Wiesbadener Tagblatt.
war in dem
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Neueste Nachrichten.
* Wiesbaden. 6. Juli. Der serbische Kriegsministtt Protitsch und der Bischof Zimitryi sind zu Verhandlungen über Familien-Angelegenheiten mit der Königin von Serbien hier eingetroffen.
* Berlin, 6. Juli. Der König und die Königin von Sachsen sind heute Morgen 8 Uhr 25 Min. nach Kopenhagen abgereist.
* LandON, 6. Juli. Im Unter Hause erklärte der Finanzminister Goschen, die 40 Millionen zur Conversion aufgenisenen dreiprocentigen Consols seien noch nicht convertirt, er beabfichtlge, dieselben im Laufe des Monats Juli zu kündigen und, nxnn dieselben eingelöst seien, in der nächsten Session ein Gesetz einzubringen.
* Petersburg, 6. Juli. Wie die „Novüsti" erfahren, Hal die Regierung ihren Vertreter bei der Zucker-Conferenz bevollmächtigt, die internattonale 'Conventton betreffs der Abschaffung der Zucker-Ausfuhr-Prämien zu unterzeichnen.
nahmsvollen Arbeitgeberin erzählte sie, daß ihr Vater, der schon seit einem Jahre bettlägerig, vom Schlage gerührt und das Schlimmste zu erwarten sei. Frau R. wußte aus früheren Erzählungen des Mädchens wohl, daß dieselbe die einzige Ernährerin ihres Vaters sei und beschloß zu Helsen. Am Abend des Tages begleitete sie das Mädchen nach Hause, Erfrischungen aller Art mittiehmend. Wie erschrak sie aber, als sie tm niedrigen, durstigen Zimmer an das Krankenbett tretend, m demselben ihren geschiedenen Mann gewahrte, welcher sie nicht erkannte. Durch geschickte Fraßen wußte sie nun dem ehemaligen Gatten die Erzählung seines Lebensschichals abzulocken; er hatte die Tänzerin aeheirathet und war mit deffelben nach Amerika gegangen; dort war ihm die Fran nach Geburt eines Töchterchens gestorben; m dem neuen Welttheil war es ,hm schlecht gegangen; er hatte lein Vermögen im Lause der Jahre verloren und so war er denn krank und siech unter anderem Namen mit seinem Heranwachsenden Kmde nach Berlin zurückgekehrt. Frau R., welcher wahrend der Erzählung ihrer Mannes heiße Thränen über die Wangen liefen schickte nun zu eine» Arzte welcher erklärte, daß der Kranke nur noch wenige Tage zu leben habe. Getreulich blieb die „Geschiedene" bei ihrem ehemattgen Gatten, und als derselbe starb, nahm die großmüthlge Frau die Tochter ihrer Nebenbuhlerin, jene junge Näherin, zu sich und binnen kurzer Zeit wird dieselbe von ihrer zweiten Mutter gesetzlich adoptirt werden.
* Die Sournüre spielte in einem Diebstahls-Proceß, der am Montag vor dem B e rli n er Schöffengericht zur Verhandlung gelangte, eine wichtige Rolle. Elise H., die 17jährige Tochter anständiger Eltern war in dem Goldschmidt'schcn Confeclions-Geschäft ange,teilt und genoß das Vertrauen des Geschäfts-Inhabers in besonderem Maye. Seit eimger Zeit verschwanden nun aus dem Geschäft m unerklärlicher Weise große Stucke Lammt, Plüsch und Tuch, und man zerbrach sich vergeblw) den Kopf, wie dieselben wohl ihren Weg in's Freie nehmen konnten. Endlich flel dem Inhaber auf, daß mehrfach die Tournüre des sehr schlanken und madchm- : haften Fräuleins H. bei ihrem Fortgang aus vem Geschäft einen wen größeren Umfang zu haben schien als vorher, und als eines Abends dieser Auswuchs" der Franeumode übermäßig augeschwollen schien, hielt man es doch für geboten, demselben eine nähere Untersuchung zu miömen, wobei sich denn ergab, daß das junge Mädchen eben im Begriffwar, einen ganzen Kinderpaletot, den sie sich mittels Bindfaden nm die Dmll-gebunden, ci | Tournurenform aus dem Geschäfsraum hinauszubug,iren. Das diebM ! Fräulein gestand denn auch bald zu, daß sie in etwa zehn Fallen die vermieten Stoffe in derselben Weise tveggcbracht habe. Ganze Thronensrome ent- , quollen am Montag vor Gericht den noch recht unschuldig brnnschaueiiden ■ Augen der jungen Spitzbübin, als der Staatsanwalr mrt Rücksicht ans die bewiesene Verschlagenheit 6 Wochen Gefängniß gegen sie beantragte. Der ! Bestohlene selbst legte aber für die Angeklagte cm gutes Wort em, nidiin er darauf hinwies, daß dieselbe einer gewissen «tehlsucht zum Opfer ge- salleu ist. Das Mädchen spielt nämlich trotz ryrer 17 Jahre noch autz«- ordentlich gern mit der Puppe, und es ist festgesiellsi dag sie die stuäk Sammt, Plüsch u. s. w. zumeist m der unsinnigsten Weise zerrissen hat um sie als Puppenlappen und dergleichen mehr zu verwenden. Witt Ruchicht hierauf bewahrte der Gerichtshof das Mädchen noch einmal vor der ent= ehrenden Gefängnißstrase und ließ cS bei einem Verweise bewenden.
* Sir Morell Nla-li-nfie weilt gegenwärttg in .Italien. Er rat , in der Bcglmnng seiner Gattin, einer Tochter und cmcs Sohnes. .Du Familie Mackenzie war am Abend des 30. Juni von Luzern aus über den St. Gotthard nach Mailand gekommen, blieb dort nur wenigesSmndm um dann nach Venedig weiter zu reisen. Alle Versuche der Mailänd« Presse den englischen Arzt zu interviewen, blieben fruchtlos, Mackenzie empfing keinen Einzigen der Journalisten.
* Ausstellung von Aeiligthümern. Am nächsten Montag werden in Aachen die Hciligthümer aus dem Schreni, m welchem sie sieben Zahn lang unberührt und versiegelt geruht, unter feierlichen Ceremomen hcrauS- genömmen, um dem gläubigen Volke vierzehn Tage lang von der Thunn^ aallcrie der Münsterttrche herab gezeigt zu werden. Zur Eröffnung der zbcilicithumsfahrt trifft Erzbischof Philipp ns von Köln m Aachen m, er wird voraussichtlich di- im Prograunn des Eestgottesdienstes vorgesehene Ansprache halten. Die Bischöfe von Trier, .Hildesheim, Lüttich und Luxemburg haben ihren Besuch ebenfalls bereits zugesagt.
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* Nom Kaiser Friedrich. Veilchen waren bekanntlich die Licb- lingsblumen des Kaisers Friedrich. Kaiserin Victona hat deshalb dem Gärtner der kaiserlichen Schlösser den Auftrag gegeben, dafür Sorge zu tragen, daß Winter und Sommer in den Glashausern frische Veilchen vorhanden seien, auch daß man täglich, einen Kranz aus biesen Blumen am Sarge des Kaisers niederlege. Dre Berliner Hofgartner haben sich auch mit Blumenliescranten von Parma, wosellist bekanntlich die herrlichsten Veilchen blühen, in's Einvernehmen gesetzt, welche den «auien der Veilchen allmonatlich nach Berlin senden werden. — Als Gaffer Fnedrtch int vorigen Jahre zum letzten Mal «„Venedig, weilte, besuchte er die Gallerie der dorttgcn Kunstakademie, wo sich der vielgeruhmte San Giorgw von Andreas Mantegua befindet. Obwohl das Bild mir sehr klein ist, lenkte cs doch sofort den kunstverständigen Blick des Kronprinzen auf sich. Der Fürst äuperte seine Bewunderung über das Gemälde und befteUte sofort bei dem venetianischen Künstler Alessandrl eine, Copie des Bildes. Der Maler machte sich mit Elfer an s Werk und erhielt.noch von San Remo verschiedene Anfragen, wie weit er mit seiner Arbeit stände. Zevt erst hat Alessandri die Copie vollendet und nach Potsdam gesandt. Kaiser Friedrich hat das bestellte Gcmäldc nicht mehr gesehen.
* Ernest Renan AVer die Kaiserin-Nfittme Viktoria. Ein Berichterstatter desHarifer „Parti National" hatte eine Unterredung mit E r n e st Re n a u über dessen Verkehr mit der nuumehrlgen Kaiserm-Wittwe Victoria Der berühmte Verfasser des „Leben Jesu" erzählt, da« er M -oahre 186i während der Pariser Weltausstellung dem damals kronpnnzlrchen .Paare vorgestcllt wurde. Einer Einladung> folgendversugte sichR-nanm das preußische Botschaftspalais m der Rue de Lille wo, die Herr schäften ab- aesticaen waren. Ueber zwei Stunden erörterte die Kronprinzessin mit Nan die heikelsten Fragen der Philosophie, der Metaphysik und der Literattir. Sic machte auf den französischen Gelehrten ganz und gar ben Eindruck einer „hervorragenden Frau", cmer Femme supeneure, Ter Kronprinz folgte mit gespannter Aufmerksammkest dem Zwiegespach, bc- anUarc sich aber, hie und da seine Meinung durch kiirze Einwurfe zu aiißern. An diese Zusammenkunft anknüpfend, richtete Renan drei Jahre später, während des Krieges, einen Brief an die Kronprinzeffm,um m warmen Ausdrücken für milde'Fricdensbedingungen zu p^abiren. Allem die Nrinzcifin mußte ihm antworten — sic that cs in der schonendsten Weise — daß sie fick jedes Eingreifens in die Politik enthalten muffe. Sparer Iras der französische Gelehrte mit der Kronprinzessin des deutschen Reiches in Venedig und Paris, wo sie sich im streugsien Jncogmto einmal aufhielt, zusammen, und er gewann jedesmal den Eindruck, daß sie die Regierung ihre« Gemahls in entscheidender und edler Weise beciustutzt hatte.
Gin Pr-ozest des Fürsten Sliidjcr, Fürst Blücher von Wahlstatt hatte von der Stadigemeinde Berlin im Prozeßwege 162., Mark Schadenersatz verlangt, weil durch die bei Gelegenheit der Beerdigung Kaiser Wilhelms I. auf dem Blumeuparauet des Pariser Watzes ennchtttc Tribüne die Aussicht aus dem zu seiner Wohnung gehörenden tunf Par- terrefcnstern des Hauses Pariser Platz 2 ver;perrt worden sei und außerdem Anerkennung des Princips beansprucht, daß die Stadtaememdc zur Errichtung derartiger Bauwerke, welche die Riissicht von seinem Hause becinträchtiaen rächt befugt sei. In dem vor der 10. Eivilkamuier des Königl. Landgerichts I. abgehaltcnen Verhaudlungs-Termme wurde Seitens
Vettreters der Stadtgemeindc msbffoudere aelteiib gemacht, daß das Recht der Adjaccnten an einer öffentlichen Straße stH'Mblllgemeinen nur aus die ungehinderte Commumcanon zu dem Grundstücke vermittels des Bürgersteiges und des Fahrdammes erstrecke, daß daher da weder der Bürgersteig noch der Fahrdamm durch den Tribunenbau berührt worden ij-i und dem Kläger weder nach den Gn,ndsätzen. des, Nachbarrechw noch .sonst ein weitergehender Anspruch zukomme, em Eingriff in dw Rechte bcs Magers nicht vorliege. Das Gericht erkannte demgemäß auf kostenpflichtige Abweisung der Klage. . ..
Ein äustevst seltener- KranlcheitsfaU wurde m der inebi- «nifchcn Klinik von Professor Gerhardt m Berlin vorgefuhrt. Der Patient, ein 36jähriger Seifenarbeiter, war in die Chante gekommen, weil er über Reißen in den Fünen und große Korpcrschwache klagte.. Hier wurde er zuerst, weil seine Haut schmutzig-braun aiisl.ah, m ein ^penbad gebracht. ES zeigte sich aber bald, daß die braune Färbung der Haut als eine Ablagerung von Farbstoff im Hautaewebe sich barsiellte Der Mann -leidet an der Edffon'schen Mohrenkrankheit, die Mit großer Blntarmuty und Erkrankung der Nebenniere einhergeht. In Würzburg wurde emimn dieser eigenthümllichen Krancheitsform befallener Mami so braun wie em Mulatte, so daß die Kfilder aut der Straße ihm nachliefen. Von «iiem anderen derartigen Patienten wird berichtet, baff er seines Aussehens halber .mit dem Namen eines Turko belegt wurde.
! - IVahrkeii oder- Dichtung? Eine Berliner Lokal-Corre-
-svondeuz erzählt folgenden kleinen Roman: „Die Adoptiruug einer jungen Äähettn durch eine im Osten der Stadt wohlbekannte Fabrikbesitzenn erregt in den Kreisen unserer Groß-Industriellen allgemeines Aust-Hen,. um- isomehr als die Vorgeschichte dieser Adoptirung eines romantischen Unter- 'arundes nicht entbehrt. Vor etwa 23 Jahren war Frau Victoria R. von 'ihrem Manne geschieden worden; ihr Rechtsanwalt hatte dem Richterbtele ÄidjHge Gründe für die Trennung der Ehegatten angeführt, hatte beiwiesen daß Herr Carl R. mit einer Tänzerin em Verhaltmtz habe und S eiaene Frau schlecht behandele. Trotzdem war Frau R. damals Lereit i|rcm §iann einen Theil ihres Vermögens abzutreten und mit dem Rest ihres eigenen ein Fabrikations-Geschäft tm Osten der Stadt zu ire ben das unter der geschickten Leitung der energischen Frau vorzüglich Drowerirte Anfang vorigen Monats nahm Frau R., welche nicht wieder cehciratbet auf Empfehlung einer Freundin eine junge Naherm zur An- »ertiaung von Garderoben in ihr Haus, deren Ä-sichtSzuge m ihr un- befrimme Erinnerungen wachriefen. Vor etwa 14 Tagen nun er,chien das chilbhiidsch- Mäbchm mit verweinten Augen, und auf befragen der lhcil-
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