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Traubendiebstähle kamen vor, weshalb die Weinlese beschleunigt wurde; der Wein ward vorzüglich bei großer Menge. Sonst war die Stimmung der Rheingauer gegen die Soldaten keine schlechte, war doch die Lage eine ganz andere geworden, seitdem das Plackvolk der Franzosen abgezogen. Das Land schenkte dem Hauptmann von Griesheim, der sich wohlwollend gegen die Bewohner benommen, auf Wunsch des Vicedoms von Ritter am 18. Octöber ein Stückfaß Wein. — Mit den Kaiserlichen war auch der Kurfürst in Mainz eingezvgen, doch blieb er nicht in seiner Residenz, am 9. November begab er sich in's Rheingau, bezog das kurfürstliche Schloß in Eltville und erwählte es vorläufig zur Residenz, das Land mußte zum Heizen eine Parthie Holz liefern. In Mainz selbst sah es übel aus. Am 29. December schrieb die Kurfürstliche Regierung, die Nothdurft erfordere es, die Stadt Mainz von dem darin lagernden Unrath zu reinigen, dazu seien aber dort keine Leute zu haben, deshalb sollten hundert Bauern aus dem Rheingau mit Hacken, Karsten, Schippen und Gabeln auf den 1. December nach Mainz kommen und die Stadt reinigen. Am 26. December verlangte General von Thüngen zur Entfernung der Umwallungslinien vor Mainz aus den umliegenden Aemtern fünfhundert Mann, das Rheingau mußte hiervon fünfzig Mann stellen, die mit Zwei Tagen Proviant versehen dort erscheinen sollten. Um sich gegen feindliche Angriffe zu sichern, fand am 20. Januar 1690 Musterung im Rheingau statt, und mußte die Bürgermiliz am 22. Januar zu Oestrich mit Ober- und Untergewehr sowie drei Schuß Pulver zur Uebung sich einfinden. Im Rheingau lagen Soldaten, die an Krankheiten und Wunden gestorben, an Straßen und sonst kaum spannenhoch beerdigt, die Gefahr, daß bei künftigem warmem Wetter gefährliche Krankheiten entstehen könnten, lag gar nahe, die Leichen wurden jetzt wieder ausgegraben und unter Anwendung von Kalk tiefer beerdigt. Es war dieses am 10. März befohlen. Schwer ruhten auf dem Lande die Lieferungen an die Kaiserlichen, der Kurfürst verlangte zudem ohne Erbarmen die rückständigen Steuern, nach und nach wurde der Zustand unerträglich. Die Lage war sehr ernst, am 10. Februar 1690 ward, da sich die Franzosen an den Landesgrenzen zeigten, auf strengere Bewachung derselben gedrungen, in Mainz begannen die Arbeiten für die Kaiserlichen an den Befestigungen, am 14. März wurden wiederum fünfunddreißig Bauern Zum Setzen der Pallisaden entboten. Zur Unterhaltung der Bürgermiliz schrieb der Kurfürst monatlich zahlbare Verpflegungsgelder am 14. April, anstatt der bisher üblichen Quartalschatzung, aus. Als die Franzosen mit Ueberfall drohten, hatte sich derselbe aus Eltville nach Aschaffenburg begeben. Im April lagen von der Leyen'sche Truppen im Rheingau und erhielten Obdach und Service, aber keine Naturalverpflegung vom Lande gestellt. Nach der Serviceordnung vom 28. April hatte jedes Regiment, Dragoner wie Fußvolk, zu erhalten, vom Stabe: ein Obrister 26 V», Obristlieutenant 10, Obrist-Wachtmeister 6’/ö, Regiments-Quartiermeister 4, Auditeur und Secretarius 5, Caplan 31/4, Adjutant 3, Provianlmeister 23/ä, Wagenmeister 21/2, Profoß mit seinen Lenten 51/» Portionen. Die Compagnie erhielt: Hauptmann 13, Lieutenant 61'4, Fähndrich 51 fc, Wachtmeister 4'-i, Fourier 2%, Musterschreiber 2’m, Feldscherer 2’m, Corpora! ls/4, Tambour l’/r, Sattler l’/i, Schmidt l1/*, Gemeiner l’/4 Portionen. Das Regiment zu Fuß erhielt; vom Stab: Obristen 25, Obristlieutenant 10, Obrist-Wachtmeister 5, Regiments-Quartiermeister 4, Auditor und Secretär 5, Caplan 3 ’m, Adjutant 4, Proviantmeister 2 V», Wagenmeister 2’/a, Profoß mit seinen Knechten 5’,'4 Portionen. Von der Compagnie der Hauptmann 12’/a, Lieutenant 5, Fähndrich 4, Feldwebel 3, Führer, Fourier, Musterschreiber, Feldscherer jeder 2, Corpora! l’/a, Fourierschütz, Tambour, Gefreiter V/4, Gemeiner 1 Portionen. Das Service bestand außer Obdach und Lagerstätte m Holz, Satz und Licht oder per Tag und Portion ein Kreuzer Geld dafür. .
Im April 1690 forderte Dielmann die Rheingauer auf, für me Sponheimischen Dragoner, welche einrücken walkten, Ställe und Quartiere zu beschaffen. Am 5. Mai 1690 ward wiederum
Gebück besichtigt und gefunden, daß an verschiedenen Plätzen Wege durch dasselbe gemacht worden, und dadurch die Wachsamkeit an den Pässen unnütz sei. Die Herstellung ward befohlen. Am 9. Mai befahl der Landschreiber, der Ausschuß, Offiziere wie Gemeine, sollten künftigen Pfingstmontag zu Oestrich sich einfinden. JÜle» welche vor etlichen Jahren grau md rache Röche, erhalte»,
sollten solche anziehen, auch jede Compagnie ihre Fahne mitbringen Am 19. Mai wurden fünfzig Schanzer zum Setzen der Pallisaden am Rhem nach Mainz entboten.
Wegen des Services herrschten im Rheingau zwischen den Bewohnern und Offizieren Streitigkeiten, am 1. Juni 1690 befahl der Kurfürst, daß die Bürger kein Essen, nur das Service zu stellen hätten. Am 27. Juni ward die kaiserliche Artillerie nach Heidelberg auf's Schleunigste verlangt. Die Rheingauer mußten Pferde hierzu stellen, die Leute sollten in Starkenburg abgelöst werden und heimgehen. Wiederholt ward am 19. Juli gegen die Excesse-der Soldaten durch Erpressungen von Geld und Lebensmitteln eingeschritten. Am 7. December 1690 wurden drei Compagnien Erzstiftische Dragoner nebst Stab in's Land gelegt, um der Stadt Mainz näher zu sein, die Leute erhielten nur Verpflegung; Brod, Heu und Hafer fteKte der Kurfürst wöchentlich von Mainz aus. Damals drohte ein ftanzöfischer Ueberfall. Als am 29. December 1690 bei etwas geschwundener Gefahr die Schanzarbeiten in Mainz wieder begannen, verlangte Freiherr von Thüngen aus dem Rheingau hundertundzehn Schanzer zur Arbeit. Die Orte des Mittel- und Unteramts, welche von der Leyen'sche Fußtruppen und Sponheimer Dragoner als Einquartierung hatten, beschwerten sich wegen Ueberbürdung, worauf der Oberamtsschultheiß Dielmann am 31. December 1690 die Portionen anders eintheilte und das Oberamt einundsiebenzig Mann erhielt. Im Januar 1691 fror der Rhein zu, die Gefahr eines Ueberschreitens der Eisdecke durch die Franzosen lag nahe. Die Leute mußten den Rhem der Länge nach von Mainz bis Lorch theilweise aufeiscu, das Eis entfernen, die Rinne offen halten und bewachen. Die Eintheilung der Orte in diese Arbeit geschah am 11. Januar 1691. Auch die Waldorte und Klöster des Landes mußten helfen. Die Franzosen standen in Ebernburg und ängstigten das Land mit Brandfchatzungsbriefen.
Da die Rheingauer in den Augen des Kurfürsten nicht zur Wacht und Beschützung des Landes ausreichten, schloß derselbe mit Hessen einen Vertrag; es kamen Hessen in's Land und wurden in den Rheinorten einquartiert. Diese kamen am 21. Januar an. Das Aufeisen des Rheins ward trotz der drohenden Gefahr schlecht betrieben, namentlich blieben die Leute aus den Waldorten vielfach aus. Am 25. Januar wurde die Aufeisung unter Erbreiterung der entstandenen Oeffnung auf's Neue befohlen und am 29. Januar die doppelte Anzahl Leute wie bisher dazu verlangt. Am 4. Februar 1691 wurde bestimmt, daß ein Stückschuß in Mainz einen Brand auf dem Lande, zwei einen in der Stadt, drei den Feind bedeuten solle. Es blieb aber Alles ruhig. Der Kurfiirst verlangte Rekrutengelder für die angeworbenen Soldaten, Bezahlung für die eingelagerten Hessen und Fortificationsgelder für die Stadt Mainz; eine Gesandtschaft von Rheingauer« vermochte nichts bei dem Kurfürsten zu erreichen. Die Franzosen machten im Februar einen Einfall in das untere Rheingau unter Sengen und Brennen, dabei nahmen sie mehrere Bürger als Geißeln gefangen. Ihr Marsch ging gegen Mainz auf der linken Rheinseite. Zweck des Einfalls war Erpressung von Brandschatzungsgeldern. Die Franzosen drohten am 18. Februar mit neuem Einfallen und Brennen, wenn das Land sich zur Entrichtung einer Brandschatzungssumme nicht verstehe. Am 20. Februar gingen Deputirte nach Ebernburg in's französische Lager zur Unterhandlung. Auf den Kurfürsten, der allerdings eine elende Rolle spielte und sich nach Aschaffenburg geflüchtet, wurden im Lande allerhand Spottgedichte gemacht und an öffentlichen Plätzen angeschlagen. Die Thäter und Verbreiter derselben sollten ermittelt und bestraft werden. Die Hessen lagen immer noch im Rheingau und erregten vielfach Excesse und Erpressungen. Am 8. Juli 1693 verbreitete sich die Nachricht, die Franzosen rückten gegen den Rhein, der Ausschuß ward aufgeboten, um einen Ueberfall zu vermeiden. Als im Januar 1694 der Rhein wieder zufror, ward auf dem Mäusethurm scharf gewacht und vom 24. Januar an wieder wie früher der Rhein theilweise aufgeeist und die Rinne bewacht. Am 26. Januar drohte Gefahr, da die Franzosen sich Geisenheim gegenüber bei Weinheim und der Heidenfahrt zum Uebersetzen sammelten. Es war aber nur blinder Lärm, um Angst zu erregen und die Leute zum Zahlen zu veranlassen. So ging es noch mehrfach. Die Feindseliokeiten dauerten fort, ebenso das Einlager der fremden Trwwen, bis der RysWker Friede 1697 dem Kriege ein Ende machte.
