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Peilung des Verfahrens. Er verließ gegen 11 Uhr das Gefängniß und fuhr zu einer Berliner befreundeten Familie. Zur Freilassung Geffckens erfährt die „Köln. Ztg." „aus bester Quelle", die That- sache, daß durch Veröffentlichung des ftaglichen Tagebuches ein Landesverrath begangen worden ist, bleibe ungeachtet der Entscheidung des Reichsgerichts bestehen. Das letztere habe in seinem Beschlüsse am 4. d. Mts. ausdrücklich festgestellt, daß das veröffentliche Tagebuch in mehreren Beziehungen Staats-Geheimnisse enthält, deren Geheimhaltung für das Wohl des deutschen Reiches iut Sinne des §. 92 Absatz 1 des Strafgesetzbuches geboten war. Es habe nur deßhalb entschieden, daß Geffcken außer Verfolgung zu fetzen sei, weil demselben nicht genügend nachgewiesen sei, daß er das Bewußtsein von dem landesverrätherischen Charakter seiner Veröffentlichung gehabt habe und daher der von dem Gesetz er- sordc ,e Vorsatz fehle. Weßhalb das Gericht dieses Bewußtsein vermißt hat, sei nicht angegeben. Die Einstellung des Verfahrens gegen Geffcken macht natürlich überall das größte Auffehen.
* Der Fall Morier. Rach dem Bericht des deutschen Militärattaches v. Deines hat Baza ine in der betreffenden Unterredung mit ihm geäußert, daß er am 15. oder 16. August die erste Nachricht von dem Uebergange des deutschen Heeres über Die Mosel durch eine Depesche des englischen Gesandten über London erhalten habe. Demgegenüber wird in der „Fr. Ztg." darauf aufmerksam gemacht, daß am 15. oder 16. der englische Gesandte absolut nicht mehr in der Lage war, irgend etwas über den liebergang des deutschen Heeres über die Mosel zu verrathen, denn alle deutschen Blätter brachten nämlich schon am 14. August folgende amtliche Depesche: „Aus dem großen Hauptquartier. Herny, : Sonnabend den 13. August Abends 10 Uhr 30 Min. (Offiziell.) !Ein feindliches Bataillon von Metz per Bahn auf Pont-ä-Mousson dirigirt, zog, als unsere Infanterie heute Früh die Stadt besetzte, mit Hinterlassung seines Gepäcks, eiligst ab. Nancy ist-vom Feinde geräumt. Unsere Cavallerie zerstörte nördlich der Stadt bei Frouard die Bahn, andere Cavallerie-Abtheilungen nahmen einen Fvuragetransport der Vorposten der auf den Glacis von Metz noch befindlichen Truppen." Für Marschall Bazaine habe es gar nicht erst irgend einer Nachricht über London bedurft, denn bereits am 14. August meldeten sich die Deutschen persönlich vor Metz bei Bazaine. Während Bazaine zu, dem deutschen Militärattach« geäußert, er sei „die Tage nach dem 13. August in vollster Ungewißheit über Alles gewesen, was beim Feinde vorging", wurde schon am 14. August die erste der drei blutigen Bchlachten vor Metz geschlagen. Durch die Kämpfe, welche an jenem Tage bei Colombey-Nouilly stattsanden, wurde der Rückzug des Feindes auf Verdun verzögert und dadurch erst wurden die folgenden Schlachten bei Mars-la-Tour und Gravelotte ermöglicht, so daß der Tag von Colombey-Nouilly nach dem Ausdrucke des preußischen Generalstabs-Berichtes „das erste Glied in der Reihe der großen Kämpfe um Metz bildete, welche zunächst zur Einschließung und schließlich zur Waffenstteckung der französischen Hauptarmee führte." In dieser Schlacht am 14. August unmittelbar unter den Festungswerken von Metz hatte Bazaine selber das Commando geführt, bis er, wie er in seinem Werke: ,,L’Armee du Rhin depuis 1<> 12 Aoat jusqu’au 29. Octobre 1870“ mittheilt, „durch eine starke Quetschung gezwungen wurde, das Schlachtfeld zu verlassen."
* Urb er die Uorgängr der »wnereu Politik seit der Thronbesteigung Kaiser Wilhelms II. verbreitet sich eine kürzlich ohne Namensnennung des Verfassers erschienene Flugschrift, in welcher besonders das Verhalten der ultraconservativen Partei einer überaus scharfen Berurtheilung unterzogen wurde. Seitdem es sich mit aller Bestimmtheit herausgestellt hat, daß der Leiter des literarischen Bureaus des Staats-Ministeriums Herr Geh. Regierungsrmh Professor Dr. Constantin Rößler der Urheber jener Schrift ist, gewinnt dieselbe eine besondere symptomatische Bedeutung.
* Militärische». Im verstossenen Jahre sind, nach den „Bert. Pol. Nachrichten", durch Tod oder Verabschiedung nicht weniger als 65 Generäle und 165 Stabsoffiziere aller Waffengattungen abgegangcn. Von der Neubesetzung der Armee-Jnspectionen abgesehen haben gewechselt die Chefs der Landesverthcidigungs-Commisfion, des Generalstabes der Armee, des Mllitär-CabinetS, des Ingenieur- und Pioniercorps, der Landes-Aufnahme, der Jnspection der Jnfantetteschulen und der Chef des reitenden Feldjäger-CorpS. Von 14 preußischen und diesen angeschlossenen Armeecorps
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haben nur sechs ihre commandirenden Generäle behalten, acht haben neot Chefs erhalten.
* Gstafrikanischrs. Die Meldungen englischer Blätter über angebliche neue Kämpfe bei Bagamoyo und Dar-es- Salaam scheinen unbegründet zu sein. Berliner amtlichen Stellen, wo Berichte darüber vorliegen müßten, ist keinerlei derartige Meldung zugegangen.
* Aufstand tu Samoa. Rach amtlichen Ateldungen aus Apia vom 28. December v. I. wurde wegen thätlicher Insulten gegen beurlaubte Marine-Mannschaften seitens der aufständischen Samoaner das Landescorps S. M. S. „Olga" zur Begleitung des deutschen Consuls auf den Kriegsschauplatz der Eingeborenen entsandt, wo der Konsul Verhandlungen wegen der Entwaffnung einleiten wollte. Auf dem Wege nach der Pflanzung Vailele wurde das Landungscorps der „Olga" von den Aufständischen unter Führung des Amerikaners Klein überraschend angegriffen. Bei einer darauf durch die Landungscorps der „Olga", des Kreuzers „Adler" und des Kanonenboots „Eber" unternommenen siegreichen Landung wurden die Eingeborenen zurückgeworfen und einige Dörfer zerstört. Lieutenant Sieger und 15 Mann find tobt, die Lieutenants Spengler und Burchard und 36 Mann verwundet. Eine Verlustliste wird veröffentlicht werden, sobald die Namen festgestellt sind. Das Befinden der Verwundeten ist gut.
* Unfall- rmd Kranke»-Uerstcherrtwg. Mt dem 1. Januar I. Js. ist das Gesetz, betreffend die Unfall- und Kranken-Versicherung der in land- und forstwirthschaftlichen Betrieben beschäftigten Personen vom 5. Mai 1886, für das Groß- herzogthum Oldenburg, das Herzogthum Sachsen-Altenburg und die Fürstenthümer Schwarzburg-Rudolstadt, Reuß j. L., sowie Lippe seinem vollen Umfange nach in Kraft getreten. Damtt sind auch die letzten deutschen Bundesstaaten zur völligen Einführung der land- und forstwirthschaftlichen Unfall-Versicherung über« gegangen, und das die letztere betreffende Gesetz ist nunmehr in seinem vollen Umfange in ganz Deutschland gilttg.
Anstand.
* Gesterreich-Uttgarw. Der bereits erwähnte Erlaß dcö ungarischen Unterrichtsminifters über den Unterricht in der beut« scheu Sprache wirb von allen Deutschen freudig begrüßt. Er ist die erste auch außerhalb Oesterreich-Ungaurs besondere Aufmerksamkeit erregende Amtshandlung des neuen ungarischen Kultusministers, der sich damit als Nachfolger Treforts würdig eingeführt hat. — Dr. Rechbauer hinterließ ein Vermögen von 150,000 Gulden, er vermachte der Grazer Ortsgruppe des deutschen Schulvercins 4000 Gulden.
* Frankreich. Der Ausgang der vorbereitenden Sitzung des royalistischen Ausschusses, der Wahlenthaltung beschloß, wird die Mehrzahl der royalistischen Wähler Boulanger zu- führen. Der Beschluß wurde nicht ohne scharfen Widerstand gefaßt, da viele einen eignen royalistischen Candidaten aufstellen wollten. Wie es scheint, tbeilte der Vorsitzende Duval dem Ausschüsse einen Brief des Grafen von Paris mit, der Wahlenthaltttng mtempfahl und ausschlaggebend wirkte. Der Graf hält somit an dem weitern Zusammengehen mit Boulanger fest. Viele vorbereitende republikanische Versammlungen fanden gleichfalls stau- Die meisten beschlossen, denjenigen Candidaten anzunehmen, der aus der Hauptversammlung am Sonntag die Mehrheit erlangen werde; doch erklärten auch einige sozialistische Vereine, daß sie sich, roettfl ihr Candida! nicht angenommen werde, dem Mehrheitsbeschluß nicht fügen würben. Boulangers Aussichten wachsen somit.
* Srlgren. Das Organ des belgischen Episcobats, „3!R; partial", veröffentlicht ein Kommunique, wonach die Propaganda der Congregativn bereite umfassende Vorbereitungen für die Ab' reife des Papstes von Rom getroffen habe. Dasselbe Blaä meldet, daß 700 Belgier an der Expedition Lavigerie- Theil zu nehmen gewillt seien.
* Holland. Das Bulletin des „Staatscourant" vo» 6. Januar über den Zustand des Königs lautet nicht günfttß- Während der letzten Tage ist das alte Leiden mehr Hervorgetrelen, wodurch die Verdauung beeinttächtigt wird und die Kräfte abnehmen.
Mirsbadrnrr Tagblatt.
