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„Tagblatt-HauS" Nr. 6K5Ü-53.

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Kreilag. 13. November 1914.

Kbend-Ausgabe.

Nr. 532. » 62. Jahrgang.

Der Krieg.

Oer Tagesbericht vom 13. November»

Neue schwere Niederlagen der Sranzofen bei Nieuport und fortschreitende Angriffe aus Npern. Insgesamt wieder 1800 Franzosen gefangen genommen. — Erneute Kompfe an der ostprsutzischen Grenze.

W. T.-B. Großes H a n p t a n a r t i e r, 13. Nov. (Amtlich.) Am Yser-Abschnitt bei Nicuport brachten unsere Marinetruppen dem Feinde schwer st e Verluste bei und nahmen "00 Franzosen ge­fangen.

Bei den gut fortschreitenden Angriffen auf Npern wurden weitere 1100 Mann gefangen ge­nommen.

Heftige französische Angriffe westlich und östlich S o is s o n s wurden unter c m pfindlichen Be r- l u st c n für die Franzosen zur u cl g c sch läge n.

An der ostprcnstischen Grenze bei Ehdtkuhnen und südlich davon, östlich des S e e n a b s ch n i t t c s haben sich erneute Kämpfe entwickelt, (fine Ent­scheidung ist noch nicht gefallen.

Oberste Heeresleitung.

Die Räumung wichtiger Rüftsngebiste durch die Belgier.

Br. Rotterdam, 13. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr.

Vln.) Holländische Blätter berichten, das; die Deut­schen trvb der Überschwemmung westlich des Jserkanals nne Anzahl-wasserfreier Stras?en erzwun­gen haben, auf welchen große Truppen- und Muni- tionstransportc begonnen haben. Die Räumung wich­tiger Küstengebiete durch die Belgier schreite fort. D,e Gesamtlagc des Kampfes im Nordwrsten steht dem „Courant" zufolge u n m i t t e I b a r vor der Ent­scheid» n g. Die letitcn verzwcltcltcu Widerstande der Belgier seien vor Ypern gescheiter t. Die Blätter berichten weiter, das; die b e I g 11 ch e Regie­rung in La Havre seit 8 Tagen ihre früheren täglichen Kriegsberichte vollständig eingestellt habe.

Ein holländisches Urteil.

Berlin, 13. Nov. Die Lage der Kämpfe in West- slandern findet durch beit militärischen Mitarbeiter des "Nieuwe Roterdamsche Courant" folgende Beurteilung. Die Angriffe der deutschen Truppen sind auf der ganzen Linie erfolgreich fortgesetzt worden. Ruckjchlage sind nirgends eingetreten. Immerhin muß mit einer längeren Dauer der Kämpfe gerechnet werden. Nenn auch eine Entscheidung noch nicht unmittelbar be- dorsteht, so zeigt sich doch die vorzügliche Lage der .Deutschen aus den zahlreichen Gefangenen und erbeu­teten Maschinengewehren.

Zur Einnahme von Dixmuiden.

Br. Köln, 13. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bl«.) Der auf dem westlichen Kriegsschauplatz befindliche Berichterstatter der „Köln. Volksztg." drahtet: In Dixmuiden wurden zahl­reiche Gefangene gemacht und ^ M a; ch i ne n - 8e w e h r e erbeutet. Die Besatzung bestand in der Hauptsache «us Farbigen. Auch auf anderen Teilen des rechten Flügels ist unser Angriff in glücklichem Fortschreiten be­griffen. Die englischen Angriffe sind in den letzten Tagen fast völlig eingestellt worden.

Ein holländischer Bericht über die Kämpfe um Dixmuiden.

W. T--B. Amsterdam, 13. Nov. Der „Tijd" veröffent­licht einen Bericht seines belgischen Korrespondenten tu 'Tun­kirchen vom 10. November früh: Bei Nieuport und -«x-

Muiden fand ein gewaltiger Kampf statt, ein Kampf auf den Deichen um die Deiche. Wer Herr der Deiche war, wurde Herr des Geländes. Das Maschinengewehr- f e u e r trat in den Vordergrund, da schwere Geschütze tu dem Marschland nicht fortkommen konnten. Der Feind hatte e» verstanden, äu feer ft geschickt an einigen Stellen Sie Schwierigkeiten zu überwinde n, die das überschwemmte Land bot. An anderen Punkten wurde buchstäblich r m Wasser gefochten, oft Mann gegen Mann. Die Soldaten waren durch Kälte und dnrchnäfete Kleider, die am Lewe klebten und die Bewegung hinderten, fast erschöpft. Die ver­bündeten gewannen bei Meuport Fufe um Fufe Gelände, in- dessen mufete die Mittellinie, die Dixmuiden besetzt hielt, dem Drucke weichen. Gegen Mittag war kein Halten wehr Das zerschossene und ausgebrannte Dixmuiden sah flum soundsovielten Male die Deutschen wieder einrucken. Der Feind konnte den Ort jedoch nicht ganz besetzen, da^orc Verbündeten in den A u fe e n v i er t e l u festsafeen. In­zwischen rückten tzilfstruppen nach dem bedrängten Platze, um dem Durchbruch der Deutschen zuvorzukommen. Bei Npern schlugen die Franzosen einen Angriff der jüngeren deutschen Reservetruppen ab, verloren aber viele Tote Und Gefangen e.

Die großen Berlustc der Verbündeten.

bä. Amsterdam, 13. Nov. Der Schwerpunkt der Kämpfe in Weftbelgien ist nunmehr nach der Eroberung von Dix­muiden bei Uperii. Die Lage der Verbündeten ist hier be- onders schwierig geworden, da die von ihnen herbeigeführte Überschwemmung des Kampfgeländes ihre Bewegungen stark erschwert. Ihre Verluste sind infolgedessen autzer- ordentlich groß. Die Stadt Ipern hat unter dem beidersei­tigen Artilleriefeuer stark gelitten.

Die „Raninchenschlacht" Zwischen Krras und Lille.

«r. Rotterdam, 13. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die „Times" meldet aus Nordfrankreich: Die Deutschen be- chiefeen Bethunc und beschädigten das Stadthaus und eine Anzahl Häuser. Ihre Artillerie ist bis Givenchy vorge­drungen. Auch das Bombardement von Arras wurde er­neuert; allmählich wird die Stadt dem Erdboden gleich gemacht. Viele Personen wurden von den Geschossen getötet. Der Korrespondent der „Daily Mail" schildert die „Kaninchenichlacht", wie er sie nennt, zwischen Arras und Lille, bei der die Truppen der in einer Entfernung von einigen hundert Meter auseinander liegenden Schlachtlinien ich völlig eingruben. Der Kampf nahm hier stellenweise einen schrecklichen Charakter an. Es wurde ein Bajonett­kampf in Zimmern und Kellern geliefert.

Ein Schweizer Urteil.

bä. Genf, 12. Nov. Zu dem gestern abend ausgegebenen sehr gedrückten amtlichen französischen Bericht schreibt die „Guerre Hondiale": Es wird den Unglücksraben schwer, in den saueren Apfel zu beifeen und zuzugeben, dafe die Deutschen fester stehen als je. Fünfzigmal ist die Offensive ange­kündigt und prophezeit, dafe der Feind im Rückzug begriffen sei, fünfzigmal war es ein Irrtum. Jetzt kommt noch der Fall von Dixmuiden als wahre Hiobspost. Wohl hatte Josfre Gelegenheit, das Hinterland zu verschanzen, aber auf kurz oder lang werde er sich auf Calais oder Omers zurückziehen müssen, falls die Deutschen den Kanal Jser-Dixmuiden in Breitfront beherrschen, was teilweise schon der Fall ist.

Eine italienische Stimme.

W- T.-B. Mailand, 13. Nov. Zu den deutschen Erfolgen in Flandern bemerkt der „Secolo": Die Verbündeten be­finden sich in einer viel ernsteren Lage als bisher.

Eine Kirche von den Belgiern in Brand gesteckt.

W. T.-B. Berlin, 12. Nov (Nichtamtlich.) Die „Nordd. Allg. Ztg." gibt aus dem Amsterdamer „Telegraaf" nachstehen­des Geständnis wieder: Die Bewohner von D e g r st , nördlich von Dixmmden, haben trübe Stunden erlebt. Schon von Freitag ab stapelten belgische Soldaten in der großen ge­räumigen Kirche Stroh auf, das sie mit Petroleum übergosscn. Am Sonntag mußten sie das ehrwürdige geliebte Gotteshaus anstecken. Sie fühlten das Barbarische ihrer Tat; deshalb erklärten sie den Dörflern, die Deutschen würden den Turm zur Beobachtung der Stellungen benutzen und dort Maschinen­gewehre aufpflanzen, um das Volk in Dixmutden zu beschießen.

Ein englischer Flieger über K-rtrijk.

Br, Amsterdam, 13. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Aus Sluis wird berichtet: Über Kortrijk erschien gestern

nachmittag ein englischer Flieger und warf mehrere Bomben. Sie töteten drei Männer, richteten aber sonst keinen Schaden an.

Poincarö in Gefahr durch deutsche Fliegerbomben.

W. T.-B. Strlin, 13. Nov. Als Präsident Poincare mit Millerand von Dünkirchen und Fnrnes zurückgekehrt war, besuchte er das Militärhospital St. itol an der Küste. . Ein deutscher Flieger zeigte sich sofort über der Stadt und warf mehrere Bomben auf die Rue des procureurs herab.

voran im westen!

Von Major a. D. M. v. Schreibershofen.

Alle Anzeichen weisen daraufhin, daß der Entschei­dungskampf in Nordfrankreich, auf den man seit langer Zeit gewartet hatte und zu dem alle bisherigen Kmnpfe nur Einleitung und Vorbereitung waren, begonnen hat. Die große O f f e n s i v s ch l a ch t, die das wochen­lange Ringen an der Somme und Aisne beenden soll, ist im Gange. Schon seit längerer Zeit hatten die aus­ländischen Zeitungen darauf hingewiesen, daß die gan^e taktische Lage auf dem westlichen Kriegsschauplatz immer mehr zur Entscheidung heranreife, und die letzten Er­eignisse haben bewiesen, daß diese Anzeichen zutreffend waren.

Es steht fest, daß die deutsche Heeresleitung zahl­reiche Verstärkungen nach diesem Kriegsschauplatz herangezogen hat. Teils waren dies Neufovmationen, teils Reserven, die bis dahin zurückgehalten, Wohl auch an anderer Stelle verwendet worden waren. Nachdem der entscheidende Punkt erkannt war, wo um Sieg und Niederlage vielleicht des ganzen Feldzuges gestritten werden sollte, entsprach es einem richtigen Grundsatz, dort alle verfügbaren Kräfte zusammenzuziohen. Denn noch immer hält es der Kriegsgott mit den stärksten Bataillonen. Vergeblich haben unsere Gegner den Wert der neu aufgestellten deutschen Truppenteile herab­zusetzen versucht. Sie sollten minderwertig sein, schlecht ausgerüstet, mißmutig, ohne Offiziere. Im Bewnßt- sein unserer Stärke und voller Zuversicht auf die

Leistungen aller, auch der jüngsten Truppen, brauchten wir uns um diese Ansichten weiter nicht zu kümmern. Durch die Tat haben wir jetzt bewiesen, was unsere junge Mannschaft noch.zu leisten vermag. Den alten ranzöstschen Linienreguncntern, die als die Kerntruppc des französischen Heeres gelten müssen, haben sie sich überlegen gezeigt. Singend und jubelnd sind sie in den Kampf gezogen, kaum zu halten in ihrer stürmischen Angriffslust, so haben sie die feindlichen Stellungen er- türint, zahlreiche Gefangene gemacht und feindliches Kriegsmaterial erbeutet. Jetzt werden die Franzosen und Engländer Wohl wissen, was sie von unserem jungen N a ch e r s a tz zu halten haben.

Die ganze französisch-englische Verteidigungslinie zerfällt in eine Reihe von Abschnitten, die in einzelnen f e st u n g s ä H n l ich e n ausgebauten Stützpunkten ihren Hockt finden, und an die sich die übrigen Stellun­gen anlehnen. Diese Stützpunkte sind an den wichtig- ten Straßen- und Eisenbahnknotenpunkten an den­jenigen Stellen errichtet, die schon durch das Gelände an und für sich eine große natürliche Verteidigungs- schwisrigkeit und Widerstandskraft besitzen. Da der ganze Kampf in der letzten Zeit den Charakter eines Festungskrieges angenommen hat, so kann man diese Stützpunkte mit den Außenforts vergleichen, die. eine Festung sonst umgeben. Das Gelände zwischen diesen Stützpunkten ist ebenso wie das Kampffeld einer Festung ausgebaut, und mit Unterständen, Schützengräben, Erd­schanzen, Batterieftellungen usw. versehen. Der An­griff gegen die Fortslinie einer Festung ist aber inso­fern noch leichter, als diese den Kernort kreis­förmig -umgibt, es also verhältnismäßig leicht mög­lich ist, gegen die-einzelnen Punkte ein konzentrisches Feuer zu richten. Hier in Nordfrankreich ist aber die ganze Verteidigungslinie von der Nordseeküste bis zur Aisne herab ganz geradlinig und erfordert einen rein frontalen Kampf. Dieser ist naturgemäß viel schwieriger dnrchznführen als der umfassende Angriff.

Es ist jetzt endlich gelungen, einen dieser festungs­ähnlichen Stützpunkte zu erobern. Dixmuiden ist in deutschem Besitz, und damit ist eine wichtige Bresche in die erste Verteidigungsstellung der Fran­zosen und Engländer gelegt. Es hat dies auch sofort zur Folge gehabt, daß südlich davon die deutschen Truppen -den Kanal, dieses wichtige Hindernis, über­schreiten und auf dem jenseitigen Ufer sich festsetzen konnten. Mit der Eroberirng von Dixmuiden wird den deutschen Truppen auch das ganze umliegende Gelände zugefallen sein.

Auch in den nächsten Abschnitten bei Ipern, A r m e n t i d r e s, südwestlich Lille, und namentlich bei Arras haben die Deutschen ebenfalls bedeutende Erfolge erzielt und ihre vorderen Linien weiter nach Westen vorgeschoben. Hier sind die Stützpunkte aller­dings noch ink Besitz des Feindes, aber nach den über­einstimmenden Berichten ausländischer Blätter stehen namentlich Ipern und Arras dicht vor d e m Fall. Das wirkungsvolle Feuer der deutschen Artillerie hat sie sturmreif gemacht. Die deutsche Infanterie ist seitwärts erfolgreich vorgeschritten. Schon die nächsten Tage können die Meldungen von dem glücklichen Sturm auf diese Punkte bringen.

Tine bedeutende Niederlage der Nüssen im Raukasus.

Die Russen in voller Flucht. Verkündigung des Heiligen Krieges sür alle Muselmanen.

W. T.-B. Konstantinopel, 12. Nov. (Nichtamtlich.) Nach Mitteilung aus dem Hauptquartier der türkischen Armee ist der Ängriff, der gestern früh begann, gelun­gen. Die Russen konnten sich in ihren Stellungen kaum I- 1/2 Tage halten. Die eingelaufenen Nachrichten besagen wörtlich: Der Feind ist mit Gottes Hilfe gezwungen, seine Stellungen zu r ä u m e u. Er weicht a u f d c r ganzcn Front und wird von allen Seiten v c rf v l g t.

Die Proklamation des Sultans an das Heer ver­kündet den Heiligen Krieg für alle M u s c l- m a n e n.

Eine Bestätigung der türkischen Erfolge im Kaukasus.

W. T.-B. Konstantinopel, 12. Nov. (Nichtamtlich.) Die „Agence Ottomane" veröffentlicht gegenüber den Meldungen der Russen über ihre angeblichen Liege im Kaukasus einen Bericht, in welchem sie die amtliche Nachrichten aus dem Hauptquartier öestätigt^ und feststellt, daß die Russen in der gleichen Weise , seit Kriegsbeginn versuchen, ihre von ^ st erreich- Ungarn und Deutschland ihnen zugefugten Nie- derlagen zu verheimlichen.

Das Irade des Sultans.

W. T.-B. Konstantinopel, 12. Nov. (Nichtamtlich.) Die Pforte veröffentlicht (wie bereits erwähnt) den Text eines kaiserlichen Jradcs, das die Kriegserklärung- enthält. Das