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Wiesbadener Kagblatt.
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waches von Professor Gerhardt bei Lebzeiten des betreffenden Patienten iichtrg eifa wt worden war. Dr. Gerhardt fügte noch einige Worte hinzu Uber die Gründe, die ihn zu jener Diagnose geführt hätten. Das lebhafteste Interesse erwecken ferner in derselben Sitzung die wichtigen Mittheilungen deS Directors Ur. Hahn vom Krankenhaus- im Friedrichshain. Derselbe legte eine große Reche der von ihm durch Operation entfernten Kehlköpfe vor. Es handelte sich hierbei sowohl um einfachere, partielle Kchlkopf- ausschneiduugen, als auch um di-weitestg henden, w'lche überhaupt unter- nommen worden sind. Dr. Hahn hat gerade auf dem Gebiete dieser Exstirpationen wohl die größten Erfahrungen. Am bemerkenswerthesten waren die zu den Präparaten gegebenen Krankheitsgeschichten. Dr. Hahn die Operation 15 bis 20 Mal ausgeführt. An der Operation als solcher ist keiner gestorben, dagegen sind von Allen nur zwei gesund geblieben: ein Greis von 75 und ein lunger Mann von 35 Jahren. Jener wurde non Hahn vor 7 Jahren operirt. Der Krebs hatte beide Th-ile /sgrtffen und es mußte eine außerordentlich weitgehende Exstirpation erfolgen. Der Mann ist bis heute gesund geblieben, kann sich auch sehr gut verständlich machen und befindet sich durchaus wohl.
hL D£S. ausgeführten derartigen
Operationen das günstigste Resultat. Die anderen Opertrten sind alle an einer sich erneuernden Wucherung gestorben; eine Frau ist von Hahn sieben Mal an Recidiven operirt worden. In dem zweiten Falle, welcher besonderes Jvteress- verdient, handelt es sich um einen 52iahrigen Staatsanwalt aus London. Deiftlbe war seit einem Jahre heiser gewesen. Von dem berühmten englischen Kehlkopfarzt Dr. Semon, einem Schüllr Mackeozie's wurde nerufaiund Dr. Hahn zur Operation gerufen. Im Mai 1886 wurde dieselbe von dem Berliner Chirurgen in London glücklich vollsuhrt. Der Herr spricht ganz deutlich, und bis vor Kurzem befand er sich durchaus Wohl. Vor einig m Tagen indeß erhielt Sri, Mittheilung von Semon, daß an der Stelle der
^Ehlkopfseite, !die aber entfernt ist, -ine kleine, stecknadelkopfgrotze Erhöhung sich eingestellt habe; wenn diese Mittheilung auch nicht den Beweis eines Recidivs gebe, sondern bte Möglichkeit eines dicken Narbengewebes vorhanden sei, so muffe doch das aufgetretene Knötchen als verdächtig gelten und lasse Befürchtungen zu. Sollte sich wirklich ein Recidiv ein-
-v'J ?,ler ein Bnspiel, daß trotz der frühzeitigen und weit ausgedehnten Exftirpation — denn es wurde die ganze linke Seite entfernt iiiJSerreicht ist. Zu den früher operirten Kehl- köpfen legte der Director Hahn noch einen gestern exstirpirtm hinzu. Auch ^eser Patient hat die Operation glücklich überstanden. Aber was diesen U! wichtig und bemerkenswerth macht, ist die ausdrückliche Erklärung Hahn s daß an dem -xstnpirten kranken Kehlkopf von bewährten Kräften E wit größter Aiude an einigen Schnitten ein Krebs microscopisch wurde. Trotzdem konnte bei dem schnellen Wachsthnm der Geschwulst und den sonstigen deutlichen Merkmalen nicht daran gezweifelt werden, daß es sich wirklich um ein bösartiges Leiden handelte. Es gibt dieser Fall wieder einen Beweis, wie vorsichtig man mit der miccoscoviicken Diagnoie sein muß. Nach diesen Mittheilungen wurden die microscopischen Bilder von dem Londoner und dem letzterwähnten Falle den Aerzten seinen von großem Beifall begleiteten Vortrag mU der Erklärung, daß er es vorziehe, von einer Operation der schnell wuchernden, weichen Krebse des Kehlkopfes, weil sie so schlechte Erfolge liefere, Abstand zu nehmen und sich auf die Exstirpation der langsam wachsenden und kleineren zu beschränken.
. * Die rusfische Kaiserfamilie ist gestern Vormittag 10‘A Uhr in Berlin ewgetioffen und in der russischen Botschaft, wo dieselbe Avsteiae- quartier genommen, vom Kaiser Wilhelm begrüßt worden. Unter den Linden hatte sich etne große Menschenmenge angesammelt, welche beim Herannahen der hohen Herrschaften in brausende Hochs ausbrach. Der $a.c suhr mit Prinz Wilhelm in einem offenen, die Zarewna mit der Prinzessin Wilhelm im einem geschlossenen Wagen,
* Die Etatsstärke des deutschen Heeres für 1888/89 ist fSÄ‘n Tir/?0I^: ^uf 19,294 Offiziere kommen 468.409 mW”« Dstse setzen sich zusammen aus 55,503 Unteroffizieren b-Z r Zahlmetster-Mpiranten, 19,274 Spielleuten, nämlich 5516 Unter« und 13,<58 Gemeinen, 378,249 Gefreiten und Gemeinen und 3705 Lazarethgehulfen. Es kommen hinzu 1770 Militärärzte, 841 Zabl- werster, Stallmeister und Mililärmufik - Inspizienten, 516 Rotzärzte 803 Büchsenmacher und Waffenmeister, 93 Sattler und 84,091 Dienstpferde
*3# dem Breslauer Sozialisteu-Prozefse wurden durch das nun publizirte Urtheil 8 Angeklagte freigesprochen und 29 zu Gefänantß- Wochen bis zu IJahr verurtheilt. Bezüglich^Angeklagten ^tai’Sten Strafen durch die Untersuchungshaft als verbüßt Last^u eMlassin"^^ beschloß, säwmtltche Angeklagte bis auf drei der ’V"i* o** vimi*11tu«
Zustand.
der DeUant^Ed^S^v^n, U -r“ österreichischen Delegation verwies h7a bie Therlnahme, welche über di- Erkrankung
D-r ^<-8 ronprinzen in allen Kreisen der Bevölkerung herrsche"
"ulstnischen Einheitsstaate, meinte er, fei die päpstliche ^WelihenschA
unmöglich Der Papst habe auch ohne die weltliche Herrschaft eine groß', Wacht; dies zeige gerade der gegenwärtige Papst, welcher mit Deutschland einen siegreichen Frieden geschlossen habe. Abt Hauswirth antwortete er habe nichts gegen Italien vorgebracht, sondern verlange eine unabhängige Stellung für den Papst und hierzu werde es auch kommen müssen ~ Der Agent Philipp Waldapfel in Pest strengte beim Gericht eine Civilklage gegen den Fürsten Ferdinand von Bulgarien Mw. den Grafen Eugen Zicky auf Zahlung von 10,000 Gulden an Mr Mühewaltung zu Gunsten der Erwählung des Fürsten von Bulgarien Waldapftl stützt die Klage auf Briefe und Depeschen Zichh's und des Hofraths Fleischmann. — Di- Herzogin Thyra von Cumberland genaß eines Knaben. Der englische Geschäftsträger nahm das Geburts- Protokoll auf. Die Königin von Dänemark befindet sich auf der Reise von Meran nach Wien.
,, , * Frankreich. Die Würfel find gefallen! Die französische Depu- tirtenkammer hat mit beinahe Einstimmigkeit dem Anträge stattgegeben gegen den Abgeordneten Wilton das gerichtliche Verfahren einzuleiten' Hatte noch Jemand an feiner Schuld zweifeln können, so würde sie ihm offenbar geworden sein bei der Nachricht, daß der Schwiegersohn Grövv'z nachdem er gemerkt, wie die Maschen des Netzes sich immer dichter über ihm schließen, sich durch die Flucht der über ihn hereinbrechenden Strafe entziehen wollte. Die Regierung wurde indessen noch rechtzeitig von dem Vorhaben unterrichtet und verhinderte Herrn Wilson an dessen Ausführung indem sie ihm, wie es heißt, bedeuten ließ, die Dinge wären nun allzu west gediehen, als daß sie ihm gestatten könnte, zu einem Mittel zu greifen das vielleicht noch vor einem Monat am Platze gewesen wäre. Die Tribunen der Deputiitenkammer waren bei der entscheidenden Sitzung überfüllt, alle Minister anwesend. Die Abgeordneten befanden sich in großer Erregung. Neber den Verlauf der Sitzung entnehmen wir der „K. Zta" folgenden Bericht: Der Justizminister legte das Gesuch um Erlaubmb gegen ein Mitglied dieser Kammer, Wilson, gerichtlich vorgehen zu dürfen, auf den Tisch des Hauses. Die Kammer beschließt, sich sofort Ä -£.ure?ui, zur Prüfung über das Ansuchen zu versammeln. Der Präsident Floquet verkündigt, er habe das Gesuch erhalten, eine Interpellation über die Haltung der Regierung in Bezug auf den Polizei- pvafccten zu stellen. Lamartmiöre fragte au, ob es wahr fei, daß der Polizelpräfect cntlaffen sei. Der Minister des Innern antwortet, der Polizeiprafect sei diesen Morgen durch Bourgeois ersetzt worden. La- martimäre nimmt seine Interpellation zurück, spricht jedoch sein Bedauern darüber aus, daß dieser Beschluß nicht früher gefaßt und daß acht Tage hindurch die Sicherheit der Pariser nicht verbürgt gewesen fei. Der M- U'ster des Innern entgegnet, der Polizeidienst sei stets gesichert gewesen. Die Regierung habe ihre Pflicht gethan. (Beifallsbezeugungen) Dit Sitzung wird bis 4 Uhr vertagt. Di- Kammer nimmt di- Sitzung um 4'/- Uhr wieder auf. Achard legt den Bericht vor, der die Ermächtigung zur gerichtlichen Verfolgung beantragt. Die Kammer dürfe mit dem parlamentarisch en Vorrecht keine Thatsachen decken, die absolut nicht dem Reg erungssyst.m zur Last fallen dürften. Die Kammer erklärt die Dring- lichkeit und beschließt bte sofortige Beraihung. (Seit 4V- Uhr steht eine große VoWmasse vor bem Palais Bourbon, aber bis jetzt blieb Alles ruhig; bie Zuschauerbühnen finb überfüllt.) Gablet erklärt, bie vom Generalprocuretor angegebenen Thatsachen zeigten große Mißbräuche, aber er könne bann kein Vergehen finden, unb wie hoch er auch das Ansehen des Chefs des Parquls schätze, bet bte gerichtliche Verfolgung beantrage, fo Jonne er doch nicht die Verantwortlichkeit dafür theilen und werde daher nicht dafür stimmen. Milleraud entwickelt, weshalb er für das Gesuch stimm:. Mau könne sich über die Ausdrücke wundern, in welchen der Geueralprocuroto- das Gesuch abgefaßt habe, und darüber, daß die Personen deren Namen darin ausgesprochen, noch nicht Gegenstand der gerichtlichen Verfolgung geworden seien. Man könne versucht sein, zu glauben, daß das Grundprtncip der Verantwortlichkeit vor bim Gesetze tn diesem Lande gefährdet sei und daß es unter der R-publik Jemand Esiinder gleichen Lage sei wie jeder andere Bürger. Die republikanische Paitet habe beschlossen zu zeigen, daß Niemand über dem Gesetz- stehe und die R publik es nicht mache wie andere Regierungen und den schützenden Mantel nicht über Handlungen der Erpressung und Bestechung werfe. Die R-pnblik nehme keinen Anstand, offen die Bestrafung zu fordern. Die Erlaubniß zur gerichtlichen Verfolgung gegen Wilson wird mt 527 gegen 3 Simmert beschlossen. Cassagnac bemerkt" biebrei Stimmen seien Actionäre W lson's! Cassagnac wirb zur Orbnung gerufen. Die Sitzung wirb bis Samstag bei tagt. ”
Der Polizeipläfect Gragnon ist seines Amtes entsetzt worben; statt seiner fuhrt vorläufig der Staatsrath Bourgeois bte Geschäfte. - Mau pri-A °sten davon, Grövy ä»r Abdankung zwingen zu wollen. Wie es cheint, hat bis jetzt Sadi-Carnot bte meisten Aussichten auf bte Präsidentschaft. da auch die Radikalen für ihn eintreten. Die Leitung des Jnstiz- ministeriums nach Rücktritt Mazeaus hat einstweilen der Minister des Jauern, Fälliges, übernommen.- Zwischen Rochefort und Maroux vom Cri du Peuple hat etu Duell ftattgefunben tn dem Letzterer verwundet wurde. Rochefort hatte die Leiterin des Cri du Peuple, Frau Severine, beleidigt. - Die Poltzet verhaftete drei Individuen, welche gestanden, Geld dafür erhalten zu haben, um der Director des „XIX. Siöcle" nieberzttschlagen. — Die Prafecten mehrerer Departements haben der Regierung berichtet, daß sich die öffentliche Meinung in ihren Bezirken sehr erregt über den Präsidenten der Republik anläßlich der Angelegenheiten Wilson's äußere. Man tadle Herrn Grävy allgemein. Auch viele Abgeordnete erhalten zahlreiche Briefe do" ihrett Wählern «ft der Aufforderung, sich entschieden von jeder Gemeinschaft mit dem Treiben Wilson's loszusagen. Auch ist eine Petition M Uwlauf unb bereits mit vielen Unterschriften bebeckt, welche Herrn Grövy zur Abbankung auffordert Letzterer soll bagegett vor wie nach erklären, er denke nicht an seinen Rücktritt. - Nach den Angaben Charles Laurents vom „Paris waren zwei Haussuchungen bei einem ehemaligen
