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Expedi-iou: La«ggafse No. 27.

No. 62

Seite 87

Den Manen Kaiser Wilhelms.

Erhab'aer Kaiser! Allzu hehr und blendend Schien Deine Bahn, der keine sich vergleicht, HS t' nickt das Schicksal, stet» da» Glücksrad wendend, Ten herbsten Kelch Dir noch zuletzt gereicht.

Bollk: mm'rres ward auf Erden uir erfunden, Der g-ötzte Sieger trägt die schwersten Wunden. Der Opfer höchstes ward von Dir begehrt, Weil Dein Geschick das Höchste Dir gewährt- Da hast Du still zu Deinem Gott gesprochen: Du willst ein Opfer, Herr! Zch'bin bereit 1 Um meinen Sohn ist mir das Herz gebrochen, Latz ihm, sein Erdenwerk zu thun, noch Zeit. Zur ewigen Ruhe kann ich geh'a in Friesen, Tenn viel zu schaffe» ward mir hier beschiedrn. Die Mutter winkt mir j.tzt zu Deinem Thron. Erhalte, Herr, und segne meinen Sohnl"

Uns bleibt auf ewig theuer Dein Gedächtniß, Und alle Liebe, die Dir ward geweiht. Bleib' als Dein heilig Erbe und Bermächtniß Dem Hoheuzollcrnstamm für alle Zeit.

So lange Kaiser Wilhelms Heldenrugend Als Vorbild leuchtet für die deutsche Jugend, So lange steht das Reich auch fest und ganz, Töat's fort und fort: Heil Dir rm Siegerkranz!

M. Schmidt.

Deutsches Aeich.

* DeS Kaisers Heimkehr. Am Sonntag Abend Punkt 11 Uhr 9 Min. lief der Zug, welcher Kaiser Friedrich nach Cbarlottenbmg, seiner vorübergehenden R sioenz brachte in dem dortigen Bahnhof ein. In Folge stark n Schneefalls war eine V« stündige Verspätung eingetreteu. Zur Begrüßung war da« Krorpriuzeopaar, Pii- z Heinrich und die Erb- pnnzffsi» Charlotte von Meiningen erschienen. Im neunten Wagen stand der Kaiser in grauem Pelzmantel mit Feldmütze; die Prinzen. Prinzessinnen und die Großheizogin stiegen zu ihm. Dec Kaiser umarmte und küßte wiederholt den Kronprinzen Wilhelm, alsdann auch die Uebrigen und ging stramiren Sckriite» im Salonwagen auf und ab Um 11 Uhr 15 Min. trat er au« d in Waggon, den Pelzkragen hochschlagend, in ein EmpfangS- l'lt aus rothwerßer S gel-Lernwand, tunen roth und gelb mit goldenen Quasten geschmückt und ausgeschlagen. Die umfasset bst u Voisichtsmeß- regeln waren getroffen, um zu verhindern, daß der Kaiser mit der sehr rauhen Luft in Beruh ung kam. Der Kaiser durchschritt da» Zelt und bestieg die Equpage mit Graf NadolrnSki und einem Arzt, öcr nicht Mackenzie war. D'.e Kaiserin, die die anwesenden Prinzen und Prinzessinnen herzlich begrüßt halte, fuhr im zweiten Wagen. Im folgenden Wage» fuhr General Winterfeld, Mackenzie und Hooell. Der Kaiser sieht diel besser au«, als irgend einer der Anwesenden erwartet hatte. Di-: Tausenden, welche die Straße vom Bahnhof umsäumten, mtb'ößten die Häupter. Der Kaisi rücke W-gen fuhr langsamen Schritte» durch den Winterstp'M. Len ganzen Weg eutlang bildete taS Publik.-m dichkg drängt Spalier entblößten Haupte«. Am Schloß paradirte die Wache de» zweiten Garberegiment«. om Miitelportal da» Garde du Co-P«. Durch diese» Po tal betrat der Kaiser sein Residcuzschloß und zog sich sosort zurück. E» herrscht allgemeine Freude über da» richt gute Aussehen de» Kaisers. Da» Menschengewühl in dem MilternachtSsturm in der sonst so stillen Stadt soll von unbeschreiblicher Wirkung gewesen sein. Die Minister, w lche dem Kaiser auf d-ss « Befehl bi» nach Leipzig entgegengereist waren, kebrt-u, mit Ausnahme de» Fürsten B-Smarck, der mit dem Kaiser dir-et nach Cha lottenburg gefahren war, schon um 3,<10 Uhr nach Berlin zurück. Zum " mpfang des Kaller» waren in Leipzig: R ichskanzler Fürst Birma ck, Obastkämmerer und Cuef de» Königlichen HauSministeriumS Graf Otto Eiolberg'Wernigerode, alle übrige» Minister, StaatSsecretär Graf Bismarck, die Chef» deS Militär- und Civllcrbinct» o Albedyll und v. W'lmowSki, Oberceremonienmeifter Graf Eulenburg. Im Gefolge de» Fürsten befanbm sich sein L ibarzt Dr. Sckweniuger und Beamte de» auewärtiae» Amte». Um 6 Uhr 38 Minuten langte der Kaiser,og in Leipzig an. Der Reichs­kanzler stieg zuerst in den Salonwagen de» Kaiserpaare». Ergreifenden Eindruck machte er, ai» de, Kaiser dem Reichskanzler schnell entaegenschrttt, ihn wiederholt umarmte und küßte. Der Kaiser stand in voller Gestalt aufrecht, wa» man durch die aufgezogeneu Jalousien beobachte» konnte. Die Kaiserin stand während der Unterredung mit dem Reichskanzler »eben dem Kaiser und begrüßte de» Re chSkanzler ebenfalls herzlichst. Auch Herrn o. Putt- kamer und die übrigen Staatsminister, Staat»sec>.etär Herbert Biümarck d-grüßte der Kaiser huldvollst. G-ößten Jubel erregte e», al» der Kaiser an die Fenster trat und sich dem Publikum mit freundlichem Grüßen zeigte. Kurz vor der Abfahrt de» Zuge» trat der Kaiser nochmal» an da« Fenster und wurde mit enthusiastischen Jnb-lrufrn begrüßt gegen 7 Uhr setzte der Kaiser,ug unter stürrni che» Hochrufen der zahlreichen Menge sich in Be­wegung. Der R ichikanzler verblieb im Salonwagen de» Kaiser» und begleitete denselben, wie schon bemerkt, nach Charlotlenburg. I» Hof, o der kaiserliche Extrazug um 2 Mr 50 Minuten eintraf, diuirten die Mai-stäten im Salonwagen. Al» enthusiastische Hochrufe erschallten, trat

Kaiser au'» Fenster und erwiderte die Ovation durch huldvolle Grüße.

I» München, wo btt Kaistr mit bestem Appetit da» ihm dargereichte Frühstück (6irt, Thee Kaffee, L'lscuit, kalte und warme Fleischspeisen) zu sich nahm, war vom königlichen Hofe Niemand anwesend auf besondere» Wunsch; nur die Königin Mutter hatte es sich rückt nehmen lassen, ihren Brrwanoten zu begrüßen. Sie erschien in Begleitung ihrer Hofdame, die ein große» Rosenbouquet trug, und bestieg alsbald de» Salon­wagen, den der Kaiser selbstverständlich nicht verließ. Der Kaiser unterhielt sich längere Zeit mit der hohe» Berwandten. In Innsbruck batte Maschiaeuwechsel stattgefuuden. I» Verona waren der Prüftet, der Bürgermeister, General Pianell und andere Notabiliiäten am Bahnhöfe und baten den Grafen Radolinsky, dem Kaiser die Huldigungen und besten Wünsche der Bevölkerung zu über- mstteln. Wahrend des Aufenthalte» des kaiserliche» Zuge» in Mailand äußerte Mackenzie zu einem Mailander Freunde seine Genugthuung über den guten Verlauf der Reise für den Kaiser. Bei seiner Ankunft dortselbst befanden sich Prinz Arnadeo, die Spitzen der Militär-und Civilbehörde» und ein zahlreiche« Publikum auf dem Perron. Der Prinz betrat den Salonwagen und küßte de» Kaiser zwei Mal, worauf er die Kaiserin begrüßte und mit dem Kaiser paar den Th-e einnahm. Nachdem er sich verabschiedet hatte, brach das Publikum in lebhaftes Händeklatschen an» Mit König Humbert traf der Kaiser auf dem Bahnhöfe von Sampier d'Arena zusammen. König Humbert unterdrückte nur mit Mühe die Thränen. Er war schmerzlichst davon berührt, daß der Kaiser kein Wort sprach. Die Unterredung des Kaisers mit dem König wurde schriftlich mittelst Papier und Bleistift geführt und war außerordentlich herzlich. Ein auf de« Kaiser» Gefinvungen für Italic» bezügliches Blatt mit de» vom Kaiser geschriebenen Worte» beide Souveräne benutzten je ein Notizblockbuch überreichte später König Humbert dem Minister- Sbeuten Crispi, der es im Parlament verlesen durfte. Im ,B. T"

diese Fmflmbegegnung tote folgt geschildert:

»König Humbert erwartete in aufgeregter Stimmung bcn Kaiser- zug, welcher um 12 Uhr 33 Mi», eintraf Sofort al» der Zug still- siand, eilte Humb-rt auf den Salonwagen zu, unter d-sseu Thüre Kaiser Friedrich erschien. Kaiser Friedrich und König Humb-rt um­armten sich vielmals h-rzlich Während beide sich in den Waggon zurückzog«, »arteten außen CriSp- und des Königs Begleitung ent­blößten Hauptes. Die Unterhaltung der Fürste» dauerte 17 Minuten, dann rief der König, unter die Waggonthür tretend, Erisp! herbei, welch, m bet Kaiser lächelnd die Hand drückte. Hierauf stieg auch die übrige Begleitung des König» ein. Der Kaiser stand fortwährend ausrecht da. in der linken Hand de» Chlindrrhut; er trug einen schwarzen Paletot, de» Kragen aufgeschlagen, dm Hals durch einen b-armen Shaw! geschützt; seine Gesichtsfarbe ist wachsbleich, dennoch sah der Kaiser so gut au», daß der König später zu Crispi sagte, er hätte ein solches Aussehen nach bcn früheren Berichten doch nicht erwartet. Der Kaiser geleitet sodann dm König unter die Waggon­thür wiederum diesen bewegt umacmeud und beffen Hand vielmals druckend. Hierauf erschienen, während da» Abfahrt,eichen ertönte und der Zug lang'ant wgfuhr, der Kaiser und die Kaiserin am Fenster, mit dem Taichmtuch winkend.

* Aus Anlaß de» Erlasses Kaiser Friedrichs, die Laude», trauet betreffend, interessirt es, zu erfahren, daß das preußische Trauer-Reglement ans dem Iahte 1797 batirt E» bestimmt für die Landestrauer einen Zeitraum von sechs Wochen; innerhalb dieser Frist dürfen keinerlei geiäaschvolle öffentliche Seranftaltunqen ftatifinben. Die Schädigungen, die daraus für zahlreiche Erwsrbrzweige erwachsen, haben in bm letzten Jahrzehnten stets Berücksichtigung gefunden: als Kaiser Wilhelm bte Landestrauer für seinen Vorgänger anordnete, beschränkte er btt sogenannte stille Zeit auf sechszetzn Taze. Der verewigte Monarch hatte sich überzeugt, daß auch in dieser beschränkten Zett für zahlreiche Existenzen Roth erwachse» war, er hatte deshalb den bestimmten Willen ausgesprochen, daß für den Fall seine« einstigen Ableben» Fürsorge getroffen w-rde, um WehnlicheS zu vermeide». Der neue Kaiser handelt nur diesem Willen gemäß wenn er auf jede obrigkeitliche Anordnung über Umfang und Dauer der Landestrauer verzichtet, und er darf gewiß fei», daß sie deshalb nicht geringer sein wird. Die Pietät, die dem Kaiser Wilhelm gezollt wird, schlreßt alle öffentliche» Veranstaltunge» aus, so lange bte Leiche der Bestattung harrt.

* Zum Tode Kaiser Wilhelms. Die Aussagen aller Per- Ionen, welche da» Sterbebett umstanden habm, sttmmen darin über­ein, daß dem greifen Herrscher der Tod genaht ist, ohne daß er sich dessen lnwußt war. Zur Leiche hatte au» dem Publikum am Samstaq Niemand Zutrttt. Es wird berichtet, daß sie in einer Fülle herrlichsten Blum-rischmuckA ruht. E» steht fest, daß die sterbliche Hülle nicht, wie urip'ünglich beabsichtigt war, in der Schlosckap-ll-, sondern im Dorne zu Berlin aufgebahrt und wahrscheinlich von Dftnstag an, zugäng­lich gemacht werden wird. Ferner scheint sestzust hen, daß die Beisetzung im Mausoleum ,u Charloltenbnrg erfolgen wirb. Der Zufluß der Fremden nach der R-ichShouptstadt ist außerorbenttich stark, alle Hotel» find über­füllt, die hervorragenderen für-stliche Personen bestellt, denn die Zahl der Vertreter auswärtiger Mächte wird eine ganz ungewöhnlich große sei». Au» Rußland konmit der Großfürst Thronfolger, die Großfürstin Wladimir und Michael, aus Oesterreich Kronprinz Rudolf, au» Italien Prinz Amadeus, an» Euolund der Prinz von Wale« mit den Prinzen Christian und Heinrich von Battenberg, an» Portugal Jnsant Dom Augusto; der König von Ru­mänien kommt persönlich und damit ist diese Liste »och lange nicht erschöpft. Da« Testament de« Kaiser» wurde am Sonntag eröffnet. Der Hof legte eine dreimonatliche Trauer an.

Die Leiche de« Kaffer» soll int grauen Militä'.mantel mit Feldmütze, feldmäßig ausgerüstet, bestattet werden. Von Orden solle» derselben außer dem schwarzen Adlerordeu nur folaeude angelegt werden« da» Eiserne Kreuz