Dir, auf immer. O, ich schäme mich jetzt, daß ich gezweifelt an ihrer und Deiner Treue, aber ich war krank, Bruno."
„Eberhard, schone Dich doch," rief Bruno. Eberhard hörte nicht auf ihn.
„Sage, Bruno," fragte er dringend, „wohin ist sie gegangen? Ich will es ja nur wissen, zu ihr kann —"
„Eberhard, ich gab mein Wort —"
„Dein Wort? O, dann brich es nicht, ein Schwur ist heilig,^ heilig! — Ach, mir ist leicht, daß ich Dir Alles gesagt. Habe Dank, mein Freund, daß Du mir meine Last tragen hilfst."
Sorgsam und zart rückte Bruno dem Freunde die Kissen zurecht, und als der Kranke müde seine Augen schloß, da zog er vorsichtig die Vorhänge zusammen.
Der Mond war Zeuge des Geständnisses eines reuigen Herzens gewesen. Es nahm es mit sich — in einem Hause, weit draußert vor der Stadt, wachte ein anderes Herz, dem wollte er es bringen/
X.
In seinem Studirzimmer saß Pastor Behrendt. Einen Bries, den er gelesen hatte, legte er jetzt aus der Hand. Sein Gesicht zeigte einen sorgenvollen Ausdruck. Der Brief war von Bruno" geschrieben, er erzählte, was Eberhard gestern gesprochen, mit der Bitte, Leonie Alles zu sagen, um sie zur Rückkehr zu ihrem Manne zu bewegen. Nun dachte der Pfarrer darüber nach, wie er das- Herz der jungen Frau Zurückführen könne auf den Weg der Ber- zeihenden Liebe. Ach, es würde schwer sein, denn jedes weiche Gefühl war erstickt in ihrer Brust. Er sann und sann, da öffnete" sich leise die Thür: Leonie trat ein. „Darf ich Sie einen Augenblick stören?" fragte sie, und als der alte Herr ihr freundlich zu< nickte, setzte sie sich zu ihm. „Ich habe einen so sonderbaren Traum gehabt, den möchte ich Ihnen gern erzählen. Ich hatte mich frühzeitig zur Ruh' gelegt, weil ich mich nicht wohl fühlte,, und bald schlief ich fest. Da war es mir, als öffne sich meine Thür: Eberhard trat ein, aber er war ein alter Mann geworden mit grauem Haar, kranken Augen und bleichem Gesicht. Er faßte meine Hand und sagte: „Komm mit, ich will Dir zeigen, wo ich war." Und plötzlich sah ich mich in einem Zimmer, eine rothe Ampel brannte darin, sie warf ihr Licht auf Eberhard und auf sie — Ellida. Mein Gatte sprach zu mir, auf Ellida deutend: „Sieh, ich bin nur gegangen, um mich frei zu machen von ihr!" Er sah mich an mit bittenden Augen, da erwachte ich. Mein Zimmer war tageshell beleuchtet, der Mond hatte es mit seinem Glanz gefüllt."
„Welch eine wunderbare Fügung! Sehen Sie, Leonie, soeben wollte ich Sie rufen, um Ihnen diesen Brief zu geben. Vorerst will ich Ihnen aber noch sagen, daß Ihr Gatte sehr krank war, krank am Typhus, sein graues Haar ist nicht nur ein Traumgebilde, es ist Wahrheit. Hier, lesen Sie, was Herr von Walden schreibt."
Mit zögernder Hand griff Leonie nach dem weißen Blatt, und langsam las sie die Zeilen, dann legte sie dieselben still zurück an ihren Platz. Der Pfarrer hatte eine andere Wirkung erwartet. Diese apathische Ruhe ängstigte ihn.
„Wenn ihr Gatte nun nicht mehr am Leben wäre," fragte er leise, „was dann?"
Die junge Frau zuckte zusammen, und einen Augenblick sprach sich in ihrem Auge ein tiefes Erschrecken aus.
„Sehen Sie, Leonie, Gott hat es nicht gewollt, daß Sie im Hasse von einander scheiden, er ließ ihn am Leben. Aber ein Fingerzeig ist es Ihnen wohl, schließen Sie nicht Ihr Ohr und Auge, die Reue kommt vielleicht zu spät."
„Nein, sie kommt niemals," entgegnete Leonie heftig, „ich habe Nichts zu bereuen. Ich liebte ihn mit ganzer Seele, nun aber empört sich Alles in mir gegen ihn. Nein, nein — nie kann ich ihm vergeben, was er an mir gesündigt."
„O, mein liebes Kind, so spricht nicht die Liebe, die Gott in das Herz des Weibes legt. Die wahre Liebe verträgt Alles, sie duldet Alles, sie hoffet Alles und nimmer höret sie auf. Sie aber sagen, sie ist tobt, o dann war es nicht die echte Liebe, die sich nicht erbittern läßt. Sie warteten nicht in Geduld, daß sich das Herz Ihres Gatten zu Ihnen wende. In wilder Leidenschaft haben Sie es an sich reißen wollen. Es wird mir schwer, Ihnen das zu sagen, aber ich stehe vor Ihnen, ein Diener Gottes, der
Expedition: Lang gaffe Mo. 27
84
1
J
13.
»g.
einl!1
10310 9a.
mgs-
:nn er pf M llaffl» fei”6
ehe»
10887
»figen sich eine große Ueberraschung aussprach, als er die Wand- ijrtg des Kranken sah.
„Er ist gerettet," sagte er leise, „und dem treuen Freunde gebührt wohl der Dank, daß er am Leben erhalten wurde. Die Macht des Fiebers ist gebrochen, aber großer, unbedingter Ruhe
Fahl . 2981 iethe.
ard r” dicss
:rM
bedarf unser Patient, wenn er erwacht."
Und Bruno war wieder allein mit Eberhard und harrte des Mgenblicks, da er nach langer Zeit zum ersten Male ihn wieder easchauen würde mit Augen, in denen nicht mehr das Fieber leuchtete.
Leise Schleier legte der herabsinkende Abend auf die schneebedeckte Erde, immer dunkler und dunkler wurden die Schatten hn Zimmer, da brach der Mond voll durch eine Wolkenwand. Bruno hatte die Gardinen zurückgeschlagen, um dem fliehenden Tageslicht Eingang zu gewähren. Lange saß er schon im Dunkeln. Nm floß plötzlich das milde Licht des Mondes in silbernen strahlen in's Zimmer, es fast tageshell beleuchtend. Mit leisen Wellen huschte es höher und höher auf der Decke des Bettes; nun beschien es hell die magere Hand des Schlummernden, nun legte es sich in zitterndem Glanz auf das wachsbleiche Gesicht. Da wandte Eberhard den Kopf, und voll schlug er seine Augen fflf.
„Mein Freund Eberhard," fragte Bruno, ihn gespannt an- schend, „kennst Du mich?"
fc. „Gewiß, Bruno," antwortete Eberhard mit schwacher Stimme. Jus langer Ohmacht bin ich endlich erwacht, o es war ein böser Traum."
„Nun aber ist er zu Ende; Eberhard, Du sollst wieder leben, leben, um einer guten Zukunft entgegenzugehen."
„Ach, ich wäre gern gestorben. - Ich trage so schwer an der Last des Lebens. Was soll ich so allein auf der Welt? Aber nein, ich bin undankbar, Du warst ja bei mir, nicht wahr, warst immer bei mir? Nur Du, Niemand sonst?"
k „Nein, Eberhard, Niemand außer mir, aber thu' mir die Liebe, sprich nicht so viel, der Arzt hat jede Aufregung streng strtoten." •
„Ach, der alte Mann kann leicht verbieten; wenn das Herz "ach Worten ringt, da kann der Mund nicht schweigen, ich muß suchen, und kostet cs mein Leben! Still Bruno, höre mich an, Ä werde mich wohler fühlen, wenn Alles gesagt ist. Ich habe Sstundigt, Bruno, vor Gott und meinem Weibe, meine Sinne Wren bethört. Aber dann war ich eines Tages bei Ellida, und ; i® Nebenzimmer hörte ich ein Geständniß von den reinen Lippen thtt Frau, das griff mit starker Hand tief in mein Inneres und U heraus, was mir die Sinne berauscht. Die Worte jener Frau Wen mich zurückgewiesenl auf den Weg der Mannesehre, sie Men aus dem Munde meines Weibes."
Erschöpft hielt er einen Augenblick inne, dann fuhr er fort:
„In jener Stunde ging ich fort von Ellida, und mein einziges stieben ging dahin, ganz frei zu werden, um dann Leonie's Ver- fihung zu erbitten. Weißt Du noch den Abend bei Effern? Ah, toet entsetzliche Abend! Staune nicht, Bruno, ich war eifersüchtig °”s Dich, so sehr, daß ich es nicht mehr ertrug, Euch zusammen Zechen zu sehen. Ich ging fort, — zu Ellida."
„Um Gotteswillen, Eberhard," rief Bruno erschrocken, „so tot Deine Gattin Recht gehabt, wenn sie Dich an jenem Abend in W Armen Ellida's wähnte?"
| „Nicht in ihren Armen, Bruno," entgegnete Eberhard matt, .ich
war zu ihr gegangen, um das unwürdige Band für immer $ zerreißen. Und die Stunde war gut gewählt. Als ich sie ^liiß, war ich frei, frei, und wollte Leonie auf den Knieen an- rWt, mir zu vergeben. Ich kam zurück, großer Gott — mein war nicht mehr!"
L „Freund, rege Dich nicht auf," bat Bruno erschüttert, „Du . whst Dich wieder krank."
»Nein, laß mich, ich bin ja bald am Ende. Du hast gehört, Leonie zu mir sprach, o, jedes Wort traf mich wie ein ^ulenschlag. Ich habe sie gebeten, sie solle mich nur anhören, sie liebte mich ja nicht mehr, wie sollte sie da meinen Worten J*®!$en? Zum letzten Male wollte ich's versuchen, da war sie fort, als ich zu Dir kam, fand ich dort ihr Eigenihum. Ach, sage ^Nichts, sie hat sich an Dich, den Freund, gewandt mit der C« um Rath und Schutz. Jetzt weiß ich's ja, aber damals ich in wahnsinniger Erregung. Ich dachte, sie wäre fort mit
S-tt- IS
