Seite 2._Morgen-Ausgabe. Erstes Blatt.
Beschlüsse über die Verkündigung des Heiligen Krieges durch geistliche Sendboten gefaßt. In unterrichteten Kreisen verlautet, daß eine Organisation besteht, mit deren Hilfe das Jrade des Sultans über den Heiligen Krieg. trotz aller feindlichen Absperrungsmaßregeln in den von den Mohammedanern bewohnten Landern verbreitet werden kann.
Die Japaner in Tsingtau.
W. T.-B. London, 17. Nov. (Nichtamtlich.) Reuterbureau meldet aus Tokio vom 16. d. M.: Die japanischen Truppen sind in Tsingtau eingerückt.
Ausblicke.
Es wurde schon wiederholt die Notwendigkeit betont, »der deutschen Politik ein Ziel in der Richtung zu zeigen, daß nach dem Kriege, vielleicht sogar möglicherweise noch während des Krieges, eine engere Gemeinschaft zwischen uns und Österreich-Ungarn angebahnt wenden muß. Es ist uns eine Genugtuung, daß solche Gedanken immer häufiger von anderer Seite her laut wenden, so jüngst von dem Historiker Professor Ducken, der in einem Vortrage zu Frankfurt forderte, unsere Schicksalsgemeinschaft mit dem Donaureiche müsse nicht nur staatsrechtlich verankert, sondern darüber hinaus auf allen wesentlichen Gebieten staatlicher Betätigung zn einer engeren Gemeinsamkeit erweitert wenden. Zn dieser relativen Einheit der beiden Zen- tnalniächte möge dann vielleicht eine Verbreiterung unserer nationalen Grundlagen nach der See hinzutreten, nicht mit dein massiven Verfahren der Einverleibung, _ sondern besser mit den elastischen Mitteln, welche die Realpolitik dem Einsichtigen an die Hand gebe. Wir betrachten es als ein Bedürfnis der Gegenwart wie der Zukunft, jedes solcher Zeugnisse für das Erwachen der Einsicht in die Größe und Tiefe der uns gestellten geschichtlichen Ausgaben zu verzeichnen; unser Volk mutz wissen, wie sich die führenden Kräfte in der Nation den Siegespreis vorstellen, um den wir jetzt ringen. Bor allem mutz das Bewußtsein erweckt werden, daß es sich nicht um mechanische Hinzufügungen zu unserem Besitz, sondern um organische Ausbreitung unserer Macht auf jedem Gebiete der greifbaren Interessen des Wirtschaftslebens, der Kultur und der staatlichen Machtmittel handelt. Nun aber entsteht die Frage, wie das, was wir erreichen wollen, gegen die Kraft und den Haß der Feinde geschützt und gestützt werden kann. Die vor einiger Zeit gehörte Warnung vor dem Einschlagen napoleonischer Bahnen war jo ziemlich überflüssig, immerhin hatte sie einen Sinn insofern, als ein Übermaß von Zwang und Druck den entsprechenden Gegendruck erzeugen könnte. Vor solchem Übermaß werden wir uns freilich z-u bewahren wissen, jedoch verlohnt es sich, zu untersuchen, wie die Umrißlinien der künftigen Weltlage verlaufen werden, wenn wir nach dem Siege, den wir unter allen Umständen erringen werden, weil wir ihn erringen m ü s s e n, die Badin- gungen bestimmen, unter denen sich unser Aufstieg fortan auf der Grundlage einer engeren Gemeinschaft mit dem D o n er u reiche und einer große- r e n Siche r u n g unserer Seelgeltung durch den Vorstoß znm Kanal vollziehen soll. Vorweg ist zu sagen (und das kann man mit großer Zuversicht schon heute erklären), daß, während sich das Zusammenwachsen der beiden Zentralmächte als ein innerstes Bedürfnis der beiderseitigen Interessen darftellt, eine Wiederkehr der feindlichen Koalition in dem Umfange und mit den Zielen, die sie jetzt erstrebt, nicht abermals zu erwarten sein wird. Die Feinde könnten es wohl einmal, unter Zurückdrängung ihrer tiefsten Gegensätze, versuchen, uns niederzuzwingen, aber ein organisches Ge- b i l d c, das aus der Gemeinsamkeit der Interessen beruht, ist der Dreiverband nie gewesen und kann es auch nie sein. Dian muß immer wieder darauf Hinweisen.
Vorleser d>e Übersetzung. Gegen Schluß hielt er sich gar nicht inehr rtn dem Ürtext, sondern fabulierte darauf los, da er sah, daß er mit seinen Künsten die Kameraden und vor allem die Vorgesetzten zum Beifall hinriß. Sie alle schieden spät abends mit dem Bewußtsein, daß es den Deutschen noch schlechter zu Hause gehe als an der Front. Als ich am andern Tage um die Rückgabe der Blätter bat, die den Offizieren so genußreiche Stunden bereitet hatten, wurde mir der Bescheid zu teil, der Vorleser sei gerade dabei, einige besonders interessante Kapitel für die Soldaten zu verdeutschen .... Wie seine Arbeit ausgefallen sein mag, kann ich mir vorstellen. Auch er gibt sich Mühe, die chinesische Mauer um Frankreich noch dichter zu machen.
Was der gewöhnliche französische Soldat von den Zuständen in Deutschland im allgemeinen weiß, davon bekam ich höchst Ergötzliches zu hören. Ich stehe in Peronne und sehe mir einen Trupp deutscher Gefangener an, die durch die Hauptstraße ungebrochen und heiteren Blickes hindurch- marschieren. Am Westende der Stadt tvird Halt gemacht. Ich komme mit einigen Gefangenen ins Gespräch. Französische Soldaten, die des Deutschen mächtig zu sein Vorgehen, mischen sich ein. Sie erzählen ihren Gefangenen, daß die Russen in der Nähe von Breslau stünden, nur 80 Kilometer von Berlin entfernt, daß Wien und Budapest sich für die Belagerung in chren Festungen (!!) vorbereiten, daß der deutsche Kronprinz in Straßburg an den erhaltenen Verletzungen gestorben und des Kaisers Schwiegersohn auf dem Sterbebett liege, daß von Liebknecht in Hamburg die Republik ausgerufen worden wäre und so weiter und so weiter. Mit eisiger Gelassenheit hören sich die Gefangenen die ollen Kamellen an. Vieles werden sie gar nicht verstanden haben, weil der Vortragende gar zu sehr radebrechte. Ich gewann auch nicht den Eindruck, als ob die meisten überhaupt sich Mühe gaben, zu verstehen,'was der und jener Franzose im Bekehrungseifer ihnen anftischte. Nur einer, dem Anschein nach ein „Rollmops", der an der Svree vor dem Kriege mit Lust die größten Lasten hol-, war den Vorträgen mit Interesse gefolgt. Als er Liebknechts Namen nennen hörte, spitzte er dre Ohren. Und schon siel er dem Franzosen ins Wort: „Nee, Heeren Se, Sie Liejenjürge, von Liebknecht haben Se keene blasse Ahnung nich. Er mißte jerade so dumm sein wie Sie, ktt er in
_WiesbaSerrer Taglrlrrtt.
daß selbst gegenwärtig, niitten in den Kämpfen, jede Einbuße Englands in Petersburg wie ein Gewinn gebucht werden kann, und daß umgekehrt jode Erschütterung der russischen Machtstellung den Engländern aufrichtig willkommen sein wird. Es ist nicht denkbar, daß. man in London nicht aufatmen sollte, wenn es uns und unseren beiden Verbündeten gelänge (uns es wird uns gelingen), dem russischen Drängen zu den Meerengen hin einen Riegel vorzuschieben. Es ist nicht vorstellbar, daß es den R -u s s e n nicht ein herzliches Vergnügen bereiten sollte, die Bedrohung der britischen Machtstellung in Indien durch die islamitische Bewegung in Vorderasien, Südpersien und Afghanistan zu beobachten. An dem Tage, an dem in Petersburg und in London erkannt werden wird, daß unsere Vernichtung unmöglich ist, an -demselben Tage — er mag noch fern sein, aber er wird, kommen — wird dies unnatürliche Bündnis in die Brüche gehen. Das wird schon -darum geschehen, weil der dritte in der Reihe, Fwnkreich, kein Verlangen mehr darnach tragen wird, die Hauptlast dieser gegen alle Logik der Geschichte zustan-degekom- menen Gemeinschaft zu übernehmen. Wir mögen den Anteil des britischen Neids und des russischen Eroberungsdrangs an dem Weltkriege noch so hoch bemessen, so würden diese Triebkräfte ganz gewiß niemals htn- gereicht hoben, um den ungeheuren Kampf zu entfesseln, wenn nicht Frankreich die Klammer gebildet hätte, durch welche die englischen und die russischen Interessen zueinander geführt werden konnten. Der französische Rachedurst wird nun wohl für immer gestillt sein, mehr als eine Idee hat nie in ihm gelebt. Die Kräfte haben sich messen können, und nun wird das Spiel selbst dann zu Ende sein, wenn unsere Nachbarn sich sollten einbilden können, daß sie nicht eigentlich besiegt worden seien. Sie hatten es mit Zuhilfenahme der denkbar stärksten Koalition versucht, die in Europa jemals aufgeboten werden könnte, und sie wissen schon heute ganz genau, daß der Versuch mißlungen ist. Die Franzosen werden sich für die Erhaltung und Neubefestigung des Dreiverbandes später schon deshalb nicht einsetzen, weil die anderen Teilnehmer -ebensowenig ein Verlangen danach tragen werden. In dieser Sachlage, die ganz unabhängig von der Kriegslage in diesem Zeitabschnitt besteht und die sich nur für den unmöglichen Fall unserer völligen Besiegung ändern kann, liegt schon heute der bleibende Gewinn, mit dem wir aus dem Kampfe hervor-gehen werden. Es erscheint uns nützlich, daß wir uns über diese tieferen Bewegungskräfte des Weltkrieges mit aller Besonnenheit und Objektivität klar zu werden versuchen.
Ausweisung von Ausländern aus bestimmten Bezirken.
Br. Berlin» 17. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Die in Frankfurt a. M. und in Dresden erfolgte Ausweisung feindlicher Staatsangehöriger beruht auf einer allgemeinen V e r f üg u n g des General st ab s und des Kriegsministeriums. Danach sind in einer Reihe von namhaften Bezirken und Städten ohne Unterschied des Alters und Geschlechts alle feindlichen Staatsangehörigen innerhalb eines Zeitraumes von 14 Tagen bei Vermeidung der Verhaftung zu entfernen. Ausnahmen sind nur durch das Oberkommando in den Marken, die MarinestationskommandoS und stellvertretenden Kommandos zulässig und auf schwere Krankheitsfälle sowie auf solche Ausländer zu beschränken, für deren deutschfreundliche Gesinnung angesehene Deutsche die Bürgschaft übernehmen. Die Wahl der neuen Aufenthaltsorte unterliegt der behördlichen Zustimmung. Ter neue Aufenthaltsort muß aber mindestens 20 Kilometer von der Küste und von jedem der verbotenen Orte entfernt sein, und das Gebiet des Zweckverbandes Groß-Berlin darf nicht als neuer Aufenthaltsort gewählt werden. Allen über 15 Jahren Angehörigen feindlicher Staaten wird, soweit dies nicht schon geschehen, die Verpflichtung zur tägliche« zweimaligen polizeilichen Meldung auferlegt. Fol»
Hamburg die zweete Republik ausrufen täte. Dort hab'n se mit der eenen jenug." Der Franzose hatte den Berliner Rollkutscher offenbar nicht verstanden. „Sie sind ein Freund von Herrn Liebknecht, ein Gesinnungsgenosse, nicht wahr?" — „Mal jewesen, aber wenn Sie solchen Kohl vom Stapel lassen, denn sehn Se besser in Zoolojischen rin und unterhalten die Affen und Seekälber."
Der Franzose war todunglücklich, daß ihm keine Möglichkeit gegeben war, in einen weiteren Meinungsmrstausch mit dem Berliner Jungen zu kommen, von dem er überzeugt war, daß er „ein sehr vernünftiger Mensch" wäre. Wenigstens versicherte er mir, als der Gefangenentrupp längst vorbei war, daß seine Worte ans die „armen Teufel" doch großen Eindruck gemacht haben müssen. Wilhelms Soldaten hätten ihm beim Abschied dankbarst die Hand gedrückt und versichert, erst jetzt hätten sie Wahrheit zu erfahren bekommen. Der Zufall wollte, daß ich gestern denselben Gefcmgenentrupp — es find in Pöronne ganze 67 Mann gewesen — hier in Paris vor dem Nordbahrkhof wieder traf. Ich begrüßte meinen Berliner Rollmops und fragte ihn u. a., ob einer unter den Siebenundsechzig dem Franzosen die Hand gedrückt, ihm gedankt habe und lote es komme, daß ihrer in Paris mehrere Hundert geworden sind. Und da höre ich denn, daß sich in Pöronne der Abschied alles anders als freundschaftlich abgespielt und daß die 67 Mann mit anderen deutschen Gefangenen in Paris seit drei Tagen zur Rolle veritrteilt werden, an Aufzügen durch Straßen am hellichten Tage teilzunehmen. Mir fällt es wie Schuppen von den Augen: mit 67 Mann kann man nicht paradieren. Es werden, um Eindruck zu machen, eine ganze Reihe Gefangenentransporte zusammengeführt. Und man ließ sie nicht etioa einmal durch die Stadt marschieren. Nein, drei-, vier-, fünfmal hintereinander. Damit das Volk nicht hinter die Kulissen dieser Potemkin- schen Dörfer sehen kann, finden die Aufzüge jedesmal durch andere Straßenzüge statt. Ein Mittelchen mehr, das Volk in seiner chinesischen Mauer bei Stimmung zu halten.
Und nun noch einige Worte von der Behandlung der farbigen Soldaten. Man kann wohl sagen, daß 95 Prozent derselben, auch wenn sie schon Wochen in der Kampffront stehen, noch immer nicht wissen, gegen wen sie fechten und für wen sie ihre Haut zu Markte tragen. Ich stütze mich nicht allein
Mittwoch , 18. November 1814. _ Nr. 539-
gende Orte sind den Ausländern zum Aufenthalt verboten: Potsdam, die Ostseeküste einscht. der Insel Rügen, Stettin» Schneidemühl, Thorn, Königsberg, r. Pr. die Umgegend der masurischen Seen, Allenstein, Elbing, Marienburg, Le^rttz« Posen, Torgau, Liegnitz, ^oresluu, Gratz, Essen, Düsseldorf,- Köln, Düren, Trier, die Nordseeküste und die vorgelagerten Inseln einschl. Fehmarn, Alfen und die nordfriejischen Inseln, Rostock, Lübeck, Nenmünfter, Kiel, Nordostseekanal und Elbe- und Wesermündung, bis Hamburg bezw. Bremen« einschl. Emden, Wilhelmshaven, Gotha, Dresden, Friedrichs- hafen, Oberrheinbefestigungen, Laar, Baden-Oos» Mannheim, Straßburg, Neubreisach, Metz, Diedenhofen» Danzig, Graudenz, Kulm, Darmstadt und Frankfurt a. M.
Bemühungen um die fcstgenommenen Deutschen in London.
W- T.-B. Berlin, 17. Nov. Der zweite Vorsitzende der Deutschen Friedensgesellschaft, Pfarrer Umfried in Stuttgart, hat den Versuch gemacht, durch Vermittlung der englischen Friedensfreunde eine Besserung der Lage der deutschen Gefangenen in England herbeizuführen. Er Hai in einem Schreiben dem Vertrauen zu dem besseren Teil des englischen Volkes Ausdruck gegeben, das auf das lebhafteste dagegen protestieren würde, die deutschen Gefangenen so leiden zu lassen, wie es geschehe, wenn er einen Einblick in die tatsächlichen Verhältnisse hätte.
Ein weiteres Zeugnis für die Vorbereitungen des Durchmarsches Frankreichs durch Belgien.
W. T.-B. Berlin, 16. Nov. (Nichtamtlich.) Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Ein bei dem Kriegsausbruch in Frankreich tätig gewesener deutscher Gasmeister gab unter eidesstattlicher Versicherung zu Protokoll: Ich war seit dem 1. Juli 1913 von einer Firma als Betriebsleiter des ihr gehörigen Gaswerkes in O n n a i n g bei Valenciennes (Frankreich) angestellt. Vorher war ich zwei Jahre lang in derselben Stellung in Dinant bei Namur, von wo meine Frau gebürtig ist. Bis znm 1. August war in Onnaing und auf dem etwas von dem Orte abgelegenen Gaswerk alles ruhig. Ich erfuhr erst durch den Kassierer, daß mobil gemacht werde. Ich ging sodann sofort zum Bürgermeister und fragte ihn, welche Maßregeln er zur Sicherung meiner Person und des Gaswerks zu treffen beabsichtige. Es wurde eine Sitzung des Gemeinderats auf 7 : 1/2 Uhr abends einberufen, an der auch ein Conseiller du Departement du Nord teilnahm, mit Namen Verdamain. Dort wurde mir versichert, daß ich zunächst ruhig bleiben könne; ich solle nur den inneren Dienst besorgen, für den äußeren Dienst werde mir ein Gemeinderatsmitglied zur Seite gegeben. Das Gaswerk selbst werde von Soldaten bewacht werden. Der Conseiller du Departement sagte, es seien in Maubeuge etwa 150 000 Mann, in Givet ebenso viel, die bereit seien, durch Belgien nach Deutschland einzufallen. Ich kann bestimmt versichern, daß die Aussagen mit den genannten Worten schon am 1. August gefallen sind. Ich habe mir sofort am folgenden Tage die beiden Punkte Maubeuge und Givet mit Blaustift in der Eisenbahnkarte eingezeichnet. Der Conseiller fügte noch bei, er brauche sich vor mir nicht zu genieren, er glaube nämlich, ich könne doch ncht mehr weg- kommen. 1
„Drei Stunden nach der Kriegserklärung."
London, 17. Rov. Die Admiralität veröffentlichte einen! Bericht über die Tätigkeit der englischen Unter seeboot^ Aus ihm ergibt sich, daß zwei englische Unterseeboote drei Stunden nach der Kriegserklärung bereits in der Helgoländer Bucht waren und auf die deutsche Flotte lauerten. — In solch kurzer Zeit können Unterseeboote nicht von der englischen Küste bis zur Helgoländer Bucht gelangen. Es liegt also hier ein unfreiwilliges Bekenntnis der englischen Admiralität vor, daß der Krieg schon länger geplant war.
Das wirken der „Karlsruhe".
14 beschlagnahmte Dampfer.
W. T.-B. Amsterdam» 17. Nov. (Nichtamtlich.) „Handelsbladed" meldet aus London: Der Kapitän
des englischen Dampfers „Maria", von Punta Arenas nach England unterwegs, erzählt, -daß sein Schiff arn 20. September von dem deutschen Kreuzer ,,K a r l s- r u h e" beschlagnahmt und versenkt worden ist. Der Kapitän und die Mannschaft der „Maria" wurden an Bord des Dampfers „Krefeld" gebracht. Die „Karls
auf die eigenen Wahrnehmungen, sondern höre das gleiche Urteil aus dem Munde englischer, amerikanischer, holländischer- italienischer und spanischer Berichterstatter. Und dies Urteil geht dahin: Wehe den Franzosen und Engländern, wenn
ihre Asiaten und Afrikaner die nackte Wahrheit zu erfahren bekommen! Die Indier bilden schon jetzt, wo sie in dy" Glauben gelassen werden, daß sie gegen die europäischen:
Feinde ihrer Heimat, das sind die-Russen, zu kämpfen
hätten, und daß sie nur darum nach dem „fremden Land" hin- überaeschifft Word?-» seien, weil die Höbe des trennenden Gebirge» ein unmittelbares Aufeincmderstoßen mit dem Feinde ihrer Heimatscholle nicht gestatte, ein höchst unzuverlässiges Clement. Meutereien sind mehrfach in ihren Reihen borge- kommen. Man macht kurzen Prozeß. Es dürfte richtig sein» daß bisher mehr Indier von den Franzosen und Engländer» getötet wurden als von den Deutschen. Das Los dieser Eingeborenen ist, einerlei, ob sie aus Asien oder Afrika herüber- gebracht wurden, nach mehr als einer Richtung erbarmungswürdig. Je rauher die Witterung wird, desto häufiger treten epidemieartige Erkrankungen unter ihnen aus. Denn können sich weder dem Klima noch den Lebensmitteln Frankreichs anpassen. Kranksein aber bedeutet für diese Mensche" genau sowie! wie eine Verlängerung der Todesqualen. Kei" Wmrder! Denn Ärzte sind in so geringer Anzahl vorhanden, daß sie nicht einmal mehr für die Franzosen, Belgier und Engländer hinreichen. Um den erkranfien Eingeboren^ aber kümmert sich überhaupt kein Mensch mehr. Man läßt ihm im Notfälle ein Stückchen Boden, auf dem er fcittc „farbige Seele" aushauchen kann. Augenblicklich reißt eine ruhrartige Krankheit — infolge der unzulässigen Nahrungs- Weise — furchtbare Lücken unter den Indiern. Man VP weder Zeit noch die Mittel, der Weiterverbreitung der Ep'' demie Einhalt zu tun. Es ist ja schließlich auch nur ein Farbiger. . . Auch die Heilkundigen aus der engeren H^' mal der Indier und der Afiikaner versagen hier vollkommen- Denn sie finden die Pflanzen und ihre Medikamente auf btt fremden europäischen Erde nicht wieder. Sie können wede beraten noch helfend eingreifen. Die Natur des Leidens Heimatgenoß en bleibt ihnen unter den radikal veränderte» Verhältnissen fremd. Sie müssen mitsterben und »tt- derben.
