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Zimtwod}, 2 5. November 1914. HtOrg&tts HttSgüb^.
Hr. 549. ♦ 62. Jahrgang.
3u dem Untergang des englischen Ueber- dreadnoughts „Kudaeious".
Br. Kopenhagen, 24.Nov. (Eig. Drcchtbericht. Ktr. Bin.) Die „National Tidende" in Stockholm schildert den Untergang des „Audacious" wie folgt: Ein schwedischer Dampfer, der am 21. Oktober mit der „Olympic" New Jork verließ, sichtete am 25. Oktober mittags an der irischen Küste ein großes englisches Kriegsschiff, das still lag und augenscheinlich in Not war. Auf Verlangen des Kriegsschiffes nahm die „Olympic" 250 Mann der gesamten Besatzung von 8- bis 900 Mann an Bord. Der Rest wurde von Kriegsschiffen ausgenommen. welche zu Hilfe kamen. Wie verlautet, war das große englische Kriegsschiff morgens stark beschädigt worden, doch war es u n g c w i ß. ob durch eine Mine oder ein deutsches Torpedo, übrigens wurde den „Olympic"-Passagicren durch Anschlag verboten, in England etwas über das Geschehnis zu berichten. Die „Olympic" versuchte, das. Kriegsschiff, das starke Schlagseiten bekommen hatte, ins Schlepptau zu nehmen, was sich aber als unmöglich erwies. Nach dem, was die Passagiere später erfuhren, ging das Kriegsschiff kurz darauf unter. 250 Matrosen wurden in der Nähe von Belfast auf ein anderes her- beigerufenes Fahrzeug übergeführt.
Weitere Einzelheiten znm Verlust des „U 18".
Br. Amsterdam, 24. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) „Reuter-Bureau" bringt zu dem Verlust des „U 18" noch einige Einzelheiten: Danach erschien daö Unterseeboot, nachdem es gerammt war, wieder an der Oberfläche mit w e i ß c r F a h u e. Es sank kurz darauf, nachdem der Torpedojäger „Garry" langsseits gekommen war.
Die deutleben Fortschritte im Westen und die Joffrelche Berichterstattung.
ßd Genf, 24. Nov. Gestern nachmittag hörten in N p e r n alle Versuche auf, die infolge der fortgesetzten deutschen Beschießung entstandenen Brände zu löschen. Durch den Einsturz des Hauptkirchenturms verlor die Besatzung den wertvollsten Ausschaupunkt. Die von der deutschen Infanterie bei S o i s s o n s und Reims unternommenen heftigen Ausfälle erfolgten wegen der auf den neugebildeten guten Stellungen durchgeführten besonders wirksamen Beschießung beider Städte. Die feindliche Artillerie wurde an mehreren Punkten zum Stillschweigen gebracht. Die Bedeutung dieses Teiles der deutschen Tagestätigkeit sucht der Joffresche Bericht ebenso zu verkleinern wie die starken deutschen Fortschritte im Argonnerwalde. Letztere machen auch heute wegen der Verdun drohenden Einkreisung die Pariser Militärkritiker stark besorgt. Völlig unerwähnt läßt der Bericht Joffres den engl-ischen Landungsversuch an der belgischen Käste. * Nach einer Prrvatmeldung wäre, wenn die deutschen Geschütze minder wirksam einge- grisfen hätten, eine Abteilung englischer Marineinfanterie bereit gewesen, durch die Dünen sich Ostende zu nähern. Das Scheitern dieses Planes glaubt Joffre dem Publikum verschweigen zu sollen.
Der amtliche französische Generalstabsbericht.
W. T.-B. Paris, 24. Nov. Der amtliche Generalstabsbericht vom 23. d. M., 1l Uhr abends, lautet: Heute fanden, wie gestern, im Norden, im Gebiete von Soiffons-Reims, Artilleriekämpfe statt. In den Argonnen erfolgten beiderseits heftige Angriffe, die ergebnislos blieben.
Einberufung der letzten Reserven in Frankreich.
W- T.-B. Kopenhagen, 24. Nov. „Berlinske Tidende" melden aus Paris: Der Kriegsminister hat alle Jahrgänge der Reserve und TderritoriaUruppen von 1898 bis 1910 einberufen, auch die, die nicht einberufen sind oder wieder heim- gescmdt worden waren.
Deutsche Fliegerbomben.
W. T.-B. St. Omer, 24. Nov. Ein deutsches Flugzeug warf über Hazebrouck fünf Bomben ab. Ein Chauffeur wurde getötet. Ein zweites deutsches Flugzeug warf zwei Bomben über Bailleul ab, wodurch drei Personen verletzt wurden.
Die Verluste der Verbündeten in Flandern.
hd. Rotterdam, 24. Nov. Aus Calais wird gemeldet: Der Präfekt von B e t h u n e hat die Bevölkerung aufgefordert, die Stadt zu verlassen und sich nach südlichen Departements zu begeben. Entsprechende Maßnahmen zur Beförderung der Flüchtlinge sind von der Regierung angeordnet worden. In Bethune liegen zurzeit 20 00 0 schwerverwundete Franzosen und Engländer, darunter mehrere bekannte Generale. In Boulogne trafen zwei Transpori- schiffe mit englischer Artillerie und Abteilungen der Naval Royal Garde ein. Die bedeutenden Verstärkungen sind teils für einen Offensivstoß im Gebiete von Lille-Armentieres, teils für einen Gegenangriff auf den den Verbündeten ab- Lerungenen Punkten zwischen Dpern und Nieuport bestimmt.
Die Lage in Brüssel nach englischer Darstellung.
hd. London, 24. Nov. In einem Bericht der „Daily Mail" heißt es über die Lage in Belgien: Die aktiven deut
schen Truppen, die in Lüttich standen, sind zur Front abgegangen. Ältere Leute, natürlich gleichfalls in Uniform, verrichten die Polizeidienste. Bon Ramur kommen keinerlei Nachrichten mehr an. Dagegen wird die Situation in Brüssel als wenig zufriedenstellend bezeichnet. Di« vor kurzem der Stadt auferlegte Geldstrafe von 4 Millionen Franker: ist nicht gezahlt worderr. Die Mehlzufuhr trifft jetzt regelnrätzig ein. Fleisch ist reichlich vorhanden, dagegen ist Milch sehr schwer zu haben. Das .Geschäftsleben will immer noch nicht recht gehen, mit Ausnahme einiger Geschäfte, die unter deutscher Aufsicht stehen. Niemand darf die Stadt verlassen. Starke Befestigungen werden in der Umgebung der Stadt angelegt. In der Gegend von Wavre, Mons und Wctterloo sind bereits starke Befestigungen angelegt worden. Diejenige!: der Hauptstadt sollen besonders stark sein, vornehmlich in der Richtung nach Vilforde, Löwen und Namur.
Englands Schutzmaßnahmen am Suezkanal.
Br. Konstantinopel, 24. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Ein aus Ägypten hier eingctroffcncr türkischer Diplomat schätzt die Zahl der englischen Truppen in Ägypten auf 50 000 Mann. Es seien durchweg weiße Truppen, meist jüngere, oft erst 17- jährigc, ungeübte und mit den Verhältnissen des Landes unbekannte Leute. Den Kanal, so sagt der Diplomat, habe» die Engländer außerordentlich stark befestigt. An zwei Ausweichstellen liegt je ein großes englisches Kriegsschiff mit sehr starker Armierung. Am westliche» Ufer des Kanals läuft ein P a nz e r z u g. Außerdem befinden sich dort eine ganze Reihe Panzerautomobile mit Kanonen und Maschinengewehren. Trotz der strengsten Maßregeln ist es gelungen, gedruckte Proklamationen im Volke zu verbreiten, so daß die Bevölkerung über die Vorgänge unterrichtet ist und das Zeichen zur Erhebung erwartet, sobald die Türken den Suezkaual überschritten haben.
Englische Verhandlungen mit dem Emir von Mekka.
Br. Konstantinopel, 24. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Angesichts des türkischen Vormarsches gegen Ägypten verhandeln die Engländer mit dem Emir von Mekka, um das Kalifat von Konstaniinopel nach Kairo zu verlegen, da der Sultan die Interessen des Islams an Deutschland verraten habe.
Das revolutkonärs indische Komitee an der Arbeit.
W- T.-B. Kopenhagen, 24. Nov. Nach einer Blatter- meldnng aus San Francisco macht das dortige revolutionäre indische Komitee große Anstrengungen, in Indien einen Aufruhr hervorzurufen. Es verbreitet in Tausenden von Exemplaren einen Aufruf, der eine Aufzählung der Greueltaten enthält, die die Engländer in Indien begangen haben. Die schlechte Verwaltung Englands in Indien ziehe jährlich 167 Millionen Dollar aus dem Lande.
Englische Truppen in Indien.
W. T-B. London, 24. Nov. (Nichtamtlich.) „Morning- Post" meldet aus Kalkutta: 9 Bataillone englischer Terri-
torial-Jnfanterie und 11 Batterien sind am 0. November in Bombay eingetroffcn.
Ei» englischer Major von einem Inder überfallen.
Br. Kopenhagen, 24 Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) „National Tidende" veröffentlicht folgendes Telegramm aus Bombay: Als der englische Major Anderson sein Regiment nach Europa einschiffen wollte, wurde er von einem fanatischen Sepoy überfallen, der ihn mit dem Bajonett durchbohrte und tötete; der Mörder wurde sofort erschossen.
Der türkische Vormarsch im Kaukasus von Rußland zugsgeben.
Br. Amsterdam» 24. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Ein energischer Angriff der Türken gegen die russische Grenze wird nunmehr rn den russischen Meldungen zugegeben. Danach haben die Türken eine große Armee bei Erzerum versammelt. Auch von Mesopotamien sind große Truppenmaffen auf dem Vormarsche gegen die russische Grenze begriffen.
Englische Roheit unö Grausamkeit im Seekriege.
Von Vizeadmiral z. D. Kirchhofs (Kiel).
In diesen Zeilen soll von den vielen und oft gemeinen Rechtsbrüchen, die sich England tagtäglich in beispielloser Willkür leistet, nicht die Rede sein, sondern n u r von den mannigfachen Handlungen roher Grausamkeit und skrupelloser Willkür im Seekriege, die schon zu Men von Unmenschlichkeit geführt haben, wie man sie selbst den brutalen Engländern, den Vorkämpfern christlicher Gesittung in der Welt, den Beschützern der armen bedrängten Neutralen kaum zugetraut hattel
Sie begannen sofort, gleich bei Ausbruch des Krieges. Denn anders als roh und grausam läßt es sich doch nicht bezeichnen, wenn man von neutralen Schiffen wehrlose männliche Fahrgäste fortnnmnt Md ins Gefängnis, steckt, ohne sich um die Not der. zu
gehörigen Familienmitglieder zu kümmern. Englische Behörden . haben bei diesen Anlässen nicht nur die waffenfähigen -wehrpflichtigen Deutschen und Oster- reicher festgesebt, sondern fast jeden einzigen Mann, den sie auf den Schiffen antrafen. Ähnlich ist es vielen deutschen Seeleuten ergangen, gleich ob sie auf deutschen, neutralen oder englischen Schiffen angestellt waren. Die Behandlung dieser meist ohne jedes Recht Verhafteten ist oft eine geradezu unmenschliche gewesen und ist es wohl noch, so daß sich der Verein deutscher Seeleute in Hamburg an die Regierung mit Vorstellungen zur Linderung ihres Geschicks wandte, denen end- l ich nachgegeben wurde. Das an England gestellte Ultimatum zum 5. November war nach langer Zeit ein Lichtblick auf diesem Gebiet. Den durch ungenügende Verpflegung . und gesundheitsschädliche Unterkunft schwer Geschädigten hätte schon früher geholfen werden können und müssen. Die Menge der Todesfälle, soll unter diesen Unglücklichen bereits eine verhältnismäßig hohe Zahl erreicht haben.
, Der durchweg brutale Charakter aller Engländer zeigte sich in gleicher Weise und noch größerer Nacktheit im fernen O st e n. Wir -haben jetzt genauere Nachrichten über die rohe und_ gefühllose Behandlung der von Tsingtau nach Tientsin gesandten Frauen und Kinder. Sie wurden auf -dem ersten Dampfer den Zudringlichkeiten einer neuen betrunkenen englischen Besatzung ausgesetzt, während die Chinesen sie bestahlen, und dann nach längeren Verhandlungen ans einem sehr viel kleineren chinesischen schlechten Schiff eingepfercht sowie nach vieler ausgestandener Angst und Not an ihren Zufluchtsort gesandt. Das ganze Vorgehen der -Engländer war gänzlich zwecklos ■ und würdelos, nichts als ein Ausfluß brutaler Grausamkeit, skrupelloser Willkür und Roheit, diesmal sogar mir Frauen und Kindern gegenüber. Solcherlei Handlungen an wehrlosen Frauen und Kindern und auch Männern gibt es noch manch fernere zu verzeichnen. Die hier angeführten mögen genügen, um wieder eimnal die Behauptung zu erhärten, daß die ureigenste W-esenhcht alles Englischen Brutalität und Roheit ist, verbunden mit heuchlerischem und scheinheiligem Auftreten.
Auf dem -eigentlichen Gebiet des Seekrieges haben wir Ähnliches zu verzeichnen. Das bei dem Vorpostentreffen vor Helgoland Geschehene spricht Bände. Die Engländer nehmen die im Wasser schwimmenden Mannschaften des untergegangenen deutschen Torpedobootes „V 187" in ihren eigenen Booten auf, nehmen fie also gefangen und retten sie dabei. Da kommen während des Gefechts andere deutsche Torpedoboote herbei und feuern weiter ans ihre Gegner. Aus Ärger, daß sie ihre Beute fahren lassen müssen, suche« sie das längsseit liegende eigene Boot mit den deuffchen Gefangenen darin zu zerstören, und als dies nicht gelingt, wird den wehrlosen Gegnern im Boot noch ein Schuß nachgesandt. Eine nähere Erläuterung solcher Roheit -und Gemeinheit gegenüber ist wohl überflüssig. Schlimmer haben die feindlichen Franktireurs auch kaum gehandelt. Das Beispielloseste an Gefühlsroheit und Rücksichtslosigkeit im Seekriege haben sich die Engländer aber mit der Wegnahme des deutschen Lazarettschiffes „Ophelia" geleistet. Dieser Darnpfer war nach dem Gefecht an der holländischen Küste, in -dem am 17. Oktober die vier Torpedoboote „S 115", „117", „118", „119" untergegangen waren, zur Rettung etwa noch im Wasser schwimmender Mannschaften an Ort und Stelle gesandt worden. Über die Einrichtung und geplante Verwendung des Schiffes war bald nach Kriegsbeginn auf deni Umwege durch die amerikanischen Botschaften der englischen Regierung eine amtliche Mitteilung zugegangen, wie dies die Haager Konvention vorschreibt. (Anwendung der Gesetze der Genfer Konvention vom Roten Kreuz auf den Seekrieg.) Der Kommandant des englischen Kreuzers „Jarmonth" hat seine rohe und an Unmenschlichkeit grenzende Gesinnung dann dadurch gezeigt, daß er diesem -Schiff nicht gestattete, seinem Zweck nachzukommen, d. h. die Landsleute zu retten. Obwohl die „Ophelia" die Rote Kreuz-Flogg-e führte und in jeder Beziehung mit ihren Einrichtungen den Genfer Konventionsbestimmungen entsprach, wurde sie fortgenommen, -weil sie „ein Minen schiff sei". Als die sofortige Durchsuchung dies heuchlerische Vorgeben allzu klar bloßstellte,_ hieß es: sie sei mit F u n k e n t e l e g r a p h i e - Einrichtung versehen. Letztere Einrichtung ist aber nach der Haager Konvention besonders gestattet worden. Fürchtete man Schädigung durch letztere Vorrichfting, so konnte man allenfalls diese Einrichtung zerstören. Was tat aber der Kommandant? Er ließ das Schiff sofort in einen englischen Hafen bringen, wo es auch jetzt nocf* rechtlos festgehalten wird. Und in alle Welt hinaus lügt England, man habe ein deuffches DffMnschiff fortgenommen, das unter der Scheinflagge des Roten Kreuzes fuhr. Die an Bord gewesenen über 50 deutschen Sanitäter sind später einen: der vielen KouzentraiwMagerzuge-
