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Verlag Langgaffe 21

„Tagbloll-HauS".

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Berliner Schriftleitung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin-Wilmersdorf Güntzelstr. 66. Ferner.: Amt Nhland 450 u. 451. Wn ,.n° «'ätzen wird keine Gewähr übernommen.

Donnerstag, 12. November 1914.

Kbend-Ausgabe.

Nr. 530. ♦ 62. Jahrgang.

Der Krieg.

i Der Tagesbericht vom 12. November.

Weitere Fortschritte im Nordwesten. Der Feind über die Iffser zurückgeworfen. werteres Vor­dringen der Deutschen bei Hpern. 700 Franzosen gefangen genommen» vier Geschütze und vier Waschinengewebre erbeutet. — (Eine Niederlage der Nüssen bei Nalisch.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 12. Nov., vormittags. (Amtlich.) Der über N i e u p o r t bis in den Vorort Lombartzyde vorgedrungene Feind wurde von unseren Truppen über die Yser zurück­geworfen und das östliche Yser-Ufer bis zur Sec vom Feinde geräumt.

Der Angriff über den Yserkaual südlich Dix- m u i d c n schritt fort.

In der Gegend östlich Ypern drangen unsere Truppen weiter vorwärts. Im ganzen wurden Mehr als 700 Franzosen gefangen genommen sowie vier Geschütze und vier Maschinengewehre erbeutet.

Heftige Angriffe westlich des Ar gönnen Waldes Und dem Walde selbst wurden abgewiesen.

Im Osten warf unsere Kavallerie östlich Kalisch dir erneut vvrgegangene überlegene rustische Kavallcrre zurück. Oberste Heeresleitung.

Die große deutsche Offensive.

bd. Rotterdam, 12. Nov. Die Deutschen sind in Nordfrankreich und in Flandern zu einer großen O f f e u s i v s ch l a ch t übergegangen. Dixmuidcn ist, >»!e gemeldet» bereits in deutschem Besitz, und Ypern !trht unmittelbar vor dem Fall. Nach eng- > sischen Blättermcidungen wird die Stadt von deutschen 28- und 32-Zcntimetcr-Gcschützen mit furchtbarem Erfolg bombardiert. Wie das „Echo de Paris" aus Dünkirchen meldet, machen die Deutschen die größten Anstrengungen, bei Ypern durchzubrechcn und über H a z e b r o u k auf Calais zu marschieren. Die deut­schen Truppen sind auf Ypern im Anmarsch. Auch bei Ar ras und an der Yser nähern sich die Kämpfe der Entscheidung. Die Stellungen der Verbün­deten sind dort durch die deutsche Artillerie sturm­reif gemacht worden.

Das Aurückweichen der Franzosen aus englischer chuelle bestätigt!

bd. Genf, 12. Nov. Das Zurückwcichcn der Fran­zosen auf dem Nvrdslügel wird durch die neueste Mel­dung des „Daily Chronicle" bestätigt. Der „Matin" toilff erfahren haben, daß von Thielt aus 3 5 0 0 0 Deutsche Soldaten mit 100 Geschützen nach ^nem unbekannten Ziele abgegangcn sein sollen. Auch in Paris ist die Hoffnung ans einen deutschen Rück­zug gründlich verflogen. Die Pariser Blätter 'Velden die Umwandlung Ostendes als Winte r- V u a r t i c r. Dort würden tiefe Schützengräben und Standorte für schwere Geschütze angelegt.

Der amtliche französische Bericht gibt die Ein­nahme Vixmuidens zu!

_ Br. Genf, 12. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Der amtliche französische Bericht vont Mittwoch, “11 hr 2 5 Min. nachmittags, lautet: Auf unserem müflel' wurde die Schlacht gestern morgen zwischen ' Awuport und Lille mit ganz besonderer Hef­tigkeit ausgenommen. Im al I g e m e i n e n wurde Unsere Front gehalten trotz der Heftigkeit und stärke des deutschen Angriffes.. Den Deutschen glückte . gegen Tagesende sich Dixmuidens zu be- '"cichtigen. Wir halten uns noch immer im Umkreise dieser Gegend am Kanal von Nieuport bis Ypern, der li o r k besetzt ist. An diesem Punkt war der Kampf 1 k h r b e i ß.

W. T.-B. Berlin, 12. Nov. In Amsterdam hat man, w,e der ,.B. L.-A." meldet, den Eindruck, daß sich die Lage auf Am Kriegsschauplatz in den letzten Tagen für die Verbün­deten recht ungünstig gestaltet haben muß, da die so wortreichen amtlichen Mitteilungen aus Paris jetzt in u n - bestimmten Ausdrücken abgefaßt und von nichtssagender I Kürze sind.

Die verbündeten auf Überraschungen gefaßt.

^ Br. Kopenhagen, 12. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. oln.) Die „National Tidende" meldet aus Paris: Ob­wohl dichter Nebel über dem Schlachtfelde liegt, treffen Ae Deutschen doch umfassende Vorbereitungen zu einem 5,'iten mächtigen Borsto ß, der nach französischer I Ansicht gegen Calais acrichtet sein soll. Er solle | ,'wchgeführt werden, gleichgültig, was er koste.

Und gelingt er nicht, darf man annchmen, daß der Rnck- J Aü angctreten wird. Die Kämpfe gehen also r m A c b e I vor sich und Überraschungen wären wohl

möglich, wenn die Verbündeten sich nicht aufs äußerste a n st r c n g c n, über die Stellung der Deutschen unterrichtet zu bleiben. Im Laufe des Mitt­wochs fanden eine Reihe Angriffe recht bedeutender feindlicher Kräfte südlich von Ypern statt.

Lin französischer Bericht über die beispiellose Tapferkeit der Deutschen.'?'!

Die furchtbaren Verluste der Engländer.

hd. Genf, 12. Nov., Im „Temps" berichtet ttn Augenzeuge über die lötägigen Kämpfe in Flandern. Er sagt: Die h e r o i s ch e T a p f e r k e i t der Angreifer ist b c i s p i cl l o s in der Weltgeschichte. Die Deutschen stürmten mit der größten Bravour und unter Gesang dem Tode entgegen. Die Verluste der englischen Trup­pen waren furchtbar. Die Hälfte von ihnen wurde aufgerieben. Biele Bataillone sind ohne Offi­ziere, so daß Korporale den Befehl führen. Am 30. und 31. Oktober war die englische Reiterei ständig deut­schem Geschützfeuer ausgesctzt. Drei Regimenter ver­loren in wenigen Stunden 60 Prozent ihrer Mann­schaft, ebenso die Inder, die mitten in die Hölle gestellt wurden. Ein einziger Schuß der 42-Zentimeter-Mörser genügte, um ganze Linien niederzumähen. Die Ge- samtverluste der Verbündeten seien ungeheuer.

Ein weiterer holländischer Bericht vom nordwestlichen Kriegsschauplatz.

bd. Rotterdam, 12. Nov. Der Berichterstatter des „Telegraaf" meldet aus Sluis, daß die Deutschen eifrigst damit beschäftigt find, S ch a n z w e r k e zu er- richten. Allen Personen, die tticht besondere Erlaubnis dazu erhalten haben, ist die Besichtigung der Arbeiten verboten. Die Deutschen brechen alle Brücken, die den Verbündeten von Nutzen sein könnten, ab. In ganz Nordflandern dauert der Kanonendonner un g e s ch w ä ch t an. Englische und französische Flieger versuchten vergebens, Bomben auf eine deutsche Truppenobteilung bei Blankenberghe zu werfen. Sie richteten unter den Deutschen keinerlei Schaden an. Da­gegen platzte eine Bombe vor dem Hotel Wikhekinshöhe, wobei ein Knabe getötet wurde. Eine zweite Bombe beschädigte das Veveinshaus der liberalen Partei. Die Aufstellung neuer Geschütze am Seedamm und auf den Plätzen der Stadt deutet darauf hin, 'daß die Deut­schen energische Maßnahmen treffen, um sich gegen einen feindliche Angriff von der See oder vom Lande her zu sichern.

Zum Brande von Ypern.

bd. Genf, 12. Nov. In Ermangelung eines amt­lichen Berichts über die Entstehung und den Umfang der in Ypern ausgebrochenen Feuersbrunst wurden in Paris zwei verschiedene Darstellungen verbreitet: Me eine geht idahin, die deutschen Granaten hätten das Südende Yperns erreicht und von dort aus habe der Brand sich ansgebreitet. Die zweite berichtet, ein Zeppelin habe Brandbomben geworfen.

Die „indischen Schlangen" in der französischen Front.

W. T.-B. Berlin, 12. Nov. Nach einem Bericht des „B. T." über die Kampfeswcise der Inder verschwinden diese im Kampfe mitunter plötzlich. Sie werfen sich auf den Bauch und kriechen wie die Schlangen nach den ersten deutschen Laufgräben.

Presscstimmen.

W- T.-B. Berlin, 12. Nov. Die Blätter begrüßen es, daß mit der Erstürmung Dixmuidens ein wichtiger Stützpunkt des Feindes gefallen sei. Er bildete einen S ch l ü s s e l p u n k t der ganzen Verteidigungslinie der Ver­bündeten. — Die Folgen seiner Eroberung zeigten sich, wie die „Vossische Zeitung" schreibt, auch sofort darin, daß es den Deutschen gelang, südlich davon über den Kanal hinüber­zukommen und auf dem westlichen Ufer festen Fuß zu fassen. Damit ist das wichtigste Hindernis, das sich den Deutschen bei ihrem Vormarsch an dieser Stelle entgegen- stellte, beseitigt worden.

Eine neue Heldentat eines veutfcken Unter­seebootes im engkicken Uanal!

Ein Kanonenboot bei Dover versenkt.

W. T.-B. London, 12. Nov. (Nichtamtlich.) Die englische Admiralität meldet, daß das kleine englische Torpedokanonenboot „Niger" heilte morgen auf der Höhe von Dover durch ein deutsches Unterseeboot zum Sinken gebracht wurde. Alle Offiziere und 27 Maun der Besatzung wurden gerettet. „Niger" ist 1892 vom Stapel gelaufen, hatte 820 Tonnen Wasserverdrängung, etwa 20 Seemeilen Geschwindigkeit, zwei 12- und vier 4,7-Zentimeter-Geschütze sowie 85 Mann Besatzung.

Br. Haag, 12. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Wie dem „Daily Telegraph" gemeldet wird, sind etwa 2 0 Leute der Besatzung des britischen Kanonenbootes „Niger" gelandet worden. Einige waren nur sehr notdürftig bekleidet. Spätere Berichte besagen, daß das Boot auf der Höhe von Dover von einem deut­schen Unterseeboot in den Grund gebohrt wurde. Offi­ziere und Besatzung wurden gerettet.

3um Gefecht van t)armontt}.

Englischer Schwindel.

Herne, 10. Nov. Nachdrücklich verwahrt sich in eiraat Brief an die „Herner Zeitung" ein Heiner Teilnehmer an dem Seegefecht bei Uarinouth gegen die englische Behauptung, der deutsche Kreuzer sei geflüchtet, als er von englischen Kreuzern verfolgt worden sei. Das sei eine echt englische Lüge. Deut­sche Seeleute rissen nicht aus, man würde sich als deutscher Seemann schämen; aber die Engländer seien nicht her­ausgekommen. Weiter heißt es in dem Briff, als die Engländer von dem deutschen Kreuzer Erkennungssignale ver­langten, seien ihnen als deutsche Antwort di« Granaten au Bord geflogen.

Wieder deutsche Flieger an Englands Küste, bä. Rom, 11. Nov. Aus Lotrdon wird telegraphiert: Wieder sind zwei deutsche Flieger über der englischen Küste beobachtet worden, und zwar einer über Sheet» n e ß, ein anderer über Harvich. Die Flieger wurden von den Engländer erfolglos beschossen.

Zwei deutsche Flieger über Dünkirchen, bd. Kopenhagen, 12. Nov. „Politiken" meldet aus Paris: Zwei Tauben überflogen gestern Dünkirchen und warfen Baniben herab, durch die zwei Personen getötet wurden.

Tin kennzeichnender vergleich.

W. T.-B. London, 11. Nov. (Nichtamtlich) Ein Korvespon- tzent schreibt dem „Manchester Guardian": Der Gegensatz, der jetzt zwischen Paris und London bestehe, sei ohnegleichen. Wenn man von Paris nach London reise, sei es, als ob man in eine andereWelt käme. Paris sei wie auSgestorbem während London noch bevölk«ter sei wie sonst. Während die Pariser Tag und Nacht an den Krieg denken müssen, ec- innere in London kaum etwas anderes als die Kbakr-llnrfor-- men und die Rekrntiernngsplakate daran, daß auf der ande­ren Seite des Kanals gekämpft werde.

Die Melden der „Emden."

200 Tote. 30 Verwundete. Fregattenkapitän v. Müller und Leutnant Prinz Franz Joseph von Hohenzoller« gerettet.

Vp. T.-B. London, 12. Nov. (NichtamtKch.) Amt­liche Meldung des „Neuterschen Bureaus": Der Kapi­tän des kleinen Kreuzers „Emden" v. Müller und der Leutnant zur See Franz Joseph Prinz von Hohenzollern sind beide kriegsgefangen und nicht verwundet. Die Verluste der „Emden" be­tragen 200 Tote und 30 Verwundete. Dir Admiralität hat angeordnet, daß den Überlebenden der „Emden" alle kriegerischen E h r e n zu erweisen sind und daß der Kapitän sowie die Ofsiziere ihre Säbel be­halten.

Der Bericht der englischen Admiralität.

IV. T.-B. London, 11. Nov. (Nichtamtlich) Die Sßntrimlifttl meldet: Nachdem (wie bereits gemeldet) der Angriff des

„Pegasus" am 16. September angezeigt hatte, wo sich die „K ö n i g s b e r g" befand, veranstaltete die Wrmiralität die Zusammengiehung einiger schneller Kreuzer in den ostafrika- nischsn Gewässern. D:e Schiffe suchten gemeinsam die See ab. Die „Königsberg" wurde am 80. Oktober von dem Kriegs­schiff „Chatham" entdeckt. Sie lag ungefähr 6 Meilen von der Mündung des Rufidschi-Flmsses gegenüber der Insel Mafia. Die „Chatham" konnte wegen ihres größeren Tiefgangs die „Königsberg" nicht erreichen. Wahrscheinlich sitzt der deut­sche Kreuzer außer bei hohem Wasser auf Grund. Ein Teil der Bemannung der „Königsberg" ist an Land gesetzt und liegt am Ufer verschanzt. Sowohl die Verschonzungen als der Kreuzer wurden von dcr„Chatham" beschossen, aber die üppigen Palmenwaldungem verhindern es, festzustellen, welcher Schaden durch die Beschießung angerichtet worden ist. Sodann wurden Schritte getan, um den Kreuzer in dem Fluß a^uschließen, indem in der einzigen Fahrrinne ein Kohlenschiff versenkt wurde. Nachdem der Kreuzer ge­fangen und unfähig geworden war, Schaden zu tun, wurden die schnellen Schisse, die ihn verfolgt hatten, fiir einem anderen Dienst frei.

Eine andere kombinierte Operation wurde seit einigen Tagen durch schnelle Kreuzer gegen die „Emden" geführt. Dabei wurden die. englischen Kreuzer durch französische, russi­

sche und japanische Kriegsschiffe und die australischen Kreuzer „Melbourne" und „Sidney" unterstützt. Gestern ging ein Be­richt etu, daß die „Emden" bei den Kokosinseln ange- kommen sei nnb auf der Insel Keeling eine bewaffnete ?lb- teilung ausgeschickt habe, um die drahtlose Station zu vernich­ten und das Telegraphenkabel abzuschneiden. Dort wurde die „Emden" durch die „Sidney" überrascht und zum Kampf ge­nötigt. In dem heftigen Gefecht, das nun folgte, hatte die „Sidney" drei Tote und drei Verwundete. Die „Emden wurde auf Strand g e t r i c B c ti und ist verbrannt. Den Geretteten wurde alle mögliche Hilfe ge-

l e i st e t.

Die „Emden" ein Symbol.

Die „K ö l n i sch e Z t g." schreibt aus B e r l i n, 11. Nov.: Noch nie war ein Schiff so sehr zum Symbol geworden wie der kleine Kreuzer „Emden". Zum Symbol und Wahrzeichen von beispielloser K ü h n h e i t und rascher Ent­schlußkraft, von leidenschaftlichem Tatendrang und todverachtendem Mm t. Der alte Deutschendrang in 'die Ferne,