Verlag Langgasse 21
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„Tnzdlntt-HauS" Nr. 6850-53.
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Mittwochs 18. November 1914.
Morgen - Ausgabe.
Togen und V>üUe>7 wird
Nr. 339. - 62 . Jahrgang.
Der Krieg.
Die Furcht vor den deutschen Unterseebooten.
hd. Rotterdam, 17. Nov. Die englischen Truppentransporte über den Kanal wurden wegen des Auf- tauchenS deutscher Unterseeboote eingestellt. Die Transporte werden über Irland geleitet.
Zur Gefangennahme des Generalgouverneurs von Warschau.
hd. Berlin. 17. Nov. Ein erfreuliches Begleitergebnis hat das unglaublich rasche Vordringen unserer Truppen in Russisch-Polen gehabt. Gestern vormittag gelang es,. wie bereits erwähnt, den Generalgouverneur von Warschau, Exzellenz v. K o r f f, gefangen zu nehmen. Er war mit fernem Adjutanten, Hauptmann Fechner, früh von Warschau in einem eleganten Privatauto abgefahren in der Richtung auf Kutno, ohne Kenntnis davon, daß diese Stadt nach erbitterten Straßenkämpfen von uns genommen war. Er stieß plötzlich bei Parnew auf die Kavalleriespitze der Deutschen. Er versuchte, umzukehren und zu entkommen, wurde jedoch von einer Abteilung der 9. Metzer Dragoner eingoholt und festgenommen. Der Gouverneur setzte sich nicht zur Wehr und ließ sich ruhig im eigenen Auto unter Begleitung eines Leutnants und eines Dragoner-Gefreiten nach Deutschland abtransportieren. Er kam abends nach Gnesen, wo er auf Anordnung des Platzkommandanten im „Hotel Hänisch", dem besten Hotel der Stadt, für die Nacht untergebracht wurde. Der gefangene Gouverneur ist eine große Gestalt mit weißein Vollbart; er trug Generalsuniform und den Feldrnantel. Er spricht fließend Deutsch. Er wollte niemand sehen, da er nicht in der Stimmung sei und ferne Nerven durch das plötzliche Ereignis abgespannt seien. Der Chauffeur, ein Pole, erzählte, daß in Warschau große Angst vor den.Deutschen, zumal vor den Luftbomben, berrsche. Durch diese sei bereits großer Schaden angerichtet worden. Die Stadt sei bereits von dem russischen Militär 'geräumt. (?) Der Chauffeur, der Zivilist ist, blieb auf freiem Fuß, während der Gouverneur und dessen Adjutant durch einen Doppelposten mit Bajonett vor der Zimmertür bewacht lourden. Heute früh erfolgte der Weitertransport.
Krge Enttäuschung in Paris über die russische Niederlage.
hä. Genf, 17. Nov. Durch Petersburger Depeschen irregeleitet, hatten die französischen Militärkritiker noch gestern unmittelbar bevorstehende eklatante rnssi- sche Siege auf preußischem Boden angekündrgt und ils srairzösischen G e g e n q r u ß den französischen a l I- gemein e n Vorstoß gegen die nördliche und östliche deutsche Stellung in Aussicht gestellt. Die Drucklegung der Zeitungen in Pavi^und Bordeaux wurde In Erwartung eines russischen Sieges hinausgeschoben. Üb er d en glänzenden deutschen Waffen erfolg haben die Blätter nur abgeschwächte Petersburger Bericht erhalten. Bisher ist jedoch keine Siegesnachricht aus . Petersburg eingetroffen. Die . Pariser Kommentare zeigen arge Verlegenheit und vermeiden, tröstliche Einzelheiten herauszukonstruieren. Der Gemeinplatz von dem unabwendbaren russischen Nachschub verfängt nicht mehr. Die von den Verbündeten südlich von Dirmuiden herbeigeführte Überschwemmung
hatte nicht die gewünschte Wirkung. Südlich Dixmuiden kam es zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen einem für den Kanalübergang bestimmten «deutschen Detachement und den sehr vorteilhaft aufgestellten gegnerischen Truppen. Diese erlitten gleichwohl erhebliche Verluste.
Schnee in Nordfrankreich.
W. T.-B. Haag, 17. Nob. In Nordfrankrerch ist am Montag Schnee gefallen. Das Wetter war m den letzten Tagen sehr kalt und stürmisch sowie sehr regnerisch Heute herrscht sehr starkes Schneetreiben. Die Wege sind m Moräste verwandelt.
Drohender Notstand in den besetzten Grenzgebieten Frankreichs.
Kd. Bafel, 17. Nov. Über die französische Grenze dringen Klagen der Einwohnerschaft aus den vom Kriege verheerten Provinzen Frankreichs. Der Mangel an Lebensmitteln macht sich mehr nnd mehr fühlbar und droht einen großen Notstand hcrvorzurufen. Die deutsche Militärbehörde tut das Ihrige, um den dringenden Bedürfnissen abzuhelfen und zieht dafür auch militärische Vorräte heran; doch kann diese Aushilfe auf die Dauer nicht genügen, zumal die militärischen Vorräte für die Verpflegung der deutschen Truppen notwendig sind.
Ein schwerer Krtilleriekampf an der ttüste.
W. T.-B. Rotterdam, 17. Nov. (Nichtamtlich.) Der „Rotterdamsche Courant" meldet aus Oosburg: Am
Sonntagnachmittag wurden alle Bewohner durch entsetzlich s ch w e r e Erschütterungen aufgeschreckt, die sämtliche Gebäude bis auf die Grundfcste erschütterten. Der Kanonen- donner kam aus der Richtung Knocke-Blanken- berghe nnd war noch nie so deutlich hörbar wie diesmal.
Krment or s beschossen und geräumt.
hd- Cbristiania, 17. Nov. Hier vorliegenden Telegrammen zufolge ist Armentieres aufs neue beschossen worden.
Die Stadt und das darin befindliche Hospital sind geräumt.
Der französische Tagesbericht vom Montag.
hä. Christiania, 17. Nov. Der gestern nachmittag auAgegebene französische GeneralstabRbericht lautet: Gestern hat längs des Iser-Kanals von Ipern nach Dixmuiden ein allgemeiner Artilleriekamps stattgefunden. Das Überschwemmungsgebiet erstreckt sich schon südlich von Dixmuiden bis 5 Kilometer von Dix- schooten. Wir haben auf der anderen Seite der Brücke mehrere feindliche Versuche, den Kanal zu überschreiten, zurückgeschlagen. Südlich von, Dixmuiden ist ein feindliches Regiment vernichtet (?) worden.
Das englische Unterhaus bewilligt die Uriegsvorlage.
W. T.-B. London, 17. Nov. Das Unterhaus nahm nach kurzer Debatte e i n st i m m i g die Vorlage, betreffend die Bewilligung von 225 Millionen Pfund Sterling, an und errnäch? tigte die Regierung, die Mette Miflion Mann unter die Waffen zu rufen.
Der Prinz von Wales an der §ront.
W. T.-B. London, 17. Nov. Reuter meldet: Der Prinz von Wales hat sich an die Front der Expeditionsarmeen be
geben. Es verlautet, daß der Prinz dem Stab des Generals French zugeteilt wurde.
Der österreichische Vormarsch in Serbien.
W. T.-B. Wien, 17. Nov. (Nichtamtlich) Amtlich wird gemeldet: Auf dem südlichen Kriegsschauplatz rückten unsere Truppen gestern bis auf dieKvlubara heran. Diese wurde auch schon mit Teilen überschritten, obwohl sämtliche Brücken vom Gegner zerstört waren. In V a l j e v o, wo bereits ein höheres Kommando eingetroffen ist, wurde Ruhe nnd Ordnung rasch hergestellt. Die Stadt wurde von den Serben hart mitgenommen. Ein kleines Kavalleridetachement machte gestern 306 Gefangene.
Der entscheidende Schlag gegen die Serben bevorstehend.
Br. Neusatz, 17. Nov. (Eig. Drahtibericht. Ktr. Bin.) Nach der Einnahme von Valjcwo zogen die österreichisch-ungarischen Truppen sofort dem Feinde nach und sollen jetzt bei Kragu jewat sch in einer entscheidenden Schlacht mit den Serben begriffen fein.
Hohe Auszeichnung des Zeidzeugmeisters potiorek.
W. T.-B. Wien, 17. Nov. Aus dem Kriegspresse- guartter wird gemeldet: Der Armeeoberkommandant Erzherzog Friedrich richtete an den Armeeoberkommandanten der Balkanstreitkräfte, Feldzengmeister Potiorek, ein Telegramm, in welchem er ihm zu der allerhöchsten Auszeichnung mit dem Militärver- dien st kreuz erster Klasse m i t d e r Kriegsdekoration, worin er nicht allein eine allerhöchste Anerkennung seiner außerordentlichen Verdienste, sondern auch ein Zeichen der Zufriedenheit des Allerhöchsten Kriegsherrn mit den Leistungen der Truppen auf dem südlichen Kriegsschauplatz erblickt, herzlichst beglückwünscht und ihn ersucht, auch den Balkan- streitkräften seine herzlichsten Glückwünsche zu übermitteln.
Glänzende Aufnahme der österreichisch- ungarischen ttrieasanleihe.
W. T.-B. Wien, 17. Nov. Die Blätter melden, daß bereits an dem ersten Tage für die Subskriptton der Kriegsanleihe eine halbe Milliarde gezeichnet worden ist, was als ein glänzendes Prognosti- kon bezeichnet werden kann.
Unruhen in Aegypten.
bä. Mailand, 17. Nov. Unter der Eingeborencnbevölkr- rung sind nach aus Kairo hier eingetroffenen Nachrichten Unruhen ausgebrochen. Die öffentlichen Gebäude sind militärisch besetzt. Die Straße» werden durch starke Patrouillen europäischer Truppen durchzogen. Die indischen Truppen in Stärke von 20 000 Mann haben vor ihrer Abreise nach Marseille ein Lager bei Heliopolis bezogen.
Die Verkündigung des Heiligen ttriegss durch geistliche Sendboten.
hä. Konstantinopel, 17. Nov. Eine große Sitzung des geistlichen Rates hat unter Teilnahme des Krregs- ministers und des Ministers des Innern gestern im Palast des Scheich-ül-Jslam stattgefunden. Es wurde«
Krrrgshynine.
Dir, deutsches Vaterland,
Weihen wir Herz und Hand,
Stehen mit Blut und Gut Zu deiner Hut.
Wenn auch der Feinde viel,
Treiben ihr schändlich Spiel,
Stehen wir treu und fest In Ost und West.
Drum laßt uns schwören heut,
Fromm, wie es Gott gebeut,
Deutsch, treu und wahr zu sein Nicht nur zum Schein!
Dir Kaiser Wilhelm hehr,
Du unser Schutz und Wehr,
Dich Hohen preisen wir Als Reiches Zier.
Lang' mögest herrschen du,
Zu unsres Reiches Ruh'.
Bringe Gott Segen dir.
Das beten wir!
Gott segne Volk und Heer,
Deutsche am fremden Meer.
Daß wir im Feld besteh'n,
Wir zu dir fleh'n!
N. A. Becker (Wiesbaden).
inter der französischen Front?)
Paris, den 10. November.
Frankreichs chinesische Mauer wird zusehends höher und und enger gezogen. Die Pariser waren neulich nicht wenig verblüfft, als der „Temps" eine Kartenskizze vom deutschrussischen Kriegsschauplatz brachte, in der die Front der Deutschen zum Teil „noch" auf russischem Boden eingezeichnet war. DaS war natürlich nur ein Versehen des Zeichners, das den, „Temps" die Einziehung einer großen Anzahl Furcht und Schrecken verbreitender Exemplare kostete und den Parisern schlaflose Rächte verursachte. Ein Glück, daß die Zahl der den „Temps" lesenden Pariser heute, .wo alles, was zu der reichen Gemeinde der „Temps"ffeunde gehört, im fernen Süden weilt, im Kriege noch weit geringer ist als im Frieden. Das kramvfhafte Bemühen, nichts durchsickern zu lassen, ivas dem Volke die Ruhe und den Soldaten den Mut rauben könnte, läßt an sich schon auf keinen günstigen Stand der französischen Aktionen an der Front schließen. Dies Bemühen wird um so verständlicher, je näher man der französischen Schlachtlinie kommt. Ick darf von Glück sagen, daß ich meine Zeit wahrgenommen. Denn, seit vorgestern, den 8. d., lautete der allgemeine Befehl, keine Berichterstatter mehr hinter die Kulissen schauen zu lassen. Ginge es. den Verbündeten n.och einigermaßen gut, dann könnten wir nach wie vor bis dickst an die Front heran. Jetzt aber sind wir in die chinesische Mauer mit eingeschlossen. Wer etwas mehr wissen Null, als
*1 Die nachstehenden interessanten Schilderungen, die, uns d-m Wege über Äon durch Vermittlungsstelle uberzandt
den stammen aus der Feder eines im Dienste neutraler tter' stehenden bekannten Kriegsberichterstatters, der..nach 'r Fahrt von London über Dünkirchen-Arras-Compiegne egenbeit hatte, im.französischen Lager vieles zu sehen und, e den Blick des Zensors fürchten zu muhen, auch zu eiben was die unfern Feinden wohlwollenden Bencht- atter nicht sehen wollen oder nicht schreiben dürfen.
was die französische Presse ihren Gläubigen vortragen will, der muß zu einem deutschen Blatte greifen. Die Einfuhr deutscher Preßerzeugnisse ist streng verboten, weit strenger noch als der Import englischer nnd italienischer Blätter, soweit diese nicht die Wünsche der französischen Regierung getreulich weiterverbreiten. Ich hatte mir in London eistige deutsche Zeitungen zu verschaffen gewußt, kam aber mit ihnen nur bis Bethune, das auf der Karte westlich von Lille zu entdecken ist. Hier geriet ich in den Verdacht der Spionage untt mutzte wohl oder übel die deutschen Zeitungen bei der Leibesvisitation herausrücken. Einigen Berufs- und Lerdensge- nassen ging es mit holländischen, amerikanischen und englischen Blättern ebenso. Mit diesen wurde ein Autodafe veranstaltet. Rur die deutschen Blätter erffeuten sich einer erhöhten Aufmerksamkeit der Offiziere. Wollten sie aus ihnen die Stellung der Feinde ausforschen? Die Zeitungen waren zehn und vierzehn Tage alt, hätten also unter den günstigsten Umständen doch nur einen relativen Wert gehabt. Wollten die Offiziere die Wahrheit über ihre und die Lage ihrer Feinde erfahren? Auch das nicht. Sie versammelten sich in einem Cafe und luden uns ein, an der Sitzung teilzunehmen. Einer, der sich etwas zugute darauf tat, das Deutsch vollkommen zu beherrschen, mußte vorlesen. Fast bei jedem Satz wurde sr. durch ein wieherndes Gelächter von seiten der Corona unterbrochen. „So belügt die deutsche Regierung ihr Volk! „Und solchen Unsinn glauben die Boches!" Und so ging es weiter und immer weiter. Man wurde sehr animiert. Ich wagte ab und zu, so wie der Vorleser grobe Schnitzer in seiner Übersetzung machte, — ich nehme an, es geschah nicht wider besseres Wissen ■—- diese vder jene nicht unwesentliche Verbesserung vvrzuschtagen. die dem Text einen anderen Sinn gegeben hätte. Ich kam aber nicht ans Ziel. Gleich mir wurde ein holländischer Journalist, der seit Kindesbeinen ein gutes Deutsch spricht, brüsk zur Ruhe gewiesen, als er den«, Übersetzer die Unrichtigkeit seines Textes Nachweisen wollte Je erregter die Stimmung wurde, desto freier gestaltete de»
