No. 255
Wiesbadener Tasblatt
Seite 30
Uermijchles
durchgegangen. — Unter Den Arbeitern ocr stontgi. y.uuiei»t« = Fabrik in Mainz findet soeben eine großartige Untersuchung statt, wegen fortgesetzter Diebstähle von Flerschconserven, welche m der Fabrik verübt worden sind; die gestohlenen Conserven sollen m der Stadt zu billigen Preisen verwerthet worden sein. Drei, bereits uberfuhrtt Arbeiter sind verhaftet worden, während em vierter fluchtig gegangen ist und nunmehr verfolgt wird. — General Boulanger nahm em Enaaaemeut für eine Vortrags-Tournee M Kanada ?nd°dm Vereinigten Staaten an Als Wander-Redner scheint er also die Bahn eines Ruhms beschließen zu wollen.- Der Bürgermeister von Athen, Herr Thüemon, hat lecher anläßlich der gegenwärtigen Festtage Dutzende von Briesen aus Deutschland mit den verschiedensten Anliegen erhalten. Die unvermeidlichen Bettelbriefe nehmen unterdenseiben der Zahl nach die erste Stelle em; die Athener Blatter verzeichnen dieselben regelmäßig, was auf die m Athen anwesenden Deutschen natürlich einen peinlichen Eindruck macht. Em deutscher „Dichter" ersuchte den Bürgermeister um Uebersendung der Speisekarte für das Ehrenmahl der Neuvermählten, um dieselbe poetisch zu verarbeiten. — Wie Pariser Blättern gemeldet wird, hat m der Dardan ellengegend ein heftiges Erdbeb en stattgefunden. 19 starke Stöße erschütterten in der Richtung von Sudwesten her den Erdboden, schwächere Stöße wurden bis Morgens 8 Uhr verspürt. Viele Menschen sollen um’S Leben gekommen sein. — Die Trauung des Prinzen Hatzfeld mit Miß, Huntingt°n ist am Montag in höchst pomphafter Weise m der katholischen Kirche zu South- Kensington vollzogen worden. Das Hochzeitsmahl vereinigte eme Glänzende Gesellschaft im deutschen Botschafrs-Hotcl. - Die Lubeck- - ■■ lener Eisenbahn gewährte ihrem Betriebs-Personal und den
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eine Leiche.
* lieber den Einfluß non Kaflkee nnd Tstee auf die Dauer von Gehirnvorgängen hat Dr. Dehro in Dorpat interessante Unter- suchnngen angestcllt. Durch Messung von Reactionszetten, d. h. der -^auer der durch die erwähnten Reizmittel hervorgerufenen Wirkungen, hat Dehw nachgewiesen, in welcher Beziehung die geistig erregenden Wirkungen des Kaffees und des Thees sich sowohl untereinander wie von denienioen de» Alkohols unterscheiden. Alle drei Mittel beschleunigen zunächst die Gehirn- thatigkeit; aber der Alkohol übt seine anfänglich besch eunigende Wirkung wesentlich auf die BewegungSeffecte aus d,e Auslosung von Willens- Handlungen au«, während er die ckahrnehmungs. Vorgänge sehr bald verlangsamt. Koffein, d. b. der im Kaffee enthaltene wirksame Stoff und im höheren Grade der Thee bewirken dagegen eine beschleunigtere und zugleich nachhaltigere Auffassung äußerer Eindrücke, sowie Verknüpfung derselben zu complizirten Vorstellungsgruppen ohne gleichzeittg zu Entladungen un Muskelsystem zu treiben. Wenn, der Alkohol bie Hemmungen und Sorgen wegräumt, uns muthig und ubermuthig, zu unüberlegten Streichen geneigt, aber zu ernster Gedankenarbeit unfähig macht, so erhalt uns der Theegenuß bei andauernder geistiger Anstrengung wach und aufmerksam und erleichtert un« die Auffassung sonst ermüdender Einzelheiten. Beim chronischen Alkoholmißbrauch sehen rott dementsprechend auch eine fortschreitende Abnahme der seelischen Hemmungen der Selbstbeherrschung, einen Zerfall de« Charabers, des moralischen Halter sich herausbilden, während der gewohnheitsmäßige Theegenuß niemals derartige Stönmgni, Wern höchstens Schlaflofigkitt und etwa Zustände von Nervenschwache im Gefolge hat.
Ä.iieucmuii. - Im November v. I. strandete der englische Dampfer G l e n c o e" vor Putziger Heisternest und wurde von den Bewohnern der Halb- i'nsel Hela eines großeii Lhetl-s seiner aus Weizen bestehenden Ladung beraubt Die Hclaer machten die Einwendung, daß Strandgut seit altersher ihnen gehöre. Dieser Vorwand wird sie aber vor einer empfindlichen Strafe zu schützen, denn gegen 205 an dem Strandraub- be- theiligte Personen ist Anklage auf Diebstahl, Hehlerei und Unterschlagung erhoben worden. Der Monstre-Prozeß wird vor dem Schöffengerichte in Putzig verhandelt werden.
* Heber eine verhäng,nitzvolle Blutvergiftung, di- leider bereits ben Tod der Betroffenen zur Folge gehabt hat, wird einer Berliner Lokal-Correspondenz wie folgt berichtet: Eine lunge Lehrerin hatte am Freitag vergangener Woche das Unglück, sich durch Unvorsichtigkeit eine mit Schreibtinte gefüllte Feder unter den Fingernagel de« Daumens der linken Hand zu stoßen. Durch Aussaugen der Tinte und des nachfolgenden Blutes glaubte die Dame alle Gefahr beseitigt zu haben; «doch schon am Abend desselben Tages zeigten sich bei ihr so deutliche Anzeichen einer
* Uom Tage. Auf seltsamer Weise hat sich in Ilmenau rin Arbeiter das Leben genommen. Derselbe legte sich angekleidet zu Bett, nahm eine Dynamitpatrone in den Mund und entzündete dieselbe. Der Tod muß sofort nngetretm sein. Kopf und Oberkörper des Mannes sind gräßlich zerfetzt. Der Mann sollte m Kurze eine achtmonatliche Gesängnltzstrafe antreten, weil er semen erwachsenen Sohn nut der Axt geschlagen und lebensgefährlich verletzt hatte. — Seit Dlvistag Mittag wüthet wie aus Constantinopel telegraphirt wird, in Skutari einegroßeFeuersbrunst, tausend Hauser wurden elngeaschert, der Brand dauert weiter fort.— Der Äuch Hal ter eines berliner Bankgeschäftes, Otto Doehring, ist mit Effekten mi Werth von 90,000 Mark igen. — Unter den Arbeitern der König!. Conserven- Mainz findet soeben eine großartige Untersuchung statt, letzter Diebstähle von Fleischeonserven, welche m erübt worden sind; die gestohlenen Conserven sollen m bei
Wosteurslänge auf Eisenbahnen war 32,426 Klmtr. (1887 31,597 Älmtr.). Aus Landstraßen gingen 8821 Posteurse (1887 8594) mtt -merG-sammt- We von W Klmtr (1887 N,618 Klmtr.). Von dielen Posteursen warm NI PeZonenposten. Für den Verkehr wahrend der Sommer- Monate waren außerdem eingerichtet 156 Posten, davon M für Personen- Beförderung (1887 166 bezw. 37). Ferner wurden abgelassen lN4 Ertra- posten (1887 1799), 4 Courier- (3) und 81 Estafetten <b). Auf Wasserst r a ff e n innerhalb des Reichs-Postgebiets wurden zur Postbeförd-rung benutzt 63 Privat-Dampf- und Segelschiffs-Verbindungen W auf einer Gesammtlänge der Poststrecken von 1946 Klmtr. (2045 Klmtr.). Die Gesammtzahl der von den Posten zurückgelegten Kilometer war 191,533,044 HRA7 185 217 311) unb itiüöT Auf Eifenbahnen 119,429,118 Sllitlir. aufLandstraßen71,261,015Klmtr.(70,320,597Klmtr.), auf Wafferftraßen 842,911 Klmtr. (841,897 Klmtr.).
Schweizer Unton 119.10, Laura 171.80, Länderbank 1200-. Auf Ruck- aanq der Bergwerks-Aetlen in Berlin verkehrte die Börse m schwächerer Ntung Mseonto-Commandit fest auf die bekannten Gerüchte über neue Geschäfte. Geldstand billiger.
Ans dem Gerichtssaal.
-o- Wiesbaden, 30. Oct. Das König!. Schöffengericht ver- urtheilte m feiner gestrigen Sitzung den Taglöhner Josef H. von B"brtch, der seinem Schlafeollegen eine Taschenuhr entwendet hat, ru 3 Monaten Gefangniß. — Der Taglöhner Adolf L. von hier war nut ietnemJBienit- berrn August O. in Differenzen gerathen und auseinandergekommen, ohne daß dieser ihm den rückständigen Lohn ausgezahlt hatte, -.lur btt zwe^ maligen Mahnungen hieran wurde dem L. die Thur gewiesen dre er jeboch nicht so schnell, wie es O. wünschen mochte, passirte, so daß dieser auf die Mahnungen mit einem Strafantrag wegen doppelten Hausfriedensbruchs antwortete. Der Gerichtshof vermochte aber aus dem vorliegenden That- bestande ein solches Vergehen nicht zu folgern und erfannte auf tostenloie Freisprechung. - Auch die Verhandlung, gegen ben Kellner JuliuS M. zu Frankfurt a. M., der einem hiesigen Wirthe von bem 'Üm anvertrauten . Wechselgelde 3 Mk. 40 Pf. unterschlagen haben sollte, ende« mit dessen I ..,------------------.. .
Freisprechung, jedoch nicht ohne das Hinzufugen, daß es noch fraglich> er- f Grund günstiger BetriebSergebniffe einmalige Uute
scheine, ob der Gargon sich demnächst nicht auf einen anderen Paragraphen 180 bis 50 Mk. aus Anlaß der herrschend-n
des Strafgesetzbuches wegen dieses Falles zu vemnttoormiIabm werdx Theuerung. - Im November v. I. strandete der englische Dampfer Drei Freunde, der Taglöhner Carl G. und die beiden Schr-merge-llen | %7rpnfDe«$ ßubroia D unb Heinrich D. von hier saßen an einem Abend gemuthnch belm ZchovPen. G. bot einem von zwei in das Wirthslokal tretenden Schutzleuten sein Glas an, was dieser ausschlug, worauf icncr mcbei mtt etmr beleidiaeuden Aeußerung antwortete, denen dann L. D. und schließlich tz. ~.
solche in vermehrter Auflage folgen ließen, die H. DWcinerskitsnoch mit fSnnbert 211 untcTftüticn üerfuditc. tottb tritt 3 ß. D. mit 5 Mk.
und H. D. nut 10 Mk. Geldstrafe und den Kosten des Verfahrens belegt. 21m 15 Juli d I. fuhr der in Biebrich wohnhafte Handlungs-Lehrling S-rmann O auf seinem Veloeiped von da auf der Landstraße nach Masitz zu. Auf dieser Fahrt soll O. in, der Nähe der Amöneburg auf svielende Kinder losgefahren sein, ohne ein WaruungS-Signal gegeben zu baben wodurch ein Kind das fein Herannahen nicht bemerkt hatte, überfahren und vertttzt worden sei. 6ie Beweisaufnahme ergab jedoch, daß der fabrer bie gegebenen SMÜ^^t8maf5reße^^ beoba^^tetbatte l^ltb ^^keb^balb I BlutesHibt- die" Dame alle' G-führ"beseitigt zu haben; jedoch schon ,am fr-igesprochen unb bi-Kosten der Staatskasse zur La i gelegt. Der MaiM i ^-selben Tages zeigten sich bei ihr so beutliche Anzeichen einer
gesell- Gustav L. von Erben heim hat belzwelWlrthenm ^bricht I Blutvergiftung, daß schleunigst ein Arzt zu Rathe gezogen werden mußte, etwa» über 50 Pfg.„verzecht unter ber falfcbe"Da v-i dessen Ankunft schon die ganze Hanb bis zum Handgelenk anhabe ihn hierzu ermächtigt unb ber würde auch bezahlen, ^r m gen 8 l ,. » m i0 ,außtc sich der Arzt sofort zu einer Amputattou der üud verfällt wegen Betmas in zwei Fallen i» «*“«1 ®b"n"Äen ßetoer tarn auch diese Operation zu spät; innerhalb ÄÄÄ I« “■ “ ««---»-«-■ «•*»» »»*««»
bab-n woran ein '/. Meter langer Knüppel, den er in der Hand hielt, raum 'ein Zweifel aufkommen ließ. Zn diesem nichts weniger als brüderlichen Thun will er durch bie unerlaubten Beziehungen des Bedrohten zu sewer Frau empfinblich gereizt worben sein. Der Gerichtshof erblickte bierin einen Milderungsgrund und erkannte auf 10 Mark Geldstrafe Der Mllchbändler Johann Z. von Erbenheim hat roteberholt statt reiner Milch solche mit bebeutenbem Wasserzusatz geführt, tote
unv-rmüthet- polizeiliche Revision ergab. Wenn ihm nun Alkohol» tzut-rsch-lben.
m, Mltouna btrect ntot nachzuweisen war, so wurden ' --- - - «
bie^tnbiüien um so härter, al« er^ehauptete, täglich viele Milch hier von Bekannten anfzukaufeu; die beaManbete habe er auch hier gekauft, aber gerade diese von einer unbekannten Frau, die man wohl mit Recht. als die berühmte „große Unbekannte' bezeichnen kann. Mit Rücksicht auf seine roeom dieses Vergehen» bereits erlittene Vorstrafe wird Z. Mit 75 Mk. ßiefbftrafe und den Kosten de» Verfahren» belegt. — Der ^chmlcdemerster Sttuauft Sch bat feinen Gesellen, der ihn verhöhnt hatte, mit einem tantigen Lattenstück «neu? gefährlichen Werkzeug, durchgebläut, welch unerlaubtt Vrügelstrhe^r mit 14 Tagen Gesänaniß zu büßen hat-Schließlich verfallt noch der Taglöhner Anton D. von hier, wegeii Unterfchlagung ^Is i-d-rmn Schurzfells, da» er gefunden und weiter veräußert hatte, unter Zubilligung mildernder Umstände in eine Geldstrafe von 20 Mk. incl. Kosten de» Verfahrens.
heftiges Erdbeben stattgefunden, in ber Richtung von Südwesten her
Viele Menschen sollen ung des Prinzen Hatz höchst pomphafter Weis>
