her am Strogen. Der Kerl wollte sich Stroh holen für in den Schützengraben und ist in der stockfinsteren Nacht eine ganz verkehrte Richtung gelaufen. Unsere Stellung hier ist allmählich fast zur Festung geworden. Bor den Schützengräben arbeiten die Pioniere jede Nacht hindurch und legen Drahthindernisse, Wolfsgruben, Minen usw. an. Die Franzosen haben in den letzten Nächten verschieden« Durchbruchsversuche bei uns gemacht, sind aber jedesmal mit großen Verlusten zurückgeschlagen worden, daß ihnen Hören und Sehen verging. Von den glorreichen Eroberungen in Antwerpen werdet ihr wohl in den Zeitungen zu lesen bekommen. In dem beUlegenden Päckchen übersend« ich Euch einige französische Neuheiten, welche utt8 in hiesiger Gegend um den Kops herumsausten. Der große Granatsplitter war noch warm, als ich ihn aufhob. Die runde Bleikugel ist aus einem Schrapnell und das Kupfergefchotz ist eine französische Jnsanteriekugel Muerschläger). Die netten Sachen waren alle für unsere Schädel gemünzt, gingen aber einige Meter von unS entfernt ln den Dr«1. Hebt die drei Sachen bitte gut auf. Sonst gibt'S hier weil. - keine besonder« Neuigkeiten. Ich bin immer noch gesund un. munter, waS ich auch von Euch allen hoffe. BiS auf ein frckheS Wiedersehen verbleibe unter herzlichen Grützen Euer treuer Sohn Georg.
Lieb' Baterland .... sOriginalbrief.) „B-, 29. 10. 14. Hochwohlgeb. Herrn Major v. G.I Bestätigen mit Dank den empfang der Packetchen Euer Hochwohlgeb vom 27. 10. Ein jeder im Feld stehende Krieger freul sich königlich, wenn er abends bei Verteilung der Feldpost von den seinigen etwas erhält und wenn man nur mit einer Karte beglückt wird, aber noch größer ist die Freude, wenn man etwas ganz uner- tvavtet erhält, man frischt wieder aus und überwindet so sein schicksal vielleichter. Momentan ist ja der Dienst nicht anstrengend. wir liegen hier schon 14 Tage zur belagerung auf einem Gut. Der Besitzer und 2 Söhne sind Offizier und die Madam ist nach Paris abgedampft, dem Verwalter haben wir den Hof verboten, 1 Kuh, Hühner und Hasen wird von uns besorgt, denn wir brauchen es für unfern bedarf, so leben wir jetzt wie Gott in Frankreich, nachmittags 1 Stunde Reiten oder Fußdicnst, nur kommen wir aller 4 Tage auf Wache, dann hört die Gemietlichkeit auf, jetzt ist es zwar nicht . so gefährlich als die 1. zeit in Belgien, daß die ganzen Ortschaften abgebrannt worden sind, daß hat gezogen. Tagsüber hört man selten was vom Feuer, aber sobald es dunkel wird, versuchen unsere Freunde auszubrechen, aber Sie haben wenig Glück, denn unsere Stellungen sind mit allen modernen. Technischen Geschützen versehen, daß es unmöglich ist durchzudringen. Nur stellen es sich die meisten Leute zu Haus den Krieg so leicht vor, denn daS beweisen die Witz und Postkarten, wenn diese Leute mit ansehen wirken, wie zeitweise Schritt für Schritt erkämpft und mit teuren Blut bezahlt werden muß, Sie würden sicherlich andere anschauungen bekommen. Im vertrauen auf Gott unfern eigen Kraft und Waffen, wollen wir unser Vaterland so verteidigen, daß es keinem unfern guten Freunden nochmal einsällt, in unser geliebtes Heimatland einzudringen und wir sind alle bereit, es mit den letzten Blutstropfen zu besiegeln, aber das beste wollen wir hoffen, damit ivir wieder gesund und munter zu den unsrigen zurückkehren können. Inzwischen verbleibe ich Hochachtungsvoll K. W-, 2 Artl.-Mun.-Kol. d. 18. Armeekorps."
Zur Beschießung von Reims. „Reunundvierzigster Tag der Beschießung!" — das ist die neue Zeitrechnung der Bewohner von Reims. Jeden Morgen, »roch ehe es dämmert, kriechen sie aus ihren durch Sandsäcke beschützten Kellern hervor und eilen, Männer, Frauen und Kinder, mit einigen Flaschen Wein, Brot und kaltem Fleisch unter dem Arm, auf die umliegenden Höhen der Stadt, von wo sie dem Artillerieduell der französischen Batterien mit den aus den eroberten Forts Brimont, Rogent lÄbbesse und Berru aufgestellten deutschen Geschützen zu- sehen. Am Abend, wenn das Artilleriefeuer nachlätzt, kehren sie dann in die Stadt zurück, und die beiden noch erscheinenden Lokalblätter teilen ihnen mit, welchen Schaden die Deutschen ani 49. Tage der Beschießung angerichtet haben. Ein Mitarbeiter des „Daily Graphic" erzählt, daß besonders die älteren Stadtteile schwer gelitten haben. Was die Geschosse der deutschen Artillerie nickt zerstörten, vernichten ihre „init brennendein Petroleum gefüllten Handgranaten". Von -den 120 000 Bewohnern der Stadt find höchstens 40 000 zurück
geblieben. Obgleich sie sich tagsüber versteckt halten oder aus die Berge flüchten, sind doch gegen 700 Opfer des Artillerie- kampses geworden, und über 1000 »nußten, schwerer oder leich. ter verwundet, fortgeschafft werden. Die meisten Verletzungen sind auf herabfallende Mauerstücke oder einstürzende Häuser zurückzuführen. Erst recht zeig! sich am Abend, wie verlassen die alte Krönungsstadt der französischen Könige jetzt ist. Kein Licht darf gebrannt werden; weder auf der Straße noch an» den Fenstern der Häuser darf ein heller Strahl leuchten. In den Gasthöfen ziehen die Angestellten doppelte dunkle Vorhänge vor die Fenster, ehe sie Licht anzünden. Auf der Straße herrscht ägyptische Finsternis. Von Zeit zu Zeit erklingt der Schritt einer Militärpatrouille, die nachprüft, ob auch kein Lichtschein au? irgend einem Hause den deutschen Geschützen ein Ziel zu bieten vermag. In den drei oder vier Cafes und Restaurants, die ihren Betrieb auftecht erhalten haben, steht man nur Uniformen. Ein»ge Minuten vor S Uhr ertönt der Ruf: „On ferme!" Man schließt mit größter Pünktlichkeit, und die Gäste müssen in dunkler Nacht ihre Irrfahrt nach dem oft im Keller gelegenen Heim oder dem Hotel andre ten.
Russischer „Krie-Skomfort". Ei'iS hat der bisherige Verlaus deS russischen Feldzuges jedenfalls bewiesen: unvorbereitet sind sie diesmal nicht in den Krieg gegangen. Sie haben dabei ihr Augenmerk nicht mir auf die Ausrüstung ihrer Truppen nnt Waffen gerichtet, sondern auch eine Reihe kleinerer Ev- findungen praktisch auSgeführt. die für das Befinden des Soldaten im Felde »licht ohne. Wichtigkeit sind Unter diesen neuen Erfindungen, die bemerkt zu werden verdienen, nnrd in einem Bericht des „Corriere della Sera" besonders die des Fürsten v»m Oldenburg, des Oberhauptes der Organisation vom Roten Kreuz, hervorgehoben, die in einer Airwendung von Thermosflaschen in größtem Maßftabe bestehen. Sie hat auf den Schlachtfeldern ganz vorzügliche Dienste geleistet und viele Menschenleben gerettet. Alle beweglichen Lazarette sind mit zwei riesigen Kesseln und einem ungeheuren BeMter, der nach den Prinzipien der Thermosflasche konstruiert ist, arisgerüstek: beide werden auf Wagen transportiert. Die Suppe wird in den Heizapparaten gekocht und in den ThcrnwsbehAter gegossen, so daß sofort von neuem gekocht werden kann. Der sehr bequeme, leichte und bewegliche Apparat liefert die Nahrung für 1800 Menschen und kann dies in dem Augenblick tun. in dem sie zum Schlachtfeldc Vorgehen oder cms dem Kampf zurückkehren. Gerade die letztere Tatsache macht, wie die Ärzte versichern, die Heilung der Leichtverwundeten sehr viel sicherer, da sie die körperliche Verfassung der Soldaten äußerst günstig beeinflußt. In kurzem wird von den Russen auch eine andere Idee verwirklicht werden: die Bäder in der Schlachtlinie. Seit der Vollendung des großen Schienenweges durch Sibirien, der über 6000 Meilen durch ein dünn bevölkertes Land führt, hat die russische EisenbaHnverwaltung eine Reihe von Erfindungen im Eisenbahnwesen ausgeführt, die in keinem anderen Lande bekannt sind. Es gibt dort Kirchen. Schulen, Ausstellungen und alles »nögliche andere auf Schienen. Das Neueste, der Väderzug. ist ein Zug aus 20 Wagen, der russische Dampfbäder an 2000 Mann in vier- undztvanzig Stunden verabreichen kann. Cs soll erreicht werden, daß die russischen Soldaten regelmäßig jede Woche ihr Dampfbad erhalten, wo sie sich auch befinden mögen. Während des Krieges ist es ferner unmöglich, eine gründliche Reinigung der Wäsche vorzunehmen. Diese Bäderzüge sollen auch dafür sorgen Auf jedem fahren Frauen mit, die reine Wäsche an Soldaten verteilen Eine besonders hergerichtete Lokomotive sorgt für heißes Wasser und Dampf in genügender Menge für die Bäder der Soldaten und ermöglicht eS außerdem, ihnen Tee zu verabreichen.
Die Oberste Heeresleitung dichtet. Die Züricher Schriftstellerin Käte Joel hat vor einigen Tagen der deutschen Obersten Heeresleitung einen poetischen Gruß gesandt und darauf alsbald folgende Antwortverse erhalten:
Daß Du uns Deinen Gruß gesandt,
Wird Dir der Herrgott danken.
Im Streite für sein Baterland
Wird nie ein Deutscher wanken.
Ist auch die halbe Welt unS feind
In Niedertracht und Lügen,
; Ein Volk wie wir, im Kampf vereint, '
1 Wird fie^n, siegen, siegen!
Deutsche Oberste Heeresleitung.
Unserer Obersten Heeresleitung geht es offenbar sehe gut, da sie noch Leute zum Dichten abkommandieren kann. Jin übrigen nehmen wir sie Beim Wort: Siegen, siegen, siegen k
SerantwarMch für du Schrifiieiiung- 8. ». Nauendorf In Wiesbaden, — Druck und «erlag der L. SchcllenL-rgichen Hfl-Buchdruckern in Wiesbaden.
