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bieten klarzuwerden. Uns kann eS ja recht sein; wie es den Engländern bekommen wird, das wird sich noch zeigen. _

Die außerordentliche Tagung des sächsischen Landtags.

W- T.-B. Dresden» 25. Rov. Der sächsische Landtag trat heute vormittag zu emer außerordentlichen Tagung zusam­men» die durch den Vorsitzenden deS Ministerrates Kulrus- minister Beck namens des Königs mit einer Rede eröffnet wurde. Der Minister führte auS:

Der außerordentliche Landtag trete zu einem Zeitpunkt zusammen, wo Deutschland zu ungeahnter Kraft fern scharfes Schwert zur Abwehr heimtückischer Überfälle einer ganzen Welt von Feinden erhob, die es auf feine Ver-. nichtung absahen. Die fast übermenschliche Aufgabe von ebenso tiefem Ernst wie weltgeschichtlicher Größe, vor die sich das Vaterland jetzt gestellt sähe, finde Gott sei Dank ein großes Geschlecht, ein einiges Volk von Brüdern, bereit zu jedem Opfer an Gut und Blut. Nicht als Ambos für- andere Nationen, wie die Feinde sich dachten, sondern zu ihrem Schrecken als Hammer von kerndeutschem Stahl, vor besten wuchtigen Schlägen bald die Tore Europas ergib terten, nahm das Volk den Kampf entschloffen auf. Dank­bar gedachte der Minister der Heerscharen und der genialen Heeresleitung. Bereits ist die Kunde von unvergleichlichen Siegen der deutschen Truppen gekommen, in deren Reihen auch die königlichen Prinzen mit jugendlicher Be­geisterung eintraten und Mitglieder beider Kammern sich dem Dienste des Vaterlandes weihten. Neben den Ruhmes­taten des HeereS strahlt helleuchtend die Opferbereit­schaft der Bevölkerung. Er sei beauftragt, dem Lande hierfür den wärmsten königlichen Dank zu übermitteln.

Der Minister ging dann auf die einzelnen, dem Landtage gemachten Vorlagen ein, von denen die bedeutsamste dazu bestimmt ist, für die mit dem Kriege zusammenhängen­den Erforderniffe des Staatshaushaltes die ständigen Kreditbedürfnisse zu bewilligen und durch welche das Finanzministerium ermächtigt werden soll, die Barbe­stände der Finanzhauptkaste um 200 Millionen Mark zu ver­stärken. Der Minister schloß: Die Staatsregierung ist mir

Ihnen in dem unerschütterlichen Entschluß eins, im Bewußt­sein unserer unbeugsamen Stärke mit allen Kräften durch» z u h a I t e n, bis wir die Feinde niedergerungen haben und einen, den ungeheuren Opfern und vergoffenen Tränen wer­ten Frieden errungen haben. —- Stürmischer Beifall unter­brach die Rede wiederholt, besonders bei den Schlußsätzen wurde lauter Beifall hörbar. Der Minister erklärt^ den außerordentlichen Landtag für eröffnet.

Beide Kammern des Landtages nahmen die Regierunas- borlage e i n st i m m i g ohne Debatte an. In der feierlichen Schlußsitzung drückte Staatsminister Beck in einer von vaterländischem Geiste durchwehten Rede den königlichen Dank für die einmütige Bewilligung der geforderten Mittel aus, worauf er den außerordentlichen Landtag für ge­schlossen erklärte.

Oie Lebensmittelversorgung Velgiens.

W• T.-B. Berlin, 24. Nov. (Nichtamtlich.) Nach Angabe englischer Blätter soll man sich in Amerika über eine Aus­hungerung Belgiens durch die Deutschen und eine Ablehnung der amerikanischen Hilfe zur Beschaffung von Lebensmitteln für Belgien entrüsten. Demgegenüber ist folgendes festzu- stellen: Die Versorgung Belgiens mit Broffruchl erfolgte bei der ungenügenden Produktion deS Landes und dem Bedürf­nis der annähernd 7y 2 Millionen Einwohner auch in Frie- denszeiten zu drei Viertel aus dem Auslande, insbesondere aus Amerika. Die belgische Brotfruchterzeugung reicht auf die Dauer nur weniger Monate. Die Kriegsereignifle brach­ten es mit sich, daß die Produktion des Landes hinter der normalen Höhe weit zurückblieb, und daß Anfang August vielfach die Ernte noch nicht eingebracht war. Soweit noch Vorräte vorhanden waren und Erträge der neuen Ernte Vor­lagen, ist das faßbare Getreide zum größten Teil von der belgischen Regierung für die Bedürfnisse des belgischen Heeres in Anspruch genommen worden. Die Versorgung der belgischen Zivilbevölkerung mit Lebensmitteln war hiernach zeitweilig allerdings ernstlich in Gefahr gestellt. Schlimm wurde die Lage nur dadurch, daß England, um Deutschland auszuhungern, auch kein Getreide nach Belgien hinüber ließ. Nach Paragraph 3 des Haager Abkommens über die Gesetz«.- und Gebräuche des Landkrieges ist das Besatzungsheer be­rechtigt, Vorräte an Lebensmitteln zu beschlagnahmen, kei­neswegs aber verpflichtet, aus den eigenen Vorräten die feindliche Zivilbevölkerung zu unterhalten. Deutscherseits ist deshalb von Anfang an darauf hingewiesen worden, daß der Knappheit der Lebensmittel nur abzuhelfen sei durch das

Fünfhundert Kilometer in dreißig Stunden.

Eine Kriegsfahrt durch Ostpreußen.

Mit der Eisenbahn ist das heute nichts mehr für einen Zeitsparer. Um ordentlich vorwärtszukommen, muß man ein Auto nehmen! Leider find diese angenehmen Zeitgenoffen, wie alles Kriegsnützliche und -nutzbare, recht selten und teuer geworden: so etwa zwei Mark pro Kilometer. Um so lebhaf­ter ergriff ich eine willkommene Gelegenheit, als Zaungast in einem Opelwagen durch große Strecken der vom Kriege heim­gesuchten Nordostmark hin- nnd zurückzusausen. Zeit zu ein­gehender Betrachtung blieb fteilich nicht, aber dieser ver­wegen erraffte Gesamtüberblick, dieses gleichsam aus der Vogelschau übersehene Ostpreußen war auch von Reiz und Wert. Ich gedenke darüber nicht mit breitmalendem Pinsel, sondern ungefähr in demselben Tempo, in dem ich gefahren bin, al freeco zu berichten.

Aus Umwegen zur Grenze! Die ersten Spuren des Kampfes zeigen sich am Ausgang von Labiau: Am Damm

gleich hinter der Adlerbrücke hatten die Unsrigen sämtliche Baulichkeiten abgetragen, um freies Schußfeld zu gewinnen. Dann tauchen auch bald rechts und links die ersten Schützen­gräben aus — von recht verschiedener Gediegenheit, je nach­dem sie von Rüsten oder Deutschen aufgeworfen sind, je nach­dem die Stellung dauernd oder vorübergehend war. Auf der Deimebrücke hatten wir eine interessante Begegnung. Ein mit Offizieren besetztes Militärauto kam uns entgegen, besten Lenker eine — Dame war. Das Steuer war ihr nicht bloß aus Galanterie für den Augenblick überlassen, sondern steht ihr immer und von Rechtens zu. Frau T»r R. ist der einzige werbliche Chauffeur, der gegenwärtig im Felde stehe

Wiesbadener Tagblan.

Verhalten von Großbritannien. Diesem Standpunkt trugen die in Belgien verbliebenen Vertreter der beiden neutralen Großmächte, Amerika und Spanien, Rechnung, indem sie zu­nächst für die Stadt Brüssel unter ihrem Schutz ein Hilfs» und Ernährungskomitee (Centrale de Secours et d’Alimentation) ins Leben riefen, das seine Tätigkeit als­bald auf ganz Belgien ausdehnte. Das Komitee sandte Ver­treter nach England, um bei der dortigen Regierung die Ge­nehmigung zur Versorgung Belgiens mit amerikanischer Brotfrucht nachzusuchen. Der Generalgouverneur in Belgien hatte dem Komitee die schriftliche und förmliche Erklärung abgegeben, daß diese für die Ernährung der Zivilbevölkerung Belgiens bestimmten ausländischen Lebensmittel in keiner Weise für die Verpflegung der deutschen Truppen requirierr werden würden, sondern ausschließlich der Ernährung der belgischen Zivilbevölkerung dienen sollten. Auf Grund dieser Zusage haben der amerikanische und spanische Gesandte in Brüste! in einer Note vom 10. November mitteilen können, daß die nach London geschickte Kommission von der englischen Regierung das Versprechen erlangt habe, daß die von neu­tralen Häfen auf neutralen Schiffen nach Rotterdam ver­frachteten Lebensmittel frei nach Belgien gebracht werden können. Der Einkauf und die Vermittlung des ausländischen Getreides ist folgendermaßen organisiert: Unter dem Ehren­schutz des amerikanischen und des spanischen Botschafters bezw. Gesandten in London, Brüssel und im Haag hat ein amerikanisch-spanisches Komitee mit Unterabteilungen in den drei genannten Städten im Gebiete des Komitees in London auch die Aufgabe, die für die belgische Zivilbevölke- rung nötigen Lebensmittel anzukaufen, alle freiwilligen Gaben des Auslandes in Geld und Naturalien zu sammeln und die Lebensmitel sowie die übrigen Naturalien bis Rotterdam zu verfrachten. Das Komitee in Rotterdam speichert die ihm zugeschickten Sendungen auf und leitet sir- weiter nach Belgien. Das Komitee in Brüssel stellt durch das Komitee Centrale de Secours et d’Alimentation fest, welcher Bedarf in Belgien vorliegt, übermittelt das Ergebnis an die drei genannten Stellen, speichert ferner Sendungen aus Holland an geeigneten Plätzen auf und führt die Lebens­mittel dahin, wo sie benötigt werden. Dabei wird es von den in einigen Provinzen gebildeten Provinzialkomitees unter- stützt, die die Fühlung mit den einzelnen Städten und Gemein­den unterhalten. Gegenwärtig ist die -Organisation in wei­ten Teilen des Landes im Ausbau begriffen. Um den Be­darf der Zivilbevölkerung aber auch schon bis zu dem Zeit­punkt sicher zu stellen, an dem eine genügende Menge Brot­frucht herbeigefüurt ist, was bei dem Transoprt von Amerika nicht vor drei Wochen möglich ist, hat sich die Armee-Inten­dantur des Generalgouvernements bereit erklärt, den einzel­nen Gemeinden kleinere Mengen Mehl im Falle dringenden Bedürfnisses gegen demnächstige Zurückerstattung in natura durch das Komitee Centrale de Secours et d’Alimentation vorzuschiehen, so daß' die Lebensmittelfrage auch in abseh­barer Zeit zu ernsten Sorgen keinen Anlaß gibt. Zufolge dieses dankenswerten Zusammenwirkens aller beteiligten Kreise kann die Frage der Versorgung Belgiens mit Lebens­mitteln nicht mehr als bedrohlich angesehen werden, wenn auch die kaiserliche Regierung angesichts der feindlichen Be­mühungen, Deutschland von seiner Zufuhr nach Möglichkeit abzuschneiden, es nach wie vor ablehnen muß, die eigenen .Vorräte, um der belgischen Bevölkerung willen in nennens­wertem Maße zu schmälern. Hiernach entbehren die An­griffe einiger Organe der ausländischen Presse jeder Begrün­dung.

tteine Annexion Luxemburgs durch Deutschland.

hd. Luxemburg, 25. Nov. Der Landsturmhauptmann Wilson aus Erfurt hat auf einer Wachtparade in Luxemburg eine Rede gehalten, worin den Mannschaften zu verstehen ge­geben wurde, daß sie die Borläufer der neuen Garnison Luxemburg, das man für Deutschland wiederzugewinnen hoffe, seien. Tie Luxemburger Presse besprach diese Äußerung abfällig, worauf der Landsturminspektor Teßmar hier offiziell mitteilt, daß die Rede des Hauptmann eine völlig private Äußerung sei; weder die Reichs- noch die Militärbehörden teilten diesen Standpunkt und bedau­erten lebhaft die Entgleisung Wilsons. Damit ist eine neue offizielle Versicherung gegeben worden, daß Deutschland keinerlei Annexionsabsichten gegen Luxemburg hegt.

Die Mitwirkung der Kirche bei den wirtschaft­lichen Nriegsmatznahmen.

Koblenz, 22. Nov. Das König!. Konsistorium der Rheinprovinz macht die Geistlichen und Presbyterien auf die Anordnungen zur Regelung der Brotversorgung Deutschlands aufmerksam und spricht die Erwartung aus, daß sich die Geistlichen, namentlich in den ländlichen Bezirken, die Verbreitung und Durchführung der Be st im­mun gen nackchrücklich angelegen sein lassen. Sie würden

und der, wie anmerkungsweise hinzugefügt sei, sich gut be­währt und sogar im Gefecht an der Deime eine Rolle gespielt hat. Ein neuer Erfolg in der Vermännlichung der Frauen durch den Krieg!

Die Chaussee nach Mehlanken führt mitten durch das Schlachtfeld, das man sich aber wirklich nicht zu romantisch vorstellen sollte. Die heutige Gefechtsart verlangt möglichste Entwicklung der Truppen, und schon deshalb werden die malerischen Kampfknäuel mit ihrem dramatischen Durch­einander von Waffen und Bewaffneten, von Tier und Mensch, die uns von älteren Kriegsschildereien vorschweben, immer seltener. Dazu kommt die rasche Auftäumung des Schlachtfeldes, durch die sowohl die Verwundeten und Toten wie alles brauchbare Kriegsmaterial möglichst noch an dem­selben Tage beiseite geschafft wird. Die unangenehmsten Spuren der Kriegsfurie, die sich oft schon weithin der Rast verraten, sind die noch nicht beseitigten Tierkadaver. Wir sahen auf unseren Kreuz- und Querzügen zahllose tote Pferde — bisweilen in den merkwürdigsten Stellungen. Am rührendsten war mir der Anblick des edlen Tieres, wenn es sich scheinbar im Chausseegraben niedergekniet und wie vor. Müdigkeit den Kopf zur Seite geneigt hatte. Übrigens sind auch diese Pferde nicht alle feindlichen Kugeln zum Opfer gefallen. Es kommt beim Marsch großer Kolonnen immer einmal vor, daß sich ein armer Gaul ein Bein bricht und dann als nicht mehr marschfähig rasch den Gnadenschuß er­hält. Die toten Soldaten schlafen schon längst unter frischen Gräbern — größeren Hügeln, wenn sie in Masten zum Orkus gegangen waren, kleineren, wenn sic das Schicksal ver­einzelt, oft auf einem Patrouillengang, ereilt hatte.

Deutlich erkennbar sind immer die Biwakplätze an den Strohschütten, den Holzpflöcken für die Tiere, den Brand- . stellen zum Abkochen, den dohlenumschwärmten Resten der

Donnerstag, 26. November 1914. " Nr. 581-

auch die sich bietende Gelegenheit von der Kanzel, im Kin- dergottesdienst und Konfirmandenunterricht zu benutzen haben, um für die Verordnungen des Bundesrats in alle» Kreisen ihrer Gemeinden volles Verständnis zu schaffen. Nur wo ein solches vorhanden sei, könne erwartet werden, daß sich die Lebens- uist> Wirtschaftsführung des einzelnen zum Wohl des Ganzen gern den notwendigen Beschränkungen unter­werfe. Daran mitzuwirken, daß dies in möglichst weitem Um­fang ernst und nachhaltig geschehe, sei in der schweren Kriegs- zeit auch ein Dienst der Liebe am Ganzen unseres Volkes. Das Konsistorium hofft ferner, daß die Geistlichen von der Kanzel in dringlicher Weise auf die große Bedeutung der Verstärkung des Goldbestandes der Reichsbank Hin­weisen und sich, so weit, erforderlich, auch selbst in den Dienst des SammelnZ vorhandenen Goldgeldes stellen werden.

Die Taten der „Karlsruhe.

Bon der holländischen Grenze» 23. Rov. Die Reisenden des von »er „Karlsruhe" aufgebrachten englischen Dampfers „v a n D y ck" auf der Fahrt von Buenos Aires nach New Fori erklärten, die deutschen Offiziere hätten sich ganz tadel­los benommen. „Ban Dyck" wurde bis Bahia durch den Dampfer „Bristol" begleitet, der bei der Trennung ein Ab­schiedssignal sandte. Nachdem „van Dyck" Bahia verlassen hatte, kam die „Karlsruhe" mit großer Schnelligkeit auf „van Dyck" zu, übergab seine sämtlichen Reisenden dem Dampfer „Asuncion", von dessen Kapitän sie folgendes vernahmen; „Die „Karlsruhe" wird andauernd von vier erbeuteten Kaust fahrern begleitet, die Bemannungen von weggenommenen Schiffen haben. Die Flottille segelt für gewöhnlich so, daß sie auf einen Raum von 150 Seemeilen verteilt ist. Wird ein Schiff unter feindlicher Flagge gesichtet, so erhält die „Karls­ruhe" iofor! Nachricht davon durch Funkspruch. Der Kreuzer eilt alsdann herbei und fängt die Prise ab." Auf der „Karls­ruhe" erfuhr man, daß „van Dyck" das 17. der von ihr weg­genommenen Schiffen sei. Kurz nachdem di« deutschen Offi­ziere an Bord der „van Dyck" gekommen waren, erschien der Dampfer „Farn", gefolgt von „Jndrani", „Rio Negro" und „Asuncion", die der „Karlsruhe" als Quartierschiffe dienen.

Die Wirkung der deutschen Kriegsberichte im Ausland.

Von einer Wiesbadener Metallwarenfabrik, die mit dem Auslmid in regem Geschäftsverkehr steht, erfährt die Wies­badener Handelskammer, daß die von den deutschen Firmen sin Ausland verbreiteten Kriegsberichte langsam ihre Wirkung ausüben. Eine Firma in Spanien schreibt der deuffchen Fabrik, daß sie mit viel Zeitaufwand und auch mit nicht wenig Ärger die falsch unterrichteten spanischen Kreise liberaler An­schauung nach und nach aufklärt. Bei einer kürzlich unter­nommenen Reise in einem großen Teile Spaniens hat der Firmeninhaber in Spanien Gelegenheit gehabt festzustellen, daß der größte Teil der gebildeten Spanier nunmehr auf seiten Deutschlands steht. Die Berichte des Deut­schen Handelstags werden von den Empfängern in Spanien mit großem Interesse gesammelt und verbreitet.

Die Vertreibung der deuffchen Kolonisten aus dem Wolga- Gebiet.

hd. Berlin, 24. Nov. Nach aus Petersburg hier einge­troffenen Privatnachrichten bestätigt es sich, daß die russische Regierung einengende Maßnahmen gegen die deut­schen Kolonisten in den Wolga-Gouvernements zu treffen ge­denkt. Nach der Beendigung des Krieges dürste dort eine Massenauswanderung beginnen, wie sie in der ersten Hälfte dieses Jahres unter den deuffchen Kolonisten des Gouvernements Wolhynien ausbrach.

Der ostpreußische Landsturm im Kampf gegen die Rüsten.

Einen Sturmangriff auf russische Schützengräben machten in den siegreichen Kämpfen anfangs Oktober in der Nähe der Romintener Heide drei ostpreußische Landsturmkompagnien, denen fast ein ganzes russisches Regiment gegenüberstand. Wir lesen darüber im „Königsb. Tagebl.": Am 5. Oktober hatten Truppen eines deutschen Detachements eine im Walde gelegene Enge infolge heftiger Beschießung durch feind­liche Artillerie räumen müssen, und die Enge war von den Russen besetzt worden. Nach Eintritt der Dunkelheit er­hielten drei Landsturmkompagnien den Befehl, im Bajonett­angriff die Russen aus dem Wald horauszuwerfen und die von den benschen Truppen am Tage geräumten Stellungen wieder zu besehen. Die Landstürmer überraschten eine Feldwache und stürmten mit Hurra in den Wald, vom Feinde mit Maschinengewehr- und Gewehrfkuer empfangen. Sie nahmen einen Obersten, 4 andere Offiziere und 400 Mann gefangen und erbeuteten 7 Maschinengewehre, zahlreiche Patronen und zwei Taschen mit Papieren.

Am Pranger.

Das stellvertretende Generalkommando des 7. Armee­korps erläßt folgende Bekanntmachung: Der Handelsmann Samuel Sanders aus Straelen hat trotz meiner Ver-

Schlachttiere usw. Öfters bedecken zahllose weiße Zettel, vielleicht Papiere der Zahlmeister und Feldwebel, den Bode». Auch erscheinen einzelne Stellen der Chausseegräben von weitem weiß wie Blütenschnee. Kommt man näher, so er­kennt man die Flaumfedern des Geflügels, das hier sein Leben zum Vesten hungriger Mägen lassen mußte. Irgendwo führt ein von Gott weiß wo mitgenommener gelber Hotel- wagen ein Vagabundenleben im Grünen. Von der Tätigkeit des Feindes zeugen gekappte Telegraphendrähte, brüsk um­gelegte Zäune, erbrochene Briefkästen und leere Flaschen, deren Menge auf einen ergiebigen Durst, mehr aber noch aus eine ergiebige Fürsorge für seine Befriedigung schließen läßt. Aber überall sieht man auch, wie der Feind Haare lassen mußte. Zerbrochene Waffen, große Blasinstrumente des Musikkorps und viel, viel Munition kennzeichnen seinen oft fluchtartigen Rückzug. Russische Gewehre sind in Ostpreuücn jetzt wohlfeil wie Brommelbeeren. Desgleichen ist scharfe Munition ein Kinderspiel geworden, und mancher putzt sich zurzeit wohl mit dem spitzen Stahlmantel der russischen Patronen die Fingernägel. Wir fanden denn auch zahllose Munitionswagen unterwegs und ffagten uns schadenfroh immer wieder, wie die russischen Krupps wohl diese unge­heuren Verluste wieder ersetzen wollten. Auch die mit einem Pferdchen bespannten Feldküchen sind zahlreich erbeutet und von uns übernommen worden. Oft genug kamen diese be­weglichen Gefährte an uns vorüber und hinterließen einen sehr anregenden Geruch, au? dessen Dämpfen eine männliche Pythia die Nähe des ostpreußischen Lieblingsgerichts „Erbsen mit Speck" zu weissagen wußte.

Nicht selten entwickelten vorüberziehende Truppen sche kriegerische Bilder. Wie es für jeden Schlachtenbummler sich ziemet und gebühret, waren wir mit mancherlei Liebes­gaben gut verproviantiert. Aber weder unsere lachende«

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