus diese Art vorbereitet wurden, sowie die islamitischen Glaubenslehrer, alle Studenten der Theologie, kurz, alle Kinder des Vaterlandes werden nach und nach auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen konzentriert, in den Heiligen Krieg geführt werden. Alle Gläubigen des Islam erhalten den Befehl, an dem großen Heiligen Kriege t e i l z u n e h m e n, sei eS, indem sie selbst dienen, sei es durch finanzielle Beihilfe.

Daher müssen die Muselmanen, die unter der tyrannischen Herrschaft der genannten Negierungen in der Krim, Kasan» Turkestan, Buschara, Chiwa, Indien, China, Afghanistan, Persien, Afrika und den anderen Kontinenten sich befinden, nach Maßgabe ihrer Kräfte mit de» Osmancn am Heiligen Kriege tcUnchmen.

Der Aufruf hebt hervor, daß, um insbesondere der Tragödie ein Ende zu setzen, wie sic die Entsendung muselmanischer Un­tertanen der feindlichen Mächte auf die blutigen Kriegsschau­plätze darstellt, auf denen sie gegen den Kalifen und dessen Ver­bündete Krieg führen sollen, die Muselmanen ein Opfer auf sich nehmen und Geduld haben. Der Aufruf schließt mit einem glänzenden Appell an alle Muselmanen, ihre Pflicht zu tun, wobei an die heiligen Worte erinnert wird, die den Überlebenden ein glückseliges Leben und denjenigen, die als Märtyrer auf dem Felde der Ehre fallen, die Wonnen des Paradieses versprechen. Der Aufruf drückt die Überzeugung aus, daß mit Gottes Hilfe der Feind besiegt werde.

Der belgische Neutralitütsbruch.

Es rst selbstverständlich verdienstlich, und cs war unumgänglich, daß unsere Regierung die neuen von ihr m Brüssel aufgefundenen Beweise für Belgiens Schuld veröffentlichte, aber mehr als die Feststellung von etwas, was wir nicht nochmals festgestellt zu sehen brauchten, ist durch die mitgeteilten Aktenstücke doch nicht erfolgt. Wir haben deshalb diese abermali­gen Nachweise für die Machenschaften unserer Feinde, namentlich für die englische Heuchelei, mit der Gelassenheit aufzunehmen, die sich von selbst einstellt, wenn man beobachtet, daß eine schon gesicherte Tatsache noch irgendeinen, obgleich überflüssigen Stützpunkt erhält. Nun aber handelt es sich bei, der Veröffentlichung in der „N. A. Z." zugleich oder viel­mehr vorwiegend um die Gewinnung eines Eindrucks auf die neutralen Staaten, denen diese belgi­sche Briefschaften ja auch in getreuer Wiedergabe des -Originals zugestellt worden sind. Auch in dieser Be­ziehung will es uns jedoch bodünken, daß eine bis zur Gleichgültigkeit gehende Gelassenheit besser am Platze wäre als eine etwa hoffnungsvoll gespannte Er­wartung. Warum müssen wir denn durchaus die Neu­tralen von Vorgängen überzeugen, bie ihnen entweder bekannt sind (und das gilt zweifellos von den Regie­rungen) oder denen sie trotz aller in deck aktenmäßi­gen Nachweisen ruhenden Überredungskraft ihre eigen­sinnige Ablehnung entgegensetzen? Wir sollen diese Dinge lieber gehen lassen, wie sie wollen. Wir möchten damit nicht sagen, daß die Veröffentlichung hätte unterbleiben sollen oder daß sie den Regierungen der nicht kriegführenden Staaten vorenthalten hätten bleiben können; aber was in dieser Hinsicht geschah und geschehen mußte, das braucht nicht ernster als irgendeine unvermeidliche Eintragung in ein behörd­liches Sachregister genommen zu werden. Versprechen können wir uns so gut tvie nichts von den neuen Dar­legungen. Für die meisten Beurteiler draußen in der Welt (und ihre Urteilslosigkeit verringert nicht das Gewicht ihrer Stimmungen) ist nun einmal Belgien das arme, grundlos überfallene -Opfer unserer rück­sichtslosen Angriffslust, und England bleibt für diese Leute der „Hüter des Rechts". Diejenigen in den neutralen Ländern, die es anders und besser wissen, dringen nicht durch, das haben wir nun schon zur Ge­nüge erfahren, das hat uns anfangs geschmerzt, aber man gewöhnt sich an vieles, und so würden wir jetzt unseren Interessen besser dienen, wenn wir uns mrt der Härte panzerten, der es vollkommen g l e i ch g ü l t i g bleibt, wie man ü b e r u n s denkt. Es muß uns genügen, ein gutes Ge­wi s s e n zu haben. Gegenüber der verlogenen Nieder­tracht unserer Feinde würden wir sogar mit einem weniger guten Gewissen ganz gut auskommen rönnen, aber befriedigenderweise liegt es so, daß wir uns auf unser Recht stützen können;. Was der von Belgien begangene, mit England vereinbarte N e u t r a I -t - täts'bruch bedeutet, das wird sich in seinem für die Feinde verhängnisvollen Schwergewicht bei den Frie- d tn i verh ö&Jiiltö ge.n bis. Miß könnxn