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Donnerstag. 19. November 1914.
Kbend-Ausgabe.
Nr. 540. ♦ 62. Jahrgang.
»
Der Tagesbericht vom 19. November.
Unveränderte Lage im westen. — Lin ttampf in den Lüften. — fortdauernde Kämpfe im Esten.
W.T.-B. Großes Hauptquartier, 19. Nov., vormittags. (Amtlich.) In Westflandern und in Nvrd- » frankrcich ist die Lage unverändert. Ein deutsches Flugzeug ge sch wader zwang aus einem Erkundungsfluge zwei feindliche Kampfflugzeuge zum Landen und brachte ein weiteres zum A b st u r z. Bon unseren Flugzeugen wird eins vermißt.
Ein heftiger französischer Angriff in der Gegend von S c r v o n am Westrand der Argonne» wurde unter schweren Verlusten für die Franzosen zurück- geschlagen; unsere Verluste waren gering.
Auf dem östliche n Kriegsschauplätze sind die erneut eingeleiteten Kämpfe noch im Gange.
Ober st e Heeresleitung.
Die deutschen Kriegsschiffe im Libauer Hafen.
W.T.-B. Berlin, 19. Nov. (Amtlich.) Am 17. November haben Teile unserer Ostseestreitkräfte die Einfahrten in den Libauer Hafen durch versenkte Schiffe ge s p e r r t und die militärisch wichtigen Anlagen beschossen. Torpedoboote, die in den inneren Hasen eindrangcn, stellten fest, daß feindliche Kriegsschiffe nicht im Hafen waren.
Der stellvertretende Chef des Geueralstabes. gez. Behnke.
Ein englisches Lob für unsere jungen Ersatztruppen.
W• T.-B. Berlin, 19. Nov. In der „Boss. Ztg." wird berichtet: Der Augenzeuge aus dem britischen Hauptquartier, der sich von Zeit zu Zeit in der „Daily Mail" hören läßt, sagt: In der letzten Zeit waren die Lanfgräben der feindlichen Truppen so dicht beieinander, daß man genau hören konnte,. was in dem feindlichen Graben vorging. Die Deutschen musizierten und sangen häufig. Die neuen Korps bestehen aus sehr jungen Leuten, die aber mit einem M u t und einer Hartnäckigkeit kämpfen, die e r st a u n l i ch sind. Man kann die preußische Kriegsmarine bewundern, die durch ihre Disziplin solche Ergebnisse erzielt. Trotz aller Verluste haben die Deutschen immer wieder Reserven, wo und wann sie sie brauchen. Die Sechzehn- und Siebzehnjährigen marschieren, in die Gewehrmündungen, ohne mit der Wimper zu zucken. Sie kämpfen mit einer Bravour, zu der ein Jahrhundert der Disziplin gehört. Sie wissen, sie kämpfen um ihre nationale Existenz, und in dem Kampfe beweisen sie, daß ihnen das Lied „Deutschland, Deutschland über alles" keine leere Phrase ist.
Der Mut der deutschen Garde.
M. London, 18. Nov. „Daily News" berichtet über den Sturm der deutschen Garde bei Dpern. Als die deutschen Gardisten gegenIpern vorrückten, räumten unsere Schützen in ihren Reihen auf. Der Mut der auserlesenen deutschen Truppen b e st a n d aber die Probe. Niemals find Soldaten furchtloser in den Tod gegangen; sie rvutzten, welchen furchtbaren Einfluß das Kreuzfeuer der Infanterie und Artillerie ausüben mußte, Alle verfügbaren Kanonen wurden auf die vorstürmenden Deutschen gerichtet, die aber mit Todesverachtung in diese Hölle des Feuers und Eisens hineingingen, über die Leichen ihrer Kanreraden rückten sie bis 80 Aards in den britischen Laufgräben vor. Dort blieben die Übriggebliebenen stehen. In ihren Fußtapfen folgte aber unaufhörlich der Sturm der anderen Soldaten.
Die Engländer wollen von uns lernen.
W. T.-B. Berlin, 19. Nov. Unter der Überschrift „Die Engländer wollen von uns lernen" heißt es in der „Boss. Ztg.": Der Marinesachverständige der „Times" schreibt: Es würde sich empfehlen, wenn die Engländer anfingen, etwas klüger zu handeln und Schlauheit mit Schlauheit zu begegnen. Wir brauchen uns nicht zu schämen, von den Deutschen zu lernen.
Neue Disttitte am Yserkanal unter Wasser gesetzt.
tut. Etiristiana, 19. Nov. Der Londoner Korrespondent des „Morgenbladet" telegraphiert: Es ist den Deutschen unmöglich gewesen, sich die eroberte Stellung bei D i x m u i d e n nutzbar zu viachcn. Beim Dserkanal sind neue Distrikte unter Wasser, gesetzt worden. Es fällt ein d i ch t e r S ch l e i e r um die Begebenheiten, die bei Lille vor sich gehen. Es ist aufs neue auf großen Teilen der Schlachtlinie eine auffallende Passivität festzustellen. An mehreren Punkten sind die feindlichen Laufgräben nur 90 Meter voneinander entfernt.
Ein Wogen und Schwanken der Kampflinie, hd. Amsterdam, 19. Nov. Aus Sluis wird dem „Tele- graaf gemeldet: Am Dienstag wurde arldauÄmd Kanonendonner aus der Richtung Dpern vernommen. Viele Züge .mit Verwundeten fahren über Kortrey und Oudenarde nach Brüssel. Bedeutende Erfolge für eine der Parteien können nicht gemeldet werden. Es ist ein Wogen und Schwanken der Kanipflinie. Einige Explosionen, die gleichfalls in Sluis gehört wurden, mögen durch Bombenwürfe englischer Flieger verursacht worden sein, die, wie gemeldet wird, eine Fabrik in Zeebrügge vernichtet haben sollen.
Ein englischer Bericht zum Kampf um den User, sich. Kopenhagen, 19. Nov. Der Kriegsberichterstatter der „Daily . Mail" telegraphiert aus Dünkirchen: Ein heftiger Kampf um den User hat begonnen. Obwohl die Verluste der Verbündeten außerordentlich groß sind, ^vermögen die vereinigten Franzosen und Engländer die Stellungen gegen die verzweifelten Angriffe der Deutschen zu halten. Die Engländer haben einen Vorstoß auf Messines unternommen, sind jedoch auf großen Widerstand gestoßen.
Kanonendonner aus der Nordsee, sich. Christtaniv, 19. Nov. Vom Naers-Leuchtpunkt auf der Nordseite von Gothland wird gemeldet, daß man^ dort gestern nachmittag aus dem Meere in nordöstlicher Richtung eine Kanonade, zuerst wie von schweren Geschützen, darauf von leichteren, gehört habe. Nach einer Viertelstunde Pause begann die Kanonade aufs neue. Es herrschte starker Nordwind und man meint, der Kanonendonner sei deshalb
o e i t über das Meer hergetragen worden.
Die Verhältnisse in Belgien.
Zwischen Gent und Brügge sicht man hier und dort Säuern ans dein Felde arbeiten. Die Fabriken liegen fast iberall still. JnDendermondc sind noch nicht 100 Em- vohner. Der größte Teil der Stadt liegt in Trümmern. Dagegen sind in Aalst viele Wohnungen wiederhergestellt vorden. In vielen Orten werden Bäume gefallt, die als Brennmaterial gebraucht toerden, da Steinkohlen fehlen. ^>n anderen Orten haben die Einwohner sich zu dem gleichen stweck Bretter aus den Laufgräben geholt. Die deutschen Behörden geben sich große Mühe, den normalen Zustand iviederherzustellen. Die Schulen werden wieder geonnet und Vas geschäftliche Leben wird wieder in Gang gebracht.
Der französische Tagesbericht von gestern.
„Mehr oder weniger Fortschritte" angeblich.
tzch. Amsterdam, 19. Nov. Der amtlich- Pariser Bericht von gestern abend 11 Uhr lautet: Nach den letzten Nachrichten erneuerte der Feind tm Osten und Süden von Ypern seine Angriffe, die die Lage nicht änderten. Der Eindruck ist befriedigend. Seit zwei Tagen verzeichneten w,r mehr oder weniger Fortschritte, überall, wo dre Offensive von uns ausgenommen wurde, nämlich cm User, zwischen Armentieres und Arras, in der Gegend von Vailly, in den Argonnen und aus den Maashühen.
Zum Zusammentritt des französischen Parlaments in Paris.
Br. Kopenhagen, 19. Nov. (Eig. Drahtöericht. Ktr. Bln.) „Politiken" melden aus Paris: Der Generalsekretär der Deputiertenkammer teilt mit, daß alle Deputierten und Beainten der Kmnmer, die sich seit Beginn deS Krieges in Bordeaux auWelten, nach Paris Kurückkchren. Die Kammern werden auf den 15. Dezember einberu-fen. Die Negierung wird anfangs Dezember Aufenthalt. in Paris nehmen, aber es ist noch nicht bestimmt, ob sie dort der- & r ; o +
Die französische Negierung selbst setzt Zweifel in die Lage.
W. T.-B. Basel, 18. Nov. (Nichtamtlich.) Unter der Überschrift „Übersiedelung nach Paris" schreiben die „Basler N. N.": Nach Meldungen aus Bordeaux scheint die Übersiedelung der Regierung und der Verwaltungen noch keineswegs in sicherer Aussicht zu stehen. Der Sonderberichterstatter der „Times" in Bordeaux meint: Bei einer Übersiedelung der Regierung nach Paris sei offenbar der Wunsch vieler Beamter der Vater des Gedankens. In Frankreich seien allerdings im Schoße der Regierung mehrmals, Erörterungen darüber gepflogen worden; aber man habe schon darum keinen bestimmten Beschluß fassen können, weil die Sache ganz von Jo sfr e abhänge. Die ganze Abfassung der Meldung denket darauf, hin, daß sie die öffentliche Meinung in Frankreich darauf vorbereiten solle, daß die Regierung nicht so bald zurückkehren werde.
Ein Vorschlag deS „TempS" zur klassischen Kriegsführung.
W.T.-B. Paris, 18. Nov. (Nichtamtlich.) Der „TempS" fragt, ob es nicht angesichts der gegenwärtigen Form des Krieges nützlich erscheine, zu der alten klassischen Form des Velagerungskrieges zurückzukehren, zu Handgranaten, zum Hercmgrabeu cm den Gegner und, zu 13-Zentimeter-MörzMt.
Die Idee müsse sonderbar erscheinen, aber in der Mandschurei sei diese Form des Kampfes angetoendrt worden und ebenso vor Sewastopol, wo die Russen und Franzosen ihre Gewehre fortwarfen und Steine gegeneinander schleuderten.
Zur letzten Panik in Paris und Bordeaux.
Er. Genf, 19. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die Ursache der tollen Panik, welche Paris und Bordeaux feit Samstag befiel, war verschiedener Art. Zuerst war es die Affäre Caillaux. Die Nationalisten denunzierten nämlich Caillaux als Unterhändler Deutschlands. Er versuchte angeblich Joffre zu einer anderen Taktik zu überreden. Es wurde aber kurzer Prozeß gemacht und er in Begleitung von Detektiven sofort inkognito nach Bordeaux gebracht. Dort hatte man ans dem Dampfer, der nach Peru geht, tags zuvor zivei Kabinen für 4009 Franken bestellt, ohne den Passagier zu nennen. Den zweiten stärkeren Grund bildeten die Berichte sozialistischer Blätter, daß der Nord- flügel der Alliierten allmählich abgebraucht sei. Als Zeichen für die Schwäche fei die zweite Zuhilfenahme der Überschwemmung anznsehen.
Die Spionagefurcht i» Frankreich.
sich. Paris, 18. Nov. Die Spionenfurcht der französischen Behörden wächst von Tag zu Tag. Jetzt ist sogar in Con- st an ti ne (Algier) der Besitzer des dortigen Hotels Kontinental. ein Deutscher namens Flumm, unter der Beschuldigung des Hochverrats verhaftet worden. Sein Verbrechen besteht darin, daß er - in langen Prospekten, die er längst vor dem Kriegsausbruch versandte, sich den Mitgliedern des „Deutschen Offiziers- und Beanttenvereins" empfahl.
Ei« norwegischer Schriftsteller in Frankreich unter Spionage- verdacht verhaftet.
W.T.-B. Kopenhagen, 18. Nov. (Nichtamtlich.) „Ber- linSke Tidendc" meldet aus Paris: Der norwegische Schriftsteller Sven Elbe st ad wurde in Calais verhaftet, weil er trotz Verbots versuchte, nach Dünkirchen zu gelangen. Der norwegische Gesandte bemüht sich um seine Freilassung.
Frankrcich versagt gegenüber der griechischen Anleihe.
W.T.-B. Kopenhagen, 17. Nov. (Nichtamtlich.) „National Tidende" meldet aus Paris: Die französische Regierung teilte der griechischen Regierung mit, daß sie von der 1913 abgeschlossenen griechischen Anleihe mit Rücksicht auf den Krieg nur 800 900 Pfund ausbezahlen könne. Der Rest könne erst nach Beendigung des Krieges bezahlt werden.
Zur Haltung der französischen Sozialisten.
W.T.-B- Paris, 17. Ncv. (Nichtamtlich.) Die Gruppe der geeinigten Sozialisten drückte nach einem Bortrag der Minister Sembat und Guesde über die innere und die äußere Politik diesen erneut das bereits früher ausgedrucktc Vertrauen einstimmig aus.
Eine Aussprache zwischen der deutschen und österreichischen Regierung.
W- T.-B- Wien, 18. Nov. (Nichtamtlich.) (Meldung des K. K. Korr.-Bureau.) Wie im bisherigen Verlauf des Krieges es stets der Fall war, bot sich dem königlich-ungarischen Ministerpräsidenten in Wien auch neuerlich Gelegenheit zu einer eingehenden Besprechung der Lage zwischen dem Minister des Ä u ß e r n und den beiden Regierungschefs. Hierbei trat der schon wiederholt erörterte und von derben tscken Regierung sympathisch aufgenommene Gedanke neuerlich in den Vordergrund, das bestehende bolle Einvernehmen zwischen den Verbündeten durch eine mündliche Aussprache zu bekräftigen. Auf Wunsch der Konferenz hat sich Ministerpräsident Graf TiSz« zu diesem Zwecke heute abend über Berlin in das deutsche Hauptquartier begeben. j
Graf Tisza tu Berlin.
hd. Berlin, 19. Nov. Der ungarische Ministerpräsident Graf TiSza ist heute vormittag hier eingetroffen. Sein Aufenthalt ist nur von kurzer Dauer, da er voraussichtlich heute abend ! ins Große Hauptquartier weiterreift.
General v. Briefen ch.
sich. Königsberg i. Pr., 18. Nov. Bei dem Sturm auf eine russische Ortschaft siel General der Jnfartterie Alfreq v. Briefen.
Feindliche Lügen über den Herzog von Braunschweig.
Berlin, 18. Nov. Unter der Überschrift „Eine Erfindung schreibt der „Werl. Lok.-Anz.": Im neutralen Ausland wcr- dcn, ersichtlich aus den Kreisen unserer Gegner,dauernd ungünstige Gerüchte: verbreitet, die sich .Mit der ^erion des Herzogs Ernst August v o n Br a u n, ch w e i g bejcyaftt- gen. Wir sind ermächtigt, sestzustellen, daß an all diesen Gerüchten kein ivahreS Wort ist.
Des Kaisers Anerkennung für die Oldenburger.
W- T.-B. Oldenburg, 18. Nov. Das oldenburgisch« Staatsministerium veröffentlicht nachstehendes Handschreiben des Kaisers an den Großherzog: Durchlauchtigster Fürst, freundlich lieber Vetter und Bruder! Ew. Kgl. Hoheit
