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Stadt und warteten auf weitere Befehle, da der Feind laut Fli.g^rmeldunaen hinter R. in dicken Haufen sich eingieschanzt haben sollte. Da, plötzlich ein gewaltiger Krach und eine Granate schlug ungefähr 3 Meter von uns entfernt mitten in die Straße, so daß die Splitter um uns herumfegten. Dabei wurde unser Leutnant und ein Kamerad von mir, welche direkt neben mir standen, leicht verwundet, und ich kam glücklicherweise damit weg, daß ich von dcni Luftdruck bald ans meinen Allerwertesten" fiel. ImMarsch-Marsch" ging es nun wieder hinaus ans diesem Hexenkessel. Aber wunderbar, immer diese ruhige geschloffene Ordnung unserer Truppen auch in der größten Verwirrung. Nachmittags rückten wir nun wieder durch die Straßen mitten durch die Stadt bis zum Westausgang und unsere Bnsanterie ging dann weiter gegen den Ort Viller le R. vor. Am 4. Oktober, abends, wurde der Ort unter heftiger Gegenwehr der Franzosen im Stnrnr genommen. Am 3. und 6. Oktober hatten wir uns häuslich in emenl sehr tiefen Keller niederge- lassen, da die feindliche Artillerie uns danernd auf den Pelz rückte. Seit dein 7. liegen wir nun außerhalb dieses Dorfes in Schützengräben dem Feind gegenüber, welcher in einer Entfernung von 800 Meterii von uns auch in Schützengräben liegt. Wir haben uns feste tief einMgva'öen und it&e'TiVecft, fo Öüfe wir nun lnchen üv-er die feindliche Artillerie, welche zeitweise ermge Schrappm-lls zu ims herüber jagt. Wirkung dieser Dinger ist natürlich gleich Null. Wir 'haben unsere ganzen Schützengräben miteinander telephonisch ver­bunden und können uns nrit der Artillerie mib jedem entfernten Kameraden iro Kilometer entfernt liegenden Graben beguem untevbalten. Die Franzosen sehen wir am hellen Tag ans ihren Schützengräben heraus- kommen und wie- sie einzeln an ihren Gräben entlang spazieren, um uns mit ihrer blödsinnigen Duunnheit ihre ganze» Stellungen zu verraten, interessant ist es nun bei Nacht. Wir schieben dann logenannte Horcherposten 300 Meter und die Franzosen natürlich auch, diese stehen sich also demgemäß dre gam,s Nacht ernauider' g-am, noHe gegeuÄM.' uud man Hort dlesetoen, wie sie sich gegenseitig anrnfen: Halt, wer da! und Qni vive!" Am 8. wollten die Spitzbuben nachts einen Sturnnmgrrff auf den Schirtzengraöen unserer 81er nrachen,- der ihnen aber übel bekommen ist. Truppeukolonne kamen sie mit allem möglichen Lärm, wie Trompetengetute. Tromrnelwirbel und Kriegs- geschrei angerückt. Unsere Kameraden ließen sie ini Mondlicht auf sine ganz nahe Entfernung herankommen und dann pfefferten unsere Maschinengesvehre m dre Brut und der Erfolg dieser unheimlichen Gewehre war, dah am andern Muraeu 286 tote Franzosen da herum- kaaen, ohne die VerAnrirdeten, die wegsielanfen sind. Daß die Bande der Überlebenden schleunigstKehrt marsch"' gemacht hatte, brattche ich wohl gar nicht mehr zu sagen. Die Nothofen, welche an^ diesem Sturm­angriff teilgenommen hatten, sind' zn einem neuennrcht mchr zu bewegen, dafür garantiere ich. Wir sollen nun. wie verlautet, vorläufig hier an Kiefer Stelle, nicht weiter Vorgehen, sondern nur die Stellung test­halten, bis neue Truppen hier ankommen. Papas -Brief vom 1. -Oktober habe ich vorgestern erbalten und der Inhalt hat mich sehr erfreut. Aus Langenschwa-l- bach habe ich auch eine Karte erhalten. Eben fangen die Franzosen gerade wieder nrit ihrem Geschützdonner an, und dabei schießen die Kamele Gott ser Dank hier imnier in dieselbe Gegend, wo keine Menschenieele von unseren Truppen steckt.

So verbleibe ich denn bis ans ein frohes Wird er­sehen unter herzlichen Grüßen Euer treuer Georg.

dlD. Hier in dieser Gegend soll in den nächsten Tagen die endgültige Entscheidungsschlacht stattfinden,, und hoffen wir das Beste. Eben teilt der Leutnant, ber dem ich am Telephon im Graben sitze, brüderlich ferne Schokolade und Frikandellen mit mir. So wird man im Krieg.

Aus Ser rkriegszeit.

Dem Feldpostbrief eines Arztes entnehmen wir die nach­stehenden interessanten Stellen: Wir sahen in C. zunächst ziemlich friedlich; die schwere Artillerie des Feindes, kam fünf Tage hindurch nicht bis C., das Gewehrfeuer traf u,ns nicht. Da erfolgte plötzlich am 5. Oktober die Beschießung des Dorfes. Ein seiiMicher Flieger hatte am Vormittag des genannten Tages wohl erkannt, daß tu den Straßen des Ortes zahlreiche Wagen ständen und daß der Schloßgarten belebt sei. Das erste Geschoß traf in die Nähe des Schlaffes, tötete zwei Bur­schen und 13 Pferde mit einemmal, das zweite Geschoß, kam schon etwas näher unserem Hause und tötete 3 Pferde eines Adjutanten. Die dritte Granat« explodierte an unserer näch­sten Straßenecke, die vierte schließlich explodierte vor unserem Haufe, ein Splitter von ihr flog über das Haus und fiel vor die Füße unseres Töchterchens. Ich hatte inzwischen meine Wagen anschivren und die Reitpferde satteln lassen^ und nun zogen wir weiter rückwärts nach L., das noch nicht beschossen wurde. Unser Rückzug gelang gut, war aber doch nicht unbe­dingt notwendig gewesen, denn das Haus steht noch in dersel­ben Beschaffenheit da wie bei unserem Einzug. Die Ent­fernung von L. bis zur Truppe war leider zu groß geworden und die ärztliche Versorgung zu schlver. Infolgedessen rückten wir am 8. Oktober wieder durch C. und dann noch 1 Kilometer südlich in die Ferme Le Fonr ä Vevre, wo wir uns gemütlich einrichteten. Es war ein mäßig großer Bauernhof, 'der vom Verwalter völlig verlassen war. Unsere Einrichtung besorgten wir uns zum Teil von C. aus den verlassenen Häusern. Ob­gleich in unserer allernächsten Nähe die Granaten usw. nirürr- gingen, wurde die Ferme während unseres mehrwöchigen Auf­enthalts nicht belästigt; sie lag in einem sog. toten Winkel, den die feindliche Artillerie nicht erreichen konnte. Das Gewehr- fener ging entweder über unseren Hof hinweg oder die Kugeln gnrgeu in die Außenwand der Gebäude. Wir waren in der Ferme relativ sicher. Die Unterbringung war mäßig, Stroh­lager mit Mäusen;, aber insofern immer noch besser als die der Truppe, die Tag und Rächt in den Schützengräben bleiben mußte. In der Ferme blieb ich bis zum 18. Oktober, am 19. Oktober reiste ich zum Feldlazarett 2, zu dem ich als Chef­arzt kommandiert worden war; ich bin jetzt mehrere Kilometer: hinter der Kampslinie; vom Schießern hört man herzlich wenig. Ich hoffe, mich in meiner neuen Stelle etwas zu erholen, denn etwas abgespannt bin ich nach llwöchigem Wirken in der Front doch geworden. Ich habe 5 Ärzte, 1 Apotheker, 2 In­spektoren, 50 Mann Personal, 33 Pferde und 11 Wagen; ich führe einen Riesnvorrat von Wäsche mit, z. B. 290 wollene Kranteudecken, 450 Belllaken usw.; an Konserven und Kolo­nialwaren fast einen mittelgroßen Kausmannslaüen; ans 2 Wagen eine raffiniert ausgerüstete Apotheke. Die Verwal­tung dieser Bestärke erfordert viel Umsicht und legt dem Chef­arzt eine große Verantwortung auf. Das Lazarett ist zurzeit uicht eingerichtet, sondern alles eingepackt. Erst wenn Ver­wundete in größerer Menge kommen, wird ein regelrechtes Lazarett eingerichtet; 300 Mann können wir dann ohne weite­res aufwehmen; meist müssen wir aber viel mehr aufmehmen. Jetzt führen wir ein untätiges Leben und sind wähl mit allem! versehen, was wir nötig haben. Demnächst wevden wohl die Entscheidungen fallen; unsere Truppe liegt feit Mitte Septem­ber fast dauernd in Steinhöhlen und Schützengräben dem Feind gegenüber. Die Erfolge, die wir auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen haben, find großartig und heben die Be­geisterung unserer Truppe.

Das Leben in den Kellern von Reims. Paolo Scarfagkio, der bekannte italienische Schriftsteller, hat in den ersten Tagen des November eine Fahrt längs den Kampflinie an der Aisne im Zuge gemacht, bei der er einen Einblick in die Ber- hältniffe hinter den französischen Linien gewinnen konnte. Aus dem Eisenbahnverkehr konnte er feststellen, daß. von! Soiffons nach -Osten die Lage der französischen Front sich seit dem Tage der Räumung von Reims und Soiffons nicht ge­ändert hat; die deutschen Linien find noch etwa 10 Kilometer von den beiden bombardierten Linien entfernt, und nichts kann ste aus den Felshöhlen heraustreiben, in denen ste sich befestigt haben. Der Zug nach Soiffons ging an diesem Tags nicht ab, weil ihn die Deutschen am Tage vorher mit einem Granatschauer empfangen hatten. Searsogkio nahm daher