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Donnerstag, 12. November 1914.

Morgen - Ausgabe.

Nr. 329. ♦ 62. Jahrgang.

Der Krieg.

S. m. So „Emden" in Brand geschossen.

S. M. S. „Königsberg" blochiert.

W. T.-B. Berlin, 11. Nov. (Amtlich.) Nach amt- lrchen Bekanntmachungen der englischen Admiralität äiurde S. M. S. „Emden" am 9. November früh bei den K o k o s i n s e I n im indischen Ozean, während «ne Landungsabteilung zur Zerstörung der englischen Lrunkcn» und Kabelstation ausgeschifft war, von dem a u st r a l i s ch e n K r e u z e r „Sydney" angegriffen. Nach hartnäckigem v e r l u st r e i ch e m Gefecht ist S. M. S. „Emden" durch die überlegene Artillerie des Gegners in Brand geschossen und von der eigenen Besatzung auf Strand gesetzt worden.

^ Die englische Admiralität gibt ferner bekannt, das;

M. S. „5k o n i g s b c r g" im R u s i d s ch i (Deutsch- Ostafrika), 16 Meilen oberhalb der Mündung, von dem englischen Kreuzer „C h a t h a m" durch Versenken eines Kohlcndampfers blockiert worden ist. Ein Teil der Besatzung soll sich in einem befestigten Lager an Land derschanzt haben. Eine Beschießung des „Chakham" scheint ohne Wirkung gewesen zu sein. f Ter stellvertretende Chef des Admiralstabs:

B e h n ck e.

*

Von unserer Berliner Schriftleitung erhalten wir noch folgenden drahtlichen Bericht:

^ Sr. Berlin, 1t. Nov. (Ktr. Bln.) Die amtliche englische t Meldung läßt leider keinen Zweifel darüber, daß sowohl die

( .Emden" wie die „Kön,i gsberg" ehrenvoll v er-

s .toten gegangen sind. Die „Emden" bewegte sich bekannt- f t:ch mif Kreuzfahrten im Indischen Ozean. Wie großen

, Wert der Feind auf ihre Vernichtung legte, geht daraus her-

L der, daß nach Angabe der englischen Quellen eine Flotten-

, nktinn großen Stils gegen sie unternommen war, an der sich

) britische, französische, russische und japanische Kriegsschiffe

. und andi bic beiden australischen Kreuzer „Melbourne"

| | und „Sydney" beteiligten. Der „Sydney" war der Erfolg

t £'efdE)tet>en, die „Emden" aufzu stöbern, und zwar, als

sto ini Indischen Ozean, etwa 600 Seemeilen südsüdwestlich von Sumatra, auf einer kleinen Insel Mannschaften ge­landet hatte, um die • dortige Funkenstation und das Tcle- graohenkabel zu zerstören. Es kam zu einem ungleichen Kampfe, an dessen Ende die „Emden" schließlich von ihrem Kapitän brennend auf Strand gesetzt wurde. Sie üt unter erheblichem Menschenverlust zugrunde gegangen. Die „Sydney" hatte nach den Angaben der englischen Admi­ralität 3 Tote und 15 Verwundete. Der australische Kreuzer war eines der Schiffe, die 1909 von der englischen Negierung zur Schaffung einer australischen Bundesflottc be­willigt wurde. Sie ist 5700 Tonnen groß gegenüber den 3680 Tonnen der „Emden", batte 400 Mann Besatzung, wäh­rend die „Emden" nur 360 Mann hatte, lief 26 Seemeilen liegen 24 der „Emden" und war mit acht 15 , 2 -Zentimeter- Geschützen bewaffnet, während die „Emden" 12 Geschütze ! aber von nur 10tz^ Zentimeter Kaliber führte. Die Über- t^genheit der „Sydney" war aber wahrscheinlich noch größer r dadurch, daß, wie schon gesagt, ein Teil der Besatzung der » ..Emden" sich an Land befand.

Der Kreuzer „Königsberg" war im Frühjahr nach Ostasrika gegangen, um den „Geier" abzulösen und hatte J rühmlichst von sich reden gemacht, als er das englische Kriegs­schiff „Pegasus" in den Grund bohrte. Dadurch soll, immer v-ach Angaben der englischen Admiralität, die englische Flotte auf die Spur der „Königsberg" gekommen sein. Der deutsche Kreuzer war in einen Fluß in Deutsch-Ostafrlka oingelaufen und die Besatzung war 6 Meilen flußauf- wärts an Land gegangen und hatte sich dort ipi Laufgräben

( Usw. verbarrikadiert, wie man annimmt, aus Mangel an Kohlen, vielleicht auch infolge eines Maschinendefekts. Dort Istiff sie der englische Kreuzer „Chat am" an, der zur Mittel- weerstation gehört. „Chatam" beschoß die „Königsberg Von l der See aus, jedoch ohne Erfolg, und versenkte schließlich, da . sie selber in den Fluß ihres großen Tiefganges wegen nicht

I Einlaufen konnte, an der Flußmündung eine Anzahl Kohlen-

' ,schiffe, so daß der deutsche Kreuzer in den Fluß eingespe,ert

I blieb. Die „Chatham" war 5500 Tonnen groß und 1911' er- chant, der 1906 erbauten und nur 3400 Tonnen großen -Königsberg" also ebenfalls weit überlegen.

! Der Verlust beider Scküffe wird in Deutschland aufrichtig

betrauert werden. Eine Überraschung bedeutet er aber nicht. Niemand war im Zweifel darüber, daß die „Emden" eines Tages zur Strecke gebracht werden würde, niemand im Zweifel darüber, daß auch die „Königsberg" einmal gefaßt werden würde. Niemand zweifelt auch daran, daß alle übrigen deutschen Auslaiidskrenzer, !vie auch bas Geschwader an der chilenischen Küste, eines Tages auf dem Meeresgrund ruhen werden. Deutschland kann iiur stolz darauf sein, daß unsere Schiffe ihren Untergang s o t e u e r verkauften, wie die „Königsberg", vor allem aber die Unvergleichliche „Emden" es getan.

Die Genugtuung in England.

! Br. Amsterdam, 11. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.)

Die englische Presse widmet der Nachricht von dem Unter- Lang der- „Emden" lange Kommentare. Allgemein wird der

Genugtuung darüber Ausdruck gegeben, daß es endlich gelungen sei, das deutsche Schiff, dessen Tätigkeit derartig lähmend auf den englischen Handel im fernen Osten gewirkt habe, unschädlich zu machen. Von allen Seiten wird die hervorragende Tüchtigkeit und Gewandtheit des deutschen Kapitäns gerühmt, der es trotz heftiger Ver­folgung verstanden hat, seine Tätigkeit zum Schrecken des englischen Handels so lange fortzusetzen.

Oie anderen deutschen Kreuzer noch an der Arbeit.

M. Amsterdam, 11. Nov. In der Londoner Schiff- fahrtsöörse wurde in der Zeit vom Freitag bis Montag auf den bereits lange überfälligen großen Dampfer „Laccorentin a", der einen Inhalt von 13000 Tonnen besitzt, die Versicherungsprämie auf 80 Prozent erhöht. Der Kapitän des vom Kreuzer „Karlsruhe" vernichteten Dampfers „Van Dyck" glaubt, daß der „Laccorentina" von dem deutschen Hilfskreuzer „Kronprinz Wilhelm" vernichtet worden sei. Auch über das Schicksal von weiteren englischen Damp­fern ist man an der Börse sehr beunruhigt.

1)pern vor dem Zoll.

Bi-. Amsterdam, 11. November. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die Einnahme Aperns durch die deutschen Truppen steht, soweit man den Berichten der englischen Presse entnehmen kann, unmittelbar bevor. In der „Times" heißt es: Die deutsche schwere Artillerie hat jetzt Ätzern zum Ziel ausersehcn. Die deutschen Granaten hageln förmlich in die Stadt. „Daily Chronicle" wird gedrahtet, daß die deutschen 42- und 32- Zentimeter-Geschütze ihr Feuer auf Ätzern eröffnet haben. _ Nach einer Meldung der „Times" aus Nord­frankreich haben die Deutschen nur einige Meilen von Ätzern eine Stellung besetzt, von der aus sie die Stadt beschießen können. Die englische Artillerie, so sagt der Berichterstatter, arbeitet gut, aber eine Batterie wurde von den schweren Geschützen unter Feuer genommen, wodurch von den sechs Kanonen drei ver­nichtet, die anderen beschädigt wurden.

Ein nichtssagender französischer Tagesbericht.

W. T.-B. Bordeaux, 11. Nov. Der amtliche Bericht von gestern, 11 Uhr nachts, besagt: Im Norden dauert die Schlacht auf das heftigste an. Diezwischen Ätzern und Armentitzres aufgebotenen englischen Trutztzen erlitten bei Messines und weiter südwärts be­sonders starke,Verluste. Von den übrigen Teilen der Front ist nichts zu melden.

Der Sieg der deutschen Technik.

S--. Rotterdam, 1t. Nov. iEig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der Berichterstatter der „Daily Mail" meldet aus Nord­frankreich. der Kampf in der Nähe" van A r r a s werde ein unvergeßliches Ruhmesblatt für die französischen Heerführer bleiben. Vor kaum einem Monat warf eine beträchtliche deutsche Truppenmacht schwere Geschosse in die Stadt, wodurch die berühmte alte spanische Halle und der Turm ge­troffen wurden. Die deutschen Flugzeuge erschienen noch täglich, aber die französischen Ein- und Zweidecker, welche in starker Anzahl zur Stelle seien, machten Jagd auf sie. Trotz der Kanonen erleiden die Franzosen nur geringe Ver­luste, was dem umsichtigen Vorgehen der Offiziere zu ver­danken sei. Dieser Krieg sei eine Kraftprobe zwischen Maschinen und Menschen. Immerfort gebe es neue Mörser, neue Kanonen eines neuen Typs, neue Überzeppeline, neue Unterseeboote eines neuen Systems, und daraus rechnen die Deutschen, um einen Sieg zu erringen.

Oie Siegeshoffnungen eines alten französischen Generals.

W. T.-B. Bordeaux, 11. Nov. (Nichtamtlich.) Ein General des Reservekadres, der wegen seines Alters ver­hindert ist, an den Aktionen teilzunehmen, erklärte einem Berichterstatter: Die Sache der Verbündeten steht anscheinend ausgezeichnet. Die Deutschen machen große Anstrengun­gen, deren Tapferkeit und Verständnis man anerkennen muß. Die verstärkten kämpfenden Einheiten haben neue Armeekorps aufgestellt, wovon sie den größten Teil in Belgien und Nordfrankreich verwenden. Es ist bemerkenswert, daß die französischen und englischen Streitkräfte den Stoß aus- halten konnten und daß sie ihn nicht allein aushielten, sondern, wie es scheint, ihre Lage , seit einem Monat sehr verbessert haben. Die deutsche Presse erzählt, daß die Deutschen Dünkirchen, Calais und Boulogne er­obern wallen, um von da aus England zu besetzen. Sagen Sie es laut, fügte der General hinzu, es ist der herkömmliche Bluff, erst müssen wir sie Herkommen lassen, ebenso müssen unsere treuen englischen Verbündeten sich erst besiegen lassen. Ohne Zweifel würde der Besitz von Dünkirchen, Calais und Boulogne den Deutschen einen Unterschlupf für ihre Unterseeboote gewähren. In Calais aufgestellte Batterien würden die Benutzung der Meerenge durch die fran­zösische und englische Flotte beeinträchtigen, das wäre für den Feind ein großer Vorteil. Aber wie würden die Deutschen eine Landung versuchen, so lange die Engländer als Herren de2 Meeres die Transportschiffe versenken können, und mit welchen Kräften würden sic es versuchen, wenn sie schon große Mühe haben, die französisch-englischen 1

Kräfte zurückzuhalten und gezwungen sind, vor den Russen zurückzuweichen? Die Engländer begreifen, daß das beste Mittel, England zu verteidigen, liegt darin, die belgische Küste mit Antwerpen wieder zu nehmen. Um Belgien aber zurückzuerobern, muß man die Deutschen besiegen. Auf dem Kontinent also entscheidet sich das künftige Schicksal Englands. Der General schloß: „Seien wir geduldig; die Sache nimmt langsam, aber sicher, ihren Fort­gang." (Anmerkung(des W. T.-B. Das tut sie glücklicherweise, aber in anderer Richtung, als der Herr General von den Reservekadres auf Grund der bekannten Siegesbulletius der Verbündeten annimmt, die natürlich seine einzige Quelle waren.)

Schleunige Einberufung der ungedienten Leute in Frankreich.

Versagen der Farbigen.

bä. Paris, 11. Nov. .Kriegsminister Miller and ordnete die möglichste Beschleunigung der Rekrutenausbildung und Einberufung der nichtgedienten, militärtauglichen Leute an, um die ermüdeten Stammtruppen abzulösen. Die Papier­ziffer dieses Ersatzes wird auf eine halbe Million angegeben. Bei den in Frankreich verwendeten Hindu truppen und den Schwarzen macht das nebelige Wetter sich stark fühlbar. Eine verläßliche Statistik der Sterbefälle fehlt. Fraglich, ist, ob <die gestern in Marseille gelandeten Hindu- - truppen in Frankreich Verwendung finden werden; vielleicht will man sie in Algier und M a r o k k o arbeiten lassem

Erneutes vorrücken der Russen in Mittelgalizien.

Przemysl wieder cingeschlofsen.

W. T.-B. Wien, 11. Nov. (Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart vom 11. Rov., mittags: Die Operationen aus den; nordöstlichen Kriegsschauplatz entwickeln sich plangemäß und ohne Störung durch den Feind. In dem von uns frei­willig geräumten Gebiet Mittelgaliziens sind die Russen über die untere Wisloka über Kzeszow in den Raum von Lijska vorgerückt. Przemysl ist wieder ein geschlossen. Im Sprijtal mußte eine feindliche Truppenabteilung vor dem Feuer eines Panzerzuges und überraschend ausgetretene Artillerie unter großen Verlusten fliehen.

Der stellvertretende Chef des Generalstabs: v. H ö f e r, Generalmajor.

Neue schwere Verluste der Serben.

4300 Gefangene, 16 Maschinengewehre, 28 Geschütze, Munition und eine Fahne erbeutet.

W. T.-B. Wien, 11. Nov. (Nichtamtlich) Von dem süd­lichen Kriegsschauplatz wird amtlich vom 11. November gc > meldet: In den Morgenstunden des 16. November wurden die Höhen von M i s a r, südlich von Schabatz, nach viertägigem verlustreichen Kampf erstürmt und hierdurch der rechte feindliche Flügel eingedrückt und zahl­reiche Gefangene gemacht. Der Gegner mußte die- stark besetzte Linie Misar-Ccr-Planina räumen und den Rück­zug antrete». Starke feindliche Nachhute leisten in vorbe­reitenden rückwärtigen Verteidigungsstellungen neuerdings Widerstand. Die Vorrückung östlich von Loznica- K r u p a n j geht fließend vorwärts, trotz des heftigen Widerstandes der feindlichen Nachhute. Die Höhen östlich von Javlaca sind bereits in unserem Besitz. Es wurden in den Kämpfen vom 6. bis 10. November 4300 Gefangene gemacht, 16 Maschinengewehre und 28 Geschütze, darunter ein schweres, eine Fahne, mehrere Munitionswagcn und sehr viel Muni­tion erbeutet.

Der russische Generalstabsbericht über die £ag? im Kaukasus.

W. T.-B. Petersburg, 11. Nov. (Nichtamtlich) Der Bo> rieht des Generalstabs der kaukasischen Armee besagt: Der

Artilleriekamps im Raum von Kröpryhöey dauerte am Mon­tag den ganzen Tag an. Feindliche Schiffe wurden an meh­reren Küstenorten des Schwarzen Meeres bemerkt.

Der amtliche türkische Tagesbericht.

Große Verluste der Russe». — Erfolge in Ägypten.

W. T.-B. Konstantinopcl, 11. Nov. (Nichtamtlich) Die amtliche Mitteilung aus dem Großen Hauptquartier besagt: Im K a u k a s u s hat sich der Feind auf die zweite Linie seiner Stellungen zurückgezogen und große Verluste erlitten. Wir haben eine Anzahl Gefangene gemacht. Unsere Offensive dauert fort.

Unsere Truppen, welche die ägyptische Grenze über­schritten haben, haben die Stellung von S ch e i k z a r und das Fort El Arisch besetzt. Wir haben den Engländern vier Feldgeschütze und Feldtelegraphenmaterial abgenommen.

Die Mobilisierung in Jerusalem.

Das Budapester jüdische Wochenblatt „Egycnlöseg" ver­öffentlicht in seiner jüngsten Nummer einen Brief aus Jaffa, in dem folgende Schilderung von der Mobilisierung der türki­schen Truppen in Jerusalem entworfen wird: „Als der

Gouverneur von Jerusalem aus Konstantinopel die Mobil­machungsorder erhielt, sandte er sogleich berittene Herolde in die arabischen Dörfer zu den Scheichs.^ Die Herolde hielten in der einen Hand eine mit dem weißen Halbmond geschmückte blutrote Fabne, in der anderen Hand einen Krummsäbel. Dies sollte andeuten, daß der Sultan alle treuen Muselmanen zum Kampfe aufgcrufen hat. Und die Muselmanen leisteten diesem Ruf getreulich Folge. Der Erfolg der Mobilisierung war ganz außerordentlich. : Dies war namentlich für uns