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Verlag Langgasie 21 ***-jl A f^ ^ ♦«> Fernruf:

..Tagblatt-Haus". iPOuJCtttuw r£ÜAJ*Öp I-Är W-USÖCIvdt# „Tagblatt-Haus" Nr. 6650-58.

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„Tagblatt-Haus" Nr. 6650-58.

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Freitag. 13. November 1914. HlOrQ€lt s ftllS0ClÖ€e Hr« 531. ♦ 62. Jahrgang.

Der Rrieg.

Ein Telegramm des Gouverneurs von Mautschau an den Narfer.

Die Verluste verhältnismäßig gering.

. W. T.-B. Berlin. 12. Stov. (Amtlich.) _ Durch Ver­mittelung der japanischen Gesandtschaft in Peking ist folgende vom Gunvcrneur in Tsingtau an Seine Majestät den Kaiser erstattete Meldung hierher ge­langt: Tsingtau. 9. November. Festung nach Er­

schöpfung aller Verteidigungsmittel durch Sturm und durch Brechung in der Mitte gefallen. Festung und Stadt vorher durch ununterbrochenes 9tägiges Bombardement vom Lande mit schwersten Geschützen bis 28-Zcntimetcr Steilfeuer verbunden mit starker Be­schießung von See schwer erschüttert. Artilleriefener- krast zum Schluß völlig gebrochen. Vertu st e nicht ' genau übersehbar, aber trotz schwersten, anhaltenden Feuers wie durch ein Wunder viel geringer, als ZN erwarten. M e y e r - W a l d c ck.

Das Schicksal der Emden".

Weitere Einzelheiten des letzten Kampfes.

hd. Rotterdam. 12. N-ov. Aus Svdney werden noch - riuzelne Einzelheiten über den Untergang der „Emden" gemeldet. Der Kreuzer traf in der Frühe an den Kokosinseln ein und landete 43 Mann, die den Apparat für drahtlose Telegraphie zerstörten. Sie wollten ge­rade an Bord zurückkehren, als die „Sydney" erschien. Die „Emden" ging wieder in Sec und ließ die Lan­dungsabteilung zurück. Anfänglich wurde das Geschütz der „Emden" gut bedient, später wurde die Arbeit in­folge der Beschädigung des Schiffes niedriger. Der Kreuzer verlor zwei Schornsteine und geriet innerhalb einer Stunde am H i n te r st e v e n in B r n n d. Die „S p d n e p" soll n n r w e n i g be­schädigt sein. Tie deutschen Landungstruppen hatten iür zwei Monate Lebensmittel requiriert.

Die Freude der Londoner Pfessersäckc.

W. T.-B. Rom, 12. Nov. (Nichtamtlich.) Dis hiesige Presse berichtet unter spaltenbrciten Überschrif­ten über das Ende -des Kreuzers „Emden" und drückt allgemein ihre Sympathie mit dem Schicksal des Schiffes aus, zumal sich auch englische Meldungen in anerkennender Weise äußern. Über den Eindruck in , London wird dem „Mcssaggero" gedrahtet: Als bei Lloyd der Untergang der „Emden" bekannt wurde, war die Freude der Versicherer ungemein groß. Die Nachricht wurde mit Kreide an die Wand geschrieben und aus der Menge wurden Freudenrufe laut. Die Meldung wurde an alle Geschäftslokale telephoniert und Freude verbreitete sich in der Stadt. Um diesem E n t- h u s i a s m u s zu verstehen, muß man sich daran er­innern, daß die City-Leute neuerdings kein Schiff iür den , fernen Orient und Indien wegen der kühnen Raids der „Emden" chartern konnten. Das Verschwin- den der „Emden" wird den Handel nach dem Orient vor allem mit Getreide, Zucker und Baumwolle wieder a n fl e be n lassen. Die Freude, durch das Ende der ..Emden" wie van einem Alp befreit zu sein, hin­derte die City-Leute nickst, ihre Bewunderung für den Kapitän der „Emden" auszudrücken.

Aufrichtige Trauer in Österreich.

W. T.-B. Wien. 12. Nov, (Nichtamtlich.) Die Blät­ter äußern aufrichtige Trauer über das Schicksal der heldenmütigen „Emden", deren Untergang den mora- tischen T r i u m P h, den sie für das deutsche Volk davontrug, nicht verloren machen kann. Das ..Fremdenblatt" schreibt: Die „Emden" gab dem deut­schen Volk das I e u ch t e n d st e Vorbild von dent- fcher Tüchtigkeit, Entschlossenheit und Wagemut, __ und Gedeckte die junge deutsche Flotte mit unvergäng- t i ch e ni Ruhm. Österreich-Ungarn sendet den heroi­schen Männern, die ihr Bestes und Äußerstes taten, feine Grüße. Es ist st o l z darauf, das Land, das solche Helden hervorgebracht, seinen B u n d e s ge n o s sc n Nennen zu können. Wir bewundern uneingeschränkt die Kühnheit des Kommandanten Kapitäns Müller und beglückwünschen ihn zu dem Unternehmungsgeist, der kich mit Menschlichkeit verbindet.

Die TsögeWEihten.

Man sprach bisher gern, unter dem Einfluß der alten griechischen und römischen Geschichte stehend, von .der antiken Heldengröße derer, die den sicheren Tod 'dox Augen sich, für ihr Vaterland in heroischer Weise opferten. Heute brauchen wir vor dieser antiken Hel- dengrötze, so sehr wir sie anerkennen mögen, nicht mehr dor Bewunderung zu erstarren. Die deutsche Bn o d e r n st e Heldengröße ist an Schönheit und Größe derjenigen der alten Griechen und Römer, von der uns -die Geschichtsbücher und Heldensagen künden,

mindestens ebenbürtig, ja, man darf sagen, überlegen.

Wir denken in diesen Tagen mit schmerzlicher An­teilnahme, aber gleichzeitig mit stolzem patriotischen Hochgefühl aller der Deutschen, die auf verlorenem Posten bis zum letzten Augenblick für -die vaterländische Sache gestritten und gelitten haben und die ehrenvoll den Untergang erlitten haben, der unausbleiblich war und dem sie selbst seit langen Wochen kühl und mutig ins Auge schauten. Der Kampf um Tsingtau, der Untergang der „Emden", die Außerkurssetzung der „Königs b e r g" — das sind Ereignisse gewesen, die in der Geschichte fortleben und die daran beteilig­ten deutschen Helden mit einem Glorienschein umgeben werden, der heller leuchtet als all der Ruhm von Heroen aus sagenhaften Zeiten. Wie haben alle diese Tapferen den Mut und die Tatkraft bis zum letzten Moment aufrecht erhalten, wie haben sie sich ihrer Haut bis zum Äußersten gewehrt, wie mannhaft-fröhlich, wie keck und unternehmungslustig war ihr Tadesgang! Für sie alle war es nicht ein bitteres Verhängnis, daß gerade sie an einer Stelle stehen mußten, wo die Vernichtung mit fast mathematischer Genauigkeit eintreten mußte; sondern sie alle empfanden es als eine besonder e, wundervolle Ehre, gerade auf diesem Posten ihre unverbrüchliche, zum Tod bereite Opferwilligkeit für das Vaterland bezeugen.zu können. Ebenso rührend wie erschütternd mußte es wirken, wenn man las, wie alle nur irgendwie waffenfähigen Deutschen, die sich in Ostasien aushielten, nach Tsingtau hin strebten, um für ihr Vaterland den letzten größten Dienst leisten zu können, ihr eigenes Leben hinzu-geben. Und wie grandios wirken die Taten der „Emden", deren Kom­mandant und Mannschaft sich keinen Augenblick darüber im Zweifel sein konnten, daß die Tage des Schiffes ge­zählt seien, daß der übermächtige Feind es in abseh­barer Zeit entdecken, angreisen und überwältigen würde, lind trotzdem diese verwegene, von echtem Seema-nns- geist erfüllte Tätigkeit der „Emden", ihr Auftreten als „fliegender Holländer", der den Gegnern Angst und Grauen einflößte — und schließlich die Jagd unzähliger feindlicher Kriegsschiffe auf das einzige köstliche Wild, das endlich, nachdem es seine Existenz in glänzendster Weise dargetan hatte, sein teures Leben lassen mußte!

Hier ist wahre Heroengröße; und es ist etwas Herrliches um die Männer, die klaren Blickes und freudigen Mutes ihr dem Tode geweihtes Leben dem Vaterlande dahinzugeben beschlossen. Die Taten der kleinen Scharen, die draußen in der Ferne d e nt d e u t- s ch e n Na me n R u h m und Ehre einbrachten, wer­den leuchten in alle Zeiten: den Toten unter ihnen ein ruhmvolles Angedenken! Denen, die nach furchtbarem Kampfe und mannhaftem Ausharren bis zum äußersten in die Gefangenschaft des übermächtigen Feindes ge­rieten, -einen Gruß über weite Fernen hinaus und die Versicherung, daß das Vaterland nach derma-leinst er­zieltem, -wie wir alle zuversichtlich hoffen, glorreichem Friadensschlnß sie dank b a r und mit Lorbeerreisern geschmückt auf deutschem Boden wieder empfangen wird!

wie die „Barlsruhe" vsrgsht.

W. T.-B. London, 11. Rov. (Nichtamtlich.)' .„Daily Telegraph" veröffentlicht den Bericht eines Offiziers des eng- lsichen Frachtdampfers „Pruth", der von dem deutschen Kreuzer „K a r l s r u h e" versenkt wurde. In diesem Bericht heißt es: Der „Pruth" befand sich 30 Meilen südlich vom Äquator und 200 Meilen von der Küste Brasiliens, als er in dunkler, aber klarer Nacht um 1 Uhr von der „Karlsruhe" durch einen Kanonenschuß gestellt wurde. Der „Pruth" holte bei und alsbald erschien ein von Matrosen gerudertes Boot an der Längsseite. Ein Offizier und mehrere Mann stiegen an Bord. Bis zu diesem Augenblick wußten wir nicht, welcher Nationalität bas Kriegsschiff sei. Wir sahen aber bald, daß cs der deutsche Kreuzer „Karlsruhe" war. Der Offizier schüttelte uns die Hand und sagte nns, wir würden das Schiss innerhalb einer halben Stunde zu verlassen haben. Der Offizier war sehr höflich und gestand nach längerer Unter­redung zu, daß wir bis Tagesanbruch an Bord bleiben könnten. Um 7 ULr verließen wir den „Pruth". Die Deutschen sprengten das Schiff mit Dynamit, das nach 45 Minuten shnk. Die Deutschen berührten die Ladung mit den Vorräten nicht, sie nahmen nur die Mundvorräte und die Schiffspapiere. Der Kommandant der „Karlsruhe" überreichte dem Kapitän des „Pruth" einen Empfangsschein für das Schiff. Der „Pruth" bildete nicht das einzige Opfer der „Karlsruhe", fünf andere Frachtdampfer begleiteten den Kreuzer. Die Mann- ichaft wurde an Bord der „Krefeld" verbracht, wo sich die Mannschaften der übrigen gekaperten Dampfer befanden. Die „Krefeld' diente auch einem wichtigen Zweck für den Kom­mandanten der „Karlsruhe". Statt nämlich die Frachtboote zum Sinken zu bringen, benutzte der Kommandant der „Karlsruhe" sie als Ausklärungsschiffe, Er fetzte einige deutsche Matrosen an Bord dieser Schiffe als Mannschaft und sandte sie dann als Kauffahrteischiffe aus. Einige dieser Boote hatten Chinesen als Hilfsmannschaften und diese wur­den an Bord behalten. Die angehaltenen Schisse waren fast alle mit drahtlosen Telegraphiestationen versehen, und wenn

sie ein Handelsschiff trafen, teilten sie es der „Karlsruhe" mit und während diese Mitteilungen von der „Karlsruhe" ausgenommen wurden, Ivar bereits ein anderes Kauffahrtei­schiff das Opfer der „Karlsruhe" gelvorden, nämlich der Dampfer „Condor" ans London. Während der „Condor" seine Reise vvllführte, ivurde er absolut nicht die Gegenwart eines feindlichen Schiffes geivahr und näherte sich ruhig der „Farme", auf deren Mast die britische Flagge wehte. Die „Farme" gab dem „Condor" zu verstehen, zu halten. Der „Condor" hielt und die „Farme" fragte, ob der „Condor" viel­leicht irgendwelche deutschen Kreuzer gesehen habe. Inzwischen aber machte die „Farme" die Mitteilung au den Kreuzer „Karlsruhe", der sofort in Sicht kam. Die britische Flagge auf der „Farme" wurde sofort heruntergezogen und die deutsche Flagge an ihre Stelle gesetzt. Die Mannschaft des „Condor" wurde au Bord der „Krefeld" verbracht und der „Condor" wurde zum Sinken gebracht. Ein Dell der Ladung des „Condor" bestand aus Öl und dieses wurde von dem Kommandaüten der „Karlsruhe" übernommen. Das Öl wurde durch die deutschen Matrosen umgeladen. Die „Krefeld" wurde dann nach Teneriffa verbracht, während der Kreuzer „Karlsruhe" die „Krefeld" zehn Tage auf der Reise begleitete. Dann fuhr die „Karlsruhe" hinweg und die „Krefeld" be­endete ihre Reise allein. Der Offizier, der diese Infor­mationen gab, stellte ferner fest, daß er glaiibe, daß die „Karls­ruhe" jeden beliebigen Kühlenvorrat zu ihrer Verfügung habe. Wenn sie einen Dampfer mit großen Kohlenvorräten finde, so nehme sie die Kohlen weg und brächte sie nach einer Insel, die Rocasreef genannt ist. Die Kohlen würden dort eniladen und dieser Platz diene offenbar dem Kreuzer „Karlsruhe" als Operationsbasis. Die Mannschaft der ge­fangen genommenen Dampfer würde höflich behandelt. Die Offiziere der „Karlsruhe", die Englisch sprachen, unterhielten sich mit ihnen, Einer der Offiziere sagte frei heraus, daß er sich nicht verhehle, daß die „Karlsruhe" eines Tages ihr Schicksal erreichen würde. Inzwischen aber vollführe sie ihre Pflicht, Ver feindlichen Flotte so viel Schaden wie möglich zuzufügen.

Ein Besuch! Kaiser Wilhelms in Nordwestbelgien.

Br. Amsterdam, 12. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Von der belgisch-holländischen Grenze wird gemeldet: Kaiser Wilhelm weilte bei seinen: Besuch auf dem Kriegsschauplatz in Nordwestbelgien einige Zeit in K o r t r y k. Er empfing bei dieser Gelegenheit die Gemeindebehörden der Stadt und sprach ihnen seinen Dank für die gute Verpflegung der Truppen aus.

Das Wüten der Engländer in Antwerpen,

Antwerpen. 11. Nov. Die deutsche Verwaltung hat die genaue Feststellung der Vernichtung und Beraubung von Privateigentum angeordnet, welche die Engländer kurz vor der Übergabe der Antwerpener Festung begangen haben. Nach dem bisherigen Ergebnis beträgt der Schaden belgischer und neutraler Handelsfirmen allein mindestens 200 Millionen Franken. Ter Verlust der deutschen Firmen ist weit geringer. Die Engländer zerstörten und raubten eben in ihrer Wut alles, was sie im Hafen und in den Lagerhäusern vorfanden, ohne sich darum zu kümmern, wem die Waren gehörten.

Der Eindruck in Zrankreich über die deutsche Eroberung Dixmuidens.

Br. Genf, 12. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die Meldung von der Eroberung Dixnmidens, die (wie bereits gemeldet) auch der amtliche französische Bericht von gestern nachmittag zugibt, hat in Frankreich großen Eindruck hervorgerufen, zumal die Öffentlichkeit durch die Zeitungen nur noch auf Erfolge der Verbülldeten vorbereitet war und die Nachrichten über den angeblichen Rückzug der Deutschen, die noch durch englische Meldungen verstärkt wurden, als wahr hingenommen hatte. Um so überraschender kam die Nachricht von dem Ausgang der letzten Kämpfe. So weit be­reits Kommentare vorliegen, lassen sie erkennen, daß der Angriff der Deutschen auf die französischen Stellungen mit der größten Heftigkeit und einer Todesver­achtung ausgeführt wurde, die ihresgleichen sucht.

Oer amtliche französische Eagesberichtvon gestern.

Br. Mailand, 12. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der gestern nacht 11 Uhr ausgegebene amtliche französische Schlachtbericht lautet: Der Feind setzte den ganzen Tag seine Anstrengungen fort, ohne neue Resultate zu erzielen. Er richtete gegen L o m b a r t z y d e einen Gegenangriff, der zurückgewiesen wurde, und inachte vergebliche Versuche, um aus Dixmuiden an das linke Dseruser zu gelangen. Vom übrigen Teil der Front nichts Neues.

Selbsttäuschung und Lelbstdewunderung im englischen Parlament.

W. T.-B. London, 12. Nov. Nach formeller Eröffnung des Parlaments durch den König wurden in beiden Häusern Adressen aus die Thronrede eingebracht. Bo nar Law be­tonte das vollkommene Verschwinden der Partcipolitik und sagte, Deutschlands einzige Siegesaussicht sei ge­schwunden. Die Bundesgenossen nehmen eine bessere Stelle .ein als beim Kriegsausbruch. A s q n i t h sagte, der Krieg führte die Solidarität aller Parteien herbei und beispiellose Sympathiekundgebungeil aus allen Teilen des Reiches, unter allen Himmelsstrichen von Angehörigen aller Nationen. Die Truppen der Verbündeten hytten das erste