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Expedition: Langgasse Uo. 27.

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worden war weil er denselben am 21. October als Demonstration zur Feier des 10jährigen Bestehens des Sozialistengesetzes getragen haben sollte, zur Verhandlung. Das Schöffengericht konnte in der schon Spuren eines ehrwürdigen Alters tragenden Cravattc kein Zeichen des Umsturzes erblicken und sprach ihren Träger frei. DerVoss. Zeitg. wird aus Kopenhagen gemeldet, der DampferGothia von der Hamburg- Amerikanischen Packetschifffahrt-Gesellschaft ist auf der Reise von L-tettm nach Newyork auf dem Falsterb oriff gestrandet. Der Rettungsdampfer Svitzer" wurde ihm zu Hilfe gesendet. - Mittwoch Abend ertranken beim Uebersetzen über den Rhein der Bürgermeister, vrer Ge- meindcräthe und zwei Waldhüter von Altenheim der Kehl. Ein Gemeinderath konnte sich retten.

* Der Mörder Dauth scheint doch nach und nach Reue über seine That zu empfiuden, wenigstens deutet darauf eine bei ihm bemerkte an­haltende Niedergeschlagenheit hin. Nach der eigenen Angabe des Dauth, hatte er eine Zeit lang gleichzeitig verschiedene Geliebte und erne Braut. Er scheint überhaupt ein Mensch von stark entwickelter Sinrülchkert zu fern und hatte er wahrscheinlich in Folge dessen bei einer gewissen Elaste von Frauenzimmern viel Glück. Das junge Mädchen, dem er nach Karlsruhe gefolgt ist, will er aufrichtig geliebt haben, obgleich sie nichts weniger wie eine Schönheit war. Er will besonderes Gefallen an ihrem sanften Charakter und ihrer Liebenswürdigkeit im Umgang gefunden haben. Dauth hatte seiner Braut erzählt, er habe in Hamburg eine größere Summe auf der Bank stehen. Diese Bank ist wohl unzweifelhaft der arme Hulseberg ge- wcfcn. Dauth wird von Herrn Oberinspector Kaempe persönlich überwacht und in dessen Abwesenheit von anderen Angestellten des Gefängnisses. Sein Benehmen ist ein geradezu musterhaftes In Allem zeigt er iich willig, es erscheint kaum glaublich, daß em solcher Mensch emen geplanten Raubmord ausführen konnte. Er trägt in seinem äußeren Verhalten etwas Weltmännisches zur Schau, und er scheint überhaupt ent Mensch von nicht gewöhnlicher'Bildung. Am meisten beschäfttgt er sich mit Lesen. Die von ihm erbetene und ihm erlaubte Lectüre wird ihm ohne Weiteres geliefert. Während der Nacht schläft Dauth nihig und das Erste nach seinem Erwachen und der Morgentoilette ist das Verlangen nach Lecrure. Von roher Verstocklheit, wie vielfach erzählt wird, kann hiernach bei Dauth keine Rede sein. Er hat vielmehr gerade durch sein Verhalten dazu bcigc- trngen, daß die Untersuchung in kurzer Zeit beendet sein wird und her Ober - Staatsanwalt seine Anklage fertigstellen kann. In Folge der prompten und wahrheitsgetreuen Angaben des Dauth wird auf eine Anzahl von Zeugen verzichtet werden können.

* eine» Raubmord bringt derHamb. Corr." folgende Depesche: In Leiferde (Hannover) wnrde der Aufkäufer und Fuhr­mann Lutter Busse mit eingeschlagenem Schädel im Bette gefunden. Busse schlief in der Kammer im Pferdestall allein. Die Frau fand ihn dort tobt. 600 Mark sind geraubt. Der Ermordete wollte heule nach Braunschweig, nm Stroh und Heu zu verkaufen. Derselbe, ein fleißiger und ehrbarer Mann, war nicht wohlhabend und hinterlaßt Frau und mehrere Kinder. Der Thäter ist noch nicht ermittelt, derselbe muß die Hausgelegeuheit gekannt haben. Das Hans liegt isolirt vor dem Dorfe. Unter der Einwohnerschaft herrscht große Aufregung.

* Au» München schreibt die9t. Zur. Z.": Dieser Tage zog die Hauptwache unler dem Commando eines Lieutenants mit klingendem «spiele über den Bahnhofsplatz, just in dem Augenblicke, als zwei junge Herren in einer Droschke zur Bahn fuhren. Einer von diesen warf etlichen eben des Weges kommenden Damen Kußhändchen zu. Ganz unbegreiflicherwette bezog der commandirende Lieutenant diesen Spaß auf sich und ließ wuth- entbrannt durch einen Unteroffizier und einen Soldaten die Herren aus dem Wagen reißen und sofort verhaften! In das Gendarmerielokal im Centralbahnhofe gebracht, wiesen sich die jungen Herren unter Widerspruch gegen diese Verhaftung als Studirende der Landwirthschaftlichen Hochschule mit der Versicherung aus, daß es ihnen nicht im Traume eingefallen sei, einem Lieutenant Kußhände zuzuwerfen. Die Studenten wurden denn auch sofort wieder freigelassen und vom massenhaft erschienenen Publikum jubelnd begrüßt. Der Vorfall rief große Aufregung und in Studenren- kreisen Erbitterung hervor. Allen Anzeichen nach sind die seit einiger Zelt nolhdürftig beigelegten Streitigkeiten zwischen der Studentenschaft und dem Offiziercorps durch diesen Vorfall wieder erneuert worden. Die Studenten berathen zur Zeit den Text einer Beschwerde au die Commaudanttir.

* Ein vergessenes Jubiläum. Deutschland so schreibt der Köln. Ztg." ein Freund des Blattes ans Bonn Deutschland hat Heuer eine großartige Jubelfeier versäumt! Von arithmetischen Wunderlichkelteu der Jahreszahl 1888 ist in ben Zeitungen öfters bie Rede gewesen; ihre historisch-chronologische Bedeutung ist dagegen der öffentlichen Aufmerksam­keit völlig entgangen. Laien werden glauben, ich wollte an das Jahr 888 erinnern, in welchem mit dem Hingang weiland Kaiser Karls des Ticken das Weltreich der Karolinger endgültig auseinandersiel. In der That hat von dieser Epoche noch Karl Friedrich Eichhorn den Beginn einer besonderen deutschen Staatsgeschichte, wie anderes einer französischen datirt. Allem die neuere Wissenschaft ist, unter ber yüfjrung von Waitz, babtn uberem- gekommen, den wahren Anfang eigener nationalpolitischer Entwicklung hüben wie brühen vielmehr in dem Vertrage von Verdun zu erblicken. Mit Recht ward daher der tausendste Geburtstag des deutschen Staats­wesens bereits im Sommer 1843 festlich begangen. Den armen Karl den Dicken verfolgt überhaupt noch immer fein altes Mißgeschick. Wie ihm Dümmler's Forschung sogar seinen harmlosen Beinamen als gänzlich unhaltbar aberkannte, sodaß unserer echtheitsüchtigen Zeit die Pflicht ob­liegt, auf dem betreffenden Kaiserbfld im Frankfurter Römer den unbe­glaubigten Bauch geschickt binwegzurestauriren, so darf nun auch sein Tod nicht mehr für eine wichtige Begebenheit gelten; das Jahr 888 hat seine innere Merkwürdigkeit eingebüßt. Wie aber? Gab cs nicht lange vor einem deutschen Staat ein deutsches Volksthum, das fich genau vor zweitausend

Handel, Industrie, Statistik. .

Marktberichte. Frachtmarkt zu Mainz vom 7. Dec. Der heuttge Markt verlief für Brodfrüchte Bet schwerfälligem Verkaufe ruhig, jedoch haben die Preise eine weitere Mnbuße nicht erlitten. Zu notiren' ist: 100 Kilo Nassauer und Pfälzer Weyen 19 Mk. 50 Pf. dis 20 Mk. 50 Pf., ditto Korn 16 Mk. bis 16 Mk. 50 Pf., dttto Gerste 15 Mk. bis 16 Mk. 50 Pf., russisches Korn 16 Mk. bis 16 Mk. o0 Pf., russischer Weizen 21 Mk. 50 Pf. bis 22 Mk. 50 Pf.

Land- und Hauswirt!)schaftliche Minke.

* Für Rosenfreunde dürfte es interessant sein, zn erfahren, daß im nächsten Frühjahr eine neue Rose mit dem NamenOscar II., König von Schweden", in den Handel kommt. Dieselbe ist von einem der be­deutendsten Rosenzüchter Luxemburgs, Herrn S o up ert Sezuchlet welcher bei der letzten Rosen-Ausstellung in Frankfurt,a. M. als Preisnchter fnngirte und bei dieser Gelegenheit davon Kenntmtz erhielt, daß der Komg von Schweden bei einem Besuche des Palmengarteiis den Director desselben autorisirt habe, eine schöne Neuzüchtung nach seinem Namen nennen zu dürfen. Die neue Rose, deren Pathenschaft der König dankend angenommen hat, ist in Färbung carmin mit carminzinnober nuancirt, vraunroth schattirt und ist von sehr angenehmem Geruch.

* Kopf Kalt, Füße warm! Oft findet man eine große Aengstlich- keit bezüglich des Warmhaltens des Kqpfes, während die Fuße vernach­lässigt werden. Und doch ist nichts wichttger, als die Füße warm zu halten. Rian trage warme, wollene Strümpfe und bequeme Schuhe, und halte hingegen den Kopf kühl. Warme Hüte, Nachtmützen Tücher u. s. w. ver­meide man vollständig und namentlich bedürfen Kinder am allerwenigsten der warmen Kopfbedeckungen.

* Mancherlei Unglücksfälle find schon durch Umstürzen oder Ervlodiren von Petroleumlampen entstanden und nur durch rasches Ein­greifen kann dabei oft, wie jüngst in Coblenz, großes Brandungluck und Verlust von Menschenleben verhütet werden. Das von der,Firma Georg Reichardt L Co. eingeführte Sicherheitsöl bietet gegen jede Erplostons- gefahr vollständig Gewähr, ist ganz wasserhell, erst bei 50 Grad Celsius entflammbar und dazu weit ausgiebiger und sparsamer im Brand als gewöhnliches Petroleum. Jedermann sollte daher im eigenen Jniereffe Reichardt's Sicherheitsöl" verwenden.

B. Gin kauswirtyfchaftlich-r Miuk fprrieU an dir Frauen «nd Innafrauen. Wir haben neulich an Zahlen beit Nutzen nachge­wiesen? welcher durch die Hühnerzucht für das Hauswesen entsteht. Heute sei auf eine zweiteFrauenarbeit" hingewiesen, bet der kern Concurrenz- neid erwacht und kein Sitzen im Zimmer oder an der Maschine Geist und Körper schwächt, auf eine Arbeit, deren Nutzen noch großer ist, als der, welcher aus der Hühnerpflege entsteht. Ich meme die Bienenzucht. Jede Blume, jede Blüthe bietet m ihrem Kelche,bcr Menschheit das köst­lichste und heilsamste Nahrungsmittel dar und die fleißige Biene sammelt es ohne unser Zuthun für uns ein. Pflege» wir diese treue nueigennutze Arbeiterin und wir werden bald eine Mehrerin unseres Wohlstandes mehr zählen! Der Verband der deutschen Bienenzüchter zählt bereits mehrere tausend Mitglieder, wenn er einmal ebenso viele Frauen undJungfrauen zu seinen Mitgliedern zählt, so wird der Nationalreichthuin jährlich durch dm Fleiß der Bienen um viele Millionen vermehrt und tn keinem Hause der Bienenhonig auf dem Tische fehlen, wie m der Schweiz derselbe nie fehlt, weder in den Gasthäusern noch in den Pnvathausern.

* Mittel, den Salpeter in den Manern ?u vertilgen. Der Kalk wird von den Mauern, wo der Salpeter sich anseyt, losgehauen und von den Steinen nach Verhältniß 2 bis 5 Censimeter ausgespitzt. Hierauf wird Gips aufgetragen und in den Gips Holzkohlen gedruckt, die aber gespalten sein müssen, bamit sie nicht zu hoch zu stehen kommen. Doch Muffen die Kohlen so dicht als möglich in den Gips kommen, um keine großen Zwischenräume zn lassen und Alles bannt ausfullen. Alsdann, wenn der Gips mit der Kohle verbunden und trocken ist, wird der Kalk aufqetragen, die Mauer mit dem Richtscheite gerade gemacht und abgeputzt. Der Salpeter mag in der Mauer so stark fein als er will, so kommt er durch den Gebrauch der Kohle nie wieder zum Vorschein.

* SchneUfüiter für Pferde. DasMilitär-Wochenblatt", schreibt: Bei Manöver«, auf Reisen und Märschen, tm Kriege tote tm Frieden, ist Roggenmehl mit Wasser gemischt ein höchst einfaches, aber sehr praktisches Pferdefutter. Mehlwasser wird in der Schweiz und Italien vielfach dann gefüttert, wenn die betreffenden Pferde auf starken Touren nur kurze Zeit zum Ausrnhen haben. Auf manchen Poststattoiien sieht man die Pferde, unmittelbar nach deren Ankunft, Mehlwasser einnehmeu, um dann nach wenigen Minuten neu gestärkt weiter zu traben. Solches Mehlwasser ttt dem hier üblichen Brodf utter bei Weitem vorzuztehen. Pteide, die ermüdet und burftig sind, bedürfen zu viel Zeit, nm Brod zu lauen. Mehlwasser wirft dagegen sofort erfrischend und ist, im Gegensatz zu Hafer, bekanntlich völlig unschädlich, auch wenn es unmittelbar nach großen Anstrengungen gefüttert wird. Bezüglich des Transports dürsten kleine Beutel für eine Tagesratton auf je 2, bezw. 4 bis 6 Pferde großen Säcken vorzuztehen fein, auch findet man unterwegs wohl meist m jedem Bauernhause Mehl.

Vermischtes.

* Uom Tage. In der letzten Sitzung des Schöffengettchts in Gera tarn der berühmt gewordene rothe ShlipS des Handelsmannes Maak, wegen Lessen fein Träger vom Stadtrath mit 3 Lik. Polizetstrafe belegt