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»fit. 5«». Mittwoch, 25, Nsdemb« 191#»

Abzeichen des Ordens Bonr le merüe geschmückt war. Diese eigenartige Auszeichnung wurde dem Schiff bekanntlich anläßlich des siegreichen Gefechts bei den Takusorts am 17. Juni 1900 zuteil. Damals führte der heutige Vizeadmiral v. L a n s das noch ziemlich neue Schiff.

Ein Leldgrntz des Raffers «n den tkSnig von Württemberg.

^V. T.-B. Stuttgart. 24. Nov. DerMaatSanzeiger" mewet: Seine Majestät der König hat folgende von

Serner Majestät dem Kaiser eigenhändig geschvwbene Feldpostkarte erhalten:Einen Gruß aus dwn

Hüttenlager Deines Regiments.^ HcSe imch sehr gefreut, auch das meine in vorzüglicher Hal­tung gesehen und Abordnungen anderer Regimen­ter sowie die ausgezeichneten Pioniere begrüßt zu haben. Deine Schwaben sind ebenso stramm, wie sie zähe und tapfer sind. 20. November 1914. Wilhelm.

Die Beerdigung des Generalquartiermeisters

v. Voigts-Rhetz.

W. T.-B* Naumburg a. d. S., 24. Nov. Mit mi litärischem Ehrengeleite wurde gestern Generalouartrermeistec von Voigts-Rhetz auf dem hiesigen Garn,sonfriedhof be­erdigt. Bei der Trauerfeier im Dome sprach Gcmusonpfcwrer Block. An der Trauerparade beteiligten sich das Feld­artillerie-Regiment Nr. 65 und das Jäger-Bataillon Nr. 4.

Der Dank des türkischen ttriegsministers an Bremen.

W. T.-B. Konstantinopel, 24. Nov. Der Kriegs­minister übermittelte den Blättern eine Mittermng, nach welchem er dem türkischen Honovarkonful in Bremen Reinhold E l f e l d sowie ^ iet l rge r n Bremens öffentlich für den sympathischen Brief dankt, den der Konsul in seinem und ihrem Namen an die osmanische Armee richtete, sowre für die Aussetzung einer Belohnung von 21 Pfund durch sie jur den tür­kischen Soldaten, der die erste feindliche Fahne oder das erste feindliche Maschinengewehr er­beute.

Die Aussichten im Osten.

Über die Kampfausfichten im Osten teilt derMontag aus einer Unterredung mit einer hohen autoritativen Per­sönlichkeit folgende Gedankengänge mit:

Wie in Polen, scheint sich nun auch an der Grenze Gali­ziens ein Umschwung in der militärischen Lage vollzogen zu haben, wie er nach den vorbereitenden Operationen der verbündeten Armeen mit einiger Sicherheit zu erwarten war. Nachdem HindenburgS strategische Über­legenheit die Rüsten bei ihrem neuen Vormarsch gegen die preußische Grenze zum Stehen gebracht hat und er mit unerhörter Entschiedenheit an dre Aufrollung ihres rechten Flügels gegangen ist. so daß der russischen Heeres­leitung nichts anderes übrig blieb, als den Rückzug anzu­treten. hat fast gleichzeitig die österreichisch-ungarische Armee den Rüsten an ihrem entgegengesetzten Flügel eine so schwere Niederlage zugefügt, daß vielleicht mich hier eine Zurück, nähme der russischen Streitkräfte mit "Einschluß von L e m» b e r g nur noch eine Frage der Zeii ist.

Der russische Aufmarsch zur galizischen Grenze, die Be­setzung wichtiger Punkte mit überlegenen Kräften, wie Lem­bergs und anderer Orte, sowie die Verlegung der eigenen Basis nach Brest-LitowSk waren zweifellos die Früchte lang­jähriger Studien des russischen Generalstabs gewesen und sie Hütten gewiß auch zum Ziele geführt, wenn der Gegen. schachzug der verbündeten Heere die Rüsten nicht in die pein­liche Noüage versetzt hätte, diesen bis in alle Einzelheiten ausgetüfelten Kriegsplan fallen zu lasten und eine für sie gänzlich veränderte Situation ins Auge zu fasten. Daß ihnen das nicht gelungen ist und wohl auch in absehbarer Zeit nicht mehr gelingen wird, beruht einerseits auf den mit ver­blüffender Schnelligkeit und außergewöhnlichem Zielbewußt­sein ausgeführten Bewegungen der verbündeten deutschen und österreichisch-ungarischen Armeen und andererseits und dies ganz besonders auf der vollkommenen Rn-

^iesdavener TagvIlM» Morgen-AuSgabe. Erstes Bian.

fähigkcit der russischen obersten Heereslei­tung. einem so gewaltigen Truppenkörper, wie ihrem Mil­lionenheer, eine neue Front zu geben, ohne dabei in ein wildes Durcheinander zu geraten. So ist es denn ge­kommen, wie die verbündeten Heerführer Deutschlands und Österreich-Ungarns, als sie zum beratenden Stelldichein ein- getroffen waren, vorausgesehen haben, und der Tag ist viel­leicht nicht mehr ferne, da ihre kameradschaftliche Zusammen­arbeit ihre reichen Früchte trägt.

Eine nicht nnwesentlicke Rolle spielt hierbei der mehr und mehr um sich greifende Mangel an Artillerie und Handfeuerwaffen bei den russischen Truppen, so daß sie sich gezwungen gesehen haben, ältere Bestände an Ge­schützen von Japan anzukaufen, demselben Japan, das mit diesen Geschützen vor zehn Jahren seine Siege auf den mandschurischen Kampfplätzen gegen Rußland erfochten hat. Daß dieses japanische Artilleriematerial nicht mehr neu und erstklassig ist, liegt auf der Hand, ebenso wie die Tatsache, daß der russische Artillerist mit ihm nicht umzugehen versteht. Daß die Russen auch mit Jnfanteriegewehren nicht allzu reichlich bedacht sind, geht schon daraus hervor, daß die ruft, fischen Soldaten im Moment ihrer Gefangennahme meist ohne Gewehr angetroffen werden. Auf Befragen, wo sie ihre Schießwaffen gelassen hätten, bekunden sie treuherzig, ihre Vorgesetzten hätten ihnen befohlW, sie im kritischen Moment schon frühzeitig wcgzuwerfen oder sie ihren Kameraden, die noch Aussicht auf Entkommen hätten, zu übergeben, damit diese sie der Truppe zurückbringen. In noch viel höherem Grade macht sich der Mangel an Schieß­waffen aller Art hinter der Front geltend. Die Russen haben alles, was sie besitzen, an die Front nebrackit, und jedes Geschütz oder Maschinengewehr, das sie dort ver­lieren, findet keinen Ersatz mehr. In diesem Licht gesehen, stellt die russische numerische Überlegenheit, auf die man in Frankreich und England so viel Hoffnungen setzt, sich ledig­lich als eine riesige Menschenlawine dar. die in sich zusammenbrechen muß oder um mit den Franzosen zu sprechen als eineDampfwalze", die verurteilt ist, ftüher oder später in ihrem eigenen Sumpf zu versinken."

Finanzielle Beisteuer eines russischen Vasallen.

Von der holländische« Grenze» 24. Nov. Nach einer Mel- dnng der russischen Telegraphenagentur vom 22. Hai der Emir von Buchara eine Million Rubel zur Verfügung des Zaren für Kriegszwecke, Verpflegung von Verwundeten und Hilfeleistnng gestellt.

hinter der französischen Zront.

In Breda konnte ein Berichterstatter desBerl. Lok.-Anz." eine französische Familie sprechen, die mit vielen anderen Einwohnern des verivüsteten Städtchens Albert belgisches Gebiet erreichten und schließlich, dank dem Entgegenkommen der deutschen Kommandantur, bis nach Holland gelangen konnte. Das von diesen Leuten entworfene Bild der um­strittenen Region läßt alle bisher bekannt gewordenen Schilde­rungen west hinter sich. Beim ersten Angriff auf das Städt­chen Albert gingen etwa 200 Häuser und Gehöfte in Flammen auf. Da niemand die Löscharbesten aufnehmen konnte, blieb von den in Bvand gesetzten Häusern nichts übrig. Vier Spinnereien, die über 6000 Menschen beschäftigten, wurden in Grund und Bechen geschossen.Und das alles haben die Foanzosen getan," rief der zum Bettler gewordene Familienvater aus. Er verhehlte nicht, daß von den franzö­sischen Soldaten keine Rücksicht auf Privateigentum genommen werde. Es gibt keine Reguisitionsbonds, kein Bargeld. Sie fiihren das Vieh ans den Ställen, holen aus den Kellern, was zu holen ist. Verlangt man eine Ent­schädigung, so wird entweder auf den Offizier,der zahlen soll", gewiesen (der Offizier bezahlt aber nichts), oder es heißt, die Lebensmittel müßten fortgeschafft werden, damit den Deutschen nichts Genießbares tn die Hände fällt. DaS Elend der gänzlich ausgeplünderten Menschen ist unsag­bar. Ein verwahrlostes Räubervolk umschleicht die Ver- pflegungskolonnen und Sanitätszüge. Die Zahl der Sol­daten-Apachen ist erschreckend groß. Der Flüchtling teilte noch mit, daß kurz vor seinem Auszug aus Albert 66 meuternde Soldaten kriegsrechtlich erschossen wurden.

Die französischen Plünderer.

Wir brachten vor einiger Zeit eine Mittellung, wonach der Bürgermeister Huret aus Mogeville eine ge­

harnischte Beschwerde über Plünderungen der Franzosen in seiner Gemeinde an seine Regierung richtete. Einem uns zur Verfügung gestellten Feldpostbriefe entnehmen wir heute folgenden neuen Fall:

Ein im Prinzip noch viel schlimmerer Fall wurde mir von einer einsam wohnenden alten gebrechlichen Frau aus Villers-le-Seck, Dep. Oise, unter Tränen erzählt. Bei ihrem eiligen Rückzug aus Belgien wären etwa 8 bis 10 französische Infanteristen in Begleitung eines Korporals in ihr Haus gestürmt gekommen und da Lebensmittel von Wichtigkeit und Wein nicht mehr vorhanden gewesen seien, hätten die Sol­daten sie, die fast 70jährige, unter fortwährendem Schimpfen und <Äoßen auf einen Stuhl gehoben, sünstliche Taschen untersucht nach Geld und Schlüsseln von Behältern. . Da sie sehr arm sei, so hätte sie selbstredend keine Wertobjekie be­sessen, nichtsdestoweniger setzten die Soldaten derGrande- Nation" der Frau die Pistole auf die Brust und ließen sie bei ihrem Seelenheil schwören, daß sie nichts zum Mitnehmen Geeignetes besäße. Ich glaube, jeder Kommentar ist hier überflüssig"» so schließt der Schvciber seinen Bericht.

100 Engländer von 15 Husaren gefangen.

Ein Ruhmestag war der 26. Oktober für die 2. Eskadron des Kasseler Husaren-Regiments Nr. 14. Wie eine Feldpost­karte des Wachtmeisters der Eskadron berichtet» hatten 16 Husaren unter dem Kommando des Leutnants Freiherrn von Buttlar auf einem Patrouillenritt in der Nähe von Apern einenglisches Maschinengewehr erbeutet und einen Oberst und 99 Engländer gefangen genommen.

Urlaub für englische Truppen.

Haag, 22. Nov. DieTimes" melden aus Nordfrankreich, daß die eingetretene K a m p f r u h e es möglich mache» viele englische Offiziere und Mannschaften, die wochenlang in Aktion gewesen sind, auf Urlaub nach Hause zu senden. Der Berichterstatter begegnete Offizieren, die ausgelassen waren wie Schuljungen auf Weihnachtsferien.

Ein Soldatcnhcim in Lüttich.

Das erste Soldatenheim im Feindeslande ist in L ü t» tich eröffnet worden. Die Nationalvereinigung der evan­gelischen Jugendbündnisse Deutschlands hat den Betrieb nach dem Muster unserer heimischen Soldatenheime eingerichtet. Sie hat einen in der Auslandsarbeit erfahrenen Berufsarbeiter dorthin entsandt, der den Betrieb des Hauses mit deutschen Hauseltern leitet, so daß unsere Soldaten nicht nur allerlei geistige und geistliche Anregung, sondern auch leibliche Erquickung zur Genüge finden. Das Heim erfteut sich regen Zuspruchs. Die Gründung weiterer Soldaten­heime in anderen belgischen Städten ist in die Wege geleitet.

Eine vaterländische Rathaussitzung in Prag.

W- T.-B. Prag, 24. Nov. In der gestrigen außerordent­lichen Sitzung des Prager Stadtverordnetenkollegiums ergriff Bürgermeister Gros das Wort zu einer Kundgebung. Er führte aus: Wir sind stolz auf die glänzenden Leistungen unserer braven Kinder und wollen deren Opferwilligkeit durch Opfer an Gut nach unseren Kräften im Jniereffe des Reiches erfolgreich ergänzen, als treue Untertanen unseres teuren Monarchen, jenes Friedensfürsten, dessen ge­segneter Herrschaft und väterlichen Fürsorge unsere Stadt ihre erfreuliche Entwicklung verdankt. In diesem gemein­samen kraftvollen Bestreben, dem höchsten, breitesten Jnter- effe zu dienen, können wir am besten die tiefste Dankbarkeit, innigste Liebe und Verehrung, welche die gesamte Bewohner­schaft der Hauptstadt zu der uns geheiligten Person unseres Monarchen hegt, aus ergebenstem Herzen zum Ausdruck bringen. Der Bürgermeister schloß: Gott segnp, Gott be­schütze unseren allergnädigsten Kaiser und König Franz Joseph und gönne Sieg den Waffen unserer tapferen Heere. Die Versammlung brach begeistert in die Slawa-Rufe auf den Monarchen aus und beschloß darauf, geeignete Maß­nahmen zu einer würdigen Feier des heurigen Jubiläums der 66jährigen gesegneten Regierung des Monarchen zu treffen. Es wurde ferner beschlossen, für die Kriegsan­leihe 4 Millionen Kronen zu zeichnen.

Deutschfeindliche Studenten in Genf.

W. T.-B. Basel, 24. Nov. (Nichtamtlich) In Genf ist eS zu einer Kundgebung der Studenten gegen den dortigen Pro­

sorgt. Vor kurzem find aus der Heimat einige hundert kleiner gußeiserner Öfen von besonderer Art eingetroffen, die mit jedem Heizmaterial gespeist werden Kinnen und deren Rauch in langen Erdkanälen niedergeschlagen werden kann, so daß er dem Feind kein Ziel bietet. Wenn es aber nebelig oöer regnerisch ist oder wenn die Dämmerung herab­sinkt, dann kommt neben dem deutschen Ofen der französische Kamin zu Ehren, der weiß und elegant, wie aus Marmor gemeißelt, in dem Kreidemergel hingestochen ist. Und beim Knistern der Scheite kommen dann die Kostbarkeiten der Billa aus ihren verborgenen Nischen hinter den Vorhängen zum Vorschein: ein gutes Buch, eine Flasche Landwein, oder gar die bei sparsamer Benutzung unglaublich dauerhafte Flasche Rum oder Kognak, aus welcher der Tee gewürzt wird.

An solchen inneren Schönheiten wetteifern mit der Ein­siedelei eine Reihe benachbarter Billen, so di« VillaWald- sriedr", deren Name freilich eine humoristische Kontradiktion ist, denn sie liegt führ unfriedlich «ritten im französisch- englischen Schutzfelde; dierumänische Hütte", die ihre Be­zeichnung davon hat, daß als Kronleuchter ein paar Faßreifen dienen, wie es nach den Versicherungen der glaubhaftesten Ethnographen dieser Gegend in Rumänien üblich sein soll; und dasalldeutsche Bierstübel", das wirklich die gemütlichste Kneiphähle der Welt trotz Auerbachs Keller sein könnte, wenn nur die Hauptsache vorhanden wäre, der hier völlig zur Sage gewordene braune Stoff.

All diese Bauwerke sind von sächsischen Oberjägern ent­worfen und ausgeführt, und es fft schade, daß nicht eines von ihnen, so wie es steht und liegt, in das deutsche Kriegs- museum übergeführt werdeu wird, welches wir nach dem Frieden bauen werden. Denn diese Erdwohnungen sind Denk­mäler deutscher Kultur, die sich in Ehren sehen lassen dürfen.

Freilich, so gern das an die Grauen des Krieges ge­höhnte und durch die Brandruinen ehedem blühender Dörfer und Städte bis zum Abscheu übersättigt« Auge auf diesen Stätten einer selbst im Maulwurfsloch sieghaften Lebensbe­jahung verweilt, so darf doch nicht der Anschein erweckt wer­den, als ob diese unfreiwillige Wildweftromantik in Wirklich­keit einen Ausgleich gegen die stetige Lebens- und Gesund­heitsgefahr bieten könnte. Man könnte in diesen Erdwoh­nungen ebenso gut an die unterirdischen Totenhäuser denken, die manch« Völker des Altertums und heute noch der sibirischen Steppe für ihre Totgeweihten erbauen. Wie unsichtbare

Lemuren lauern Rheumatismus und Erkältung hinter den bunten Teppichwänden, und jeden Augenblick kann eine Gra­nate einschlagen, welche den ganzen Märchenzauber in ein zugeschütjtetes Grab verwandelt.

Eben, als wir durch einen Annäherungsgraben der vor­dersten Schützenlinie zustrebten, begannen trotz des dichten Nebels einige schwere ftanzöfische Batterien ein dröhnendes Donnerlied. Doch galt ihr Schießen einem anderen Teile der Front. Die Leute, die wir vorne im Schützengraben trafen, ließen sich denn auch durch das Gebrüll der ehernen Schlünde nicht im mindesten in ihrer Ruhe stören. Die meisten lagen gemütlich in Decken gehüllt auf dicken Strohschütten in den splittersicheren Unterständen und freuten sich der Ruhepcnise, die ihnen der düstere Novembertag verschafft hatte. Anch als kurz darauf aus sehr naher Entfernung das Knattern fran­zösischer Jnfanteriegewehre losging, so daß die Kugeln dicht über unsere Köpfe sausten, waren wir Kriegsberichterstatter als fremde Gäste in dieser einladenden Gegend die Einzigen, die davon Notiz nahmen.O, das ist weiter nischt"» ver­sicherte mir ein dicker Landwehrmann.Da ist eine franzö­sische Patrouille unterwegs, und wenn die Kerle gar nischt anders zu tun haben, knipsen se e bißchen herüber. Wir ant­worten gar nicht, denn bei dem Nebel wäre das Munitions­verschwendung. Aber man tut besser dran, seinen Kopf nicht zu zeigen, sondern sich ein klein wenig niederzuducken." Über die Kriegslage in diesem Kampfgebiete gab mir ein anderer von den Schützengrabeninsaffen folgende sehr zutreffende Darstellung: ,,J, mir brauchen doch denen nich zu kommen, die müssen doch uns kommen, mir könnens abwarien." Und man ahnt nicht, was für eine Selbstbeherrschung in diesen Worten bei Leuten liegt, die dem Feinde so nahe gegenüber­stehen und die brennend gern an ihn heranmöchten, namentlich an die Engländer, die sich fast nie zeigen, deren Lyddit- granaten aber von Zeit zu Zeit aus weiter Ferne herübe-r- kormnen. Ein Aschbecher aus der verbogenen Wandung einer englischen Lyditegranate gehört, wie es scheint, zur Aus­stattung jeder besseren unter den beschriebenen Erdvillen.

Übrigens ist der Aufenthalt im Schützengraben durchaus nicht so langweilig und eintönig, wie es scheinen möchte, son­dern von Zeit zu Zeit wird für eine Abwechslung gesorgt. So hat man kürzlich einmal auf einer Stelle des Kampfgebietes sehr geschickt einen Rückzug markiert. In der Meinung, daß die Schützengräben verlaflen seien, kam eine Schar Turkos

angestürmt und sprang mit wildem Siegesgeheul in die Gräben. Da kamen aus ihren Schlupflöchern die Sachsen heraus und sagten als höfliche Leute:Nun entschuldigen

Sie gütigst, meine Herren, daß mir auch, noch da sind", und nahmen die ganze Bande gefangen. Die Schwarzen waren mit ihrem Pech nach der ersten Verblüffung ganz zufrieden und freuten sich, daß sie in gute Gefangenenlager kommen würden, denn sie waren alle von dem ihnen unerträglichen Nebelwetter furchtbar erkältet, und einige schüttelten sich vor Fieber.

Ein ander Mal wurde durch einen Handstreich der nächst­gelegene französische Schützengraben genommen. Von den Gefangenen erfuhr man, daß eine Patrouille unterwegs war, die sogleich einireffen mutzte. Man verhielt sich also ganz still. Bald erschienen drei Rothosen, die mit einem Sachsen, der sich eines der Käppis der Gefangenen aufgesetzt hatte, einen fröhlichen Gruß tauschten und mit lautembon soir les camerades" in den von den Deuffchen besetzten Graben hüpften. Sie wurden sofort gepackt, und man fand bei ihnen sehr wichtige Befehle, die über einen beabsichtigten Vorswß des Feindes Auskunft gaben. Dieser konnte dann ohne alle Verluste von unserer Seite blutig abgewiesen werden.

Gönnen wir unseren tapferen Jungen im Schützengraben, daß sie recht oft solche Freudentage erleben; denn so manchen, der über den wohlgelungenen Tnrkofang herzlich mitgelacht hat, deckt schon das Heldcngrab. Hinter den Schützengräben ist ein Friedhof angelegt, wo mancher, der unter den Fröh­lichen der Fröhlichste war, den ewigen Schlaf schläft. Die Gräber liegen in Reihen, mit Tannenbäumchen und Astern, welche weit aus den Gärten der' zerstörten Dörfer hergeholt sind, liebevoll bepflanzt. Jedes Grab ist eingefaßt mitAus­bläsern", den nicht zum Platzen gekommenen französischen Geschossen, mit denen das ganze Operationsgebiet so dicht übersät ist, daß man kaum wenige Schritte gehen kann, ohne auf einen zu swßen. Aus dem weißen Kreidestein haben kunstfertige Kameraden den Gefallenen schöne gemeißelte Grabdenkmäler errichtet, breite Kreuze mit einem Palmen­zweig davor, oder Obelisken mit dem Eisernen Kreuz, Helden­male, die blank auflcuchten in den nebelverschleierten Ge­filden der Champagne. Und auf den Inschriften stehen unter dem Namen und dem Truppenteil des Gefallenen tief ein­geschnitten die Worte zu lesen:Schlaf in Frieden. Ans Wiedersehen!" W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter,