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Verlag Langgasse 21

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Dienstag 10. November 1914.

Kbend -Ausgabe.

Nr. 526. » 62. Jahrgang.

Der Krieg.

Der Tagesbericht vom 10. November.

Sortschreitende Angriffe bei Ppern. - Gute Fortschritte im Argonnenroald. — Ein russisches BataiKc« zersprengt. — wieder insgesamt über lOOO Gefangene und eine Anzahl Maschinen­gewehre erbeutet.

W.*[\-B. Großes Hauptquartier, 10. Nov., vormittags. (Amtlich.) Unsere Angriffe bei Ypern schritten auch gestern langsam vorwärts, über 500 Franzosen, Farbige und Engländer wurden gefangen genommen und mehrere Ma schinen- Gewehre erbeutet. Auch weiter südlich arbeite- seu si ch unsere Truppen vor. Heftige Gegen- ftn Arifff der Engländer wurden zurückgewiesen.

Im Argonnenwalde machten wir gute Fort­schritte. Feindliche Vorstöße wurden leicht abge­zehrt.

In Russisch-Polen bei K o n i n zersprengte Unsere Kavallerie ein russisches Bataillon, nahm 508 sRann gefangen und erbeutete acht Maschinen- klcwehre. OberstcHeercsleitung.

La Baffer in deutscher Hand, hd. London, 10. Nov. Die „Time s" erhalten von ihrem Kriegsberichterstatter die Meldung, das; die Deutschen im Be- "tz von La B a s ser sind. Die Verbündeten leisten noch wuner Widerstand gegen ein weiteres Vordringen des Geg­ners nach B o u l o g n e.

Die deutschen Angriffe auf Dpern.

. W. T.-B. Berlin, 10. Nov. Wie aus Dünkirchen gemel­kt wird, beschossen die Deutschen Dpern zwei Tage lang auf ^ Kilometer Entfernung. Neue Streitkräfte marschierten über Lüttich-Mecheln nach Dpern.

Ein englischer Bericht über die Lage bei Ppern.

2r- Rotterdam, 10. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) ^r „Times"-Korrespondent in Nordfrankreich meldet: An- sck'einend ist der deutsche Angriff auf Dpern teilweise eine -Demonstration und es bleibt die Frage, ob die Dent- >chen neue Versuche machen, die Stadt zu erobern oder nur unsere Truppen festzuhalten beabsichtigen, während ein Haupt- uugriff gegen La Bassee geplant ist. Inzwischen haben die ^^utschen Zeit gehabt, unter Deckung schweren Geschützfeuers Zerstreute Streitkräfie zu reorganisieren. Sie verstärkten lsih auf einem Punkte, 8 Kilometer im Osten von Lille, wo Ue vorübergehend Erfolg hatten. Unsere Leute hatten unter Maschinengewehrfeue-r sehr zu leiden. Die Deutschen behaupten sich in einer Entfernung von wenigen Kilometer von Dpern und können ihre Granaten in ^e Stadt werfen. Am Mittwoch platzte eine Granate in einer Straße. Auch schweben deutsche Flieger über der Stadt, welche Vornben herabwerfen. Eine Kirche und das Rathaus sollen beschädigt sein. Am Samstag brannten verschiedene Häuser. 7~ Nach einer Meldung der „Times" aus Boulogne ist die ^eschjoßung von A r r a s am 30. Oktober unter großer Hef- Ogkeit erneuert worden. Die Stadt sei zerstört, die Kathe- drale beschädigt.

Deutsche Bomben über Dünkirchen.

IV. T.-B. London, 9. Nov. (Nichtamtlich) „Daily Mail" ^ldet, das; ein deutscher Flieger gestern zwei Bomben über ^ünkirchen abwarf. Die eine Bombe fiel in ein Dock, ohne Schaden anzuvichten; die zweite fiel in der Nähe des Rat- e^uses. Im Umkreis von 100 Meter sprangen alle Fenster- Ich-iben.

Die Lage in Ostende.

-Br. Haag, 10. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) ^ er Londoner „Daily Mail" berichtet: In Ostende

^ven die Deutschen ihre Position geändert. Totsten Mittwoch waren sie bereit, nötigenfalls die zu verlassen (?), jetzt scheint es, als wollten j? dort überwintern. Sie haben angefangen, we Stellungen zu verstärken, die bisher eigentlich p x o v i s o r i s ch waren. Sie haben die Gräben j'vrtieft und außerdem Kruppsche Kanonen auf Boulevard aufgestellt. Die Bomben der verbün- Flieger veranlassen die Deutschen, täglich chre ^ oz in magazine zu wechseln.

v e schweren Verluste der englischen und indischen Truppen.

ß r. Mailand, 10. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. o>n.) Der Pariser „Temps" verherrlicht das Verhal- cn der englischen und indischen Truppen. Einzelne : " 61 i s ch e Kavallerieregimenter verloren , i w e n i g e n S t u n d e n die Halste ihres Bestandes, ,Tst/n aber nichtsdestoweniger mit Todesverachtung äs'wre Angriffe ausgeführt. Die Inder wurden weniger hart mitgenommen: besonders

Ehrend der ersten 8 Tage nach ihrer Ankunft vor etn Feinde erlitten sie enorme Verluste. Eine Genie­

kompagnie verlor beiin ersten Zusammenstoß ihre sämtlichen Offiziere und 60 Prozent der Mann­schaften.

Ein Bajonettkampf mit den Engländern?

bä. Rotterdam, 10. Nov. Die „Times" veröffentlichen eine Depesche aus Dünkirchen vom 7. November, welche be­sagt: Vor zwei Tagen war unsere Lage bei Dpern ernst.

Die Deutschen zwangen durch heftiges Bombardement die Verbündeten, sich aus der Stadt zurückzuziehen. Dpern war eine Zeitlang herrenloses Gebiet. Unter Deckung von Geschützfeuer machten die Deutschen einen verzweifelten Versuch, die englischen Stellungen zu erobern. Immer wie­der stürmten sie denselben Punkt. Ein schottisches und ein Garderegiment machten einen Gegenangriff mit dem Bajonett. Es war der fürchterlichste Bajonetikampf des Krieges, der den Bruch unserer Front wiederherstellte. Die Angriffe der Deuffchen wurden abgeschlagen. (?) Sie be­schränkten sich weiterhin auf Artilleriefeuer.

Zur Bestrafung von Brüffel.

Von der holländischen Grenze, 8. Nov. Der aus Brüffel

gemeldete Zusammenstoß zwischen belgischer Polizei und deutschen Soldaten ereignete sich, als ein deutscher Ge- heimpolrzist einen Zeitungsverkäufer festnehmen wollte. Nachdem die Stadt aufgefordert wurde, daß bis zum 10. November die Geldbuße von 5 000 000 Franken aufzu. bringen sei, versammelte sich der Brüsseler Gemeinderat und erhob Einspruch, indem er sich darauf berief, daß die.deutsche Verwaltung zugesichert habe, in. Brüssel keine Geheimpoli­zisten zu verwenden, und daß der Brüsseler Schutzmann nicht gewußt habe, daß er mit einer deutschen Amtsperson zu tun habe.

Antwerpens Kriegsentschädigung.

Amsterdam, 9. Nov. Wie das „Echo Belge" meldet, haben die Deutschen der Stadt Antwerpen eine Kriegsentschädigung von 50 Millionen Franken auferlegt.

Wann das belgische Parlament zusammcntretcn soll.

hd. Mailand, 9. Nov. Aus Le Havre wird gedrahtet: Der „Moniteur Belge" teilt mit, daß unter Berücksichtigung der jetzigen Zustände das belgische Parlament nicht, wie ursprünglich in Aussicht genommen war, am 10. Novem­ber zusammentreten werde. Das Parlament soll erst dann seine Sitzungen wieder oufnchmen, sobald dies auf b e l - g i sch e m Boden stattfinden könne.

Der französische Tagesbericht vom 9. November.

M. Paris, 10. Nov. Der amtliche Bericht vom Montagabend 11 Uhr lautet: Keine nennens­

werte Änderung in ider Lage infolge.-der Schwie­rigkeit, die ein dichter Nebel für Operationen von einiger Ausdehnung Hervorrust. Im Norden haben wir unsere Stellungen zwischen Lys und Langhe- marque behauptet und halben zwischen Langhemarque und Dixmui-den merkliche Fortschritte gemacht.

Ileine nutzlose Verteidigung von Paris?

Br. Genf, 10. Nov (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Nach dem Bericht des „Corriere della Sera" aus Bordeaux soll die stanzösische Regierung beschlossen haben, falls mit einem Vorrücken der Deutschen auf Paris im Laufe des Feld­zuges gerechnet sein sollte, Paris für eine offene Stadt zu er­klären und nur den ä u ß e r st e n Festungsgürtel zu vertei» digen. .Die veränderte Haltung der Regierung ergebe sich auch aus dem Verbleiben der sozialistischen Mitglieder im Ministerium, das von der B e d i n g u n g, die Einwohner von Paris vor dem Schrecken einer nutzlosen Vertei­digung zu bewahren, abhängig gemocht worden sei.

Line phantastische Prophezeiung einer franzö­sischen Autorität über die ttriegsdauer.

Br. Haag, 10. Nov. (Eig-. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Eine „sehr bedeutende stanzösische militärische Autori­tät" hat für die „Daily Mail" genau ausgerechnet, wie lange der Krieg noch dauern lvird. Vorausgesetzt, „daß die Deutschen keine Fehler begehen", teilt er den Krieg in sechs Perioden. Die erste betrifft den Marsch durch Belgien und Frankreich, die zweite die Marneschlacht und den Rückzug zur Aisne, die dritte die Aisneschlacht, die sich zum Kampfe um Calais ent­wickelt, die vierte Periode umfaßt den deutschen Rück­zug (!) und den Kampf an der Maas, die fünfte den Rückzug und den Kampf am Rhein und schließlich enthält die sechste den „Marsch nach Berlin". Der Kampf um Calais ist nach Meinung des „Daily Mail"- Mannes Anfang Dezember beendet, der Kampf an der Maas Anfang Mai 1916, derjenige ani Rhein soll im Februar 1916 beendigt sein. Der Marsch nach Berlin und der Friedensschluß dürsten 1917 erfolgen. (Das Blatt betrachtet. die Ausführung seines Mitarbeiters nicht etwa als einen Scherz, sondern hat sie groß „aus­gemacht"! Es spricht überdies auch noch in einem langen Leitartikel dazu.)

Ein Zugeständnis des Generalvikars von Nsims.

Br. Paris, 10. Nov. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der Geucralvikar von Reims erkennt au, daß die Türme der Kathedrale für militärische Zwecke

gebraucht worden sind. Dieses Zugeständnis soll der deutsche Reichskanzler an den Vatikan weitergegcben haben.

Eine neue Raperbeute der „Karlsruhe."

Br. London, 10. Nov. (Eig. Drahtbcricht. Ktr. Bln.) Am 3. November ist in Plymouth ein Dampfer mit 72 Mann Besatzung des holländischen Dampfers „M a r i s" eingetroffem, der von dem deutschen Kreuzer „Karlsruhe" Vers e n k t wurde, da er 23 000 Quartre Weizen von Portland in Rore-gon für Belfast als Konterbande an Bord hatte.

Zum deutschen Angriff auf die englische Küste.

Berlin, 10. Nov. Nach einer glaubwürdigen Erzählung eines Schveuinger Fischers) der Augenzeuge des Bombarde­ments der deutschen Schiffe auf Darniouth war, sind die deut­schen Schiffe keineswegs, wie die Engländer behaupten, ge­flohen, sondern langsam zdl r ü ck g e f a h r >e n. Das eng­lische Geschwader sei erst erschienen, als die deutschen Schiffe außer Sehweite waren.

Große Panik unter den Küstcnbewohnern.

Berlin, 10. Nov. Holländischen Zeitungen zufolge herrscht infolge des letzten deutschen Angriffs auf die englische Küste unter den Küftenbcwohnern im östlichen England unbeschreib­liche Panik. In London seien bereits mehrere tau­send Flüchtlinge aus dem Gebiet der Ostküste einge- troffeu.

Oie Wirkung der deutschen §ee-Erfolge.

Die Verwahrung der skandinavischen Staaten gegen Englands „Nordsee-Sperre" hat anscheinend Erfolg gehabt. Wenigstens wird aus Christiania gemeldet, !daß größere norwegische Dampfer mit Billigung dev englischen Admiralität einen nördlichen Kurs nach Amerika gehen können, ohne den Kanal passieren zn müssen. Sicherlich würde di-ose englische Sdachgiebigkest nicht eingetreten sein, wenn nicht die deutschen See- crfolge vor Yarmouth und vor Chile das Mißverhält­nis aufgedeckt hätten, -das zwischen den protzig-brutalen Seeherrschafts-Ansprüchen Großbritanniens rmd seiner tatsächlichen Seemacht besteht. Einen mittelbaren Be­weis dafür, daß die Aufdeckung des obwaltenden Miß­verhältnisses in London nachgiebig gessimmt hat, ent­hält ein Artikel des norwegischen „Morgenbla-det", der u. a. wörtlich ausführt:

„Wir glauben, der Beschluß der englischen Admirali­tät (betreffs frer Nordsee-Sperre. Red.) ist vor dem Gefecht von Yarmouth gefaßt. Er muß deshalb einer Revision unterzogen werden, nachdem sich der Schutz durch englische Minenlinien als illusorisch erwiesen hat. Die neutralen Schiffe setzen sich gerade auf der osteng­lischen Route, die auf Englands Wunsch befolgt wer­den fall, der Gefahr ans, von deutsche« Granaten ge­troffen zu werden. . . . Die Seeschlacht -von Chile be­weist, daß letzteres ebenso -gefährlich sein kann, wie wenn man sich englischen Granaten aussetzt. . . . Durch Schließung von Pentland Firth hat England das neu­trale Skandinavien vollständig blockiert. Hätte Skandi­navien heute 60 Unterseeboote, so hätte England diese Verletzung des Völkerrechts nicht gewagt."

Die beiden deutschen See-Erfolge haben inzwischen einen teilweisen Rückzug Großbritanniens gegenüber den skandinavischen Mächten herbeigesüihrt. Hat damit das Ansehen des großmäuligen Inselstaates einen omp- frndlichen ^toß erlitten, so werde« die wirtsckMstlichcn Wirkungen der deutschen See-Erfolge in London gleich­falls schwer genug fühlbar werden. Kommt doch aus New York die Nachricht, daß die Versicherungsrate von der Westküste Südamerikas auf 6 Prozent gestiegen ist, aber nur nominell bleibt, weil sich Abschlüsse „im Hin­blick auf das deutsche Geschdrader" kaum erzielen lassend Da auch die Raten von der Ostküste und von Indien — offenbar ebenfalls „im Hinblick auf das deutsche Ge­schwader" erhöht wurden, hat der englische Handel sicherlich einen schweren Schlag erfahren. Was über diese neue Schädigung des englischen Handels bedeutet, läßt der starke Rückgang ermessen, den Englands Außenhandel nach dem Bericht des Londoner Hanbels- amtes schon im Monat Oktober erlitten hat. ®ei° Wert der englischen Ausfuhr ist nämlich im genannten Monat gegen das Vorjahr um 18,02 Millionen Psiind Ster­ling, der Wert der Einfuhr sogar um 20,17 Millionen Pfund Sterling zurückgsgangen. Mithin hat der eng­lische Außenhandel insgesamt eine Abnahme von 38,19 Millionen Pfund Sterling — r lt n d 7 6 4 Millio» ne«. Mark in einem einzigen Monat er­fahren. Den Londoner Kaufherren, die natürlich wissen, daß nach der vollständigen Vernichtung des Craddock-Geschwaders — denn von einer solchen darf inan jetzt wohl sprechen — Großbritannien an beiden Küsten Nord- und Südamerikas^ über eine nennens-, werte Seemacht nicht mehr verfügt, eröffnen sich hier- mit die allertrübsten Aussichten. Wie gewaltig diefg

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