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Freitag 20. November 1914.

Kbenö-Ausgabe.

Nr. 542. O 62. Jahrgang.

Der Krieg.

Oie fortgesetzte deutsche Offensive in Flandern.

Berlin, 20/ Nov. Das „B. T." meldet aus Amsterdam: „Telegraaf" bringt eine Meldung, in' der cs heltzt. Am Mittwoch leuchtete die Sanne wieder über Flandern und gleichzeitig hörten wir auch neues Geschützfeuer von der ffser. Ter Angriff ist nicht an der ganzen Dserlinre, sondern nur an den Punkten Nieuport und Dixmuiden wieder aufge- nonimen worden. Nicht nur zwischen den beiden ^rten, son­dern auch südlich von Dixmuiden ist alles Land überschwemmt. Ein belgischer Soldat schrieb, daß in vielen Laufgraben cie Soldaten bis über die Knie im Wasser stehen und daß große Abhärtung notwendig ist, um dieses Elend zu ertragen.

Berlin, 20. Nov. Nach einer Kopcnhagener Meldung des „B. L.-A." berichtet ein englischer Korrespondent auo

Flandern, daß die Deutschen ihre Offensive mutig fortsehen. Nieuport :st von dem Bombardement schwer hecmglyucht worden.

Ein englischer Bericht.

b<l. Kopenhagen, 20. Nov. Londoner Blätter berichten. Die Deutschen setzen ihre Angrifffe in Flandern mutig forc. Nieuport leidet schwer unter der deutschen Beschießung, -me historische Kirche in der Vorstadt wurde jedoch verschont, -e-on ?, p e r n hört man andauernden Kanonendonner. Von den englischen Fliegern, die über den feindlichen Stellungen er­schienen, wurden zwei verwundet und mußten deshalb

landen. .

Tie preußische Garbe bei Wern.

Amsterdam, 19. Nov. Der Heldenmut der preußischen Garde bei Ypern bildet noch immer den Gegenstand der Be­wunderung der englischen Presse. ^'e ,,^all Mall Gazette" urteilt über das Ringen zwischen der eng- liichen und preußischen Garde bei den Kämpfen in Nordwcst- Belgien folgendermaßen: Man muß anerkennen, daß Me öteuf>ifd)C ©arbe bcn 9liif S^otföbren ßetuGtjti rdt

und mit der Todesverachtung kämpfte, die sie 1870 schon aus- zeichnete. Die dichten Schwärme der Soldaten, die so todes­mutig den englischen Geschützen und Gewehren entgegen- stü"mten, wiederholen nur die Taktik ihrer Väter. Wie vor 44 Kahren, so auch heute, blieb sich die preußische Garde gleich, Cie ist ienen Tapfern gleichgeblieben, deren Kolonnen beim Sturm auf die Höhen von St. Privat unter dem französischen Feuer dahinschmolzen.

Dis Franzosen geben den dsutsü)en Erfslg bei St. Mihiel zu.

Berlin. 20. Nov. Der Pariser Korrespondent des ^Mai­länder „Se'colo" hebt nach einer Meldung des „B. L.-A." her­vor daß der gestrige französische Generalstabsderrcht zum erstenmal ein E i n g e st ü n d n i s der deutschen Erfolge cntbalt- da er zugebe, daß die Bayern bei St. Mrhrel die Maas überschritten haben und die starken Stellungen von Ehauvpncouri, die von dem Fort Lss ParocheS beherrscht werden, besetzt halten.

Oer amtliche französische Bericht.

Hst Gens 20. Nov. Der gestern abend 11 Uhr ausge aebonv 'amtliche französische Bericht meldet von einer äußerst heftigen, fast ununterbrochenen Kanonade am gestrigen

her ganzen Nordfront in der Gegend von St. Mihiel haben die Deutschen den westlichen Teil des Dorfes Chauvon- conrt, den sie m iniert Hatten, in die Luft gesprengt. Von der übrigen Front, sei sonst nichts zu melden.

Dir Erfolge der Deutschen und die gedrückte Stimmung in Bsrdea

König Albert von'Belgien als französischer ropalistischcr Thrvilkandidat.

Br. Wien, 20. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der Genfer Korrespondent der „Neuen Freien Presse" berichtet nach Mitteilungen eines aus Bordeaux eingetrossenen radi­kalen französischen, Deputierten: Man ser jetzt rn Bordeaux

zu der Überzeugung gelangt, daß die letzten Erfolge der De'itscken im Norden eine entscheidende Bedeu­tung gewinnen könneii. Die Stimmung sei außer st gedrückt. Der Plan, die Regierung wieder nach Paris zu verlegen, fci~a u f.g e 0 c B e n worden. Durch die Befürch­tungen, welche die Vorgänge auf dem Kriegsschauplätze Her­vorrufen, würden die Royalisten veranlaßt neue Hoff­nungen für die Verwirklichung ihrer Pläne zu hegen. In kolge der Unmöglichkeit, für, den Thron Frankreichs einen passenden Kandidaten aus den Reihen der Orleans zu be schaffen, seteii einflußreiche Royalisten auf den Gedanken gc kommen, den König Albert von Belgien zum Mittel Punkt ihrer Zukunstshoffnungen zu machen, da sie sich sagen, daß dieser König, der für Frankreich gekämpft und ge­litten bat, mehr Anrecht auf den Thron habe als der andere Urenkel des letzten Königs Herzogs Philipp von Orleans.

siDie frcrnzösitcke Linie bei Reims zurückaeleat.

hst. Amsterdam, 20. Nov, Holländische Zeitungen melden, daß die französische Schlachtlinie bei Reims zurückgelegt wer­den mußte. Reims werde unter verzweifelten Kämpfen von den Franzosen gehalten.

Die Bibrohung der französischen Hauptfrorrt.

Berlin, 20. Nov. Der militärische Mitarbeiter des Serner Bund" versichert über die Lage im Westen, daß sich

dort die Front allmählich in der Richtung auf die französische Hauptstellung verschiebe. Die französische Lage scheint ihm ähnlich wie im Osten bei den Russen auch im Westen zu­gunsten der Deutschen zu sprechen.

Eine Wichtigtuerei des „Temps".

Br, Rom, 20. Nov. feig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) „Giornale d'Jtalia" gibt ein Telegrmnm des Pariser „Temps" aus Nieuport wieder, lvorin ganz geheimnisvolle Andeutun­gen über eine bevorstehende große Aktion in Flandern gemacht werden, die unmittelbar die Vertreibung der Deut­schen aus Frankreich zur Folge haben müßte. Viel­leicht hängt damit die sogar vom „Messäggero" mit Frage­zeichen wiedergegebcne Meldung der Pariser Ausgabe der „Daily Mail" aus Dünkirchen zusammen, daß „ungeheure englische Screitkräfte" in Messines, südlich von Uporu, im A n m a r s ch sind.

Die großen Verluste der Engländer.

Berlin, 20. Nov. Dem „Berl. Lok.-Anz." zufolge teilte Lord Newton in einer Werbeversammlung in Salford mit, daß die von Asquith bis Ende Oktober nus 57 000 Mann geschätzten Verluste sich jetzt schon auf rund 8 0 0 0 0 Mann beliefen. Ein Bataillon stand vor kurzem unter dem Befehl eines Quartiermeisters. Ganze Bataillone hätten sämtliche Offi­ziere eingebützt. Zwei Divisionen, zusammen etwa 37 000 Mann zählend, schmolzen auf 530 0 zusammen. Der schwindende Rclrutcnzustrom in England.

Rom, 10. Nov. Der Londoner Korrespondent der „Gazetta bei Pöpolo" schreibt: Der Zufluß von Rekruten iu England gehe jetzt derart zurück, daß eine Reihe von Werbebureaüs überflüssig wurde.

Die Bedeutung der Mnöenburgschen .'Ziege.

Etwa 36 006 Mann russische Aerlnstc.

IV, T.-B. Berlin, 20. Nov. Über die Verluste unserer Feinde gibt eine von dem „B. L.-A." wiedergegebene Meldung der Londoner „Times" Aufschluß, wonach die Russen bei den letzten, Siegen Hindenburgs 40 000 bis 50 000 Mann, ein- gebüßt haben.

Oie grotze Umklammerungsgefahr für die Russen.

\V r . T.-B. Berlin, 20. Nov. über die Bedeutung dev Hindenburgschen Siege schreibt der militärische Mitarbeiter des „Berner Bund", daß der strategische Rückzug der Deutschen, der sich st a f f e l f ö r m i g von dem linken deutschen bis zum rechten österreichischen Flügel fortpflanzte, die Ver­bündeten in geschickter Weise dem zögernd und schwerfällig folgenden Gegner crctzög. Nun hat ihn der Stoß Hinden­burgs vermutlich iu seiner rechten Flanke getroffen und der deutsche Stoß gelangte bis K u t n o, bis in die innere Flanke und schon bis dicht an die R ü ck z u g s l i n i e Lodz-Warschau. Es ist die Frage, ob es den Russen gelingt, mit versammelten Kräften die Umfassung aufzuhalten.

W. t.-B. Berlin, 20. Nov. Der militärische Mitarbeiter der „Boss. Ztg." sagt über die Kämpfe im Osten: Wenn man die Lage der Russen betrachtet, so ergibt sich für sie ein außerordentlich ungünstiges Bild. Sie sind aus eineu verhältnismäßig engen Rmnn zusammengedrängt und werden gleichzeitig von drei verschiedenen Seiten konzentrisch angegriffen. Im' Norden und Süden stehen die Verbündeten in ihren Flanken und bedrohen gleichzeitig die rückwärtigen Verbindungen.

General k^indenburg über seine Erfahrungen. „Oie Rusien sind mürbe!"

W.T.-B. Wien, 19. Nov. (Nichtamtlich.) Der Ber­liner Korrespondent der „Neuen Freien Presse", Paul Goldmättn, berichtet.ausführlich iLer seinen Besuch bei dem Generalobersten v. Hindenburg und gibt eine charakteristische Schilderung des Armeefichrers und seines Stabes, besonders des Generals Luden- dorff und des Oberstleutnants Ho ff mann. Er gibt u. a. Äußerungen Hindenburgs bei einer zwang­losen Unterhaltung an der Wendtafel . wieder. Auf öie Frage nach seinen Erfaihvüngen bei dem Zusam­menwirken mit der ö st e r r e i ch i s ch - u n g a r i s ch e n Armee sagte Hindenburg: „Die Österreicher und Un­garn sind ausgezeichnete Soldaten'. Mann schäften und -Offiziere sind mutig und tapfer. Wir känlpfen Schulter an Schulter und setzen m den Fortgang dieser gemeinsamen Kämpfe die besten Hoff­nungen , Wir schätzen die Österreicher und Ungarn als vortreffliche Kameraden. Der Verkehr zwischen den Oberkommandos-der verbündeten Armeen voll­zieht sich in den angenehmsten -Formen. Gegenwärtig stehen wir nanrentlich in regen Beziehungen mit Gene­ral Dankt, dem Führer der ersten Armee, mit der wir Fühlung haben. Über die Russen sagte Hrn> denburg im wesentlichen, folgendes: Die Russen smo

gute Soldaten: sie halten -Disziplin und DlSzMn

entscheidet schließlich den Feldzug. Aber die ruslffche Disziplin ist etwas anders als die deutsche -und öster­reichisch-ungarische Disziplin. In unseren Heeren ist sie das Resultat des Geistes und der Moral, rm. rustr- schen Heere mehr stumitwr und stumpfer Gehorsam.

Die Russen haben viel seit ihrem Krieg mit Japan gelernt. Ihre Stärke sind die F e l d b e f e st i g u n- g en; sie verstehen glänzend, sich einzugraben. Nun wird es mit dem Eingraben bald ein Ende haben, wenn die Erde hart friert. Das ist einer der Vorteile, die uns ein Winterseldzug .gegen die Russen dringt. Wenn sie nicht mehr in die Erde kriechen können, wird es den Russen schlecht gehen. Vor der russischen Übermacht fürchten . wir uns gar nicht! Die Übermacht gehört nun einnral zu den Russen: sie ist ihre hauptsächlichste Waffe. Bei Tan- n e n b e r g waren sie, uns d r e i f a ch überlegen; uran sah, was es ihnen nutzte! Auch die überzahl ist nicht entscheidend; im gegenwärtigen Stadium des Krieges noch weniger als bisher. Die Russen werden uns nicht „Niederwalzen", im -Gegenteil: die Russen sind mürbe. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß sie bald fertig sind. An Waffen und M u n i t i o n beginnt es ihnen zu fehlen, auch hungern sie; selbst die Offi­ziere ermangeln der Nahrung. Auch bas Land leidet Not. Lodz hungert. Das ist bedauerlich, doch es ist gut so. Mit Sentimentalität kann man keinen Krieg führen. Je unbarmherziger die/Krieg­führung ist, um so barmherziger ist sie in, Wirk­lichkeit, denn um so eher bringt sie den Krieg zu End>e. Man merkt cs auch an der Art, wie die russischen Trup­pen sich schlagen, daß sie bald nicht mehr weiter können. Der Krieg mit Rußland ist gegenwärtig vor allem eine Ne r v e n f r a g e. Wenn Deutschland und Österreich- Ungarn die stärkeren Nerven haben und durchhalten werden — und sie werden sie haben und werden dnrch- halten! — so werden sie siegen!"

Fremde Urteile zu dem letzten Siege im Osten.

Zürich, 10. Nov. Der militärische Mitarbei-ter des „Berner Bund" stellt seit, daß Hindenburg im Begriffe stehe, die Übergänge bei Lenzitza und O-rlow zu erkämpfen. Cr stehe heute im Rücken des rechten russischen Flügels und beinahe auf der Warschauer Linie, nachdem er die Armee­korps bei Wlozlawek und Kutno geschlagen habe. Der^Stoß ziele auf Lodz. Bei der gewaltigen Masse des russischen Heeres sei noch nicht abzusehen, wie weit sich diese Umfassung geltend machen könne. Jedenfalls aber habe dieser Flanken­stoß die russische Offensive vollständig unterbunden, eine allgemeine Gegenoffensive der Verbündeten hervor- gerufen und es sei nun tatsächlich gelungen, die Russen zur Annahme der Schlacht auf einem Gebiet zu zwingen, wo sic nicht mehr über gute Quer- und Langsverbindungcn ver­fügen m:d ihre Massen operativ nicht mehr hinreichend be- wcgen könnten. Nun müsse sich zeigen, in welchem Maße die Überlegenheit der Zahl sich ausgleichend geltend mache.

Die Franzosen über die Kampfe im Osten.

h<j. Genf, 20. Nov. Französische Meldungen halten di- Lage der Russen au der ostpreußischcn Front für sehr gefährlich. Seit'vier Tagen, heißt es, ser eine große Schlacht südlich Soldau im Gange, die mit einer Hefirgreit ohnegleichen geführt werde. Die Kanonen donnerten Tag und Na«. Die Russen, die voller Erbitterung über ihre rn dieser Gegend erlittenen Niederlagen seien, wollten sich um jeden Preis jetzt rächen und stürzten sich auf dre Deusichen mit einer nicht zu beschreibenden Wut. Der Kampf stellt ab­wechselnd eine gegenseitige Offensive und Defensrve dar.

überholte russische Berichte. ,

W T -13 Berlin, 19. Nov. (Amtlich.) Die Petersburger Meldungen über das Vorrücken russischer Truppen gegen Gumbinnen und Angerburg, wie über tue Besetzung von Laugszargen bei Tauroggen, sind durch Re Erergnffse überholt. Die Russen waren vorgegangen, wurden aber

zurückgeschlagen.

Zur Gefangennahme des Gouverneurs von Warschau.

Berlin, 20. Nov. Den: „Berl. Lok.-Anz." wird aus Küstrin gemeldet, daß der gefangene Gouverneur von Warschau, Baron' Korff, dort eingetroffen und auf dem Fort Zorndors eingeliefert worden ist.

Deutschland und Irland.

Eine Erklärung der deutschen Regierung zu den i englischen Verleumdungen.

W T.-B. Berlin, 20. Nov. Die „Nordd. Zlllg. Ztg." schreibt unter der Überschrift „Deutschland und Ir- tand": Der bekannte irische Nationalist (sfr Roger Ca sc men, der kürzlich aus den Vereinig­ten Staaten von Amerika nach Berlin gekommen rst, wurde im Auswärtigen A m t e e m p f a n g e n. Sir Roger wies daraus hin, daß m Irland an­scheinend von der britischen Regierung autorcfierre Darstellungen des Inhalts veröffentlicht wurden, ern deutscher Sieg würde deni irischen Volle großen Schaden zufügen, da sein Land, seine Wohnstätten,

seine Llsirchcn und Priester ans “y: „

gnade dem Heere der E r ri d r r n g I r n g e 'vreisgegeben sein würden, dre nur Rau l und Er o v er un gslu st leiteten. Neue Äußerungen res Mstifters Redmoird gelegentlich seiner Rckrutic- rungsreise durch Irland.- sow-re 'naiugasn: üuslasnlngen der britischen Presse über vresen Gegenstand lyottexu,