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Montag 23. November 1914.
Kbend-Nusgabe.
Der Krieg.
Der Tagesbericht vom 23. November.
Jortdauernde Kämpfe bei Nieuport nnö l}pcrn. Neue Erfolgs im Krgonnerwaltz- — vre Entscheidung im Osten noch nicht gefallen.
W. T.-B. Großes Hauptquarti er, 23. Nov vormittags. (Amtlich.) Die Kämpfe bei N,cuport und Apern dauern fort. Ein kleines englisches Ge- s ch w a d e r, das sich zweimal der Kulte näherte, wurde durch unsere Artillerie vertrieben. Das ^cuer der englischen Marinegeschütze blieb erfolg io..
Im Arqonncrwalde gewinnen wir Schritt für Schritt Boden. Ein Schützengraben nach dem anderen, ein Stützpunkt nach dem anderen wird d n Franzosen entrissen. • Täglich wird eine Anzahl 0 e - fangen er gemacht.
Eine gewaltsame Erkundung gegen innere Stellung östlich der Mosel wurde durch unlcre Gegenangriffe verhindert. „
In Ostpreußen ist die Lage unverändert.
In Polen schiebt das Auftreten n e u - r rmmcher Kräfte aus Richtung Warschau ??e Entscheidnilg noch hinaus. In der Gegend östlich Czcnstochau und nordöstlich Krakau wurden die Angriffe der verbündeten Truppen fortgesetzt.
O b e r st e Heeresleitung.
Deutsche Erfolge im Kisne- und Ehampagneg bist.
Berlin, 23. Nov. Der „Berliner Lokalanzeiger" meldet aus Genf: Im Aisne-Gebiet, m der Champagne und im Wövre-Bezirk gewannen die deutschen Truppen trotz -hartnäckigen Widerstandes ausreichendes Gelände für die Vermehrung ihrer Laufgraben. Der Kampf um die Ortschaft Les-Eparges rin Wovre- Gebiet, wo ein sehr heftiger Angriff gegen die Deut- . -'chen erfolgte, wird fortgesetzt. Nach privaten Meldungen aus Flandern stehen dw Deutschen bei Nvern und Hollebeke werter südlich als der französische Tagesbericht zu ge steht. Die französische Batterien haben wegen des durchgewerchten Terrains erhebliche Schwierigkeiten, in Stellung zu gehen. _ Blutige Kämpfe um La Basste. - Große Verluste der Jud.er.
T. TT. Lonbou, 21. Nov. Die „Times melden vom weltlichen Kriegsschauplatz. daß der Ort La Basste ist den letzten Taaen der Mittelpunkt der heftigste ,i Kampfe gewesen l. Die indischen Regimenter hätten in diesen Kämpfen starke Verluste gehabt, aber ihre Aufgabe gut erfüllt.
Tie starken Befestigungen der Deutschen an der Küste.
Br. Rotterdam, 23. Nov. (Eia. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der „Times"-Korrespondent meldet aus D ü n k i r ch e t,. Die neuangelegten starken Befestigungen der Deut,chen bilden eine Ergänzung zu den starken Verbindungslinien von Brüssel stach der Maas. Die Flieger der Alliierten hätten sestgestellt, daß die Deutschen große Truppenmaßen bei Clerken zusammenziehen. 10 000 Mann vom Landsturm seien von Deutschland nach Belgien gebracht nwrden und liegen jetzt in B l a n k e n b e r g h e und Ostende. Die Deutschest warteten augenscheinlich, bis die uberschneiten Wege"durch Frost passierbar geworden sind, um dann ihre schweren Kanonen, die sie bereits von Essen erhalten hätten, an die Front transportieren zu können.
Der Kampf um Heims.
Kopenhagen, 23. Nov. Pariser Blättern zufolge dauert der Kampf um Reims mit großer Heftigkeit an. Die deutschen Linien umschließen die Stadt im Halbkreis Die deutschen Angriffe waren in den letzten beiden Tagen von außerordentlicher Kraft und bewiesen, daß die Deutschen bedeuten d e V e r- stärkungen erhalten haben.
Das Mißtrauen in die gegenwärtige Ruhe.
Vst. T.-B- Berlin, 28. Nov. Aus R o in wird gemeldet, General Bannal glaubt nicht, daß die augenblickliche Un. tätigkeit der Deutschen den Verzicht des Angriffs auf den linstn Flügel der Alliierten bedeute. Im Gegenteil scheinen di» Deutschen nach den bisherigen Erfahrungen nach mehrtägigen Angriffen ans einen bestimmten Punkt ihre Aktionen auf einen anderen Punkt zu verlegen. Die gegenwärtige Rübe verberge zweifellos irgendetwas. Die deutschen Angriffe würden sicher binnen kurzer Zeit irgendwo anders außerhalb der überschwemmten Zone von neue m einsetzen.
Kühne Taten deutscher Unteroffiziere.
IkI London, 22. Nov. Der offizielle Berichterstatter im englischen Hauptquartier berichtet über große Kühnheit, mit der deutsche Unteroffiziere nachts in die englischen Stellungen eindringen und Erkundungen vornehmen. Sw legen Schuhe und Kopfbedeckungen ab und kriechen an die englischen Linien heran, deren Aufmerksamkeit die Deutscher, abzulenken suchen. Es gelingt ihnen manchmal, die englischest Linien an sehr geeigneten Stellungen zu passieren. Viele sprechen Englisch und zeigen auch große Gewandtheit, sich aus schwierigen Lagen herauszuziehen. Sie versuchen auch die Telephondrähte durchzuschneiden.
Sorgen wegen der Kälte in Paris.
W. T.-B. Mailand, 22. Nov. (Nichtamtlich.) Der „Corriere della Sera" erfährt aus Paris, das; dort Kälte herrsche und daß die Bevölkerung das Ungemach des Krieges jetzt direkt fühle, weil Mangel an Kohlen sei. Auch sorgt man sich um die Truppen aus Südfrankreich lind den Kolonien, die dem ungewohnten Frost ausgesetzt sind. Wollsachcn bringen nur leichte Liiiderung. Das tagelange Stehen in den Schützengräben sei eine wahre Tortur für die Soldaten. Man erwartet deshalb allgemein eine lebhafte Wiederaufnahme der Kriegshandlungen.
W. T.-B- Berlin, 23. Nov. Das „Verl. Tagebl." meldet aus Rom: Dem „Messaggero" zufolge leidet das französische Heer furchtbar unter der Kälte. Alle Spitäler seien mit Sterbenden und Kranken überfüllt. Alan fürchtet, daß der Winter . ebenso r a uh werden wird wie der bon 1870. Die Fahrstraßen sind sehr unwegsam, so daß der Verkehr der Munitionskolonnen fast unmöglich gemacht wird. Nach An- icht militärischer Kreise wird der Krieg für die Alliierten immer schwieriger und fordert immer noch größere Opfer als bisher.
Der französische Kricgsministcr zum Oberstleutnant befördert.
T. II. Paris, 22. Nov. Der Kriegsminister M e s s i nr y ist zum Oberstleutnant befördert worden.
y deutsche Militärärzte vor dem pariser Kriegsgericht!
Br. Kopenhagen, 23. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Aus Paris wird telegraphiert: Vor dem hiesigen Kriegs
gericht fand eine Verhandlung gegen 0 deutsche Militärärzte statt. Die Anklage lautete auf Gewalttaten gegen Einwohner in den von den Deutschen besetzten französischen Gebieten und Nachlässigkeit bei der Behandlung von Verwundeten. Die Angeklagten protestierten einstimmig energisch gegen diese Beschuldigungen. Die Verhandlung nahm einen -sehr bewegten Verlaus. Der Urteilsspruch wurde verschoben.
„Ostern ist der Krieg zu Ende!" Der Traum eines französischen Phantasten.
l«l. Paris, 21. Nyv. „Ostern ist der Krieg zu Ende", so schreibt der bekannte Literat Paul Borlatier in einem Artikel, der augenblicklich von der ganzen französischen Presse nach- aedruckt wird. Herr Borlatier prophezeit: Ende November werden die Deutschen aus Frankreich und Belgien verjagt sein und müssen neue Verteidigungsstellungen beziehen. Am 15. Dezember ist auch diese Linie durchbrochen, die französischen Truppen stehen im Elsaß, Metz und Straßburg werden belagert. Am 1. Januar schlägt Deutschland einen Frieden aus der Basis des Status quo antea vor und will die annektierten Provinzen herausgeben. Die Verbündeten verweigern den Frieden. Es kommen die letzten verzweifelten Kämpfe, die Rheinlinie wird genommen, gleichzeitig überschreiten die Russen die Oder. Ende Januar liegt Deutschland hilflos zu den Füßen der verbündeten Armeen und O st e t n wird der Friede auf den Trümmern des preußischen Militarismus im Schlosse zu Berlin unterzeichnet!
Belgische Flüchtlinge vom Thphns befallen.
W- T.-B. Rotterdam, 22. No». (Nichtamtlich.) Der „Maasbade" meldet aus Vlissingen: Unter den hier untergebrachten belgischen Flüchtlingen ist der Typhus aus- gcbrochen.
England in Erwartung einer deutschen Invasion.
Br. London, 23. Nov. (Eist. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Der militärische Mitarbeiter -der „Times" schreibt: Wir müssen uns mit, -dem Gedanken vertraut machen, daß die deutsche Heeresleitung ernstlich einen Angriff auf England vorbereitet. Diese Annahme rechtfertigen nicht nur die Nachrichten über die Tätigkeit der deutschen. Flotte, sondern auch Meldungen aus Seebrützge über Fahrzeuge, die so gebaut sind, daß sie ohne Gefahr über die Minen- f e l'd e r fahren können. Die deutsche Invasion könne man demnach jeden Augenblick erwarten.
Ein deutscher Flieger an der englischen Küste?
1 . n. London, 22. Nov. Am Freitagabend wurde über Kap D u n g e n e ß in der Grafschaft Kent an der Kanal- küstc ein Flieger gesehen. Anscheinend handelte es sich um ein deutsches Flugzeug.
Ein neuer englischer Fliegervfeil?
W- T.-B. London, 22. Nov. (Nichtamtlich.) „Dailp Mail" erklärt, das Kriegsamt beabsichtige, eine neue Form von Pfeilen für Flugzeuge einzuführen. Der neue Pfeil soll viel gefährlicher sein als die bisher benutzten. Er soll auch imstande sein, bas Dach eines Laufgrabens zu durchbohren. Englands neue artilleristische Anstrengungen im Nordwesten.
'S Gravenhagc, 21. Nov. AuS den verschiedensten Nachrichten geht deutlich hervor, daß die englische Heeresleitung im Begriff "steht, eine bedeutende a r t i l l e r i st is ch e V e rst ä r km n g der Front in Nordbelgien vorzunehmen. Achtzig schwere Feldgeschütze sind nach Boulogne und Dünkirchen unievwegs, doch sei eine dreimal stärkere Zufuhr bis zum Monatsende zu erwarten.
100 000 Buren unter dem Oberbefeh! de Wels?
Amsterdam, 2!?. Nov. Nach Meldungen aus Durban (Natal) besorgt die englische Regierung einen Angriff der Buren auf Bl o c m f o n t c i n, in dessen
Uv. 546 # * 62 . Jahrgang.
Umgebung 3000 Buren versammelt sind, während zur Verteidigung nur 500 Mann Regierungstruppen vorhanden sind. Nach Privatbriefen holländischer Handelshäuser stehen fast 100 00 0 Buren unter dem Oberbefehl de Wets.
Die drohende Umfassung der Hussen durch die Armee Hindenburgs»
Die Russen der entscheidenden Bedeutung bewußt.
W. T.-B. Gens, 23. Rov. Der „Berner Bund" meldet aus russischer Quelle, daß die Russen mit ihrem rechten Flügel durch Abbiegen und Verschieben einen starken Defensiv h a k e n bilden müßten, wenn sie die Umfassung durch die Armee Hindenburgs abwehren wollten. Die kompakten Massen des russischen Heeres scheinen durch die glänzenden Manöver Hindenburgs in ihren Bewegungen g c h e m m t. In der Defensive seien sie aber schwer zu erschüttern. Die Russen würden mit äußerster Kraftanstrenguug fechten, da die Heeresleitung wohl wisse, daß diese Schlacht unter allen Umständen den Feldzug, wenn nicht gar den K r i e g entscheid e.
vor der Wiederbesetzung von Lodz durch die Deutschen.
Br. Amsterdam, 23. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der Petersburger Korrespondent -der „Daily Mail" berichtet: Als die Deutschen Lodz verließen, hofften.die Einwohner, -daß sie sie zum letzten Male gesehen hätten. Jetzt wind jedoch der Druck gegen den rechten Flügel d-er Russen fortgesetzt und die d e u t« sche Vorhut hat sich Lodz bereits unangenehm genähert. Man muß allerdings in Betracht ziehen, daß die Deutschen sich in einer Gegend befinden, in der die , Wege sehr schlecht sind. Auch ist zu bedenken, daß die Russen int Zentrum zwischen Czenstochcm und Krakau vorwärtsdringen und in O st p r e u tz e n Dov# teile gewinnen. Durch ein merkwürdiges Zusammentreffen rücken sie in Ostpreußen über denselben Boden vor, über den sie schon bei ihrem früheren Einfall marschierten, und die Deutschen tun in Polen dasselbe.
Englisches Geschwätz über die Lage im Osten.
London, 23. Nov. Die „Morning-Post" meldet: Die
Deutschen setzen ihren VormarM) auf beiden Ufern- der W e i ch s e l fort und stehen jetzt nur noch w e n i g c Tagern ä r sch e v o r Wnrscha u. Gleichzeitig rücken die russi- scheu Truppen dauernd weiter nach O st p r e u ß e.n hinein. (?) Was die Der sschen eigentlich mit ihrem Marsch auf Warschau bezwecken, soll -vom militärischen Standpunkt aus sehr schwer zu verstehen sein. Es ist aber möglich, daß sie die Ein» nahme von Warschau in politischer Hinsicht ausnutzen werden. Man glaubt in politischen Kreisen Rußlairds, daß es den Deutschen nun besonders darauf ankommt, den neutralen Ländern durch einen neuen Sieg zu imponieren. Hierdurck hofft man vielleicht, Schweden und einige Balkanstaaten aus die Seite Deutschlands zu ziehen. Bei der neuen Jnvasion- in Polen verloenden die Deutschen ihre besten Truppen. Die Russen ziehen sich k ä mp f e n d z u r ü ck, bis sie den Punkt erreicht haben, von dem aus Großfürst Nikolai eine entscheidende Schlacht aufnehmen will.
Gesterreichische Erfolge in Hufsisch-polen. Bisher 15 000 Gefangene.
IV. T.-B. Wien, 22. Nov. (Nichtamtlich.) Amtlich wirb Verlautbart: 22. Novencher mittags. Die Der-
bünbeten setzteit ihren Angriff in Russisch-Polen energisch und erfolgreich fort. Unser südlicher Schlacht- flügel erreichte den Szraniawa-Abschnitt. Vereinteste Vorstöße des Feindes wurden abgewiesen. Bisher machten die K. K. Truppen über 16000 Gefangene. Die Entscheidung ist noch nicht gefallen. Auch westlich des Dinajes und in den L^arpathen sind größere Kämpfe im Gange.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H L f e r, Generalmajor.
Zunehmender Manne! an ksanbfeuerwaffen in Hutzland.
IV. T.-B. Berlin, 23. Nov. Dem Vertreter des „B. L.-A.'- teilte eine höhere autoritative Persönlichkeit mit, daß in der russischen Armee der Mangel an Infanterie- und Handfeuerwaffen immer mehr um sich greife. Die Rekruten einiger Regimenter, die zurzeit hinter der Front in der Provinz gedrillt werden, verfügen durchschnittlich nur über 100 Gewehre.
Der amtliche rufsi'ck'e Bericht.
W- T.-B. Petersburg, 22. Nov. (Nichtamtlich.) Der Generalstab des Generalissimus teilt mit: Die Kämpfe
zwischen der Weichsel uird Warthe und an der Front Ezen- stachau-Krakau dauern an. In Ostpreußen fanden am 20. November nur kleine Gefechte statt.
In O st g a l i z i e n rücken die russischen Truppen andauernd vor.
Ein russisches Bekenntnis der Selbsttäuschung hinsichtlich Österreichs.
hd- Budapest, 23. Nov. Die hiesige Zeitung „Usjag" ve» öfsentlicht eine Erklärung des Großfürsten Nikolai . N i kolaj ew itsch, die in einem russischen Blatte er-
