Verlag Langgaffe 21
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Mittwoch, 11. November 1914- MovgEN - KUZgttbE. Nr. 527. . 62. Jahrgang.
Der Urieg.
Geringe Zuversicht in Frankreich.
Die Beurteilung der Kriegslage.
Br. Genf, 10. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) jp te Kriegslage wird von französischen Blättern dahin beurteilt, dass die Deutschen zum letzten Streich ausholen, um die Verbündeten im Norden zu schlagen und sie zur Zurückziehung ihres linken Flügels zu 5w Ingen. Man möge nicht verkennen, so heißt es in oem Artikel, daß dieser Kraftaufwand womöglich größer wi als der seit drei Wochen unternommene Versuch. Die Deutschen werden nicht auf den so lange betonten Besitz der Küste von Calais verzichten, bis sie Ulcht ihre letzte Karte ausgespielt haben. Sie wollen rineu^ S i c g und um welchen Preis neuer Opfer es uuch sei, und sie b r a u ch e n ihn, weil sic die nahe Bedrohung ihrer Gebiete durch eine russische Invasion voraussehen (?). Bei den großen Hilfsmitteln, über , " er . deutsche Generalstab verfügt, ist es u n m ö g- ‘J ch, , im voraus z n w i s s e n, w i c dieser äußerste Kampf im Norden verlausen wird. Man wird einer erbitterten Schlacht cntgegensehen müssen.
Die großen Verluste der Belgier.
Br. Rotterdam, 10. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Die Verluste der Belgier in den letzten Kämpfen and nach Mitteilungen nach Holland gekommener Flücht- lrnge geradezu entsetzlich. Unter der Führung sran- äosifcher Offiziere machten sie bedingungslos Bajonett- vngriffc auf die deutschen Linien, wobei sic fürchterlich unter Artillericfcuer zu leiden hatten. Nach Erzählungen der Geflohenen hatten sie g e g l a u b t, daß die brutsche Herrschaft in Belgien höchstens noch 4 o>s5 Tage dauern werde.
Ein holländisches Lob unserer Truppen.
Br. Rotterdam, 10. Nov. (Eig. Drahtbsvicht. Ktr. Mn.) Berichterstatter der „Tjid" in Westflandern schreibt: Man wussr der deutschen Armee nicht nur die Ordnung, L ) s z i p l i n und Vaterlandsliebe, sondern auch die B o h i g k e i t und Hartnäckigkeit bewundern. Blutig waren die Operationen an der Dser geworden, aber während Ue mit großer Geschicklichkeit die Anzahl ihrer Toten und Verwundeten zu verheimlichen, wußten, kamen immer neue Scharen herbei, um auf jeden Preis durchzubrcchen. BgonberS die aus Berlin stammenden Freiwilligenkorps svnpfen mit iaahrem Todesmut und wurden dabei von den Kameraden, die aus den besten intellektuellen Kreisen sich Eirutstrten, angefeuert. Obgleich Nieuport, Rams- f* e und Dixmuiden geräumt würden, versuchten me Freiwilligenkorps in einzelnen Angriffen jene Orte zu- uckzuerober». So entstand ein mörderischer Angriff bei dem ^wickenkopf bei N i e u p o r t, wo es den Verbündeten nicht gelang, die stark verschanzten deutschen Marinetruppen zu ver- wechen. An einigen südlich der Dser gelegenen, Punkten können die Deutschen sich behaupten.
Ein neuer Armeebefehl des Kronprinzen von Bayern.
W. T.-B. München, 10. Nov. Der Führer der 6. Armee, ronprinz Rupprecht von Bayern, erließ einen Armee- ^sthl, in dem es heißt. Soldaten! Die Augen der ganzen sind auf Euch gerichtet, es gilt jetzt, in dem Kampf mit unserem verhaßtesten Fe.inde nicht zu erlahmen, sei- Hochmut endgültig zu brechen. Schon wird er mürbe, j ergeben sich zahlreiche feindliche Offiziere und Mannschaff en freiwillig, aber der größte entscheidende Schlag E fi uoch bevor. Ihr müßt darum aushalten bis ans nde. Der Feind muß hinunter. Ihr müßt ausdauern, ihn lcht aus den Zähnen lassen. Wir müssen, wollen und wer- siegen.
Soissons, ein Steinhaufen.
, stck. Kopenhagen, 10. Nov. Der Zeitung „Politiken" oird aus Paris telegraphiert: Die Deutschen haben in den Atzten Tagen die Beschießung von Soissons wieder aufge- L^umen. Die Stadt gleicht nun einem zusammengeworfenen
Steinhaufen.
Die Steinbrnche von Soissons.
„ Im „Echo de Paris" war behauptet worden, daß die 8e- vhmten Steinbrüche bei Soissons, deren sich die Deutschen Mrend der Kämpfe an der Aisne bedienten, schon seit Jahren n deutsche Unternehmer verpachtet und van diesen schon in »Uedenszeiten fiir den Krieg vorbereitet seien.
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Das Blatt
sitzt verpflichtet, eine Berichtigung der Besitzer des ieinbruch-z zu veröffentlichen, woraus hervorgeht, daß diese Erzählung von dem falschen deutschen Champignon- achter, welcher die Steinbrüche in eine Festung umgewandelt w&en sollte, vollständig erfunden ist. Die beiden „Mützer der Steinbrüche sind Franzosen und stehen als sran- °°>siche Reservisten im Heere.
Tin Vorpostengefecht bei Szernarvitz.
W. T.-B. Wien, 10. Nov. (Nichtamtlich.) Das „Fremden- „ E" meldet aus Czernowitz: Die an der Grenze bei Koja Noncosilica stehenden Russen sandten gestern Schrapnells Czernotvitz, doch wurden die feindlichen Batterien bald
zum Schtveigen gebracht. Das Vorpostengefecht bei Czernowitz endete mit dem Rückzug der Russen. In den Kämpfen östlich Czernowitz stehen meist russische Landstürmler des letzten Jahrgangs.
Russische Truppenverschiebungen gegen die Türkei
W. T.-B. Wien, 10. Nov. (Nichtamtlich) Die „Neue Fr. Presse" meldet aus Budapest: In Ost galt z ien und B e s s a r a b i e n finden seit Tagen starke russische Krästever- schtebungen statt, welche mit dem Krieg gegen die Türkei zu- sammenzuhängen scheinen.
weitere österreichische Erfolge in Serbien.
W- T.-B. Wien, 10. Nov. (Nichtamtlich.) Von dem südlichen Kriegsschauplatz wird amtlich gemeldet: Die erbitterten Kämpfe an den Bergfüßen der Linie Schabatz-Ljesnica wurden auch gestern bis in die Nacht fortgesetzt und hierbei einzelne feindliche stark verschanzte Stellungen erstürm t. Südlich der Cer-Planina drängen unsere siegreichen Truppen weiter auf dem am Tage zuvor erreichten Raume östlich von Losmca-Krupanj-Ljnbovija vor. Auch hier kam es zu hartnäckigen Kämpfen mit den Nachhuten der Gegner, die sämtlich in kurzer Zeit geworfen wurden. Unter den zahlreichen Gefangenen befindet sich auch Oberst Rodato p i c, unter den erbeuteten Geschützen eine moderne schwere Kanone.
Der Zar in Eholm.
W. T.-B. Petersburg, 10. Nov. Der Zar kam am d, November in Cholm an und empfing Abordnungen der Stadt- und Landbevölkerung.
Das Fiasko der Dreiverbandsdiplomalle auf dem Balkan.
Br. Rom, 10. Nav. (Ei.g. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Aus gut informierter Quelle verlautet, daß die Anstrengungen der Diplomatie des Dreiverbandes bei den neutralen Balkanstaaten scheitern werden. B u l- g arien habe es abgelehnt, sich gegen die Türkei zu erklären, trotzdem ihm als Lohn von dem Dreiverband Thrazien mit Adrianopel versprochen wurde. Dies wird als Beweis dafür angesehen, daß das Einvernehmen der Türkei mit Bulgarien Tatsache ist.
Eine echt englische Proklamation in Aegypten.
2:-. Haag, 10. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Aus Kairo wird gemeldet: Der englische Khedive von Ägypten
erläßt folgende Proklamation: Obwohl von Kriegsbeginn
an die osmanische Regierung unter Einfluß unserer Feinde das internationale Recht mißbraucht hat, ergriff die englische Regierung keine Gegenmahregeln, bis sie sich durch die militärischen Vorbereitungen der Türkei in Syrien und durch die Verletzung der ägyptischen Grenzen durch bewaffnete Banden sowie durch Angriffe der türkischen Marine unter deutschen Offizieren gegen ein verbündetes Land dazu ge- z w u n g e n sah. England kämpft zum Schutze der Rechte und der Freiheit Ä g h p te n s. England verlangt nicht, daß das Volk Ägyptens ihm im Kampfe zur Seito steht. Es erwartet und verlangt aber, daß die Bevölkerung dem Feinde weder helfen, noch Englands militärische Operationen hindern wird.
Das Schicksal des Kreuzers „Glasgow".
bck. Rotterdam, 10. Nov. Agenzia Stefani meldet: Der englische Kreuzer „Glasgow" ist nach Puerto Monte, 45!) Seemeilen südlich Valparaiso, geflüchtet.
Oer Freiheitskrieg der Suren.
Von einem Deutschen, der lange Jahre im Gebiet der ehemaligen Burenrepubliken gelebt hat, geht uns folgende Darlegung Der die Aussichten des Buren- a u f st a n d e s zu: Das Wort „er lügt wie ein Engländer" ist ja wohl geflügelt geworden, aber zum Schluß haben auch die englischen Lügen kurze Beine. Wenn diese etwas länger sind als andere, so liegt das daranDaß Albion über den Riesenapparat des „Reuter- scheu Schwindelbureaus" verfügt, und daß, was den Burenaufstand betrifft, Reuters Telegraph natürlich einen erheblichen Vorsprung vor den brieflichen Nachrichten aus der Südafrikanischen Union hat, die uns noch dazu mit einigen Schwierigkeiten und aus Umwegen zngohen. Diese Nachrichten aber zeigen, daß es ein ganz gewöhnlicher Schwindel war, wenn Reuter rn alle Welt hinausposaunte, daß es sich bei denr Aufstand des Burengenerals Maritz und seiner Leute um mneii belanglosen Zwischenfall gehandelt hE. Diese Meldungen kennzeichnen sich schon dadurch, daß March und die Seinen allzu oft geschlagen, verwundet und gefangen worden sind, denn auf die Dauer hielte das nicht einmal die zähe Natur des Buren aus.
Unterdessen aber hat sich der „Zwischenfall Maritz" langst zu dem noch weit ernsteren Fall de Wet-Beyers erweitert. Solange Maritz, der zur Hertzagspartei gehört, aber bei seinem Ausstand zunächst 'nur einen flctnen Teil der Partei hinter sich hatte, an der Spitze der gegen die Engländer gerichteten Bewegung stand, wachte man sich in der Downingstceet vielleicht wirklich
mit der Hoffnung schmeicheln, 'daß es sich um eine Bewegung lokalen Charakters ^handele, denn man hat bei den Herren Asguith und Grey schon des öftern derartige verhängnisvolleSelbsttäuschungen feststellen könne. Seitdem aber de Wet und Beyers den „heiligen Krieg" gegen die Briten, das heißt für die keiligsten Güter der Buren, für ihr Land und ihre Freiheit verkündet haben, kann man sich in England dem Ernst der Lage nicht mehr verschließen, und soweit das ddch geschieht, handelt es sich um eine unsinnige Vogetstrauß- politik.
Der Name de Wet, des „schwarzen Teufels", der sich als letzter Burenführer nur widerstrebend zum Frieden von Vereenigung entschlossen hatte, und der seit 1907 als Ackerbanminister der Regierung der Oranje- fluß-Kolonie -angehört, hat bei allen Buren noch heute einen guten Klang: er war der erfolgreichste Held des Burenkrieges, Noch größere Zugkraft aber hat bei den Buren aller . vier Unionländer der Name Beyers, der mit seiner im Krieg gegen England bewiesenen mili- tärischen Tüchtigkeit staatsmännischen Sinn und hohe politische Begabung vereinigt. Der ehemalige Rechtsanwalt, der Sprecher im ersten Transvaalparlament unter englischer Herrschaft war, wurde nach der Gründung der Südafrikanischen Union Oberkommandant der gesamten Miliz, welchen Posten er bekanntlich niederlegte, als der Premierminister Bot h a auf Englands Geheiß den Feldzu.g gegen Deutsch-Südafrika beschloß. Die Burenmiliz steht aber trotzdenr auch heute noch nicht hinter Botha, sondern hinter Beyers, und wie nach den neuesten Meldungen sich nicht nur in der Käpkolonie, sondern ebenso in Transvaal und im Oranjestaat die Buren erheben, so ist es nur noch eine Frage der Zeit und der Niederlagen Englands in Europa, bis die ganzen Burenländer im Aufstand gegen die britische Herrschaft stehen werden.
Die Hertzagspartei, der fast alle Farmburen angchören und die niemals die Losung „Afrika den Afrikandern" aufgegeben hat, hat zwar bisher noch nicht mit Maritz, de Wet und Beyers offiziell gemeinsame Sache gemacht, da der bedächtige Herhog das Losfchlagen als verfrüht ansah. Im Endziel aber stimnst Hertzog durchaus mit de Wet irnd Beyers überein, und nur gegen seine Taktik des Abwartens richten sich die Worte, die de Wet am 29. Oktober in Vrede sprach: „Einige Freunde rieten mir, etwas länger zu warten, bis England stärkere Schläge erhalten hat; aber es ist unter meiner und ineines Volkes Würde, einem toten Hund einen Fußtritt zu geben." Es ist ohne Zweifel, daß jetzt auch ein Teil der Bedächtigeren durch de Wets und Beyers Beispiel fortgerissen werden wird. Muß man doch -bedenken, daß selbst die Bothapartei, die sich vor allein auf die Stadtburen stützt, nur aus Nützlichkeits- gründen mit den Engländern paktiert hat. Ja, im Grunde hat der vielgeschmähte Botha, indem er die ganze Zivilverivaltung der Union ebenso wie die Streitmacht Südafrikas in die Hände der Buren spielte, vielleicht mehr für -die Vorbereitung des Aufftandes getan als mancher der jetzigen Burenführer.
Diesem Aufstand, der auch durch den jüngsten namhaften Erfolg der deutschen Waffen in Südwest neuen Anreiz erhalten hat, stehen die Engländer einigermaßen wehrlos gegenüber, denn der Hauptteil der englischen Truppen wurde schon bei Beginn des Krieges auf den europäischen Kriegsschauplatz verschickt. Es ist jetzt nur noch eine Frage der Zeit, wann dem britischen Imperium in Südafrika das Totenglöcklein geläutet werden wird. Ein alter holländischer Afrikander erklärte mir dieser Tage, er werde nicht „nach drüben" zurückgehen, bis die Union wieder Burenrepublik sei, und er fügte hinzu: „Diesen Weihnachten werde ich
wohl noch in Europa feiern müssen." So felsensest glauben -die Afrikander an den Erfolg der Burenerhebung, die England mit Reuterdepeschen vergeblich zu bekämpfen suchen wird!
Das Lorömayor-Vankett.
Ruhmredigkeit der Verbündeten.
W- T.-B- London, 10. Nov. (Nichtamtlich.) Die gestrige Lordmayors-Prozession trug militärisches Gepräge. Zum ersten Male nahmen auch Abordnungen aus Kanada, Neuseeland und Neufundland daran teil. Auf dem am Abend abgehaltenen Bankett hielten A s q u i t h, B a l f o u r, Churchill und Kitchener Ansprachen. K i t ch e n e r rühmte die englischen Truppen, die sich auf dem Kontinent schlügen, und drückte dann seine Bewunderung für die ruhmreiche französische Armee aus. Er sagte u. a.: Unter Leitung I o f f r e s, der nicht nur ein großer Führer, sonderit auch ein großer Mann ist, können wir Vertrauen auf den endgültigen Sieg haben. Fernen zollte Lord Kitchener den russischen Armeen Anerkennung, die unter dem Befehl des Großfürsten N i k o l a v Nikolajewitsch einen Sieg von größtem strategischem Wert davontrug, ferner der belgischen Armee, die unbegrenzte Bewunderung wegen ihrer glänzenden Verteidigung
