Einzelbild herunterladen
 
  

Seite 4. Morgen-Ausgabe. Erstes Matt. V?rrSV«0kNrr «EKlgUlHTI*

Erobert (Erdacht schmerv.: Gefr. Krämer (Brambach) leichtv.; Musk. Nilch (Sulzbach) tot: Unteroff. Conrads (Oberlahn- stein) schwerv-; Dlusk. Mollath (Sossenheinr) leichtv: Mus!. Schneider (Mellrich) verm-; Musk. Brandel (Lollschied) verm.; Res. Ritzel (Ems) leMv.; Musk. Becker (Rauenthccl) leichtv.; Musk. Lauer (Oberlahnstetn) tot; Unteroff. Georg Monz (Wiesbaden) leichtv-; Musk. Heibel (Sossenheim) leichtv.; Unteroff. Wahl (Kemel) sckpverv.; Musk. Schneü«r 2 (Wehen) schwerv.: Fahnj. Gest- Heinrich Travers (Wiesbaden) tot: Unteroff. d. L. Sperling (Eichberg) tot; Unteroff. Fuß (Dotzheim) leichtv.; Unteroff- Schuhmacher (Bvaubach) leichtv.; Dbusk. Becker.1. (Steinfischbach) leichtv.; Schütze Arnold 1 (Dotzheim) schwerv.

Bus Stadt und Land.

Wiesbadener Nachrichten.

Spaziergänge durch das wohltätige Wiesbaden.

Von Heinz Gorrenz.

I.

Im Kavalierhaus.

Der Krieg wandelt Menschen und Dinge. Die umwälzende Art seiner Geschehnisse zerstört in Tagen, was Jahrhunderte geschaffen haben, und zieht aus den verschlossensten Menschen­herzen den kärgsten Schimmer des höchsten Idealismus an das Licht der ungeheuren Stunde. Kräfte weckt er, die der Scharf­sinn des Gutgläubigsten nicht vermutete, und Schöpfungen läßt er erstehen, die in ihrer Gewaltsamkeit seltsamer erschei­nen als dre weltfremden Gedankengebilde erfindungsstarker Poeten.

Wann hätten die altvaterische Ruhe und bürgerliche Vor­nehmheit der stillen Räume desK a v a l! er h a u s" be- namseten Anbaues unseres Residenzschlosses sich träumen lassen, daß Anno 14 die Wohltätigkeit ihr geräuschvolles Heerlager hier auffchlagen würde! Daß klappernde Schreib­maschinen, trippelnde Frauenfüßchen und ein Durcheinander von tausend Stimmen mit einer lärmenden Musik die Zimmer erfüllen würden, in besten so mancher würdige Geheimrat Ruhe und Erholung vom aufreibenden Hofdienst gefunden hat! Daß der Duft von Spezerei- und Kolonialwaren, von Flanell­hemden und anderer Wäsche dieHofluft" der königlichen Ge­mächer verdrängen würde! Dcch in Ställen und Reitbahnen, die noch den Geruch ihrer Bestimmung tragen, ^wahrhafte Warenhausbetriebe eröffnet würden, und daß hier, im ausge­sprochensten Reiche des Mannes, die weichen Hände und starken Hände «deutscher Frauen Wunderdinge an Arbeitsein­teilung und -Leistung vollbringen würden! Der Krieg wan- velt Menschen und Dinge!

Ein trüber N o v e m b e r t a g. Einer von denen, da die Sinne kaum noch die Spannung ertragen können, mit der die­ser Weltenkampf jede Nervenfaser erfüllt. Da es wie eine drückende Vorahnung ganz ungeheurer Geschehnisse über uns lastet und die Augen vergebens durch den wabernden Nebel­dunst nach dem sieghaften Sonnenlicht spähen. Da die Schritte schwerfälliger werden, die Blicke mitleidsvoller über die leben­den Zeugen der Schrecken des Krieges gleiten und die Not der Dagebliebenen ein tieferes Verstehen findet. Die Not! Zehntausendfältig ist sie durch die Türen des Kavalierhauses geschritten, zehntausendfältig hat aus gütigen Frauenaugen ihre zitternde Gestalt ein .aufmunternder Sonnenstrahl ge­troffen und mit vertäuendem Hoffen sie erfüllt. Folge einer der armen vergrämten Gestalten, die sich durch das Tor drän­gen, wo du so oft den glanzvollen Zug erwartet hast, der un­seren Kaiser begleitete. Treppauf und treppab, durch Flure, Gänge und Zimmer wirst du schreiten, und überall fühlst du, daß du hier findest, was überall geschrieben steht: Rat und

Hilfe!

Dieses ganze Kreiskomitee vom Roten Kreuz erscheint mir heute wie eine große Familie. Der Vater erwirbt das Geld und macht damit die Kinder selbständig. Und da ein Sinn und der Segen der Herzenskraft über der Arbeit ruht, wachsen die Aufgaben und die Räume des großen Wohltätigkeitshauses von Dag zu Tag. Auch die der jüngsten Kinder, die von ihren älteren Geschwistern den Eifer und die Geschäftsführung ge­lernt haben. Besuchen wir zuerst das Arbeitsgebiet des jüng­sten Kindes Wiesbadener Fürsorge, die A u s ku n f t s st el le f ü r V e r w u n d e t e und Vermißte: Hier gibt der

Krieg an: sinnfälligsten seine Besuchskarte ab, hier ist die Liebestätigkeit dem Schrecken des Krieges am nächsten, hier gilt es. Verzweifelten Trost, Fragenden Gewißheit, Ungläubi­gen Hoffnung zu spenden. Nirgends werden mehr Tränen wie hier vergossen und getrocknet. Bei jenem ehrwürdigen alten Herrn dort war die Arbeit noch verhältnismäßig leicht. Er hatte die Nachricht erhalten, daß sein Sohn schwer verwundet sei, und war, seinem guten Stern folgend, zuerst nach Wies­baden gereist, um hier nach ihm zu forschen. Mit Hilfe der sorgfältig geführten Kartothek, die täglich durch Nachfrage in sämtlichen Lazareiten der Stadt ergänzt wird, wurde bald festgestellt, daß der Gesuchte tatsächlich in einem unserer Teil­lazarette untergebracht ist. Klingender Dank zum Besten des Roten Kreuzes lohnt die rasch erfolgte Auskunft. Da lösen sich zwei Gestalten von einem Berge von Verlustlisten. Mit Tränen in den Augen jammert die werdende Mutter:Alles umsonst. Zwölfmal habe ich jetzt schon das alles durchgefehen. Haben Sie nur Mut, liebe Frau! Ihr Mann muß zu finden fein!" Anfragen an das Regiment waren mit dem Vermerk zurückgekommen, daß er verwundet und vermißt sei; die Verlustlisten enthielten jedoch seinen Namen nicht. Wir schreiben jetzt nach Genf, und an dieFriedensgefellschaft" nach Stuttgart, irgend eine Nachricht wird schon kommen.Ich habe keine Hoffnung mehr", antwortet eine tonlose Stimme.

_Doch, die müssen Sie haben!"Sie glauben wirklich?"

_Bestimmt!"Wenn Sie doch- recht behielten! Gott

lohne es Ihnen!" Und unter Tränen schimmert es-wie ein Glücksstrahl aus den Augen des armen Weibes. Dann kom­men Offiziere, Mannschaften, die nach etwaigen Bekannten unter den in Wiesbaden angekommenen Verwundeten for­schen, Mädchen, die von ihrem Herzallerliebsten kein Lebens­zeichen erhielten und glauben, durch die Auskunftsstelle rascher das Ersehnte erhalten zu können, und die Post die Post! Aus allen Gauen unseres großen Vaterlandes laufen Briefe ein rührende, erschütternde Zeugnisse der Liebe und Sorge, aber auch herzerfreuende Dankbarkeitsbeweise für geleistete D-enste Bei ihnen spielt der Zufall oft eine seltsame Rolle. Satte da jüngst ein alteS Mütterchen aus dem Ländchen nach ihrem als vermißt gemeldeten Enkel forschen lassen. Alle Anfragen bei dem Ministerium usw. sind erfolglos. Da kommt von derFriedensgesellschaft" in Stuttgart etne Liste von 140 m Frankreich kriegsKefangenen Deutschen, die em Schweizer katholischer Geistlicher über Italien eingefandt hatte. Welche Freude, als der Name des Gesuchten unter den 140 war! Ich

selbst war Zeuge, als die alte Frau zitternd vor Freude und itnter Tränen die Nachricht erhielt, und es erst der großen liebevollen Beredsamkeit der Frauen und Mädchen bedurfte, bis sie das Unerwartete glaubte. Dann legte sie mit einer energischen Bewegung 2 M. auf den Tisch und, alle Rückgabe- Versuche ablehnend, sagte sie:Nemme Ses nur! Eich hunn nit mehr! Doch die nächst Woch' kriege Se en Korb mit frische Eier!" Und weg war sie. Fünf Minuten später schickte an denselben Tisch derselbe Zufall eine sehr eleganteDame".

Was bin ich schuldig?"Die Auskunft (die mehr denn eine halbe Stunde Zeit beansprucht hatte) kostet nichts. Nur die Karte für die Anfrage kostet 1 Pfennig. Doch wenn Sie zugunsten unserer Liebesgaben einen Beitrag spenden wollen, hier ist die Sammelbüchse." Die Dame suchte so lange rn ihrem goldenen Geldtäschchen, daß ich auf 20 M. gewettet hätte. Doch mit der größten Gelassenheit in Geberde und Stimme legte die Patriotin einen ganzen Pfennig auf den Tisch und ging mit den Worten:Ich werde bei passender Ge­legenheit dem Roten Kreuz etwas stiften." Ich hätte ge­wünscht, daß eine anwesende junge Berliner Malerin, Fräulein S., die inmitten des Trubels Studienköpfe zeichnete, um sie zugunsten des Roten Kreuzes zu verkaufen, diese beiden Besucherinnen als zwei Typen aus Deutschlands großer Zeit im Bild festgehalten hätte. Doch zeichnete sie gerade unseren in der Äuskunftsstelle unermüdlich tätigen Forchhammer, dessen verkauftes Bildnis den Säckel des Roten Kreuzes um 10 M. vergrößerte. Da ich nun entgegen der mir geäußerten Wünsche einen Namen genannt habe, muß ich mit besonderem Nachdruck den der Frau Dr. Caspari erwähnen, die mit vor­bildlichem Eifer und bewundernswerter Geduld, unterstützt von einem Dutzend junger und schöner Helferinnen, die Tränen trocknet, die hier so überreichlich fließen. Und das eine Bewußtsein trug ich gerne aus diesen Räumen des Leides fort: Nur Frauen können also wirken, nur Frauenhände so uner­müdlich suchen und schreiben, nur Frauenherzen so verstehen, nur Frauenlippen so trösten und ermuntern. Wer auch die Hilfe dieser Dienerinnen der Wohltätigkeit in Anspruch nimmt, eins wird über allem Gram und Zweifel der Stunde auch dem werden, der hier nochmals nur die unerwünschte, uugeglaubte Bestätigung des Verlustes eines Lieben erhält, das Gefühl, daß man hier ihm Gutes tun will, sei es auch nur durch ein einziges liebes Wort. Für einen Augenblick bricht dann die siegende.Sonne auch durch die wabernde Nebel­wand des grauesten Zweifels.

Der Krieg wandelt Menschen und Dinge!

Die rrartoffelnot.

Die Landwirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Wiesbaden sieht sich veranlaßt, im Interesse der städtischen Bevölkerung folgende Mahnung an die Landwirte ihres Be­zirks zu richten:

Der Landwirtschaftskammer sind von ver­schiedenen Seiten Klagen darüber zugegangen, daß die Landwirte die für die städtische Bevölkerung notwendigen Kar­toffeln auch bei den gegenwärtigen guten Preisen nichtzum Verkauf stellten. Wan führt das Festhalten der Kartoffeln durch die Landwirte allgemein auf Spekulationsrück­sichten zurück. Wir sind diesen Auffassungen bisher regel­mäßig mit dem Hinweis darauf entgegengetreten, daß die Landwirte einen Teil ihrer Kartoffeln in diesem Jahre bei den außergewöhnlich hohen Futtermittelpreisen zu Futter­zwecken zurückhalten, daß die Bestellungsarbeiten, der Mangel an Gespannen und die vielfach verzögerte Gestellung von Eisenbahnwagen die rechtzeitige Anlieferung der Kartoffeln unmöglich gemacht haben; eine Absicht, die Kartoffelpreise in die Höhe 31t treiben, läge bei den nassauischen Landwirten nicht vor.

Um den obengenannten Auffassungen nichtsachverständiger Kreise mit gutem Gewissen auch weiter entgegentreten zu können, bitten wir die Landwirte unseres Regierungsbe­zirks, alles zu vermeiden, was zu einer noch größeren Preis­steigerung der Kartoffeln beitragen könnte; wir Litten weiter, die ein Haupternährungsmittel gerade der ärme­ren st ä d t i s ch e n B e v ö l k e r u n g bildenden Kartoffeln dem Konsum möglichst noch vor eintretendem Frost und ohne den Bedarf der eigenen Wirtschaft außer acht zu lassen

inmöglich st große mUmfang zuzufiihren."

wenn unbekannt, zur Verfügung des Truppenteils.

Es ist vielfach angeregt worden, F eld p 0 st b ri e f e m i t W a r e n i n h a l t, die von den Truppenteilen nicht ausge- ,händigt werden können, weil die Empfänger abkommandiert, verwundet, vermißt oder tot sind, nicht an den Aufgabeort zur Rückgabe an den Absender zurückzusenden, sondern den Truppenteilen zur beliebigen Verwendung zu über­lassen. Ohne ausdrücklichen Wunsch des Absenders ist dies nicht möglich. Wenn der Absender aber durch einen auf der Sendung sei es handschriftlich oder Lurch gedruckten Zettel

anzubringenden Vermerk etwa folgenden Inhalts:Wenn umbestellbar, zur Verfügung des Truppen­teil s", zum Ausdruck bringt, daß er die Preisgabe wünscht, so werden, wie der Staatssekretär des Reichspostamts, Kraetke, bekannt gibt, die Postverwaltung und die Truppenteile diesem Wunsch entsprechen. Unbestellbare Sendungen, die einen sol­chen Vermerk nicht tragen, werden nach wie vor an den Ab­sender zurückgeleitet werden.

_Von der Schule. Wie alljährlich während des Winters,

so wird aus diesmal, und zwar vom nächsten Montag ab, der Unterricht in sämtlichen hiesigem Schulen vormittags eine halbe Stunde später, also erst um 8^ Uhr, seinen Anfang nehmen,

_Straßenbahn. Gestern hat im Regierungsgebäude da­hier die angekündigte Besprechung in unserer Straßenbahn­angelegenheit stattgefunden. Es beteiligten sich Vertreter der Aufsichtsbehörde, der Polizeiverwaltung, der Städte Wies­baden und Biebrich sowie derSüddeutschen Eisenbahn-Ge­sellschaft" daran. Nach dem Verlauf der Konferenz sind weitere V e r k e h r s v e r b e s s e r u n g e n für den kom­menden Winter mit Sicherheit zu erwarten.

_Wiesbadener Lazarette. Nach der Verwundetenliste der

Auskunftsstelle in der Loge Plato sind weiter folgende Ver­wundete in Wiesbadener Lazaretten eingeliefert worden: Vom Landwehr-Regiment 80: Wehrmamn Blume (Wiesbaden) im Hotel Prinz Nikolas; Wehrmann Eckert (Wiesbaden) im Eden- Hotel; Wehrmann Giebel (Wiesbaden) im Institut der Eng­lischen Fräulein; Wchrmann Kopp (Wiesbaden) im Institut der Englischen Fräulein; Wehrmann Laser (Wiesbaden) im Eden-Hotel; Wehrmann Laitfcld (Wiesbaden) im Hotel Prinz Nikolas; Wehrmann Morgenstern (Wiesbaden) im Hotel West­fälischer Hof; Wehrmann Semger (Wiesbaden) im Hotel Westfälischer Hof; Wehrmann Schwank (Wiesbaden) im Eden- Hoiel; Wehrmann Weigel (Wiesbaden) im Eden-Hoisl; Wehr-

Freitag , 13. November 1914. _ Nr. 531.

meytn Wolpert (Wiesbaden) im Institut der Englischen Fräulein. Reserve-Jnfanterie-Regiment 223: Musketier

Dransfeld (Wiesbaden) im Hotel Viktoria; Musketier Werner (Wiesbaden) im Hotel Viktoria. Reserve-Jnfantevie-Regi- ment 80: Reservist Egert (Wiesbaden) und Wehrmann Runz- heimer (Wiesbaden) im Hotel Westfälischer Hof. Landwehr- Jnfanterie-Regiment 81: Wehrmann Rettinger (Oettingen) im Garnisonlazarett.

Geldsendungen an Kriegsgefangene in Rußland. Wer

fernen in Rußland kriegsgefangenon Angehörigen Geld schicken will, kann dazu, wie uns amtlich mitgeteilt wird, die Vermitt­lung des deutschHr Hilfsvereins in Stockholm, gegenüber dem ZentEbahnhof, oder auch bik des amerika­nischen Konsuls in Petrograd (Petersburg) in An­spruch nehmen. An eine dieser Adressen ist das Geld mit der Bitte um Weiterbeförderung an die möglichst genau zu bezeich­nende Adresse des Kriegsgefangenen zu übersenden. Es emp­fiehlt sich, gleichzeitig den Gefangenen durch Postkarten mehr als einmal von der für sie abgegangenen Geldsendung Mitteilung zu machen.

Israelitischer Gottesdienst. Israelitische Kultus.

gemeinde. (Synagoge: Mickelsberg.) Gottesdienst in der Hauvtsynagoge: Freitag: abends 4% 116t. Sabbat: morgens 9 Uhr, Predigt 10 Uhr, nachmittags 3 Uhr. abends 5h Uhr. Gottesdienst im Gemeindesaal: Wochentage: morgens 8 Uhr. abends 41/3 Uhr. Die Gemeindebiblwthek ist geöffnet: Sonn­tag vormittag von 10 bis 11 Uhr. ,

Alt - Israelitische Kultusgemeinde. Synagoge Friedrichstraße 33. Freitag: abends 4h Ubr, Sabbat: mo'gens 814 Uhr. Vortrag 10*4 Uhr. Juqendgottesdienst nachmittags 2h Uhr nachmittags 3 Uhr. abends 5.35 Uhr. Wochentage: morgens 7 Uhr. abends 4h Uhr. Montagimorgen 6% Uhr Talmud Tbora-Verein Wiesbaden Nero­straße 16. Sabbat-Eingang 4.15. morgens 880. Mussaph 9.30, SÄiur und Mincha 415. Ausgang 5.30. Wochentags: morgens 7, Schiur 7. Maarif 8.

Gerichtssaal.

Das Urteil im Prozeß Thormann.

W. T.-B. Köslin» 12. Nov. (Nichtamtlich) Nach einer Verhandlung von mehr als fünf Stunden wurde der frühere Kreisausschußassistent Thormann wegen schwerer Urkun­denfälschung in zwei Fällen in Tateinheit mit Betrug zu einer Gesamtstrafe von 16 MonatenGefängnis und 2 Jah­ren Ehrverlust verurteilt.

Beraubte Feldpostbriefe. W.T.-B. Leipzig, 11. Nov. Die Strafkammer verurteilte den Handlungsgehilfen Dom- b r 0 w s k i, der seit Beginn des Krieges auf einem hiesigen Postamte aushilfsweise beschäftigt war, wegen Beraubung van mindestens 37 Feldpostbriefen zu einem Jahr sechs Monaten Gefängnis.

Letzte Drahtberichte.

Frau Dr. Delbrück ß.

\\r. t.-B- Berlin, 12. Nov. Die Gemahlin des Staats­sekretärs des Innern Dr. Delbrück ist gestern abend nach langem schweren Leiden gestorben.

Graf Mielczinsky Ritter des Eisernen Kreuzes erster Klasse.

Br. Berlin, 12. Nov. (Eig. Drahtbericht. Kitz. Bln.) Der frühere Reichstagsaogeordnete Graf Matthias Mielc­zinsky, der. wie erinnerlich, im Februar vom Schwurgericht Merseritz von der Anklage des Mordes freigesprochen wurde, befindet sich auf dem östlichen Kriegsschauplätze und hat bei den Kämpfen um Augustowo das Eiserne Kreuz erster Klasse erworbeu.

Ein gewaltiges Sturmwetter in Berlin.

W- T.-B. Berlin, 12. Nov. Ein gewaltiger Sturm, der heute früh in der vierten Stunde einsetzte und nach einstün- drgem Treiben den Höhepunkt erreichte, hat in Berlin und Umgegend mehrfach großen Schaden angerichtet. Im Tiergarten und Friedensheim wurden Bäume umgewor­fen, und besonders im Grunewald stürzten Hunderte vow starken Kiefern um. Im Innern der Stadt wurden Tau­sende von Dachziegeln auf die Straßen geschleudert, Fenster­scheiben wurden zertrümmert und andere Schäden verur­sacht. __

W- T.-B. Hanau, 12. Nov. In Weimar, wo er im Ruhe­stand lebte, ist der lippische Minister a. D. und frühere preußische Regierungspräsident Karl v. Oertzen gestorben. Von 1889 bis 1895 war der Verstorbene Landrat und Polizei- direktor in Hanau, wurde dann nach Detmold als Munster berufen und nach Beendigung des Thronfolgestreites zum Regierungspräsident in Sigmaringen sowie später zum Regierungspräsidenten in Lüneburg ernannt.

Kus unserem Leserkreise.

lNiibt verwendete Einsendungen können weder zurückgesandt, noch ausbewadrt werde»!

* Handwerkersürsorge. Zu dem unter diesem Stichtvovt in der Morgen-Ausgabe vom 12. November er­schienenenEingesandt" erwidern wir folgLndes: Die Ein­sender gehen von einseitigen Auffassungen aus. die tatsächlichen Verhältnisse sind ihnen anscheinend nicht bekannt oder sie wollen sie nicht kennen. Der Gewerbeverein tul. wie wirklich Eingeweihte auch wissen, gerade auf dem Gebiet der Schüre sein Möglichstes. Er benutzt seinen Einfluß auch tagtäglich, um berechtigte Wünsche der Gewerbetreibenden bei der Schule zu unterstützen. Tatsachen beweisen sodann, daß die Schul­leitung außerordentlich entgegenkommt. Neben den berech- tiaten Wünschen der Lehrherren bestehen allerdings auch m>Ä Pflichten und berechtigte Forderungen in bezug auf die Lehr­linge auch SU Kriegszeiten. Am Dienstagabend war eine Generalversammlung des Gewerbsvereins. Neben den wich­tigen Dingen, die dort verhandelt wurden, wäre auch noch Ze« zur Besprechung von Wünschen, betreffend die Fortbildungs­schule gewesen. Es sind aber keine geäußert wo- -den. Am weitere Auseinandersetzungen an dieser Stelle können wn ans gerade im Interesse der Sache, nicht einwflen.

Der Vorstand des Lokal-Gewerbevereins-

Reklamen. =

morn

MWMPW