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Wiesbadener Tagblatt
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und nach der Meinung zuständiger Persönld Besetzung Afghanistans von Norden und
MermisHtes.
jungen Offiziers Gefallen, man sprach sofort ernsthaft und eingehend dre Angelegenheit, mit Handschlag trennte man sich und am nächsten
30 Pfennig die einspaltige Petitzeile.
binnen zwei Jahren die fragliche Fabrik zu errichten, widrigenfalls Er- laubniß und Caution verfallen. Die antisemitischen russischen Blätter bejubeln das P oject. - Nach einer Meldung der Wiener «Pol. Corr." aus London richtete Herr v. Giers am 11. August ein Circular an die Großmächte, wrnin das russtsche Cabinet gegen die Uebernahme der Regierung Bulgariens durch den Prinzen von Coburg Protest erhebt und hieran die Aufforderung an die Großmächte knüpft, sich dem Protest anzuschließen.
Karlsbader Oblaten in Cartons empfiehlt zu Geburti und Gelegenheits-Geschenken Carl Bayer, Kirchgasse IS.
Kandel, Industrie, Statistik.
* Der X. deutsche Weinbau-Congretz findet vom 9 bis 12. September l. I. in Freiburg i. Br. statt. Für denselben sind die umfassendsten Vorbereitungen getroffen, so daß ein recht guter Verlauf zu erwarten steht.
Muck und Verlag der L. Schelleuberg'schen Hof-Buchdruckerei tu Wiesbaden. — Für die Herausgabe verantwortlich: Louis Schellenberg in Wiesbc^m!
--- --(Die heutige Nummer enthält 30 Seiten und eine Extra-Beilage.)
Ein bemerkenswerther Petersburger Brief spiegelt die Hoffnungen wider, mit denen man in Rußland der Weiterentwickelung der afghanischen Frage entgegensieht. Es heißt da: Das Verschwinden Afghanistans aus der Reihe der unabhängigen mittelasiatischen Stacken ist nur eine Frage der Zeit und wird aller Wahrscheinlichkeit nach in dem Augenblicke stattfinden, wo der jetzige Emir entweder stirbt, oder von seinen aufrührerischen Unterthanen verjagt wird. Zwar hat England gewisse Verpflichtungen Afghanistan gegenüber auf fich genommen, aber diese Verpflichtungen bleiben nur so lange in Kraft, als Abdurrahman Kahn daselbst herrscht, sie erlöschen aber mit feinem Verschwinden oder Ableben. Die ansehnliche anglo-indische Truppenmacht, welche an den Grenzen Afghanistans zusammengezogen ist, dürfte denn auch kaum, wie irrthümlich angenommen wird, die Bestimmung haben, nöthigenfalls dem bedrängte« Emir gegen innere oder äußere Feinde beizuspringen, sondern eher zu dem Zwecke ausgestellt sein, um gegebenenfalls bereit zu sein, ohne Verzögerung und zwar im Einvernehmen mit Rußland vorzugehen, das an den nördlichen Grenzen Afghanistans ebenso gerüstet ist, wie England im Süden, ..... «*>.!..... Persönlichkeiten könnte eine gleichzeitige
----------- --------brr. u..d von Süden ohne besondere Schwierigkeiten innerhalb weniger Wochen durchgeführt werden.
* 3» Ehre» des 80 jährigen Gedenktages der Enthüllung des Gnttenderg-Denkmals in Mainz waren der dortige Guttenbergs- platz und viele Gebäude festlich beflagt Das Denkmal selbst war prachtvoll mit Blumen und Pflanzen geschmückt, während das Haupt des „Erfinders der Buchdruckerkunst" ein Lorbeerkranz umgab.
* Rtttzland. Aus Petersburg wird telegraphirt: Eine sensationelle Meldung enthält die russtsche „Wochenchronik des Ostens"; darnach wurde für den Reichsrath das Projett einer Beschränkung der Juden im Königreich Polen ausgearbeitet. Die Juden sollen Betreffs des Besitzes von Immobilien, der Ausübung eines Handwerks, sowie des Handels ausschließlich auf die Städte und Markcflecken Polens beschränkt werden. In den Dörfern sind alle diese Beschäftigungen den Juden verboten. Die in den Dörfern lebenden Juden müssen ihr Besitzthum an Christen bäuerlicher Abkunft verkaufen; ausgenommen sind nur diejenigen Juden, welche mindesten» 600 Morgen Land besitzen, ferner die Eigenthümer einiger Spezialfabriken, Holzhändler, Actionare und Theilhaber gewisser Fabriken und Gewerkrzweige. Angeblich sind alle Bestimmungen auf's Schärfste formulirt, um eine Gesetzes-Umgehung zu verhindern. Beispielsweise sollen fernerhin nur diejenigen Juden gehörigen Fabriken erlaubt sein, welche Dampfbetrieb und mindestens 16 Arbeiter haben. Das Gesetz hat besonders den Betrieb des Kleingewerbes im Auge. Außerhalb der Städte und Marktflecken dürfen die Juden nur mit spezieller Erlaubniß der Gouvernementsbebörde und unter Hinterlegung von 5000 Rubel Caution Immobilien zu Fabrikanlagen pachten, wobei sie verpflichtet find, spätestens
* Frankreich. Wie ausMont-sous-Vaudretz telegraphirt wird, hatten sich am 14. August zur Feier de« 80. Geburtstages des Präsidenten der Republik der Präfect des Jura-Departements, der Unterpräfect von Dole, zahlreiche Maires und Friedensrichter eingefunden, um Herrn Grevv ihre Glückwünsche darzubringen. Außerdem füllten etwa 1000 Personen den Gatten und ließen, mit verschiedenen Gesang- und Musikvereinen abwechselnd, Vivatrufe ertönen. Der Präsident der Republick schien sehr glücklich über diese Kundgebung zu fein und drückte dies seinen Gästen, der Bevölkerung und den Musikanten in herzlicher Weise aus.
* Holland. Die Auflösung der beiden Kammern ist auf den 17. August festgesetzt. Die Neuwahlen für die zweite Kammer finden am 1. September, diejenigen für die erste Kammer am 8. September statt. Die Eröffnung der neuen Kammern erfolgt am 19. September.
* Belgien. In Mons trat der fünfte belgische Socialisten-Congreß zusammen; derselbe führte zu einer endgiltigen Spaltung der Partei. 45 D-legirte Süd-Belgiens verließen den Conareß und beschlossen, eine besondere, den anarchistischen Tendenzen zuneigende Partei, unter Führung des Advocaten Defuisseaux zu gründen. Der Rest der Delegirten verblieb auf dem Congreß und b:rieth die Frage eines allgemeinen Streiks, ohne einen bestimmten Beschluß zu fassen.
* Bulgarien. Der Prinz von Coburg hat an die Sob.'anje folgende Proclamation erlassen: „Wir Ferdinand I., durch Gottes Gnade und den Willen der Nation Fürst von Bulgarien, erklären, nachdem Wir den feierlichen Eid vor der großen Nationalversammlung in der alten Hauptstadt von Bulgatten geleistet haben, Unserem geliebten Volke, daß Wir die Zügel der Regierung ergriffen haben und dieselbe gemäß der Verfassung führen werden. Entschlossen, alle Sorgfalt und all- Bemühungen für das Gedeihen, die Größe und den Ruhm des Landes aufzuwenden, und bereit, seinem Glück Unser Leben zu weihen, halten Wir es in dem Augenblick, wo Wir den Thron der glorreichen Könige Bulgariens besteigen, für Unsere geheiligte Pflicht, dem braven, muthvollen Volke Bulgariens Unstten Dank auszusprechen sowohl für das Vertrauen, welches dasselbe Uns bezeugt hat, indem es Uns zum Fürsten wählte, als auch für seine patriotische und weise Haltung während der schwierigen Zeit, die Unser Land durchzumachen hatte. Die heroischen Bemühungen, welche das Volk gemacht hat, um seine Rechte, feine Ehre und seine Interessen zu wahren, haben ihm die Sympathien der gejammten civili- sirten Welt verschafft und Allen den Glauben an seine Lebenskraft wie die Gewißheit eingeflößt, daß das Volk in feiner Entwickelung einer glänzenderen und glücklicheren Zukunft würdig ist. Wir danken auch den Regenten und den Ministern für ihre weise Führung der Geschäfte; Dank derselben haben sie es vermocht, die Unabhängigkeit und Freiheit Unseres Landes zu retten. Ueberzeugt, daß Unser Volk und Unsere tapfere Armee fich um Unseren Thron schaaren und Uns unterstützen werden bei allen Bemühungen für das Glück des Vaterlandes, rufen Wir den Segen Gottes herab auf alle Handlungen, sowie auf alle Entschlüsse, welche Wir in Zukunft fasten werden. Es lebe Bulgarien, das frei ist in der Ausübung seiner Rechte! Ferdinand." — Unmittelbar nach der Wahl des Coburgers, welche die Regentschaft im Gegensatz zu den „Battenbergern" durchgesetzt hatte, machte der Regent Stambulow die Bemerkung, man werde noch erleben, daß eben jene Leute, die den Fürsten Alexander gefangen genommen hätten, fich al» die eifrigsten „Battenberger" geberden würden. Stambulow nahm damals an, die russische Partei werde den Heldengeist der abwesenden Fürsten Alexander heraufbeschwörcn, um den anwesenden Fürsten Ferdinand zu bannen; Stambulow hat sich geirrt. Die erste Kundgebung der russischen Partei in Bulgarien liegt jetzt vor, und fie beweist, daß diese Partei dem Coburger eher durch ihre Liebe als durch ihren Haß verderblich werden wird. Der Hohepriester des Staatsstreichs, Metropolit Klement, begrüßte den Coburger als den neuen Heiland, der die Bulgaren von dec Schreckensherrschaft der RadoSlawow und Genosten erlösen werde. Es ist schwer zu entscheiden, ob diese für den Coburger ziemlich gefährliche entgegenkommende und erwartungsvolle Haltung der Staatsstreichler und Rustenfteunde lediglich der Ausdruck eines sehr erklärlichen Gefühls der Erleichterung ist oder ob sie vorwiegend tattischen Erwäßungen entspringt. Die Rustenfteunde begrüßen den Coburger, den sie noch nicht zu fürchte« brauchen, zunächst als ein Heilmittel gegen den Battenberger, dessen Volksthümlichkeit und dessen Heldenhafte und liebenswürdige Persönlichkeit ihnen mit gutem Grunde noch immer Schrecken einflößen.
* Wie Lieutenant Witzmann, der bekannte Afrikaforscher, dazu kam, fich feinem gefahrvollen Beruf zu widmen, darüber werden jetzt folgende interessante Details bekannt. Wißmann saß einst als ehrsamer Lieutenant im 90. Infanterie-Regiment in seiner Garnison Wismar mit mehreren Kameraden beim Bier, als er hörte, wie am Nebentisch ein ihm bekannter reicher Privatier sich mit Freuden lebhaft über die jenen dunklen Erdtheil aufsuchenden kühnen Reisenden unterhielt Man sprach gerade von den Schwierigkeiten und Gefahren einer solchen Forschungsreise, und der Hauptredner, jener Privatier, behauptete, es werde sich wohl sobald Niemand finden, der das Wagniß unternehme. „Wenn Einer für das nöthige Geld sorgt, reise ich quer durch Afrika," rief ia diesem Augenblick Lieutenant Wißmann vom Nebentisch her, und der für die Afrikaforschung begeisterte ältere Herr nahm den jungen, kühnen Osfizier sofort beim Wort. Er fragte ihn, wie und an welcher Stelle er denn eigentlich den dunkeln Welttheil durchqueren wolle? Wißmann besann fich nicht lange und machte auf einer herbeigeholten Karte von Afrika mit feinem Bleistift einen Strich von einem Oeean zum andere«. Alles lachte, doch unser Privatier fand an dem entschlossenen Wesm deS jungen Offizins Gefallen, man sprach sofort ernsthaft und eingehend über
die Angelegenheit, mit Handschlag trennte man sich und am nächsten Tage saß Lieutenant Wißmann, der es sich vor jenem Abend, als er in jugendlichem Ungestüm die kühnen Worte aussprach, nicht hatte träumen laste«, Afrika jemals zu sehen, Bereits eifrig hinter den Büchern und stuM zunächst auf diese Weise Land und Leute. So wurde Lieutenant Wißmann Afrikaforscher.
* Brand. Am 15. August brannten in Skutari (Türkei) etwa 1200, zum größten Tb eil aus Holz erbaute Häuser nieder. Auch bi» griechische und armenische Kirche wurden ein Raub der Flammen. Ei« Verlust an Menschenleben ist nicht vorgekommen.
* Die Zahl der bei dem grotzen Eisenbahn-Unfall bei Bloomington in Amerika getodteien Personen stellt sich nach den bis etzt erfolgten Feststellungen auf 155, beläuft sich wahrscheinlich aber noch roher. Viele Todte ober Verwundete wurden der Werthgegenstände, die te an sich trugen, ganz ober theilweise beraubt aufgefunden; man will daraus schließen, daß dem Brande der Brücke resp. dem Herabstürzen deS Eisenbahnzugs nicht ein unglücklicher Zufall, sondern ein Verbrechen zu Grunde liege.
